Skip to main content

Full text of "Abhandlungen zur geologischen specialkarte von Elsass-Lothringen . ."

See other formats


Google 


This  is  a  digital  copy  of  a  book  that  was  prcscrvod  for  gcncrations  on  library  shclvcs  bcforc  it  was  carcfully  scannod  by  Google  as  pari  of  a  projcct 

to  make  the  world's  books  discoverablc  online. 

It  has  survived  long  enough  for  the  Copyright  to  expire  and  the  book  to  enter  the  public  domain.  A  public  domain  book  is  one  that  was  never  subject 

to  Copyright  or  whose  legal  Copyright  term  has  expired.  Whether  a  book  is  in  the  public  domain  may  vary  country  to  country.  Public  domain  books 

are  our  gateways  to  the  past,  representing  a  wealth  of  history,  cultuie  and  knowledge  that's  often  difficult  to  discover. 

Marks,  notations  and  other  maiginalia  present  in  the  original  volume  will  appear  in  this  flle  -  a  reminder  of  this  book's  long  journcy  from  the 

publisher  to  a  library  and  finally  to  you. 

Usage  guidelines 

Google  is  proud  to  partner  with  libraries  to  digitize  public  domain  materials  and  make  them  widely  accessible.  Public  domain  books  belong  to  the 
public  and  we  are  merely  their  custodians.  Nevertheless,  this  work  is  expensive,  so  in  order  to  keep  providing  this  resource,  we  have  taken  Steps  to 
prcvcnt  abuse  by  commercial  parties,  including  placing  lechnical  restrictions  on  automated  querying. 
We  also  ask  that  you: 

+  Make  non-commercial  use  ofthefiles  We  designed  Google  Book  Search  for  use  by  individuals,  and  we  request  that  you  use  these  files  for 
personal,  non-commercial  purposes. 

+  Refrain  fivm  automated  querying  Do  not  send  automated  queries  of  any  sort  to  Google's  System:  If  you  are  conducting  research  on  machinc 
translation,  optical  character  recognition  or  other  areas  where  access  to  a  laige  amount  of  text  is  helpful,  please  contact  us.  We  encouragc  the 
use  of  public  domain  materials  for  these  purposes  and  may  be  able  to  help. 

+  Maintain  attributionTht  GoogXt  "watermark"  you  see  on  each  flle  is essential  for  informingpcoplcabout  this  projcct  and  hclping  them  lind 
additional  materials  through  Google  Book  Search.  Please  do  not  remove  it. 

+  Keep  it  legal  Whatever  your  use,  remember  that  you  are  lesponsible  for  ensuring  that  what  you  are  doing  is  legal.  Do  not  assume  that  just 
because  we  believe  a  book  is  in  the  public  domain  for  users  in  the  United  States,  that  the  work  is  also  in  the  public  domain  for  users  in  other 
countries.  Whether  a  book  is  still  in  Copyright  varies  from  country  to  country,  and  we  can'l  offer  guidance  on  whether  any  speciflc  use  of 
any  speciflc  book  is  allowed.  Please  do  not  assume  that  a  book's  appearance  in  Google  Book  Search  mcans  it  can  bc  used  in  any  manner 
anywhere  in  the  world.  Copyright  infringement  liabili^  can  be  quite  severe. 

Äbout  Google  Book  Search 

Google's  mission  is  to  organizc  the  world's  Information  and  to  make  it  univcrsally  accessible  and  uscful.   Google  Book  Search  hclps  rcadcrs 
discover  the  world's  books  while  hclping  authors  and  publishers  rcach  ncw  audicnccs.  You  can  search  through  the  füll  icxi  of  ihis  book  on  the  web 

at|http: //books.  google  .com/l 


Google 


IJber  dieses  Buch 

Dies  ist  ein  digitales  Exemplar  eines  Buches,  das  seit  Generationen  in  den  Realen  der  Bibliotheken  aufbewahrt  wurde,  bevor  es  von  Google  im 
Rahmen  eines  Projekts,  mit  dem  die  Bücher  dieser  Welt  online  verfugbar  gemacht  werden  sollen,  sorgfältig  gescannt  wurde. 
Das  Buch  hat  das  Uiheberrecht  überdauert  und  kann  nun  öffentlich  zugänglich  gemacht  werden.  Ein  öffentlich  zugängliches  Buch  ist  ein  Buch, 
das  niemals  Urheberrechten  unterlag  oder  bei  dem  die  Schutzfrist  des  Urheberrechts  abgelaufen  ist.  Ob  ein  Buch  öffentlich  zugänglich  ist,  kann 
von  Land  zu  Land  unterschiedlich  sein.  Öffentlich  zugängliche  Bücher  sind  unser  Tor  zur  Vergangenheit  und  stellen  ein  geschichtliches,  kulturelles 
und  wissenschaftliches  Vermögen  dar,  das  häufig  nur  schwierig  zu  entdecken  ist. 

Gebrauchsspuren,  Anmerkungen  und  andere  Randbemerkungen,  die  im  Originalband  enthalten  sind,  finden  sich  auch  in  dieser  Datei  -  eine  Erin- 
nerung an  die  lange  Reise,  die  das  Buch  vom  Verleger  zu  einer  Bibliothek  und  weiter  zu  Ihnen  hinter  sich  gebracht  hat. 

Nu  tzungsrichtlinien 

Google  ist  stolz,  mit  Bibliotheken  in  Partnerschaft  lieber  Zusammenarbeit  öffentlich  zugängliches  Material  zu  digitalisieren  und  einer  breiten  Masse 
zugänglich  zu  machen.     Öffentlich  zugängliche  Bücher  gehören  der  Öffentlichkeit,  und  wir  sind  nur  ihre  Hüter.     Nie htsdesto trotz  ist  diese 
Arbeit  kostspielig.  Um  diese  Ressource  weiterhin  zur  Verfügung  stellen  zu  können,  haben  wir  Schritte  unternommen,  um  den  Missbrauch  durch 
kommerzielle  Parteien  zu  veihindem.  Dazu  gehören  technische  Einschränkungen  für  automatisierte  Abfragen. 
Wir  bitten  Sie  um  Einhaltung  folgender  Richtlinien: 

+  Nutzung  der  Dateien  zu  nichtkommerziellen  Zwecken  Wir  haben  Google  Buchsuche  Tür  Endanwender  konzipiert  und  möchten,  dass  Sie  diese 
Dateien  nur  für  persönliche,  nichtkommerzielle  Zwecke  verwenden. 

+  Keine  automatisierten  Abfragen  Senden  Sie  keine  automatisierten  Abfragen  irgendwelcher  Art  an  das  Google-System.  Wenn  Sie  Recherchen 
über  maschinelle  Übersetzung,  optische  Zeichenerkennung  oder  andere  Bereiche  durchführen,  in  denen  der  Zugang  zu  Text  in  großen  Mengen 
nützlich  ist,  wenden  Sie  sich  bitte  an  uns.  Wir  fördern  die  Nutzung  des  öffentlich  zugänglichen  Materials  fürdieseZwecke  und  können  Ihnen 
unter  Umständen  helfen. 

+  Beibehaltung  von  Google-MarkenelementenDas  "Wasserzeichen"  von  Google,  das  Sie  in  jeder  Datei  finden,  ist  wichtig  zur  Information  über 
dieses  Projekt  und  hilft  den  Anwendern  weiteres  Material  über  Google  Buchsuche  zu  finden.  Bitte  entfernen  Sie  das  Wasserzeichen  nicht. 

+  Bewegen  Sie  sich  innerhalb  der  Legalität  Unabhängig  von  Ihrem  Verwendungszweck  müssen  Sie  sich  Ihrer  Verantwortung  bewusst  sein, 
sicherzustellen,  dass  Ihre  Nutzung  legal  ist.  Gehen  Sie  nicht  davon  aus,  dass  ein  Buch,  das  nach  unserem  Dafürhalten  für  Nutzer  in  den  USA 
öffentlich  zugänglich  ist,  auch  für  Nutzer  in  anderen  Ländern  öffentlich  zugänglich  ist.  Ob  ein  Buch  noch  dem  Urheberrecht  unterliegt,  ist 
von  Land  zu  Land  verschieden.  Wir  können  keine  Beratung  leisten,  ob  eine  bestimmte  Nutzung  eines  bestimmten  Buches  gesetzlich  zulässig 
ist.  Gehen  Sie  nicht  davon  aus,  dass  das  Erscheinen  eines  Buchs  in  Google  Buchsuche  bedeutet,  dass  es  in  jeder  Form  und  überall  auf  der 
Welt  verwendet  werden  kann.  Eine  Urheberrechtsverletzung  kann  schwerwiegende  Folgen  haben. 

Über  Google  Buchsuche 

Das  Ziel  von  Google  besteht  darin,  die  weltweiten  Informationen  zu  organisieren  und  allgemein  nutzbar  und  zugänglich  zu  machen.  Google 
Buchsuche  hilft  Lesern  dabei,  die  Bücher  dieser  Welt  zu  entdecken,  und  unterstützt  Autoren  und  Verleger  dabei,  neue  Zielgruppcn  zu  erreichen. 
Den  gesamten  Buchtext  können  Sie  im  Internet  unter|http:  //books  .  google  .coiril  durchsuchen. 


Branner  Barth  Sciences  Library 


ABHANDLUNGEN 


zoa 


GEOLOGISCHEN  SPEGIALKARTE 


VON 


ELSASS-LOTHRINGEN. 


Band  H. 


/:?u(.S      /  .^  ...  Lr  t  ^       iA_  •  r<   i  V   C  t  . .  ^ 


ABHANDLUNGEN 


ZUR 


GEOLOGISCHEN  SPEGIALKARTE 


VON 


ELSASS-LOTHRINGEN. 


Bctnd  II< 


MIT  VIERZIG  LITHOGRAPHIRTEN  TAFELN  UND  ZWEI  ICARTENZKIZZEN  (IN  ATLAS), 

SOWIE  DREIZEHN  ZINKOGRAPHIEEN. 


STRASSBURa, 

DRUCK  UND  VERLAG  VON  R.  SCHULTZ  &  C*« 

(Berger-Levrault*s  Nachfolger). 

1884 


V 


"  W7ST   "   005  '   2  2013 


QUAUTV  OONTNOL  MARK 


Inhalts-Yerzeiobniss. 


Seit«. 

Der  untere  Dogger  Deatsch-LothrlngeiiB  von  Dr.  W.  Branco. 
(Mit  zehn  lithographlrten  Tafeln) : 

Einleitung 1 

A.  Geognostischer  Tbeil. 

L  Der  Lias *9 

II.  Der  Dogger. 

1.  Die  Schichlea  mit  Harpoceras  striatulum 14 

2.  Die  Schichten  mit  Gryphaea  ferruginea  und  Trig.  navis,      32 

3.  Die  Schichten  mit  Harpoceras  Murchisonae  und  Phola- 

domya  reticulata 42 

4.  Die  Schichten  mit  Uarp.  Sowerbyi  und  Gryph.  sublobata.  47 

5.  Die  hölieren  Schichten  des  braunen  Jura 51 

ß.  Paläontologischer  Theil 57 

Yergleichung  des  unteren  Doggers  von  Lothringen  mit  demjenigen 

Schwabens  und  anderer  Länder 135 

Tabellarische  Uebersicht  der  Ablagerungen  des  Lias  und  unteren 

Doggers  in  Lothringen,  Luxemburg  und  dem  Elsass 147 

UebersichiBtabelle  der  fossilen  Arten  im  unteren  Dogger  Lothringens.  151 

Litteraturverzeichniss 155 


Die  Brachiopoden  der  Juraformation  von  Eisass-Lothrlngen 
Ton  Dr.  Hippolyt  Haas  and  Dr.  Gamilie  Petri.  (Hit 
achtzehn  lithographirten  Tafeln  und  drei  Zinkographieen) : 

Vorwort VII 

LiUeraturverzeichniss XI 


Seite. 

RkvncheneUa 161 

Tertbratula 244 

WaUlieimia 268 

Spirife7'ina 296 

Orthoidea 303 

Thecidium 304 

Discina 304 

Lingula 309 

Nachtrag 314 

Scblusswort 315 

Register 317 


Bin    Beitrag   zur  Kenntniss  des   Elsässer   Tertiärs    tod 
Dr.  A.  Andreae.  (Mit  zwölf  iithographirten  Tafeln,  zwei 
^Kartenskizzen  nnd  zehn  Ziokographieen) : 

[Aus  Verseben  wurde  in  diesem  Hefte  eine  neue  Paginirung  angefangen.] 

Vorwort 1 

I.  Der   Buchsweiler-Kalk   ui^d   gleichalterlge   Bildungen   am 

Oberrhein 3 

Wichtigste  Litteratur 5 

1.  Geologische  Verhältnisse 5 

2.  Palaeontologische  Verhältnisse. 

A.  Säugethiere 18 

B.  Mollusken 32 

Allgemeiner  Charakter  der  Buchsweiler  Fauna  und  Schluss- 
betrachtungen   57 

Tabellarische  üebersicht  der  Buchsweiler  Gonchylien-Fauna.  62 

U.  Der  Melanienkalk  oder  Brunnstatter-Kalk 63 

Wichtigste  Litteratur 66 

Allgemeiner  geologischer  Ueberblick 66 

Flora  von  Niederspechbach 71 

1.  Wirbelthiere  des  Melanienkalkes 73 

2.  Conchylien  des  Melanienkalkes.* 74 

Allgemeine  Bemerkungen  über  den  Melanienkalk .  .  87 
Tabelle:  Vergleichende  üebersicht  der  Genera  des 

Melanienkalkes  und  des  Buchs weiler-Kalkes  ....  92 


*  Seite. 

in.  Das  OJigocän  im  Elsass 93 

Wichtigste  Litteralur 95 

Allgemeines  aber  die  Oligocänschicbten  im  Elsass 99 

I.  Das  oligocJine  Petrolgebiet  im  Unter-Elsass  in  der  Ge- 

gend von  Sulz  u.  d.  Wald 105 

A.  Bilumenführende  Schicblen  von  Lobsann 106 

B.  Bitumenführende  Schiebten  von  Pecbelbronn.  ...  126 
G.  Petroleumsandführende  Oligocänschicbten  von 

Schwabweiler 150 

II.  Das  Petroleumgebiet  von  Hirzbach  im  Ober-Elsass  .  .  165 
Theorien   über  die  Entstehung   des  Erdöls  im  Elsass  169 

III.  Meeressand  im  Elsass  und  in  der  Oberrheinebene.  .  .  173 

IV.  Der  Septarienthon  im  Ünter-Elsass 187 

V.  Mergel  mit  Oürta  callifera  und  reicher  Foraminiferen- 

fauna  im  Ober-Elsass  zwischen  Gebweiler  und  Sent* 

heim 226 

VI.  Die  Amphisyle- Schichten  im  Elsass  und  am  Oberrhein.  241 
Wichtigste  Litteralur  über  die  Amphisyle-Schichten  im 

Allgemeinen 241 

Geologische  Verhältnisse  und  geographische  Verbrei- 
tung der  Fischschiefer 243 

Blättersandstein  von  Habsheim  mit  Melelta-Schuppen.  264 

VIL  Das  Oberoligocän  im  Elsass  und  in  der  Oberrheinebene.  267 

VIIL  Oligocflne  Gonglomerate  und  Küstenbildungen  im  Elsass.  291 

Tabellarische  Uebersicht  der  Tertiärschichten  im  Elsass.  313 

IV.  Die  Miocänschichten  im  Oberrhemlhale 315 

Nachtrag 322 


ABHANDLUNGEN 


ZUR 


GEOLOGISCHEN  SPEZIALKARTE 


VON 


ELSASS-LOTHRINGEN 


Band  H.  —  Heft  I. 


STRASSBURe, 
DRUCK  UND  VERLAG  VON  R.  SCHULTZ  k  C" 

(Bergsr-Lbvbault's  Nachfolger). 

1879. 


DER 


UNTERE    DOGGER 


DEUTSCH-LOTHRINGENS 


VON 


Dr.  W.  BRANCO. 


Mit  lO  litliographirten  Tafeln. 


^^0^^^^*^^0^^*0*^m^*0*^t^^0^0*0^0^0^^^ß^0^ß^0^ 


STRASSBÜRG, 

DRUCK  UND  VERLAG  VON  R.  SCHULTZ  Sc  C« 

(Bergbr-Levrault's  Nachfolger). 

1879. 


Inhalt. 


Btt!t6. 

Einleitung 1 

A.  eMgoMÜioker  TkiU. 

I.  Der  Lias 9 

II.  Der  Dogger 14 

1.  Die  Schichten  mit  Harpoeeras  striatulum: 

a)  Unterregion.  Thone  mit  Astarte  Voltzi  und  Cerith,  armatum  14 

b)  Oberregion 17 

Allgemeinem  über  die  Scliichten  mit  Trig.  navis  und  Harpoc. 

Murchisona.  —  Das  EisensteinTorkommen 20 

2.  Die  Schichten  mit  Gryphcea  ferruginea  und  Trig.  navis  : 

a)  ünterregion 32 

b)  Oberregion 39 

3.  Die  Schichten  mit  Barpoceras  Murchisona  und  Pholadamya 

reticulata : 

a)  Unterregion 42 

b)  Oberregion 44 

4.  Die  Schichten  mit  Barpoceras  Sowerbyi  und  Gryphcea  sublobata  47 

5.  Die  höheren  Schichten  des  brannen  Jura 51 

B.  Paläontologiioktr  Thiil. 

Nautilus 57 

Amaltheus 58 

Lytoceras 62 

Stephanoceras 66 

Harpoceras. 

1.  Gruppe  des  Barp.  radians 71 

2.  Gruppe  des  Barp.  undulatum  Stahl  sp 82 

3.  Gruppe  des  Barp,  comptum 88 

4.  Gruppe  des  Barp.  Sowerbyi 92 

Gruppe  des  Ammonites  insignis 94 


VI 

Seite. 

Belemnites 97 

Ostrea 106 

Grypbaea 107 

Pecten HO 

Lima 111 

ATicola 113 

Inoccramus 114 

Modiola 115 

Trigonia 115 

Isocardia 124 

Rhynchonella 127 

Lingula 13t 

Defrancia 131 

Berenicea 132 

Chondrites 133 

Vi rgleiohnBg  daa  ontoron  Doggen  voii  Lothringon  mit  demjt nigen  Sokwabeiii 

und  andoror  Ländor 135 

Tabf llarisolio  üeborsiolit  der  Ablagonuigeii  dn  Liai  and  nnteren  Doggere  in 

Lothringeii,  Luxemburg  und  dem  Eleaes 147 

üebereiebiBtabelle  der  foeiilen  Arten  im  unteren  Dogger  Lothringern.  ...  151 

Litteratur-VorieiohniBi 155 


Es  ist  eine  oft  heryorgehobene  Thatsache,  dass  die  auf  der 
Westseite  der  Vogesen  ausstreichenden  Schichten  des  grossen 
anglo-gallischen  Beckens  sich  dem  allgemeinen  Qesetze  concen- 
trischen  Aufbaues  fügen,  so  dass,  wer  vom  Qebirge  nach  den 
Niederungen  der  Seille  und  Mosel  hinabsteigt,  zunächst  Trias-, 
dann  Lias-,  zuletzt  Doggerbildungen  zu  überschreiten  hat. 

So  klar  dies  Verhältniss  im  Grossen  und  Ganzen  ist,  so 
mannigfach  sind  die  Abweichungen  im  Einzelnen  und  das  Bild, 
welches  uns  eine  in  grösserem  Massstabe  ausgeführte  geologische 
Spezial-Earte  von  Lothringen  zeigt,  weicht  nicht  unwesentlich 
von  demjenigen  ab,  welches  uns  auf  einer  Uebersichtskarte 
des  ganzen  Pariser  Beckens  entgegentritt. 

Auf  zwei  Momente  lassen  sich  diese  Unregelmässigkeiten  zu- 
rückführen. Zunächst  verschoben  sich  die  Schichten  längs  zahl- 
reicher, hauptsächlich  von  Südwesten  nach  Nordosten,  doch 
auch  in  anderen  Richtungen  aufreissender  Spalten.  Dann  waren 
die  Gewässer  unablässig  thätig,  einzelne  Parthieen  von  der 
Hauptmasse  einer  Formation  zu  lösen,  indem  sie  sich  tief  ein- 
schneidende Abzugskanäle  gruben. 

Das  in  die  Augen  fallendste  Resultat  der  Verwerfungen  war 
ein  mehrfach  gebrochener  Verlauf  der  ursprünglich  concentrisch 
auf  einander  folgenden  Begrenzungslinien  der  Formationen.  Auch 
die  energischste  Denudation  war  bis  auf  den  heutigen  Tag  nicht 
im  Stande ,  so  tief  einspringende  Winkel  wie  jene  des  Buntsand- 
steins  bei  Lubeln  zu  verwischen ,  wohl  aber  konnte  sie  die  einst 
zusammenhängende  Decke  liasischer  und  jurassischer  Ablage- 
n.  1 


rungen,  deren  äusserste  Vorposten  gegen  Osten  an  den  Quellen 
der  deutschen  Nied  liegen,  in  eine  Anzahl  oft  durch  beträchtliche 
Abstände  getrennte  Schollen  zerlegen.  So  ragen,  um  nur  einige 
der  letzteren  zu  nennen,  die  Liasplateaus  von  Vahl-Ebersing , 
Einschweiler  und  Morville  bei  Vic  ringsum  frei  über  Keuper- 
bildungen  empor.  Die  jurassische  C6te  de  Delme  und  der  Berg 
von  Tincry  sind  durch  Lias  getrennt  von  dem  Höhenzuge  süd- 
lich Comy,  wie  diesen  wiederum  die  Mosel  von  den  gleich- 
altrigen Bildungen  des  gegenüberliegenden  Ufers  abschneidet. 

Am  tiefsten  hat  sich  unter  den  Flüssen  die  Mosel  ihr  Bett 
gegraben.  Ihr  fallen  denn  auch  in  Deutsch-Lothringen  alle  Ge- 
wässer zu.  Sie  bespült  auf  ihrem  Laufe  von  Pagny  bis  Sierck 
nur  Trias  und  Lias  und  der  Dogger  bleibt  immer  beträchtlich 
über  ihrem  Spiegel.  Berücksichtigt  man  aber  die  Lage  alter 
Uferränder  auf  dem  Gehänge  östlich  Königsmachern ,  so  sieht  man 
leicht  ein,  dass  es  einmal  eine  —  geologisch  gesprochen  noch 
gar  nicht  so  lange  hinter  uns  liegende  —  Zeit  gab,  wo  die 
Mosel  in  der  Enge  zwischen  Pagny  und  Nov^ant  noch  aus- 
schliesslich im  Dogger  floss.  Jetzt  hat  sie  sich  hindurchgesägt  bis 
beinahe  auf  die  Basis  des  mittleren  Lias.  Dieser  letztere  und 
der  obere  Lias  bilden  zu  beiden  Seiten  ein  sanft  ansteigendes 
Gehänge,  welches  durch  die  steil  abstürzenden  Bänke  des 
Dogger  gekrönt  wird. 

Gleich  unterhalb  des  oben  genannten  engen  Theiles  des 
Flusslaufes  tritt  eine  auffallende  Aenderung  in  der  Beschaffenheit 
des  rechten  Ufers  ein.  Indem  die  Jurabildungen  verschwinden  und 
Lias,  der  mit  seinen  untersten  Schichten  nahe  am  Einfluss  der 
Seilte  in  die  Mosel  ansteht,  allein  herrscht,  hat  sich  nach  Osten 
hin  eine  sanfte  Böschung  gebildet,  welche  in  der  Höhe  des 
Fort  Goeben  ihr  Ende  erreicht.  Das  von  hier  nach  Peltre  hin- 
überziehende wellige  Plateau  hat  eine  Decke  von  mittlerem 
Lias. 


Das  linke  Ufer  behält  hingegen  den  Charakter,  den  es  weiter 
oberhalb  hatte,  noch  bei,  und  steil  steigt  man  nach  den  Alles 
äberragenden  Forts  im  Westen  hinauf,  deren  Basis  noch  um 
100  Meter  höher  liegt,  als  das  jenseitige  Plateau. 

Unmittelbar  unterhalb  Metz  wendet  sich  die  Mosel  etwas 
nach  Osten  und  unterspült  fortwährend  das  Liasufer,  so  dass 
dieses  dem  Charakter  des  Gesteins  entgegen  einen  steilen  Ab- 
sturz bildet,  ein  Verhalten,  welches  an  das  bekannte  B^B'sche 
Gesetz  erinnert.  Dem  nach  Osten  gerichteten  Anprall  des  Was- 
sers ist  der  schöne  Aufschluss  im  mittleren  Lias  bei  Malroy  zu 
danken. 

Auf  der  anderen  Seite  des  Flusses  breitet  sich  eine  bis 
6  Kilometer  breite  Ebene  aus,  jenseits  welcher  sich  der  Dogger, 
ganz  wie  bei  Metz,  steil  erhebt.  Erst  bei  Diedenhofen  treten 
auch  auf  dem  linken  Ufer  Liasbildungen  wieder  näher  an  den 
Fluss  heran. 

Den  Gegenstand  der  vorliegenden  Arbeit  bilden  die  zusam- 
menhängenden Doggerablagerungen  des  linken  Moselufers,  welche 
die  Köpfe  ihrer  Schichten  dem  Moselthal  zukehren  und  auf  der 
Höhe  des  Plateaus  sich  weit  nach  Westen  hin  erstrecken,  doch 
nur  in  dem  Umfang,  als  sie  noch  auf  deutsches  Gebiet  fallen. 
Auf  dem  rechten  Ufer,  nahe  am  Flusse,  sind  die  Aufschlüsse 
im  Dogger  mangelhaft.  Die  etwas  entfernte  gegen  Osten  lie- 
gende Cöte  de  Dehne  zu  besuchen,  erlaubte  mir  meine  Zeit 
nicht.  Dass  aber  die  dort  entwickelten  Verhältnisse  die  von 
mir  auf  dem  linken  Ufer  gewonnenen  Anschauungen  wohl  be- 
stätigen, nicht  aber  eine  Aenderung  derselben  veranlassen 
können,  ergiebt  sich  aus  mir  freundlichst  gemachten  Mitthei- 
lungen, deren  ich  weiter  unten  noch  zu  gedenken  habe. 

Als  nächsten  Zweck  meiner  Arbeit  betrachtete  ich  eine  mög- 
lichst genaue  Gliederung  der  Schichten  des  unteren  eisenstein- 
führenden  Dogger  und  sorgfaltige    kritische   Zusammenstellung 


der  in  denselben  eingeschlossenen  Fossilien.  Die  Schwierig- 
keiten, die  sich  mir  dabei  in  den  Weg  stellten,  waren  sehr  viel 
grösser,  als  ich  anfangs  vermuthet  hatte.  Die  Aufischlüsse  sind 
nicht  so  schön,  als  man  bei  einem  ersten  Blick  auf  das  viel- 
fach geschnittene  Terrain  vermuthet;  die  Versteinerungen  treten 
nur  an  einzelnen  Punkten  häufiger  und  in  guter  Erhaltung  auf, 
meist  sind  sie  innig  mit  dem  harten  Qesteine  verwachsen  und 
eine  einmal  abgesuchte  Lokalität  bietet  bei  erneuertem  Besuche 
nur  selten  etwas  Brauchbares. 

Nun  ist  allerdings  schon  früher  in  Metz  viel  gesammelt  wor- 
den, vor  allem  durch  den  unermüdlichen  Tebquem.  Doch  nur 
ein  Theil  des  von  ihm  zusammengebrachten  Materials  befindet 
sich  noch  in  Metz  und  zwar  in  dem  dortigen  städtischen  Mu- 
seum, leider  nicht  immer  mit  Angaben  des  Vorkommens  und 
der  Lagerung,  die  für  den  Zweck  einer  spezielleren  paläonto- 
logischen Gliederung  die  wünschenswerthe  Genauigkeit  besässen. 
Eine  von  bewundernswerthem  Eifer  und  Geschick  zeugende 
Sammlung  besitzt  Herr  Abb6  Fbiben  in  Montigny  bei  Metz ,  die 
freilich  in  erster  Linie  Vorkommnisse  des  Lias,  weniger  solche 
des  Dogger  enthält.  Doch  konnte  ich  aus  ihr  mannigfache  Be- 
lehrung schöpfen. 

So  war  ich  denn  wesentlich  auf  eigenes  Sammeln  angewiesen , 
wobei  ich  allerdings  den  Vortheil  genoss,  über  Herkunft  und 
Lager  eines  jeden  Stückes  mir  volle  Gewissheit  zu  verschaffen. 
Es  liegt  aber  auf  der  Hand,  dass  so  das  von  mir  Gebotene 
nicht  entfernt  den  Anspruch  auf  Vollständigkeit  machen  kann. 
Nur  die  Ueberzeugung,  dass  in  den  nächsten  Jahren  die  Ver- 
hältnisse sich  nicht  wesentlich  günstiger  gestalten  werden,  be- 
weg mich,  nicht  länger  zu  warten  und  was  mir  bis  jetzt  bekannt 
geworden  ist,  zu  veröffentlichen. 

Eine  besondere  Schwierigkeit  erwuchs  noch  aus  der  Eigen- 
artigkeit der  Entwicklung  des  lothringischen  Dogger.  Wollte  ich 


dem  den  Verhältnissen  ferner  Stehenden  verständlich  werden,  so 
musste  ich  einen  Vergleich  mit  anderen  bekannteren  Gebieten 
versuchen ,  also  etwa  mit  Württemberg  oder  mit  England.  Denn 
die  Eintheilungen,  die  L.  v.  Buch  für  das  eine,  Conybeabb  und 
PhiliiIps  für  das  andre  Land  schufen,  bilden  doch  noch  immer 
die  Ausgangspunkte  aller  Gliederungen,  erstere  zumal  wo  es  sich 
um  die  Grenzbestimmung  zwischen  Lias  und  Dogger  handelt. 

Es  wäre  eine  interessante  und  lohnende  Aufgabe,  den  Ver- 
gleich nach  beiden  Richtungen,  sowohl  nach  Osten  als  nach 
Westen  hin,  vollständig  durchzuführen.  Ein  Besuch  typischer 
englischer  Lokalitäten  wäre  dann  aber  vor  allem  erforderlich 
gewesen,  und  dazu  war  mir  leider  die  Möglichkeit  nicht  ge- 
geben.  So  zog  ich  es  denn  vor,  mich  an  die  schwäbischen  Ver- 
hältnisse anzulehnen,  die  ja  schon  oft  als  Basis  für  ähnliche 
Versuche  benutzt  worden  sind,  so  dass  ich  den  Boden  in  dieser 
Hinsicht  gewissermassen  geebnet  fand.  Ich  möchte  aber  schon  hier 
ausdrücklich  hervorheben ,  dass  ich  nicht  etwa  die  Ansicht  ge- 
wonnen habe,  als  sei  der  lothringische  Dogger  dem  schwäbischen 
besonders  ähnlich  entwickelt.  Es  scheinen  im  Gegentheil  Be- 
ziehungen verschiedenster  Art  zu  dem  englischen  zu  bestehen, 
wie  ich  weiter  unten  gelegentlich  andeuten  werde.  Aber  mit 
gutem  Bedachte  beschränkte  ich  mich  auf  das  wenige  unten 
gesagte,  um  nicht  Beobachtetes  mit  Vermuthetem  zu  vermengen. 
Sollte  es  mir  für  jetzt  nur  gelungen  sein,  Anderen  für  umfas- 
sendere Untersuchungen  durch  eine  verständliche  Darstellung 
der  lothringischen  Verhältnisse  das  Material  geliefert  zu  haben, 
so  würde  ich  das  mir  vorschwebende  Ziel  als  erreicht  ansehen. 

Die  erste  Anregung  zu  meiner  Arbeit  ging  von  Herrn  Pro- 
fessor Bbnecks  in  Strassburg  aus,  dem  ich  mich  für  mannig- 
fache Belehrung  und  Unterstützung  zu  aufrichtigem  Dank  ver- 
pflichtet fühle.  Auf  seinen  Bath  siedelte  ich  vor  Abschluss  meiner 
paläontologischen  Untersuchungen  nach  München  über,  um  die 


6 

dort  befindlichen  reichen  Sammlungen  zum  Vergleich  zu  8tu- 
diren.  Ich  erfreute  mich  der  zuvorkommendsten  Aufnahme  des 
Herrn  Professor  Zittel,  der  mir  mit  bekannter  Liberalit&t  den 
Zutritt  zu  den  seiner  Obhut  anvertrauten  Schätzen  gestattete. 
In  liebenswürdigster  und  uneigennützigster  Weise  förderte  auch 
Herr  von  Sutneb,  der  ausgezeichnete  Kenner  fossiler  Cephalo- 
poden,  meine  Zwecke. 

Ich  erfülle  schliesslich  eine  angenehme  Pflicht,  indem  ich 
den  Herren  meinen  Dank  öffentlich  ausspreche ,  die  mir  im  Reichs- 
lande nach  den  verschiedensten  Richtungen  ihre  Hülfe  ange- 
deihen  Hessen :  Herrn  Professor  Schimpeb  und  Herrn  Oberberg- 
rath  von  Roenne  in  Strassburg;  Herrn  Bergmeister  Gilbebt, 
Herrn  Abb^  Fbibek,  Herrn  Major  von  Roehl  und  Herrn  Pro- 
fessor Fbidebici  in  Metz;  Herrn  Bergwerksdirektor  Gebbebt 
in  Hayingen;  Herrn  Hauptmann  LESSBEsa  in  Esch,  sowie  den 
zahlreichen  Herren  Bergwerksbeamten  im  ganzen  Lande. 


A.  GEOGNOSTISCHER  THEIL. 


I.  DerLias. 


Der  obere  Eeuper  Lothringens  scUiesst  über  dem  Bhätischen 
Sandstein  (gr^s  infiraliasique  französischer  Autoren)  mit  wenige 
Meter  mächtigen,  meist  rothen  Thonen  ab,  welche  durch  ihre 
Verbreitung  sowohl  in  Luxemburg  als  auch  in  den  angrenzenden 
französischen  Departements  und  im  Elsass  eine  mehr  als  lokale 
Bedeutung  beanspruchen  dürfen.  Der  Umstand,  dass  Kalke  mit 
Äeg.  planorhis  erst  über  diesen  .  Thonen  folgen,  lässt  es  in 
Uebereinstimmung  mit  unseren  deutschen  Verhältnissen  zweck- 
mässig erscheinen,  sie  noch  zum  Keuper  zu  stellen  und  nicht, 
wie  z.  B.  Jagquot  es  thut,  als  untersten  Lias  zu  betrachten^**. 

Der  Lias  gliedert  sich,  trotz  mancher  lokaler  Eigenthümlich- 
keiteui  doch  ungezwungen  in  die,  in  anderen  Gebieten  ziemlich 


1.  Yergl.  E.  W.  Benecke,  Ueber  die  Trias  pp.  In  Abhandlungen  z.  geolog. 
8pez.-Karte  tod  Elsass-Lothringen,  Bd.  I,  Heft  lY.  Strassbuig  1877.  S.  621, 655-657, 
661,  694. 

2.  Im  Allgemeinen  tritt  das  Rhät  erst  in  einer  gewissen  Entfernung  Ton 
dem  rechten  Moselufer  za  Tage.  In  Folge  einer  Verwerfung  Jedoch  Iftsst  sich  das- 
selbe auch  in  der  nächsten  Umgebung  Ton  Metz  beobachten.  (Yergl.  die  Proflltafel.) 
Die  Aufschlüsse  liegen  bei  dem  Dorfe  Yalliöres  (N.-O.  Ton  Metz)  auf  dem  rechten 
Ufer  des  dortigen  kleinen  Baches,  ziemlich  nahe  der  Thalsohle,  hinter  dem  dor- 
tigen Kalkofen  und  in  einer  Grube  eines  mehr  östlich  gelegenen  Weinberges.  Der 
hellgerärbte  Sandstein  steht  deutlich  an,  während  die  überlagernden  Thone  wegen 
des  Weinbergsbetriebes  nicht  gut  zu  sehen  sind;  oben  auf  demselben  Thalgehänge 
wird  der  Arietenkalk  gebrochen. 


10 

allgemein  aDgenommenen  drei  Abtheilungen ,  eine  untere,  mitt- 
lere und  obere. 

Den  unteren  Lias  eröffnen  wenig  mächtige  Kalkbänke  mit 
Aeg.  planorbis  und  angulatum,  auf  welche  ein  ausgedehntes 
System  von  Kalken  und  Thonen  mit  Gryphtea  arcuaia  und  Am- 
moniten  aus  der  Familie  der  Arieten  folgt,  welches  in  Thon« 
schichten  mit  Bekmnites  acutus  seinen  Abschluss  findet'.  Wir 
haben  hier  also  das  vollständige  Aequivalent  des  QuEMSTEDT^schen 
Lias  OL  vor  uns,  ja  sogar  die  OppEL'schen  Zonen  lassen  sich 
trennen.  Um  so  auffallender  ist  es,  dass  die  mächtigen  und  an 
Versteinerungen  reichen  Thone,  welche  in  Schwaben  die  obere 
Hälfte  des  unteren  Lias  bilden  (ß  Quekstedt's)  ,  uns  in  Loth- 
ringen fehlen,  oder  doch  nur  durch  fossilarme  sandige  Thone 
repräsentirt  werden*. 

Der  mittlere  Lias  beginnt  nun  ohne  scharfe  Grenze  in  den 
genannten  Thonen,  in  deren  Oberregion  sich  einige  Bänke 
blaugrauen,  braun  verwitterten  Kalkes  einstellen,  die  neben 
einer  Menge  anderer  Formen  besonders  Gtyphea  ohliqua  und 
Aeg.  Davcei  einschliessen  (calcaire  ocreux)'. 


1.  Aufschlüsse  in  der  Nähe  Ton  Metz :  Die  grossen  Steinbrüche  bei  Gri- 
mont  (östlich  von  Fort  Manteuffel)  und  bei  Grigy  (östlich  Yon  Fort  Göben).  In 
Letzterem  lassen  sich  —  in  dem  Theile,  welcher  östlich  der  Strasse  Grigy-Bomy 
liegt  —  sehr  gnt  die  oberen  Schichten  mit  Bei,  actUus  beobachten,  welche  dann 
weiter  westlich,  am  Ufer  der  Seille,  abermals  zu  Tage  treten.  —  Während  der 
unterste  Lias  im  S.  Lothringens  auf  dem  rechten  Moselufer  ansteht,  tritt  er  im 
nördlichen  Theile  des  Landes,  weil  sich  die  Mosel  dort  nach  N.-W.  wendet,  auch 
auf  das  linke  Ufer  hinüber.  Hier  gibt  er,  als  Sandstein  entwickelt,  Veranlassung  zu 
dem  grossen  Steinbruchsbetriebe  Yon  Gross-Hettingen.  Aegoceras  angulatum  ist 
daselbst  nicht  selten. 

2.  T£RQUEM  citirt  keine  Versteinerung  aus  diesen  Schichten.  Vergl.  Paläon- 
tologie dela  Moselle,  S.  15.  Doch  liegt  im  städtischen  Museum  in  Metz  ein  Belemnit, 
der  hierher  gehört. 

3.  Aufschlüsse:  Auf  den  Aeckern  hart  an  der  südwestlichen  Spitze  Yon 
Fort  Goeben  bei  Metz.  In  der  Umgegend  von  Peltre. 


11 

Das  nächste  mächtige  Glied  wird  von  blauen,  auffallend 
blättrigen  Thonen  (marnes  feuillet^es) ,  mit  zahlreichen,  doch 
vereinzelt  vorkommenden  Fossilien  gebildet.  Dieselben  enthalten 
in  den  oberen  Schichten  im  frischen  Zustande  blaue,  bei  der 
Verwitterung  ockergelb  werdende  Concretionen  mit  concentrisch 
schaliger  Absonderung,  die  sogen,  ovoides  ferrugineux  (daher 
marnes  k  ovoides),  und  über  diesen  liegen  ganz  aus  Muscheln 
bestehende  Knollen.  Am.  margaritaius  bezeichnet  sowohl  die 
Thone,  als  auch  die  in  demselben  vorkommenden  Knollen  ^  Inte- 
ressant ist  das  Vorkommen  des  Atüacocertis  elongaium  Dsla- 
BECKS  sp.  und  der  Orthoidea  liasina  Fbibbn,  durch  welche  Letz- 
tere die  Zahl  der  sich  bis  in  den  Lias  hineinziehenden  Genera 
von  paläozoischem  Habitus  vermehrt  wird*. 

Den  Schluss  des  mittleren  Lias  endlich  machen  sandig  kalkige 
Bänke  (gres  m^dioUasique  mit  Plicat  spinosa  und  Am.  spinatus) 
aus,  mit  und  über  welchen  nochmals  Knollen  einer  lumachelle 
folgen,  unter  deren  Einschlössen  wiederum  die  eben  genannten 
Fossilien  zu  den  häufigsten  gehören '-^ 

Der  obere  Lias  lässt  sich  in  Lothringen  genau  ebenso  ab- 
grenzen wie  in  Schwaben,  wenn  man  auf  einige  weit  verbreitete 
Versteinerungen  ein  besonderes  Gewicht  legen  will.  Andere 
Fossilien  jedoch,  insbesondere  Ammoniten,  lassen  eine  grosse 
Verwandtschaft  mit  dem   unteren  Dogger  erkennen,   ein  Ver- 


1.  Aufschlüsse :  Am  östlichen  Gehänge  der  Mosel  bei  Malroy  und  Illingen 
(nördlich  Ton  Metz);  bei  Fey  (südlich  Yon  Metz).  Im  Thale  ?on  Elingen. 

2.  fioU.  Soc.  bist.  nat.  de  Metz,  Bd.  14,  Tf.  I  u.  II. 

3.  Die  Knollen  mit  Am.  margaritaius  und  jene  mit  Am,  spinahis  sind  in 
den  bisherigen  Lokalbeschreibnngen  oft  zusammeiogeworfen  worden. 

4.  Aufschlüsse:  Oberhalb  Voisage  (südlich  Ton  Metz);  an  der  Strasse 
Ton  st.  Julien  bei  Metz  nach  Ghailly,  da  wo  sie  an  der  östlichen  Seite  des  Fort 
Manteuffel  Torbeigeht;  am  westlichen  Thalgehänge  Ton  Elingen,  östl.  Ton  BcBTingen 
und  Entringen  (bei  Diedenhofen)  und  Tielfach  zwischen  der  Eisenbahn  Metz-Saar- 
borg  und  der  südlichen  Landesgrenze,  westlich  einer  Linie  Ton  RemiUy  nach 
Ghäteau-Salins. 


12 

hältniss,  auf  welches  unten  noch  wiederholt  hingewiesen  werden 
wird.  Aber  auch  die  petrographische  Beschaffenheit  der  beiden 
Formationen  hat  in  der  Nähe  der  hier  angenommenen  Grenze 
zwischen  Lias  und  Dogger  so  viel  Aehnlichkeit,  dass  es  begreif* 
lieh  erscheint,  wenn  die  französischen  Autoren  anders  eintheilten 
und  den  Lias  beträchtlich  höher  hinaufgehen  liessen. 

An  der  Basis  des  oberen  Lias  liegen  die  Posidonomyen- 
Schichten  (mames  bitumineuses),  zwar  nur  wenig  mächtig,  aber 
doch  in  derselben  Beschaffenheit  entwickelt,  welche  diese  Schichten 
ausserhalb  der  Alpen  zu  einem  so  ausgezeichneten  Horizonte 
stempelt.  Auf  denselben  ruht  ein  System  schwarzer  Thone,  in 
welchen  sich  Schichten  oder  häufiger  nur  grosse  EUipsoide  von 
Kalk  ausscheiden  (calcaire  noduleuz),  welche  dieselben  Verstei- 
nerungen in  gutem  Erhaltungszustande  enthalten,  die  sich  in  den 
bituminösen  Schiefern  flach  gedrückt  finden.  Schiefer  und  Thone 
mit  den  eingelagerten  Kalken  bilden,  wie  es  scheint,  ein  palä- 
ontologisch zusammengehöriges  Ganze,  welches  den  Lias  •  reprä- 
sentirt.  Im  Norden  Lothringens  gesellt  sich  zu  diesen  zwei  Gliedern 
noch  ein  drittes,  jene  überlagerndes,  gebildet  durch  einen  san- 
digen, gelben  Kalk  oder  Mergel  (calcaire  grfoeux),  welcher  im 
südlichen  Theile  des  Landes  nicht  zur  Ausbildung  gelangt  zu 
sein  scheint.  Auch  die  Zugehörigkeit  dieser  Schichten  noch  zum 
Lias  •  geht  aus  ihren  organischen  Einschlüssen  hervor.  Dass 
sich  eine  speziellere  paläontologische  Gliederung  des  Lias  •  in 
Lothringen  nicht  durchführen  lassen  wird,  ist  bereits  von  Oppel, 
auf  Grund  der  TEBQüSM'schen  Versteinerungslisten,  sehr  wahr- 
scheinlich gemacht  worden'*'. 

lieber  dem  Lias  •  setzen  sich  nun  die  dunklen  Thone  weiter 


1.  Oppel,  Jura,  S.  212. 

2.  Aufschlüsse:  Dieselben,  welche  bei  den  Schichten  mit  Astarte  VoUzi 
und  Cerithium  armatum  weiter  nnten  erwähnt  werden.  Die  obersten  sandigen 
Mergel  stehen  auf  den  Aeckern  Ostlich  von  Elingen  an. 


13 

fort,  enthalten  aber  neben  einigen  durchgehenden,  auch  eine 
Anzahl  neu  auftretender  Versteinerungen,  jedenfalls  eine  andere 
Association  von  Formen  und  andere  Verhaltnisse  der  Häufigkeit. 
An  gewissen  Orten  sind  die  Schalen  der  Muscheln  weiss,  und 
es  giebt  Stellen,  wo  in  Folge  der  massenhaften  Anhäufung  der 
Letzteren  der  Thon  grau  wird.  Wie  ein  helles  Band  zieht  sich 
dieser  Horizont  dann  über  die  frisch  gepflügten  Aecker.  Die 
besten  und  reichsten  Aufschlüsse  findet  man  in  den  Umgebungen 
der  Cdte  de  Delme,  gegenüber  dem  Dorfe  Juville*.  Auch  die 
oft  erwähnten  Punkte  bei  Elingen  unter  dem  Berge  St  Michel 
zeigen  die  Aufeinanderfolge  der  Schichten;  doch  ist  hier  wegen 
der  häufig  vorkommenden  Butschungen  der  verschiedenen  Hori- 
zonten angehörigen  Knollen  Vorsicht  geboten.  Die  relative 
Häufigkeit  von  Harp.  bifrons  hat  diesem  letzten  liasischen  Hori- 
zont Lothringens,  den  wir  als  Aequivalent  der  schwäbischen 
Jurensis-Mergel  ansehen  dürfen,  seinen  Namen  verschafft  (zöne 
k  Am.  bifrons.)  Durchaus  nicht  überall  sind  die  Versteinerungen 
so  häufig  als  bei  dem  genannten  Dorfe  JuviUe;  oft  genug  muss 
man  in  den  Thonen  lange  suchen,  um  einen  vereinzelten  Harp. 
sMaUdum,  Belemn.  acuarias  oder  irregtdaris  zu  finden.  Beson- 
ders gilt  dies  von  Hatp.  bifrons  ^  welcher  in  Lothringen  — 
abgesehen  von  den  Umgebungen  des  Dorfes  Juville  —  ein 
äusserst  seltenes  Fossil  zu  sein  scheint 

Mitten  in  den  gleichartig  bleibenden  Thonen  gewährt  uns 
nun,  etwas  höher,  das  Auftreten  sparsamer  Exemplare  von 
Asiarte  VolUi  und  Ceriihium  armaium  einen  sicheren  Anhalts- 
punkt Mit  diesen  Repräsentanten  der  schwäbischen  Torulosus- 
Schichten  beginnen  wir  den  Dogger. 


1.  Diese  Angabe  über  die  Cöte  de  Delme  und  die  auf  der  Proflltafel  mitge- 
theilte  Schichtenfolge  yerdanlce  ich  einer  gQtigen  Mittheilung  des  Hm.  D'  Stbin- 
UAxn,  welcher  dieselbe  bei  Gelegenheit  der  geognostischen  Kartirong  genauer 
untersuchte. 


14 


IL  Der  Dogger. 

1.  Die  Sehichten  mit  Harpoceras  strüshjUum. 

a)  Unterregion :  Thone  mit  Astarie  Voltzi  und  Cerithium  armatum^ 

(Oppel's  Zone  des  Amm,  tondosua,) 

Genau  wie  in  Norddeutschland,  Franken  und  Schwaben,  im 
Elsass  und  in  Baden,  in  der  nordwestlichen  Schweiz  und  dem 
südlichen  und  östlichen  Frankreich,  bestehen  auch  in  Lothringen 
und  Luxemburg  die  Schichten,  welche  die  mit  Ästarte  Voltzi 
vergesellschaftete  Fauna  einschliessen,  aus  einem  dunklen  Thone ; 
sie  zeigen  also,  wenn  man  sich  des  OppEL'schen  Ausdruckes 
bedienen  will,  in  ihrer  petrographischen  Entwickelung  den  deut- 
schen Typus.  Hie  und  da  finden  sich  eingesprengte  Erystalle 
von  Gyps  und  kalkhaltige  Knollen  in  diesem  Thone,  bei  dem 
übrigens  sehr  häufig  ein  wenig  Glimmer  und  Sand  eine  magerere 
Beschaffenheit  und  etwas  hellere  Färbung  hervorrufen,  wie  sie 
im  Allgemeinen  den  liegenden  Thonen  gar  nicht,  den  hangenden 
nur  in  ihrem  oberen  Niveau  zukommen. 

An  einem  Punkte  in  der  Nähe  von  Metz  war  das  Vorkommen 
dieser  Schicht  bereits  seit  längerer  Zeit  bekannte  Für  den 
weiteren  Nachweis  derselben  aber  waren  ihre  minimale  Mächtig- 
keit, die  Armuth  an  Individuen  der  in  ihr  begrabenen  Fauna, 
sowie  der  Umstand,  dass  sie  sich  petrographisch  doch  nur  wenig 
von  den  hangenden  und  liegenden  Thonen  unterscheidet,  er- 
schwerende Momente.   Es  gelang  mir  daher  nicht,   dieselbe  — 


1.  Jacquot,  Description  g6ol.  et  minöral.  du  d6p.  de  la  Hoselle,  S.  241.  — 
Frioerici,  Apercu  g^ologiqne  du  d^p.  de  la  MoseUe.  Hetz  1862,  S.  85. 


15 

80  ZU  sagen  —  Schritt  für  Schritt  zu  verfolgen.  Doch  konnte 
ich  mich  von  ihrem  Vorhandensein  an  einer  Beihe  von  Punkten 
überzeugen,  welche  an  der  äussersten  S.  Grenze  Lothringens 
beginnend  sich  nach  N.  bis  hart  an  das  Luxemburgische  Gebiet 
ziehend  Es  ist  damit  wohl  der  genügende  Nachweis  geliefert, 
dass  die  in  Bede  stehende  Fauna  durch  ganz  Lothringen  einen 
durchgreifenden  Horizont  bezeichnet. 

Die  in    demselben    liegenden   Versteinerungen   sind    meist 
charakterisirt  durch   die  vollkommene  Art  ihrer  Erhaltung  mit 
unversehrten  Schaalen,  wie  dies  ja  auch  an  vielen  anderen  Orten 
in  diesen  Schichten  der  Fall  ist. 
•   Ich  führe  im  Nachfolgenden  ihr  Verzeichniss  auf*: 

H.  H.  Harpoceras  siriatülum  Sow.  sp.  üeberall. 
S.    S.  „  sp.  (S.  81,  Taf.  I,  Fig.  6).  Voisage. 

S.    S.  Stephanoceras  n.  sp.  (S.  66,  Taf.  I,  Fig.  5).  Voisage. 
H.  Belemnites  (icuarius  Schlth.    Voisage,   Scj,  Boevingen, 

Oetringen,  Esch. 
H.  BeUmniies  irregularis  Schlth.  Voisage,  Scy,  Boevingen, 
Oetringen,  Esch,  Moulins. 
Z.   H.  Belemnites  subdavatus  Voltz.  Voisage,   Scy,  Oetringen, 

Juville,  Delme. 
Z.    S.  CerUhium  armaium  Gldf.  Voisage,  Bcevingen. 

S.  Turbo  duplicaius  Gldf.  Voisage,  Bcevingen. 
S.    S.  Dentalium  elongatum  Mnbt.  Oetringen. 
Z.   H.  Mytilus  gryphoides  Qüknst.   Oetringen,  Voisage. 
S.    S.  Area  cf.  liasiana  B(eh.  Oetringen. 


1.  Aufschlüsse:  1)  Zwischen  Corny  und  Voisage;  2)  im  Mance-Thale  bei 
Ars;  3)  bei  Moulins  am  Wasserthurme;  4)  hart  unterhalb  Ghazelles  bei  Metz; 
5)  bei  BoeTingen  am  Berge  St.  Michel;  6)  bei  Oetringen  am  Wege  nach  Escheringen ; 
7)  am  Wege  tou  Esch  nach  Audun-Ie-Tiche. 

2.  Es  bedeuten  H.  H.  =  sehr  häufig;  H.  =  häufig;  Z.  H.  =  xiemlich  häufig ; 
S.  S.  =  sehr  selten;  S.  =  selten;  Z.  S.  =  liemlich  selten. 


1.  Wenn  ich  hierund  später  am  Schlosse  der  Tabellen  Leitfossilien  beifUgre, 
so  beziehen  sich  dieselben  stets  nur  auf  das  untersuchte  Gebiet.  Der  Werth  der- 
selben kann  aber  —  wie  in  jedem  nicht  ganz  uniform  ausgebildeten  grosseren 
Gebiete  —  häufig  ein  problematischer  sein,  indem  beispielsweise  eine  im  N.  des 
Landes  häufige  Form  im  S.  desselben  selten  ist  oder  ganz  fehlt 


16 

Z.    S.  Nucula  Hausmanni  Bosif.  Deberall. 

S.  Leda  daoifarmis  Sow.  sp.  Esch. 

Z.    S.  Drigonia  pulcheüa  Aa.  Esch,  Yoisage,  Bcevingen,  Delme. 

H.  Astarte  VoUei  Hobk.,  Oetringen,  Yoisage,  Bcevingen,  Delme. 

S.    S.  Discina  sp.  Oetringen. 

S.    S.  Erebsscheere.  Oetringen. 

Z.   S.  Thecocyaihus  mactra  Gldf.  sp.  Oetringen,  Yoisage. 

18  Ari;en. 

Leitfossilien':    HarpocercLS  striatulumy   Bei.    irregularis 
und  ctcuariuSy  Astarte  Volizi^  Trig.  pulcheüaj  Nucula  Hausmanni. 

Yon  den  aufgeführten    18   Arten   gehört  etwa  die   Hälfte 
einer  so  charakteristischen  Fauna  an,   dass  über  die  Berechü-  i 

gung,  diese  Thone  mit  der  schwäbischen  Torulosus-Schicht  im 
Allgemeinen  zu  parallelisiren ,  kaum  ein  Zweifel  sein  dürfte. 
Wenn  wir  aber  die  übrigen  Spezies  in  Betracht  ziehen,  so  tritt 
uns  in  einem  Theile  derselben  {Harp.  striatulum^  Bd.  acuarius 
und  irregularis)  ein  zwar  kleiner,  aber  doch  sehr  bezeichnender ' 
Formencomplex  entgegen,  den  wir  in  Schwaben  und  an  vielen 
anderen  Orten  nur  in  tieferer  Lage  zu  sehen  gewöhnt  sind. 
Diese  eigenthümliche  Association  von  Formen,  dieses  Hinauf- 
greifen von  Spezies,  welche  nach  Oppel  nur  dem  Lias  in 
höheren  Schichten  angehören,  betrifft  übrigens  diese  Schichten 
nicht  allein.  Denn  auch  in  dei^enigen  mit  Trig.  navis  finden 
wir  Arten  von  —  nach  schwäbischen  BegrüBTen  —  echt  liasi- 
.  schem  Typus.  Es  sind  dies  Umstände,  welche  eine  vollständige 
Identifizirung  der  einzelnen  Abtheilungen  des  Doggers  in  Loth- 


17 

ringen  mit  den  OppEL*schen  Zonen  und  eine  Bezeichnung  der- 
selben mit  den  von  Oppbl  gegebenen  Namen,  als  unthunlich 
erscheinen  liessen. 

Hervorzuheben  ist  ferner,  dass  Lyt.  torulosum  in  Lothringen 
—  wie  auch  in  Luxemburg  —  gänzlich  zu  fehlen  scheint;  weder 
Tbbquem  noch  Chapuis  und  Dewalqüe  zitiren  die  Form.  Auch 
Harp.  opcdinumi  eine  Art,  die  sich  sonst  nicht  selten  bereits 
in  der  Zone  des  Lyt.  torulosum  zeigt,  dürfte  in  den  hier  be- 
sprochenen Schichten  Lothringens  noch  nicht  vqrhanden  sein. 

b)  Oberregion:  Thone.  (?  Quenstedt'b  und  Ofpel's  obere 
fossilarme  Thone  der  Schichten  mit  Amm,  tomlosus,  ?  Zone 
des  Amm.  concaviu  französ.  Autoren  ^) 

Ueber  den  wenig  mächtigen  Schichten,  welche  die  eben 
besprochene  Fauna  einschliessen ,  geht  die  Thonablagerung  an- 
fangs ununterbrochen  weiter  fort.  Li  den  höheren  Lagen  jedoch 
pflegen  sich  dem  dunklen  Thone  Glimmer  und  Sand  beizu- 
mengen, welcher  Letztere  schliesslich  derartig  überwiegt,  dass 
eine  Sandsteinbildung  an  die  Stelle  der  Thonablagerung  tritt, 
die  jedoch  nach  ihrer  Fauna  bereits  in  die  Zone  der  Trig. 
navis  zu  stellen  ist.  Wir  haben  es  hier  also  nur  noch  mit 
Thonen  zu  thun ,  deren  Mächtigkeit  aber  diejenige  der  Unter- 
region ganz  bedeutend  überwiegt. 

Die  von  mir  in  diesen  Schichten  gefundenen  Versteinerungen 
sind  die  folgenden: 

H.  H.  Harpoceras  striatulum  Sow.  sp.  Ueberall. 
Z.    S.  BeUmniies  irregularis  Schloth.  Voisage,  Boevingen,  Scy. 

S.  „         suhclavatus  Yoltz.  Voisage. 

S.  „  Rhenanus  Oppel.  Oetringen. 

S.         „  acuarius  Schloth.  Boevingen,  Voisage. 


1.  Aufschlüsse:  Dieselben  wie  bei  der  ünterregion. 


18 

Z.   S.  Nucula  Hausmanni  Rcem.  Ueberall. 

S.    S.  Leda  claviformis  Sow.  sp.  Voisage.  Esch. 

7  Arten. 

Leitfossil:  Harpoceras  striatulum. 

Wie  das  kurze  Yerzeichniss  zeigt,  ist  die  Fauna  dieser 
Schichten  eine  im  höchsten  Grade  monotone.  Sie  ist  scharf 
charakterisirt  durch  ein  negatives  Kennzeichen.  Es  fehlen  ihr 
diejenigen  Formen,  welche  von  Oppel  als  allgemein  leitend  für 
seine  Zone  des  Lyt  torulosum  angegeben  werden,  fast  gänzlich. 
Von  den  Gastropoden  der  Unterregion  zeigt  sich  keine  Spur 
mehr,  von  den  Bivalven  treten  uns  nur  noch  vereinzelte  Exem- 
plare entgegen.  An  Stelle  der  gemischten  Fauna  der  Unter- 
region hat  sich  eine  fast  reine  Cephalopoden-Fauna  angesiedelt, 
die  allerdings  artenarm  ist,  deren  wesentlichster  Vertreter  jedoch, 
Harp.  striatulum,  stellenweise  einen  überraschenden  Reichthum 
an  Individuen  aufweist.  Als  eine  bezeichnende  Eigenthümlichkeit 
kommt  der  Erhaltungszustand  dieses  Ammoniten  hinzu.  Selten 
findet  sich  nämlich  ein  ganzes  Exemplar,  überall  fast  nur  aus- 
gefüllte Wohnkammern  und  flachgedrückte  Dunstkammern. 

Wenn  ich  nun  bisher  betonte,  dass  die  Trennung  in  eine 
Unter-  und  Oberregion  nach  der  Fauna  durchführbar  ist,  so 
tritt  doch  auch  auf  der  andern  Seite  der  genetische  Zusammen- 
hang beider  Faunen  deutlich  hervor,  so  dass  Beide  zu  einem 
Ganzen  vereinigt  werden  müssen.  Der  Oberregion  gehören  fast 
nur  solche  Arten  an,  welche  in  der  Unterregion  bereits  existirten; 
jedoch  ist  es  nur  ein  Theil  der  Fauna  der  Letzteren,  welcher 
in  die  Oberregion  übergeht.  Ausserdem  hat  in  diese  keine 
bemerkenswerthe  Einwanderung  neuer  Formen  Statt  gefunden; 
denn  von  der  später  folgenden  reichen  Fauna  der  Schichten 
mit  Trig,  navis  sind  es  nur  Belemn.  compressus  und  subclavatus, 
welche  als  Vorläufer  bereits  in  der  Oberregion  der  Schichten 
mit  Astarte  Voltzi  auftreten. 


19 

Aus  Alledem  folgt,  dass  in  Lothringen  die  £nt Wickelung 
der  Fauna  dieser  Zone  ihren  eigenen  Weg  gegangen  ist.  Sie 
fügt  sich  nur  den  grossen  Zügen  des  von  Oppel  aufgestellten 
Schemas  an.  Die  Unterregion  passt  mit  einem  Theile  ihrer 
Fauna  völlig  in  den  Rahmen  der  OppEL'schen  Zone  des  Lyt. 
torulosum.  Die  Oberregion  dagegen  ist  eine  abweichende,  aber 
—  wie  gleich  zu  erörtern  —  wahrscheinlich  nicht  blos  Lothringen 
und  Luxemburg  eigenthümliche  Bildung.  Beiden  Regionen  gemein- 
sam ist  die  höchst  charakteristische  Eigenthümlichkeit,  dass  von 
ihrer  kleinen  Fauna  die  meisten  Cephalopoden  solchen  Formen 
angehören,  welche  in  Schwaben  und  vielen  anderen  Gegenden 
um  diese  Zeitperiode  bereits  längst  verschwunden  sind. 

Es  wird  bisweilen  von  französischen  Autoren,  in  Lothringen 
speziell  von  Jaoquot,  eine  Zone  des  Ämm.  concavus  aufge- 
stellt, welche  über  den  Schichten  mit  Asiarte  Volizi  und  unter 
denjenigen  mit  Trig.  navis  liegt.  Wahrscheinlich  ist  diese  Zone 
ident  mit  meiner  Oberregion.  Auch  dürfte  in  Lothringen  ein 
dem  Harp.  concavum  ähnUcher  Ammonit  in  derselben  vorkom- 
men; er  scheint  jedoch  so  überaus  selten  zu  sein,  dass  sein 
Name  bei  Benennung  dieser  Schichten  gegenüber  demjenigen 
des  massenhaft  auftretenden  Harp.  striatulum  nicht  in  Betracht 
kommen  konnte.  Herr  Professor  Benecke  fand  bei  Bcevingen, 
wie  ich  einer  kürzlich  erhaltenen  gütigen  Mittheilung  ent- 
nehme, in  dieser  Oberregion  einen  Harp.  concavum  ähnlichen 
Ammoniten;  ich  selber  sammelte  früher  dort  ebenfalls  ein  ähn- 
liches Exemplar,  dessen  Lager  mir  damals  indess  zweifelhaft 
blieb. 

Es  scheint  also,  dass  nicht  nur  in  Lothringen  und  Luxem- 
burg, sondern  auch  in  manchen  Gegenden  Frankreichs  eine 
Zwischenbildung  zwischen  den  Schichten  mit  Ast.  Voltzi  und 
denen  mit  Trig.  navis  existirt,  welche  sich  paläontologisch  ge- 
nügend charakterisiren   lässt.  Für  Schwaben   haben  Qüenstedt 


20 

und  Oppel  ebenfalls  auf  eine  Thonbildung  hingewiesen,  die  über 
der  eigentlichen  Zone  des  Lyt  tortdosum  liegt  und  wegen  ihrer 
Armuth  an  Fossilien  mit  derselben  vereinigt  wurde. 

AllgremeineB  Aber  die  Sohlohten  mit  Trig,  navis  und  Härpoeeras 
MurchisancB.  •—  Das  EiseiuteiiiTorkommeD« 

Das  System  der  Eisenerz  fährenden  Schichten  Lothringens 
bildet  in  petrographischer  Beziehung  ein  zusammengehöriges 
Ganze ,  welches  sich  jedoch  paläontologisch  in  verschiedene  Ab- 
theilungen gliedern  lässt.  Bevor  dieselben  einzeln  betrachtet 
werden,  mögen  hier  erst  einige  allgemeine  Bemerkungen  über 
diesen  Schichtenkomplex  ihre  Stelle  finden.  Auf  die  im  Vorher- 
gehenden besprochene  Thonablagerung  folgt  eine  Sandstein- 
biidung,  über  welcher  das  Eisenerz  liegt,  und  dieses  wiederum 
wird  überlagert  von  heller  oder  dunkler  gefärbten  Mergeln, 
welche  nach  oben  ihren  Abschluss  finden  in  den  Ealkgesteinen 
der  Schichten  mit  Harp.  Sowerhyi,  Die  einzelnen  Glieder  die- 
ses ansehnlichen  Schichtensystemes  sind  an  verscliiedenen  Orten 
in  wechselnder  Mächtigkeit  ausgebildet  und  können  theilweise 
einander  vertreten.  So  ist  z.  B.  bei  Ars  und  Gorze  der  Sand- 
stein unter  dem  Eisenerze  stark  reduzirt.  Seine  Stelle  wird 
durch  dunkle  Thone  in  der  Weise  eingenommen,  dass  sich  die 
Thonablagerung,  welche  auf  den  vorhergehenden  Seiten  geschil- 
dert wurde,  in  wenig  veränderter  petrographischer  Beschafifenheit 
noch  weiter  nach  oben  fortsetzt.  Auch  an  der  sogenannten  Cöte 
de  Delme,  auf  dem  rechten  Moselufer,  ist  das  der  Fall;  denn 
!  hier  wie  dort  beweisen  die  in  dem  obersten  Thone  auftretenden 
■Versteinerungen,  dass  man  sich  bereits  in  den  Schichten  mit 
,  Trig.  navis  befindet.  Diese  Verhältnisse  gelten  aber  nur  für  das 
südliche  Lothringen,  im  Norden  des  Landes  gehören  selbst  die 
obersten  Thone  noch  den  Schichten  mit  Harp.  siriaiulum  an, 
und  die  Schichten  mit  lüg,  navis  beginnen  erst  mit  dem  Sand- 


21 

steine.  Eine  weitere  Stellvertretung  findet  bei  dem  Eisenerze 
Statt.  Dasselbe  kann  gänzlich  fehlen  oder  eine  grössere  oder 
geringere  Mächtigkeit  besitzen  und  wird  in  diesen  Fällen  durch 
Sandsteine  ersetzt.  Ebenso  ist  die  Stärke  der  Mergelablagerung, 
welche  über  dem  Eisenerze  liegt,  eine  wechselnde;  nirgends 
jedoch  scheint  dieselbe  gänzlich  verdrängt  zu  sein.  Die  Mächtig- 
keit dieses  gesammten  Schichtensystemes  nimmt  von  N.  nach  S. 
ab.  Was  die  paläontologische  Stellung  dieses  Gesteinscomplexes 
anbetrifft,  so  repräsentirt  er  im  Allgemeinen  die  OppEL'schen 
Zonen  der  Trig,  navis  und  des  Harp.  Murchisonae.  Ersterer 
gehören  der  Sandstein  (resp.  auch  die  obersten  Thone)  und  ein 
Theil  des  Eisenerzes  an,  letzterer  die  höheren  Schichten  des 
Erzes  und  die  Mergel  über  demselben.  Es  rouss  aber  ausdrück- 
lich hervorgehoben  werden,  dass  sich  zwar  im  Allgemeinen  ein 
Vergleich  mit  den  genannten  zwei  Zonen  ziehen  lässt,  dass 
jedoch  eine  völlige  Uebereinstimmung  hier  ebensowenig  statt- 
findet, wie  dies  zwischen  den  Schichten  mit  Harp.  striaMum 
und  der  OppEL'schen  Zone  des  Lyt.  torulosum  der  Fall  ist.  Es 
hat  sich  in  demjenigen  Theile  des  Jurameeres,  dessen  Schichten 
im  heutigen  Lothringen  anstehen,  die  Fauna  in  einer  Weise 
entwickelt,  die  sich  nur  ungefähr  dem  von  Oppel  aufgestellten 
Schema  anpassen  lässt,  ein  Umstand,  in  Folge  dessen,  wie 
schon  gesagt,  die  Bezeichnung  der  einzelnen  Glieder  mit  den 
OppEL'schen  Zonennamen  nicht  statthaft  erschien.  Bevor  ich 
mich  nun  zur  Besprechung  des  Lothringischen  Eisensteinvor- 
kommens wende,  möchte  ich  kurz  die  Verhältnisse  derjenigen 
Erzablagerungen  auseinandersetzen,  welche  im  Lias  und  unteren 
Dogger  des  östlichen  Frankreich  auftreten. 

Auf  einer  ungefähren  Längserstreckung  von  4  Breitengraden 
zieht  sich  durch  das  östliche  Frankreich  und  durch  Lothringen 
bis  nach  Luxemburg  hinein  ein  oolithisches  Eisensteinvorkommen, 
welches  im  S.  nur  in  Gestalt  vereinzelter  kleinerer  Inseln  auf- 


22 

tritt,  im  N.  jedoch  als  ein  ausgedehntes  Lager  erscheint.  Ganz 
im  S.  liegt  zuerst  das  Eisen  bei  Avelas  (Ardiche).  Dann  treffen 
wir  die  bekannten  Vorkommen  von  La  Verpilliäre  S.-O.  von 
Lyon.  Weiter  nach  N.  zeigen  sich  ähnliche  Erzlager  bei  Autun , 
im  Departement  der  Saöne-et-Loire  und  in  der  Haute-Saöne. 
An  dieses  reihen  sich,  noch  weiter  nördlich,  die  zahlreichen 
Eisensteinablagerungen  im  Departement  der  Haute-Marne,  wie 
z.  B.  die  von  Dampierre  bei  Langres,  von  Bussiere-les-Bel- 
mont  bei  Cuves.  Im  weiteren  nördlichen  Verlaufe  treffen  wir 
ferner  isolirte  Vorkommen  von  Eisenstein  bei  Nancy  und  auf 
diese  folgt  —  durch  das  ganze  Land  einen  beinahe  ununter- 
brochenen Horizont  bildend  —  das  grosse  Erzlager  Lothringens, 
welches  fast  die  Länge  eines  Breitengrades  erreicht,  ohne  je- 
doch überall  abbauwürdig  zu  sein. 

An  alle  diese  im  0.  auftretenden  Eisenerze  schliessen  sich 
die  im  S.  und  0.  des  französischen  Gentralplateaus  liegenden 
Vorkommen  in  den  Departements  Aveyron,  Lot,  Lot-et-6aronne, 
Tarn,  Tam-et-6aronne  und  Charente-Inf^rieure  an. 

Prüft  man  die  genannten  Erzablagerungen  mittelst  der  in 
ihnen  vorkommenden  Versteinerungen  auf  ihre  paläontologische 
Aequivalenz,  so  stellt  sich  das  in  der  tabellarischen  Uebersicht 
(S.  24  u.  25)  dargestellte  Resultat  heraus. 

Das  Resultat  dieser  Tabelle  ist,  dass  ganz  im  S.  das 
Eisenerz  nur  im  Lias  auftritt,  dass  es  weiter  nördlich  noch  in 
demselben  beginnt,  aber  schon  in  den  Dogger  hinaufgeht,  und 
dass  es  schliesslich  ganz  im  N.  nur  im  Dogger  vorkommt. 

Betrachten  wir  jetzt  das  lothringische  Eisensteinlager 
etwas  näher. 

Im  S.  des  Landes  beginnend,  zieht  sich  das  Erz  in  fast  S.-N. 
Richtung  durch  ganz  Lothringen  bis  Diedenhofen  —  wo  sich 
der  Muss  nach  N.-O.  wendet  —  parallel  der  Mosel  laufend.  In 
horizontaler  Ausdehnung  ist  die  Breite   der  Erzablagerung  weit 


23 

geringer  als  die  Länge;  denn  von  der  Mosel  nach  W.  zu  ver- 
schwindet bald  jede  Spur  des  Erzes.  Ein  Umstand,  aus  welchem 
Meuoy*  die  etwas  eigenthümliche  Folgerung  zieht,  dass  sich 
durch  Senkung  ein  von  S.  nach  N.  langgezogenes,  schmales 
Becken  gebildet  habe ,  auf  dessen  Boden  sich  bereits  der  ganze 
Lias  und  mit  späteren  Schichten  auch  diese  Erze  abgelagert 
hätten.  Während  dieser  Zeit  soll  in  der  Richtung  der  Queraxe 
dieses  Beckens,  also  von  0.  nach  W.,  ein  stetes  Auf-  und 
Äbschaukeln  des  Bodens  stattgefunden  haben,  welche  Annahme 
Meugy  auf  die  Beobachtung  gründet,  dass  sich  die  fibereinander- 
folgenden  Schichten  bald  nach  0.,  bald  nach  W.  hin  auskeilen 
sollen.  Thatsache  ist  allerdings,  dass  in  den  Departements  des 
Ardennes*  und  de  la  Meuse  —  also  im  W.  —  einerseits  und 
südlich  von  Nancy  andererseits  das  Eisenerz  in  diesem  Niveau 
nicht  mehr  vorhanden  ist,  und  dass  im  0.  überhaupt  nur  unterer 
und  mittlerer  Lias  zu  Tage  ansteht. 

Verfolgt  man  nun  das  Erzlager  von  S.  nach  N.  durch 
Lothringen,  so  findet  man,  dass  seine  Mächtigkeit  im  selben 
Sinne  —  also  mit  der  Annäherung  an  die  Nordküste  des  früheren 
Meeres,  die  Ardennen  —  zunimmt.  Ganz  ungefähr  kommt  dieses 
von  S.  nach  N.  stattfindende  Anschwellen  durch  die  folgenden 
Zahlen  zum  Ausdruck,  welche  die  Mächtigkeit  des  gesammten 
erzführenden  Schichtensystemes  —  also  incl.  der  Zwischenmittel 
—  angeben;  nur  „ungefähr",  denn  die  sehr  zahlreichen  Bohr- 
tabellen ergeben  auch  auf  kurze  Entfernung  ziemlich  wechselnde 
Besultate '. 


1.  MEuaY,  BuU.  Soc.  gäol  France  11^  Bd.  26,  S.  510. 

2.  Mit  Ausnahme  des  Lsolirten  Eisensteinvorkommens  im  Tliale  der  Bar 
(VUlers-sur-Bar)  bei  Sedao.  Bull.  Soc.  g6oI.  France  II,  Bd.  27,  S.  286  und  Saüvaoe 
et  BuYiONiBR,  Statistique  min.  et  göol.  du  döp.  des  Ardenneä,  S.  261. 

3.  E.  6]E8LBR,  Das  oolith.  EisensteinYorkommen.  Zeitschr.  f.  d.  BerghQtten- 
u.  Salineowesea  im  Preuss.  Staate,  1875.  S.  9—41. 


24 


Tabellai 


Sflden. 


I. 

AT§7r«ii,  Lot,  L«i-fi-Ck- 
roBB«,  Tun,  Tkn-ti- 
ChffoiM,  QkutiW-Iift- 

II. 
ATtlM(AHMt)*. 

III. 
La  Ytfpimirt  M  Lyon '. 

lY. 
Havia-Saonc«. 

— 

7  Unterste  Seh.  m.  Harp. 
MursehisofUB, 

— 

— 

Seh.  m.  Trig,  naoit. 

Seh.  m.  7>-t^.  navu 
0,70  M, 

— 

— 

Seh.  m.  Lft  toruiosum. 

In  oder  anter  den  8( 
m.  LyL  iorulosum 
2,10  —  2,80  M.nBcl 

• 

Hürp,  bifroM. 
Barp.  serpetitinum. 

Seh.  m.  LyLjurefue, 
Seh.  m.  PoiidL  Bronni. 
1  M.  machtig. 

— 

Peeten  (Bquivaiüit,  Gry- 
phma  eymbium,  Tere- 
brat  numismalü,  ete. 

— 

— 

— 

1.  GoQUAND,  Bnll.  See.  göol.  Franee  H,  Bd.  6,  S.  328. 

2.  Dumas,  Bull.  See.  g6ol.  Franee  II,  Bd.  3,  S.  611. 

3.  Oppbl,  Jora  S.  233,  294,  313,  330. 

4.  Thirria,  Statistiqne  de  la  Hante-Saöne.  S.  284-287. 

5.  Ostrea  Piciaviensis'RkuEKT  ist  eine  der  Ostrea  Knorri  sehr  nahestehende 
Form,  welche  Ton  Ebray  aus  den  Schichten  der  Trig.  navU  citirt  wird  (Bull.  See. 
göol.  Franee  II,  Bd.  18,  S.  510),  während  sie  Dumortisr  gar  aus  einem  Horizonte 
anlTÜhrt,  der  Ober  der  Zone  des  Barp,  MurchismuB  liegt  (Bull.  Soc.  göol.  France 
IT,  Bd.  20,  S.  113).  H6BBRT  (Bull.  Soc.  g^ol.  France  IT,  Bd.  13,  S.  216)  führt  sie  aus 


>er8icht    (siehe  s.  n. 


Norden. 


V. 
Hftutt-Muni«  •. 

VI. 
Naney,  MiBiAr«  dt  Ohavigny  '• 

VlI. 

Lothringtn,  Luxemburg  ud  du 

angronieBd«  Frankreieh. 

— 

Eisensteinconglomerat  mit  Harp, 
MurchisoneB,  0,60  H.' 

Untere  Seh.  m.  Barp.  Murchisonce, 

'p.  Aalensef  Bei.  irregularis, 
iuUad.  fidicula,  Osirea  picta- 
iensis ». 

Oolith.  Eisenerz  mit  Trig.  na  vis 
6M. 

6,60  H.  machtig. 

Obere  Seh.  m.  Trig,  naois. 
2,30  M.  m&chtig. 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

dem  oberen  Lias  an,  wohin  aber  —  nach  deutscher  Auffassung  —  auch  unterer 
brauner  Jura  zählt.  Auch  Bd.  15,  S.  719  und  Bd.  22,  S.  205  ders.  Zeitschr.  wird 
sie  mit  Barp.  opalinum  und  Aalense  zusammenliegend  erwfthnt. 

6.  Tomdeck,  Bull.  Soc.  g6ol.  France  II,  Bd.  27,  S.  286. 

7.  Ibid.,  Bd.  26,  S.  353. 

M.  ScHLUMBERGER  jst  allerdings  der  Ansicht,  dass  das  Eisenerz  von  Nancy 
noch  in  die  Zone  des  Harp.  Sowerbyi  hinaufreiche.  Eine  paläontologische  Begrün- 
daog  dieser  Behauptung  konnte  ich  trotz  alles  Suchens  nicht  finden.  Ich  folgere 
seine  Ansicht  nur  aus  dem  Titel  einer  kleinen  Brochttre :  Note  sur  trois  espöces 
(yAlaria au  nlTeau  des  Am.  Sowerbyi  et  Murchisonce, 


26 

Süden.  Norden. 

An.       Brt&?au  b.  Mtisilns.  MoytuTrt  u.  Hftyiiif on.  lielu 

2  Meter.  12  Meter.  16  Meter.       20—30  Meter. 

1  Flötz.  2  Flötze.  3  Flötze.         4—5  Flötze. 

Ausser  dieser  ersteren  ist  es  noch  eine  zweite  Eigenthöm- 
lichkeit,  welche  sich  beim  Durchwandern  des  Landes  in  der  an- 
gegebenen Richtung  aufdrängt;  während  nämlich  im  südlichen 
und  mittleren  Theile  Lothringens  das  Erz  fast  durchweg  ver- 
mittelst Stollenbetrieb  gefördert  wird,  gewinnt  man  es  in  den 
nördlichsten  Gegenden  und  in  Luxemburg  durch  Tagebaue.  Der 
Grund  dieser  Erscheinung  liegt  darin ,  dass  im  S.  ein  mächtiges 
Schichtensystem  von  Kalken  auf  dem  Erze  liegt,  während  im 
N.  diese  Decke  theilweis  schon  fehlt.  Dies  erklärt  sich  aus  dem 
Einfallen  der  Schichten  nach  S.-W.,  demzufolge  im  N.  die  tie- 
feren Schichten  zu  Tage  ausstreichen.  Gerade  auf  der  N.-W. 
laufenden  Strecke,  zwischen  Esch  und  Longwy,  bilden  der  un- 
tere und  zum  Theil  mittlere  braune  Jura  einen  Steilabfall,  an 
dessen  Fusse  sich  die  Schichten  des  Lias  ausbreiten.  Dieser 
Absturz  aber  und  die  mannigfach  in  ihn  einschneidenden  Thä- 
1er  haben  dort  auf  stundenweite  Erstreckung  die  Anlage  von 
Tagebauen  ermöglicht,  deren  Grösse  und  Anzahl  imponirend 
wirken. 

Während  also  im  N.  gute  Aufschlüsse,  im  Vereine  mit  einer 
ansehnlichen  Mächtigkeit  der  erzführenden  Schichten  zu  Gebote 
standen,  war  im  übrigen  Theile  Lothringens  die  genauere 
Beobachtung  derselben  in  stratigraphischer  Hinsicht  erschwert, 
in  paläontologischer  unmöglich  gemacht.  Denn  da  die  Fossilien 
nur  auf  den  Halden  gesammelt  werden  konnten,  so  war  eine 
Trennung  derselben  nach  ihrer  Lagerung  nicht  durchführbar. 
Es  war  mithin  geboten,  zuerst  die  Gliederung  der  Eisensteine 
im  Luxemburgischen  festzustellen,  und  dann  mit  den  gewonne- 
nen Resultaten  rückwärts  auf  diejenige   der  lothringischen  Ab- 


27 

lagerungen  zu  schliessen.  Ich  werde  daher  im  Folgenden  zuerst 
ein  kurzes  Bild  der  erzführenden  Schichten  geben,  welche  in 
der  Umgebung  von  Esch  in  Luxemburg  aufgeschlossen  sind. 

Es  tritt  uns  hier  ein  System  von  wechsellagernden  Kalken 
und  Eisensteinflötzen  entgegen,  dessen  Liegendes  aus  thonigem 
Sandsteine,  dessen  Hangendes  aus  thonigen  Mergeln  besteht. 
Die  Kalke  sind  krystallinisch  oder  dicht  und  durch  Eisenoxyd- 
roth gefärbt.  Das  Eisenerz  ähnelt  seiner  Struktur  nach  sehr 
dem  bekannten  Aalener  Vorkommen,  und  erscheint  meist  in 
festeren  Bänken,  bisweilen  auch  lose,  in  Gestalt  eines  groben 
Scbiesspulvers.  Im  ersteren  Falle  ist  es  wiederum  von  feinen 
Kalkschichten  durchzogen,  im  letzteren  bildet  der  Kalk  in  dem 
Eisenerze  Concretionen  in  Gestalt  rundlicher  Massen  (rognons). 
Die  Körner  des  Erzes  weisen  aber  keine  concentrisch-schaalige 
Struktur  auf,  wie  dies  auch  Fabbe  von  dem  Vorkommen  bei 
Nancy  berichtete  Es  ist  mithin  kein  echt  oolithisches  Erz.  Als 
Bindemittel  der  Körnchen  dient  bald  eine  mehr  kalkige,  bald 
mehr  thonige  Masse.  Bei  Esch  sind  4-— 5  abbauwürdige  Flötze 
vorhanden,  welche  sich  durch  verschiedene  Farbe  und  abweichende 
chemische  Zusammensetzung  unterscheiden.  In  horizontaler  Er- 
streckung wechselt  die  Anzahl  der  über  einander  liegenden 
Flötze  und  in  jedem  derselben  die  oben  genannten  Eigen- 
schaften. 

Das  Vorkommen  der  Fossilien  in  diesen  Ablagerungen  ist 
insofern  ein  Verschiedenes,  als  bald  das  Eisenerz,  bald  der 
Kalk  reich  an  Versteinerungen  sind.  Ich  habe  bei  Aufstellung 
der  später  folgenden  Tabellen  nur  die  4  hauptsächlichen  Flötze 
von  Esch  berücksichtigt,  welche  von  unten  nach  oben  die  Na- 
men des  „schwarzen,  grauen,  rothen,  sandigen"  tragen.  Wo 
diese  Namen   angewendet  sind,   bedeutet  z.  B.   der  Ausdruck 


1.  BulL  Sog.  g^ol.  France  11,  Bd.  26,  S.  355.  ÄDmerkung. 


28 

„schwarzes  Flötz'  nicht  nur  das  Lager  selbst,  sondern  auch  das 
hangende  Zwischenmittel  bis  an  das  nächsthöhere  Flötz. 

Wie  sich  nun  aus  den  oben  angeführten  Tabellen  ergiebt,  lässt 
sich  das  System  der  eisensteinführenden  Schichten  bei  Esch 
paläontologisch  in  2  Glieder  trennen.  Die  untere  Abtheilung 
gehört  noch  den  Schichten  mit  Trig.  natis  an  (welche  bereits 
in  dem  Sandsteine  unter  dem  Erze  beginnen);  sie  ist  haupt- 
sächlich charakterisirt  durch  das  massenhafte  Auftreten  der 
Qryphtea  ferruginea  Tebq.  Hierher  gehören  das  schwarze  und 
graue  Flötz.  Die  obere  Abtheilung  dagegen  —  das  rothe 
und  sandige  Flötz  —  bildet  die  Schichten  mit  Harp.  Murchi- 
sontß  (welche  sich  noch  weiter  in  die  über  dem  Erze  liegenden 
Mergel  fortsetzen.)  Sie  zeichnet  sich  durch  die  zahllosen  Exem- 
plare von  Pecien  demissus  Schübl.  und  QermanuB  D'Obb.  (die 
aber  bereits  tiefer  erscheinen) ,  sowie  durch  eine  versteinerungs- 
reiche  Ealkbank  aus,  welche  von  Bivalven  erfüllt  ist 

Versucht  man  nun  die  beiden  Abtheilungen  dieses  Systemes 
an  anderen  Orten  nachzuweisen,  so  lassen  sich  dieselben  durch 
Luxemburg  weithin  nach  W.  gegen  Longwy  zu,  und  ebenso  in 
südlicher  Richtung  über  Villerupt  in  Frankreich,  wie  über  Oet' 
tingen  in  Lothringen  bis  nach  Hayingen  und  Knütingen  hin 
verfolgen.  Noch  weiter  südlich,  bei  Bronvaux,  wo  nur  noch 
2  Flötze  vorhanden  sind ,  werden  die  Verhältnisse  bereits  unklar. 
Die  dortige  Grube  ist  auflässig;  was  ich  von  Fossilien  auf  der 
Halde  fand,  spricht  für  die  untere  Abtheilung.  Hart  unter  dem 
oberen  Flötze,  welches  allein  abgebaut  wurde,  liegt  noch  in 
einer  dünnen  Sandstein-Schicht  die  Grjfphtßa  ferruginea  in  sel- 
tenen Exemplaren.  Wir  hätten  also  wahrscheinlich  in  den  dor- 
tigen 2  Flötzen  ganz  vorwiegend  die  Vertreter  der  Schichten 
mit  Triff,  navis  zu  sehen,  während  die  Schichten  des  Harp. 
MurchisontB  allein  den  darüber  liegenden  Mergeln  angehören 
würden.  Und  Aehnliches  gilt  von  Ars,  welches  ganz  im  S.  liegt. 


29 

Diese  Anschauung  harmonirt  auch  recht  gut  mit  dem  Profile, 
welches  Fabee  von  Chavigny  bei  Nancy  —  also  noch  weiter 
südlich  —  aufgestellt  hat*.  Dort  steht  6  M.  mächtiges  oolithisches 
Eisenerz  an,  welches  die  Schichten  der  Trig.  navis  repräsentirt, 
während  darüber  nur  ein  0,20  Meter  starkes  Eisenerz-Conglo- 
merat  liegt,  in  dem  Harp.  Murchisonts  vorkommt,  lieber  diesem 
findet  man  schon  die  Mergel,  denen  allerdings  noch  eisenhaltige 
Bänke  eingeschaltet  sind.  Wichtig  ist,  dass  Fabbe  dort  aus  den 
Schichten  mit  Trig.  navis  ebenfalls  die  Oryphcea  ferruginea 
Tebq.  anführt,  welche  im  Norden  Lothringens  ein  so  äusserst 
charakteristisches  Fossil  dieses  Horizontes  bildet  und  es  ist 
auffallend,  dass  ich  weder  bei  Ars  noch  am  St.  Quentin  bei 
Metz  diese  Versteinerung  in  irgend  einer  Schicht  auffinden 
konnte. 

Es  würde  also  nach  Obigem  das  Eisenerz  Lothringens  im 
Süden  nur  oder  doch  zum  überwiegenden  Theile  den  Schichten 
mit  Trig.  navis  ^  im  Norden  aber,  wie  in  den  dort  angrenzenden 
Theilen  Frankreichs  und  Luxemburgs,  in  seinem  unteren  Niveau 
diesen  Schiebten,  in  seinem  oberen  aber  denen  mit  Harp. 
MurchisontB  angehören. 

Ich  habe  denn  auch  die  auf  den  Halden  der  südlich  gele- 
genen Eisensteingruben  gesammelten  Fossilien  in  meiner  Tabelle 
alle  unter  der  Rubrik:  ^ Schichten  mit  Trig.  navis  Oberregion ** 
aufgeführt  Es  ist  dies  aber  natürlich  nicht  willkürlich  geschehen; 
denn  ein  jedes  Fossil,  welches  ich  aus  diesen  Gruben  in  der 
erwähnten  Zone  citire,  würde  auch  ohnehin  in  derselben  Tabelle 
stehen,  weil  ich  dasselbe  stets  auch  in  den  nordlich  gelegenen 
Aufschlüssen  gefunden  habe,  welche  eine  deutliche  Gliederung 
zulassen.  Es  ist  mithin  durch  diesen  Analogieschluss  in  der 
erwähnten    Tabelle    nur    die  Anzahl   der  Fundorte    durch    die 


l.  Bull  Soc.  g^ol.  France  U,  Bd.  26,  S.  353. 


30 

Namen  der  südlich  gelegenen  Gruben  vermehrt  worden  *.  Anders 
dagegen  verhält  es  sich  mit  einigen  Versteinerungen,  welche 
aus  den  Schichtep  mit  Trig,  navis  in  diejenigen  mit  H.  Murchi^ 
sofice  übergehen.  So  weit  ich  solche  in  den  südlichen  Gruben 
fand',  musste  ich  sie  consequenterweise  allein  der  Oberregion 
der  Schichten  mit  Trig.  navis  zuweisen,  worin  allerdings  eine 
Willkürlichkeit  liegt.  Zwischen  dieser  Zone  und  derjenigen  des 
Harp.  Murchisontß  existirt  übrigens  in  sofern  eine  Grenz- 
region, als  ich  letzteren  Ammoniten  zusammen  mit  Harp.  opa- 
linum  im  rothen  (2.  obersten)  Flötze  von  Esch  fand,  ebenso 
wie  auch  in  Ars  einzelne  Formen  auftreten,  die  von  Harp. 
Murchisonce  schwer  zu  trennen  sind;  es  mag  also  das  Erz  an 
letzterem  Orte  noch  etwas  in  die  Schichten  des  Ammonites 
Murchisonce  hineinreichen. 

Um  eine  Anschauung  von  der  petrographischen  Entwicke- 
lung  des  Eisenerz  führenden  Schichtensystemes  zu  geben,  führe 
ich  im  Nachstehenden  einige  Profile  desselben  auf,  deren  Mit- 
theilung ich  der  Güte  der  betreflFenden  Herrn  Gruben  vorstände 
verdanke.  Die  Profile  beginnen  im  S.  Lothringens  und  enden 
im  N.  in  Luxemburg.  Das  Hangende  des  Eisenerzes  steht  immer 
oben,  das  Liegende  unten  in  den  Tabellen. 

1)  Ars  a.  d.  MoseL 

Glimmerhaltige  Mergel  ....  16 — 27  M. 

Eisenerz.  Einziges  Flötz  ...  2    „  ~     2      M. 

Glimmerhaltige  Thone    ....         V       „ 

2)  Bronvanx  bei  Maizitoes. 
Bohrloch  bei  Jaumont  angesetzt: 

Kalk 66        M. 

Dunkle  Mergel 16        „ 


1.  Eine  Ausnahme  macbennur:  Bei  subciavtUus ,  Lingnia  sp.,  Trichites, 
für  welche  ich  nur  den  südlichen  Fundort  Ars  angeben  kann. 

2.  Es  sind  hierher  zu  reebnen  die  Erzlager  bei  Ars,  Bronyaux  bei  Haiziöres 
und  das  nicht  abbauwürdige  Vorkommen  am  St.  Quentin  bei  Metz. 


31 


Oberes  Flötz 2       M. 

Hellgelber  Sandsteiu 0*2 5   „ 

Schwarze  Mergel 8,52   „ 

Unteres  Flötz 1,10   „ 

3)  Moyeuvre  S.-W.  v.  Diedenholen. 
Kalk ?        M. 

Dunkle  Giimmermergel 8—9        „ 


11,87  M. 


n 


Kalk 

Oberstes  Flötz 

Kalkbank  m.  Ted.  personaius  .  .  . 
Eisenhaltiger  Kalk 

2.  Flötz 

Eisenhaltiger  Kalk 

3.  Flötz 

Blauer  Kalk 

Eisenhaltiger  Kalk 

4.  Flötz 

4)  Hayingen  W.  v.  Dledenhofen. 
93        M. 


4 

2 

0,10 

1,30 

1,80 

0,90 

2,40 

3 

3 

2 


16,50  M. 


» 


» 


Kalk 


20 


Dunkle  Giimmermergel 

1.  Flötz 

2.  Flötz 

3.  Flötz 

5)  Rollingen  (Luzembnrg)  "W.  v.  Esch. 


17 


M. 


Dunkle  Mergel 

Oberstes  Flötz 

Zwischenmittel 

2.  Flötz 

Graue  Mergel 

3.  Flötz 

Mergel  und  gelber  Sandstein  .  . 

4.  Flötz 

Gelber  Sandstein,  lieber 


? 
2 
?. 
8 

1,20 
0,90 
1,60 
4 
20 


M. 


17,60  M. 


» 


32 


6)  Probesohacht  bei  SchlosBbftsch  b.  Esch. 


» 


n 


» 


43,35  M. 


Oberstes  Flötz  (sandiges) 

Zwischenmittel 

2.  Flötz 

Zwischenmittel 

3.  Flötz 

Zwischenmittel 

4.  Flötz 

Zwischenmittel 

5.  Flötz 

Zwischenmittel 

6.  Flötz  (Rothes) 

Zwischenmittel 

7.  Flötz 

Zwischenmittel 

8.  Flötz  (Graues) 

Zwischenmittel 

9.  Flötz  (Schwarzes) 

Von  diesen  vielen  Flötzen  sind  indess  nur  3-4  abbauwürdig. 

Es  bestätigt  sich  aus  diesen  Tabellen  der  früher  erwähnte 
Umstand,  dass  das  System  der  Eisenerz  führenden  Schichten 
von  S.  nach  N.  an  Mächtigkeit  zunimmt. 


3,30  M.  \ 

3,10   , 

1,90   „ 

1,50    . 

0,90 

2,80 

1,10 

1,15 

1,30 

1,15 

3,30 

1,45 

4,90 

2,50 

4 

6 

3 


2.  Die  Schichten  mit  Oryphcea  fermginea  und  Trtgonia 

navis\ 

a)  Unterregion:  Der  Sandstein,  welcher  das  Liegende  der 
Eisenerze  bildet  und  im  südlichen  Lothringen  in  seinem 
unteren  Niveau  durch  Thone  vertreten  wird.  (Grfes  supra- 
liasique  ou  Marlysandstone  Terqüem's  z.  Th.') 

Der  diese  Abtheilung  zusammensetzende  Sandstein  ist  im 
frischen  Zustande  blau,   erscheint  aber  in  Folge  der  Verwitte- 


1.  Diese  Schichten  sind  in  yorliegender  Arbeit  der  Kürze  halber  stets :  Sch. 
m.  Trig,  navU  genannt. 

2.  Aufschlüsse  :  1)  Am  Wege  von  Longerille  b.  Metz  auf  den  St.  Quentin; 


33 

rung  gewöhnlich  gelb.  Gegen  oben  mit  der  Annäherung  an  die 
Eisenerze  stellen  sich  Schnüre  von  Eisenoxydhydrat  ein.  Der 
Zusammenhalt  desselben  ist  sehr  verschieden,  bald  fester,  bald 
lockerer;  nicht  minder  schwankt  die  Zusammensetzung,  indem 
bald  der  Thon,  bald  der  Kalkgehalt  vorwiegt.  Auch  die  Mächtig- 
keit wechselt  auf  kurze  Entfernungen. 

Wenn  auch  im  Allgemeinen  in  Lothringen  neue  Faunen 
unabhängig  von  der  Beschaffenheit  des  Gesteins  erscheinen,  so 
ist  doch  in  dem  vorliegenden  Falle  die  bei  Weitem  grössere 
Mannigfaltigkeit  der  Formen,  die  mit  dem  Verdrängen  des  Thones 
durch  den  Sandstein  sich  einstellen,  ganz  augenfällig. 

Nach  dem  oben  Mitgetheilten  kann  ich  sogleich  zur  Auf- 
zählung der  einzelnen  Arten  übergehen: 

Z.    S.  Harp.   striatulum   Sow.   sp.    Nur   in    der    alleruntersten 

Grenzregion  des  Sandstein.  St.  Quentin. 
S.    S.  Ancyloceras  Mosellense  Tebqüeh.  Bull.  soc.  d'hist.  nat. 

de  Metz,   Heft  8,   S.    160.   Nicht  von  mir  gefunden. 

Vielleicht  liegt  die  interessante  Art  in  der  Oberregion 

dieser  Schichten. 
Z.  H.  Belemnites  hrevtformis\ ojjTZ.  St.  Quentin,  Oetringen,  Esch. 
Z.   S.  „  Rhenanus  Opp.  St.  Quentin,  Oetringen. 

Z.    S.  „  subclavaius  Voltz.  St.  Quentin. 

S.  Aciceonina  sp.  St.  Quentin. 
8.  Pecten  disciformis  Sohübl.  Esch,  Tetingen. 


2)  zwischen  dem  St.  Quentin  und  Plappeville  am  Wege  nach  Lessy,  hart  unterhalb 
der  Passhöhe ;  3)  im  Dorfe  Marange  bei  Maiziöres ;  4)  in  dem  Thälchen,  welches  N. 
des  Bahnhofes  Ton  Hayingen  b.  Diedcnhofen  liegt;  5)  hart  an  der  Eisenbahn  von 
Diedenhofen  nach  Fontoy  bei  Kncuttingen;  6)  am  WegeTonBcevingen  in  das  Algringer 
Thal  (W.  von  Diedenhofen);  7)  am  Signalberge  bei  fiüevingen;  8)  am  Wege  von 
Oetringen  nach  Escheringen;  9)  am  Wege  von  Kaufen  nach  Wolmeringen;  10)  am 
Wege  von  Wolmeringen  nach  Molvingen  (7,  8,  9,  10  N.  W.  von  Diedenhofen); 
11)  in  der  Umgebung  von  Esch  in  Luxemburg. 

I.  s 


34 

S.    S.  Pecten  Lotharingicus  n.  sp.  St.  Quentin. 
S.    S.       „      lens  QuEKST.  Jura  44,  12.  Ars. 
Z.    S.  Ävicula  Münsteri  Bbonn.  St.  Quentin. 

S.   Gerviüia  Hartmanni  Gldf.  Esch. 
S.    S.  Pinna  cf.  miiis  Phill.  St.  Quentin. 
S.    S.  Mytilus  gryphoides  Quenst.  Ars. 

S.  Modiola  cuneata  Sow.  Oetringen. 

S.  Nucula  Hammeri  Defb.  Gorze. 
Z.  H.  Trigonia  ZUteli  n.  sp.  St.  Quentin,  Ars. 

S.         „        navis  Lam.  St.  Quentin. 

S.  Protocardia  striaUda  Phill.  sp.  Esch,  Ars. 
S.   S.  Tancredia  donaciformis  Lyc.  St.  Quentin. 
Z.    S.  Pholadomya  fidicida  Sow.  St.  Quentin. 

S.  »  cordata  Quekst.  Esch. 

S.    S.  Ooniomya  Knorri  Ao.  St.  Quentin. 

S.  Lyonsia  abducia  Phill.  sp.  Esch. 
Z.    S.  Bynchonella  infraoolithica  O^p.  Ars. 
Z.-   S.  »  cf.  sübdecorata  Day.  Ars. 

H.  Chondrites  scoparius  Thiolliebe.  St.  Quentin,  Berg  St. 
Michel  bei  Bcevingen,  Ars. 
Durchgehende  Leitfossilien  von  praktischer  Brauchbarkeit 
kenne  ich  nicht,  da  die  Versteinerungen  lokal  verschieden  ver- 
theilt  sind.  Trig.  ZiUelli  n.  sp.  ist  eine  sehr  charakteristische 
Spezies  dieser  Schichten,  scheint  aber  im  nördlichen  Theile  des 
Landes  gänzlich  zu  fehlen  und  ist  auch  im  S.  nicht  sehr  häufig. 
Trig.  navis  dagegen  geht  aus  dieser  Unterregion  in  die  Obere 
über,  ist  aber  recht  selten. 

Wie  das  vorliegende  Verzeichniss  der  Versteinerungen  be- 
weist, ist  die  Grenze  zwischen  den  Schichten  mit  Harp.  siria- 
iulum  und  denen  mit  IHg.  navis  in  faunaler  Beziehung  eine 
äusserst  scharfe.  Nur  2  Cephalopoden,  Bei,  compressus  Voltz 
und    Bei.  subclavatus  Voltz    gehen    aus    den    erstgenannten 


35 

Schichten  in  die  letzterwähnten  über;  Harp.  striatulum  fand 
ich  —  wie  in  der  Tabelle  vermerkt  —  nur  am  St.  Quentin  in  den 
alleniutersten  Grenzschichten  des  Sandsteins.  Harp.  opaUnum^ 
welches  in  anderen  Gegenden  recht  häufig  ein  weiteres  Binde- 
glied beider  Faunen  ist,  fehlt  zunächst  noch  völlig  und  erscheint 
erst  in  der  Oberregion  der  Schichten  mit  Trig.  navis. 

Die  Berechtigung  einer  Zweitheilung  dieser  letzteren  Schichten 
in  eine  Unter-  und  Oberregion  dürfte  sich  genügend  motiviren 
lassen,  da  sie  auf  die  Entwickelung  der  Fauna  derselben  basirt 
ist.  Denn  wenn  auch  der  grösste  Theil  der  Formen  aus  der 
unteren  Region  in  die  obere  übergeht,  so  fehlt  doch  der  Er- 
steren  noch  eine  grosse  Reihe  von  Formen,  welche  erst  in  der 
Letzteren  auftreten,  und  unter  diesen  sind  es  gerade  die  Oe- 
phalopoden,  welche  der  Oberregion  ihr  eigenthümliches  Gepräge 
verleihen.  Auch  in  petrographischer  Beziehung  findet  im  Allge- 
meinen ein  scharfer  Abschnitt  zwischen  beiden  Regionen  statt, 
indem  unten  Sandsteine,  oben  Eisenerze  und  Kalksteine  liegen. 
Es  existiren  aber,  in  dem  vorhergehenden  allgemeinen  Theile, 
über  diese  Schichten  bereits  erwähnte  Ausnahmen  von  dieser 
Regel,  deren  interessanteste  der  Signalberg  von  Boevingen^ 
(W.  von  Diedenhofen)  ist.  Hier  fehlt  die  ganze  Eisenerzablage- 
rung und  ist  durch  Sandstein  ersetzt,  so  dass  die  untere  Region 
ohne  Unterbrechung  in  die  obere  übergeht  und  beide  aus  dem- 
selben Gestein  bestehen.  Dass  die  Annahme  des  Fehlens  der 
Eisenerze  an  diesem  Punkte,  somit  auch  der  Gleichwerthigkeit 
der  mittleren  und  der  oberen  Schichten  des  Boevinger  Sand- 
steines mit  der  Erzablagerung  des  übrigen  Landes  eine  richtige 
ist,  lässt  sich  nicht  nur   paläontologisch,  sondern   auch   strati- 


1.  Der  Berg  ist  auf  den  Etiquetten  der  Mctzcr  Sammlung  als  cötc  pel6e  be- 
zeiclinet;  auf  den  Karten  hat  er  keinen  Namen;  er  trägt  das  Triangulations-Signal 
der  neuen  topographischen  Laudesaufnahme. 


36 

graphisch  nachweisen.  Es  wire  a  priori  mo^eh,  dass  am  Signal- 
berge  eine  Verwerfung  vorläge,  wonach  der  Berg  gehoben  wäre; 
es  wfirde  dadurch  naturlich  der  nnter  dem  Eisenerze  liegende  Sand- 
stein in  ein  höheres  Niveau  gerückt  worden  sein  und  das  oben  auf 
dem  Gipfel  liegende  Erz 'wäre  bis  auf  den  letzten  Rest  spurlos 
weggewaschen  worden.  In   der    That  kommt  man  auch   beim 
ersten  Anblick  des  Berges  auf  diese   Annahme;  denn  die  herr- 
lich entblösste  Südseite  desselben  zeigt   den   Sandstein  in  dem 
gewöhnlichen  Niveau  der  Eisenerze,   welche  auch  in  nicht  zu 
grosser  Entfernung  von  diesem  Berge  anstehen.  Allein  die  Sache 
klärt  sich  auf,  wenn  man  den  Gipfel  des  Berges  erstiegen  hat. 
Derselbe  besteht  aus  einem  hellen  Mergel,  und  Mergel,  hell 
oder  dunkel,   liegen  stets  über  dem  Eisenerze.  Ueber  diesen 
Mergeln  kommen  stets  Kalke  und  zwar  den  Schichten  mit  Harp. 
Sowerhyi  angehörig.  Nun  findet  man  auf  dem  Gipfel  des  Berges 
eine  grosse  Anzahl  von  Ealkstücken  mit  den  charakteristischen 
Versteinerungen  dieser  Zone;   es  sind  dies  die  letzten   Beste 
einer  einstigen  Decke  von  Kalkstein,  welche  jetzt  durch  Denu- 
dation entfernt  ist  Wir  haben  also  von  oben  nach  unten  am 
Signalberge  ein  Profil,  das  sich  vollständig  dem  von  mir  über- 
haupt aufgestellten  parallelisiren  lässt: 

1)  Seh.  m.  Earp.  Sawerlfifi  Kalk. 

2}  Oberregion  der  Sch.  m.  Barp.  Murchismat,    Mergel.       Fastversteineningsleer 

3)  Uuterregioa  der  Sch.  m.  Barp.  Murehisona  \  Barp,  Murchisonet  ge- 

J  fanden. 

4)  Oberregion  der  Sch.  m.  Trig.  novit  >  Sandstein.  Mit  einer  sehr  fossil- 

i  reichen  Bank. 

5)  Dnterregion  der  Sch.  m.  Trig.  navis  ' 

6)  Oberregibn  der  Sch.  m.  Barp,  siriahthim     \  Noch  am   Signalbeige 

J  sichtbar. 

>  Thone. 

7)  Unterregion  der  Sch.  m.  Barp.  striaiuium  l  Am  angrenzenden  Berge 

/  St.  Michel  sichtbar. 

An  anderen  Orten  treten  ähnliche  Verhältnisse  auf,  indem 
das  Eisenerz  zwar  nicht  völlig  fehlt,  aber  doch  von  reduzirter 


37 

Mächtigkeit  and  durch  starke  Beimengung  von  Thon  unbau- 
würdig erscheint,  wie  z.  B.  zwischen  dem  St.  Quentin  und  Plappe- 
ville.  Hier  sind  dann  Sandstein-  und  Mergelbildung  einander 
sehr  nahe  gerückt,  ohne  sich  doch  direkt  zu  berühren. 

Wie  hier  also  das  Eisenerz  durch  Sandstein  ersetzt  ist, 
so  ist  andererseits,  südlich  von  Metz  —  bei  Ars  und  Gorze  — 
ein  Theil  der  Unterregion  der  Schichten  mit  IVig.  navis  (des 
Sandsteines)  durch  Thon  vertreten.  Im  Mancethale\  bei  Ars, 
liegt  ein  grosser  Thonhaufen,  welcher  aus  einem  schräg  aufwärts 
getriebenen  Stollen  gefördert  wurde.  In  demselben  fand  ich: 

Harp.  siriatulum  Sow.  sp.  Man  hat  also  zuerst  die  Oberregion 

der  Schichten  mit  Harp.  siriatulum  durchfahren. 
Pecien  Uns  Quenst.  Jura  44,  12. 
Protocardia  siriatula.  Phill.  sp. 
Inoceramus  sp. 

Rhynchonella  infraoolithica  Opp. 

BhynchoneUa  cf.  subdecorata  Dav.,  weniger  aufgebläht  als  die 
echte  Bh.  subdecorata. 

Femer  findet  man  beim  Verfolgen  der  Spuren  der  Wasser- 
leitungsarbeiten von  Gorze  bergaufwärts  nach  Metz  zu : 
Nucula  Hammeri  Defa.  Diese  Form  unterscheidet  sich  in  Loth- 
ringen scharf  von  der  Nuc.  Hausmanni  Bcem.,  indem  sie 
weit  grösser  und  aufgeblähter  ist.  Sie  wurde  von  mir  nir- 
gends in  der  Unterregion  der  Schichten  mit  Harp.  siriatu- 
lum gefunden,  wärend  die  Nucula  Hausmanni  in  derselben 
ziemlich  häufig  ist. 

Diese  wenn  auch  wenigen  Versteinerungen  sprechen  für 
die  Annahme,  dass  der  Thon,  in  welchem  sie  liegen,  bereits  in 


1.  Gegenüber  der  ersten  Eisensteingrube,  welche  im  Thale  selbst  liegt,  und 
zwar  unten  am  Bache,  da  wo  die  Wasserleitung  denselben  auf  einer  Brücke  über- 
schreitet. 


38 

die  Schichten  mit  IHg.  navis  zu  steilen  sei.  Es  würden  also 
im  S.  Lothringens  diese  Schichten  in  ihrem  unteren  Theile  aus 
einer  Thonablagerung ,  in  ihrem  oberen  aus  Sandstein  und  Eisen- 
erz besteben,  während  sie  im  nördlichen  Theile  des  Landes 
nur  von  den  letzteren  2wei  Gesteinen  gebildet  werden.  Man 
könnte  zwar  aus  petrographischen  Gründen  geneigt  sein,  auch 
im  N.  die  obersten  Schichten  der  Thone  als  bereits  zu  den 
Schichten  mit  Trig.  navis  gehörig  zu  betrachten.  Allein  es  fehlt 
dieser  Annahme  die  paläontologische  Begründung;  vielmehr  deu- 
ten das  massenhafte  Vorkommen  des  Harp.  siriatulum  und  das 
allerdings  seltene  von  Bei.  acuarius  in  den  obersten  Thonlagen 
darauf  hin,  dass  hier  die  Schichten  mit  Trig.  navis  erst  mit 
dem  Sandsteine  beginnen.  Der  Signalberg  bei  Boßvingen  bietet 
hierfür  ein  sehr  instruktives  Profil  und  zwar  da,  wo  die  Chaus- 
see von  Boevingen  nach  Oetringen  sich  um  ihn  herumwindet. 
Die  hier  ausgesprochene  Ansicht  wird  übrigens  bereits  von  Fbi- 
BEBioi^  vertreten. 

Einer  gütigen  Mittheilung  des  Herrn  Dr.  Steinmann  ver- 
danke ich  nachträglich  das  folgende,  bei  der  kürzlich  begon- 
nenen geognostischen  Landesaufnahme  beobachtete  Profil  an  der 
sogenannten  Göte  de  Delme,  durch  welches  nun  auch  auf  dem 
rechten  Moselufer  nachgewiesen  ist ,  dass  im  südlichen  Lothringen 
bereits  die  oberen  Thone  den  Schichten  mit  IVig.  navis  zuge- 
rechnet werden  müssen. 

Wir  haben  hier  von  oben  nach  unten: 

1)  Sandstein. 

2)  Thone,  den  Schichten  mit  Trig,  navis  zugehörend. 

3)  Thone,     »  »  »     Harp.  ^/Wa^^um zugehörend. 

IAequivalent  der  sogen.  Jurensis-Schichten 
Schwabens  mit  Harp.  hifrons  und  sehr 
zahhreichen  Versteinerungen. 


t.  Apercu  gMogique  da  d^part.  de  la  Moselle.  S.  86. 


39 


b)  Oberregion:  Untere  Flötze  (schwarzes  und  graues)  des 
Eisenerzes  bei  Esch,  Oetringen,  Villerupt,  Hayingen  etc.; 
die  Eisenerze  von  Ars  und  Bronvaux  zum  überwiegend 
grössten  Theile  resp.  ganz.  Ferner  die  mittlere  Abtheilung 
des  —  die  Eisensteine  ersetzenden  —  Sandsteines  vom 
Signalberge  bei  Boevingen  bis  incl.  der  dort  anstehenden 
reichen  fossilführenden  Bank.  (Hydroxide  oolitique  Ter- 
QüEM  pars.  Qrhs  supraliasique  Tebqueh  pars.) 

Nach  dem  früher  Gesagten  kann  ich  auch  hier  sogleich  zur 
Aufführung  der  Versteinerungen  übergehen*. 

Z.  H.  Nautilus  inomaius  d'Obb.   Esch,  Hayingen,  Villerupt. 
?      Ämaltheus  Fridericii  n.  sp.  Longwy.  Liegt  möglicherweise 
in  der  Unterregion  der  Zone  des  Harp.  Murchisonte. 

Z.  H.  Ämaltheus  subserrodens  n.  sp.  Signalberg  bei  Boßvingen. 

Z.  H.  Ammonites  äff.  Sieboldi  Opp.  Hayingen,  Moyeuvre. 

Z.  H  „  subinsignis  (Opp.)  Dum.  Hayingen,  Moyeuvre. 

H.  Harpoceras  Aalense  Zist.  sp.  Ars,  St  Quentin,  Bronvaux, 
Hayingen. 

S.    S.  Harpoceras  cosiula  Beik.  sp.  Signalberg   bei  Boevingen. 

S.    S.  n  Lotharingicum  n.  sp.  Hayingen. 

S.    S.  »  Lessbergi  n.  sp.  Signalberg  bei  Boevingen. 

Z.    S.  „  mactra  Dum.  sp.  Signalberg  bei   Boevingen, 

Bronvaux. 

Z.    S.  Harpoceras  opalinum.  Ars,  St.  Quentin,  Bronvaux. 

Z.  H.  ;,  pseudoradiosum  n.    sp.  Signalberg  bei  Boe- 

vingen. 
S.  Harpoceras  äff.  radians  Reik.  sp.  Signalberg  bei  Boevingen. 


1.  Die  Anführung  you  Aufschlüssen  in  dieser  und  der  nächsten  Ahtheilung 
ist  unnöthig,  da  die  Namen  der  Lokalitäten  in  der  Tabelle  stehen  und  Gruben  wie 
Tagebaue  genügend  in  die  Augen  fallen. 


40 

Z.  H.  Harpoceras  subcomptum  n.  sp.  Signalberg  bei  Boevingen, 
HayiDgen,  BronvaiUL 
H.  Harpoceras  subunduiaium  n.  sp.  Signalberg  bei  BcDvingen, 
St.  Qaentin. 
Z.  H.  Lyioceras  düucidum  (Opp.)  Dum.  sp.  HayiDgen,  MoyeuYre, 
ViUerupt 
H.  Belemniies  breviformis  Voltz.  Esch,  Oettingen,  Kneuttingen, 
Villerupt,  Ars,  Signalberg  bei  Bcevingen. 
H.  H.  Belemnites  Bheiuinus  Oppsl.  Esch,  Oettingen,  Villempt, 
Hayingen,  Bronvaux,  Ars. 
S.  Belemniies  n.  sp.  Ars,  Villempt,  SL  Qaentin. 
Z.  H.  „  incurvaius  Ziet.  Ars,    Bronvaux,    Hayingen, 

Signalbei^  bei  Bcevingen. 
S.  Belemnites  spinaius  Quekst.  Ars,  Hayingen. 
Z.    S.  9  subclavatus  Voltz.  Ars. 

S.    S.  lürbo  sp.  QusNST.  (Jura  Taf.  47,  2)  Signalberg  bei  Bce- 

vingen. 
S.    S.  Pleurotomaria  cf.  opalifUi  Qubnst.  Kneuttingen. 
H.  Ostrea  cdkeola  Zietkn.  Esch,  Oettingen,  Ars. 
H.       a       sandalina  Zietek.  Esch,  Oettingen,  Hayingen. 
H.  H.  Gryphea  ferruginea  Te&qukm .  Esch,  Oettingen,  Hayingen, 
Kneuttingen,  Bronvaux,  Villerupt,  Signalberg  bei  Boc- 
Yingen,  Klein  Moyeuvre. 
H.  Pecten  disciformis  Schübl.  Esch,  Oettingen,  Moyeuvre,  Ars. 
S.       „      lens  QususT.  (Jura  47,  12).  Esch,  Ars. 
H.       9      GermaniiB  b'Obb.  Esch,  Oettingen. 
H.  S.       „     pumüus  Lam.  Hayingen,  Bronvaux. 
S.    S.  Avicula  elegans  Mün.  Esch. 
S.   S.        9        Münsieri  Bbonv.  Hayingen. 

H.  OerviUia    Hartmanni   Gldp.   Villerupt,   Signalberg    bei 
Boevingen. 
Z.  B.   GerviUia  suhiortuosa  Opp.  Villerupt, 


41 

Z.    S.  Inoceramus  cf.  polyplocus  Rcem.  Signalberg  bei  Boevingen. 
Z.   H.  Pinna  cf.  miüs  Phill.  Yiilerupt,  Escb. 

H.  Trichites  sp.  Ars. 
Z.  H.  Modiola  cuneata  Sow.  ViUerupt. 

H.        »        gregaria  Gldf.  Villerupt,  Hayingen,  Signalberg 
bei  Bcevingen. 

S.  Modiola  plicata  Sow.  Signalberg  bei  Ba3vingen. 
Z.    S.  Trigonia  navis  Lam.  Signalberg  bei  Boevingen,  Villerupt. 

S.         I,        cf.  Leckenbyi  Lyo.  Hayingen. 
H.  H.         B         cf.  fomiosa  Yg.  a.  Bibd.  Hayingen. 
Z.  H.  Tancredia  donaciformis  Lyc.  Signalberg  bei  Bosvingen. 
Z.  H.  Ästarte  elegans  Sow.  Esch,  Moyeuvre,  Differdingen. 
H.  H.  Pholadomya  fidicula   Sow.  Ars,  Kneuttingen,  Hayingen, 

Villerupt,  Escb. 
H.  H.  Homomya  cf.  ohtinsa  Aa.  Ars,  Villerupt,  Esch. 

H.  Myadtes  unioides  opalinus  Qubnst.  Ars,  Kneuttingen,  Esch, 
Signalberg  bei  Boevingen. 
H.  H.   Gresslya  pinguis  Ag.  Ars,  Esch. 

H.  Lyonsia  abducta  Phill.  sp.  Ars,  Esch,  Villerupt,  Kneut- 
tingen, Hayingen,  Signalberg  bei  Boevingen. 

S.  LingtUa  sp.  Ars. 
Z.   H.  Bhynchonella   Frirefii  n.  sp.  St.  Quentiu  bei  Metz. 
Z.  H.  Tcrebratula  ovoides  Sow,  Villerupt. 
S.    S.  Ästerias  sp.  Bollingen. 

H.  Chondrites  scoparius  Thiolliebe.  Kneuttingen,  Kümelingen. 


57  Arten. 

■ 

Leitfossilien :  Gryph.  ferrugifiea^  Harp.  opalinum, 
suhcomptum,  Äalense,   GervilUa  Hartmanni. 

Wir  finden  in  diesem  Verzeichnisse  die  grosse  Mehrzahl 
derjenigen  Formen  wieder,  welche  bereits  in  der  Unterregion 
erschienen.  Das  Hinzutreten   einer  immerhin  stattlichen  Anzahl 


42 

neuer  Fonnen  aber  gibt  die  paläontologische  Rechtfertigung  für 
die  Abscbeidung  dieser  oberen  Region  von  der  unteren,  und 
dies  um  so  mehr,  als  hier  die  sonst  den  oberen  Lias  bezeich- 
nende Gruppe  des  Harp.  radians  in  zahlreichen  Vertretern 
wieder  erscheint. 


3.  Die  Sehichten  mit  Marpoeeras  Murchisance  und 

Pholadomya  reHeulaUi  *• 

a)  Unterregion :  Obere  Flötze  (rothes  und  sandiges)  des  Eisen- 
erzes in  der  Umgegend  von  Esch,  Oettingen  etc.  Ferner 
die  oberste  Abtheilung  des  Sandsteines  vom  Signalberge 
bei  Bcdvingen.  (Hydroxide  oolitique  Terquem  z.  Th.) 

Auch  hier  kann,  unter  Hinweis  auf  das  Seite  20  ff.  Gesagte, 
von  einer  Darlegung  der  stratigraphischen  und  petrographischen 
Verhaltnisse  Abstand  genommen  werden. 

Es  folgt  das  Verzeichniss  der  von  mir  gefundenen  Ver- 
steinerungen : 

S.  Ichthyosaurus  sp.  )    „    ,     ^ 

>   Esch,  Eneuttmgen. 
S.  Ii€Stos€nirus  sp.     ) 

S.  Harpoceras  Murchisontß  Sow.  sp.  Esch,  Oettingen,  Ars, 
Algringen,  Kneuttingen,  Signalberg  b.  Bcevingen. 
S.    S.  Harpoceras  opalinum  Reik.  sp.  Esch. 
Z.  H.  ^  cf.  fluüans.  Duic.  sp.  Esch,  Kneuttingen. 

H.  H.  BelemniUs  breriformis  Voltz.  Esch,  Oettingen. 

H.  ,  Bhenanus  Opp.  Esch,  Oettingen. 

S.    S.  Anomia  Gingensis  Qcsnst.  Holvingen. 
H.  H.  Pecten  disciformis^  Schübl.  Esch,  Oettingen,  Rümelingen, 
Tetingen. 

H.  Peeien  Um  Quehst.  (Jura  44,  12).  Esch,  Oettingen. 


1.  Der  KOne  halber  steU  Schichten  mit  Barp,  Uiaxkitomm  genannt 


43 

H«  H.  Pecten  Germanice  cI'Obb.  Esch,   Oettingen,   Mmeliogen, 

Tetingcn. 
Z.  H.  Pecten  pumilus  Lam.  Esch,  Moyeuvre. 
Z.    S.  Hinnites  aljecius  Mobb«  u.  Lyg.  Esch. 
Z.    S.  Lima  duplicaia  Sow.  sp.  Esch,  Oettingen. 

H.     y^       Lesshergi  n.  sp.  Esch,  Bümelingen. 

H.  Pinna  cf.  mitis  Phill.  Esch. 

S.  Modiola  cuneata  Sow.  Esch. 

S.  CucuUaea  cf.  canceUata  Phill.  Esch,  MolviDgcn. 
S.    S.  Trigonia  angulata  Lyg.  La  Sauvage  b.  LoDgwy. 

H.        „        similis  Aa.  Esch,  Oettiugen,  Molvingen. 
S.    S.        „        prcßcostata  n.  sp.  Molvingen. 

S.  Tancredia  donaciformis  Lyc.  Molvingen. 

H.  Astarte  elegans  Sov^.  Molvingen,  Oettingen,  Esch. 
Z.  H.  Pholadomya  fidicula  Sov^.  Molvingen. 
Z.    S.  Ceromya  cf.  Aalensis  Quenst.  Esch,  Eneuttingen. 
S.    S.  Serpula  socialis  Gldf.  Esch,  Kneuttingen. 
S.    S.  Pentacrinus  cf.  pentagonalis  Quenst.  Esch. 
Z.    S.  Montlivaultia  Delabechi  Edw.  u.  Hatmk.  Esch. 
Z.    S.  „  trochoides  Edw.  u.  Haime.  Esch. 

S.  I%amna^^esa  cf.  Umitata  M'Goy.  Esch. 

29  Arten. 

Leitfossilien:  Harp.  Murchtsonce,  Lima  Lessbergi,  Trig. 
similis. 

Vergleicht  man  dieses  Verzeichniss  mit  dem  der  Ober- 
region dieser  Schichten,  so  stellt  sich  heraus,  dass  die  untere 
Abtheilung  mehr  eine  Grenzregion  ist.  Harp.  opalinum  liegt 
noch  —  aber  nur  im  rothen  Flötze  bei  Esch  —  neben  Hafp. 
Murchisontß.  Auch  Formen,  die  der  Gruppe  des  Harp.  radians 
angehören,  finden  sich,  wenn  auch  in  zu  schlechter  Erhaltung, 
um  bestimmt  werden  zu  können. 

Nimmt  man  dazu  den  Umstand,   dass  von  der   Gesammt- 


44 

summe  der  in  diesen  beiden  Erzlagern  auftretenden  Formen 
etwa  Vi  den  zwei  Plötzen  eigenthümlich  ist,  so  liegt  die  Noth- 
wendigkeit  auf  der  Hand,  dieselben  nach  unten  wie  oben  ab- 
zutrennen. Aber,  wie  früher  gesagt,  die  untersuchte  Strecke 
Landes  —  obgleich  noch  nicht  von  der  Länge  eines  Breiten- 
grades —  bietet  bereits  im  N.  andere  Verhältnisse  als  im  S., 
so  dass  sich  Beide  nicht  mit  peinlicher  Genauigkeit  in  den- 
selben Rahmen  einfügen  lassen.  Im  N.  lässt  sich  diese  Unter- 
region der  Schichten  mit  Harp.  Murchisonte  recht  gut  paläonto- 
logisch charakterisiren,  im  S.  dagegen  hat  das  nicht  nur  seine 
praktischen  Schwierigkeiten ,  sondern  es  scheinen  auch  diejenigen 
Formen  zu  fehlen,  welche  im  N.  den  2  Flötzen  ausschliesslich 
eigenthümlich  sind.  Irgend  eine  Aequivalentbildung  muss  im  S. 
existiren;  während  im  N.,  in  der  Nähe  der  Ardennen,  sich 
mächtige  Schichten  bildeten,  müssen  sich,  70 — 80  Kilometer 
weiter  südlich,  doch  jedenfalls  auch  Sedimente  niedergeschlagen 
haben.  Aber  diese  besitzen  eine  geringe  Mächtigkeit;  die  Schichten 
sind  zusammengezogen;  Aufschlüsse  und  die  charakteristischen 
Versteinerungen  fehlen  S  so  dass  ich  keine  sichere  Angabe  zu 
machen  im  Stande  bin.  Auch  die  zahlreichen  Bohrtabellen  geben 
keine  festen  Anhaltspunkte,  theils  weil  sich  das  Hangende  der 
Eisensteine  wechselnd  ausbildete,  theils  wohl  weil  die  Bohr- 
proben wesentlich  nur  auf  ihren  Eisengehalt  geprüft  wurden. 

b)  Oberregion:  Die  Mergel  über  dem  Eisenerze  resp.  über 
dem  Sandsteine  des  Signalberges  bei  Boevingen  (Marnes 
grises  micac^es  T£BQuem)*. 

Das   System  der  Eisenerz   führenden   Schichten   wird   von 
Thonen  und  Mergeln  überlagert  und  diese  bilden,  ähnlich  wie 


1.  Doch  fand  ich,  wie  sclion  frUlier  gesagt,  Harp.  Murchisonce  auch  in  dem 
Eisenerze  von  Ars. 

2.  Tbrquem  führt  keine  Versteinerungen  aus  denselben  au.  Vergl. :  Paläon- 
tologie du  d6p.  de  la  Moselle,  S.  24. 


45 

dies  bei  dem  Sandsteine  im  Liegenden  des  Erzes  der  Fall  ist, 
einen  petrographiscben  Horizont,  welcher  sich  von  Nancy  an 
durch  ganz  Lothringen  bis  nach  Luxemburg  und  Longwy  ver- 
folgen lässt^  Meist  von  dunklerer  Farbe,  werden  sie  auch 
hellgelb;  hier  sind  sie  thoniger,  dort  sandiger  und  Glimmer  füh- 
rend, und  ebenso  wechselnd  ist  ihre  Mächtigkeit  und  ihr  Beich- 
thum  an  Fossilien*. 

Die  gesammelten  Versteinerungen  sind  die  folgenden: 
H.  Harpoceras  Murchisoncß  Sow.   sp.  var.  acutum  Quenst. 
Oettingen. 
S.    S.  Harpoceras  cf.  crasse  falcatum  Dum.  sp.  (non  Waagen). 

Oettingen. 
Z.  H.  Belemnites  spinatus  Qoenst.  Oettingen. 
H..  H.         „  brevifomiis  Voltz,  Oettingen. 

Z.  H.         „  Qingensis  Oppel.  Oettingen,  Esch,  Ars. 

Z.    S.         „  incurvaius  Ziet.  St.  Quentin. 

S.    S.  Pleuroiomarta  sp.  St.  Quentin. 


1.  Levallois,  Apercu  g6o].  du  d^p.  de  la  Meurtbe.  Nancy  1862.  S.  38. 
Odibal,  Memoire  sur  le  tcrrain  jnrassique  du  d^p.  de  la  Mourtho  in  M^moiros 

de  rXc.  de  Nancy.  (840.  S.  19.  Ebenda  1850.  S.  118. 

Ferner  Dewalque,  Description  du  lias  de  la  proYincc  de  Luxembourg-,  S.  4 
u.  62. 

Wies  (Wegweiser  zur  gcolog.  Karte  des  Grossberzogtbums  Luxemburg. 
1877.  S.  63)  sagt  zwar:  dass  die  Annabme,  der  Sandstein  (der^  wie  icb  früber 
erwäbnte,  oft  gelb  und  tbonig  ist)  liege  stets  zwiscben  den  schwarzen,  unteren 
Thonen  und  dem  Eisenerze,  unrichtig  sei  und  dass  derselbe  in  Luxemburg  nur 
lokal  auftrete.  Indess  abgesehen  von  dem  Mt.  St.  Martin  b.  Longwy  habe  ich  selber 
ihn  bei  Rollingeo,  Tetingen,  Esch,  Rümlingen  gesehen;  er  ist  also  von  W.  nach  0. 
durch  das  ganze  südliche  Luxemburg  nachgewiesen. 

2.  Aufschlösse  :  1)  Zwischen  dem  St.  Quentin  u.  Plappeville  b.  Metz,  am 
Wege  nach  Lessy;  2)  am  Wege  von  Hayingen  nach  RangwaU;  3)  am  Signalbergc 
bei  Boevingen;  4)  im  Thale  von  Molvingon,  nach  Wolmeringen  zu;  5)  bei  Oettingen 
in  der  Nähe  des  Bahnhofes;  6)  am  Wege  von  Esch  nach  Oettingen,  oben  auf  dem 
Plateau;  7)  V4  Stunde  hinter  Villerupt,  an  der  neuen  Bahnstrecke,  auf  dem  franzö- 
sischen Gebiet. 


46 

S.  Ostrea  subirregtUaris  n.  sp.  St.  Quentin,  Molvingen. 
S.    S.       „       cf.  eduliformis  Schloth.  Oettingen. 
Z.  H.   Gryphtea  calceola  Quenst.  St.  Quentin. 
Z.   S.  Pecten  pumütis  Lam.  St.  Qnentin. 

S.       y,       lens  QuENßT.  (Jura,  Taf.  44,  Fig.  12).  St.  Quentin. 

S.  Lima  tenuistria  Mü.  St  Quentin. 

S.  Inoceramus  RtßhU  n.  8p.  Villerupt,  Lessy  b.  Metz. 
Z.    S.  Modiola  plicata  Sow.  St.  Quentin,  Molvingen. 

S.  Pinna  cf.  mitis  Phill.  St.  Quentin. 
Z.   S.  Area  sp.  (Steinkerne).  Esch,  Oettingen. 
S.    S.  Trigonia  cf.  Moutierensis  Lyc.  St.  Quentin. 
S.   S.        „         cosiahUa  Lyc.  St  Quentin. 
S.  S.  Pholadomya  Murchisoni  Ao.  St.  Quentin. 
Z.  S.  r,  fidicula  Sow.   St  Quentin,  £sch,  Molvingen. 

H.  H.  „  reticuiata  Ao.  St.  Quentin,  Oettingen. 

Z.   S.  „  cordaia  Quenst.  St.  Quentin. 

Z.  H.  Myaciies  cf.  unioides  opalinus  Qüekbt.  St  QueDtin. 

H.  Pleuromya  elongata  Aa.  Oettingen. 
Z.    S.  Terebraiula  Eudesi  Desl.  St  Quentin. 
Z.  S.    Bhynchonella  subdecoraia  Dav.  St.  Quentin. 
Z.    S.  „  paucispinosa  n.  sp.  St.  Quentin. 

S.    S.  „  ienuispina  Waao.  Oettingen. 

Z.    S.  Serpula  sodalis  Gldf.  St  Quentin. 
S.    S.  Qaleropygas  agariciformis  Fobb.  Signalberg  b.  Boevingen. 

S.  Thecosmilia  gregaria  M'Coy.  St  Quentin. 
Z.    S.  MonÜivauliia    Delabechi.    Ebw.    u.    Haime.   Molvingen, 

St  Quentin. 
Z.    S.  MontUvaultia  trochoides  Edw.  u.  Haime.  St  Quentin. 

S.  Bituminöses  Holz.   Oettingen. 

36  Arten. 

Leitfossilien:  Harp.  Murchisonte;  Beh  breviformis;  Pho^ 
lad,  reticuiata. 


47 

Harp.  Murchisantß,  den  Bepräsentanten  dieser  nach  ihm 
benannten  Schichten,  habe  ich  nur  an  einer  einzigen  Lokalität 
finden  können;  dort  ist  er  häufig,  aber  immer  nur,  wie  auch 
in  der  Unterregion  dieser  Schichten,  habe  ich  die  var.  acutum 
QuENST.  gesehen,  niemals  var.  obtusum.  Von  den  übrigen 
Formen  ist  etwa  die  Hälfte  dieser  Oberregion  eigenthfimlich, 
während  durch  den  Rest  der  in  ihr  vorkommenden  Arten  eine 
Verbindung  theils  mit  den  liegenden  Schichten,  theils  mit  den 
hangenden  des  Harp,  Sowerbyi  hergestellt  wird. 


4.  Die  Schichten  mit  Harpoceras  Sowerbyi  und 

Oryphwa  sitblobata. 

Kalke  und  kalkhaltige  Sandsteine  (Calcaire  ferrugineux 

Terqüem  z.  Th.  •). 

üeber  den  auf  den  vorhergehenden  Seiten  besprochenen 
Thonen  und  Mergeln  liegt  eine  mächtige  Beihe  von  Kalken.  Bei 
Villerupt  ist  der  Wechsel  aus  Ersteren  in  Letztere  ein  ganz 
schroffer;  bei  Oettingen  wird  er  gewissermassen  erst  vorbereitet, 
indem  sich  in  den  Mergeln  eine  kleine  kalkreiche  Bank  aus- 
scheidet. 

Untersucht  man  nun  die  tiefsten  Schichten  dieser  Kalke 
für  sich  allein,  so  stellt  sich  heraus,  dass  sie  durch  eine  Fauna 
charakterisirt  sind,  welche  die  Gleichwerthigkeit  dieser  Schichten 
mit  der  Zone  des  Harp.  Sowerbyi  darthut.  Der  petrographische 
Habitus  derselben  ist  ein  etwas  verschiedener,  indem  sie  ent- 
weder rein  kalkig  ausgebildet  sind  (Villerupt),  oder  aus  wechsel- 
lagernden Kalk-  und  Sandstein -Schichten  bestehen  (St.  Quen- 
tin),  oder  schliesslich  ein  weicheres,  halbmergeliges  Kalkgestein 


1.  Der  Kürze  halber  stets  nur  Scliiclitcn  mit  Harp.  Sowerbyi  genannt. 


48 

darstellen,  welches  mit  unregelmässig  gestalteten  Körnern  von 
Brauneisenstein  erfüllt  ist;  Letztere  pflegen  aber  einem  soge- 
nannten Bohnerze  zu  gleichen  und  an  Grösse  die  Körnchen  des 
tieferliegenden,  eigentlichen  Eisenerzes  weit  zu  übertreffen 
(Moyeuvre). 

Eine  Gliederung  dieser  Schichten,  auf  Grund  der  verschiede- 
nen Aufeinanderfolge  der  Organismen,  scheint  möglich  zu  sein. 
Allein  wohl  in  Folge  der  Ueberschüttung  dieser  verschieden  mäch- 
tigen Schichten  konnte  ich  nur  einen  einzigen  völlig  günstigen 
Aufschluss  entdecken.  Hinter  YiUerupt,  in  Frankreich,  sind  diese 
Kalke  zwar  sehr  schön  biosgelegt,  aber  bis  auf  wenige  an  Pec- 
ten  pumüus  reiche  Bänke  äusserst  arm  an  Versteinerungen;  die 
weitere  Fortsetzung  der  dortigen  neuen  Bahnstrecke  wird  viel- 
leicht reichere  Schichten  durchschneiden.  Am  St.  Quentin  da- 
gegen scheinen  sich  eine  untere  Bank,  dicht  erfüllt  mit  €hy' 
ph{ca  süblohata  Desh.,  mittlere  Bank  mit  Bryoecen^  obere  Bank 
mit  Pecten  pumüus  Lam.  ausscheiden  zu  lassen.  Wenn  ich  trotz 
des  vorher  Gesagten  behaupten  kann,  dass  die  Schichten  mit 
Harp,  Sowerbyi  wenigstens  durch  den  grösseren  Theil  Lothringens 
mit  Sicherheit  einen  durchgreifenden  Horizont  bilden,  so  ge- 
schieht dies  auf  Grund  einer  genügenden  Anzahl  von  Fundorten , 
welche  die  Existenz  dieser  Fauna  dokumentiren.  Dieselben  sind 
unten  —  wie  immer  von  S.  nach  N.  —  aufgeführte 


1.  1)  Im  Maoce-Thal  b.  Ars  am  Wege  nach  Gravelotte  bei  der  2.  Eisenstein- 
grübe  iinl^s  (gefördertes  Material);  2)  am  Wege  von  Jussy  nach  Vaux;  3)  zwischen 
81.  Ouentin  und  Plappeville  oben  auf  der  Passhöhe  (Steinbruch);  4)  N.-O.  von  Lessy 
auf  dem  Plateau  (Bohrloch);  5)  im  Monvaux-Thale,  W.  von  Chßne  de  la  Yicrge,  hart 
an  der  Eisenbahn ,  dort  wo  der  Tunnel  unter  derselben  hlndurchfUhrt  (Bohrloch) ; 
6)  am  Wege  von  Moyeuvre-la-Grande  nach  Moyeuvre-la-Petite ,  auf  der  rechten 
Seite  des  Baches  und  zwar  am  Rande  zwischen  Feld  und  Wald,  etwa  15  Minuten 
hinter  ersterem  Orte:  7)  oben  auf  dem  Signalbergc  b.  Boevingen;  8)  bei  Yillerupl 
an  der  neuen  Bahn,  auf  französischem  Gebiete.  Der  Lagerung  nach  gehören  die 
dort  aufgeschlossenen  Schichten  hierher;  Versteinerungen  aber  fehlen  fast  ganz. 


^ 


49 

Ich  fand  die  folgenden  Versteinerungen  : 
S.    S.  Harpoceras  Sutneri  n.  sp.   St.   Quentin.  (Möglicherweise 

schon  der  nächsthöheren  Schicht  zuzurechnen.) 
S.    S.  Harpoceras  Sotcerbyi.  Mill.  sp.  Moyeuvre. 
S.    S.  „  disdtes  YfjLAa.  sp.  Montvauxthal. 

Z.  H.  BeUmnites  Qingensis  Ovv,  St.  Quentin,  Moyeuvre. 

S.         „  cf.  spinatus  Quenst.  Moyeuyre. 

S.  Ostrea  crenata  Gldf.  St.  Quentin,  Moyeuvre,  Signalberg. 

S.       a       subirregularis  n.  sp.  St.  Quentin. 
H.  H.  Qryphisa   sublobata   Desh.  sp.   St.   Quentin,   Moyeuvre, 

Ars,  Jussy,  Montvauxthal,  Lessy. 
Z.  H.  QryphtBa  calceola  Qüenbt.  Ars ,  Moyeuvre. 
S.    S.  Anomia  Qingensis  Qübnbt.  St.  Quentin. 

S.  Pecten  diseiformis  Schübl.  St.  Quentin,  Ars. 

S.       ,       lens  QusNBT.  (Jura  Taf.  44,  Fig.  12).  St,  Quentin, 
Ars. 
Z.  H.  Pecten  pumilus  Lam.  Ars,  Villerupt. 
Z.  H.  Lima  proboscidea  Sow.  St.  Quentin,  Ars,  Signalberg. 

S.       9     sidcata  Gldf.  Ars. 
Z.  H.       a     Schimperi  n.  sp.,  St.  Quentin. 

S.  Hinnites  abjectus  Mobb.  u.  Lto.  St  Quentin. 
S.    S.  Pema  isognomonoides  Stahl.  Moyeuvre. 
S.    S.  ÄvictUa  Münsteri  Bbonn.  Ars. 
S.    S.  Modiola  cf.  scalaia  Waag.  Ars. 

8.       „         plicata  Sow.  Ars,  St.  Quentin. 
Z.    S.       ji         cuneata  Sow.  St.  Quentin.  • 

S.  Pinna  sp.  St.  Quentin. 

H.  Drichites  sp.  Ars,  St  Quentin. 

S.  IVigonia  Ooldfussi  Aa.  Moyeuvre,  Hayingen. 
Z.   S.        „         striata  Mill.  Ars. 
Z.    S.  Pholadomya  Murchisoni  Aa.  St.  Quentin. 

8.  JI  fidicula  Sow.  Moyeuvre. 


so 

S.   S.  Terebratula  submaxülata  Mobb.  St.  Quentin. 

Z.    S.  RhtfnchoneUa  oUgacantha  n.  sp.  St.  Quentin ,  Ars. 

S.  Serpula  flaccida  Gldf.  St.  Quentin. 

H.        ,        socialts  Gldf.,  St.  Quentin,  Ars. 
Z.  H.        „       ßlaria  Gldf.  St.  Quentin. 
S.    S.  Berenicea  düuviana  Lamoüboux  sp.  Ars. 
S.    S.  Defrancia  diplopora  n.  sp.  Ars. 

H.  Pusivlopora  Quenstedii  Waag.  St.  Quentin. 
Z.    H.  Monilwaultia  trochoides  Edw.   u.    Haihb.    St  Quentin, 
Moyeuvre. 

S.  MontlivaulUa    Delahechi    Edw.    u.    Haime.     Moyeuvre, 
Signalberg,  St  Quentin. 

39  Arten. 

Leitfossilien  :  Gryph<sa  suhlohaia^  Lima  Schitnperiy 
Belemniies  GingensiSy  Harp,  Sowerhyi. 

In  diesem  Verzeichnisse  sind  '/>  der  aufgeführten  Formen 
den  Schichten  mit  Harp.  Sotoerhyi  eigenthümlich.  Die  übrigen 
Vb  vertheilen  sich  derartig,  dass  etwa  Vi  &ller  Arten  bereits  in 
den  Schichten  mit  Harp,  Murchisonte  lebte  und  aus  diesen  in 
jene  hinübergeht  Das  letzte  Vi  ^^^^  besteht  aus  solchen  Spezies, 
welche  bereits  in  den  Schichten  mit  Trig.  navis  vorhanden  sind; 
doch  sind  darunter  unsichere  Dinge,  wie  Trichites,  bei  denen 
die  Art  sich  nicht  feststellen  last,  oder  indifferente  Arten,  wie 
Modiala  cuneaia  und  Pecten  disctformis ,  zum  Theil  aber  Arten , 
deren  grosse  vertikale  Verbreitung  längst  bekannt  ist,  wie  Pecten 
pumilus ,  Pholad.  fidicula  und  Modiola  plicata. 

Wie  viele  Arten  hingegen  aus  den  Schichten  des  Harp, 
Sowerhyi  in  diejenigen  des  Steph,  Humphriesianum  übergehen, 
vermag  ich  nicht  anzugeben,  da  die  genauere  paläontologische 
Bearbeitung  derselben  ausserhalb  der  Grenzen  dieser  Arbeit  lag. 


51 


6.  Die  höheren  Schichten  des  brannen  Jura. 

Ueber  den  Schichten  mit  Harp.  Sotverbyi  folgt  in  Loth- 
ringen ein  ziemlich  mächtiges  System  von  Kalken  mit  einge- 
schalteten Lagen  von  mergeligen  und  sandigen  Gesteinen,  wel- 
ches nach  oben  seinen  Abschluss  findet  in  den  als  Korallenkalk 
ausgebildeten  Schichten  mit  Steph.  Humphriesianum.  Die  petro- 
graphische  Beschaffenheit  der  zwischen  den  Schichten  mit  Harp. 
Bowerhyi  und  St^h.  Humphriesianum  liegenden  Schichten  ist 
im  Süden  des  Landes  eine  etwas  andere  als  im  Norden.  Wäh- 
rend sie  im  Süden'  aus  z.  Th.  dunkelblauen,  z.  Th.  hellgefarb- 
ten,  dickbankigen  Kalken  besteht,  denen  schmutzig-graubraune 
Schichten  eines  weichen  Gesteines  untergeordnet  sind,  folgt  im 
Norden*  auf  wechsellagemde  Schichten  von  hellen  Kalken  und 
gelben  bis  braunen,  thonigen  Mergeln  eine  Ablagerung  sehr 
charakteristischer  dfinnplattiger  Kalke.  Was  ich  hier  von  Ver- 
steinerungen sammelte ,  lässt  sich  paläontologisch ,  wie  es  scheint, 
sowohl  von  der  Fauna,  welche  in  den  Schichten  mit  Harp. 
Sowerbffi  liegt,  als  auch  von  deijenigen,  welche  mit  Skpha- 
noceras  Humphriesianum  vergesellschaftet  ist,  abtrennen.  Fer- 
nere Untersuchungen  werden  hoffentlich  zeigen,  ob  wir  es  hier 
mit  einer  Bildung  zu  thun  haben,  welche  der  Zone  des  Sieph. 
Sauzei  äquivalent  ist,  oder  nicht. 


1.  ÄQf  demSt.  Onentin  im  Fort  Manstein.  Zahlreiche  Fossilien  flndet  man 
hart  Yor  demselben  in  dem  Gesteinsschutte  an  der  Seite  des  Berges,  welche  nach 
Scy  nnd  LongeTille  hinabschaut.  An  der  Eisenbahn  von  Metz  nach  Amanweiler. 
Die  blauen  Kalke  zeigen  sich  in  dem  Steinbruche,  welcher  an  der  alten  Strasse 
liegt,  die  von  Rozerieulles  auf  das  Plateau  hinaulTQhrt 

2.  Am  Wege  ?on  Moyeuvre  Ober  Rangwall  nach  Hayingen.  An  den  Gastine- 
Gruben  Ton  Hayingen. 


52 

Die  Schichten  mit  Steph.  Humphrtesianum  scheinen  petro- 
graphisch  und  wohl  auch  paläontologisch  in  zwiefacher  Facies 
ausgebildet  zu  sein.  Vorwiegend  sind  es  plumpe,  ungeschichtete 
weisse  Felsenkalke  von  zuckerkörniger  Beschaffenheit,  welche 
sich,  reich  an  Fossilien  und  besonders  an  Korallen,  in  Gestalt 
eines  mächtigen  Korallenriffes  von  S.  nach  N.  durch  das  Land 
ziehen.  Auf  dem  linken  Moselufer  nahe  an  den  Fluss  heran- 
tretend, auf  dem  rechten  entfernter  von  ihm  in  den  Umgebungen 
der  Göte  de  Delme ,  krönt  dieses  Riff  äberall  die  Höhen,  welche 
das  Moselthal  im  W.  begleiten.  Hat  man  das  Plateau  des  linken 
Ufers  erstiegen  und  nimmt  seinen  Weg  nach  W.  gegen  Frank- 
reich zu  —  also  etwa  in  der  Richtung,  in  welcher  das  Ein- 
fallen der  Schichten  stattfindet  —  so  trifft  man  nicht  selten,  in 
demselben  Niveau  mit  den  Korallenkalken ',  Schichten  eines 
Gesteines,  welches  zahbreiche  Bruchstücke  von  Muscheln  und 
kleine  oolithische  Körner  enthält.  Wenn  auch  die  Verwerfungen 
in  Lothringen  zahlreich  sind,  so  lässt  sich  doch  das  gemein- 
schaftliche Niveau  beider  Ablagerungen  an  manchen  Orten 
schwer  durch  eine  Verwerfung  erklären;  es  scheint  vielmehr, 
als  wenn  wir  hier  verschiedene  Facies  vor  uns  hätten,  eine 
Anschauung,  die  bereits  Tbbqubm  vertritt.  (Paläontologie  de 
la  Moselle,  S.  28.) 

Obgleich  die  Mächtigkeit  der  eben  besprochenen  Schichten 
keine  überall  gleichbleibende  sein  dürfte,  so  möchte  ich  doch, 
zur  ungefähren  Orientirung,  das  folgende  Profil  mittheilen,  wel- 
ches ich  der  Güte  des  Herrn  Grubendirektors  Gbsbebt  in 
Hayingen  verdanke;  dasselbe  zeigt  in  einem  Bohrloche  in  der 
Umgegend  von  Hayingen: 


I .  Bei  Amanweiler.  Zwiscbeu  Audun-Ie-Tiche  und  Oettiogen  oben  auf  der 
HObe. 


53 

Oolith  von  Jaumont,  )  ^ 

.,,  ,    ^  ,  >  Cosm.  suofurcatum  21  M. 

Thone  (Marnes  de  Longwy) ) 

Korallenkalk  .  .  .  .j 15  „ 

Dichte  Kalke,  z.  Th.  >   Steph,  Humphriesianum 

mit  Steph.  Sawei) 46  „ 

Eisenhaltiger  Kalk,  Harp.  Sowerhyi 10  „ 

Glimmermergel,  Harp.  MurchisontB 20  ;, 

Eisenerz.  3.  Flötz,  Harp.  Murchisonte    ...  17  „ 

2. 


n  •"•         » 


ff 


1.         « 


Drig.  navis 17 


» 


lieber  den  Korallenkalken  beginnt  nun  eine  Beihe  theils 
mergliger,  theils  kalkiger  Schichten  von  wesentlich  anderem 
petrographischem  und  paläontologischem  Habitus.  Es  gehören 
dahin  die  gelben  oolithischen  Kalksteine,  welche  in  grossen 
Brüchen  am  Bahnhofe  von  Amanweiler  und  bei  Jaumont  gebro- 
chen werden  (Galcaire  de  Jaumont).  Sie  sind  arm  an  Versteine- 
rungen, doch  trifft  man  gelegentlich  einen  Cosmoceras  subfur- 
eatum^  nach  welchem  die  Schichten  auch  benannt  worden  sind. 
Etwas  höher  liegen  leichter  zerfallende  gelbe,  ebenfalls  oolithische 
Gesteine,  welche  sehr  reich  an  Versteinerungen  sind.  Gute 
Fundstellen  liegen  auf  den  Aeckern  zwischen  Amanweiler  und 
St.  Privat,  besonders  in  der  Nähe  des  Denkmals  des  Garde- 
corps. Cosmoceras  Parkinsoni  und  mehrere  Seeigel  sind  hier 
leitend.  Die  gelbe  Farbe  des  Ackerbodens,  die  diese  näher  an 
der  französischen  Grenze  gelegenen  Schichten  des  Cosmoceras 
subfurcatum  und  ParMnsoni  liefern,  steht  in  auffallendem  Gegen- 
satz zu  dem  rothen  Schimmer  der  Oberfläche  der  längs  des 
Steilrandes  gegen  die  Mosel  hinziehenden  Korallenkalke. 

Schon  mitten  in  diesen  Kalken,  dann  aber  über  denselben, 
so  im  Dorfe  Bezonville  und  am  Waschhause  zwischen    diesem  1 

Ort  und  Gravelotte,  kommen  eigenthümliche  Thone  mit  einge-  I 


54 

backenen  oolithischen  Körnern  vor,  welche  stellenweise  sehr 
versteinerungsreich  sind.  Tebquem  bezeichnet  sie,  wenigstens 
z.  Th.,  als  fuUers  earthj  und  in  der  That  scheinen  auch  Aequi- 
valente  der  ächten  Bathonien  vorhanden  zu  sein.  Eine  genauere 
Untersuchung  dieser  so  verschieden  gedeuteten  Grenzbildungen 
lag  jedoch  nicht  in  meiner  Absicht. 


PAUIONTOLOGISCHER  THEIL. 


Nantilng. 


yauUius  et  inamaiua  d'OsB. 

1843.  Nautilus  inonuUtu  d*OBB.  Terr.  jar.  Geph.  Taf.  28. 

Ein  im  Eisenerze  Lothringen  nicht  selten  vorkommender 
Nautilus  stimmt  im  Querschnitte,  in  der  Flachheit  der  Extern- 
Seite  nnd  im  Verlaufe  der  Eammerscheidewände  mit  der  oben 
angeführten  Abbildung  b'Obbiont's  der  Hauptsache  nach  uberein. 
Nur  die  Skulptur  weicht  etwas  ab.  Nautilus  inomatus  zeigt 
nämlich  in  allen  Alterszuständen  nur  Anwachsstreifen;  bei  unserer 
Form  tritt  aber  in  der  Jugend  noch  eine  deutliche  Längs- 
streifung  auf.  Da  auch  die  Nabelweite  etwas  geringer  ist,  als 
sie  B'OBBiaNT  zeichnet,  so  entsteht  eine  gewisse  Aehnlichkeit 
mit  N.  lineatus  Sow.  (d'Obb.,  1.  c,  Taf.  31),  bei  dem  die 
gitterformige  Streifung  aber  auf  einen  kleineren  Theil  der  Intern- 
Windungen  beschränkt  zu  sein  scheint  als  bei  meinen  Exemplaren. 

Ein  solches  Schwanken  zwischen  den  Charakteren  der  Bist' 
phites  und  SimpUces  deutet  Qubnbtsdt  bereits  für  Nautilus 
aus  dem  Dogger  an.  (Gephalop.,  S.  66.) 

Vorkommen:  Oberregion  d.  Seh.  m.  IVig.  navis.  Ziemlich 
häufig:  Oettingen,  Hayingen,  Esch.  (Eisenerz.) 


58 


Amaltheua. 

Onippe  des  Am.  serradena 

mit  folgenden  Formen : 

Am.  Driderieü  n.  sp. 
Am.  subserrodens  n.  ep. 


TU.  in,  Fiff.  1. 

?  Ammonites  ser rodens  {Qu.)  Dumort.  Bassin  dn  Rhönc,  IV,  Taf.  58,  Fig.  2, 3,  S.  277. 

Höbe  des  letzten  Umganges 50,5 

GrOsste  Breite  desselben 22 

Darcbmesser  des  Nabels    16 

Durchmesser  der  ganzen  Schaale 100 

Wirklicher  Durchmesser  des  gemessenen  Exemplars. 113  Hill 

InYolntion 0,77 

Es  steht  mir  nur  ein  Exemplar  ohne  Schaale  zur  Ver- 
fügung, welches  sich  im  städtischen  Museum  zu  Metz  befindet; 
ich  erlaube  mir  dasselbe  nach  Herrn  Professor  Fnn>BBici ,  durch 
dessen  Oüte  es  mir  zur  Untersuchung  anvertraut  wurde,  zu 
benennen. 

Der  diskusartige  Steinkem  ist  stark  involut  und  zeigt  kei- 
nerlei Andeutung  von  Skulptur.  Die  Schaale  war  mithin  im 
Innern  glatt;  aber  «uch  die  Aussenseite  dürfte,  nach  dem  Ver- 
halten verwandter  Formen  zu  schliessen,  keinesfalls  stark  ver- 
ziert gewesen  sein.  Die  grösste  Breite  des  letzten  Umganges 
liegt  am  Nabel  und  von  diesem  aus  convergiren  die  nur  wenig 
gewölbten  Seiten  gleichmässig  nach  der  Eztemseite  hin,  in 
deren  Nähe  sich  der  Querschnitt  plötzlich  zuschärft.  Die  Extern- 


59 

Seite  ist  schneidig,  hat  aber  keinen  abgesetzten  Kiel.  Eine 
Nathfläche  fehlt  in  der  Jugend  gänzlich;  mit  dem  Beginne  der 
letzten  Windung  jedoch  stellt  sich  eine  solche  ein  und  nimmt 
von  da  an  sehr  schnell  an  Höhe  zu.  Sie  fällt  schräg  gegen  den 
Nabel  hin  ab,  mit  den  Seiten  der  Schaale  einen  Winkel  von 
ungefähr  140®  bildend.  Die  Nabelkante  der  Figur  1  ist  übrigens 
zu  scharfkantig  gezeichnet.  Von  der  Wohnkammer  ist  an  vor- 
liegendem Exemplare  nichts  erhalten. 

Die  Sutur  dieser  Art  bildet  eine  höchst  charakteristische, 
weniggezackte,  flachwellige  Linie.  Der  breite  Extemsattel  ist 
zweitheilig  und  zerfällt  in  eine  kleinere  externe  and  in  eine 
grössere  interne  Hälfte. 

Die  vorliegende  Spezies  stammt  aus  dem  unteren  Dogger 
und  zeigt  sich  nahe  verwandt  mit  einer  Form  des  obersten 
Lias,  dem  Am.  serrodens  Quenbt.  sp.  (Cepb.  VIH,  14).  Doch  unter- 
scheidet sich  dieser  leicht  durch  das  Fehlen  einer  eigentlichen 
Nathfläche,  wie  auch  durch  die  weniger  plötzlich  eintretende 
Zuschärfung  der  Externseite.  In  der  Sutur  ist  allerdings  eben- 
falls ein  Unterschied  bemerkbar,  wenn  man  die  von  Quenstbdt 
gegebene  Abbildung  mit  der  meinigen  vergleicht;  erstere  zeigt 
nämlich  tiefere  und  schmälere  Loben.  An  mir  vorliegenden 
Exemplaren  des  Am.  serrodens  sehe  ich  jedoch,  dass  bisweilen 
auch  bei  dieser  Art  die  Lobenlinie  einen  mehr  fiachwelligen 
Charakter  annimmt.  In  dieser  Eigenschaft  stimmt  das  von  Du- 
MOBTisB  abgebildete,  oben  citirte  Exemplar  eines  Am.  serrodefts 
vortrefflich  mit  meiner  Form;  auch  stammt  dasselbe  ebenfalls 
aus  dem  untersten  Dogger.  Da  es  jedoch  keine  Nathfläche  zu 
besitzen  scheint,  wodurch  es  sich  dem  Am.  serrodens  Schwabens 
nähert,  so  glaubte  ich  dasselbe  nicht  ohne  Weiteres  mit  der 
vorliegenden  Art  identifiziren  zu  dürfen;  es  scheint  vielmehr 
eine  Uebergangsform  zwischen  dieser  jurassischen  und  jener 
Kasiscben  zu  sein. 


60 

Ebenfalls  mit  Am.  FÜdericü  verwandt  ist  der  weiter  unten 
beschriebene  Am.  suhserrodens  (Taf.  3,  Fig.  2),  der  jedoch 
schon  früher  eine  Nathfläche  erh&It  und  eine  schnellere  Wachs- 
thumszunahme  zeigt.  Auch  in  der  Lobirung  beider  Arten  zeigen 
sich  geringe  Unterschiede,  auf  welche  ich  Gewicht  lege.  Da 
nimlich  die  mir  vorliegenden  Exemplare  von  Am.  subserrodens 
kleiner  als  das  des  Am.  Fridericü  sind,  so  könnte  man  geneigt 
sein,  jene  als  junge  Individuen  des  Letzteren  anzusehen.  Es 
ist  nun  eine  allgemeine  Erfahrung,  dass  mit  zunehmendem  Alter 
die  Lobirung  der  Ammoniten  complicirter  wird.  Hier  würde 
aber  gerade  das  Umgekehrte  stattfinden.  Bei  dem  kleinen  Am. 
subserrodens  sind  der  1.  und  2.  Seitenlobus  relativ  schmäler 
und  tiefer  und  enden  dreispitzig;  bei  dem  grösseren  Am.  Fri- 
dericü ist  Alles  einfacher. 

Vorkommen :  Aus  dem  Eisenerze  von  Longwy  in  Frank- 
reich. Oberreg.  d.  Seh.  m.  Trig.  navis  oder  Unterreg.  d.  Seh. 
m.  Harp.  Murchisonad. 


AnuMheus  subserrodens  n.  sp« 

Taf.  III,  Fi«.  2. 

Höhe  des  letzten  UmgaDges 43  47  46  49 

Grösstc  Breite  desselben 27  24  22  20 

Darchmesser  des  Nabels 29  30  26  25 

Durchmesser  der  ganxen  Schaale 100  100  100  100 

Wirklicher  Durchmesser  der  gemessenen 

Exemplare 18,6  MUl.    23,5  Ml.    39  Mill.    48  MUl. 

Involution 0,54  0,60  0,59        0,67 

Im  ausgewachsenen  Zustande  besitzt  diese,  der  vorigen 
verwandte  Art  5  Umgänge,  welche  mSssig  rasch  in  die  Höhe 
wachsen.  Vom  Nabel  aus  steigen  die  wenig  gewölbten  Seiten 
anfangs  mit  geringer  Gonvergenz  empor,  um  sich  später  rasch 
in  der  scharfen  Externseite   zu  vereinigen,  die   keinen  abge- 


61 

setzten  Kiel  trägt.  Die  Schaale  zeigt  feine  Anwachsstreifen,  von 
welchen  auf  dem  Steinkerne  jedoch  keine  Spur  bemerkbar  ist. 
Auf  dem  letzten  Umgange  stellt  sich  eine  (auf  der  Abbildung 
ungenügend  wiedergegebene)  Nathfläche  *  ein ,  welche  ziemlich 
steil  gegen  den  Nabel  hinabiäUt. 

Die  Lobenlinie  ist  einfach,  wenig  eingeschnitten.  Der  brei- 
tere Extern-  und  der  1.  Seiten-Sattel  zerfallen  je  in  eine  kleinere 
externe  und  eine  grössere  interne  Hälfte. 

Im  Jugendzustande  ist  der  Querschnitt  unserer  Art  bis  zu 
einer  Grösse  von  etwa  9  Millimeter  gerundet;  dann  wird  der- 
selbe oval  und  von  ungefähr  30  Millimeter  Grösse  an  schärft 
sich  die  Externseite  allmählich  zu,  in  welchem  Stadium  auch 
zugleich  die  Bildung  der  Nathfläche  beginnt.  Die  übrigen  Eigen- 
thümlichkeiten  wurden  bei  der  vorigen  Art  berührt. 

Vorkommen.  Oberregion  d.  Seh.  m.  Trig.  navis.  Ziemlich 
häufig.  Signalberg  bei  Boevingen. 

Die  Verbreitung  der  Gruppe  des  Am.  serrodens,  welche 
von  NsüMAYB  zu  den  oxynoten  Amaltheen  gestellt  wird ,  scheint 
eine  sehr  beschränkte  zu  sein.  Nach  Oppel  (Jura,  S.  257)  war 
Am.  serrodens  bis  dahin  nur  aus  dem  obersten  Lias  Schwabens 
bekannt.  Sohlcbnbach  berichtete  später  über  ein  Bruchstück  dieser 
Art  aus  denselben  Schichten  bei  Braunschweig  (Pakeonto- 
graphica,  Bd.  13,  Taf.  27,  2),  welches  nach  Bbaüns  (Mittl. 
Jura,  S.  114)  jedoch  ein  Harp.  affine  v.  Seeb.  sp.  (Hannov., 
Jura,  S.  143,  8,  4)  sein  soll.  Jedenfalls  zeigt  die  Sutur  beider 
Formen ,  die  nach  der  neueren  Eintheilung  verschiedenen  Genera 
angehören  würden,  eine  sehr  grosse  Aehnlichkeit.  Durch  die 
von  DuMOBTiEB  bei  St.  Romain  nachgewiesene  und  durch  die 
von  mir  als  Am.  Frideridi^  und  Am.  sübserrodens  abgetrennten 
Formen  vermehrt  sich  die  Zahl  der  aus  dem  obersten  Lias  in 
den  untersten  Dogger  übergehenden  verwandten  Arten.  Bemer- 
kenswerth  ist  aber,  .dass  dieselben  nirgends  häufig  sind. 


62 


Lytoceras 

mit  folgenden  Formen : 

Lyi,  torulonun  Schübl.  sp. 
Lyt.  düucidum  Opp.  sp. 


Ijyi.  iorutOBum  SchObl.  tp.  <tüKRBT.  Cef  h.  YI9 1^« 

In  Lothringen  und  Luxemburg*  scheint  Ljft  tarulosum 
ebensowenig  vorzukommen  wie  im  nördlichen  Frankreich.  Oppel* 
hat  seine  Zone  des  Lyt.  tonUosum  über  einen  grossen  Theil 
Frankreichs  verfolgt.  Seinen  Angaben  zufolge  findet  sich  die- 
selbe., jedoch  ohne  das  namengebende  Fossil,  in  den  Departe- 
ments Calvados,  Sarthe,  Deux-S^vres  (hier  fehlten  noch  genauere 
Untersuchungen),  Yonne,  Jura  und  Doubs.  Ueber  die  sich  an 
Letzteres  nach  N.  hin  anschliessenden  Departements  der  Haute- 
Sadne,  Haute-Marne,  Vosges,  Meurthe  wird  nichts  erwähnt. 

Gefunden  wurde  Lyt,  tarulosum  in  den  Departements  der 
Vend^e,  Aveyron,  Loz&re,  Is^re. 

Unter  der  Voraussetzung,  dass  die  Form  dort,  wo  sie 
Oppsii  nicht  nachweisen  konnte,  auch  nicht  vorkommt,  würde 
sie  in  der  ganzen  nördlichen  Hälfte  Frankreichs,  etwa  bis  zum 
47.  Breitengrade,  fehlen,  während  sie  in  der  südlichen  Hälfte 
und  zwar  im  W.,  in  der  Mitte  und  im  O.  des  Landes  vor- 
handen ist.  d^Obbioky  citirt  im  Prodrome  Lyt.  torulosum  nur 
aus  der  Vend^e,  was  jedenfalls  auch  als  ein  Beweis  für  die 
Seltenheit  desselben  dienen  kann. 


1.  Ghapuis  und  Dewalqub  führen  das  Fossil  aas  Luxemburg  nicht  auf. 

2.  Oppel,  Jura  S.  309. 


63 

Oestlich  von  den  Vogesen  erscheint  die  Spezies  im  Schweizer 
Jura  bei  Aarau  und  in  der  Fortsetzung  desselben  in  Süddeutsch- 
land;  hier  liegt  sie  häufig  in  der  nach  ihr  benannten  Zone.  In 
Norddeutschland  dagegen  und  im  Elsass  tritt  sie  erst  in  den 
Schichten  mit  IVig.  navis  auf* '^. 


Ijytoeeras  düuddufn  (Opp.)  Duhobt.  «p. 

1 874.  Ammoniies  dilucidus  (Opp.)  Duhort.  Bassin  du  RbOne,  IV,  S.  273,  Taf.  58,  Fig.  4,5. 

?  1 856.        >  »  »     (Jura  S.  373). 

Höhe  des  letzten  Umganges 47  48 

Grdsste  Breite  desselben 36  35 

Durchmesser  des  Nabels 25  22 

Durchmesser  der  ganzen  Scbaale tOO  100 

Wirklicher  Durchmesser  des  gemessenen  Exemplares    99  Mill.  113  Mill. 

Inyolution ; 0,50 

Die  Mundöffnung  der  vorliegenden  Form  ist  etwa  bis  zu 
einer  Grösse  von  20  MiUim.  kreisrund;  sehr  bald  aber  wird  sie 
höher  als  breit  und  bildet  im  ausgewachsenen  Zustande  ein 
ziemlich  regelmässiges  Oval,  doch  so,  dass  die  grösste  Breite 
mehr  nach  der  Nath  zu  liegt.  Die  Involution  ist  in  der  Jugend 
gering,  im  Alter  etwa  */,.  Die  Skulptur  der  Schaale  besteht  auf 
den  inneren  Windungen  aus  bis  an  den  Nabel  hinab  geraden 
Anwachsstreifen ,  unter  denen  sich  von  Zeit  zu  Zeit  ein  kräf- 
tiger auszeichnet.  Auf  der  letzten  Windung  jedoch  ist,  obgleich 
die  Schaale  erhalten  blieb,  nichts  von  dieser  Skulptur  zu  sehen. 
Auch  von  concentrischer  Streifung  zeigt  sich  keine  Spur. 

Die  Lobenlinie  ist  die  des  D^O&BiaNr'schen  Am.  jurensis. 
Die  vorliegenden  Exemplare  unterscheiden  sich  von  deijenigen 
Form,   welche  Duhobtieb  als  Ämm,  diltmdus  abbildet,    durch 


1.  Brauns.  Mittl.  Jura  S.  105. 

2.  Lspsius.  Unter-ElsasB  S.  42. 


64 

stärkere  Involotion  und  etwas  andere  Form  der  Mnndöfinitiig, 
stimmen  aber  mit  derselben  in  Betreff  der  geraden  Anwachs- 
streifen äberein,  während  diese  bei  nahestehenden  Formen  etwas 
geschwangen  zu  sein  pflegen.  (In  dem  Texte  erwähnt  Duxobtieb 
der  geraden  Streifen;  auf  seiner  Abbildung  fallt  dies  nicht  so 
sehr  in  die  Augen.) 

Was  Ämm.  düucidus  Oppsl  (Jura,  S.  372)  anbetrifft,  so 
hat  derselbe  diese  Art  nie  abbilden  lassen.  Ein  Exemplar  jedoch, 
welches  von  Oppsl  selber  bestimmt  wurde,  liegt  in  der  Strass- 
burger  Universitäts-Sammlung  und  zeigt  eine  etwas  compiimirte 
Mundöffiiung.  Ebenso  besitzen  sänmitliche  Vertreter  dieser  Art 
in  der  Mfinchener  Sammlung  (darunter  3  Bruchstücke  mit  der 
OppsL'schen  Handschrift)  Windungen  T(m  einem  Querschnitte, 
welcher  in  der  Jugend  rund,  im  Alter  höher  wie  breit  ist. 
Dieselben  Verhältnisse  zeigt  Ammon.  Uneatus  opaUnus  Quskst., 
welchen  dieser  Autor  mit  Ammon.  jurensis  bei  b^Osbiokt 
identifizirt.  AuflEedlender  Weise  versieht  aber  Oppsl  in  seiner 
Synonymik  (Jura,  S.  372)  Ammon.  Uneatus  opdUnus  Qushst., 
also  gerade  die  comprimirte  Form,  mit  einem  Fragezeichen, 
während  jlmmon.  fimbriatus  opaUnus  Quskst.,  den  Qusnstsdt 
(Gephalop.,  S.  103)  mit  Ammon.  comucopi4e  t>^Obb.  (Terr.  jurr. 
Ceph.,  Taf.  99),  der  einen  deutlich  deprimirten  Querschnitt 
zeigt,  identifizirt,  als  unzweifelhaft  übereinstimmend  aufgeführt 
wird.  Sollte  da  vielleicht  eine  Verwechslung  der  Fragezeichen 
stattgefunden  haben? 

Mit  Amm.  jurensis  Zisr.  (Taf.  68 ,  Fig.  1)  kann  die  in  Rede 
stehende  Art  aus  Lothringen  nicht  verwechselt  werden,  da  sie 
Y,  involut,  jener  aber  fast  ganz  evolut  ist.  Amm.  jurensis,  bei 
D^QsBioNT  (Tal  100),  ist  schon  etwas  involuter  als  die  gleich- 
namige schwäbische  Art.  Doch  macht  Lbpsius  (Unter-Elsass , 
S.  37)  wohl  mit  Recht  darauf  aufinerksam,  dass  das  Original 
von    d^Obbiqmy's    Amm.  jurensis    (Taf.     100)    von    ührweiler 


65 

stamme,  also  mit  sehr  grosser  Wahrscheinlichkeit  dem  obersten 
Lias  angehöre,  während  es  von  Quenstedt  (Jura,  S.  307)  und 
von  Seebaoh  (Hann.  Jura,  S.  139)  mit  zwei  verschiedenen  For- 
men des  unteren  Dogger  identifizirt  werde;  woraus  denn  folge, 
dass  diese  Form  wohl  ununterscheidbar  aus  ersteren  in  letztere 
Schichten  übergehen  müsse.  Ich  kann  bestätigen,  dass  in  der 
Strassburger  städtischen  Sammlung  ein  aus  dem  Eisenerze 
Lothringens,  also  aus  dem  unteren  Dogger  stammendes  Exemplar 
eines  grossen  Lytoceras  liegt,  welches  von  dem  LyU  jurense 
aus  dem  obersten  Lias  Schwabens  sich  nicht  unterscheiden  lässt. 

Vorkommen:  Oberregion  der  Schichten  mit  IHg.  navis. 
Moyeuvre,  Hayingen,  Yillerupt  (im  Eisenerz)  ziemlich 
häufig. 


n. 


i> 


6G 


Stephanooeras. 

Siephanoeeraa  b.  sp. 

Taf.  I,  Fig.  5. 

Dem  einzigen  von  mir  gefundenen  Bruchstucke  möchte  ich 
keinen  neuen  Namen  geben,  obwohl  ich  sicher  zu  sein  glaube, 
dass  hier  eine  neue  Art  vorliegt.  Veranlassung  zur  Abbildung 
dieses  Ammoniten  war  nur  der  Umstand ,  dass  er  in  den  Schichten 
mit  Astarte  Voltei  gefunden  wurde ,  deren  kleine  aber  weit  ver- 
breitete Fauna  durch  sie  einen  neuen  Zuwachs  erhält. 

Der  Querschnitt  der  Windung  ist  breiter  wie  hoch  (100: 70) 
und  zeigt  eine  flachgewölbte,  breite  Extemseite.  Wie  das  Bruch'- 
stück  erkennen  lässt,  muss  die  Involution  eine  geringe  gewesen 
sein.  Von  der  Schaale  ist  nichts  erhalten;  der  Steinkem  jedoch 
zeigt  eine  Berippung  in  der  Weise,  dass  sich  auf  den  Seiten 
ziemlich  entfernt  stehende,  langgezogene  Knoten  erheben,  welche, 
an  der  Nath  schwach  einsetzend,  sich  gerade  aufwärts  bis  an 
den  Beginn  der  Externseite  erstrecken.  Quer  über  die  letztere 
verlaufen  dichtgedrängte,  regelmässige  feine  Rippen,  welche 
theils  aus  den  erwähnten  Knoten  entspringen,  theils  aber  in 
den  zwischen  diesen  befindlichen  Zwischenräumen  ihren  Anfang 
nehmen. 

Der  Extern-  und  1 .  Seitenlobus  endigen  auf  gleicher  Höhe. 
Der  letztere  ist  sehr  breit  und  durch  einen  kleinen  Sattel 
getheilt,  während  der  2.  Seitenlobus  schmal  ist;  seine  Erhaltung 
ist  indess  mangelhaft.  Der  lange  Internlobus  läuft  in  drei  kleine 
Spitzen  aus. 

Von  Sieph.  Alberti  Retnes:^  Oppeli  Rbtnes  (Aveyron ,  Taf.  2, 
Fig.  2,    S.    93),   aus   der   Zone  des  Am.  margaritatus ,    unter- 


6t 

scheidet  sich  vorliegende  Form  durch  ihre  weniger  zahlreichen 
und  dafür  dickeren  Knoten  auf  den  Seiten;  auch  ist  die 
Sutur  eine  andere.  Die  zahlreichen  Rippen  trennen  sie  ebenso 
von  Steph,  acanthopsis  d^Obb.  aus  der  Zone  des  Harp,  bifrons 
(Prodrome,  Toaboien,  n^  59;  Dumobtieb,  Bassin  du  Rh6ne,  IV, 
S.  265,  Taf.  56,  Fig.  1—4;  Reynes,  Aveyron,  Taf.  5,  Fig.  7, 
S.  104),  während  auf  der  anderen  Seite  die  Lobenlinie  beider 
Formen  eine  ähnliche  ist.  Dagegen  giebt  es  gewisse  Varietäten 
des  Steph.  Desplacei  d'Obb.  (Terr.  jur.,  Taf.  107)  aus  dem 
oberen  Lias  von  Avallon,  die  unserer  Form  durch  ihre  dickeren 
Knoten  schon  näher  stehen.  Bei  keiner  dieser  Arten  aber  ziehen 
sich  die  Knoten  so  tief  nach  der  Nath  hinab,  wie  dies  bei  der 
in  Rede  stehenden  Spezies  der  Fall  ist. 

Vorkommen  :  ünterregion  der  Seh.  m.  Harp.  striatulnm. 
Voisage  bei  Nov^ant.  Sehr  selten. 


Eine  der  charakteristischen  Eigenthümlichkeiten  des  unteren 
Doggers  von  Lothringen  besteht  in  dem  Auftreten  einer  nicht 
unbeträchtlichen  Anzahl  von  Ammoniten,  welche  der  Gruppe 
des  Harp.  radians  im  weiteren  Sinne  angehören.  Zur  leichteren 
Uebersicht  habe  ich  versucht,  dieselben  in  einige  Abtheilungen 
zu  bringen,  von  denen  zwei  Formenreihen  darzustellen  scheinen, 
während  eine  dritte  aus  Arten  besteht,  die  sich  vor  der  Hand 
nur  als  Bindeglieder  auffassen  lassen.  Auch  sie  gehören  vielleicht 
einer  besonderen,  noch  unvollkommen  bekannten  Formenreihe 
an.  Ich  behalte  vor  der  Hand  die  Bezeichnung  Gruppe  bei. 

Unter  Gruppe  des  Harp.  radians,  im  engeren  Sinne, 
begreife  ich  Ammoniten ,  welche  eine  kräftige ,  mehr  oder  weniger 
sichelförmige  Berippung  zeigen,  die  nie  durch  feine  Anwachs- 
streifung  vollständig  verdrängt  wird.  Harp.  pseudoradiosum 
stelle  ich  hierher,    weil   seine   Streifen   nur   in   gewissem  Alter 


68 

auftreten  und  stets  mit  kräftigen  zusammen.  Harp.  sirioMum 
hat  zwar  feine  Streifung  über  die  ganze  Schaale,  allein  immer 
in  Gesellschaft  stärkerer  Rippen.  Es  besteht  hier  bei  den 
lothringischen  Arten  immer  eine  Neigung,  im  Alter  eine  kleine 
Nathfläche  zu  bilden. 

Bei  den  Zwischenformen,  welche  sich  an  Harp.  undülatum 
Stahl  sp.  anschliessen ,  und  zu  welchen  ich  mein  Harp.  suhun- 
dulatum  rechne ,  sind  wohl  auch  starke  Rippen  vorhanden ,  doch 
verlaufen  dieselben  nicht  sichelförmig,  sondern  gerade  und  nur 
an  der  Externseite  nach  vorn  gebogen.  Hatp.  Lesshergi  behält 
die  Rippen  bis  in's  Alter;  andere  Formen  zeigen  sie  nur  in  der 
Jugend  und  tragen  im  Alter  ausschliesslich  feine  Streifung, 
wodurch  eine  Annäherung  an  die  folgende  -  Gruppe  des  Harp. 
comptum  bereitet  wird. 

Bei  dieser  endlich  sind  stets  nur  feine  Anwachsstreifen  vor- 
handen, welche  gebündelt  oder  ungebündelt  auf  der  Seite  hin- 
aufziehen und  stets  über  die  scharfe  Extemseite  hinwegUufen. 
Der  Nabel  ist  theils  weit,  theils  eng  und  somit  die  Involution 
grösser,  wie  z.  B.  bei  Hatp.  opaUnum. 

Diese  drei  Gruppen  würden  der  grossen  Familie  des  Harp. 
radians  angehören  und  sich  durch  sehr  ähnliche ,  einfache  Sutur 
auszeichnen. 

Die  im  unteren  Dogger  so  verbreitete  Gruppe  des  Harp. 
Sowerhyi  ist  bei  dem  hier  bearbeiteten  Materiale  nur  durch 
die  genannte  Spezies  selbst  und  durch  Harp.  Sutneri  (Taf.  V, 
Fig.  2)  vertreten.  Diese  neue  Art  besitzt,  ebenso  wie  einige 
wenige  andere,  neben  dem  Kiele  zwei  Furchen,  während  die 
Hauptmasse  der  Arten  keine  Furchen  trägt.  Alle  sind  durch 
einen  grossen  ersten  Seitenlobus  ausgezeichnet,  in  dessen  Tiefe 
sich  ein  Sattel  erhebt;  die  Sutur  pflegt  nicht  mehr  so  einfach 
wie  diejenige  der  Familie  des  Hatp.  radians  zu  sein. 

Soweit  es  das  mir  zur  Verfiigung  stehende  Material  gestat- 


69 

tete,  liess  ich  es  mir  angelegen  sein,  durch  Herauspräpariren 
der  inneren  Windungen  Beobachtungen  über  dieEntwickelung 
der  Sutur  und  des  Querschnittes  der  Windungen  zu 
machen.  Es  waren  Formen  von  Harpoceras  und  AmaltheuSj  welche 
ich  untersuchtet  Die  Resultate  dieser  Beobachtungen  lassen  sich 
folgendermassen  zusammenfassen : 

Während  man  bei  einer  nicht  geringen  Anzahl  triadischer 
Ammoniten  (wie  bereits  früher  von  von  Hatjeb,  Quenstbdt, 
Laube  u.  a.  Autoren  z.  Th.  dargethan)  von  einem  Ceratiten- 
Stadium  sprechen  kann,  liess  sich  bei  keiner  der  untersuchten 
jurassischen  oder  cretacischen  Formen  ein  solches  Stadium  in 
voller  Deutlichkeit  nachweisen.  In  den  meisten  Fällen  muss  die 
Existenz  desselben  sogar  völlig  bestritten  werden,  während  bei 
einigen  wenigen,  wenn  man  durchaus  will,  sich  Spuren  ent- 
decken lassen,  die  man  als  letzte  Reste  eines  Ceratiten-Stadiums 
auslegen  kann.  Ich  sehe  im  Folgenden  von  triadischen  Ammo- 
niten ab  lind  setze  kurz  die  normale  Entwickelung  der  Sutur 
bei  den  jurassischen  und  cretacischen  Formen  auseinander. 

Die  erste  Phase,  welche  die  Sutur  eines  solchen  Ammo- 
niten durchläuft,  ist  das  sogenannte  Goniatiten-Stadium,  in 
welchem  eine  einfache  ungezackte  Wellenlinie  vorhanden  ist. 
Der  Extemlobus  wird  bereits  bei  der  2.  bis  6.  Sutur  zwei- 
theilig. Im  weiteren  Verlaufe  des  Wachsthumes  entwickelt  sich 
die  Sutur  von  der  Medianlinie  der  Schaale,  also  von  der  Extern- 
seite aus,  allmählich  nach  dem  Nabel  zu;  dergestalt,  dass  erst 
der  Externsattel,  dann  der  1.  Seitenlobus,  später  der  1 .  Seiten- 


1.  Ich  habe,  nach  Abschluss  der  vorliegenden  Arbeit,  diese  Untersucliungen 
über  eine  grossere  RQibe  ron  Ammoniten  ausgedehnt,  deren  Resultate  in  nicht 
ferner  Zeit  in  einer  besonderen  Arbeit  veröffentlicht  werden  sollen.  Ich  bin  daher 
im  Stande,  mich  schon  Jetzt  etwas  allgemeiner  auszudrücken,  und  mich  nicht  blos 
anf  Harpoceras  und  AmaHheus  ZQ  stützen. 


70 

8attel,  zuletzt  der  2.  Seitenlobus  u.  s.  w.  die  beginnende 
Zackung  erkennen  lassen,  wie  alle  meine  darauf  bezüglichen 
Zeichnungen  zeigen.  Doch  kommt  es  auch  vor,  dass  der  Extern- 
Sattel  und  der  erste  Seitenlobus  zu  gleicher  Zeit  aus  dem 
Goniatiten-  in  das  Ammoniten-Stadium  übergehen.  Die  Sutur  auf 
der  Intemseite  zeigt  im  Allgemeinen  einen  analogen ,  also  auch 
vom  Internlobus  nach  der  Nath  hin  vorschreitenden  Entwick- 
lungsgang; doch  scheint  derselbe  weniger  regehnässig  zu  ver- 
laufen. 

Was  nun  die  Veränderungen  anbetrifft,  welche  der  Quer- 
schnitt der  Windungen  eines  Ammoniten  während  seines  Wachs- 
thumes  erleidet,  so  iBt  derselbe  in  der  ersten  Jugend  stets 
breiter  wie  hoch.  Bei  den  breit-  und  niedrig-mündigen  Formen 
dauert  dieses  Jugendstadium  auch  im  Alter  noch  fort.  Alte 
hochmündigen  dagegen  müssen,  um  aus  dem  breitmündigen 
Stadium  in  das  schmalmündige  überzugehen,  ein  rundmündiges 
durchlaufen,  denn  nur  auf  diese  Weise  kann  aus  einem  liegen- 
den Oval  durch  allmähliche  Veränderung  ein  aufrecht  stehendes 
hervorgehen. 


71 


Harpoceras. 


1.  Gruppe  des  H.arp.  radia/ns 

mit  folgenden  Formen : 
Harp.  striaiulum  Sow.  sp. 
0      äff.  radians  Rsin.  sp. 
„       costula  Rein.  sp. 
„      psetidoradiosum  d.  sp. 
„      cf.  fluüans  Dum.  sp. 
;;      Loiharingicum  n.  sp. 


Harpoceras  strlatnlam  Sow.  sp. 

Taf.  I.  Fig.  1,  X. 

1823.  AmmonUes  slrialulus  Sow.  Taf.  421,  Fig.  I. 

1842.  »  ThouarsensU  d'Orb.  Terr.  jur.,  Taf.  57,  S.  222. 

1849.  •         radians  depressus  Quenst.  Gephal.  1 1 1,  Taf.  7,  Fig.  4. 

1851.  *         Comcfisis  (Bogh.)  Ghap.  u.  Dew.  Luxemb.  S.  63,  Taf.  8,  Flg.  4; 

Taf.  9,  Fig.  1. 

1856.  »  Thouarsensis  d*Orb.  Oppel.  Jara  S.  248. 

1856.  *         striatului  Sow.  Oppel.  Jura  S.  248. 

1858.  >         radians  Quenstedt.  Jura  S.  281.  Taf.  40,  Fig.  14  (nou  13). 

1864.  •         Btriatultu  Sow.  y.  Seebagh.  Hann.  Jura  S.  140. 

1874.  »  •         DuMORTiBR.  Bass.  du  Rhöoe,  IV,  S.  6i,  Taf.  16,  Fig.  1. 

Höhe  des  letzten  UmgaDges 44  44 

Grösste  Breite  desselben 36  40 

Höhe  des  Nabels 28  29 

Durchmesser  der  ganzen  Schaale 100  100 

Wirl^lieher  Durchmesser  der  gemessenen  Exemplare    25  Mill.     17  Miil. 
iQTOiotion 0,45         0,49. 

In   der  ersten   Jugend  sind   die  Windungen    breiter  wie 
hoch;  aber  dieses  Yerhältniss  ändert  sich  schnell,  denn  schon  bei 


72 

8  Millim.  Grösse  ist  der  Querschnitt  kreisrund.  Allmählich  nimmt 
dann  die  Höhe« zu,  so  dass  sich  bei  ganz  alten  Exemplaren 
diese  zur  Breite  etwa  wie  100  :  70  verhält.  Bis  zu  der  Grösse 
von  6  Millim.  bleibt  die  Schaale  glatt;  dann  stellen  sich  Rippen 
ein,  die  sich  von  der  Jugend  bis  in's  Alter  unverändert  erhalten. 
Nach  dem  Verhalten  derselben  kann  man  zwei  Varietäten  unter- 
scheiden. Die  eine,  welche  den  Namen  Harp.  sirtatulum  Sow. 
sp.  oder  Thouarsense  d'Obb.  sp.  trägt,  hat  Rippen,  welche  nicht 
gleich  am  Nabel,  sondern  erst  am  unteren  Drittel  der  Seite 
beginnen,  gewöhnlich  entfernter  stehen  und  meist  stärker  rfick- 
wärts  gebogen  sind.  Bei  der  anderen  hingegen,  welche  Quen- 
BTEDT  radians  depressus  nennt,  beginnen  die  Rippen  schon  am 
Nabel,  stehen  etwas  dichter  und  sind  weniger  stark  rückwärts 
gebogen.  Im  Allgemeinen  kann  man  in  Lothringen  gut  nach 
diesen  Kriterien  unterscheiden,  doch  zeigen  sich  Uebergangs- 
formen,  was  auch  an  anderen  Orten  der  FaU  sein  muss,  da 
QuENSTSBT ,  Opp£l  ,  Y.  Seebach  u.  A.  beide  Varietäten ,  die  im 
selben  Lager  auftreten,  vereinigen. 

Die  Externseite  ist  in  der  Jugend  ungekielt;  mit  dem  Auf- 
treten der  Rippen  erscheint  aber  auch  ein  Kiel,  welcher  im 
späteren  Alter  scharf  und  etwas  abgesetzt  zu  sein  pflegt, 
ein  Verhältniss,  welches  jedoch  ebenso  wie  die  grössere  oder 
geringere  Breite  der  Externseite  ziemlichem  Wechsel  unterworfen 
ist.  Meist  kommen  nicht  nur  in  Lothringen,  sondern  auch  an 
anderen  Orten  allein  Steinkeme  vor.  Doch  finden  sich  unter 
den  Hunderten  von  Bruchstucken,  welche  man  in  unseren  Auf- 
schlüssen sammeln  kann,  immer  einzelne  Exemplare,  die  mit 
Ueberresten  der  Schaale  versehen  sind.  Diese  lässt  deutlich 
erkennen,  dass  jede  der  beiden  obengenannten  Varietäten  eine 
fein  gestreifte  Schaale  besitzt,  wie  sie  dem  Harp.  striattdum 
zukommt.  Ich  glaube  daher  H(xrp.  Thouarsense  und  radians 
depressum  um  so  mehr  zu  Havp.  siriatulum  stellen  zu  müssen, 


73 

als  sie  auch  in  den  übrigen  Eigenschaften  mit  demselben  über- 
einstimmen. Ausser  der  feinen  Streifung  besitzt  die  Schaale 
dieselben  starken  Rippen  wie  der  Steinkern.  Eine  Nathfläche 
fehlt;  die  Länge  der  Wohnkammer  muss  mindestens  \/|  Umgang 
betragen  haben.  Die  Sutur  stimmt  mit  der  bekannten  des  Harp. 
rcidianSi  &uch  ist  der  Internlobus  zweispitzig. 

Von  den  beiden  oben  besprochenen  Varietäten  ist  diejenige, 
welche  kurze,  stark  geschwungene  Rippen  besitzt,  Amman. 
Thouarsensis  b'Obbigny's  in  Lothringen  die  bei  weitem  häufigste. 
Nach  dem  in  den  Sammlungen  liegenden  Materiale  scheint  sie 
mir  überhaupt  für  Frankreich  und  England  die  verbreitetere 
Form  zu  sein,  während  in  Schwaben  mehr  jene  andere,  mit 
längeren  Rippen  versehene,  vorherrschen  dürfte.  Solche  rück- 
wärts gebogenen  Rippen,  wie  sie  der  ersteren  Varietät  eigen- 
thümlich  sind^  treffen  wir  bei  einer  ziemlichen  Anzahl  anderer 
Harpoceras-Formen  wieder.  Ein  Theil  derselben  ist  aber  durch 
den  Besitz  zweier  den  Kiel  begleitenden  Furchen  scharf  von 
der  vorliegenden  Form  untierschieden,  wie  Amman.  Bascenzis 
Reynes  (Aveyron,  Taf.  3,  Fig.  2)  aus  den  Schichten  mit  Am. 
margaritatus ,  Amman.  Levisani  Simps.  (Dumobtieb,  Bassin  du 
Rhone,  IV,  S.  49,  Taf.  9,  Fig.  3)  aus  dem  obersten  Lias  und 
Amman.  Tablianus  Catulla  {Calcare  rassa  ammanitica,  Taf.  2, 
Fig.  2).  Amman,  barealis  v.  Seeb.  hat  zwar  nur  in  der  Jugend 
solche  Furchen,  doch  schon  so  genügen  sie  zur  Unterscheidung; 
ausserdem  aber  ist  nach  der  Abbildung  eine  Nathfläche  vor- 
handen, auch  zeigt  sich  im  Alter  die  Andeutung  einer  Seiten- 
furche. Ohne  den  Kiel  begleitende  Furchen  ist  Amman.  Narman- 
nianus  (d'Obb.,  Terr.  jurr.,  Täf.  88)  aus  dem  mittleren  Lias; 
doch  zeichnet  sich  diese  Art  durch  abwechselnd  lange  und  kurze 
Rippen  aus.  Amman,  radians  amalthei  Oppel  (Mittl.  Lias  Schwa- 
bens, Taf.  3,  Fig.  1)  schliesslich,  von  Oppel  mit  Amman.  Norman- 
nianus  vereinigt,  trägt  ebenfalls  den  Kiel  begleitende  Furchen. 


74 

Die  von  Qdenstedt  als  Amnion,  radians  depressus  bezeich- 
nete Varietät  ist  am  nächsten  mit  Uarp.  radians  (cf.  Oppel, 
Jura,  S.  247)  verwandt  Bei  Beiden  beginnen  die  Rippen  schon 
an  der  Nath;  sie  verUufen  jedoch  bei  letzterer  Art  geradliniger, 
während  sie  bei  ersterer  in  der  Nähe  des  Nabels  rfickwärts 
gebogen  sind  und  vielleicht  weniger  dicht  stehen.  Jedenfalls  ist 
s^OaBiaNY's  Amman.  Thouarsensis  weit  besser  von  Harp.  radians 
geschieden,  als  dies  bei  Amm,  radians  depressus  Quekbtkpt'b 
der  Fall  ist. 

Vorkommen:  Erscheint  in  dem  Aequivalente  der  Seh.  ro. 
Lyt.  jurense  und  geht  durch  die  Unterregion  der  Seh.  m.  Harp. 
siriaMum  in  die  Oberregion  über,  in  welcher  letzterer  er  eine 
sehr  grosse  Verbreitung  erlangt.  Ganz  vereinzelt  in  dem  untersten 
Niveau  der  Unterregion  der  Seh.  m.  Trig,  navis.  Ueberall  in 
Lothringen  häufig.  Auch  von  Chapuis  und  Dewalque  (als  Ammon. 
Comensis)  aus  den  Marnes  de  Grandcour  in  Luxemburg  erwähnt 
und  abgebildet ,  welche  den  hier  genannten  Schichten  entsprechen. 

Anmerkung:  Das  unter  Tal.  1,  Fig.  4  abgebildete 
Exemplar  weicht  durch  stärkere  Involution  und  breitere  Extern- 
seite, daher  viereckigeren  Querschnitt,  etwas  ab,  schliesst  sich 
aber  in  der  Berippung  an  d'Orbigky's  Ammon.  Thouarsensis 
an.  Es  stammt  aus  der  Unterregion  d.  Seh.  mit  Harp.  striatulum. 

Harpoceras  äff.  radians  Rsnf.  gp. 

T»f.  I,  Pig.  7. 

Höbe  der  letzten  Windun«: 39 

Grösste  Breite  derselben 25 

Durcbmesser  des  Nabels 34 

Durcbmesser  der  ganzen  Scbaale 100 

Wirklicber  Durchmesser  des  gemessenen  Exemplares 37  Mill. 

InYoIation 0,43 

Die  untersuchten  Exemplare  dieser  Form  sind  bis  zu  einer 
Grösse  von  2  MiUim.  stark  involut;  jedoch  schon  bei  4'/,  Millim. 


75 
Durchmesser  umfasseD  dch  die  Umgänge  nur  noch  zur  Hälfte 

4 

und  im  Alter  noch  etwas  weniger.  Auch  der  Querschnitt  wech- 
selt in  den  verschiedenen  Altersstadien;  bei  den  Jugend  Windungen 
zeigt  er  sich  gerundet,  bei  den  älteren  oval.  Eine  Skulptur 
stellt  sich  erst  mit  einer  ungefähren  Grösse  von  4'/,  MiUim. 
ein  und  zwar  in  Gestalt  mehr  oder  weniger  gedrängt  stehender 
Rippen,  welche  sich  nie  gabeln,  vom  Nabel  aufwärts  mit  geringer 
Biegung  verlaufen  und  sich  an  der  Externseite  nach  vorn  wen- 
den. Letztere  ist  mit  einem  ziemlich  schwachen  aber  scharfen 
Kiele  versehen. 

Bis  auf  den  1.  Seitensattel,  welcher  schmaler  ist,  zeigt  die 
Sutur  grosse  Uebereinstimmung  mit  derjenigen  des  Hat^f. 
radians.  Auch  der  Internlobus  endet  zweispitzig. 

Wesentliche  Unterschiede  zwischen  dieser  Form  des  unteren 
Dogger  und  Harp.  radians  Rein.  sp.  aus  dem  obersten  Lias 
vermag  ich  nicht  anzugeben.  Wenn  ich  trotzdem  keine  absolute 
Identität  mit  demselben  aussprechen  mochte,  so  lag  dies  daran, 
dass  mir  nur  junge  Individuen  zu  Gebote  standen  und  ältere 
sich  möglicherweise  doch  von  jener  liasischen  Spezies  abtrennen 
lassen  würden.  Auch  aus  dem  untersten  Dogger  anderer  Gegenden 
I  werden  übrigens  nicht  selten  Formen  beschrieben  und   citirt, 

welche  die  betreffenden  Autoren  mit  Harp.  radians  identifiziren , 
so  dass  daraus  gefolgert  werden  muss,  dass  diese  Art,  wenn 
nicht  in  unveränderter,  so  doch  in  sehr  wenig  modifizirter 
Gestalt  aus  dem  Lias  in  den  Dogger  übergeht. 

Vorkommen:  Selten  in  der  Oberreg.  d.  Seh.  m.  IViff, 
nafyis.  Signalberg  bei  Boevingen, 


76 


Harp,  eoHula  Beut.  sp. 

Taf.  I,Flg.  9. 

1818.  Amtnonites  cosiula  Rein.  S.  68,  Taf.  33,  34. 

1830.  •  costulatus  ZtST.  S.  10,  Taf.  7,  Fig.  7. 

1846.  >  radians  costuia  Qubnst.  Geph.  S.  UO,  ( 13,  Taf.  7,  Fig.  1 1. 

1858.  •  Aalensü      »  »        Jura.  S.  282,  Taf.  40,  Fig.  U. 

1874.?       »         cosiula  (Rem.)  Duhort.  Bassin  da  Rhone,  I V,  S .  252,  Taf.  5  i ,  Fig.  1, 2. 

Höhe  des  letzten  Umganges 42 

Grösste  Breite  desselben 21 

Durchmesser  des  Nabels 40 

Durchmesser  der  ganzen  Schaale 100 

Wirklicher  Durchmesser  des  gemessenen  Exemplares 24  Hill. 

Involution 0,33 

Das  einzige  mir  Yorliegende  Exemplar  scheint  bis  zu  einer 
Grösse  Yon  10  Millim.  völlig  glatt  zu  sein.  Später  erheben  sich 
zunächst  schwächere,  dicht  stehende,  dann  stärkere,  durch 
grössere  Zwischenrätmie  getrennte  Rippen.  Letztere  haben  einen 
ziemlich  geraden  Verlauf,  biegen  sich  nur  an  der  Extemseite 
etwas  nach  vom  und  sind  einfach.  Die  Wohukammer  des  ab- 
gebildeten Exemplares  beträgt  reichlich  '/^  Umgang  und  zeigt 
einen  ovalen  Querschnitt  mit  zugeschärfter  Externseite.  Eine 
Nathfläche  fehlt. 

Die  Sutur  trägt  den  Charakter  derer  des  Harp.  radians.  Wenn 
dieselbe  auf  der  Abbildung  einfacher  als  bei  diesem  erscheint, 
so  rührt  dies  von  der  geringen  Grösse  (Jugend)  des  Exemplares 
her,  bei  welchem  schon  bei  18  Millim.  Durchmesser  die  Wohn- 
kammer beginnt. 

Harp.  costula,  in  Schwaben  im  oberen  Lias,  in  Lothringen 
im  unleren  Dogger  liegend,  wird  allgemein  zur  Gruppe  des 
Harp.  radians  gestellt.  Diejenige  Form,  welche  Duhobtieb 
unter  dem  Namen  des  Ämm.  cosUüa  aus  den  Schichten  mit  Trig. 
navis  abbildet,  besitzt  einen  gerundeteren  Querschnitt,  öfters 


77 

sich  gabelnde  Rippen  und  eine  deutliche  Nathfläche.  Schon  aus 
der  Zone  des  Äw,  margaritatus  bildet  Reynes  (Aveyron,  Taf.  4, 1) 
eine  ähnlich  entferntrippige  Spezies  als  Ammon.  Fieldingi  ab; 
die  Rippen  derselben  verschwinden  jedoch  in  der  Nähe  der 
Extemseite.  Auch  die  Sutur  zeigt  Unterschiede;  besonders  ist 
der  1.  Seitenlobus  sehr  tief,  was  aber  —  da  die  citirte  Ab- 
bildung derselben  vergrössert  ist  —  stärker  in  die  Augen  fallen 
muss,  als  bei  einer  Zeichnung  in  natürlicher  Grösse. 

Vorkommen:  Sehr  selten  in  der  Oberreg.  d.  Seh.  m. 
Ih'g.  navis.  Signalberg  bei  Bcevingen, 

Harpoeeras  paeudaraddoaufn  bu  sp, 

Taf.  IT,  Flg.  5,4. 

1874.  Amm.  radioms  Dum.  Bassin  du  RhÖDe,  IV,  S.  66,  Taf.  14,  Fig.  2—5.  (Non 
»  •        y.  Seeb.  Hannov.  Jura  S.  142,  Taf.  1 1,  Fig.  2.) 

Hohe  des  letzten  Umganges 34         39         36 

GrOsste  Breite  desselben 19         22         20 

Durchmesser  des  Nabels 39         28         36 

Durchmesser  der  ganzen  Schaale.  .  .  .* 100        100        100 

Wirklicher  Durchmesser  der  gemessenen  Exemplare   SOMill.  72  Mill.  72Min. 
Involution 0,31       0,47       0,40 

Die  Art  ist  in  der  ersten  Jugend  etwas  evoluter  als  im 
Alter.  Der  Querschnitt  der  Windungen  zeigt  sich  bis  zu  2  Millim. 
Grösse  noch  breiter  wi6  hoch,  ist  bei  5  Millim.  bereits  fast 
kreisrund  und  von  nun  an  wird  er  höher  wie  breit,  welches 
Verhältniss  sich  mit  zunehmendem  Alter  steigert.  Die  innersten 
Windungen  sind  bis  zu  einem  Durchmesser  von  5  Millim.  ganz 
glatt  und  ungekielt.  Im  späteren  Wachsthum  stellen  sich  zuerst 
entfemtstehende,  dann  sehr  dicht  gedrängte  und  zuletzt  aber- 
mals weiter  auseinandergerückte  Rippen  ein.  Bei  den  ver- 
schiedenen Exemplaren  wechselt  aber  die  Ausdehnung  dieser 
3  Zonen  der  Berippung  insofern,  als  das  eine  Exemplar  frfiher^ 
das  andere  später  aus  der  ersten  in  die  zweite  tritt,  u.  s.  w.  Die 


Rippen  sind  von  Anfang  an  gerade ,  schmal ,  nicht  sehr  hoch  nnd 
nur  an  der  Extemseite  vorwärts  gebogen;  bei  der  weitergena- 
belten Varietät  (Fig.  1)  zeigen  sie  sich  jedoch  auf  dem  letzten 
Umgange  etwas  sichelförmiger.  Der  Steinkem  trägt  dieselbe 
Skulptur  wie  die  Schaale.  Auf  der  Extemseite  befindet  sich  ein 
stumpfer,  niedriger,  nicht  von  derselben  abgesetzter  Kiel.  Die 
Weite  des  Nabels  variirt  ziemlich  bedeutend,  und  zwar  liegt  der* 
selbe  bei  den  engergenabelten  Formen  tiefer  als  bei  den  weiter- 
genabelten. Eine  kleine  Nathfläche  ist  vorhanden  und  verläuft 
in  sanfterer  Biegung  in  die  Seiten  der  Schaale. 

Die  Stttur  ist  einfach,  der  von  Harp,  radians  ähnlich, 
doch  endet  der  Internlobus  einspitzig;  der  1.  Seitensattel  ist 
etwas  höher  als  der  Externsattel. 

DuMOBTiEB  identifizirt  eine  Form  aus  den  Schichten  mit 
Lyt  jurense  im  Rhonebecken  mit  Amm.  radiosus  v.  Sesb., 
welcher  im  N.-W.  Deutschland  im  unteren  Dogger  vorkommt. 
Meine  Exemplare  stammen  aus  den  Schichten  mit  lüg.  navis 
und  sind,  wie  mir  scheint,  ident  mit  den  von  Dumobtieb 
gegebenen  Abbildungen.  Nur  in  der  Sutur  zeigen  sich  kleine 
Unterschiede;  die  DuMOBTiEB'sche  Form  ist  allerdings  auch 
etwas  weitergenabelt,  ich  erwähnte  aber  schon,  dass  meine 
Exemplare  darin  beträchtlich  variiren.  Dagegen  glaube  ich 
weder  die  französische  noch  die  lothringische  Form  mit  der  N.-W. 
deutschen  identifiziren  zu  dürfen,  wenngleich  dieselbe  jenen 
nahe  verwandt  ist.  Die  Vergleichung  mit  Exemplaren  des  Har^^. 
radiosum  aus  Hannover  ergab  die  folgenden  Unterschiede: 

Amm.  radiosus  v.  Sbeb.       Amm,  radiosus  Dum.  Harp,  pseudoradiosum  n.  sp. 

1.  Jagend  :  Querschnitt  mehr    ? Nur  ganz  im  Anfange  rund, 

Tiereckig.  sehr  bald  OTal. 

2.  Steinkernglattodeirfastglatt ? Steinkem  sehr  deutlich  be- 

rippt. 

3.  Rippen  unregelmässig.  Jede  Rippe  regelmässig  verlaufend. 

4.  Auf  dem  letzten  Umgange    Letzter  Umgang  deutlich  berippt  (bei  entsprechen- 

nur  feine  Anwachsstreifen.        der  Grösse). 


79 

Vorkommen:   Oberregion  der  Schiebten  der  Trig,  ^mvis. 
Signdberg  bei  Boevingen,  ziemlich  häufig. 


HarpacertM  et  fluUans  Düx.  sp. 

T»f.  II,  Fig.  6. 

1874.  Ammonites  fluitans  Dumort.  Bassin  du  RhÖDe,  lY,  Taf.  51,  Fig.  7,  S,  S.  253. 

Höbe  des  letzten  Umganges 34 

GrOsste  Breite  desselben 18 

Durchmesser  des  Nabels 40 

Durchmesser  der  ganzen  Schaale 100 

Wirklicher  Durchmesser  des  gemessenen  Exemplares 88  Mill. 

Involution 0,40 

Bis  zu  einer  Grösse  von  6  Millimeter  ist  diese  Art  glatt; 
dann  stellen  sich  hohe,  einzelnstehende  Rippen  ein,  die  auf  den 
inneren  Windungen  relativ  etwas  breiter  und  noch  weniger 
gebogen  erscheinen  als  auf  der  äusseren;  sie  stehen  massig  von 
einander  entfernt,  so  dass  die  Breite  der  Zwischenräume  die- 
jenige der  Rippen  um  etwas  übertrifit.  Die  Seiten  der  Schaale 
verlaufen  ziemlich  parallel  und  bilden  auf  dem  letzten  Umgange 
eine  schräg  abfallende,  nicht  sehr  hohe  Nathfiäche^  ohne  jedoch 
bei  ihrem  Uebergange  in  diese  eine  eigentliche  Nabelkante  zu 
erzeugen.  Die  massig  breite  Externseite  trägt  keinen  abgesetzten 
Eiel,  wohl  aber  eine  zugescbärfte  Kante.  Die  Wohnkammer  des 
abgebildeten  Exemplares  hat  mindestens  die  Länge  eines  halben 
Umganges  eingenommen. 

In  der  Sutur  zeigt  sich  der  einfache  Charakter,  wie  ihn 
uns  Harp.  radians  repräsentirt. 

Die  vorliegende  Form  unterscheidet  sich  von  der  citirtcn 
DuMOBTiEB^schen  nur  dadurch,  dass  sie  weiter  genabelt  ist  und 
stets  einfache  Rippen  trägt,  während  bei  jener  bisweilen  eine 
Gabelung  eintritt.  Eine  Vergleichung  der  Lobenlinie  war  jedoch 
unmöglich,  da  Duhobtieb  dieselbe  nicht  abbildet. 


80 

Von  Harp,  rctdians  Rein.  sp.  —  in  der  Begrenzung,  wie 
sie  Oppel,  Jura  S.  247  giebt  —  weicht  diese  Art  durch  ent- 
fernter stehende,  von  Harp.  undulaium  Stahl  sp.  durch  weniger 
gerade  Rippen,  von  Beiden  zugleich  durch  den  Besitz  einer 
Nathfläche  ab.  Von  Hatp.  Äaletise  Zibt.  sp.  schliesslich  ist  sie 
durch  den  Mangel  einer  sich  gabelnden  oder  gebündelten  Be- 
rippung  geschieden. 

Vorkommen.  Unterregion  der  Seh.  m.  Hatp.  Murchisants. 
Kneuttingen,  Esch.  Ziemlich  häufig.  Das  Original  befindet 
sich  im  städtischen  Museum  zu  Metz.  (Eisenerz.) 


HarpacertM  Latharingieum  n.  gp. 

Taf.  II,  Flg.  6. 

Höhe  des  letzten  Umganges 36 

Grösste  Breite  desselben 14 

Durchmesser  des  Nabels 37 

Durchmesser  der  ganzen  Schaale 100 

Wirklicher  Durchmesser  des  gemessenen  Exemplares 94  Hill. 

Involution 0,35 

Von  der  innersten  Windung  ist  bei  dem  einzigen  mir  vor- 
liegenden Exemplare  nichts  erhalten.  Dasselbe  zeichnet  sich  vor 
allen  bisher  aus  Lothringen  besprochenen  Formen  aus  der 
Gruppe  des  Harp.  radians  durch  den  schmalen  Querschnitt  und 
die  dadurch  sehr  scharf  erscheinende  Extemseite  aus;  die  Seiten 
der  Schaale  sind  flach  und  Men  nach  dem  Nabel  zu  in  Gestalt 
einer  niedrigen,  aber  ziemlich  steilen  Nathfläche  ab,  bilden  jedoch 
keine  Nabelkante.  Die  schmalen,  äusserst  flachen  und  Sichel- 
förmig  gebogenen  Rippen  stehen  in  der  Jugend  entfernter  und 
sind  einfach.  Später  rücken  sie  dichter  zusammen  und  gabeln 
sich  in  grosser  Regelmässigkeit  in  der  Nähe  des  Nabels.  Auf 
der  Wohnkammer,  welche  etwas  mehr  als  einen  halben  Umgang 
umfasste,  werden  sie  noch  flacher,  undeutlich  und  scheinen  sich 


81 

nicht  mehr  zu  gabeln.  Die  Sutur  ist  einfach  wie  diejenige  des 
Harp.  radians, 

Harp,  Aalense  Ziet.  sp.  unterscheidet  sich  von  der  vor- 
liegenden Art  durch  engeren  Nabel  und  stärkere,  überhaupt 
abweichende  Berippung,  während  die  vorher  beschriebene  Spezies 
aus  der  Gruppe  des  Harp.  radians  allein  schon  durch  den 
Mangel  sich  gabelnder  Rippen  von  Harp,  Lciharingicum  getrennt 
sind. 

Vorkommen  :  Oberregion  der  Seh.  m.  IW^.  navis. 
Hayingen  (Eisenerz).  Sehr  selten. 


Harpoceras  gp. 

TtJ.  I,  Fig.  6. 


Ich  schliesse  hier  noch  die  Beschreibung  einer  Art  an, 
welche  ebenso  wie  die  auf  Seite  66  aufgeführte  durch  ihr  Vor- 
kommen  in  den  Schichten  mit  Astarte  Voltei  interessant  ist. 

Der  Querschnitt  ist  fast  viereckig,  die  Seiten  sind  leicht 
gerundet  und  die  breite  Externseite  trägt  einen  Kiel,  welcher 
von  zwei  Furchen  begleitet  wird.  Die  Rippen  entspringen  meist  zu 
je  zweien  an  der  Nath  und  steigen  mit  geringer  Krümmung 
empor;  nur  an  der  Externseite  sind  sie  etwas  vorwärts  gebogen. 
Der  Externlobus  ist  so  tief  wie  der  dreispitzige  1.  Seitenlobus. 
Der  2.  Seitenlobus  ist  flach  und  hinter  ihm  folgen  nur  noch 
2  Zacken.  Der  Internlobus  ist  schmal  und  endet  zweispitzig; 
ausserdem  zeigt  die  Intemseite  einen  Hül&lobus. 

Die  in  Rede  stehende  Form  gehört  in  die  Gruppe  des 
Harp,  Mercati  Haüeb. 

Vorkommen:  Seh.  m.  Astarte  VolUd.  Voisage  bei 
Nov^ant.  Sehr  selten. 

II.  6 


82 


2.  Gruppe  des  Harpoeeras  v/ndulatmn  Stahl  sp« 

mit  folgenden  Formen : 
Harp,  undulatum  Stahl  sp. 
»      Lessbergi  n.  ap. 
»      »ubundtdcthim  n.  ap. 

J9aftpoc«r<w  undtdaiufn  Stahl  sp. 

1824.  Ammoniies  undulaitis  (Stahl).  Zicten.  Ttf.  10,  Fig.  5. 

1830.  •  solaris  (Phill.;  Ziet.  sp.  Taf.  14,  Fig.  7. 

1813.  »         levesquei  d'Orb.  Terr.  Jur.  Taf.  60. 

1851.         •  •  •      Ghap.  et  Dew.  Lnxembaig.  Taf.  11,  Fig.  2. 

Formen,  welche  ich  nicht  von  Harp.  undulatum  Stahl  sp. 
abtrennen  möchte,  ÜEUid  ich  in  dem  unteren  Dogger  Lothringens. 
Auch  Ghapuib  und  Dewalque  fuhren  diese  Art  aus  genau  den- 
selben Schichten  Luxemburg's  an,  während  dieselbe  in  Schwaben 
und  im  Rhonebecken  im  obersten  Lias  erscheint.  (VergL  Oppsl, 
Jura,  S.   247  und  Dumobtisb,  Bassin  du  Rhone,  IV,  S.  66.) 

Die  Spezies  zeichnet  sich  durch  gerade  Rippen  aus,  welche 
nicht  selten  auf  der  Extemseite  etwas  undeutlich  werden.  Man 
kann  zwei  Varietäten  unterscheiden.  Diejenige  Form,  welche 
d'Obbigny  als  Amm,  Levesquei  bezeichnet  hat,  besitzt  dichter 
gedrängte  Rippen,  wird  wohl  auch  im  Alter  etwas  hochmOndiger, 
während  die  von  Zibten  unter  dem  Namen  Amman,  undulatus 
und  solaris  abgebildete  eine  entfernter  stehende  Berippung 
zeigt.  Die  erstere  der  ZisTBN^schen  Zeichnungen  weicht  aller-e 
dings  durch  eine  mehr  viereckige  Mundöffhung  von  der  letzteren 
ab ;  indess  ist  zu  erwägen ,  dass  sie  auch  ein  sehr  viel  kleineres 
Exemplar  darstellt  und  dass  alle  Formen ,  deren  Querschnitt  im 
Alter  höher  wie  breit  ist,  in  der  Jugend,  wie  oben  schon 
erwähnt  (S.  70)  das  umgekehrte  Verhältniss   zeigen.  Uebrigens 


83 

mögen  auch  beide  Formen   an   sich   einen   etwas  verschiedenen 
Querschnitt  besitzen,  der  wohl   der   Variation   unterworfen  ist. 
Vorkommen :  ünterregion  der  Seh.  m.  Trig.  navis.  Signal- 
berg bei  Boßvingen. 

Harpaeeraa  LeMbergi  b«  gp. 

Taf.  V,  Flg.  1. 

Höhe  der  letzten  Windung 38  32 

GrOsste  Breite  derselben 42  24 

Durchmesser  des  Nabels 39,5         43 

Durchmesser  der  gansen  Schaale 100         iOO 

Wirklicher  Durchmesser  der  gemessenen  Exemplare    19  Mill.   72  Hill. 
InTOlution 0,30         0,39 

Bis  zu  einem  Durchmesser  von  7  MiUim.  ist  die  Schaale 
glatt.  Dann  erscheinen  Rippen,  welche  in  unveränderter  Be- 
schaffenheit bis  in  das  Alter  verbleiben.  Dieselben  sind  einfach, 
dicht  stehend,  £Eist  gerade  und  nur  an  der  Externseite  vorwärts 
gebogen,  steigen  aber  öfters  nicht  senkrecht  in  die  Höhe, 
sondern  fallen  schräg  nach  vorn;  in  der  Jugend  sind  sie  schärfer, 
im  Alter  gerundeter,  auf  der  Eztemseite  werden  sie  undeutlich. 
Auf  dem  Steinkeme  zeigt  sich  dieselbe  Skulptur  wie  auf  der 
Schaale.  Die  Extemseite  ist  breit,  mit  einem  stumpfen,  niedrigen 
Kiele  versehen.  Bis  zu  einer  Grösse  von  20  Millim.  ist  der 
Querschnitt  der  Windungen  breiter  wie  hoch;  später  wird  dies 
Verhältniss  zwar  ein  umgekehrtes,  allein  nie  wird  die  Form 
hochmündig.  Der  Nabel  ist  von  Jugend  auf  weit  und  flach ,  eine 
Nathfiäche  fehlt  gänzlich. 

Der  1.  Seiten-  wie  der  Extemsattel  sind  schmal  und  hoch, 
der  1.  Seitenlobus  tief.  In  der  Einfachheit  der  Sutur  spricht 
sich  aber  ebenfalls  der  Charakter  deijenigen  des  Harp.  radians 
aus. 

Diese  Art  ist  mit  Harp.  undt/Uatum  Stahl  sp.  nahe  ver- 
wandt und  bildet  insofern  einen  Uebergang  zwischen  den  beiden 


84 

Varietäten  desselben  (S.  82),  als  sie  dichter  stehende  Rippen 
wie  die  Varietät  Ämm,  solaris ,  dagegen  weiter  auseinander 
gerückte  wie  die  Varietät  Ämm.  Levesquei  besitzt.  Bei  keiner 
derselben  aber  fallen  die  Rippen  derartig  nach  vorwärts,  wie 
dies  bei  Harp.  Leshergi  häufig  der  Fall  ist.  Eine  nahe  Ueber- 
einstimmung  zeigt  sich  auch  mit  Amm.  Dumoriieri  Thioll.  (Du- 
MOBTiEB,  Bassin  du  Rhone,  IV,  S.  269,  Taf.  57,  Fig.  3,  4), 
welcher  aus  denselben  Schichten  stammt;  doch  ist  dieser  etwas 
weiter  genabelt  und  hat  im  Alter  einen  anderen  Querschnitt 
der  Mflndung.  Vor  Allem  aber  soll  er  allerdings  kaum  bemerk- 
bare Einschnürungen  besitzen,  welche  ihm  eine  ganz  andere 
Stellung  im  Systeme  geben  würden,  falls  dieselben  nicht  etwa 
nur  zufällige  Erscheinungen  sein  sollten. 

Ich  erlaube  mir,  die  vorliegende  Art  nach  Herrn  Haupt- 
mann Lessbebg,  in  Esch,  zu  benennen. 

Vorkommen.  Oberregion  der  Seh.  m.  Trig.  navis.  Signal- 
berg bei  Boevingen.  Selten. 


Harpoeeras  suhundtOatuim  n.  sp. 

Ich  fasse  unter  obigem  Namen  drei  Formen  zusammen, 
welche  in  der  Sutur  übereinstimmen  und  eine  sehr  ähnliche 
Jugendgestalt  haben,  die  sich,  meines  Erachtens  nach,  an 
Harp.  unduhtum  Stahl  sp.  anschliesst.  In  ihrer  äusseren  Win- 
dung dififeriren  sie  jedoch  bedeutend.  Da  sie  in  denselben  Schich- 
ten, meist  auch  am  selben  Fundorte  auftreten,  da  die,  äusserst 
seltenen,  erwachsenen  Exemplare  wohl  unterscheidbar,  die  jungen, 
häufigen,  dagegen  (und  zwar  bis  zu  ziemlicher  Grösse)  alle  mög- 
lichen Schattirungen  zwischen  grösserem  und  geringerem  Quer- 
schnitte, zwischen  dichter  und  entfernter  stehender  Berippung 
aufweisen,  so  glaubte  ich  hier  für  jetzt   nur  Varietäten  unter- 


85 

ficheiden  zu  sollen,   bis  weitere   Funde  erwachsener  Exemplare 
die  Kenntniss  derselben  erweitern  könnten. 

Bis  zu  einer  Grösse  von  etwa  4  Millim.  sind  die  innersten 
Windungen  glatt,  kiellos  und  ihr  Querschnitt  ist  breiter  wie 
hoch.  Bald  aber  wird  derselbe  kreisförmig  und  später  wächst 
er  mehr  in  die  Höhe  als  in  die  Breite.  Bei  4 — 6  Millim.  Durch- 
messer stellen  sich  die  Rippen  ein,  welche  jedoch  anfangs,  am 
Nabel  beginnend,  nur  etwa  die  halbe  Höhe  der  Seite  erreichen 
und  erst  im  späteren  Wacbsthum  allmählich  länger  werden.  Der 
Verlauf  dieser  Hippen  auf  den  inneren  Umgängen  ist  ein  ziem- 
lich gerader;  nur  an  der  Externseite  sind  sie  etwas  nach  vor- 
wärts gebogen.  Sie  stehen  einzeln  und  ziemlich  entfernt  von 
einander,  sind  schmal  und  scharf  auf  der  Schaale,  gerundet  auf 
dem  Steinkerne.  Die  Involution  ist  stets  gering ,  der  Querschnitt 
annähernd  oval.  Die  Sutur  ist  bei  allen  die  gleich  einfache;  der 
1.  Seitenlobus  ist  tief  und  schmal,  der  2.  ganz  kurz,  der 
1.  Seitensattel  schmal  und  hoch.  Ein  Unterschied  findet  inso- 
fern statt,  als  bei  der  Varietät  externe  punctatum  der  Intern- 
lobns  zweitheilig  ist,  während  er  bei  den  zwei  anderen  in  einer 
Spitze  endet. 

ft)  Varletit  «gbC«- m6  eottai^mn* 

Taf.  III,  Fig.  5. 

Höhe  des  letzten  Umganges 37  39  38  44 

Grösste  Breite  desselben 25  33  42  50 

Durchmesser  des  Nabels 38,5  33  34  31 

Durchmesser  der  ganzen  Schaale 100  100  100  100 

Wirklicher  Durchmesser  des  gemessenen 

Sxemplares ! 65  MiU.  33  MUl.  16  Mm.  8  MUl. 

Involution 0,38        0,41        0,44  ? 

An  die  Stelle  der  höheren  und  schmaleren  Rippen  der 
inneren  Umgänge  treten  auf  der  Schaale  der  letzten  Windung 
breitere  und  flachere,  zwischen  denen  sich  bisweilen  eine  feine 
Streifung  zeigt.  Diese  Varietät  besitzt  eine  etwas  grössere  Breite 


86 

des  Querschnittes  wie  die  folgende,  was  sich  mehr  noch  auf  den 
inneren  Umgängen  wie  auf  dem  äusseren  zeigt. 

Von  Harp.  undulafum  Stahl  sp.  weicht  diese  Form  durch 
anderen  Querschnitt  ab;  auch  bildet  ihre  zum  Theil  fein  ge- 
streifte Schaale  ein  Unterscheidungsmerkmal. 

Vorkommen:  Sehr  selten  in  der  Oberreg.  d.  Seh.  mit 
Trig.  navis.  St.  Quentin  bei  Metz.  (Eisenerz.) 

b)  Tuletit  M0<0m«  eomptmn* 

Taf.  III,Fig.4,6. 

Hülie  des  letzten  ümgaDges 37  40 

Grösste  Breite  desselben 20  19 

Durchmesser  des  Nabels 39  34 

Darcbmesser  der  ganzen  Scbaale ICD         100 

Wirklicher  Durchmesser  der  gemessenen  Exemplare    49  Mill.   37  Mill. 
Involution 0,40         0,59 

Ich  bilde  unter  diesem  Namen  2  Individuen  ab,  bei  welchen 
sich  die  Tendenz  der  Schaale,  feine  Streifung  zu  bilden,  noch 
mehr  hervortritt.  Bei  Figur  4  zeigt  sich  eine  solche  auf  dem 
letzten  Umgange  bereits  so  stark,  dass  die  ursprüngliche  Be- 
rippung  unter  derselben  gar  nicht  mehr  erkennbar  ist.  Das 
zweite  Individuum  (Fig.  5)  zeigt  eine  noch  weiter  gehende 
Modifikation  der  äusseren  Windung,  indem  um  den  Nabel  herum 
eine  Fältelung  der  feingestreifken  Schaale  eintritt,  wodurch  die* 
seihe  ein  dem  Harp.  comptum  ähnliches  Aussehen  erlangt;  auch 
laufen,  wie  bei  diesem,  die  feinen  Streifen  über  die  Extem- 
seite  hinweg.  Bei  beiden  Individuen  stehen  die  Rippen  der 
inneren  Windungen  etwas  dichter  als  bei  der  erstbeschriebenen 
Varietät. 

Die  Skulptur  der  letzten  Windung,  besonders  bei  dem 
Originale  zu  Figur  5,  hat  grosse  Aehnlichkeit  mit  der  Orna- 
mentik der  Schaale  bei  Harp.  comptum  und  opdlinum.  Doch 
sind  letztere  Arten  durch  die  andere  Beschaffenheit  ihrer  inneren 


87 

Windangen  wie  durch  den  engen  Nabel  hinreichend  zu  unter- 
scheiden. Harp.  opaMnum  weicht  ausserdem  noch  durch  die 
starke  Nathfläche  ab.  Von  Harp.  subcomptum  n.  sp.  (Taf.  5, 
Fig.  3  und  4)  ist  diese  Varietät  dagegen  durch  die  inneren 
Windungen  unterschieden,  welche  bei  ihr  entfernter  stehende, 
scharfe,  bei  jenem  aber  dichter  gedrängte,  feine  Rippen  besitzen. 
Vorkommen:  Oberregion  der  Schichten  mit  IHg.  navis. 
Signalberg  bei  Boevingen,  St.  Quentin  bei  Metz.  Sehr  selten. 
(Eisenerz.) 

e)  T«ri«tit  «aoUrme  punctelMm. 

Taf.  IV,  Fig.  1. 

Höhe  der  letzten  WinduDg 36 

«       .    «    .     3       «  i    29  auf  den  Rippen. 

Grösste  Breite  derselben i'      ,       .    ^      ;      «. 

(    24  zwischen  den  Rippen. 

Höhe  des  Nabels. 39 

Dnrchmesser  der  ganzen  Schaale 100 

Wirklicher  Durchmesser  des  gemessenen  Exemplares .    25  Mill. 

Involution 0,33 

Die  Rippen  der  inneren  Umgänge  sind  bei  dieser  Varietät 
etwas  stumpfer  als  bei  den  beiden  anderen.  Auf  der  äusseren 
Windung  werden  dieselben  zunächst  an  ihrem  unteren  Ende 
etwas  stärker,  schwellen  aber  bald  darauf  zu  einer  langge- 
zogenen Erhöhung  an,  aus  welcher  zwei  scharf  rückwärts  aus- 
gebogene Rippen  entspringen. 

Durch  die  Eigenschaft  der  sich  gabelnden  und  am  unteren 
Ende  knotenförmig  verdickten  Rippen  nähert  sich  diese  Varietät 
gewissen  Abänderungen  des  Harp.  Murchisonte;  doch  ist  sie 
hinreichend  von  demselben  durch  die  starke  Evolution  und  den 
Mangel  einer  Nathfläche  geschieden.  Mehr  Aehnlichkeit  hat  der 
letzte  Umgang  mit  Harp.  Krakowiense  Neum.  (Geph.  v.  Balin, 
S.  28,  Taf.  9,  Fig.  5)  aus  der  Zone  des  Cosmoc.  omatum. 
Wenn  nun  der  von  Wübtembebgeb  ausgesprochene  Grundsatz 
richtig  ist,  das6  Veränderungen  der  Ammoniten  sich  zuerst  auf 


88 

den  letzten  Windungen  zeigen  und  allmählich  nach  innen  zu  vor- 
schreiten, so  müsste  schliesslich  aus  dieser  Varietät  eine  der 
Oruppe  des  Harp.  punctatum  nahestehende  Form  entstehen  können. 
Vorkommen:  Sehr  selten.  Oberregion  der  Schichten  mit 
IHg.  navis.  Signalberg  b.  Boßvingen. 

3.  Gmppe  des  Harp.  comptuni 

in  folgenden  Formen : 

Harp.  macira  Dum.  sp. 
»       9ubcomptum  n.  sp. 


Harp,  mactra  Dux.  sp. 

T»f.  I,  Pig.  10. 

1874.  Amm.  tnacira  Dum.  Dumortier,  Bassin  du  Rhone,  IV,  S.  251,  Taf.  50,  Fig.  4, 5. 
1857.      »     Moorei  Lycett,  Gottbswold  Hills,  S.  122,  Taf.  1,  Fig.  2. 

1875.  »  9  »      Lbpsius,  Ünter-Elsass,  S.  59,  Taf.  2,  Fig.  6.  (Ron  1856. 
Amm.  Moorei  Oppel  (Perisphinctes),  Jura,  S.  476.) 

Höhe  des  letzten  Umganges ....  41  44  41  38  36 

GrOsste  Breite  desselben 38  31  26  19  15 

Dniehmesser  des  Nabels 31  33  33  34  38 

Durchmesser  der  ganzen  Schaale .  100  100  100  100  100 
Wirklicher  Durchmesser  der  ge- 
messenen Exemplare 8M111.  13Mm.  22  Hill.  62  MiU.    81  MUl. 

InYolotion 0,43         0,40  0,40  ?  0,39 

Das  weitnabelige  Gehäuse  zeigt  einen  Querschnitt,  dessen 
grösste  Breite  in  der  Nähe  des  Nabels  liegt;  von  diesem  Punkte 
aus  convergiren  die  wenig  gewölbten  Seiten,  bis  sie  sich  in  der 
schmalen,  scharfrückigen,  nicht  mit  einem  abgesetzten  Kiele 
versehenen  Extemseite  treffen.  Die  Schaale  ist  mit  dicht  stehen- 
den, wenig  geschwungenen  Anwachsstreifen  bedeckt,  welche  sich 
an  der  Externseite  weit  nach  vorwärts  biegen  und  über  die- 
selbe hinweglaufen.  Auf  dem  Steinkerne  sieht  man  nichts  von 
dieser  Skulptur;  nur  einzelne,  äusserst  schwache  Rippen  machen 


89 

sich  bemerklich.  Von  einer  Nathfläche  zeigt  sich  keine  Spur. 
Die  Wohnkammer  des  abgebildeten  Exemplares  umfasst  min- 
destens Vi  Umgang. 

Die  Lobenlinie  zeichnet  sich  im  ausgewachsenen  Zustande 
durch  einen  aufEEÜlend  breiten,  zweitheiligen  Externsattel  aus, 
welches  Verhältniss  sich  im  Alter  noch  steigert.  Figur  10  c 
zeigt  die  letzte,  Figur  10  b  eine  um  7  Dunstkammern  zurück- 
liegende Sutur.  Interessant  ist  die  geringe  Tiefe  der  Loben  und 
die  geringe  Höhe  der  Sättel  in  der  letzten  Lobenlinie  (Fig.  10  c), 
welche  andeuten,  dass  die  den  Loben  und  Sätteln  entsprechen- 
den Fältungen  des  hinteren  Manteltheiles  im  Alter  in  ihrer 
kräftigen,  tiefen  Bildung  nachliessen,  gewissermassen  zusammen- 
schrumpften. 

In  der  Jugend  zeigt  sich  bis  gegen  3  Millimeter  Durch- 
messer die  Breite  der  Umgänge  grösser  als  die  Höhe  dersel- 
ben. Bei  4  Millim.  ist  der  Querschnitt  bereits  kreisrund  und 
fast  Vi  involut,  dabei  fehlen  noch  Hippen  und  Kiel.  Später 
stellen  sich  relativ  stärkere  und  entfernter  stehende  Bippen  ein, 
welche  erst  bei  weiterer  Entwickelung  der  charakteristischen 
feinen  Streifung  den  Platz  räumen.  Bei  einer  Grösse  von 
8  Millim.  ist  der  Querschnitt  bereits  höher  wie  breit  geworden 
und  es  hat  sich  ein  schwacher  Kiel  gebildet,  Verhältnisse,  die 
sich  mit  zunehmendem  Alter  verschärfen. 

Die  vorliegende  Form  ist  in  den  Schichten  der  Trig.  navis 
bisher  im  Elsass  und  jetzt  von  mir  in  Lothringen  gefunden 
worden.  In  England  liegt  sie  im  Ämmonite  bed,  welches  nach 
Angabe  der  englischen  Schriftsteller  die  Ammoniten  der  Schich- 
ten des  IJytoc,  jurense  und  des  untersten  braunen  Jura  vereint 
enthält.  Opp£L  (Jura,  S.  234,  274)  giebt  zwar  an,  dass  sich 
dort  beide  Zonen  scharf  trennen  liessen;  Lepsiub  (Unt. -Elsass, 
S.  39 — 41)  bestätigt  aber  die  Angabe  der  Engländer.  In  Frank- 
reich kommt,  nach  Dumobtieb,  Ilarp.  niactra  im  Rhonebecken 


90 

• 

in  der  Zone  des  Harp.  opalinum  vor,  allerdings  zusammen  mit 
Leitfossilien  der  Schichten  mit  Lyt  iortdosum.  Da  dort  aber 
letztere  Schichten  nicht  von  denen  mit  IHg.  navis  abgetrennt 
wurden,  so  bleibt  über  das  genauere  Lager  ein  Zweifel  bestehen. 

Harp.  mactra  ist  eine  dem  Hatp.  opalinum  verwandte 
Form.  Dies  ergiebt  sich  aus  dem  Fehlen  eigentlicher  Rippen, 
aus  dem  Verlaufe  der  Anwachsstreifen  über  die  Extemseite  und 
aus  dem  Mangel  eines  abgesetzten  Kieles.  Der  weite  Nabel,  die 
nicht  gebündelten  Anwachsstreifen,  das  Fehlen  einer  Nathfläche 
unterscheiden  jedoch  Harp,  mactra  von  Harp.  opalinum.  Es 
treten  aber  Varietäten  des  letzteren  auf,  wie  z.  B.  Lepbiüs 
(Unt.-EIsass,  Taf.  2,  Fig.  5)  deren  eine  abbildet,  welche  weiter 
genabelt  sind,  als  die  typischen  Exemplare  dieser  Spezies 
und  welche  möglicherweise  einen  Uebergang  zu  Harp.  mactra 
bilden  könnten.  Doch  besitzt  auch  das  Originalexemplar  der 
LKPSius'schen  Abbildung  eine  Nathfläche,  was  auf  der  Zeich- 
nung nicht  hervortritt.  Lyoett  ist  der  Ansicht,  dass  Harp. 
mactra  (sein  Ämm.  Moorei)  sich  am  nächsten  an  Harp.  radians 
anschliesse.  Die  Lobenlinie,  welche  Lyoett  giebt,  entbehrt 
übrigens  der  Hilfsloben  resp.  Zacken,  während  diese  bei  den 
Exemplaren  des  Elsass  und  Lothringens  vorhanden  sind. 

Vorkommen:  Oberregion  der  Schichten  mit  Trig.  navis. 
Signalberg  bei  Boevingen.  Ziemlich  selten. 

Harpoceraa  aubeamptum  n.  sp. 

Taf.  V,  Flg.  8,  4. 

.  Höhe  der  letzten  Windung 38  40 

GrOsste  Breite  derselben 21  23 

Durchmesser  des  Nabels 33  36 

Dnrchmesser  der  ganzen  Schaale 100  100 

Wirklicher  Durchmesser  der  gemessenen  Exemplare    60  MilL   45  Hill. 
Involution 0,43         0,40 

Die  Jugendformen  dieser  Spezies  sind  bis  zu  einer  un- 
ge&hren    Grösse    von     13    Millim.    Windungen    von    rundem 


9t 

Querschnitte;  dieselben  werden  jedoch  im  späteren  Wachsthum 
comprimirter  und  erhalten  im  Alter  eine  zugeschärfte  Extern- 
seite. Die  ersten  Anfange  einer  Skulptur  zeigen  sich  bei  3  Millim. 
Durchschnitt  als  kurze,  entfernt  stehende,  rückwärts  gebogene 
Rippen.  Nachdem  die  Art  eine  Grösse  von  8  Millim.  erlangt 
hat,  werden  dieselben  zahlreicher  und  nähern  sich  bereits  mehr 
der  Extemseite;  bei  einigen  Exemplaren  behalten  sie  die  anfäng- 
liche, rückwärts  gebogene  Bichtung,  bei  anderen  sind  sie  mehr 
gerade.  Im  späteren  Wachsthum  werden  sie  schwach  sichel- 
förmig, biegen  sich  an  der  Externseite  stark  nach  vorn  und 
laufen  über  dieselbe  hinweg.  Auf  der  letzten  Windung  besteht 
die  Schaale  nur  aus  feinen  Anwachsstreifen  und  lässt  kaum  eine 
Spur  von  Fältelung  um  den  Nabel  herum  erkennen.  Dagegen 
zeigt  der  Steinkem  eine  solche  sehr  deutlich,  so  dass  auf  ihm 
die  Rippen,  welche  kräftiger  sind  wie  die  der  Schaale,  eine 
echte  Bündelung  erkennen  lassen;  mit  zunehmendem  Alter  wer- 
den diese  Rippen  des  Steinkernes  immer  gröber  und  es  bleiben 
zuletzt  nur  kräftige,  wulstartige  Rippen  bestehen,  welche  sich 
auf  dem  unteren  Drittel  der  Seite  in  2 — 3  Theile  spalten.  Den 
ziemlich  weiten  Nabel  begrenzt  bisweilen  eine  kleine  Nath- 
fläche,  die  aber  auch  gänzlich  fehlen  kann. 

Die  Loben  ähneln  denen  des  Harp,  radians^  doch  ist  der 
Intemlobus  einspitzig. 

Harp.  opalinum  Rein.  sp.  und  Hatp.  mactra  Dum.  sp.  (diese 
Arbeit,  Taf.  1,  Fig.  10)  besitzen,  wie  die  vorliegende  Art,  nur 
feine  Anwachsstreifen,  welche  über  die  Externseite  laufen. 
Ersteres  aber  ist  sehr  involut,  hat  eine  starke  Nathfläche  und 
auch  einen  Lobus  mehr;  letzteres  ist  zwar  evoluter,  besitzt 
jedoch  eine  von  Harp,  subcompium  abweichende  Berippung,  vor 
Allem  keine  Bündelung  der  Rippen  auf  dem  Steinkeme.  Alle 
3  Formen  liegen  in  den  Schichten  der  IVig.  navis  und  haben 
einen  einspitzigen  Intemlobus,  Harp.  compium  Reik.  sp.  (Rbxn- 


92 

ECKE,  Fig.  5  und  6)  aus  dem  oberen  Lias  —  nach  Oppel 
(Jura,  S.  248  und  Quenst.  ,  Geph.,  S.  113)  —  hat  ebenfalls 
nur  Anwachsstreifen,  ist  aber  sehr  engnabelig,  und  die  Bün- 
delung seiner  Bippen  beginnt  schon  in  früher  Jugend;  es  stehen 
mir  jedoch  keine  echten  engnabeügen  Exemplare  desselben  zur 
Verfügung.  Harp.  suhundulalum  var.  externe  comptum  n.  sp. 
(Taf.  3,  Fig.  4,  S.  85)  schliesslich  besitzt  auf  den  inneren  Win- 
dungen weiter  stehende,  scharfe  Bippen  und  ist  weiter  genabelt. 
Vorkommen:  Ziemlich  häufig  in  der  Oberregion  der 
Schichten  mit  IHg.  navis.  Signalberg  b.  Boevingen,  Bron- 
vaux  b.  Maizi&res,  Hayingen.  (Eisenerz.) 

4.  Grappe  des  Harpoceras  Sowerbyi 

mit  folgenden  Formen : 
Harp,  Sowerbyi  MiLL.  sp. 
»      Sutneri  n,  sp. 

Harpoceras  Sknverbtfi  Xill.  sp. 

1818.  Ammoniies  Sowerbyi  Mill.  Sowbrby,  Taf.  213. 

Im   Gegensatze    zu   Württemberg  ist    Harp.   Sowerbyi  in 

Lothringen  recht  selten.   Ich  fand  nur   ein  einziges  Exemplar 

bei  Moyeuvre.   Aus  Luxemburg  führen   Ghap.   und  Dewalque 

die  Art  an  und  zwar  aus  demselben  Horizonte,  der  sie  anderswo 

charakterisirt. 

JHarpoeer€is  Sutneri  n.  sp. 

Taf.  V,  Flg. «. 

Hohe  des  letzten  Umganges 44 

Orösste  Breite  desselben 29 

Durchmesser  des  Nabels 30 

Darchmesser  der  ganzen  Scbaale 100 

Wirklieber  Darchmesser  des  gemessenen  Exemplares 61  Mill. 

InTolution 0,52 

Diese  zu  der  Gruppe  des  Harp.    Sowerbyi  gehörende  Art 
zeichnet  sich  vor  den  meisten  Vertretern  derselben  durch  zwei, 


93 

den  Kiel  begleitende  Furchen  aus,  welche  bereits  bei  einer 
Grösse  von  20  Millim.  deutlich  entwickelt  sind.  In  diesem  Alter 
ist  die  Mundöffnung  ungefähr  quadratisch,  während  sie  später- 
hin comprimirter  wird.  Die  ausgewachsene  Form  ist  mit  Bippen 
verziert,  deren  untere  Hälfte  aus  einem  langgezogenen,  dicken 
Knoten  besteht,,  während  oben  eine  mehrfache  Theilung  statt* 
findet.  Auf  den  inneren  Windungen  fehlen  diese  wulstartigen 
Anschwellungen  und  bleiben  die  Rippen  in  ihrem  ganzen  Ver- 
laufe von  gleicher  Dicke;  sie  sind  einfach  oder  vereinigen  sich 
zu  je  zweien  zu  einem  kleinen  Knötchen  am  Nabel.  Auf  der 
Schaale  zeigt  sich  dieselbe  Skulptur  wie  auf  dem  Steinkerne. 
Den  massig  weiten  Nabel  umgiebt  eine  steile  Nathfläche,  welche, 
ohne  eine  Nabelkante  zu  bilden,  in  die  flachgewölbten  Seiten 
des  Gehäuses  übergeht. 

Die  Sutur  stimmt  mit  der  von  Harp.  Sowerbyi;  aus  dem 
grossen  1.  Seitenlobus  steigt  ein  Sattel  empor.  Auffallend  ist 
die  geringe  Tiefe  des  2.  Seitenlobus. 

Die  vorliegende  Form  schliesst  sich  an  Harp.  Qingense 
Waag.  sp.  (Beneoke,  Beitr.  I,  S.  595,  Taf.  26,  Fig.  3) 
an,  dem  sie  im  Querschnitte,  sowie  in  der  Berippung  des 
Jugendstadiums  nahe  steht.  Doch  ist  sie  weitergenabelt  und  im 
ferneren  Wachsthum  nähern  sich  ihre  Rippen  denen  des  Harp. 
adicrum  Waag.  sp.  (Benecke,  Beitrag  I,  S.  39,  Taf.  25, 
Fig.  1),  welcher  aber  einen  ganz  anderen  Querschnitt  hat. 
Hauptsächlich  liegt  der  Unterschied  jedoch  in  den  zwei 
deutlichen  Furchen,  welche  den  Kiel  bei  Harp.  ISutneri  be- 
gleiten. 

Aehnliche  furchentragende  Formen  aus  der  Gruppe  des 
Harp.  Sowerbyi  konmien  bei  Gingen  und  im  Unteroolith  von 
Burton  CliflBs,  Dorsetshire  vor;  beide  weichen  aber  in  der  Be- 
rippung von  einander  und  von  meinem  Exemplare  ab.  Es  giebt 
also  auch  in  der  Gruppe  des  Harp.  Satoerbyi  eine  kleine  Ab- 


94 

theilung,  welche  8ich  der  äbrigen  Mehrzahl  gegenüber  durch  den 
Besitz  zweier  Furchen  auf  der  Externseite  auszeichnet 

Vorkommen:  Schichten  mit  Harp.  Soioerbyi  oder  unterste 
Schichten  der  Zone  des  St^h.  Sauzei.  St.  Quentin  bei  Metz. 
Sehr  selten. 


Gruppe  des  AumnonUes  inHgwts 

mit  folgenden  Arten : 

Ammonües  subinsignis  (Oppel)  Dum.  Taf.  IV,  Fig.  2  und  3. 
aflf.  Si^oldi  Oppel.  Taf.  V,  Fig.  5. 

AmmaniUea  aubinsignts  (Oppkl)  Dum. 

Taf.  IV,  Fig.  8,  8. 

?  1856.  Ammonites  mbinsignis  Oppel.  Jura,  S.  367. 
1869.  »  »  (Oppel)  DuMORT.^  Bassin  da  Rhone,  IV,  S.  261,  Taf.  53. 

Hohe  der  letzten  Windung 35  36  32 

GrOsste  Breite  derselben 36  28  25 

Durchmesser  des  Nabels 39  38  39 

Durchmesser  der  gauzen  Schaale 100         100  100 

Whrkllchcr  Durchmesser  des  gemessenen  Exemplares   77  Mill.  144  Hill.  219  Hill. 
Involutiou ?  0,40         0,50 

Die  inneren  Windungen  dieser  grossen  Art  sind  sehr  ver- 
schieden von  den  äusseren  Umgängen.  Bis  zu  einer  ungefähren 
Grösse  von  70  Milliin.  ist  ihr  Querschnitt  breiter  wie  hoch 
und  zwar  liegt  die  grösste  Breite  etwa  in  der  Mitte.  An  dieser 
Stelle  erheben  sich  auf  den  starkgewölbten  Seiten  sehr  hohe, 
runde,  spitze  Knoten  (bei  einer  Grösse  von  80  Millim.  sind  es 
deren  18  auf  dem  letzten  Umgange;  Fig.  3),  welche  sich  nach 
der  Nath  hin  rippenförmig  verlängern  und  nach  oben  je  2 — 3 
fast  gerade  Rippen  aussenden,  die  den  dicken,  runden,  niedrigen 
Kiel  erreichen.  Diese  Knoten  liegen  hart  vor  der  Vereinigungs- 
stelle  beider   Umgänge,   so   dass  sie  noch  im  grössten  Theile 


95 

ihres  Um&nges  auf  den  inneren  Windungen  eines  ausgewach- 
senen Exemplares  sichtbar  sind.  In  der  späteren  Entwickelung 
nimmt  die  Höhe  der  Windungen  schnell  zu;  die  grösste  Breite 
derselben  zieht  sich  hinab  in  die  Nähe  der  Nath  und  es  ent- 
steht ein  Querschnitt,  welcher  sich  eher  dem  des  Amm.  Sie- 
holdi  Oppbl  (Pal.,  Mitth.,  Taf.  46,  Fig.  1)  als  dem  des  Ämtn, 
insignis  Schübl.  vergleichen  lässt.  Zugleich  verschwinden  all- 
mählich die  Knoten  und  an  ihre  Stelle  tritt  eine  langgezogene 
dicke  Bippe,  welche  von  der  Nath  bis  auf  die  Mitte  der  Seite 
reicht  und  sich  oben  2 — Sfach  spaltet.  Diese  Zweige  sind  etwas 
stärker  gebogen  und  reichen  bis  an  den  runden,  von  der 
schmal  zulaufenden  Externseite  nicht  abgesetzten  Kiel.  Später 
werden  auch  diese  undeutlich  und  es  bleiben  nur  die  breiten, 
flacher  gewordenen  unteren  Enden  sichtbar.  Die  Schaale  zeigt 
dieselbe  Skulptur  wie  der  Steinkern  und  bildet  keine  Nathfläche. 
An  den  mir  zu  Gebote  stehenden  Exemplaren  ist  die  Wohn- 
kammer nicht  erhalten;  nach  Dumobtixb  beträgt  dieselbe  Vs  Um- 
gang. 

Die  Lobenlinie  schliesst  sich  eng  an  die  des  Amm.  insignis 
Schübl  (d'Obb.,  Taf,  112)  und  Amm.  Sieboldi  Opp.  (Pal., 
Mitth.,  Taf.  46,  1,  S.  144)  an;  charakteristisch  sind,  neben 
der  tiefen  Zerschlitzung,  der  grosse  1.  Seitenlobus  und  die 
abwärts  ziehende  und  zugleich  schräg  gegen  den  1.  gerichtete 
Stellung  der  folgenden  3  kleinen  Loben,  wie  solches  gewissen 
Arten  von  Perisphinctes  eigenthümlich  ist.  Der  Internlobus  ist 
einspitzig. 

Da  Oppsl  diese  Art  nur  benannt,  nicht  abgebildet  hat, 
mir  auch  keine  genügend  sicher  bestimmten  Exemplare  zur 
Verfügung  standen,  war  es  mir  unmöglich,  die  Identität  der 
lothringischen  Form  mit  der  OppEL^schen  Art  ganz  sicher  zu 
stellen.  Ich  beziehe  mich  daher  auf  die  oben  citirte,  von  Du- 
mobtibr    gegebene    Abbildung.    Amm.    suhinsignis   kommt    in 


96 

Lothringen  in  den  Schichten  mit  Hig.  navis  tot,  wird  auch 
von  DuMOBTiEB  aus  seiner  Zone  des  Harp.  cpalinum  im  Rhone- 
becken aufgeführt,  welche  aber  die  beiden  OppcL'schen  Zonen 
der  Triff,  navis  nnd  des  LyU  torulosum  in  sich  vereinigt.  Ans 
letzterer  erwähnt  Oppkl  noch  die  Art  ans  Württemberg  und 
England.  Die  Anzahl  anderer  verwandter  Formen  ist,  meines 
Wissens,  keine  grosse.  Im  obersten  Lias  würde  Ämm.  insignis 
ScHÜBL.  zu  nennen  sein,  welcher  sich  von  vorliegender  Spezies 
in  der  Jugend  durch  die  zahlreicheren,  kleineren,  hart  an  der 
Nath  gelegenen  Knoten,  im  Alter  durch  steile  Nathfläche  und 
den  mehr  ausgeprägt  dreieckigen  Querschnitt  unterscheidet.  Aus 
den  Schichten  mit  Harp.  Murchisotue  ist  Ämm.  Sieboldi  Opp. 
eine  nah  verwandte  Form,  welche  jedoch  enger  genabelt,  hoch- 
mündiger  ist  und  eine  Nathfläche  besitzt;  auch  stehen  ihre 
Knoten  etwas  höher,  sind  noch  schwach  in  die  Nathllnie  des 
folgenden  Umganges  versenkt,  und  machen  bereits  in  einem 
früheren  Jugendstadium  den  langgezogenen  Wülsten  Platz;  die 
Art  scheint  überhaupt  nicht  so  gross  zu  werden  wie  Amm. 
subinsignis. 

Allen  diesen  Formen,  welchen  die  grössere  Breite,  die 
schärfere  Extemseite,  die  fast  geraden  Rippen,  der  tiefhinab- 
hängende  Nathlobus,  wie  überhaupt  fast  identische  Sutur  gemein- 
sam sind,  steht  gegenüber  Ämm.  variabäis  d'Obb.  sp.  (Taf.  113, 
S.  350)  aus  dem  oberen  Lias  mit  comprimirteren ,  nur  in  der 
ersten  Jugend  dicken,  Windungen,  relativ  stumpferer  Extern- 
seite, gebogeneren  Rippen  und  einem  viel  weniger  hinabhängenden 
Nathlobus. 

Vorkommen:  Ziemlich  häufig  in  der  Oberregion  der 
Schichten  mit   Trig.  navis.  Hayingen,  Moyeuvre.  (Eisenerz.) 


97 
Afnnwnites  äff.  Sieboldi  Opp. 

T*f.  V,  Pig.  6. 

Hohe  des  letztea  Umganges 40  45 

GrOsste  Breite  desselben 14  29 

Durchmesser  des  Nabels 31  28 

Durchmesser  der  ganzen  Schaale 100         100 

Wirklicher  Durchmesser  der  gemessenen  Exemplare  .  200  Hill.  1 1 1  Mill. 
Involution 0,44      ? 

Unterscheidet  sich  von  Amm,  Sieboldi  Opp.  (Pal.,  Mitth., 
S.  144,  Taf.  46,  Fig.  1)  durch  seinen  etwas  weiteren  Nabel, 
etwas  geringere  Hochmündigkeit  und  dadurch,  dass  die  in  der 
Jugend  vorhandenen  Knoten  etwas  tiefer,  hart  vor  der  Ver- 
einigungslinie beider  Umgänge  stehen.  Während  diese  Knoten 
aber  eben  so  zahlreich  sind  wie  bei  der  OppEL'schen  Form, 
sind  die  Wülste,  durch  welche  jene  im  späteren  Wachsthum 
ersetzt  werden  >  bei  unserer  Art  weit  zahlreicher  und  daher 
enger  stehend.  Auch  wird  sie  bedeutend  grösser. 

Diese  Form  scheint  einen  Uebergang  zwischen  Ämm.  suhin- 
signis  und  Amm.  Sieboldi  zu  bilden.  (Vergleiche  unter  Amm. 
subinsignis.) 

Vorkommen:  Ziemlich  häufig.  Oberregion  der  Schichten 
mit  lüg.  navis.  Hayingen,  Moyeuvre.  (Eisenerz.) 

Belenmites. 

Wenn  schon  die  zahlreiche  Vertretung  der  gewöhnlich  den 
obersten  Ldas  charakterisirenden  Ammoniten  aus  der  Familie 
des  Harp.  radians  dem  unteren  Dogger  Lothringens  gegenüber 
dem  Schwabens  ein  eigenthümliches  Gepräge  verleiht,  so  wird 
dieses  noch  verstärkt  durch  das  Erscheinen  einiger  Belemniten, 
welche,  in  Schwaben  auf  den  oberen  Lias  beschränkt,  in  un- 
serem Lande  in  unveränderter  Gestalt  aus  diesem  in  den  unte- 
ren Dogger  übergehen.  Es  ist  zwar   bisweilen  sehr  schwer,  die 

II.  7 


verschiedenen  Arten  der  Selemniten  auseinander  za  halten ;  allein 
die  sehr  charakteriBtische  Form  der  beiden  hier  gemeioten 
Spezies  Bei.  acuarius  und  irregularis  bewahrt  in  diesem  Falle 
vor  einer  Verwechselung. 

BeletnnUea  acuarius  Sohl. 

Tat.  VI,PirI' 

1820.  Betenmitei  aeuariut  Scbl.  Felretk.,  Tsf.  I,  S.  46. 
1846.  •  >  •     Qdenbt.  Cepb.,  Taf.  2S. 

Die  gefundenen  Exemplare  Bcheioen  sänuntlich  zu  der 
QcsNSTEDT'scben  Gruppe  glatte  Acuarii  zu  gehören.  Die  be- 
kannte Eigenschaft,  Hohlräume  im  Innern 
der  Scheide  zu  bilden,  zeigt  sieb  auch  bei 
den  lothringischen  Vertretern  dieser  Art; 
auf  Figur  Id  ist  der  Längsschliff  eines 
solchen  dargestellt,  welcher  die  folgenden 
Verbältnisse  erkennen  lässt.  Um  die  Alveole 
herum  lagerte  sich  anfanp  ganz  normal 
in  concentrischen  Hülleo  eine  feste  Ealk- 
ächeide  ab,  welche  durch  eine  mucronaten- 
ihnüche  Spitze  ausgezeichnet  ist. 

Der  nebenstehende  Holzschnitt,  in 
doppelter  Grösse  des  Originales  angefer- 
ügt,  zeigt  diesen  ältesten,  inneren  Theil 
deutlicher,  als  die  Abbildung  auf  Tafel  6, 
figur  1  d,  welche  beim  Druck  misslang. 

Auf  diese  erste  normale  Wachßthums- 
pbase  folgte  nun  die  Ablagerung  weiterer 
concentrischer  Düten  am  unteren  Ende. 
Dieselbe  gelangte  aber  nicht  über  das 
erste  Stadium,  Anlage  der  Düten,  hinaus; 
das  zweite,  Verfestigung  der  Düten  untereinander,    durch   Ab- 


99 

lagerung  weiteren  Kalkes,  durch  welches  erst  die  Scheide  zu 
einer  compakten  Masse  wird,  erfolgte  nichts  Qüenstedt  erklärt 
dies  mit  dem  überstürzten  Wachsthum  des  Thieres.  Ob  diese 
Düten  an  ihrem  unteren  Ende  der  Spitze  sich  schlössen  oder 
offen  blieben,  ist  nicht  mehr  zu  erkennen. 

Aus  der  Abbildung  des  Exemplares  auf  voriger  Seite  geht 
henror,  dass  die  lockeren  Daten  sich  mehr  im  Zusammenhang, 
besonders  an  dem  oberen  Ende  des  mit  mucronatenartiger  Spitze 
yersehenen  festen  Kernes  bildeten,  denn  nach  unten  hin  ver- 
schwinden sie  allmählich  zwischen  dem  Kerne  und  den  äussersten 
jüngsten  Lagen.  Dass  das  Thier  während  dieser  Wachsthums- 
periode  die  leichtgebaute  Spitze  überhaupt  unversehrt  erhalten 
konnte,  lässt  sich  wohl  nur  durch  die  Umhüllung  des  Mantels 
erklären. 

In  der  dritten  und  letzten  Phase  der  Entwickelung  wurde 
das  bisher  gebildete  von  einer  weiteren  Hülle  umlagert,  welche 
in  derselben  festen  Weise  abgeschieden  wurde,  wie  der  innere 
Kern.  Dieser  äussere  Theil  der  Scheide  schloss  sich  ganz  nor- 
mal an  der  Spitze,  während  er  sich  am  alveolaren  Ende  fest 
an  den  inneren,  erstgebildeten  Kern  anlegte,  so  dass  bei  dem 
nun  ausgewachsenen  Thiere  die  lockeren  Düten  ringsherum 
durch  eine  compakte  Masse  geschützt  wurden,  wie  dies  sche- 
matisch durch  die  unter  dem  grossen  Holzschnitte  befindliche 
Figur  angedeutet  ist.  Wenn  nun  nach  dem  Tode  des  Thieres 
der  Mantel  verweste  und  die  Spitze   der   Scheide  abbi*ach,  so 


1.  Man  konnte  hier  vielleicht  auf  die  Bildung  der  Bauchschicht  an  der  em- 
bryonalen Schulpe  von  Sepia  hinweisen ,  wo  die  einseinen  Schichten  anfangs  nur 
durch  dünne,  senkrecht  von  einer  zur  anderen  verlaufende,  Säulchen  in  Verbin- 
daog  stehen,  so  dass  das  Ganze  ein  äusserst  lockeres  Gebilde  darstellt.  Erst  allmäh- 
lich nehmen  die  Säulchen  an  Dicke  und  Ausdehnung  zu  und  erfüllen  die  zwischen 
Je  zwei  Schichten  beflndlichen  Zwischenräume  immer  mehr  und  mehr.  (Vergl. 
Kgelliker,  Entwickelungsgeschichte  der  Cephalopoden.  Zürich  1834,  S.  72.) 


100 

drang  der  Schlamm,  resp.  die  Kalksolution,  in  den  mittleren, 
mit  lockeren  Daten  erfüllten  Raum  ein,  zerstörte  die  Diiten  zum 
Theil  und  erfüllte  den  centralen  Raum  (Taf.  6 ,  Fig.  2a)  wie 
die  zwischen  den  Düten  etwa  vorhandenen  Zwischenräume. 

Betrachten  wir  nun  den,  Taf.  6,  Fig.  le,  in  Vergrösse- 
rung  abgebildeten  Querschnitt,  welcher  dem  untersten  Ende  des 
Originales  zu  Figur  Id  entnommen  ist,  so  zeigt  sich,  dass 
das  zweite  Wachsthumsstadium  noch  in  anderer  Beziehung  ein 
anormales  war.  Während  der  feste  Kern  und  die  feste  Hülle 
der  Scheide  aus  regelmässig  conceutrischen  Düten  gebildet  wur- 
den, sehen  wir  die  lockeren  Düten  in  von  aussen  nach  innen 
zunehmender  mäandrischer  Faltung.  Wie  schwammig  der  Aufbau 
im  Innern  war,  lässt  der  zwischen  die  Falten  eingedrungene 
Kalkspath  (die  dunkel  gezeichneten  Partieen)  erkennen. 

Das  andere  der  abgebildeten  Exemplare  (Fig.  1)  zeigt 
ebenfalls  interessante  Verhältnisse  K  Es  ziehen  sich  auf  der  einen 
Seite  der  Alveole  feine,  unregelmässig  angeordnete,  längliche 
Wärzchen  hinab,  wie  wir  solche,  in  runder  Form,  auf  dem 
Schulpe  von  Coccoiheutis  und  der  lebenden  Sepia,  wie  auf  der 
Scheide  von  Actinocamaz  quadratus  und  granulatus  finden. 
(Vergl.  ScHLüTEB,  die  Gephal.  d.  ob.  Kreide.  Palaeontographica 
Bd.  24,  Taf.  54.) 

Dasselbe  Individuum  ist  noch  in  anderer  Hinsicht  bemer- 
kenswerth.  Quer  um  die  Scheide  laufen  dicht  gedrängte,  feine, 
rissartige  Furchen  und,  in  geringerer  Anzahl,  ebenso  feine i 
wulsiartige  Erhebungen.  Dass  diese  Bildungen  Sprüngen,  welche 
wieder  verkittet  wurden,  ihr  Dasein  verdanken,  scheint  mir  bei 
der  sehr  grossen  Anzahl  derselben,  der  festen  Beschaffenheit 
und  dem  ganzen  Habitus  des  Stückes  nicht  wahrscheinlich  und 


i.  Dasselbe  besitzt  im  Innern  ebenfalls  einen  mit  Kalkspath  ausgefällten 
Hohlraam.  der  In  dem  Querschnitt  Fig.  1  b  Jedoch  nicht  sichtbar  ist. 


10t 

ich  möchte  auch  hier  eine  tiefer  liegende  Ursache  vermuthen. 
Doch  will  ich  nicht  unerwähnt  lassen,  dass  die  Risse  sich  nur 
in  der  äusseren  Schaalenlage  zeigen. 

Vorkommen:  Weniger  häufig  als  Bei  irregularis ,  dessen 
steter  Begleiter  er  ist.  Geht  von  den  Aequivalenten  der  ,,Ju- 
rensis-Schichten*  bis  hart  unter  die  Schichten  mit  Hig.  navis. 
üeberalL 

B^emrUtea  irreffiUaHs  Schl. 

18t 3.  Belemniies  irregularis  Schlth.  Taschenb.,  S.  70,  Taf,  HI,  Pig,  2. 
1846.  •  digitalii  Qubnst.  Geph.,  26,  1—- 11. 

Tritt  stets  in  Gesellschaft  der  vorigen  Art  auf. 

Eine  verwandte  Form  bildet  v.  Sbebach  (Hann.  Jura, 
S.  150,  Taf.  7,  Fig.  6)  als  Bei.  similis  aus  der  Oberregion  der 
Thone  mit  Harp.  opalinum  ab.  Doch  ist  diese  schlanker, 
stärker  seitlich  comprimirt  und  besitzt  in  der  Nähe  der  Spitze 
zwei  flache  Rinnen. 

Belenmites  subgiganieus  n.  sp. 

Taf.  VI,  Fig.  «. 

Schlanke,  mit  elliptischem  Querschnitt  versehene  Scheide, 
deren  Alveolarende  weniger  comprimirt  Ist  als  das  untere.  Im 
Innern  bleibt  ein  kleinerer  oder  grösserer  Hohlraum;  an  der 
Spitze  stehen  zwei  lange,  starke  Furchen. 

Während  äussere  Form  und  Querschnitt  die  vorliegende 
Spezies  in  die  Nähe  derjenigen  Gruppe  des  Belemniies  giganieus 
verweisen,  welche  Qubnstedt  als  procere  bezeichnet,  bildet  der 
bei  manchen  Exemplaren  grosse  innere  Hohlraum  ein  Merkmal, 
welches  nach  diesem  Autor  noch  am  ehesten  der  Gruppe  seiner 
Ventricosen  zukommt. 

Bei,  suhgiganteus  ist  von  dem  in  höheren  Schichten  vor- 
kommenden Bei,  giganieus  dadurch  unterschieden,  dass  bei  ihm 
nur  die  zwei  meist  breiten  Dorsolateralfurchen  vorhanden  sind, 


102 

dass  die  innere  Höhlung  (ob  bei  allen  Exemplaren?)  eine  auf- 
fallende Grösse  besitzt  und  dass  die  Scheide  kleiner  bleibt.  Der 
grösste  Durchmesser  meines  Exemplares  ist  an  der  Alveole 
33  Millim.,  die  ganze  Länge  muss  mindestens  200  Millim.  be- 
tragen haben. 

Figur  2d  zeigt  auf  dem  Längsschnitte  eines  Exemplares 
die  weit  nach  dem  Alveolarende  hinaufgehende,  mit  Eisenerz 
ausgefüllte  Höhlung,  in  welche  die  jüngste  der  soliden  Düten 
hineinragt.  Eine  ähnliche  Scheide  bildet  d'Obb.,  Terr.  jur., 
Taf.  14,  Fig.  1,  von  einem  Belemniten  ab,  dessen  4  Furchen  be- 
weisen (Fig.  3  ebenda),  dass  er  nicht  mit  unserer  Form  identisch 
sein  kann,  sondern  eher  ein  Bei,  giganteus  ist.  Doch  mögen 
derartig  ausgedehnte  Hohlräume  bei  Bei.  giganteus  zu  den 
grössten  Seltenheiten  gehören,  denn  wenn  sich  überhaupt  Höh- 
lungen finden,  sind  sie  auf  das  Unterende  beschränkt.  (Vergl. 
über  die  D'OaBiGNT'sche  Abbildung:  Quenst.,  Ceph.,  S.  43). 
Nur  Bei.  acuarius  Schlth.  und  BlainviÜei  Yoltz  zeigen  Aehn- 
liches  unter  den  echten  Belemniten. 

In  der  äusseren  Form  der  Scheide,  wie  in  der  Grösse  des 
Hohlraumes,  schliesst  sich  Bei.  subgiganteus  an  Bei,  acuarius  an , 
während  er  durch  seine  Dimensionen  wie  durch  seine  Form  den 
proceren  Varietäten  des  Bei,  giganteus  nahe  steht.  Die  Mög- 
lichkeit ist  jedenfalls  gegeben,  dass  ein  genetischer  Zusammen- 
hang zwischen  diesen  drei  Arten  in  der  Weise  existirt,  dass 
Bei,  subgiganteus  das  Mittelglied  bildet.  Dieser  liegt  in  der 
Oberregion  der  Schichten  mit  Trig.  navis;  Bei.  acuarius  geht 
in  Lothringen  bis  hart  an  die  Unterregion  derselben,  und  von 
Bei.  giganteus  citirt  Quen^tedt  die  ersten  Vorläufer  aus  den 
blauen  Kalken  '(Ceph.,  S.  429).  v.  Seebaoh  dagegen  führt 
Bei.  giganteus  bereits  aus  den  Schichten  auf,  in  welchen  Harjp. 
Murchisontß  liegt  (Hannov.  Jura,  S.  33 — ^35),  während  nach 
Chapuis    und  Dewalqüe  (Luxembourg,   S.    30)   diese   Art   in 


103 

Luxemburg  bereits  in  den  Schichten  mit  IW^.  navis  auftritt  und 
zwar  als  var.  ventricosus  Quekstedt^s. 

Vorkommen:  Selten  in  der  Oberreg.  d.  Seh.  m.  IHg. 
navis.  Ars,  St.  Quentin  bei  Metz,  Villerupt.  (Eisenerz.) 

Beiemniies  apinatua  Qüenst. 

Belemnitet  spinaius  Quenst.  Geph.,  S.  425,  Taf.  27,  Fig.  7  u.  8. 
»         elongaius  Zieten.  Taf.  22,  Fig.  6. 

Diese  für  die  Eisenerze  Schwabens  aus  der  Zone  des  Harp. 
MurchisofKB  so  charakteristische  Art  mit  langer,  dornförmiger 
Spitze  ist  in  Lothringen,  gegenüber  dem  massenhaften  Auf- 
treten anderer  Belemniten,  relativ  selten.  Auch  in  anderen 
Gebieten  kommt  Bei,  spinatus  nicht  häufig  vor.  (Oppel,  Jura, 
S.  364). 

Vorkommmen :  Selten  i.  d.  Oberreg.  d.  Seh.  m.  UVig. 
navis.  Ziemlich  häufig  in  der  Oberreg.  d.  Seh.  m.  Earp,  Mur- 
chisonce.  Eine  dem  Bei.  spinatus  nahestehende  Form,  welche 
durch  Furchen  an  der  Spitze  abweicht,  kommt  in  den  Schichten 
mit  Harp.  Sowerhyiy  doch  selten  vor. 

BeUfnnUea  Bhenanus  Oppsl. 

1856.  BeUmnites  Bhenantu  Opp.  Jura,  S.  363. 

1830.  •         compressus  Voltz  (non  Stahl).  Taf.  5. 

1849.  »         compressus  gigas  Quenst.  Ceph.,  Taf.  27,  Fig.  1,  S.  422. 

Diese  Art  erscheint  in  Lothringen  vereinzelt  bereits  in  der 
Oberregion  der  Schichten  mjt  Astarte  Voltjsi,  ist  in  der  Unter- 
region der  Schichten  mit  2Vig.  navis  etwas  häufiger  und  erreicht 
in  der  Oberregion  derselben  eine  massenhafte  Verbreitung.  Auch 
die  Unterregion  der  Schichten  mit  Hatp.  Murchisona  birgt  noch 
viele  Exemplare.  Höher  hinauf  habe  ich  keine  mehr  finden 
können.  In  Schwaben  tritt  Bei.  Bhenanus  weit  seltener  auf  und 
fehlt  nach  Qüekstedt  in  den  Eisenerzen  des  braunen  Jura  ß  schon 


104 

vollständig.  Bei  Salins  und  an  anderen  Orten  des  Departements 
du  Jura  erscheint  er,  wie  in  Lothringen,  bereits  in  den  obersten 
Lagen  der  Mames  k  Trochus,  d.  h.  in  den  Schichten  mit 
Ästarte  Voltzi.  Charakteristisch  ist  die  Art  nach  Oppsl  für  die 
Schichten  mit  IVig.  navis,  was  sich  in  Lothringen  somit  auch 
bestätigte 

Vorkommen:  Selten  bereits  in  der  Oberregion  d.  Seh.  m. 
Harp,  striatulum^  sehr  häufig  in  d.  Seh.  m-.  !Prig,  warn  (Oberreg.) , 
häufig  noch  i,  d.  Unterreg.  d.  Seh.  m.  Harp.  MurchisoncB, 
Ars,  Bronvaux,  Hayingen,  Oetringen,  Oettingen,  Ville- 
rupt,  Esch.  (Eisenerz  z.  Th.) 

Belefnnite8  sttbdavatua  Yoltz. 

1830.  BeiemnUes  clavatus  Voltz.  Belemn.,  Taf.  1,  Fig.  11 

1849.  »  0  »      QuENST.  Geph.,  Taf.  23,  Fig.  19  h,  S.  398. 

Findet  sich  nach  Oppel  (Jura,  S.  362)  in  den  Zonen  des 
Lyt  iorulosum  und  der  IHg,  navis  in  Schwaben  und  im  Elsass; 
in  Lothringen  besitzt  die  Art  dieselbe  vertikale  Verbreitung,  ist 
aber  in  den  untersten  Schichten  relativ  häufiger  als  in  den 
oberen. 

Vorkommen:  Ziemlich  häufig  in  den  Seh.  m.  Äst.  Voltzi j 
ziemlich  selten  noch  hinauf  bis  unter  die  Seh.  m.  Harp.  Mar- 
chisonce.  Ars,  Juville,  Delme,  St.  Quentin,  Vqisage,  Scy, 
BoBvingen,  Oetringen.  (Eisenerz  z.  Th.) 

Belemnüea  breviformis  Yoltz. 

1830.  Belemnites  breviformis  Voltz.  Belemn.,  S.  43,  Taf.  2,  Fig.  2—4. 
1842.  »         brevis  o'Orb.  (non  Blainville).  Prodrome,  I,  S.  244. 

1848.  »         breviformxs  a,  Quenst.  Geph.,  Taf.  27,  Fig.  21,  22. 

Oppel  (Jura,  S.  361)  identifizirt  Bei.  hrevis  Blaii^ville 
(Belemn.,  Taf.  3,  Fig.  2)  mit  den  obengenannten  Arten.  Hb- 
BBET  aber  (BuU.  Soc.  g^ol.  France,  II,  Bd.  22,  S.  201—205) 


105 

weist  nach,  dass  die  cylindrische  Form  mit  mucronatenähn- 
licher  Spitze ,  die  gerade  in  der  Axe  der  Scheide  steht  und  an 
der  keinerlei  Furchen  sichtbar  sind,  mit  keiner  der  3  Blain- 
TiLLE'schen  Varietäten  übereinstimmt.  Nach  Besichtigung  der 
BLAiKYiLiiE^schen  Original-Exemplare  kommt  ELebebt  zu  fol- 
genden Schlüssen: 

Bei.  brevis  Blainv.  var.  a,  Tafel  3,  Fig.  1,  ist  identisch 
mit  Bei.  acutus  Miller  in  d'Obb.',  Tafel  9,  Figur  8 — 14  und 
stammt  aus  den  Schichten  mit  Crryphcea  arcuata. 

Bei.  brevis  Blainv.  var.  &,  Tafel  3,  Figur  2,  kann  auch 
fernerhin  Bei.  brevis  Blaikv.  benannt  werden.  Diese  Form  stimmt 
nur  annähernd  mit  der  von  d'Oeb.,  Terr.  jurr.,  Tafel  9,  Fi- 
gur 1 — 2  als  Bei.  abbreviatus  Mill.  bezeichneten  Scheide.  Sie 
hat  einige  unregelmässige  Furchen  an  der  Spitze;  auch  ist  diese 
nicht  eigentlich  mucronatenähnlich,  sondern  biegt  sich  etwas 
seitwärts  und  liegt  nicht  in  der  Axe  der  Scheide.  Ihr  Lager 
ist  der  mittlere  Lias.  Es  ist  dies  die  Form,  welche  Oppel  mit 
Bei.  breviformis  Yoltz  aus  dem  untersten  braunen  Jura  identi- 
fizirte. 

Bei.  Brevis  Blainv.  var.  c,  Tafel  3,  Figur  3,  wird  Bei. 
meta  genannt  und  hinzugefügt,  dass  Blainvillb  ein  sehr  abge- 
riebenes Exemplar  habe  abbilden  lassen.  Diese  Form  ist  dem 
Bei.  irregularis  Sohlte,  ähnlich,  hat  aber  2  breite  Furchen 
an  der  Spitze,  zu  denen  sich  oft  noch  eine  dritte  gesellt.  Sie 
soll  identisch  sein  mit  Bei,  crassus  Zieten,  Tafel  22,  Figur  1. 
Findet  sich  in  den  Schichten  der  Trig.  navis. 

Vorkommen:  Unterregion  der  Schichten  mit  Trig.  navis, 
bis  zur  Oberregion  der  Schichten  mit  Harp.  Murchisonm. 
Ars,  St.  Quentin  bei  Metz,  Signalberg  bei  Boevingen, 
Oetringen,  Oettiugen,  Villerupt,  Esch,  Kneuttingen. 
(Eisenerz.)  Sehr  häufig.  Vergl.  Bei.  Oingensis. 


106 

Beiemnites  OingenHa  Oppkl. 

1856.  Beiemnites  Gingensi*  Opp.  Jura,  S.  362. 

1846.  V  hreoiformis  y.  Qubn.  Geph.,  Taf.  27,  Fig.  24—28,  non  23. 

Die  extremste  Form,  konisch  und  mit  mucronatenäbnlicber 
Spitze  (QuKNBT.  Ceph.,  Taf.  27,  Fig.  25)  lässt  sich  von  Bei 
breviformis  Voltz  (=  breviformis  a  Qüenst.  Cepb.,  Taf.  27, 
Fig.  21  und  22)  sehr  leicht  unterscheiden.  Figur  23  ebenda 
aber  nähert  sich  durch  die  cylindrische  Gestalt  bereits  sehr  dem 
Bei.  breviformis  Yoltz  und  derartige  Zwischenformen  findet 
man  in  Lothringen  häufig  schon  in  der  Unterreg.  der  Schichten 
mit  IHg.  navis.  Ich  habe  diese  zu  Bei.  breviformis^  dagegen 
zu  Bei.  Cringensis  nur  die  extrem  konischen  Formen  gestellt 
und  dazu  auch  noch  die  Figur  27  und  28  (Qüenst.  Cepb., 
Tafel  27)  gerechnet,  welche  Oppel  nicht  unter  den  Synonymen  hat. 

Vorkommen  :  In  der  vorgeschlagenen  Umgrenzung  liegt 
Bei.  Gingensis  in  der  Oberreg.  d.  Seh.  mit  Harp.  Murchisonte 
und  in  den  Seh.  m.  Harp.  Sotoerbyi.  Ars,  St.  Quentin, 
Moyeuvre,  Oettingen.  (Eisenerz.)  Ziemlich  häufig. 

Ostrea. 

Ostrea  subirreguiaria  n.  sp« 

Taf.  VI ,  Fig.  8. 

Nicht  grosse ,  ganz  glatte ,  ungefähr  dreieckige  Form ,  welche 
mit  einem  bedeutenden  Theile  der  unteren  Klappe  aufgewachsen 
ist,  während  der  übrige  Theil  derselben  sich  ringsherum  fast 
senkrecht  erhebt  Die  kleine  Klappe  ist  flach. 

Diese  aus  dem  Dogger  stammende  Form  steht  trotz  des  sehr 
verschiedenen  Lagers  der  liasischen  Ostrea  irregularis  MäN. 
(GoLDP.,  Taf.  79,  Fig.  5,  und  Chap.  u.  Dewalque,  Terr.  sec. 
Luxembourg,  Taf.  32,  Fig.  3)  nahe.  Oppel,  Jura,  S.  79,  Fig.  5, 


107 

giebt  zwar  an,  die  6oLB7üB8*sche  Abbildung  stelle  eine  verkrüp- 
pelte Oryphtea  arcuata  vor,  indess  ist  das  mit  der  Ghap.  und 
DEWALQüE'schen  Form,  die  auch  aus  dem  unteren  Lias  stammt, 
wohl  nicht  der  Fall.  Diese  ist  oft  von  sehr  starken  Anwachs- 
streifen bedeckt  und  lamellös,  ferner  ist  ihre  obere  Klappe 
häufig  convex,  während  meine  Exemplare  glatt  sind  und  eine 
flache  Oberschaale  haben.  Vielleicht  sind  Letztere  identisch  mit 
Waagen's  Osürea  sp.  ined.  in  Benecke,  Beiträge,  I,  S.  635. 
Vorkommen:  Oberregion  der  Schichten  mit  Harp.  Murchi- 
sontß.  Molvingen,  St.  Quentin  und  Zone  des  Harp.  Sower- 
byi,  St.  Quentin.  Selten. 

Ostrea  crenata  €k)LDF. 

1836.  OUrea  crenata  Gldf.  Petref.  Germ.,  Taf.  72,  Fig.  13. 

Meine  Exemplare  stimmen  zum  Theil  mit  der  citirten  Ab* 
bildung,  zum  Theil  aber  weichen  sie  ab,  indem  die  Schaale 
bald  dünner,  bald  dicker  und  die  Ränder  beider  Klappen  bald 
mit  spitzen,  zickzackförmigen,  bald  mit  mehr  welligen  Zähnen 
ineinandergreifen;  sie  stehen  also  zum  Theil  zwischen  0.  crenata 
Glbp.  und  0.  flabeüoides  Lam.  Qüenstect  (Handbuch,  2.  Aufl., 
S.  295)  betrachtet  Erstere  nur  als  Wachsthumserscheinung  der 
Letzteren. 

Vorkommen:  Schichten  mit  J9arp.  Sotoerbyi.  Moyeuvre, 
Signalberg  bei  Boevingen,  St.  Quentin  b.  Metz.  Ziemlich 
häuflg. 

GryphsBa. 

Chryphasa  ferruginea  TsaquEH  ps. 

Taf.  VII,  Flg.  1. 

1855.  Ostrea  ferruginea  Terquem.  Bull.  soc.  hist.  naturelle  de  la  Moselle  1855, 
S.  144,  Taf.  4,Fig.  4— 7. 

Diese  in  Deutschland  kaum  bekannte  Auster  hat  einen  bis 
auf  den  schwach  gebogenen  Schlossrand   beinahe  kreisförmigen 


108 

Umriss,  der  nar  durch  die  GryphsDen-Biime  an  einer  Stelle 
schwach  ausgebuchtet  wird.  Diese  Rinne  ist  kurz  und  flach, 
lässt  sich  aber  doch  in  Spuren  bis  an  den  Wirbel  hin  verfolgen. 
Der  durch  dieselbe  abgetrennte  Flügel  bleibt  klein  im  Verhält- 
niss  zur  ganzen  Schaale.  Das  abgebildete  Exemplar  hat  vom 
Wirbel  bis  zur  Unterseite  eine  Länge  von  95  Millim.,  die  Rinne 
ist  nur  56  Millim.  lang.  Die  ein  Dreieck  mit  breiter  Basis  dar- 
stellende Fläche  der  Innenseite,  welche  auf  ihrem  mittleren 
Theile  die  eigentliche,  etwas  eingesenkte  Ligamentfläche  trägt, 
ist  quer  gerunzelt.  Aussen  haben  beide  Klappen  unregehnässige , 
entfernt  stehende  Anwachsstreifen.  Der  kleine,  spitze  Wirbel 
ragt  wenig  über  die  Schlossfläche  hervor  und  ist  nur  schwach 
eingebogen.  Die  linke,  stark  gewölbte  Klappe  gleicht  einem 
Kugelabschnitte,  dessen  Wölbung  durch  die  flache  Rinne  nur 
wenig  modifizirt  wird.  Ich  habe  unter  sehr  vielen  Exem- 
plaren nur  eins  gesehen,  dessen  Gryphsaen-Rinne  so  tief  war, 
dass  durch  dieselbe  die  Form  wesentlich  beeinflusst  wurde.  Die 
rechte  Klappe  ist  etwas  concav  und  wird  häufig  dick,  während 
die  linke  dünn  zu  bleiben  pflegt.  Die  Muskeleindrücke  sind 
gross ,  doch  massig  tief.  Eine  Anwachsstelle  ist  selten  zu  bemerken, 
so  dass  es  den  Anschein  hat,  als  wenn  die  Thiere  im  Alter  frei 
geworden  wären. 

Grryphcea  dilatata  Sow.  sp.  (Taf.  149)  aus  dem  Oxford  steht 
dieser  Form  nahe,  hat  jedoch  meist  einen  längeren  Wirbel;  ihre 
Gryphseen-Rinne  schneidet  einen  deutlicheren  Lappen  ab,  ihr 
Schlossrand  ist  weniger  gerade  und  ihre  kleine  Klappe  pflegt 
viel  concaver  zu  sein.  Gryphcea  giganiea  (Sow.)  Büvignieb  sp. 
(Statist,  de  la  Meuse,  S.  25,  Taf.  5,  Fig.  12  u.  13),  ebenfalls 
aus  dem  Oxford  stammend,  gleicht  nach  der  Abbildung  der 
Crr,  ferruginea  noch  mehr  als  Gr,  dilatata  j  hat  aber  einen 
höheren  Wirbel  und  —  was  bei  der  Gr.  ferruginea  nie  vor- 
kommt —  die  untere  Klappe  ist  in  Folge  des   Anwachsens  oft 


109 

nicht  grösser  als  die  obere.  Die   SowEBBx'sche   Abbildung  der 
ör.  gigantea  (Taf.    391)   zeigt   eine   weniger  kreisrunde  Form 
mit  stärkerer  Gryphseen-Binne  als  die  BiTyiaNiEB'sche  Zeichnung. 
Chapuis  und  Dswalqüe  scheinen  die  vorliegende  Spezies  unter 
ihrer  Gr.  jpoZymorpAa?  (Terrains  second.  du  Luxembourg,  S.  225, 
Taf.  34,  Fig.  2)  verstanden  zu  haben.  Doch  hat  Or.  ferruginea 
einen  fast  kreisrunden  Umriss,    während    Chr,  polymorpha   bei 
Ghafüis    und   Dsvtalque   eine  schiefe   Ausbreitung   auf  ihrer 
rechten  Seite  besitzt,  was  die  gleichnamige  Spezies  bei  Golb- 
vuss  (Taf.  86,  Fig.  1)  in  noch  verstärktem  Maasse  zeigt.  Letz- 
tere ist  ausserdem  häufig  so  schmal  wie  eine   Grgphcea  arcuata. 
Keinesfalls  darf  man  die  echte  Crr.  polymarpha  Mün.  (in  Goldp., 
Taf.  86,  Fig.  1)  mit   der    Gr.   ferruginea  Tbbq.    identifiziren , 
wie  Hebebt  (Bull.  Soc.  gäol.  France,  IL,  Bd.  13,  S.  217)  dies 
thun  möchte.  Das  in  meiner  Beschreibung  erwähnte  Exemplar 
mit  tieferer  Gryphsden-Rinne,  welches  von  Esch  in  Luxemburg 
stammt,  gleicht   allerdings   sehr   der    Gr,  polymorpka   und  es 
wäre  möglich,  dass  am  Mt.  St.  Martin  bei  Longwy,  woher  die 
Chapuis  und  DEWAiiQUE'schen  Exemplare  stammen,  sich  Ueber- 
gänge  zwischen  diesen  und   der    Gr.   ferruginea  zeigen;  beide 
haben  dasselbe  Lager.   In  dem  von  mir  untersuchten  Gebiete 
fand  ich  solche  Uebergänge  nicht. 

Vorkommen  :  Oberregion  der  Schichten  mit  Trig.  navis. 
Ein  äusserst  wichtiges  Leitfossil  für  dieselben  im  ganzen  nörd- 
heben  Lothringen  und  im  angrenzenden  Luxemburg  und  Frank- 
reich. Kommt  massenhaft  in  dem  Eisenerze  vor.  Nach  Hebebt 
(Bull.  Soc.  gäol.  France,  IL,  Bd.  12,  S.  84  u.  Bd.  13,  S.  217) 
würde  diese  Form  bei  Nancy  und  Namur,  sowie  am  west- 
lichen Ufer  des  nördlichen  französischen  Meeresbeckens  im  Dep. 
der  Sarthe  auftreten.  Bei  Nancy  liegt  sie  sicher  im  selben  Niveau 
wie  in  Lothringen.  (Fabbs,  Bulletin  de  la  Society  g^ologique 
de  la  France,  II.,  Bd.  26,  S.  353).  Ob  auch  im  Departement 


110 

der  Sarthe   ist   aus  Hebebt's  Mittheiiung  nicht  klar  zu  ent- 
nehmen. 

Chryphcea  sübiobata  Dish.  sp« 

1830.  Ostrea  tubiobata  Desh.  EncycL  m6th.,  II,  S.  306. 
1845.      »      eymbium  Buckh.  Muhghison.  Geol.  of  Ghetenh.i  Taf.  7,  Fig.  3. 
1849.      »      PhcBdra  d'Orb.  Prodrome,  I,  S.  285. 

1853.      »  n      d'Orb.  Ghap.  u.  Dewal.  Terr.  sec.  Luxemb.,  Taf.  25,  Fig.  1 

?  1855.      »      dilatata  (Sow.)  Terqubii.  Pal.  de  la  Hoselle,  S.  26. 

Die  in  Lothringen  auftretende  Form  weicht  von  der  Abbil- 
dung MüBGHisoNS  dadurch  ab,  dass  die  Schaale  etwas  breiter 
und  gerundeter  ist.  Von  der  Zeichnung  bei  Chapuis  und  De- 
WALQüE  unterscheidet  sie  sich  durch  eine  starke  Einbuchtung 
am  Ende  der  Gryphseen-Rinne.  Unsere  Or.  sublobata  steht  also 
in  der  Mitte  zwischen  den  beiden  Erwähnten,  doch  von  jeder 
nur  wenig  abweichend. 

Vorkommen:  Sehr  zahlreich  und  leitend  in  den  Seh.  m. 
Harp.  Sowerbyi.  Ars,  Jussy,  St.  Quentin,  Montvauxthal 
bei  Lessy,  Moyeuvre. 

Zu  der  von  Waagek  (Beneckb,  Beiträge  I,  S.  634)  auf- 
geführten reichen  Anzahl  von  Orten  ihres  Vorkommens  würden , 
ausser  obigen,  noch  die  Departements  du  Calvados  und  de 
l'Aube  hinzuzufügen  sein,  aus  denen  sie  Hebebt  erwähnt  (Bull. 
Soc.  g^ol.  France,  11,  Bd.  13,  S.  218),  und  Loz^re,  wo  sie 
Fabbe  als  überall  vorkommend*  angiebt.  (Bull.  Soc.  g^ol.  France,  II, 
Bd.  26,  S.  355.) 

Peoten. 

Pecten  lens  (Sow.  I)  Quenst. 
1858.  Pecten  lens  Qubnst.  Jura,  Taf.  44,  Fig.  12. 

Der  SowBBBY'sche  Pecten  Lens  (Min.  Conch. ,  Taf.  205, 
Fig.  2  u.  3)  ist  eben  so  hoch  wie  lang;  bei  der  QuEKSTEDT'schen 
Form  aber  ist  die  Höhendimension  etwas  grösser.  Dies  letztere 


111 

Verhältniss  zeigt  sich  bei  manchen  meiner  Exemplare,  andere 
aber  besitzen  den  Umriss  der  SowEBBY'schen  Form. 

Vorkommen:  Von  den  Schichten  mit  Trig.  navis  an  bis 
in  die  des  Harp.  Sowerhyi;  überall  selten  bis  auf  die  Unter- 
region der  Schichten  mit  Harp.  Murchisonte.  Ars,  St.  Quentin, 
Esch,  Oettingen.  (Z.  Th.  im  Eisenerze.) 

Beeten  Latharingieua  n,  sp. 

T»f.  Vni,  Fig.  9. 

Beide  Klappen  sind  gleichmässig  gewölbt  und  fast  so  breit 
wie  hoch;  jede  trägt  22  ziemlich  hohe  und  auf  ihrem  Rücken 
etwas  scharfe  Rippen.  Die  Anwachsstreifen  sind  in  den  Furchen 
zwischen  den  Rippen  sehr  schwach;  auf  dem  Rücken  derselben 
bringen  sie  eine  leichte  Eömelung  hervor.  Nur  die  vordersten 
und  hintersten  Rippen  werden  durch  diese  Anwachsstreifen 
schuppig.  Die  Ohren  zeigen  die  Streifung  ganz  fein.  Diese  Form 
steht  dem  Fecien  suhtextorius  Wis.  (Gldp.,  Taf.  110,  Fig.  11) 
nahe,  unterscheidet  sich  aber  von  ihm  durch  völlig  gleich- 
massige,  weniger  dicht  stehende  und  weniger  schuppige  Rippen. 

Vorkommmen:  Sehr  selten.  Unterregion  der  Seh.  m.  Trig. 
navis.  St.  Quentin. 

Lima. 

Lima  Schitnperi  n,  sp. 

Taf.  VI,  Flg.  4. 

Die  Hinterseite  ist  beinahe  halbkreisförmig  gebogen  und 
geht  allmählich  in  den  sanft  gebogenen  Unterrand  über;  der  gerade 
Vorderrand  ist  auffallend  lang  und  bedingt  die  Schiefheit  des 
Umrisses,  welcher  die  Art  kennzeichnet.  Ganz  flache,  dicht  stehende 
Rippen,  gegen  den  Vorder-  und  Hinterrand  schmaler,  in  der 
Mitte  breiter,  bedecken  die  Schaale.  Sie  werden  durch  flache, 
weit  schmalere,  wie  mit  dem  Messer  eingeritzte  Furchen  getrennt, 


112 

in  deren  Grunde  auf  der  oberen  Hälfte  feine  Punkte,  auf  der 
unteren,  wo  sie  sich  etwas  verbreitern,  feine  Anwachsstreifen 
stehen.  Letztere  zeigen  sich  auch  auf  dem  unteren  Ende  der 
Rippen.  Eine  linke  Klappe,  welche  ich  keiner  anderen  Art 
zuschreiben  möchte,  besitzt  auf  dem  mittleren  Schaalentheile 
abwechselnd  breitere  und  schmalere  Rippen,  was  auf  der  Ab- 
bildung (Fig.  4  a)  nur  undeutlich  zu  erkennen  ist. 

Die  Ohren  bilden  einen  Winkel  von  135°;  das  vordere  ist 
wenig  kleiner  als  das  hiiftere.  Das  grosse  Höfchen  ist  fast  ganz  glatt. 

Lima  semicirctUarts  Mün.  (in  Golbf.,  Taf.  101,  Fig.  6) 
steht  dieser  Art  am  nächsten ;  ihre  Furchen  sind  aber  am  Unter- 
rande eben  so  breit  als  die  Rippen  und  ihr  Höfchen  ist  mit 
concentrischen  Anwachsstreifen  versehen.  Auch  die  beträchtliche 
Schiefe  der  lothringischen  Form  dient  als  Unterscheidungsmerkmal. 

Vorkommen :  Ziemlich  häufig  in  den  Schichten  mit  Harp. 
Sowerhyi.  St.  Quentin  bei  Metz. 

Litnu  duplicata  Sow.  sp. 

Taf.  VI,  Flg.  6. 

1827.  Plagiostoma  duplicata  Sow.  Min.  Gonch.,  Taf.  559,  Fig.  3. 

1852.  Lima  »  »      sp.  Morr.  a.  Lyc.  Great.  GoL,  ü,  Taf.  3,  Fig.  6. 

Diese  weit  verbreitete  Art  ist  in  England  im  Combrash 
häufig.  Doch  kommen  identische  oder  doch  sehr  nahestehende 
Formen  bereits  in  tieferen  Schichten  nicht  selten  vor.  Die 
Schaale  der  lothringischen  Exemplare  zeigt  scharfe  Hauptrippen 
und  auf  dem  Grunde  der  Furchen  je  eine  feine  Nebenrippe, 
welche  leicht  gekörnelt  ist.  Der  Steinkern  dagegen  besitzt  nur 
die  Hauptrippen  und  zwar  ist  deren  Rücken  hier  gerundet.  Der 
Umriss  ist  bald  etwas  breiter,  bald  etwas  schmäler.  Ich  konnte 
keine  wesentlichen  Unterschiede  aufiSnden,  welche  die  Abtren- 
nung dieser  Formen  aus  tieferen  Schichten  von  deijenigen 
Sowebby's  rechtfertigen  würden. 


113 

Vorkommen:  Unterreg.  d.  Seh.  m.  Harp.  MurchisontB. 
Esch«  Ziemlich  selten.  (Eisenerz.) 

Lima  Lesabergi  n.  gp. 
TAf.  yn,  Fi«,  s. 

Diese  grosse  Art  erreicht  eine  Höhe  von  150  Millim.  and 
wird  im  Alter  verhältnissmässig  schmäler  als  in  der  Jugend. 
Hinter-  und  Vorderrand  sind  lang  und  verlaufen  beinahe  geradlinig 
nach  dem ,  einen  Kreisbogen  darstellenden  Unterrande. 

Die  Schaale  ist,  besonders  auf  ihrer  unteren  Hälfte,  mit 
groben,  concentrischen  Runzeln  bedeckt  Gerundete,  wenig  hohe, 
etwas  unregelmässig  hin  und  her  gebogene  Rippen  laufen  radial 
vom  Wirbel  aus,  doch  so,  dass  die  dem  letzteren  zunächst 
gelegene  und  oft  auch  die  mittlere  Schaalenparthie  glatt  bleiben. 
Nahe  am  Unterrande  verwischen  sich  die  Rippen  wieder.  Die 
Lunula  ist  relativ  klein,  flach  und  ebenso  wie  das  vordere  Ohr 
mit  dicht  stehenden,  wulstigen  Anwachsstreifen  bedeckt;  das 
hintere  Ohr  ist  fast  glatt  und  bildet  mit  dem  anderen  einen 
Winkel  von  120^  Beide  Ohren  sind  etwa  von  gleicher  Grösse. 

Ich  erlaube  mir  diese  Art  Herrn  Hauptmann  LssssEBa  in 
Esch  zu  widmen. 

Vorkommen:  Häufig  und  sehr  bezeichnend  für  die  Unter- 
region der  Seh.  mit  Harp.  Murchisona  bei  Esch  und  südlich 
bis  gegen  Oettingen.  (Eisenerz.) 

Avioola. 

Avicuia  Münsteri  Bboitn. 

1836.  Avicuia  Müntteri  Bronn,  ia  Golof.  Taf.  118,  Fig.  2. 

Schon  QüBNBTBDT  hat  wiederholt  darauf  aufinerksam  gemacht, 
dass  sehr  ähnliche  Formen  von  Avicuia  aus  dem  unteren  Lias 
bis  hinauf  in  die  Basis  des  Malm  gehen.  Aus  den  Eelloway- 

U.  8 


114 

Schichten  beschrieb  Sowjuilbt  seine  Av.  in€equwaM8^  während 
man  in  Deatschland  nach  GoiiDfubs  mit  diesem  Namen  eine 
Form  des  unteren  und  mittleren  Lias  bezeichnet,  welcher  streng 
genommen  der  B'OBBiaKT'sche,  wenig  geläufige,  Name  Av.  Sine- 
muriensis  zukonunen  würde.  Avicula  Münsteri  benannte  Bbokn 
die  häufige  Art  des  Dogger,  die  von  den  Schichten  mit  Lyt. 
torulosum  an  bis  hinauf  in  das  Bathonien  geht.  Mit  dieser 
Letzteren  sind  unsere  lothringischen  Formen  zunächst  zu  yer- 
gleichen.  Ich  wüsste  keine  wesentlichen  Unterschiede  anzugeben 
und  lasse  es  daher  bei  dem  Namen  Av.  Münsteri  bewenden,  um 
so  mehr  als  mein  Material  mangelhaft  ist. 

Vorkommen:  Selten  i.  d.  Seh.  m.  IVig.  navis  und farp. 
Sowerbyi,  St.  Quentin,  Ars,  Hayingen,  Yillerupt  (Z.  Th. 
im  Eisenerze.) 

Inooeramus. 

Inoceratnua  Boßhü  n,  gp« 

T»f.  VI,  Flg.  6. 

Die  Wirbel  sind  stark  eingerollt;  der  linke  überragt  den 
rechten  ein  wenig.  Das  Ohr  der  Vorderseite,  weiche  einen 
Byssus-Ausschnitt  besitzt,  ist  ganz  klein.  Die  Schaale  bedecken 
concentrische,  dicht  stehende,  regelmässige  und  feine  Anwachs- 
streifen. 

Die  starkbauchige  Gestalt  unterscheidet  unseren  Inoceramus 
von  den  bekannten  Formen  des  deutschen  oberen  Lias  und 
unteren  Dogger.  Am  ehesten  besteht  noch  Verwandtschaft  mit 
In.  substriaius  Gldp.  (Taf.  109,  Fig.  2  und  Tat  115,  Fig.  1) 
aus  dem  mittleren  Lias,  welcher  jedoch  keine  so  regelmässige 
Streifung  besitzt. 

Ich  erlaube  mir  die  Art  nach  Herrn  Mojor  ton  Rgsjol  in 
Metz  zii  benennen. 


115 

Vorkommen:  Oberreg.  d.  Seh.  m.  Harp.  Murchisonts. 
Yillerupt,  Lessy  bei  Metz.  Selten. 

Modiolsu 

ModMa  9e€aata  WAie. 

1867.  MbiMa  seaiaia  Waaq.  In  Benecke.  Beitr.  I,  Taf.  29,  Fig,  4  a,  b. 

Die  treppenförmigen  Runzeln,  welche  die  Art  leicht  kennt- 
lich machen  und  der  Umriss,  80  weit  derselbe  erhalten  ist, 
sprechen  für  die  Identität  mit  dieser  seltenen  Art.  Mein  einziges 
Exemplar  ist  jedoch  etwas  aufgeblähter  als  die  citirte  Abbildung 

zeigt 

Vorkommen:  Schichten  mit  Harp.  Sotoerhyt.  Ars.  Sehr 
selten. 

Trigonia. 

Trigimia  Zitteli  n.  sp. 

TAf.  Vni,  Fig.  1. 

Gerundet,  dreieckig,  schwach  nach  hinten  ausgezogen, 
wenig  dick,  der  schwach  rückwärts  eingebogene  Wirbel  beinahe 
ganz  nach  vorn  gerückt.  Vorderrand  leicht  gerundet,  ganz  all- 
mählich in  den  Unterrand  verlaufend,  welcher  in  ebenmässig 
elliptischem  Bogen  bis  zum  unteren  Ende  der  Badialkante  ver- 
läuft ^  Uebergang  zwischen  Unter-  und  Hinter-Band  gerundet. 
Badialkante  nur  in  ihrem  obersten  Ende  scharf  und  mit  fast 
unmerklichen  Körnern  besetzt,  nach  unten  immer  flacher  werdend. 
Vorn  fallt  die  Schaale  steil  ab,  doch  ohne  dass,  wie  bei  Trig. 


1.  Radialwulst  oder,  Je  nach  der  Beschaffenheit,  Radialkante  nenne  ich 
nach  QuBNSTEDT  die  Tom  Wirbel  schrSig  nach  hinten  ~  unten  yerlaufende  Er- 
höhung, welche  das  Arealfeld  nach  yorn  begrenzt. 


116 

fuwiSf  eine  scharfe  Kante  zwischen  dem  Seitentheil  der  Schaale 
und  dem  Vordertheil  entsteht.  Das  Arealfeld  stosst  nahe  dem 
Wirbel  unter  rechtem  Winkel  an  die  Seitenfläche,  nach  unten 
legt  es  sich  yiel  flacher  an  dieselbe  an. 

Sehr  bezeichnend  ist  die  Oberflichenskulptnr  der  Schaale. 
Die  Yordere  HUfte  der  Seite  nehmen  dicht  gedr&ngte,  nicht 
hohe ,  concentrische ,  dem  Unterrande  parallel  verlaufende  Bippen 
ein,  welche  bis  an  den  Yorderrand  reichen.  Sie  sind  von  gleicher 
Dicke  und  ununterbrochen ,  denn  die  auf  der  Abbildung  bemerk- 
bare Unterbrechung  derselben  (in  der  Mitte  etwa)  därfte  in 
dem  Erhaltungszustande  des  Originales  ihren  Grund  haben. 
Dasselbe  besitzt  etwa  32  solcher  Rippen.  Ein  zweites  System 
von  Streifen  bedeckt  die  hintere  Hälfte  der  Seite  und  geht  bis 
an  den  Badialwulst  heran.  Es  besteht  aus  höheren,  weniger 
zahlreichen  (16)  Bippen,  deren  jede,  mehr  oder  weniger  knotig, 
nach  unten  allmählich  an  Grösse  zunimmt,  so  dass  sie  keulen- 
förmige Erhöhungen  darstellen.  Nahe  am  Wirbel  stossen  sie 
unter  60 — 70^  an  die  Arealkante;  nach  unten  zu  wird  der 
Winkel  immer  spitzer.  Eigenthümlich  gestaltet  sich  die  Orna- 
mentik auf  der  Mitte  der  Schaale  an  der  Berührung  der  beiden 
oben  geschilderten  Systeme.  Die  vorn  gelegenen  Bippen  lösen 
sich  nämlich  an  ihrem  hinteren  Ende  in  einzelne  Knoten  auf, 
die  zum  Theil  die  von  den  Ersteren  eingehaltene  Richtung  ver- 
lassen. Mit  zunehmendem  Alter  wächst  auch  die  Ausdehnung 
dieser  mit  Knoten  bedeckten  Schaalenparthie.  Nur  die  unterste, 
dem  Schaalenrande  zunächst  parallel  verlaufende  concentrische 
Rippe  läuft  im  Zusammenhang  bis  an  die  erste,  den  Unterrand 
erreichende  des  hinteren  Systemes.  Das  Arealfeld  wird  durch 
eine  Badialfürche  in  eine  hintere,  schmalere  und  eine  vordere, 
breitere  Hälfte  getheilt  und  wird  am  Wirbel  von  feinen,  regel* 
massigen  Querrippen  überzogen,  an  deren  Stelle  weiter  nach 
unten  schwach  sichtbare  Anwachsstreifen  treten. 


117 

Ich  schliesse  hier  provisorisch  das  unter  Figur  Ib  abge- 
bildete £zemplar  an,  welches  wegen  unvollständiger  Erhaltung 
keine  genaue  Yergleichung  mit  jenem  ersteren  zulässt,  aber 
wohl  einer  anderen  Art  zugehören  durfte.  Das  vordere  Rippen- 
qrstem  ist  hier  gänzlich  verschwunden  und  seine  Stelle  durch 
längliche  und  runde  Knoten  eingenommen,  welchen  keine  überein- 
stimmende Richtung  zukommt. 

3Hg.  Zitteli  besitzt  unter  den  engUschen  Trigonien  mehrere 
Verwandte.  Von  Trig.  tripartita  (Ltcett,  British,  foss.  Trig., 
S.  47,  Tai.  12,  Fig.  7,  1874)  aus  dem  Cornbrash  ist  sie  durch 
den  fast  geraden,  wenig  ausgebauchten  Vorderrand  hinreichend 
geschieden.  Von  lüg,  V  cosiata  Lyoett  (Ann.  a.  Mag.  nat. 
bist.,  Vol.  12,  Taf.  9,  Fig.  7,  S.  254,  1853)  weicht  sie  durch 
den  mehr  nach  vorn  gerückten  Wirbel,  den  weniger  gekörnelten 
Badialwulst ,  die  weit  zahlreicheren  Bippen  des  vorderen  Systemes 
und  die  Auflösung  derselben  an  ihrem  hinteren  Ende  in  Knoten 
ab.  Die  letztere  englische  Spezies  liegt. in  der  mittleren  und 
oberen  Abtheilung  des  Unteroolithes  von  Cheltenham. 

Vorkommen:  Ziemlich  häufig  in  der  Unterregion  d. 
Seh.  m.  UVig.  navis.  St.  Qu  entin  bei  Metz.  Das  Original  zu 
Fig.    1   b  stammt    aus    der    Oberregion    dieser  Schichten  von 

Hayingen. 

Trigania  ef.  Leekenbyi  Ltg. 

TäT,  vm,  vig.  8. 

1874.  THgonia  Leekenbyi  Lyc.  Monogr.  brit.  foss.  Trig.,  S.  71,  Taf.  16,  Flg.  1  u.  2. 

Länglich  dreieckig,  stark  nach  hinten  verlängert,  der 
schwach  rückwärts  eingebogene  Wirbel  ziemlich  weit  nach  vorn 
stehend.  Vorderrand  massig  gebogen ,  allmählich  in  den  elliptischen 
Unterrand  verlaufend.  Radialwulst  gerundet,  ohne  Verzierung, 
nach  unten  immer  flacher  werdend.  Vorn  biegt  die  Schaale  sich 
rechtwinklig  um,  doch  ohne  dass  zwischen  dem  Seiten-  und 
dem  vorderen  Theile  derselben  eine  scharfe  Kante  entsteht,  wie 


118 

dies  bei  IVig.  navis  der  Fall  ist  Das  Arealfeld  bildet  mit  der 
Seite  der  Schaale  in  der  Nähe  des  Wirbels  einen  rechten, 
weiter  nach  unten  einen  stumpfen  Winkel.  Die  Skulptur  zeigt 
zwei  verschiedene  Systeme  von  Bippen.  Ueber  die  vordere 
Schaalenhälfte  laufen  mit  dem  Unterrande  einen  Winkel  bildende 
Kippen,  welche  bis  an  den  Vorderrand  reichen.  Sie  sind  von 
gleicher  Dicke,  sehr  undeutlich  geknotet  und  massig  hoch;  das 
abgebildete  Exemplar  besitzt  deren  etwa  17.  Die  hintere  Hälfte 
der  Schaale  ist  mit  Rippen  von  anderer  Beschaffenheit  geziert. 
Diese,  etwas  geringer  an  Zahl  (etwa  14),  ziehen  von  dem 
Radial wulst  schräg  nach  vom  und  unten  hinab;  die  näher  am 
Wirbel  stehenden  bilden  einen  stumpferen,  die  unteren  einen 
spitzeren  Winkel  mit  dem  Wulst.  Alle  schwellen  an  ihrem  unteren 
Ende  an,  wodurch  sie  ein  keulenförmiges  Aussehen  erhalten; 
auch  sind  sie  mit  etwas  deutlicheren  Knoten  besetzt,  wie  die 
Rippen  des  ersten  Systemes.  Quer  über  das  Arealfeld  verlaufen 
schwach  sichtbare  Anwachsstreifen;  dasselbe  zeigt  sonst  keine 
Skulptur. 

Vorliegende  Form  schliesst  sich  an  diejenige  Varietät  der 
IVig.  Leckmhyi  an,  welche  von  Lycbtt  unter  Figur  2  abge- 
bildet ist  und  aus  dem  Supra-Lyassic  Sandstone  herrährt. 
Doch  hat  die  lothringische  Varietät  einen  etwas  weniger  gebogenen 
Vorderrand  und  der  vordere  Theil  ihrer  Rippen  verläuft  ganz 
gerade.  Von  Trig.  ZitteU  n.  sp.  (S.  115,  Taf.  8,  Fig.  1)  ist  sie 
durch  grössere  Länge  und  durch  entfernter  stehende  und  nicht 
parallel  dem  Unterrande  verlaufende  Rippen  des  vorderen 
Systemes  geschieden.  Ich  kenne  zwischen  ihr  und  Trig.  ZitteU 
keine  verbindenden  Formen. 

Vorkommen:  Selten  in  der  Oberregion  der  Schichten  mit 
Trig.  navis.  Hayingen.  (Eisenerz.) 


119 


Trigania  anguUxta  Ltc. 

Taf.  VIII,  Flg.  S. 

1874.  Trigonia  angulata  Lyg.  Monogr.  brit.  foss.  Trig.,  1874,  S.  54,  Taf.  14,  Flg.  6. 

Weit  nach  hinten  verlängert ,  dick,  der  stark  übergebogene 
Wirbel  im  vorderen  Drittel  der  Länge  stehend.  Yorderrand 
kr^g  vorgezogen ,  allmählich  in  den  geschwungenen  Unterrand 
übergehend,  welcher  mit  dem  Hinterrande  unter  einem  spitzen 
Winkel  zusammenstösst.  Radialwulst  schmal  und  unverziert.  Die 
Seite  der  Schaale  f&Ut  nicht,  wie  bei  den  zwei  vorigen  Arten, 
vorn  steil  ab,  sondern  biegt  sich  sanft  nach  vom  um.  Das 
Arealfeld  bildet  mit  der  Seitenfläche  einen  rechten  Winkel.  Die 
kaum  gekörnelten  Rippen,  welche  bis  an  den  Yorderrand  gehen, 
verlaufen  in  der  Nähe  des  Wirbels  concentrisch.  Später  wird 
aus  der  kreisförmigen  Biegung  eine  winklige,  indem  die  Rippen 
vom  Radialwulst  anfangs  hinab  gegen  den  Unterrand  ziehen  und 
sich  dann  plötzlich  nach  vorn  und  oben  wenden.  Das  mangel- 
haft erhaltene  Arealfeld  zeigt  keine  weitere  Skulptur  als  die 
Andeutung  einer  Radialfurche. 

Das  abgebildete  Exemplar  ist  kleiner  und  hat,  bei  ent- 
sprechender Grösse,  schärfer  gebogene  Rippen  als  die  oben 
citirte  Trig.  angulata  aus  dem  Unteroolith  Englands,  von  der 
ich  unser  Yorkommen  nicht  trennen  möchte. 

Yorkommen:  Sehr  selten.  Unterregion  der  Schichten  mit 
Harp.  MwchisontB.  La  Sauvage  bei  Longwy.  (Eisenerz.) 

TrigwfUa  prmeoaUita  n.  sp. 

Taf.  VIII,  Fig,  4. 

Dreieckig,  kurz,  wenig  dick,  der  kaum  rückwärts  ein- 
gebogene Wirbel  beinahe  in  der  Mitte  stehend.  Yorderrand 
wenig  gebogen,  schräg  nach  vorn  ziehend  und  in  kurzer  Biegung 
in  den  fast  geraden  Unterrand  übergehend.  Dieser  stösst  unter 


120 

rechtem  Winkel  mit  dem  wenig  gebogenen  Hintemnde  zusammen, 
wodurch  die  Schaale  eine  hinten  abgestutzte  Form  erhält.  Badial- 
wulst  oben  scharf  und  schmal,  unten  breit  und  stumpf,  durch 
querüber  laufende,  flache  Furchen  abgetheilt  (was  auf  der  Ab- 
bildung Fig.  4  und  4  &  zu  stark  markirt  wurde).  Die  Seite  der 
Schaale  biegt  sich  allmählich  nach  dem  Vorderrande  um.  Das 
Arealfeld  bildet  nur  ganz  nahe  dem  Wirbel  etwa  90*  mit  der 
Schaalenfläche,  weiter  nach  unten  stosst  es  mit  ihr  unter  einem 
stumpfem  Winkel  zusammen. 

Die  Skulptur  ist  die  ein&che  der  costaten  Trigonien.  Sie 
besteht  aus  zahlreichen,  auf  dem  Bücken,  flachen,  concentrischen 
Bippen,  weiche  dem  Unterrande  parallel  laufen.  Sie  sind  breiter 
als  die  zwischen  ihnen  befindlichen  Furchen.  Das  Arealfeld  wird 
durch  eine  Badialfurche  in  zwei  gleich  grosse  Längshälften 
getheilt;  auf  der  hinteren  befinden  sich  3  schwache,  wenig 
Eörnelung  zeigende  Badialrippen,  auf  der  vorderen  nur  eine 
etwas  stärkere.  Die  Badialfurche  wird  in  ihrem  oberen  Theile 
Yon  2  Kielen  eingefasst,  welche  sich  im  unteren  bald  yerflachen 
und  undeutlich  werden.  Hinten  wird  das  Arealfeld  von  einer 
Badialrippe  begrenzt,  welche  mit  perlschnurartig  aneinander 
gereihten  Eömem  besetzt  ist.  Quer  über  dasselbe  verlaufen  kaum 
sichtbare  Anwachsstreifen. 

Die  Art  ist  von  den  ihr  nahestehenden  Trig.  cosiaia^ 
cosUMata  und  simiUs  durch  die  Zeichnung  des  Arealfeldes  und 
die  dichter  stehenden  Bippen  unterschieden.  Trig.  hemüj^umca 
Lyc.  (Cotteswold  Hills,  Taf.  4,  Fig.  4,  und  Ann.  and  Magaz. 
nat  bist,  Sept.  1853,  S.  252,  Taf.  9,  Fig.  2)  zeichnet  sich 
zwar  durch  dieselbe  gedrängte  Berippung  aus,  ist  aber  sehr 
aufgeblasen,  während  die  lothringer  Form  flach  ist.  IVig.  tenui- 
iexia  (Lycett,  British  fossil  Trigonin,  Taf.  20,  Fig.  1,  S.  90, 
1875)  aus  dem  Portland  hingegen  hat  noch  zahlreichere  Bippen 
und  ist  durch  grössere  Feinheit  charakterisirt. 


121 

Vorkommen:  Sehr  selten  in  der  Unterregion  der  Seh.  m. 
Harp.  MurchisofUB.  Thal  von  Wolmeringen-Molvingen. 
(Eisenerz.) 

Trigania  eaBiaUOa  Ltc. 

Taf.  yni,  Flg.  5,  a. 

1853.  Trigonia  costatula  Lyg.  Ann.  a.  mag.  nat.  histVol.  12,  Taf.  11,  Fig.  77, 1853. 

Dreieckig,  hinten  abgestutzt,  kurz,  flach,  der  schwach  rück- 
wärts eingebogene  Wirbel  in  der  Yorderen  Hälfte  stehend.  Yorder- 
rand  massig  gebogen,  allmählich  (nicht  im  Winkel,  wie  auf  Fig.  6 
scheinbar  der  Fall)  in  den  fast  geraden  Unterrand  übergehend. 
An  diesen  stosst  unter  stumpfem  Winkel  der  Hinterrand.  Badial- 
kante  deutlich  mit  perlschnurartig  aneinander  gereihten  Eömem 
besetzt  und  durch  eine  vom  Wirbel  nach  unten  sich  immer 
mehr  yerbreiternde  Furche  von  dem  berippten  Theile  der  Schaale 
getrennt.  Das  breite  Arealfeld  legt  sich  während  seines  ganzen 
Verlaufes  ziemlich  flach  gegen  die  Seite  der  Schaale  und  diese 
fällt  Yorn  ebenfalls  nur  wenig  zu  dem  Yorderrande  ab. 

Die  Ornamentik  besteht  aus  concentrischen ,  fast  horizon- 
talen, dem  Unterrande  parallelen  Bippen,  welche  schmal  und 
relativ  hoch  sind,  und  sich  in  ihrem  hinteren  Theile  mit  zuneh- 
mendem Alter  immer  mehr  in  langgezogene  Knoten  auflösen. 
Die  Furchen  übertreffen  die  Bippen  an  Breite.  Das  Arealfeld 
ist  durch  eine  radiale  Enotenreihe  in  zwei  gleiche  Längshälften 
getheilt  und  wird  hinten  durch  eine  ebensolche  begränzt  Quer 
über  dasselbe  ziehen  deutliche,  zahlreiche,  feine  Bippen. 

Als  hierher  gehörige  Yarietät  möchte  ich  die  unter  Figur  6 
abgebildete  kleine  Form  betrachten,  welche  sich  nur  durch  die 
grössere  Feinheit  und  grössere  Anzahl  der  Bippen  (12)  unter- 
scheidet. Auf  ihrem  Arealfelde  ist  nur  die  radiale  Furche  bemerkbar, 
was  jedoch  im  Jugendstadium  der  typischen  Form  ebenfalls  statt- 
findet (wenigstens  zeigt  das  lothringische  Original  zu  Figur  5 
eine  solche  Furche  nahe  dem  Wirbel).   Es  besteht  zwar  viele 


122 

Aehnlichkeit  mit  IHg.  dgUa  (Lyc,  Brii  fon.  Trig.,  1874, 
Tal  17,  Fig.  7,  S.  76)  ans  dem  Great-OcUte  in  Betreff  der 
Feinheit  aOer  Theile,  doch  besitzt  diese  bei  derselben  Grösse 
mehr  Rippen  und  deren  an  das  Arealfeld  grenzender  Theil  löst 
sich  anch  nicht  in  Knoten  anf. 

Die  in  En^and  in  der  Oberregion  der  mittleren  Abtheilang 
des  Unteroolithes  liegende  IHg.  eosioMa  Lyc.  unterscheidet  sich 
Yon  der  Yorliegenden  Form  nur  durch  ein  etwas  breiteres  Areal- 
feld ,  einen  mehr  in  der  Mitte  liegenden  Wirbel  und  einen  etwas 
stirker  gebogenen  Unterrand,  in  Folge  dessen  die  dem  Letzteren 
parallelen  Bippen  ebenfalls  mehr  geschwungen  sind.  Die  Unter- 
schiede durften  zu  geringe  sein,  um  eine  neue  Art  darauf  zu 
bc^prfinden. 

Vorkommen:  Sehr  selten.  Seh.  m.  Harp.  Murchtsonm. 
SL  Quentin  bei  Metz. 

Trigowia  navia  Las. 

Taf.  ym,  Fiff.  7. 

Trig.  navis  ist  in  Lothringen  eine  seltene  Erscheinung. 
Die  wenigen  Exemplare,  welche  ich  in  den  nach  ihr  benannten 
Schichten  fand,  besitzen  in  Knoten  aufgelöste  Bippen,  wie  dies 
in  der  Begel  bei  dieser  Art  der  Fall  ist 

Das  abgebildete  Exemplar  wurde  Yon  Herrn  Professor 
Bbheckb  in  der  Höhe  der  Schichten  mit  Harp.  S<noerhyi  am 
St.  Quentin  bei  Metz  gefunden.  Der  Hinterrand  und  das  Areal- 
feld desselben  sind  schlecht  erhalten;  die  Berippung  weicht  von 
der  typischen  Trig.  navis  nur  dadurch  ab,  dass  die  Bippen  nicht 
so  TOllständig  in  Knoten  aufgelöst  sind  und  dass  dort,  wo  der 
Unterrand  in  den  Yorderrand  übergeht,  drei  kleine  Knoten- 
reihen schräg  nach  oben  ziehen.  Beides  aber  findet  man  auch 
zuweilen  bei  Trig,  navis  aus  der  Gundershofener  Klamm  und 
die  sehr  grosse  Wahrscheinlichkeit  spricht  dafär,  dass  das  ab- 


123 

gebildete  Exemplar  sich  dort,  wo  es  gefunden  wurde,  auf 
sekundärer  Lagerstätte  befand.  Ich  habe  es  überhaupt  nur  ab- 
bflden  lassen  um  die  Möglichkeit  des  Vergleiches  zu  geben, 
falls  sich  doch  noch  in  den  Schichten  mit  Harp.  Sowerhyi  mehr 
solcher  Formen  finden  sollten. 

Vorkommen:  k^Kkie  Trig.navis  erhielt  ich  von  Hayingen 
(Eisenerz)  und  von  dem  Signalberge  aus  den  nach  ihr  be- 
nannten Schichten. 

Trigonia  OddfuaH  Aciass. 

Taf.  Vin,  Fig.  8. 

1840.  Trigonia  Gol^utsi  Agass.  Stades  critiques,  S.  24. 

1834.  Lyriodon  HHeratum  Goldf.  (non  Phill.),  S.  200,  Taf.  136,  Fig.  5  a— b  (uon 
5  c,  d,  e). 

Quer  trapezoidal,  stark  nach  hinten  ausgezogen,  massig 
dick,  der  schwach  rückwärts  gebogene  Wirbel  ganz  nach  Yorn 
gerückt.  Vorderrand  fast  gerade,  kurz,  in  grossem  Bogen  in  den 
langen,  elliptischen  Unterrand  übergehend,  an  welchen  der 
Hinterrand  sich  im  Winkel  ansetzt,  Radialwulst  sehr  flach,  mit 
zahlreichen  Knoten  besetzt,  welche  in  der  Nähe  des  Wirbels 
gerundet ,  weiter  nach  unten  etwas  langgezogen  (in  der  Richtung 
der  das  Arealfeld  bedeckenden  Anwachsstreifen)  sind.  Vorn  biegt 
sich  die  Schaale  allmählich  zum  Vorderrande  um.  Das  massig 
breite  Arealfeld  legt  sich  unter  einem  sehr  stumpfen  Winkel  an 
die  Seitenfläche  an.  Die  Skulptur  besteht  nahe  dem  Wirbel  aus 
concentrischen,  mit  Körnern  besetzten  Rippen.  Weiter  nach 
unten  beginnen  die  Rippen  sich  in  einzelne  Knoten  aufzulösen 
und  zwar  hat  der  an  dem  Wulst  stehende  eine  lang  keulen- 
förmige Gestalt.  Die  auf  der  Mitte  der  Seitenfläche  stehenden 
bilden  eine  unregehnässig  gebrochene  Linie  und  endigen  gegen 
den  Unterrand  hin  wieder  in  einer  scharfen  Rippe.  Das  Areal- 
feld ist  durch  eine  sehr  wenig  markirte  Radialfurche  in  zwei 
Längshälften   getheilt   und  wird  von  queren,  feinen  An  wachs- 


124 

Streifen  überzogen,  die  nahe  dem  Wirbel  als  kleine  Querrippchen 
ausgebildet  sind. 

Das  abgebildete  Exemplar  nimmt  eine  yerbindende  Stel- 
lung zwischen  IVig.  Qoldfussi  Ag.  und  IVig.  irigana  Waagen 
ein.  Von  der  Ersteren  ist  es  durch  etwas  regelmässigere  Berippung 
und  ein  spitzeres  Hintertheil  geschieden,  was  aber  wohl  keinen 
spezifischen  Unterschied  bedingen  dürfte.  Von  Trig.  trigana 
Waag.  (Benegks,  Beiträge  I,  S.  620,  Taf.  29,  Fig.  3)  weicht 
sie  durch  ein  weniger  spitz  zulaufendes  Hintertheil,  regelmässiger 
concentrischen  Verlauf  des  in  Knoten  aufgelösten  Theiles  der 
Rippen  und  durch  einen  flacheren  Ansatz  des  Arealfeldes  an  die 
Seitenfläche  der  Schaale  ab. 

Vorkommen:  Selten  i.  d.  Seh.  m.  Harp,  Sowerbgi. 
Moyeuvre,  Hayingen. 

Isooardia. 

Jsoeardia  cf.  AcUenHs  Qüenst. 

Taf.  IX,  Fig.  1,  8. 

1858.  hocardia  Aaletuis  Quenst.  Jura,  S.  361,  Taf.  49,  Fig.  1  u.  2. 
1855.  Ceromya  sp.  Terqueu.  Observ.  s.  I.  Stades  criUques,  S.  77,  Taf.  4,  Fig.  1—4. 
1867.  hocardia  concentrica  (Sow.)  Quenst.  Handb.  d.  Petref.- Kunde,  2.  Aufl., 
S.  633,  Taf.  55,  Fig.  28  u.  29. 

Sehr  ungleichseitig ,  etwas  ungleich  klappig ,  stark  bauchig. 
Wirbel  der  rechten  Schaale  niedriger  als  deijenige  der  linken; 
beide  Wirbel  weit  nach  vorn  gerückt  und  stark  eingerollt.  Die 
Schaale  ist  mit  regelmässigen  concentrischen  Anwachsstreifen 
bedeckt  und  hat  eine  Dicke  von  2  7,  —  4%  Millim.  Der  weit 
vorgezogene  Vorderrand  geht  in  starker  Krümmung  in  den 
gebogenen  Unterrand  über.  Letzterer  aber  und  der  schräg  nach 
hinten  unten  laufende  Hinterrand  bilden  beim  Zusammenstossen 
einen  Winkel.  Der  Schlossrand  ist  sanft  gebogen.   Ueber  dem 


125 

vorderen  Muskel  liegt  eine  kurze,  rundliche  Verdickung  der 
Schaale  {x  auf  Fig.  1  d) ,  auf  dem  Steinkerne  eine  entsprechende 
Vertiefung  (x  auf  Fig.  2  a).  Vor  dem  hinteren  Muskel  zieht  sich 
eine  lange  Anschwellung  der  Schaale  (y  auf  Fig.  Id)  hinab, 
welche,  unter  dem  Wirbel  beginnend  und  stärker  werdend,  sich 
schräg  nach  hinten  unten  wendet.  Am  stärksten  ist  dieselbe  hart 
über  dem  Muskel,  wie  man  an  der  ihr  entsprechenden  Furche 
auf  dem  Steinkerne  sieht  (y  auf  Fig.  2  a). 

Schloss  der  rechten  Klappe  (Fig.  1  a — d):  unter  dem  Schloss- 
rande liegt  eine  Verdickung  der  Schaale,  welche  unter  dem 
Wirbel  beginnend  sich  nach  hinten  zieht  (v  auf  Fig.  1  ä).  Auf 
derselben  erhebt  sich  eine  lange  Leiste  (z  auf  Fig.  1  d)j  welche 
denselben  Verlauf  wie  die  Verdickung  der  Schaale  nimmt  ^.  Diese 
Leiste  wärde  auf  dem  Steinkeme  eine  Furche  erzeugen,  welche 
der  bekannten  Furche  der  rechten  Klappe  bei  Ceromya  und 
Gresslya  entspräche.  Vom  Wirbel  nach  vorn  geht  ein  gerundeter 
Vorsprung  (m  auf  Fig.  16,  c,  d). 

Das  Schloss  der  linken  Klappe  ist  einfacher  gebaut  als  das 
der  rechten.  Hinter  dem  Wirbel  liegt  ein  löffelartiger  Vorsprung 
(f  auf  Fig.  2  b,  o),  welcher  sich  beim  Aneinanderpassen  der 
beiden  Schaalen  genau  hinter  den  gerundeten  Vorsprung  der 
rechten  Klappe  (m  auf  Fig.  Ib,  c,  ä)  und  zugleich  auch  unter 
deren  Scblossrand  schiebt.  Die  obere  Fläche  des  Löffels  zeigt 
eine  geringe  Vertiefung,  aus  welcher  die  kleine  Furche  ihren 
Ursprung  nimmt,  die  sich  längs  des  Schlossrandes  nach  hinten 
zieht  {U  auf  Fig.  2  b). 

Nach  Tebqtjem  bildete  der  Mantel  dieser  Muschel  eine 
Bucht;  meine  Exemplare  lassen  nur  den  unteren  Band  des 
Mantels  erkennen,  der  auf  der  Schaale  einige  Falten  erzeugte, 
welche  auf  dem  Steinkeme  Abdrücke  hinterliessen  (g  auf  Fig.  2  a). 


1.  üeber  diese  Leiste  siehe  die  Anmerkung  auf  der  Erklärung  zu  Taf.  IX. 


126 

lieber  das  Ligament  lässt  sich  nach  den  mir  za  Gebote  stehenden 
Exemplaren  nichts  Sicheres  aussagen.  Dasselbe  mag  äosserlich 
gewesen  sein;  bei  dieser  Annahme  giebt  es  jedoch  für  den 
Zweck  der  Leiste  unter  dem  Schlossrande  der  rechten  Klappe 
{e  auf  Fig.  1  et)  keine  Erklärung;  denn  diese  Leiste  darf  man 
kaum  als  einen  zum  Schlüsse  der  Klappen  dienenden  Zahn 
ansehen,  da  ihr  keine  Furche  in  der  linken  Schaale  entspricht. 
Als  Zahn  würde  sie  zwecklos  sein;  nimmt  man  dagegen  an,  dass 
das  Ligament  innerlich  war,  so  könnte  man  dasselbe  in  die 
Lange  Orube  verlegen  (U  auf  Fig.  Id!),  welche  einerseits  durch 
die  erwähnte  Leiste,  andererseits  durch  den  Schlossrand  gebildet 
wird.  Dieser  Annahme  stellt  sich  jedoch  die  Schwierigkeit  ent- 
gegen, dass  das  Ligament  der  linken  Klappe  ein  äusserliches 
ist;  denn  dasselbe  dürfte  kaum  anderswo  als  in  dem  löffelartigen 
Vorsprunge  (f  auf  Fig.  2  &,  c)  und  in  der  von  ihm  aus  nach 
hinten  ziehenden  Furche  gelegen  haben  Qi  auf  Fig.  2  b).  Wir 
würden  dadurch  in  der  rechten  Klappe  ein  innerliches,  in  der 
linken  ein  äusserliches  Ligament  erhalten,  was  eine  sehr  auffal- 
lende Erscheinung  sein  würde.  Da  jedoch  die  linke  Klappe  unter 
den  Schlossrand  der  rechten  unterfasst,  würde  das  Ligament 
jedenfalls  von  aussen  nicht  sichtbar  sein. 

Die  vorliegende  Form  ist  deijenigen  nahe  verwandt,  welche 
QuBNSTEDT  als  Isocardia  Aalensis  aus  dem  unteren  Dogger  von 
Aalen  abbildet;  zwar  ist  in  der  Figur  im  Jura,  Tafel  49,  Figur  2, 
der  Raum  zwischen  der  Leiste  und  dem  unter  dem  Wirbel 
liegenden  Vorsprunge  (auf  der  rechten  Klappe)  sehr  viel  grösser, 
als,  bei  derselben  Stellung,  meine  Exemplare  es  zeigen  würden; 
allein  die  Abbildung  im  Handbuche  (2.  Aufl.,  Taf.  55,  Fig.  28, 
29)  stimmt  schon  besser  mit  der  lothringischen  Form. 

Mehr  Schwierigkeiten  bereitet  die  generische  Stellung. 
QuEKBTEDT  sicht  die  von  ihm  beschriebene  Art  als  eine  J^o- 
cardia  mit  verkümmerten  Zähnen  an,  und  hebt  hervor,  dass 


127 

sich  yerein&changen  der  Schlösser  häufig  beobachten  liessen. 
Gegen  die  Stellung  der  lothringischen  Form  zu  Isocardia  spricht 
entschieden  die  von  Tebquem  an  Exemplaren,  welche  identisch 
mit  den  meinen  sind,  beobachtete  Mantelbucht.  Dieser  Autor 
steUt  dieselben  zu  Gresslya,  mit  welchem  Genus  er  Ceromya 
vereinigt.  Allein  die  Definition  von  Ceromya^  welche  Aoabsiz 
(£tudes  critiques  s.  1.  moll.  foss.,  S.  25)  giebt,  passt  in  mehreren 
Punkten  nicht  auf  die  in  Bede  stehende  Art.  Nach  Agabsiz  hat 
Ceromya  eine  excentrische  Skulptur,  eine  sehr  dünne  Schaale 
und  unter  dem  Wirbel  mehrere  leichte  Kiele.  Von  letzteren 
ist  bei  unserer  Form  nichts  zu  sehen.  Die  Schaale  ist  stark 
(2  Vs — 4  Ys  Millim.)  und  die  Berippung  eine  concentrische.  Nach 
Qu£K8T£DT  würdc  allerdings  die  Dicke  der  Schaale  kein  unter- 
scheidendes Merkmal  bilden  können,  da  die  Württembergischen 
Exemplare  von  Isocardia  AaUnsis  bald  dick- ,  bald  dünnschaalig 
sind.  (Jura,  S.  360  und  361.) 

Es  entsteht  daher  die  Frage,  ob  hier  nicht  ein  neues 
Genus  vorliegt.  Bis  nicht  weitere  Erfunde  eine  in  jeder  Beziehung 
genaue  Diagnose  gestatten,  führe  ich  die  Art  unter  dem  von 
QuEKSTEBT  angewandten  Namen  Isocardia  auf. 

Vorkommen:  Oberregion  d.  Seh.  m.  Trig,  navis.  Esch, 
Kneuttingen.  (Eisenerz.)  Ziemlich  selten. 


Rhynohonella. 


BhynehaneUa  oUgacantha  n.  sp« 

Taf.  VI,  Flg.  7. 


Kleine  Spezies,  bald  flacher,  mit  spitzem  mehr  nach  oben 
gerichtetem  Schnabel  und  seitlichen  Kanten,  bald  etwas  auf- 
geblähter mit  niedergedrückterem  Schnabel  und  wenig  ausgepräg- 
ten Schnabelkanten.  Deltidium  über  dem  kleinen  Loche  schwach 


128 

entwickelt.  Umriss  gerundet,  dreiseitig,  der  Breitendurchmesser 
fast  dem  der  Höhe  gleichkommend  (9  und  10  Millim.).  Die 
grosse  Klappe  nicht  viel  grösser  als  die  kleine;  beide  mit 
ungefähr  je  13  Rippen  bedeckt,  welche  am  Wirbel  schwach 
beginnen,  sehr  bald  aber  scharfrflckig  und  rektiv  hoch  werden. 
Die  durchbohrte  Klappe  bildet  am  Stimrande  einen  Sinus,  auf 
welchem  sich  zwei  Bippen  befinden,  während  die  entsprechende 
Erhöhung  der  anderen  Schaale  drei  Rippen  trägt.  Das  Charak- 
teristische der  Art  besteht  in  der  geringen  Anzahl  durchbohrter 
Stacheln,  mit  welchen  sie  versehen  ist.  Auf  jeder  Rippe  sitzen 
deren  höchstens  drei,  bisweilen  nur  eine.  Da  die  Stellung  der 
Stacheln  auf  allen  Rippen  die  gleiche  ist,  so  entstehen  eine  bis 
drei  Reihen,  welche  über  die  Rippen  hinweglaufen. 

Diese  Form  gehört  zur  Gruppe  der  Bhfftich.  spinoaa^ 
deren  ältester  Repräsentant  sie  zu  sein  scheint;  besonders  nahe 
steht  ihr,  in  Betreff  der  groben  wenigen  Rippen,  der  weniger 
zaUreichen  Stacheln,  wie  der  Form  und  Grösse,  jene  Art,  welche 
QuEMSTEDT  (Petrefftcteuk.  Brachiop.,  Taf.  39,  Fig.  52,  S.  112 
und  Jura,  Taf.  58,  Fig.  25,  S.  427)  aus  den  Schichten  mit 
Harp.  Sowerhyi  als  Vorläufer  der  Bh.  spinosa  anfuhrt. 

Vorkommen:  Oberregion  der  Schichten  mit  Harp.  Mar- 
chisontB  und  Schichten  mit  Harp.  Sawerbyi.  Nur  amSt.  Quentin 
bei  Metz.  Ziemlich  selten. 

BhynchaneUa  FtirmU  n.  sp. 

TAf.  VI,  PJg.  8. 

Kleine  Spezies  mit  nach  oben  gerichtetem,  nicht  sehr 
spitzem  Schnabel  und  wenig  markirten  Schnabelkanten.  Delti- 
dium  über  der  kleinen  Oeffnung  kaum  bemerkbar.  Umfiing 
gerundet,  dreiseitig,  von  gleichem  Höhen-  und  Breiten-Durch- 
messer (11  Millim.).  Beide  Klappen  ziemlich  von  derselben 
Grösse;  die  kleine  in  der  Jugend  flach,  im   Alter  hart  unter 


129 

dem  Wirbel  stärker  gewölbt  (oft  noch  mehr  wie  bei.  Fig.  8). 
Die  obere  Hälfte  beider  Schaalen  glatt,  die  untere  mit  7  bis  11, 
in  der  Nähe  des  Stirnrandes  kräftigen  Bippen  besetzt.  Die 
grosse  Klappe  am  Stirnrande  einen  tiefen,  meist  zwei-,  seltener 
einspitzigen  Sinus  bildend,  auf  dessen  mittlerem  Theile  eine 
Rippe  Terläuft.  Die  entsprechende  Erhöhung  der  kleinen  Schaale 
trägt  zwei  Rippen. 

Diese  Art  weicht  Ton  Rhynch.  cynocephala  Rich.  (Bull.  soc. 
g^ol.  France,  I,  Bd.  11,  S.  263)  durch  kürzere  Rippen  und 
den  kleineren  Sinus  ab;  durch  dieselben  Merkmale,  aber  nicht 
so  stark  geschieden  ist  sie  von  Rhynch.  Ruthenensis  Reykbs 
(Aveyron,  S.  107,  Taf.  6,  Fig.  5),  welche  man  als  eine  in  der 
Mitte  zwischen  Rhynch.  Frireni  und  Rhynch.  cynocephala  stehende 
Form  betrachten  kann. 

Auffallend  ist  der  Umstand ,  dass  Rhynch.  Frireni  fast  stets 
mit  getrennten  Klappen  vorkommt.  Die  abgebildeten  ganzen 
Exemplare  verdanke  ich  der  Güte  des  Herrn  Abb6  Fbibek  in 
Metz,  nach  dem  ich  mir  die  Art  zu  benennen  erlaube. 

Vorkommen:  Nur  am  St.  Quentin  bei  Metz.  Dort 
ziemlich  häufig.  Grenzregion  zwischen  den  Seh.  m.  Trig.  navis 
und  Harp.  Murchisonce. 

Das  Vorkommen  dieser  Art  erhält  ein  Interesse  durch  ihre 
Verwandtschaft  mit  Ehynch.  cynocephala^  welche  nach  Oppel 
(Jura,  S.  431)  für  die  Begrenzung  gewisser  Schichten  von  grosser 
Bedeutung  ist,  indem  sie  in  verschiedenen  Gegenden  genau  an 
der  unteren  Grenze  seiner  Zone  des  Amm.  torulosas  erscheint. 
Auch  aus  anderen  Gegenden  werden  Formen  aufgeführt,  welche 
der  Rhynch.  cynocephala  sehr  nahe  stehen  oder  mit  ihr  identisch 
sind  und,  wie  die  lothsingische  Art,  sämmtlich  in  höheren 
Schichten  liegen.  Die  obenerwähnte  Rhynch.  Ruthenensis  erscheint 
in  Aveyron  an  der  Basis  der  Zone  des  Harp.  Murchisonm.  Aus 

n.  9 


130 

Hannover  citirt  v.  Seebach  eine  Bhynch.  cf.  cynoc^hcda  ans  der 
Oberregion  der  Schichten  mit  Trig.  navis  (HannoY.  Jura,  S.  31). 
Femer  führt  Dumobtieb  (BuU.  Soc.  g6oI.  France,  U,  Bd.  20, 
S.  113)  aus  dem  westlichen  Frankreich  —  Departement  Deux- 
Sövres  —  die  Bh.  cynocephcUa  als  häufig  vorkommend  aus 
Schichten  auf,  welche  etwa  in  der  Zone  des  Harp.  MurchisamB 
liegen.  Richard,  der  Begründer  der  Spezies,  giebt  uns  leider 
keine  paläontologische  Charakteristik  des  Horizontes,  in  welchem 
er  die  neue  Form  fand.  Er  sagt  nur  (BuU.  soc.  gtel.  France,  I, 
Bd.  11,  S.  263),  dass  sie  in  einem  mergeligen,  eisenhaltigen 
Kalke  im  Departement  der  Haute«Mame  läge ,  dessen  Hangendes 
der  Calcaire  ä  entroques,  dessen  Liegendes  die  oberen  Lias- 
mergel  seien.  Nun  liegt  der  betreffende  Fundort,  Bourmont 
a.  d.  oberen  Meuse,  zwischen  Nancy,  Noroy,  Yillersezel  und 
Dampierre  bei  Langres,  Orten  in  deren  Nähe  die  oberen  Lias- 
mergel  der  Franzosen  bis  hart  unter  oder  noch  in  die  Zone  der 
Trig.  navis  gehen.  Es  ist  also  nicht  unwahrscheinlich,  dass  bei 
dem  in  der  Mitte  der  genannten  Punkte  liegenden  Bourmont 
die  Lagerungsverhältnisse  dieselben  seien,  dass  also  die  echte 
Bh.  cynocephalaj  da  wo  sie  zuerst  gefunden  wurde,  mindestens 
in  den  Schichten  mit  IVig.  navis,  also  über  den  sogenannten 
Liasmergeln  mit  der  Fauna  des  Lgt.  torulosum  liegte 

Man  darf  somit  annehmen,  dass  die  OppsL'sche  Bhynch. 


1.  Vergl.  Bull.  Soc  g6oL  France,  II,  Bd.  26,  S.  353,  356,  487,  492 ;  ferner 
Bd.  27,  S.  286,  und  Thirria,  StaUstique  de  la  Haute-SaOne,  S.  284—287.  Ausserdem 
sagt  DiEULAPAiT  (BuU.  Soc.  göol.  France,  n,  Bd.  25,  S.  418),  dass  der  Calcaire  i 
entroques  in  den  sfldl.  t.  Bourmont  liegenden  Strecken  der  Franche-Comtö,  der 
Bourgogne  und  des  Mont  d*Or  lyonnais ,  Aber  den  Scbichten  mit  Trig.  navis  erst 
beginne.  Schliesslich  best&tigt  dies  Oppbl  selber,  wenn  er  (Jura,  S.  330,  331 ,  352) 
sagt,  dass  in  Burgund  der  Calcaire  ä  entroques  über  den  Thonen  mit  imm.  toru- 
lom$  (obere  Liasmergel  der  Franzosen)  liege,  und  dass  er  dort  die  Zone  des  Amm. 
MurchiioncB  repräsentire.  Yeigl.  auch :  Ferry,  Note  sur  Tötage  B^ocien  des  enri- 
rons  de  MAcon.  Gaen,  1851. 


131 

e^ocqphdla  in  England  und  in  der  Schweiz  (cf.  Mcesch,  Aar- 
gauer  Jura.  Beitr.  z.  geolog.  Karte  der  Schweiz,  Bd.  4,  S.  70) 
an  der  Basis  der  Schichten  mit  Lyt.  torulosum  liegt,  dass  aber 
ihr  nahestehende  Formen  bis  hart  unter  oder  in  die  Schichten 
mit  Harp.  Murchisonm  fortsetzen. 

Vorkommen:  Nur  am   St.   Quentin  in  der  Oberregion 
der  Schichten  mit  Trigonia  navü. 


Lingula. 

Lingula  sp. 

Eine  kleine  lange  und  schmale  Form  (grösste  Länge  und 
Breite  10  und  4  Millim.),  deren  Schlossrand  einen  Winkel  von 
etwa  60®  bildet.  Derselbe  geht  allmählich  in  die  schwach  nach 
aussen  gebogenen  Seitenränder  über,  welche  in  sanfter  Biegung 
in  den  leicht  gerundeten  Unterrand  verlaufen.  Sehr  viel  kleiner 
als  diejenige  Form,  welche  Quekstedt  als  Lingula  Beani  aus 
dem  Eisenerze  Schwabens  abbildet  (Jura,  Taf,  47,  Fig.  17, 
S.  352).  Eine  Verwandtschaft  besteht  noch  am  ehesten  mit 
Lingula  metensis  Tebq.  (Bull.  soc.  g^ol.  France,  U,  Bd.  8, 
S.  12,  Taf.  1,  Fig.  9)  aus  dem  untersten  Lias. 

Vorkommen :  Nur  in  dem  Eisensteine  von  Ars.  Ober- 
region (^er  Schichten  mit  IHg.  navis;  dort  an  einer  Stelle 
häufig. 

Defranoitu 

Defraneia  dipiopara  n.  sp. 

Taf.  VI,  Flf .  9. 

Kolonie  in  Gestalt  einer  flachen  Scheibe,  Zellen  nur  auf 
einer  Seite   derselben  in  radialen,   rippenartigen  Reihen,    von 


132 

denen  vier,  ungefähr  rechtwinklig  zueinander  stehend,  durch  ihre 
Länge  etwas  deutlicher  heraus  treten.  In  jedem  der  dadurch 
gebildeten  vier  Quadranten  stehen  im  Ganzen  etwa  10  Neben- 
rippen erster  bis  vierter  Grösse.  Auf  der  Höhe  jeder  Kippe 
öffiien  sich  2  Zellenreihen,  deren  Poren  mit  einander  altemiren. 
An  einigen  wenigen  Stellen  verbreitem  sich  die  Rippen  etwas 
und  es  schieben  sich  dann  weitere  Poren  in  die  2  Reihen  ein; 
doch  entstehen  dadurch  nicht  3  Reihen,  sondern  ein  unge- 
ordneter Complex  von  Zellen.  An  den  Seiten  der  Rippen  ist  der 
Verlauf  der  Zellen  durch  kleine  Furchen  angedeutet  und  diese 
lassen  erkennen,  dass  jede  Zelle  schief  zur  Basis  des  ganzen 
Stockes  steht,  und  zwar  nach  aussen  geneigt 

Steht  im  AUgemeinen  der  Def.  infraooUihica  Waao.  (Ben- 
EOKE,  Beiträge  I,  S.  643,  Taf.  33,  Fig.  5)  nahe;  doch  hat 
diese  3  Porenreihen  auf  jeder  Rippe ,  die  vorliegende  Art  deren 
nur  2. 

Vorkommen:  Seh.  m.  Harp.  Sotcerbtfi.  Ars.  Sehr  selten. 


Berenioea. 

Berenieea  dUuviana  Lamovboux  sp, 

1821.  Diastofiora  diluviana  Lamx.  Expos,  m^th.  de  genres  d.  pol.,  S.  81 ,  Tat.  80, 

Fig.  3,  4. 
1854.  Berenieea  diluviana  (Lamx.)  HiaME.  M6iil  bull.  Soc.  göol.  FraDce,  U,  Bd.  35, 
S.  177,  Tat  7,  Fig.  2  a— d. 

Haimx  führt  die  Art  aus  dem  Grossoolith  an.  Waagen  aber 
wies  nach ,  dass  sie  bereits  in  den  Schichten  mit  Harp.  Sowerhyi 
auftrete  (Benboke,  Beiträge,  I,  S.  646),  wofür  ihr  Vorkommen 
in  Lothringen  ein  weiterer  Beleg  ist. 

Vorkommen:  Seh.  m,  Harp.  8au>erbyi.  Ars.  Sehr 
selten. 


133 


Ghondritds. 

OkotwIrMe»  ef.  aeopariua  TmoKt. 
Ckondritei  tcopariut  Imotukax.  BolL  Soc.  gtel.  France,  U,  Bd.  18,  S.579,  Taf.  12. 

♦ 

Eine  Alge  von  meist  undeutlicher  Erhaltung,  welche  aber 
wegen  ihrer  Verbreitung  über  grosse  Flächenräume  des  franzö- 
sischen Jura  und  der  sich  daran  knüpfenden  Controverse  über 
den  ihr  zukommenden  Horizont  (im  Bull.  soc.  g6ol.  France)  oft 
genannt  ist^  Als  die  französischen  Geologen  zuerst  auf  die 
massenhafte  Verbreitung  dieser  Alge  aufmerksam  geworden 
waren,  glaubten  sie  derselben  den  Werth  eines  Leitfossiles  bei- 
legen zu  dürfen,  welches  stets  die  Schichten  des  Harp.  Mur- 
eJdsontß  charakterisire.  Im  Jahre  1868  aber  wies  Dieulavait' 
nach,  dass  dem  nicht  so  sei,  dass  vielmehr  die  Algen  in  min- 
destens 3  verschiedenen  Horizonten  aufträten,  welche  zusammen 
eine  Mächtigkeit  besässen,  die  bis  300  Meter  steigen  könne. 
Er  zeigte,  dass  der  oberste  dieser  Horizonte  in  den  Schichten 
mit  dem  Steph.  Humphriesianuin ,  der  mittlere  in  denen  des 
Hatp.  Murchisonm  läge,  während  der  unterste  sich  im  oberen 
Lias  befände  (mit  Harp.  concavum ,  eomplanatum  und  discoides). 
DisuiiAPAiT  machte  femer  darauf  aufmerksam,  dass  in  den  ver- 
schiedenen Departements  bald  nur  die  eine,  bald  mehrere  der 
genannten  Zonen  algenführend  sind. 

lieber  die  horizontale  Verbreitung  der  Fucoiden  gab  Fabbe' 
Aufschluss;  er  zeigte,  dass  sich  dieselben  vom  Mittelländischen 
Meere  an,  ohne  Unterbrechung  bis  nach  Lothringen  hinein  (und 


1.  Vergl.  Bull.  Soc.  göol.  France,  II,  Bd.  11 ,  S.  622;  Bd.  15,  S.  718;  Bd.  16, 
S.  1075;  Bd.  18,  S.  579;  Bd.  19,  S.  839;  Bd.  20,  S.  112. 

2.  Bull.  Soc.  g6ol.  France,  11,  Bd.  25,  S.  403. 

3.  Bull.  Soc.  g^ol.  FraBCe,  Bd.  26,  S.  353. 


134 

wie  ich  hinzufügen  kann,  bis  in  das  Luxemburgische)  verfolgen 
Hessen,  dass  sie  aber  auch  im  0.  der  Vogesen,  im  Elsass  auf- 
träten. 

Formen,  deren  Natur  und  Erhaltungsweise  eine  genauere 
Bestimmung  sehr  schwierig  machen,  wie  das  bei  den  vor- 
liegenden der  Fall  ist,  sollten  denn  auch  nicht  zum  Ausgangs- 
punkte weitgehender  Vergleichungen  gemacht  werden.  Lokal 
haben  sie  ihre  Bedeutung,  so  auch  bei  uns*. 

Vorkommen:  Seh.  m.  Trig.  navis.  St.  Quentin  bei 
Metz,  Berg  St.  Michel  bei  Boevingen,  Eneuttingen,  Rfime- 
lingen.  Ars  (Thone).  Häufig  das  ganze  Gestein  erfüllend. 


1.  QuENSTEOT,  Jura^  S.  206,  270,  334  und  Moesgb,  Aargauer  Jura,  Karte  der 
Schweiz,  Bd.  4,  S.  113. 


Vergleiohimg  des  unteren  Doggers  von  Lothringen  mit  denjenigen 

Schwabens  nnd  anderer  Länder. 

• 

Es  wurde  bereits  eingangs  betont  (S.  5),  dass  die  bei  der 
Yorliegenden  Arbeit  gestellte  Aufgabe  zunächst  dahin  lautete,  zu 
untersuchen,  wie  sich  der  untere  Dogger  von  Lothringen  in 
Beziehung  zu  den  besonders  genau  erforschten,  gleichaltrigen 
Ablagerungen  Schwabens  verhalte.  Es  soll  daher  auf  den  folgenden 
Seiten  eine  Vergleichung  der  betreffenden  Formationsglieder  beider 
Gebiete  versucht  werden. 

Wenn  auch  für  die  Eintheilung  versteinerungsreicher  Ab- 
lagerungen der  petrographischen  Beschaffeuheit  der  einzelnen 
Schichten  gegenüber  der  in  diesen  begrabenen  Fauna,  ein  nur 
untergeordneter  Werth  zukommt,  so  beginne  ich  doch  den  Ver- 
gleich mit  jener  Ersteren,  da  sie,  am  schnellsten  erfassbar,  bei 
der  Untersuchung  zunächst  in  die  Augen  fällt. 

In  Schwaben  folgen  auf  die  bituminösen  Posidonomyen- 
Schiefer  und  die  grauen  Mergel  mit  Lyt  jurense  dunkle  Thone, 
welche  die  Zonen  des  Lyt  torulosum  und  der  IHg.  navis  um- 
fossen.  Diese  werden  überlagert  von  einer,  der  Zone  des  Harp. 
Murchisontß  angehörenden  Sandsteinbildung,  deren  oberer  Hori- 
zont lokal  durch  Eisenerze  gebildet  wird.  Den  Abschluss  nach 
oben  finden  diese  Schichten  durch  eine  Ablagerung  von  sandig- 
thoniger  Natur,  die  Grenzregion  ß.  y.  Qüenstedt's,  inmitten  deren 
harte  Bänke,  aus  Kalk  mit  eingesprengten  Körnern  von  Eisenerz 
bestehend,  erscheinen,  welche  das  eigentliche  Lager  des  Harp. 
8ou?erbffi  bilden. 

In  Lothringen  finden  wir,  von  den  Posidonomyen-Schiefem 
aufwärts,  fast  genau  dieselbe  Reihenfolge  von  Gesteinen  wieder; 
nur  mit  dem  Unterschiede,  dass  über   diesen  Schiefern  nicht 


136 

graue,  sondern  dunkle  Thone,  von  nahe  derselben  Beschaffen- 
heit wie  diejenigen  des  unteren  Doggers,  liegen,  dass  femer  der 
Sandstein  nicht  lokal  von  dem  Eisenerze  verdrängt  wird,  sondern 
dass  Letzteres  ein  ausgedehntes,  wenn  auch  nicht  immer  abbau- 
würdiges Lager  über  dem  Sandsteine  bildet,  und  gerade  um- 
gekehrt nur  lokal  durch  diesen  Letzteren  ersetzt  wird,  und  dass 
schliesslich  die  harten  Kalke  mit  Sa/rp.  Sotoerbjfi  nicht  inmitten, 
sondern  über  der  sandig-thonigen  Ablagerung  erscheinen. 

Sehr  ähnlich  liegen  die  Verhältnisse  im  Elsass^;  doch  fehlt 
hier  das  Eisenerz  fast  ganz,  die  auf  dasselbe  folgenden  sandigen 
Thone  vollständig,  so  dass  der  Sandstein  mit  Harp.  Murchisontß 
direkt  von  den  Kalken  mit  Harp.  Sowerbyi  überlagert  wird. 

Prüft  man  nun  die  genannten  Schichten  Lothringens  auf 
ihre  paläontologische  Gleichwerthigkeit  mit  den  entsprechenden 
Schwabens,  so  gewährt  uns,  inmitten  einer  fast  gleichartig 
bleibenden  Ablagerung  dunkler  Thone,  welche  sich  über  den 
Posidonomyen-Schiefern  aufbaut,  das  Auftreten  der  mit  Ästarie 
VolM  und  Ceriüdum  armatum  vergesellschafteten  Fauna  einen 
sicheren  Anhaltspunkt  für  den  Vergleich  mit  dem  Osten.  Freilich 
zeigt  sich  bereits  hier  eine  Eigenart  des  unteren  Doggers  von 
Lothringen,  welche  sich  weiter  nach  oben  noch  steigert  und 
eine  genaue  Parallelisirung  unserer  Schichten  mit  den  OppsL^schen 
Zonen,  die  ja  zuerst  in  Schwaben  begründet  wurden,  doch  so. 
weit  stört,  dass  von  der  Anwendung  der  Zonenbezeichnung  hier 
abgesehen  werden  musste.  Ich  meine  das  Hinaufgreifen  liasischer 
Gephajopodentypen  in  den  unteren  Dogger.  Inmitten  einer  Fauna , 
welche  sich  als  genau  aequivalent  mit  deijenigen  der  Zone  des 
Lyt  torulosum  erweist,  erscheinen  in  unserem  Lande  drei,  nach 
Oppbl  in  weiter  Verbreitung  echt  oberliasische  Formen:  Harp. 
striatülum  Sow.  sp. ,  Bei.  irregularis  Sohlte,  und  Bei.  a,cuarius 


1.  Cf.  LepsiuS)  Unter-Elsass. 


137 

ScELTH.  In  dem  AequivaleBte  der  Schichten  mit  Lyt  jurense 
fiist  die  einzigen,  aber  seltenen  Versteinerungen,  nehmen  sie  an 
Menge  su  in  den  Schichten  mit  Ästarte  Volüd  und  setzen  sich 
in  den  Thonen  über  denselben  noch  fort,  in  welchen  Harp. 
sfriaiulum  sogar  an  manchen  Orten  eine  ungemeine  Verbreitung 
erlangt.  Bereits  auf  Seite  20  ist  darauf  hingewiesen  worden, 
dass  auch  in  Schwaben  sich  eine  versteinerungsarme  Oberregion 
der  Zone  des  Lyt  torülosum  befinde,  welche  möglicherweise  als 
eine  gleichwerthigc  Bildung  dieser  Oberregion  der  Schichten  mit 
Harp.  striaiulum  in  Lothringen  betrachtet  werden  könnte. 

Schwieriger  wird  der  Vergleich,  wenn  wir  in  die  Zonen 
der  Trig.  navis  und  des  Harp.  MurchisontB  hinaufsteigen.  Zwar 
finden  wir  im  sädlichen  Lothringen  Thone,  deren  Fauna  ihre 
Aequivalenz  mit  der  erstgenannten  Zone  in  Schwaben  darthut. 
Allein  die  über  diesen  Thonen  liegenden  Sandsteine,  sowie  die 
untere  Hälfte  der  darüber  folgenden  Eisenerze,  die  Beide  in 
Schwaben  den  Schichten  des  Harp.  MurchisontB  angehören, 
erweisen  sich  in  unserem  Lande  durch  ihre  Fauna  als  noch  zu 
den  Schichten  mit  Trig.  navis  und  Oryph.  ferruginea  gehörig, 
während  nur  die  oberen  Flötze  der  Erzablagerung,  sowie  das 
Hangende  derselben,  die  sandigen  Thone,  die  Schichten  mit 
Hatp.  MurchisontB  und  Pholad.  reticulata  bilden.  Nun  würde 
freilich  das  verschiedene  petrographische  Verhalten  paläonto- 
logisch sonst  gleichwerthiger  Schichten  in  zwei  von  einander  so 
entfernt  liegenden  Gebieten  nichts  Auffallendes  besitzen.  Aber 
aus  paläontologischen  Gründen  kann  das  vollständige  Zusammen- 
fallen der  lothringischen  Schichten  mit  den  OppEL'schen  Zonen 
der  Trigonia  navis  und  der  Zone  des  Harpoceras  MurchisontB 
nicht  angenommen  werden.  Denn  wenn  auch  einige  leitende 
Formen  gemeinsam  sind,  so  finden  sich  doch  in  der  Gesammt- 
heit  der  Fauna  zu  viele  Abweichungen  und  der  ganze  Charakter 
der  organischen  Einschlüsse  ist  ein  zu  verschiedener.  In  Schwaben 


138 

und  noch  im  Elsass  ist  IHgonia  navis  sehr  hänfig,  in  Lothringen 
eine  Seltenheit.  Dafür  herrschen  hier  zahkeiche  Formen  von  IW- 
gonia^  die  an  englische  Vorkommnisse  erinnern.  Arten  von  Bh^n^ 
choneUa  aus  der  Gruppe  der  Eh.  spinosa,  wie  Bh.  oligacaniha,  treten 
bei  uns,  gewissermassen  als  Vorläufer,  schon  in  den  Schichten 
des  Harpoceras  MurchisontB  auf.  Trichites  spielt  schon  in  den 
Schichten  der  2W^.  navis  eine  Bolle.  Doch  sind  dies  unter- 
geordnete Eigenthfimlichkeiten  gegenüber  dem  Verhalten  der 
Cephalopoden,  welche  besonders  den  Schichten  der  IVigonia 
navis  einen  den  schwäbischen  Verhältnissen  gegenfliber  fremd- 
artigen Stempel  aufdrücken. 

So  liegt  Harp.  undulatum  Stahl  sp.,  nach  Oppbl  eine 
Form  des  oberen  Lias,  in  Lothringen  wie  in  Luxemburg  (Chap. 
und  Dew.,  Luxemburg,  S.  274)  in  der  Unterregion  der  Schichten 
mit  2Vig  navis.  In  der.  Oberregion  derselben  Schichten  treten 
Formen  auf,  deren  innere  Windungen  dieser  Art  so  nahe  kommen, 
dass  man  die  z.  B.  am  Signalberg  bei  Boevingen  zahlreichen 
jungen  Exemplare  bis  zu  ziemlicher  Grösse  kaum  von  Harp. 
undulatum  zu  unterscheiden  vermag.  Hierher  gehört  Eatp. 
st^ndulaium  n.  sp.  mit  3  Varietäten. 

Ebenfalls  in  der  Oberregion  der  Schichten  mit  IHg.  navis 
liegt  das  nach  Oppel  oberliasische  Harp.  costula  Rein,  sp., 
femer  Harp.  ÄcUense  Zibt.  sp.  und  Harp.  cf.  radians  Rein.  sp. 
Sodann  treten  hier  verschiedene  Formen  auf,  welche  ihrem 
Habitus  nach  mit  Harp.  radians  nahe  verwandt  sind,  aber  neue 
Arten  repräsentiren  und  schliesslich  stammen  aus  denselben 
Schichten.  Amalth.  IVidericii  n.  sp.  und  Am.  subserrodens  n.  sp., 
zwei  dem  oberliasischen  Am.  serrodens  Qu.  sp.  nahe  verwandte 
Formen. 

Aus  der  Oberregion  der  Schichten  der  IHgonia  navis 
führte  ich  den  Bdemnites  subgiganteus  n.  sp.  an,  der  einer- 
seits mit  Bd.  acuariusj  anderseits  mit  den  von  Quesstedt  als 


139 

procere  bezeichneten  Giganteus-Fonnen  verwandt  ist.  Auch  aus 
dem  Luxemburgischen  citiren  Chapuis  und  Dewalque  (Luxem- 
burg, S.  274)  einen  zur  QuBNSTEBT'schen  Gruppe  der  Ventri- 
cosen  gehörenden  Belemnites  giganteus,  welcher  mit  Bei. 
subgiganteus  in  denselben  Schichten,  oder  etwas  höher  liegt 
Jedenfalls  kommen  also  hier  in  den  Schichten  der  Trigonia 
navis  Formen  von  Belemniten  vor,  die  ältere  und  jüngere  Ver- 
wandte in  den  nächst  tieferen  und  nächst  höheren  Schichten 
haben,  ein  Yerhältniss,  welches  in  Schwaben,  wie  es  scheint, 
nur  ausnahmsweise  zu  beobachten  ist,  da  mir  nur  eine  Angabe 
bei  QusKSTEDT  (Gephal.,  S.  422)  bekannt  geworden  ist,  nach 
welcher  eine  an  Bei  giganteus  erinnernde  Form  schon  unter 
dem  gewöhnlichen  Lager  dieser  Art  vorkommt.  Die  Schichten 
mit  Harpoceras  Sotoerhyi  sind  nun  in  Lothringen  und  Schwaben 
so  gleichartig  entwickelt,  dass  wir  dieselben  unbedenklich  neben 
einander  stellen  können.  Da  ein  gleiches  Yerhältniss  zwischen 
den  sogenannten  Torulosusschichten  beider  Gebiete  stattfindet, 
so  beschränkt  sich  die  Schwierigkeit  einer  Vergleichung  auf  die 
Schichten  der  Trigonia  navis  und  des  Harpoceras  Murchisonte , 
jede  für  sich  genommen;  zusammen  müssen  sie  einander  ent- 
sprechen. Ich  zog  die  Grenze  mitten  durch  die  Eisenerze  der- 
artig ,  dass  ich  unter  derselben  die  Hauptmasse  der  Cephalopoden 
von  liasischem  Habitus,  darüber  die  leicht  kenntliche  Form  des 
Harpoceras  Murchisonm  erhielt.  Neue  Funde  allgemein  leitender 
Arten  mögen  dann  in  Zukunft  eine  andere  Theilung  angemes- 
sener erscheinen  lassen. 

Eine  recht  bemerkenswerthe  Eigenthümlichkeit  haben  aber 
auch  die  Schichten  mit  Harpoceras  Sowerbyi.  Es  ist  das  massen- 
hafte Auftreten  der  OrypJuea  süblobata^  die  stellenweise  die 
Bänke  ganz  erfüllt.  In  anderen  Gebieten  fehlt  sie  nicht,  doch 
ist  sie,  wenigstens  nach  Osten  hin,  seltener.  Die  sandigen  Thone, 
welche  unmittelbar  über  dem  Eisenerze  liegen,  stellte  ich  noch 


140 

in  die  Schichten  des  Harp.  Murchisonm^  weil  dieser  Ammonit, 
wenigstens  in  einer  Lokalität  noch  hänfig  in  denselben  anftritt. 
In  Schwaben  werden  dagegen  diese  Thone  wohl  schon  zur 
Zone  des  Harp.  Sowerhyi  gerechnet.  Doch  sagt  Quenstedt  aus- 
drücklich, dass  das  eigentliche  Lager  des  Harp.  Sowerhyi  in 
den  kalkigen  Pectiniten-Bänken  zu  finden  sei,  welche  erst  in 
der  Mitte  dieser  Thone  erscheinen.  Danach  könnte  möglicher- 
weise deijenige  Theil  der  sandigen  Thone  Schwabens,  welcher 
unter  den  Pectiniten-Bänken  liegt,  als  ein  Aequivalent  der 
gesammten  sandig-thonigen  Ablagerung  Lothringens,  welche  ich 
als  Oberregion  der  Schichten  mit  Harp.  Murchisonm  hinstellte, 
angesehen  werden.  BäDke  voll  von  Pecien  personatus  treten 
übrigens  in  unserem  Gebiete  ebenso  me  in  Schwaben  in  den 
Schichten  mit  Harp.  Sotoerbffi  auf  S  erscheinen  freilich  auch  noch 
in  höherem  Niveau  wieder. 

In  den  nächst  höheren  Schichten,  welche  die  Zone  des 
St^hanoceras  Humphresianum  darsteUen,  ist  dann  das  massen- 
hafte Auftreten  riffbildender  Korallen  als  besonders  bezeichnend 
hervorzuheben. 

Fassen  wir  die  oben  auseinandergesetzten  Verhältnisse  kurz 
zusammen,  so  ergiebt  sich,  dass  wenn  wir  die  gesammte  Fauna 
in's  Auge  fassen,  ganz  scharfe  Abschnitte  sich  in  der  Schichten- 
reihe von  Posidonomyen-Schiefer  bis  hinauf  zu  den  Schichten  des 
Harpoceras  Sowerhyi  nicht  finden.  Eher  können  wir  solche  in 
der  Entwicklung  einzelner  Thierklassen  erkennen.  Doch  ist 
immer  festzuhalten,  dass  ein  vollständiger  Wechsel,  der  eine 
längere  Trockenlegung ,  ein  Zurücktreten  des  Meeres  an  irgend 
einer  SteUe  andeutete,  sich  nirgends  bemerkbar  macht.  Es  liegt 
nahe,  sich  bei  dem  Versuch  einer  Gruppirung  der  Schichten  in 


1.  Wie  bei  HayiDgen  an  der  Strasse  nach  Rangwall,  bei  MoyeuTre 
am  Wege  nach  den  Gastine-Gruben,  bei  Vilierapt  an  der  neuen  Bahnstrecke. 


141 

erster  Linie  nach  den  Cephalopodeu  zu  richten,  da  diese  ihrer 
Lebensweise  nach  die  grösste  horizontale  Verbreitung  gehabt  haben 
müssen.  Auf  ihrem  Vorkommen  basiren  ja  auch  unsere  bisherigen 
systematischen  Eintheilungen« 

Da  zeigt  sich  denn,  dass  für  Lothringen  zunächst  die  in 
Deutschland  übliche  Grenzbestimmung  keine  passende  ist  Man 
kann  den  Franzosen  nicht  Unrecht  geben ,  wenn  sie  eine  andere 
Grenze  vorzogen.  Nur  ist  die  von  ihnen  gewählte,  über  den 
Schichten  des  Lytoceras  tondosum  auch  keine  glückliche.  Denn 
so  gut,  wie  Harpoceras  in  voUer  Entwicklung  und  mit  identischen 
Arten  aus  den  Jurensisschichten  in  die  Torulosusschichten  über- 
geht, so  ist  auch  die  Verwandtschaft  der  Formen  der  Torulosus- 
schichten mit  jenen  der  Schichten  der  Trigonia  navis  und  des 
Harpoceras  MurchisontB  (dem  Gomplex  der  unteren  Eisensteine) 
eine  sehr  grosse. 

Am  naturgemässesten  würde  es  sein«  den  Lias  mit  den 
Schichten  des  Äfnäliheus  cosiatus  abzuschliessen,  ein  Verfahren, 
was  nach  Sesbach  und  Brauns  auch  in  Norddeutschland 
sehr  naturgemäss  wäre.  Ausser  der  langjährigen  Gewohnheit 
steht  demselben  auch  in  Schwaben  kein  Hinderniss  entgegen, 
und  dass  es  für  das  nahe  liegende  Elsass  anwendbar  wäre, 
scheint  mir  aus  den  Andeutungen  von  Lbpsiub  und  BsraoKx 
zu  folgen.  Wir  hätten  dann  eine  Beihe  von  Schichten,  welche 
durch  das  massenhafte  Auftreten  der  Gattung  Harpoceras  in 
ausgezeichneter  Weise  charakterisirt  wäre. 

Wie  verschieden  und  ungleichartig  die  Vertheilung  vieler 
in  einzelnen  Gebieten  leitenden  Formen  in  anderen  entfernter 
ist,  möchte  ich  nur  an  einigen  Beispielen  noch  hervorheben. 
So  liegen  in  Norddeutschland  die  beiden  oberliasischen  Leit- 
formen, LyU  jurense  Zieten  sp.  und  Hatp.  Äalense  Ziet. 
sp.  bei  Goslar  und  einem  anderen  Punkte  der  rechten  Innerste- 
kette  zusammen  mit   Lyt.   iondosum  Schübl.    sp.   und  Turbo 


142 

duplicatus  Gldf.  (Schlcenbagh,  PalnoDtographica,  Bd.  13,  S.  165). 
Auch  VON  Seebach  (Hannov.,  Jura,  S.  2)  sagt,  dass  im  han- 
nover'schen  Jura  ein  und  dasselbe  Petreüakt  eine  ganz  ab- 
weichende vertikale  Verbreitung  oft  auf  yerhältnissmässig  nur 
geringe  Entfernung  zeige.  Oppel  selber  giebt  zu,  dass  Harp. 
Äalense  auch  im  unteren  Dogger  in  Formen  auftrete,  welche 
er  von  den  im  oberen  laas  vorkommenden  nicht  zu  trennen 
wage  (Jura,  S.  248).  Auch  nach  Bsaukb  gehen  zur  Gruppe 
des  Harp.  radians  gehörende  Spezies  in  der  Hilsmulde  bis  in 
die  Zone  der  IVig.  navis  hinauf  (Palsontograph. ,  Bd.  13, 
S.  106).  Im  Unter-Elsass  erscheinen  die  oberliasischen  Arten  des 
Harp.  radians  und  Levesqaei  in  den  Thonen  mit  Harp,  opa^ 
Unumy  wie  Lbpsius  anfühlt  (Jura,  Unter-Elsass,  S.  51);  ebenda 
(S.  43)  liegt  Lyt.  tortdosum  nicht  in  der  nach  ihm  benannten 
Zone,  sondern  in  deijenigen  der  IVig.  navis,  und  in  demselben 
Horizonte  tritt  LyL  hircinum  auf,  das  in  Schwaben  nur  im 
oberen  Lias  erscheint.  Obgleich  sich  im  Allgemeinen  der  untere 
Dogger  des  Elsass  durch  den  Reichthum  an  leitenden  Formen 
enger  an  die  schwäbischen  als  an  die  lothringischen  Ablagerungen 
anschliesst,  so  lässt  seine  Fauna  doch  bereits  deutliche  Spuren 
jenes  Hinau|greifens  liasischer  Cephalopodentypen  erkennen, 
welches  in  unserem  Gebiete  so  stark  zur  Geltung  kommt. 

Sehr  gewöhnlich  wird  in  England  eine  Verschmelzung  der 
in  Deutschland  getrennten  Zonen  des  oberen  Lias  und  des 
unteren  Dogger  angenommen.  Lepbiüs  gab  noch  neuerdings  an, 
dass  die  OppsL^schen  Zonen  dort  nicht  unterschieden  werden 
könnten.  Nun  erleichtert  aber  die  Gesteinsbeschaffenheit  im  süd- 
lichen England  das  Auseinanderhalten  von  Schichten  nicht  und  die 
Unterscheidung  der  verschiedenen  Harpoceras  ist,  wie  genugsam 
bekannt,  auch  keine  leichte.  Wbight*,  dem  wir  die  ersten  genauen 


1.  Quart.  Joiirn.  Oeolog.  Society,  vol.  Xlf,  p.  292,  1856. 


143 

paläontologischen  Untersuchungen  über  die  sog.  ;,sands  of  the 
inferior  Oolite^  verdanken,  hat  in  neuerer  Zeit  die  monographische 
Bearbeitung  der  Liasanunoniten  Englands  unternommen  S  welche  uns 
ohne  Zweifel  Klarheit  verschaffen  wird  über  so  manchen  unsicheren 
Namen,  mit  welchem  wir  jetzt  bei  unseren  Bestimmungen  operiren. 
In  der  bisher  allein  erschienenen  geologischen  Einleitung  finden 
wir  eine  Zone  des  Stephanocertis  commune  und  eine  solche  des 
Lyioceras  jurense  unterschieden.  Es  wird  abzuwarten  sein,  in 
welcher  Weise  diese  Zonen  schärfer  durch  ihre  Fauna  charak- 
terisirt  werden,  ehe  wir  einen  Vergleich  mit  Lothringen  ziehen 
dürfen.  Da  wir  wissen,  dass  in  England  die  Harpoceras-Formen 
aus  dem  Lias  unmittelbar  in  den  Dogger  übergreifen,  dürfen 
wir  uns  interessante  Besultate  versprechen. 

Im  südlichen  Frankreich  lässt  sich  im  Aveyron'  über  den 
bituminösen  Schiefern  und  der  Zone  des  Sarp.  bifrons  (Lias  e 
Quxkbtedt's)  eine  70  Meter  mächtige  Zone  des  Lj^t  jurense 
ausscheiden.  Durch  fossilfreie,  30  Meter  mächtige  Thone  wird 
diese  von  der  nächsthöheren  Zone  des  Harp.  Äalense  getrennt, 
welche  in  einer  Mächtigkeit  von  20  —  25  Meter  die  OppsL'sche 
Zone  des  Lyt.  iarulosum  repräsentirt,  jedoch  durch  den  Reich- 
thum  an  Harp.  Äalense  ausgezeichnet  ist.  Die  nun  folgenden 
Schichten  mit  Bhynchon.  Ruthenensis  (5—6  Meter)  werden  von 
der  Zone  des  Harp.  Murchisontß  überlagert  und  entsprechen 
möglicherweise  den  Schichten  mit  IW$r.  navis  anderer  Orte.  Es 
lassen  sich  hier  also  jene  Schichten  sehr  wohl  von  einander 
trennen.  Aber  dessen  ungeachtet  finden  wir  nicht  normale  schwä- 
bische Verhältnisse,  sondern  die  Fossilien  der  Zone  des  Lyi. 
jurense  konunen  noch  zum  Theil  im  unteren  Dogger  wieder  vor. 
(Reynjbb,  Aveyron,  S.  68.) 


1.  Palaeontogr.  Soc,  1878. 

2.  Heynes,  ÄTeyroD. 


144 

Auch  im  S.-O.  Frankreichs  theilt  Dumobtubb  (Bassin  da 
Bhone,  IV,  S.  11)  seinen  „oberen  Lias"  in  die  aufeinander- 
folgenden Zonen  des  Hatp.  hifrons  (dem  Lias  e  und  y  Quen- 
stedt's  entsprechend)  und  des  Harp.  opaUnum  ein.  Aber  auch 
hier  liegen  oberiiasische  Formen  zusammen  mit  solchen  der 
Zone  des  Lyt  torulosum,  und  Arten  der  letzteren  Fauna  mit 
solchen  der  Schichten  mit  Harp.  opalmum. 

Auf  der  von  den  Vogesen  sich  nach  S.  ziehenden  Untiefe 
des  Helvetischen  Beckens  schliesslich  erhebt  sich  Harp.  opaUnum 
in  die  Zone  des  Harp.  MurchüontB  und  Letzteres  in  die  des 
Harp.  Sowerhyu  (Waagen  in  Bekeokb,  Beiträge,  I,  S.  540  und 
546;  Mcesgh,  Aargauer  Jura,  S.  113). 

Die  Zahl  der  Qeologen,  die  sich  der  Mühe  unterzogen 
haben  9  scharf  stratigraphisch  zu  gliedern  und  die  einzelnen 
Abschnitte  paläontologisch  zu  charakterisiren ,  ist  zumal  in  Eng- 
land und  Frankreich  noch  eine  kleine.  Häufig  genug  werden  ja 
auch  Zweifel  erhoben,  ob  auf  einem  solchen  Wege  überhaupt 
Resultate  zu  erzielen  seien.  Gewiss,  wenn  wir  uns  damit  begnügen 
wollen,  anzunehmen,  dass  die  Formen  der  Thiere  sich  aus- 
einander entwickelt  haben  und  durch  eine  fortlaufende  Reihe 
von  Qliedem  miteinander  verbunden  sind,  dass  aber  der  Er- 
haltungszustand oder  die  Art  der  Ablagerungen  uns  nicht 
gestatten  werden,  jemals  die  fortlaufende  Reihe  aus  den  Fossilen- 
Resten  vollständig  reconstruiren  zu  können,  dann  ist  die  Arbeit 
der  Paläontologen  überhaupt  schon  gethan.  Sieht  man  es  aber 
als  die  zu  lösende  Aufgabe  an ,  durch  Sammeln  von  Thatsachen 
das.  Beweismaterial  möglichst  zu  häufen,  so  stehen  wir  erst  am 
Anfang.  Niemand  wird  nun  läugnen  wollen ,  dass  ein  Zusanmien- 
hang  wenigstens  der  grossen  Mehrzahl  der  Formen  bestehe,  die 
wir  jetzt  als  Arten  bezeichnen  und  dass  dieser  Zusammenhang 
durch  jede  neue  Entdeckung  evidenter  wird.  So  lange  wir  also 
noch  bei  unserer  Methode  Ergebnisse  erzielen ,  werden  wir  ruhig 


145 

bei  derselben  verharren  dürfen;  wie  weit  wir  schliesslich  kommen 
werden,  das  ist  eine  Frage,  deren  Entscheidung  wir  ruhig  der 
Zeit  überlassen  können. 

Wenn  ich  davon  abgesehen  habe,  den  genetischen  Zusammen- 
hang lothringischer  Formen  untereinander  und  mit  solchen  anderer 
Gebiete  anders  als  andeutungsweise  zu  besprechen,  so  geschah 
dies  lediglich,  weil  ich  glaube,  dass  erspriessliches  in  dieser 
Richtung  erst  wird  unternommen  werden  können,  wenn  wir  mehr 
Detail  aus  England  und  Frankreich,  ganz  besonders  aber  auch 
aus  entlegenen  südlichen  und  östlichen  Gebieten  zur  Verfügung 
haben  werden. 

Die  historische  Entwicklung  unserer  Wissenschaft  hat  es  mit 
sich  gebracht,  dass  wir  an  die  Untersuchung  der  Jurabildungen 
getreten  sind ,  wie  an  einen  Baum,  mit  dessen  Aesten  wir  zuerst 
in  Berührung  kommen.  Wollen  wir  erkennen,  wie  der  Baum 
eigentlich  gewachsen  ist,  so  müssen  wir  Gruppen  von  Aesten 
zusammenfassen,  um  zu  den  Hauptästen  zu  gelangen.  Vergleichen 
wir  unsere  zahlreichen  Zonen  und  Unterzonen  im  mitteleuropäischen 
und  englischen  Jura  mit  den  Spitzen  der  Zweige  des  Baumes, 
so  werden  uns  andere  noch  wenig  bekannte  Distrikte  die  weniger 
getheilten  Aeste  kennen  lehren.  Dort  draussen  mag  es  uns  viel- 
leicht gelingen ,  in  den  Gebieten  eines  einst  ausgedehnten  Meeres 
einige  grosse  natürliche  Gruppen  zu  unterscheiden,  die  eine 
ruhige  gleichmä^ssige  Entwicklung  in  ihren  organischen  Ein- 
schlüssen zeigen.  Ihnen  steht  gegenüber  die  bunte  Mannigfal- 
tigkeit unserer  Küstenbildungen,  wo  der  Eiofluss  des  Landes, 
Hebungen  und  Senkungen,  Strömungen  u.  s.  w. ,  sich  in 
vollstem  Masse  geltend  machten.  Hier  musste  auch  die  Fauna 
einer  häufigeren  Veränderung  unterliegen  und  die  mancherlei 
Einwirkungen  von  aussen  her  umgestaltend  wirken.  Zur  Zeit  des 
oberen  Lias  und  des  unteren  Dogger  war  Lothringen  niemals  ein 
so  abgeschlossenes  Meeresbecken ,  wie  man  wohl  hat  annehmen 

ir.  10 


146 

wollen  * ;  ebensowenig  stellte  das  Elsass  oder  Schwaben  ein  solches 
dar.  Ein  Zusammenhang  mit  der  offenen  See  bestand  immer, 
also  auch  indirekt  ein  Zusammenhang  der  einzelnen  Gebiete 
untereinander.  Wohl  aber  konnten  in  dem  einen  sich  Ver- 
hältnisse geltend  machen,  die  dem  andern  ganz  fremd  blieben, 
und  so  kommen  an  einem  Punkte  einmal  Grenzen  vor,  wo  an 
einem  anderen  ein  Zusammenhang  besteht.  Durchgreifend  auf 
grosse  Strecken  wird  eine  solche  Grenze  nie  sein,  darum  suchte 
ich  also  auch  zwischen  Lias  und  Dogger  keine  neue  festzu- 
stellen, sondern  liess  es  bei  der  alten,  die  zur  Veratändigung 
zunächst  ausreicht. 


I.  Mbuqy,  Bull.  Soc.  g^ol.  de  France,  11,  Bd.  26,  S.  510. 


TABELLARISCHE  ÜBERSICHT 


DER  ABLÄÜERüNliEN  DES  LIAS  UND  UNTEREN  DOGGERS 


IN  LOTHRING£N.  LUXEMBURG  UND  DEM  ELSASS. 


148 


Eintheilung. 


QUIHSTBDT  und  OPPUi. 


Grenuchicht  ß — y. 
Snbzone  des  Ä.  SauMti. 


Deatioh-Lothringen. 


BRA.SCO,  1878. 


Seh.  m.  Harp.  Sowtrhyi  n.  Qryph,  Kalke  oder  Ifergel. 
sublobata,  Kalke  mit  eingesprengten 

Körnern  von  BUenerx. 


Im 
Norden 


Im 
Saden. 


Brauner  Jura  ß. 

Zone  des  A.  Murehisona. 


Brauner  Jnra  Ol  para. 
Zone  der  Trig.  navis. 


?  Forallarme  Thone  Aber  den 
Torulosua-Scblchten. 


Brauner  Jnra  OL  pars. 
Zone  des  Ä.  torulosu». 


LlasY* 

Zone  det  Ä.  jurenaü. 


Llase. 

Schichten  der  Posid.  BronnL 


Scb.  m.  Harp.  ifur-[Obcrrcgion.  Mergel.       Mergel. 
ehitona  und  Pho- 


ladomya  retieula-],,    .  .         /^.       .     „ 

f^^      "  (Unterregion.  Oberste  Kaum  vor 

FlötKO  des     banden. 
Kisonerzt's. 
Saudstein 
vom  Signal- 
berge z.  Th. 


Moselle. 


Jacquot,  1868. 


CaloaJre  ferrogfneux  &  A 
Sowerbyi. 


fOberregion. 


Seh.  m.  Gryphaa] 
ferruginea  und] 
Trig,  navU. 


Unterste      Eisenerz. 
Flötse  des 
Bisenerzes. 
Sandstein 
vom  Signal- 
berge z.  Th. 


^Unterreglon.  Sandstein.  Sandstein. 


Thone. 


Oberregion  :  Thone. 


Seh.  m.  Barp.  »triaiulum. 


Unterregion  :  Thone. 


Meist  fossllarme  Thone.  Reich  an  Versteinerungen  an 
der  Cdte  de  Delme.  {Harp.  bifron».) 


Lias  d  pars. 

Zone  des  Ä.  »pinatu». 


Lias  d  pars. 

Zone  dee  A,  nargaritatu». 


LiasY. 
Zone  des  A, 

Davai. 

•         • 

ibex. 

a               • 

Jametoni. 

LIasß. 
Zone  des  ^. 

rarieoitatu*. 

t          • 

oxynottu. 

■          • 

olttuu*. 

Liasa. 

Zone  des  Pent.  tttbereulatut. 

A. 

Bueklandi. 

■    angulatu». 


•    planorbü. 


Seh.  m.  PoHd. 
Bronni, 


Im  Norden. 
Gelber  sand.  Kalk. 

Thone  mit  Kalkknollen.  1 


Im  Sflden. 

Thone  mit 
Kalkknollen. 


Bituminöse  Sohiefer.      Bitnm.  Sehiefer. 


Lumaehelle, 


Seh.  m.  A.  »pinattu. 


Sandige  Mergel  und  Sandstein  mit 
eingelagerter  LumacheUe» 


Lumaehelle* 


Seh.  m.  A.  margaritattu.  {  Thone  mit  Eisenerzknollen. 


Blittrige  Thone. 


Seh.  m.  A.  Davaif  Oryphaa] 
Cfpnbium,    Terebr,  nu- 
misfndlig. 


Hellgrauer  Kalk  mit  einge- 
sprengten rostfarbenen  Bi< 
senerzkdrnern. 


?  Fossilarme  sand.  Thone. 


Im  Norden.       Im  Süden. 
Seh,  m.  Bei,  acutu».      /        ^^chsel- 

{  lagernde  Kalke         •ar««»..^i 

.      .    ArUten.  \     und  Thone.  Wechsel- 

lagernde  Kalke 


•      ■    A.  angiilutu».  \ 


■       »    A.  planorbii 


:ri 


z.Th.  Sandstein,     und  Thone. 


Gros 
supra- 

lia- 
siqne. 


< 


Fer  hydroj^ 


Gr^. 


Mames  ml« 


Calcaire    i^»"«*^^--^^ 
grÄseuzetj      .      .       ,^^ 

"*"*••    (     eutuM. 


Zone  k  Ämm.  h 

Mames 
bitnmi- 
nenses.     iMarnes  k  posi(| 


Gros 


mMiolia-  <. 


sique. 


Caleaire  lama« 

Marne?  avec  o^ 
forrngineoi. 


Mamee  fenillet^es. 


Caleaire  i  Am«.  Dorai. 


33= 


Mamee  eableusea. 


Assise  k  Bei,  aeulu*  od  In^ 


•         Jimm.  bUuUctas  cb 
arcnata, 

Aielse  i  Amm.  angnlatiu- 


plmiorbit. 


Rbftt 


Rothe  Thone. 


Saudäteine. 


149 


MsUDb, 


aanct,  18SS. 


MoitUe. 


Tbk^uxm,  1859. 


L-  *■. 


UT  z^rragxn 


Calcafre  feimglnenx 
z.  Th. 


^*i  frlacs. 


k 


ivde  ooli- 


Bfarnes  grisea  mlca- 


Hydroxyde  ooli- 
thique. 


d» 


3.1U«  9  kTrig. 


rr«». 


u<Y  freseax. 


nodulcax. 


'  bitomineaaes. 


Gröl  sapraliasiqne. 


Calcaire  gr^seuz. 


nodulenx. 


MamM  bltomineuse« 


st:<lioliasiqae. 


t;^ 


iBmacbello. 


I^<«  k  oToIde« 
Arnigineax. 


itire  oereox. 


h 


es  lableiue«. 


\äB«Lir€vi9. 


y 


Gry»  arcnata. 


A.a90alatU9. 


Ä.  ploHorbis. 


Or^  m^dioliasiqae. 


Calcaire  lamacbelle. 


Marnea  &  ovoTdes 
ferraginenz. 


Mames  fenilletäes. 


Calcaire  ocrenz. 


Harnes  aablensea. 


Calcaire  igryphitea. 


Lnzemboorg 
(Qnnd  -  Dueh^. 

A^BBOS,   1851. 


Galcairea  blancs  de 
Rameiangei  %.  Tb. 


Oolltho  ferrnginouse 
d'Escb. 


Oris  inicacds  de  Ba- 
dersberg. 


Harnes  de  Pettange. 


Scbistes  de  Differ- 
dange. 


ICacigno  de  Garaicb. 
?  Scbistes  micae^. 


Harnes  4  ovoides. 


Lnzemboorg 
(Beige). 

DswALqus  et  Cbap. 


Calcaire  ferrnglneoz, 
X.  Tb. 


Oolitbe  ferrnginense 
de  Ht.-St.-Hartin. 


Psaromite  de  Ht.-St.- 
Hartin. 


Harnes  de  Orand- 
conr. 


Scbiste  de  Orand- 
coar. 


Hacigno  d'Anbange. 


Calcaire  ocrenz  4 
Or.  eymbium. 


7  Harne  sablense  de 
Cessingen. 


Calcaire  A  Qryph, 
areuata. 


Gros  de  Lnxem- 
boarg. 


Scbiste  d'lStbe. 
Qröe  de  Virton. 


Harne  et  calcaire  de 
Strassen. 


Gris  de  Lnzem- 

bonrg. 
Harne  de  Jamoigne. 


B18MI. 


LapsiüSi  1875. 


Graner  mergeliger  Kalk,  binfig 
eisenoolltbiscb  (Scbalkendorf). 


Gelber  weisser  Sandstein]      m».. 

/    cbison- 

Sandige  Tbone.  ) Sandstein. 


Grane  sand.  Hergelbank  ^ 


Dnnkler  Tbon. 


Scb.  des 
Peeten 


Granes  Tboni»andge8tein\  i'«»"»*'«»- 
(Gandersbofen). 


Dflnngescbicbtete  Tbone,  versteine- 
runguirm. 


Dflnngescbicbtete  Tbone  mit  Knol- 
len, versteinerungsreicb. 


Dflnngescbicb.  Tbone  mit  Septarien. 


Scbirere  Tbone  mit  Gypskrystallen 
(Gandersbofen). 


Toruloens-Zone.  Tbone. 


Jnrensis-Hergel. 


Posidonlen-Scbiefer. 


Costaten-Kalk. 


Hargaritatas>Zone. 
Blättrige  Tbonscbiefer  mit  Septarien 
nnd  Branneisenconcretionen. 


DavoBi-Kalk. 


Basaltiformen  Kalkbank. 


Nnmismalis-Hergel. 


Kalke  and  Letten  m.  Ory,  areuata. 


Angulaten-Sandstein. 


Planorbis-Kalk. 


ÜBERSICHTSTABELLE 

der  fossilen  Arten  Im  unteren  Dogger  Lothringens. 


8.  8.  =  sehr  selten;  8.  ==  selten;  b.  8.  =  siemlloh  selten ;  x.  H.  =  siemlich  hAuflg;  H.  =  hAoflg;  H.  H.  sssehr  hftnflg. 

Ein  —  bedeutet :  Nicht  vorhanden  resp.  nicht  gefunden. 


Claise. 

Zahl 

der 

Arten. 

Namen. 

Schichten 

mit 

Horp, 

»trUUulum, 

Unter- 1  Ober- 
Region. 

Schichten 

mit 

Trig.  navit 

und 

Oryph. 

ferruginea. 

Unter- 1  Ober- 
Region. 

■ 

Schichten 

mit 

Horp.  Mur- 

cMeonm 

und 

Pholadomga 

fidieula. 

Unter- 1  Ober- 
Region. 

Taf. 

Mt«. 

SepfOlo. 

lehihvOäOUTUS  BD 

f 

PIcnoMuriMsp 

_ 

.... 

— 

__ 

__ 

„^ 

_^ 

Ccpfcolopotfa. 

NauHhu  äff.  inomatu*  d'Obb.    . 

— 

— 

— 

b.  H. 

— 

— 

_ 

Aneylocera»  MoteUerue  Tbsq.  .  . 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

_ 

I.  Te^rofrran- 

AmaUKett»  FrideHcü  n.  sp.    ... 

— 

— 

— 

— 

_ 

_ 

^_ 

ill.l 

58 

cMota. 

•         »ubterrodtru  n.  sp.     . 

— 

— 

— 

s.  H. 

__ 

_ 

__ 

III.  f 

60 

Ämmonite»  äff.  Sieholdi  Opp.    .  . 

— 

— 

— 

z.H. 

— 

— 

^_ 

V  6 

97 

•         ntbifuignis  Opp.  .  .  . 

— 

^ 

— 

z.H. 

— 

— 

^mm 

IV.«,» 

94 

Harpoceroi  ÄaUtue  Zht.  sp.  .  . 

— 

— 

-^ 

H. 

.— 

— 

_ 

•      eoatula  Rbui  sp 

— 

— 

— 

S.S. 

— 

—. 

^mm 

1.9 

76 

•      ct.  erataefaleatttm  DvM, 

«p.  (non  Waaqms.) 

— 

— 

— 

_ 

_ 

S.S. 

__ 

*      diteite»  Waaq.  sp.  .  .  . 

— 

— 

■^ 

— 

__ 

.— . 

S.S. 

cf.  fluitaru  Dum.  sp. .  . 

— 

— 

_- 

— 

z.  H. 

— 

^_ 

II.  6 

79 

•      Lotharingieum  n.  sp. .  . 

— 

— 

.^ 

S.S. 

^ 

— 

^ 

II.  6 

80 

Lettbergi  n.  sp 

— 

— 

S.S. 



— 

__ 

V.  1 

88 

•      maetra  Dum.  sp 

— 

— 

_ 

s.  S. 

_ 

_ 

p^. 

I.  10 

88 

•      MurehUona  Sow.  sp.   . 

— 

— 

__ 

__ 

8. 

H. 

^^ 

•      opaUnum  Rbih  sp.   .  . 

— 

— 

^^ 

t.  8. 

S.S. 

^_ 

p*eudoradio9un  n.  sp.  . 

— 

— 

^— 

s.  H. 

«^ 

— 

IL  1-4 

77 

ef.  radian*  Rbiv.  sp.   . 

— 

— 

>_ 

8. 

_^ 

__i 

, 

L7 

74 

*      Sowerbyi  Hill.  sp.    .  . 

— 

— 

— 

^ 

— 

— . 

8.8. 

92 

•      Sutneri  n.  sp 

— 

__ 

_— 

__ 

— - 

S.S.? 

V.  2 

92 

i      »triatulum  Sow.  sp. .  . 

H.  H. 

H.  H. 

^ 

^.^ 

.— 

, — . 

, 

Ll-d 

71 

•      9ubundulatum  n.  sp.  .  . 

— 

— 

— 

H. 

— 

— 

— 

III.3-6 
IV.  1 

84 

•      mbeomptum  n.  sp.  .  .  . 

— 

— 

— 

b.  H. 

— 

— 

— 

V.8,4 

90 

152 


=— 



Schichten 

e-  « 

Schichten 

Schichten 

mit 

Trig.  navi* 

nnd 

Qryph, 

mit 

5-21 

ClAt«e. 

Zahl, 
der 

Namen. 

mit 
Harp. 

Harp.  Mur- 

ehüonce 

nnd 

Pholadomya 
ßdicula. 

:§2 

c  •-'2 

St« 

Taf. 

Seit«. 

Alten. 

»tritttulum. 

ferrvginea. 

Unter- 1  Ober- 

Unter- lObcr- 

Unter  |  Ober- 

Regien. 

RegioD. 

Region. 

Harpoeera»  undulatum  Stahlrp. 

s.S. 

^^^ 

«^ 

^.^ 

82 

»P 

8.8. 

— 

— 

— 

— 

— 

^— 

I   6 

81 

Lytoeera*  daueidum  (Opp.)  Ddm. 

■p 

— 

— 

— 

II. 

— 

— 

— 

1.8 

63 

27 

8t€phanoeeras  n.  Kp 

8.  8. 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

1.6 

C6 

II.  Dibran- 

Belemnite*  aeuariu*  Schlth.   .  . 

H. 

8. 

^ 

— 

— 

— 

— 

VI.  1 

«8 

chiata. 

brevi/ormi»  WoLTZ  .  . 

— 

X.  H. 

H. 

il.   H. 

H.   H. 

— 

104 

*         Bhcnantu  Opp 

— 

8. 

2.  S. 

H.  H. 

H. 

— - 

— 

103 

•         ttUfgiganteus  n.  sp. .  . 

^ 

— 

8. 

— 

— 

— 

VI.  2 

101 

OingenH»  Opp 

— 

— 

— 

— 

— 

z.H. 

z.  H 

106 

iiuurvatus  Ziht.  .  .  . 

— 

— 

— 

z.H. 

— 

z.  8. 

— 

irregularit  Scbloth. 

U. 

z.  8. 

— 

— 

— 

— 

— 

iOl 

*         9pinatU9  Qdbn 

— 

— 

— 

8. 

— 

z.H. 

— 

103 

•         ef.  »pinatu*  Qubk.  .  . 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

6. 

103 

10 

•         «u6e7apa/tt«  VoLTZ.  . 

X.  H. 

8. 

z.  8. 

z.  8. 

— 

— 

— 

104 

Oatlropoda, 

Cerühium  armatum  Oldf 

%.  8. 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

' 

Turbo  dupUeatwi  Gldp 

•      cf.  sp.  ined.  Qun.  Jara, 

8. 

"■^ 

^" 

"■^ 

Taf.47,  Flg.  2 

— 



— 

8.8. 

— 

— 

^ 

Fleurotonaria  cf.  opaUn*  Qub>. 

— 



— 

8.8. 

— 

— 

— 

•            sp.  (Steinkero).  . 

— 



— 

— 

— 

S.S. 

— 

7 

Dentalium  elongatum  Mflv.     .  •  . 

S.S. 



— 

— 

^ 

— 

— 

Äetaonina  sp. 

— 

8. 

__ 

— 

— 

LameUibran- 

Ottrea  ealeeola  Zibt 

-"— 

^— 

— 

H. 

— 

ehtata, 

I.  Atiphonida. 

■      tandaüna  Zibt 

— 

— 

H. 

— 

*  »ubirregularu  n.  sp.   .  .  . 

•  cf.  eduH/ormi»  Sohloth. 

~~ 

— 

8. 
8.8. 

8. 

VI.  3 

106 

•      erenata  Gldf 

— 

— 

— 

— 

— 

H. 

107 

Grffphaa/errugineaTmnqvitM.  . 

— 

— 

— 

H.  H. 

— 

— 

— 

VII.  1 

107 

•        ealeeola  Qübr 

— 

— 

— 

— 

— 

z.H. 

z.H. 

•        wblobata  Dbsh 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

H.   H. 

110 

Anonia  Oingensit  Qübk 

— 

— 

— 

— 

S.S. 

— 

S.S. 

Peeten  dite^ormi«  SCHfiBL.    .  .  . 

— 

8. 

H. 

H.   H 

— 

8. 

, 

Lotharingieu*  n.  sp.    ... 

— 

— 

S.  8 

— 

— 

— 

— 

VIII.9 

111 

•      letu.  QüBxST.  Jura ,  Taf. 

44,  Fig.  12 

— 

— 

S.S. 

8. 

H. 

8. 

8. 

110 

•      Qermania  d'Obb 

— 

— 

H. 

H.   H. 

— 

— 

*     pumilus  Lam 

— 

— 

— 

8. 

z.  H. 

z.  8. 

H. 

Hinnite*  aiqeetu*  Mobr.  a.  Ltc. 

— 

— 

— 

— 

z.  8. 

— 

8. 

Lima  duplieata  Sow.  sp 

— 

— 

— 

— 

z.  S. 

— 

— 

VI.  5 

112 

•     Legghergi  n.  sp 

— 

— 

— 

— 

H. 

— 

— 

VIII.  T 

113 

•     tenuiftriata  Hflif 

— 

— 

— 

— 

— 

S. 

— 

•    proboteidea  &ovr,  sp 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

z.H. 

•     Muleata  G-LDF • 

I 

^^^ 

•«. 

_ 

— _ 

— 

S. 
z.  H. 

VI.  4 

•    Sehimperi  n.  sp 

111 

TVfcWlH.p 

MglUvt  gniiihoidti  Qua 
Ifodiela  iHfuala  Bov. 


et.  »BulitrentU  Li 


Ätiarte  Vallii  Iiai. 


VNKAbiHii  As. 
•  rtliatlalaAn.  . 

^Dnanya  er.  MumAa.  .  . 
Ksatila  unioidtmraiinatQi 
Omiomyn  Snarti  As.    .  .  . 


154- 


Olaiae. 


Broiehiapoda, 


Oruataeea, 
Annelidet, 


Brffimoa* 


AnthoMoa» 


SuininA.  .  . 


Zahl 

der 

Arten. 


16 


11 
1 


3 


145 


Namen. 


laoeardia  et,  ÄdUntia  Qüsir.  ap. 

OreMly»  pinffui»  Aa 

Lyoiuia  äbduct»  Prxll.  ap.  .  .  . 
l/%$cifui  tp»    >•.••••••••• 

Lingula  ap 

Bhynehonella  oligaeantha  n.  ip.  . 

•  Frireni  n.  sp.  ... 
t^fraoolWUea  Opp. 
tenuispina  Waao.  . 

•  cf.  «ubdecorataDAV. 

•  »ubdeeorata  Dat.  . 
Terebratttla  EudeHDnBh 

•  ovoidet  Bow 

•  tnbmoxiUata  Monit. 

KretMscheeren 

Serpula  »ocialit  Oldp. 

•  flaeeida  Oldp 

•  ßlaria  Qldp 

Berenieea  düuviana  LAMOua,  ap. 
Ptululopora  Quengtedti  Waao.  . 
De/raneia  diplopora  n.  tp. .  .  .  . 
GdUropygot  agariei/ormU  Forb. 

A»t€ritu  »p 

Pentaerinus  cf.  pentagonalis  Qu. 
Theeoeyathu*  maetra  Gldp.  sp.  . 
M<mtUvauUia  Delabeehi  Eow.  a. 

Hazus 

MontlivauÜia  frocAoide«  Eow.  a. 

HAZiia 

Thamnastrea  cf.  UmUetta  M'Cor 

«P 

TheeotmiUa  grtgaria  M'Cor  sp.  . 

Bitamlnoses  Hols 

Chondrite»  «cppariiw  TkiotlUre  . 


Schichten 

mit 

Barp, 

»triatulum. 

Unter-)  Ober- 
Region. 


8.  B. 


S.S. 


8. 


Schichten 

mJt 

Trig.  navU 

and 

Qryph, 

fermginta. 

Unter- 1  Ober- 
Region. 


8. 


B.  S. 
s.  S. 


H. 


H.  H. 
H. 

S. 

z.  H. 


s.  H. 


8.8. 


H. 


Schichten 

mit 

ITarp.  Jfttr- 

ehi»ona 

and 

Pholadomya 

ßdicula. 

Unter- 1  Ober- 
Region. 


s.S. 


S.S. 


S.S. 


s.  S. 


s.S. 


s. 


E.  S. 


S.S. 

B.  S. 

s.  S. 


S.S. 


S.S. 


s.  8. 


X.  S. 


S. 
8. 


Ä  «'S 


z.  8. 


Taf. 


Mle. 


IZ.1,S      13B4 


VI.  7 
VI.  8 


131 

l«7 
ISS 


8.8. 

H. 

S. 
z.  H. 
S.S. 

H. 
S.S. 


8. 


B.  H. 


VI.  9 


ist 

ISl 


isa 


LITTERATUR-VERZEICHNISS, 


1)  AoASSiz,  L.,  £tudes  critiques  sur  les  mollusques  fossiles.  Neuchätel, 

1840. 

2)  ßENEGKE,  E.  W.,  Ueber  die  Trias.  In:  Abhandlungen  zur  geologischen 

Spezialkarte  von  Elsass-Lothringen.  Strassburg,  1877. 

3)  Benegke,  B.  W.,  Abriss  der  Geologie  von  ELsass-Lothringcn.  Strassburg, 

1878. 

4)  Blainville,  de,  Memoire  sur  les  Bälemnitcs.  Paris,  1827. 

5)  Brauns,  D.,  Der  mittlere  Jura  im  N.-W.  Deutschland.  Gassei,  1869. 

6)  Brauns,  D.,  Stratigraphie  uod  Paläontologie  des  s.-0.  Theiles  der  Hils- 

mulde.  In:  PalsBontographica,  XIII.  1865. 

7)  BuviGNiER,  A.,  Statistique  göologique  etc.  du  d^partement  de  la  Meuse. 

Paris,  1852. 

8)  Chapuis  et  Dewalque,  Description  des  fossiles  des  terrain&  secondaires 

de  la  proYince  de  Luxembourg.  Bruxelles,  1853. 

9)  Ghapuis,  Nouvelles  Recherches  sur  les  fossiles  des  terrains  secondaires 

de  la  province  de  Luxembourg.  In :  Möm.  de  TAcad.  royale  de  Bei- 
gique,  m.  1858. 

10)  GoQUAND,  Note  sur  les  minerais  de  fer  des  döpartements  de  TAreyron, 

du  Lot,  de  Lot-et-Garonne,  du  Tarn,  de  Tam-et-Garonne  et  de  la 
Charente-Införieure.  In  :  Bull.  Soc.  göol.  France,  II,  Bd.  VI,  S.  328. 
1849. 

11)  DAvmsoN,  Th.,  British  Fossil  Brachiopoda.  London,  1851—1855. 

12)  Dewalque,  Note  sur  les  divers  ^tages  qui  constituent  le  Lias  moyen  et 

le  Lias  supörieur  dans  le  Luxembourg  et  les  contr^es  Yoisines.  In : 
BulL  Soc.  göoL  France,  U,  Bd.  11 ,  S.  546.  1854. 

13)  Dewalque,  Description  du  Lias  de  la  province  de  Luxembourg.  Liöge, 

1857. 

14)  DiEULAFAiT,  L.,  Note  sur  Foolithe  infärieure...  dans  le  S.  et  S.-O.  de  la 

France.  BulL  Soc.  göol.  France,  II,  Bd.  25,  S.  403.  1868. 


156 


16 


17 


15)  Dumas,  E.,  Notice  sur  la  Constitution  göologique  de  la  rögion  supörieure 

du  döparteraent  du  Gard.  In :  Bull.  Soc.  g6ol.  France,  If,  Bd.  3,  S.  602. 

18i6. 
DuMORTiER,  E.,  £tudes  pal^ontologiques  sur  les  d^pöts  jurassiques  du 

bassin  du  Rhone.  Paris,  1864—1869. 
DuMORTiER,  E.,  Sur  deux  nouYcaux  gisements  du  calcaire  ä  fucoldes 

de  Toolilhc  införieure.  In :  Bull.  Soc.  göol.  France,  11,  Bd.  20,  S.  1 12. 

1856. 

18)  DüMORTiER,  E.,  Note  sur  le  calcaire  ä  fucoldes.  In:  Bull.  Soc.  g6ol. 

France,  II,  Bd.  18,  S.  579.  1861. 

19)  DüMORTiER,  E.,  Coup  d'cBil  sur  l'oolithe  införieureduVar.  In :  Bull.  Soc. 
geol.  France,  II,  Bd.  19,  S.  839.  1862. 

20)  ßßRAY,  M.  Th.,  Note  sur  la  Constitution  göologique  du  döpartement  du 
Monl-d'Or.  Bull.  Soc.  g6ol.  France,  II,  Bd.  16,  S.  1059.  1859. 

21)  fißRAY,  M.  Th.,  Stratigraphie  du  systöme  oolithique  iofc^rieur  du  d^par- 

lemenl  du  Cher.  In :  Bull.  Soc.  göol.  France,  Bd.  18,  S.  501.  1861. 

22)  Engelhardt,  Tableau  compar^  des  divers  ätages  du  Lias  en  diverses 
rögions  et  suivant  difförents  auteurs.  In :  Bull.  Soc.  g6ol.  France,  II, 
Bd.  15,  S.  422.  1858. 

23)  Fabre,  G.,  Note  sur  la  base  de  Toolithe  införieure  dans  les  environs  de 
Nancy.  In :  Bull.  Soc.  gßol.  France,  II,  Bd.  26,  S.  353.  1868. 

24)  Ferry,  M.  H.  de,  Note  sur  Tötage  bajocien  des  environs  de  Mäcon  (Saöne- 

et-Loire).  Gaen,  1861. 

25)  Fraas,  Versuch  einer  Vergleichung  des  deutschen  Jura  mit  dem  fran- 
zösischen  und  englischen.  In:  Leonhard's  Jalirbuch  für  Minera- 
logie, etc.  S.  139.  1850. 

Friderici,  Apergu  geologique  du  däp.  de  la  Moselle.  Metz,  1862. 
Friren,  Melanges  paläontologiques.  Lias  moyen.  In :  Bull.  Soc.  d'histoire 

naturelle  de  Metz,  II,  Heft  2.  Metz,  1875. 
Giesler,  Das  oolithische  Eisenstein  vorkommen  in  Deutsch-Lothringen. 

In:  Zeilschr.  f.  d.  Berg-,  Hütten-  und  Salinen-Wesen  im  Prcuss. 

Staate,  S.  9— 41.  1875. 

29)  GoLDFUSS,  A.,  Petrefacta  Germania).  1834—1840. 

30)  GuiBAL,  Memoire  sur  le  lerrain  jurassique  du  döparlemcnt  de  la  Meurlhe. 

In:  Mömoires  Acad.  de  Nancy.  1840. 

31)  Haime,  J.  Description  des  Bryozaires  fossiles  de  la  formation  jurassique 

In:  Mämoires  Soc.  göol.  France,  II,  Bd.  5,  S.  175. 


26 
27 

28 


157 

32)  HUBERT,  Note  sur  le  terrain  jurassique  du  bord  occidenlal  du  bassin 

parisien.  Bull.  Soc.  g6ol.  France,  II,  Bd.  12,  S.  79.  1854. 

33)  HUBERT,  Observations  sur  les  Gryphöcs  du  Lias.  In:  Bull..  Soc.  geol. 

France,  II,  Bd.  13,  S.  213.  1856. 

34)  HjäBERT,  Sur  le  groupe  des  Bölemniles  auquel  de  Blainville  et  d'Or- 

bigny  ont  donnö  le  nom  de  Belemnites  brevis.  In:  Bull.  Soc.  göol. 
France,  II,  Bd.  22,  S.  201.  1865. 

35)  Jacquot,  M.  E.,  Descriplion  göologiquc  et  min6ralogique  du  döparte- 

ment  de  la  Hoselle.  Paris,  1868. 

36)  Jacqüot,  M..E.,  Quelques  observations  geologiques  sur  la  disposition 

des  masses  min^rales  dans  le  döpartcment  de  la  Moselie.  Metz,  1854. 

37)  KoECULiN-ScHLUMBERGER.  £tudes  g^ologjques  dans  le  döpartement  du 

Haut-Bhin.  In:  Bull.  Soc.  göol.  France,  II,  Bd.  14,  S.  117.  1857. 

38)  KoECHLiN-ScHLUMBERGER.   Goupo  göologique  des  environs  de  Mende 

(Lozere).  In  :  Bull.  Soc.  göol.  France,  II,  Bd   11,  S.  605.  1854. 

39)  Lepsius,  B.,  Beiträge  zur  Kenntniss  der  Juraformation  im  Unter-EIsass. 

Leipzig,  1875. 

40)  Levallois,  Apercu  göologique  de  la  conslitution  göologique  du  döpar- 

tement  de  la  Meurthe.  Nancy,  1862. 

41)  Lycett,  J.  The  Gotteswold  hills.  London,  1857. 

42)  Lycett,  J.  On  some  new  species  of  Trigonia  from  the  Inferior  Oolite 

of  the  Cotteswolds.  In:  Ann.  and  Magaz.  of  Natur,  llistory,  vol.  12. 
1853,  October. 

43)  Lycett,  British  fossil  Trigoniae.  Palaont.  Society.  1872,  1874,  1875. 

1877. 

44)  Lycett,  Supplementary  monograph  of  the  molluscafrom  the  slonesfield 

slate,  etc.,  PaL  Soc,  1863. 

45)  Marcou,  Lettres  sur  les  roches  du  Jura.  Paris,  1857—1860. 
46)Majerus,  f.  E.  ,  Note  sur  le  terrain  jurassique  du  grand-duchö  de 

Luxembourg.  Sociale  des  sciences  naturelles  du  grand-duchö  de 
Luxembourg.  1854.  Tome  2,  S.  1—49. 

47)  Meugy,  Sur  le  Lias.  In :  Bull.  Soc.  g6ol.  France,  II,  Bd.  26,  S.  484. 1868. 

48)  MiLNE  Edwards  and  Haime.  A  monograph  of  the  british  fossil  corals, 

Pal.^Soc.,  1850. 

49)  Motisch,  G.,  Der  Aargauer  Jura.  Bern.  In:  Beiträge  zur  geolog.  Karte 

der  Schweiz,  IV.  1867. 

50)  MoESCH,  G.,  Monographie  der  Pholadomyen.  In:  Abhandlungen  der 

Schweizer,  paiaontolog.  Gesellschaft,  I  u.  II.  1874—1875. 


158 

5 1}  Morris  and  Ltcbtt,  A  monograph  of  the  Mollusca  of  the  great  oolithe. 
Palseontograph.  Soc.  1850. 

52)  MuRCHisoN,  R.  Outline  of  the  geology  of  the  neighbourghood  of  Ghel- 

tenham.  London,  1845. 

53)  Neumayr,  Ueber  unvermittelt  auftretende  Gcpbalopodentypen.  Jahr- 

buch der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt.  Wien,  1878.  Bd.  28,  Heft  1. 

54)  Oppel,  A.  Paläontologische  Mittheilungen.  Stuttgart,  1862  u.  1863. 

55)  Oppel,  A.  Die  Juraformation.  Stuttgart,  1856—1858. 

56)  d'Orbigny,  Prodrome  de  pal6ontologic  straligraphique,  etc.  Paris,  1850. 

57)  Orbigny,  DE,  Paläontologie  franfaise.  Paris,  1842—1849.  Terrains  ju- 

rassiques. 

58)  Philipps.  J.,  lUustrations  of  the  geology  of  Yorkshire.  London,  1835. 

59)  PiETTE,  Note  sur  le  gtte  des  Glapes  (Moselle).  In :  Bull.  Soc.  göol.  France, 

U,  Bd.  14,  S.  510.  1857. 

60)  PoMEL,  Note  sur  le  Lias  de  la  Moselle.  In:  Bull.  Soc.  g6ol.  France,  II, 

Bd.  3,  S.  652.  1846. 

61)  QuENSTEDT,  Petrefakteukunde  Deutschlands.  Tübiogen,  seit  1846. 

62)  QuENSTEDT,  Der  Jura.  Tübingen,  1858. 

63)  QuENSTEDT,  Handbuch  der  Pelrefaktenkunde.  Tübingen,  1867.  II.  Aufl. 

64)  Reinegke,  Maris  protogSBi  Nautilos  et  Argonautas.  Goburgi,  1818. 

65)  RäUNiON  extraordinaire  a  Neyers.  Oolithe  införieure.  Bull.  Soc.  göol. 

France,  1858.  Bd.  15,  S.  717. 

66)  R^UNiON  extraordinaire  a  Metz.  Bull.  Soc.  gäol.  France,  II,  Bd.  9, 

S.  561.  1852. 

67)  Reyn]^s,  P.,  Essai  de  gäologie  et  de  pal^ontologie  Ayeyronnaises.  Paris, 

1868. 

68)  Reyerchon,  Garte  göologique  du  döpartement  de  la  Hoselle.  1 866. 
69)Rgemer,  Fr.  Ad.,  Die  Versteinerungen  des  norddeutschen  Oolilhen- 

Gebirges.  Hannover,  1836. 

70)  Sauvage  et  Buvignier,  Statistique  minöralogique  et  göologique  du  d6- 

partement  des  Ardennes.  Mi^zi^res,  1842. 

71)  ScHLUMBEROER ,  M.,  Noto  sur  3  nouvelles  esp^ces  d'Alaria  recueiliies 

dans  le  minerai  de  fer  ä  Nancy,  au  niveau  des  Am.  Sowerbyi  et  Mvr- 
chisonx,  Gaen,  1865. 

72)  Schloenbagh,  U.,  Beiträge  zur  Paläont.  der  Jura-  und  Kreide-Form  in 

N.-W.  Deutschland.  Palseontographica,  Bd.  13.  1865. 

73)  Seebagh,  K.  von.  Der  Hannoversche  Jura.  Berlin,  1864. 


159 

74)  Simon,  V.,  Itinöraire  göologique  et  minöralogique  dans  les  döpartements 

de  la  Moselle,  etc.  In :  Mämoires  Acad.  royale  de  Metz.  1821. 

75)  Simon,  Y.,  Memoire  sur  le  Lias  du  d^partement  de  la  Moselle.  Extrait 

des  Mömoires  Acad.  royale  de  Metz.  1836  et  1837. 

76)  SowERBY,  The  mineral  conchology.  1812. 

77)  Terquem,  Observations  sur  les  ötudes  critiques  des  mollusques  fossiles 

comprenant  la  moDOgraphie  des  myaires  de  M.  Agassiz.  Metz,  1855. 

78)  Terquem,  Observations  sur  quelques  espöces  de  Lingules.  Bull.  Soc. 

göol.  France,  II,  Bd.  8,  S.  10.  1850. 

79)  Terquem,  Observations  sur  les  Gryphöes  du  döpartement  de  la  Moselle. 

Bull.  Soc.  histoire  naturelle  du  d6partement  de  la  Moselle.  1855, 
S.  144. 

80)  Terquem.  Observations  sur  le  Lias  du  däpartement  de  la  Moselle.  Metz, 

1847. 

81)  Terquem.  Memoire  sur  un  nouveau  genre  de  mollusques  (Hettangiä), 

Bull.  Soc.  göol.  France,  II,  Bd.  10,  S.  364.  1853. 

82)  Terquem.  Remarques  critiques  sur  les  Bälemnites  du  döpartement  de 

la  Moselle.  Metz,  1846. 

83)  Terquem,  Observations  sur  les  Pleuromya  et  lesMyopsis  de  M.  Agassiz. 

Bull.  Soc.  g6ol.  France,  II,  Bd.  10,  S.  534.  1853. 

84)  Terquem,  Pali^ontologie  du  däpartement  de  la  Moselle.  Metz,  1855. 

85)  Terquem,  Note  sur  le  genre  Cerowt/a,  Bull.  Soc.  göol.  France,  U,  Bd.  9, 

S.  359.  1852. 

86)  Terquem,  Observations  sur  un  fossile  nouveau  (Ancyloceras  Mosellense 

Terq.).  Bull.  Soc.  bist,  naturelle  de  Metz,  II,  Heft  8,  S.  160.  1857. 

87)  Terquem  et  Piette,  Le  Lias  införieur  de  la  Meurlhe,  de  la  Moselle, 

du  grand-duchä  de  Luxembourg,  de  la  Belgique,  de  la  Meuse  et  des 
Ardennes.  Bull.  Soc.  g6oL  France,  II,  Bd.  19,  S.  323.  1862. 

88)  TmoLLiiiRE,  Räunion  extraordinaire  ä  Nevers.  Bull.  Soc.  g^ol.  France, 

II,  Bd.  15,  S.  710.  1858. 

89)  TmRiUA,  Statistique  minöral.  et  göolog.  du  däpartement  de  la  Haute- 

Saöne.  Besan^on,  1833. 

90)  ToMBEGK,  Sur  le  Lias  de  la  Haute-Marne.  In :  Bull.  Soc.  g^oL  France,  II, 

Bd.  27,  S.  286.  1869. 

91)  VoLTz,  M.,  Observations  sur  les  Bölemnites.  1830. 

92)  Waagen,  lieber  die  Zone  des  Am,  Sowerbyi.  In :  Geognostisch-paläon- 


160 

tologische  Beiträge  von  E.  W.  BeDccke.  S.  507  —  668.  Manchen, 
1868. 

93)  WniGHT,  Th.,  On  the  pateontological  and  stratigraphical  relations  of 

thc  socalled  #  sands  of  the  inferior  Oolite».  The  qoarterly  Journal 
of  the  geological  Soc.  1856.  Bd.  12,  S.  292—321. 

94)  Wright,  Tu.,  Monograph  of  the  Lias  Ammonites.  Palseont.  Soc,  1878 

95)  ZiETEN,  H.  VON,  Die  Versteinerungen  WQrtembergs.  Stuttgart,  1830. 


r 


ABHANDLUNGEN 


ZUR 


GEOLOGISCHEN  SPEZI  ALK  AllTE 


VON 


ELSASS-LOTHRINGEN. 


Band  II.  —  Heft  II. 


Mit  Atlas. 


STRASSBUR6, 
DRUCK  UND  VERLAG  VON  R.  SCHULTZ  &  C« 

(Berger-Levrault's  Nachfolger). 
1882. 


fjp'^ 


'^ 


Berichtigung  zum  Atlas. 

Taf.  IV.  Bei  der  Erklärung  von  Fig.  1  —  9  ist  irrthüralich  die  Bezeich- 
nung: uRhyüchonella  Beneckei»  stehen  geblieben.  Sic  ist  durch 
fiRhynchonella  Delmensisu  zu  erselzen. 

Taf.  VIII.  Bei  den  Fig.  8  a  und  10  a  sind  die  Arealkanten  zu  scharf  ge- 
zeichnet; sie  sind  in  Wirklichkeit  nicht,  oder  aber  nur  ganz 
schwach  angedeutet. 

Taf.  IX.  Bei  der  Erklärung  von  Fig.  15 — 18  ist  das  Wort  nFlcischeri^ 
statt  ußeischerU  einzusetzen. 

Taf.  X.  Bei  der  Erklärung  von  Fig.  18—19  desgleichen. 

Taf.  Xlll.  Fig.  25  ist  irrthünilich  mit  der  Zahl  76  und  Fig.  27  irrlhQm- 
licli  niit  der  Zahl  51  bezeichnet. 

Taf.  XIV.  Fig.  17^.  Die  Wulstansicht  ist  insofern  nicht  richlig,  als  dar- 
auf der  Verlauf  der  beiden  Rippen  auf  der  kleinen  Schale 
nicht  angedeutet  worden  ist.  . 

Taf.  XVlf.  Bei  Fig.  2  a  und  2  6  und  Fig.  3  a  und  3  6  ist  die  Abrundung 
des  Stirnrandes  nicht  genügend  hervorgehoben  worden  und 
sind  die  betreffenden  Figuren  am  Slirnrande  zu  breit  gezeichnet. 
Sie  ähneln  viel  mehr  Fig.  1  a  und  1  6,  als  die  Zeichnung  das 
zeigt. 

Bei  Fig.  4  a  und  4  b  ist  der  Schnabel  viel  zu  spitz  gezeich- 
net; er  tritt  kaum  schärfer  hervor,  als  bei  Fig.  3  a. 

Taf.  XVlil.  Die  Verbindungslinien  zwischen  Fig.  26—27  und  Fig.  28—29 
sind  zu  streichen.  Sie  müssen  durch  solche  zwischen  Fig.  26— 28 
und  Fig.  27 — 29  ersetzt  werden,  wie  aus  der  Erklärung  her- 
vorgeht. 

Berichtigung  zum  Text. 

Im  Text  ist  pag.  264,  auf  der  neunten  Zeile  von  unten  « Tcrebra- 
Ulla  dypticham  statt  ^ferehratula  chjplichn\)  zu  lesen. 


ABHANDLUNGEN 


ZUR 


GEOLOGISCHEN  SPEZIALKARTE 


VON 


ELSASS-LOTHRINGEN. 


Band  II.  —  Heft  H. 


•*  '  w    *.'  *.  V. 


STRASSBUR&, 

DRÜCK  UND  VERLAG  VON  R.  SCHULTZ  &  C« 

(BfiROER-LETiuuLT's  Nacbfolger). 

1882. 


DIE 


BRAGHIOPODEN 


DER 


JURAFORMATION 


VON 


ELSASS-LOTHRINGEN 


VON 


Dr.  HIPPOLYT  HAAS  &  Dr.  CAMILLE  PETRI. 


Hit  18  lithographirten  Tafeln  und  3  Zinkographieen. 


STRASSBÜR&, 

DRÜCK  UND  VERLAG  VON  R.  SCHULTZ  &  C" 

(Ber&er-Letbault's  Nachfolger). 

1882. 


A  b  k  tt  r  z  a  n  g  e  n : 


L.  S.    bedeutet :  geologische  Landessammlung  von  Elsass-Lothringen. 


F.  S. 
U.S. 
S.S. 
H.  U.  S. 
6.S. 


Sammlung  des  Herrn  Abb6  FaiaEN. 
Sammlung  der  Universität  Strassburg. 
Sammlung  der  Stadt  Strassburg. 
Sammlung  der  Universität  Heidelberg. 
Sammlung  des  Herrn  Dr.  GasppiN  (jetzt  der  geologischen  Landes- 
sammlung von  Elsass-Lothringen  einverleibt). 


Wo  bei  der  Beschreibung  der  Arten  unter  den  Gitaten  kein  Speziesname  an- 
geführt ist,  hat  der  betreffende  Autor  stets  den  von  mir  vorangestellten  Namen 
benutzt.  Bedient  sich  der  citirte  Autor  eines  anderen  Namens,  so  ist  derselbe  dem 
Gitat  beigefugt.  Es  bedeutet  z.  B.  S.  2  oben-  «1871  Beaüns,  Unterer  Jura.  pag.  439. 
Rhynchonella  caldeosta  Qdenst.  sp.»  dass  Bradns  meine  Rhynchoneüa  plicaUssima 
als  BhynchoneUa  caldeosta  Quenst.  sp.  auflf&brt. 


Ihrem  hochverehrten  Lehrer 


Herrn  Professor  Dr.  E.  W.  Benecke 


zu  Strassbnrg  i.  Eis. 


in  Dankbarkeit  zugeeignet 


Yon  den  Yerfassem. 


VORWORT. 


Der  eine  Theil  des  in  dieser  Arbeil  beschriebenen  Materials  be- 
findet sich  in  der  Strassburger  Universitäts-  und  städtischen  Sammlang 
sowie  in  derjenigen  der  geologischen  Landessammlung  von  Elsass-Loth- 
ringen.  Der  andere  Theil  wurde  mir  yon  Herrn  Abbö  Friren  in  Montigny 
bei  Metz,  der  mir  die  Schätze  seiner  ausgezeichneten  Sammlung  mit  der 
grOssten  Liebenswttrdigkeit  zur  Verfügung  stellte,  geliefert.  Es  sei  mir 
vergönnt,  diesem  Herrn  hier  verbindlichst  filr  die  Bereitwilligkeit  zu 
danken,  mit  welcher  derselbe  meinen  Bestrebungen  entgegen  gekommen  ist. 

Herr  Professor  Robenbusch  gestattete  mir  freundlichst  die  Unter- 
suchung einiger  zum  Vergleich  herbeigezogener  Stücke  aus  der  Gegend 
von  Langenbrücken  (Baden),  welche  der  geologischen  Sammlung  der 
Universität  Heidelberg  gehören.  Herr  Professor  E.  W.  Benegke  ermög- 
lichte mir  die  ausgedehnteste  Benützung  der  Hülfsmittel  des  ihm  unter- 
steUten  Universitätsinstituts  und  machte  mir  insbesondere  die  fast 
vollständige  Benützung  der  einschlägigen  Litteratur  möglich.  Hierfür, 
sowie  für  manchen  Rath  bei  der  Ausführung  meiner  Arbeit  bin  ich 
demselben  zum  grössten  Dank  verpflichtet.  Auch  dem  Herrn  Rathsherm 
Peter  Herian  zu  Basel  möchte  ich  meinen  besten  Dank  für  die  freund- 
liche Zusendung  und  Ueberlassung  seiner  Rhynchonella  acarus  aus- 
sprechen, ebenso  dem  Herrn  Achill  Andreae  aus  Frankfurt  a.  M.,  welcher 
mir  zu  wiederholten  Malen  selbstgesammeltes,  zum  Theil  sehr  werthvoUes 
Material  überlassen  hat. 

Die  Abbildungen  sind,  mit  nur  wenigen  Ausnahmen,  von  Herrn 
Fassoli  in  Strassburg  gezeichnet  und  lithographirt.   Die  Fig.  7—8  auf 


VIII 

Taf.  II  und  Fig.  1—2  auf  Tat.  VI  verdanke  ich  der  Freundlichkeit  des 
Herrn  Professor  Zittel,  welcher  deren  Herstellung  nach  den  OppEL'schen 
Originalstücken  in  der  Universitätssammlung  zu  Manchen  durch  Herrn 
SCHLOTTERBEGK  gOtigst  Veranlasst  hat. 

Die  bei  dieser  Arbeit  zu  Rathe  gezogene  Litteratur  ist  weiter  unten, 
chronologisch  geordnet,  angeführt.  In  der  Bezeichnung  der  einzelnen 
Theile  der  Brachiopodenschalen  folgte  ich  dem  ZiTTEL'schen  Handbuche 
Band  I,  S.  648  ff. 

Da,  wo  es  irgendwie  anging,  war  ich  bemüht,  die  in  Elsass- 
Lothringen  gefundenen  Formen  in  den  Rahmen  der  schon  bestehenden 
Nomenclatur  einzufügen;  andererseits  habe  ich  mich  freilich  genothigt 
gesehen,  gewisse  Benennungen,  wie  z.  B.  Rhynchonella  variabilis  u.  a. 
die  zu  Verwirrungen  ohne  Ende  führen,  ganz  bei  Seite  zu  lassen,  weil  es 
nicht  möglich  ist,  festzustellen,  was  der  Autor  unter  denselben  verstanden 
wissen  wollte. 

Die  Aufstellung  einiger  neuer  Namen  war  nicht  zu  umgehen.  Ein 
sorgfältiges  Vergleichen  der  vorliegenden  Formen  mit  den  Stücken  der 
Strassburger  Sammlungen  und  mit  guten  Abbildungen  massgebender 
Monographieen  führte  zu  der  Ueberzeugung,  dass  nur  auf  diesem  Wege 
Klarheit  in  die  Darstellung  zu  bringen  sei. 

Um  etwas  Absolutes,  um  eine  «gute  Art»  im  alten  Sinne,  handelt  es 
sich  in  diesen  Fällen  freilich  nicht;  vielmehr  liegen  dann  entweder 
lokale  Modificationen  schon  aus  anderen  Gebieten  beschriebener  Formen 
vor,  oder  es  sind  Mittelglieder  von  Formenreihen  mit  entfernt  stehenden 
Endgliedern  in  fassbarer  Weise  zu,  fixiren. 

6egenfü)er  den  vielen  neuen  Spezies  von  Rhynchonellen  mag  die 
geringe  Anzahl  neu  aufgestellter  Terebratuliden  wohl  auffallen.  Der 
Grund  hiefür  liegt  daran,  dass  für  die  Bestimmung  der  Terebratuliden 
Deslongghamp's  schönes  Werk  über  die  jurassische  Brachiopodenfauna 
Frankreichs  vorliegt,  an  die  sich  diejenige  Blsass-Lothringens  enge  an- 
schliesst,  während  die  Rhynchonelliden  noch  nicht  erschienen  sind. 

Als  eine  Hauptaufgabe  wurde  es  betrachtet,  die  Uebergänge  der 
einen  Form  in  die  andere,  also  die  wahrscheinliche  Verwandtschaft,  fest- 
zustellen. Es  ist  dies  auch  in  einer  Anzahl  von  Fällen,  wo  Material  in 
genügender  Menge  vorhanden  war,  gelungen,  und  es  darf  mit  Sicherheit 
vorausgesetzt  werden,  dass  sich  nach  Aufsammlung  reicheren  Materials 
noch  mehr  solcher  Uebergänge  werden  feststellen  lassen. 


IX 

Als  Anhalt  für  die  Reihenfolge  der  Beschreibung  wurde  die  geo- 
logische Aufeinanderfolge  gewählt.  Die  Zusammenfassung  von  Formen- 
reihen, wie  die  der  Rhynchonella  spinosa  Schl.  sp.,  der  Rhynchonella 
oligacantha  Brango,  der  Rhynchonella  tenuispina  Waagen  und  anderer 
erschien  dann  um  so  naturgemässer,  wenn  das  geologische  Alter  der 
einzelnen  Glieder  kein  zu  verschiedenes  war. 

Die  Linguliden  hat  Dr.  G.  Petri  in  Buchsweiler  bearbeitet.  An- 
fänglich hatte  derselbe  die  Absicht,  sämmtliche  Brachiopoden  zu  bear- 
beiten, musste  sich  aber,  da  seine  Berufsgeschäfte  ihn  in  erhöhtem 
Maasse  in  Anspruch  nahmen',  nur  auf  die  Vollendung  des  Abschnittes 
über  die  Linguliden  beschränken  und  mir  die  Übrige  Arbeit  übertragen. 

Seine  Notizen  betreffs  der  Terebratuliden,  welche  mein  Mitarbeiter 
mir  bereitwilligst  fü)erliess,  sind  mir  von  vielem  Nutzen  gewesen. 

Strassburg  i.  £.,  im  Oktober  1881. 

Dr.  H.  Haas. 


VERZEICHNISS  DER  BENUTZTEiN  LITTERATÜR. 


1812—29.  J.  SowERBT.  The  Mineral  conchology  of  Great-Britain. 
1813.  VON  Schlotheim.     Beiträge  zur  Naturgeschichte   der  Versteine- 
ruDgeu  etc. 

1819.  Lamark.  Animaux  saus  vertöbres. 

1820.  VON  Schlotheim.  Die  Petrefactenkunde  auf  ihrem  jetzigen  Stand- 

punkte etc. 
1831.  Buch.  Pätrifications  remarquables  etc. 

1833.  Thirria.    Statistique  min^ralogique  et  g^ologique  du  döpartement 

de  la  Haute-Saöne. 
1832 — 34.  G.  VON  Zieten.    Die  Versleinerungen  Württembergs. 

1834.  L.  VON  Buch.  Ueber  Terebrateln,  und  ein  Versuch,  sie  zu  classi- 

fiziren.  (Die  deutsche  Ausgabe  erschien  in  den  Abhandlungen 
der  kgl.  preussischen  Academie  der  Wissenschaften,  die 
französische,  von  Le  Gocq  übersetzt,  in  den  Mämoires  de  la 
Soci6t6  göologique  de  France,  1838,  1"  s6rie,  3*  vol.) 

1835—36.  Phillips.    Illustrations  of  the  Geology  of  Yorkshire. 

1835 — 36.  F.  A.  Robmer.  Die  Versteinerungen  des  norddeutschen  Oolithen- 
gebirges. 

1836.  Lamark.  Animaux  saus  vertöbres.  2.  Auflage. 

1837.  G.  Fromherz.    Die  Juraformation  des  Breisgaues. 
1837.  Pusgh.   Die  Paläontologie  Polens. 

1837.  Bronn.  Lethaea  geognostica. 

1839.  F.-A.  RoEMER.  Nachtrag  zu  den  Versteinerungen  des  norddeutschen 

Oolithengebirges. 
1843.  F.  A.  QuENSTEDT.    Das  FlOzgebirge  Württembergs. 
1843.  Morris.  Gatalogue. 
1848.  Bronn.   Index  palaeontologicus. 


XII 

1849.  A.  d'Orbigny.    Prodrome. 

1850.  Datidson.  A  moDograph  of  britisli  oolitic  and  liasic  brachiopoda. 

(British  palaeontographical  Bociety.  1852.) 
1851-^55.  F.  Ghapuis  et  G.  Dewalque.     Les  terrains  secondaires  du 
Luxemboorg,  etc.  (M^moires  de  rAcad^mie  royale  de  Belgique. 
Bd.  XXV.) 
1852.  Datidson.  Monograph  of  french  liasic  Spirifers.  (Annals  and  Ma- 
gazin of  Natural  History.  April  1852.) 
1852.  F.  A.  QuENSTEDT.    Handbuch  der  Petrefactenkunde. 

1852.  Th.  Davidson.    A  monograph  of  british  oolitic  and  liasic  bra- 

chiopoda. (British  palaeontographical  society.  1852.) 

1854.  Derselbe.  Appendix  to  vol.  I  der  vorstehenden  Arbeit.  (British  pa- 

laeontographical society.  1854.) 

1853.  Deslongchamps.    Notes  pr^entöes  ä  rinstitut  des  provinces  sur 

quelques  nouveaux  Brachiopodes  du  Lias. 

1855.  Terqueh.  Paläontologie  de  la  Hoselle. 
1853.  Oppel.   Der  mittlere  Lias  Schwabens. 

1856.  PiETTE.  Note  sur  les  gros  d'Aiglemont  et  de  Ramoigne.  (Bulletin 

de  la  Sociötö  göologique  de  France.  2'  s^rie,  t  13.) 
1856.'SuESS.  Classification  der  Brachiopoden.  (Nach  Davidson.  Bd.  i  der 
oben  angefahrten  Arbeit.) 

1856.  0.  Terquem.     Paläontologie   du   Systeme    liasique  infärieur   du 

Luxembourg  et  de  Hettange.  (Sociötö  göologique  de  France, 
2'  särie,  t.  5,  3'  memoire.) 

1857.  Deslongchamps.  Description  du  Systeme  oolithique  infärieur  du 

Calvados.  (Bulletin  de  la  Sociätä  linnäenne  de  Normandie.  t.  2.) 

1858.  F.  Ghapuis.     Nouvelles  recherches  sur  les  fossiles  des  terrains 

secondaires  du  Luxembourg.  (Hämoires  de  TAcadämie  royale 
de  Belgique.  XXXIIl.) 

1858.  F.  A.  Qüenstedt.    Der  Jura. 

1859.  Oppel.    Die  Juraformation  Englands,  Frankreichs  und  des  sdd- 

westlichen  Deutschlands. 

1860.  Martin.  Paläontologie  stratigraphique  de  Tinfra-lias  de  la  Bour- 

gogne.    (Mömoires    de  la  Sociät^   gäologique    de   France. 
2*  sörie,  t.  7.) 
1860.  Deslongchamps.  Notes  sur  Mage  bajocien  des  environs  de  Mäcon. 
(Mämoires  de  la  Sociätö  linnöenne  de  Normandie.  vol.  XIL) 


XIII 

1861.  Trautschold.  Der  Moskauer  Jara,  yerglichen  mit  dem  west- 
europäischen. (Zeitschrift  der  deutschen  geologischen  Ge- 
sellschaft. Bd.  XII,  pag.  358.) 

1861.  Oppel.    lieber  die  Brachiopoden  des  unteren  Lias.    (Zeitschrift 

der  deutschen  geologischen  Gesellschaft.  Bd.  XIII,  pag.  529.) 

1862.  Deslongchamps.  £tudes  critiques  sur  des  Brachiopodes  nouveaux 

ou  peu  connus.    (Bulletin  de  la  Sociötä  linni^enne  de  Nor- 
mandie.  vol.  VIII.) 

1863.  U.  SCHLOENBACH.    lieber  den  Eisenstein   des  mittleren  Lias  im 

nordwestlichen  Deutschland.  (Zeitschrift  der  deutschen  geo- 
logischen Gesellschaft.  Bd.  XV,  pag.  465.) 

1863.  W.  Waagen,    lieber  den  Jura  in  Franken,  Schwaben  und  der 

Schweiz. 
1863—1877.  Deslongchabips.  Brachiopodes  (Paläontologie  fran^aise  etc. 
1'  särie.  Animaux  invertöbrös.   Terrain  jurassique.   9  Lie- 
ferungen.) 

1864.  G.  TON  Seebach.    Der  Hannover'sche  Jura. 

1865.  0.  Terqueh  et  E.  Piette.  Le  Lias  infärieur  de  TEst  de  la  France. 

(Mömoires  de  la  Sociätä  gäologique  de  France,  2'  särie,  t.  8, 
1"  memoire.) 

1866.  0.  Terquem  et  E.  Jourdy.    Monographie  de  Tätage  bathonien  dans 

le  däpartement  de  la  Moselle.  (Mämoires  de  la  Sociätö  göolo- 
gique  de  France,  2»  s6rie,  t.  9,  2*  memoire.) 

1866.  J.  Delbos  et  J.  Koeghlin-Schlumberger.  Description  minäralo- 

gique  et  göologique  du  däpartement  du  Haut-Rhin. 

1867.  W.  Waagen,  lieber  die  Zone  des  Ammonites  Sowerbyi.  (Benecke, 

Geognostisch-palaeontologische  Beiträge.    Bd.  1,  pag.  507.) 
1867.  F.  k,  Quenstedt.    Handbuch  der  Petrefactenkunde.  2.  Aufl. 
1869.  Geological  Magazin. 
1869.  D.  Brauns.  Der  mittlere  Jura  im  nordwestlichen  Deutschland. 

1869.  Proceedings  of  the  Yorkshire  naturaliste  Glub  for  the  year  1869. 
1869^74.  DuMORTiER.  £tudes  pal^ontologiques  sur  les  döpöts  jurassiques 

du  bassin  du  Rhone. 

1 870.  Walker.  Rhynchonella  from  the  Bradford-Glay.  (Geological  magazine 

vol.  Vn,  pag.  562.) 
1870.  J.  G.  Greppin.  Le  Jura  bemois  et  districts  adjacents.   (Hatärianx 
pour  la  carte  gt^ologique  de  la  Suisse.  Vol.  Vlll.) 


XIV 

187t.  D.  Brauns.    Der  untere  Jura  im  nordwestlichen  Deutschland. 
1871.  F.  A.  QuENSTEDT.    Petrefactenkunde  Deutschlands:   Die  Srachio- 

poden. 
1875..  Friren.  M^langes  palöonlologiques.  (Bulletin  de  la  Sociöt^  d'histoire 

naturelle  de  Metz,  2'  s^rie,  2*  cahier.) 

1875.  R.  Lepsius.  Beiträge  cur  Kenntniss  der  Juraformation  im  Elsass. 

1876.  R.  Täte.  The  Yorkshire  lias. 

1876.  Davidson.  A  monograph  of  the  british  fossil  brachiopoda.  Supple- 
ment to  the  jurassic  and  triassic  species.  (British  palaeonto- 
graphical  society.  1876.) 

1878.  DAvmsoN.  A  monograph  of  the  british  fossil  brachiopoda.  Supple- 

ment to  the  jurassic  and  triassic  species.  (British  palaeonto- 
graphical  society.  1878.) 

1879.  Brango.    Der  untere  Dogger  von  Deutsch-Lothringen.    (Abhand- 

lungen zur  geologischen  Spezialkarte  von  Elsass-Lothringen. 
2.  Bd.,  1.  Heft.) 

1879.  L.  SoRBY.  Microscopical  structure  of  Shells,  etc.  (Quart.  Joum. 
geolog.  Society.  Bd.  XXXV.  Proc.  pag.  56.) 

1879.  L.  SzAJNOCHA.  Die  Brachiopodenfauna  der  Oolite  von  Baiin  bei 
Krakau.  (Denkschriften  der  k.  k.  Academie  der  Wissen- 
schaften zu  Wien.  Bd.  XLl.) 

1879.  V.  Uhlio.    lieber  die  liasische  Brachiopodenfauna  von  Sospirolo 

bei  Belluno.  (Sitzungsberichte  der  k.  k.  Academie  der  Wissen- 
schaften zu  Wien.  LXXX.  Bd.) 

1880.  Ghoffat.  £tude  stratigraphique  et  paläontologique  des  terrains 

jurassiques  du  Portugal.  I.  Le  Lias  et  le  Dogger  au  nord  du 
Tage. 
1880.  ZiTTEL.    Handbuch  der  Paläontologie.  Bd.L  Brachiopoden.  S.  641. 

1880.  DouviLLÄ.  Notes  sur  quelques  genres  de  Brachiopodes.  [Terebra- 

tulidsB  et  Waldheimiida?].  (Bulletins  de  la  Sociätä  gäologique 
de  France,  3*  s6rie,  t.  7,  pag.  251  ff.) 

1881.  A.   ZuGMAYER.     Untersuchungen   über    rhätische   Brachiopoden. 

(Mojsisovics  und  Neumayer.  Beiträge  zur  Paläontologie  von 
Oeslerreich-Ungarn.   Bd.  I,  pag.  1.) 


MhynchoneUa  y   Fischer  von  Waldheim  1809. 


Die  Rhynchonellen  des  Lias. 

Rhynchonella  plicatissima  Quenst.  sp. 
Rhynchonella  belemnitica  Quenst.  sp. 
Rhynchonella  Deffneri  Oppel. 
Rhynchonella  gryphitica  Quenst.  sp. 
Rhynchonella  Schimperi  nov.  sp. 
Rhynchonella  nov.  sp. 
Rhynchonella  rimosa  Buch  sp. 
Rhynchonella  furcillata  Theodori  sp. 
Rhynchonella  oxynoti  Quenst.  sp. 
Rhynchonella  calcicosta  Quenst.  sp. 
Rhynchonella  rostellata  Quenst.  sp. 
Rhynchonella  triplicata  Quenst.  spi 
Rhynchonella  curviceps  Quenst.  sp. 
Rhynchonella  amalthei  Quenst.  sp. 
Rhynchonella  Delmensis  nov.  sp. 
Rhynchonella  Rosenbuschi  nov.  sp. 
Rhynchonella  Steinmanni  nov.  sp. 
Rhynchonella  scalpellum  Quenst.  sp. 
Rhynchonella  acuta  Quenst.  sp. 


KhynchoneUa  plicatissima  Quenst.  sp.  1852. 

Taf.  I,  Fig.  1—3,  7—8. 

1852.  QuENSTEDT.  Handbuch.  pag.  451.  Taf.  36.  Fig.  3. 

1858.  Derselbe.  Jura.  pag.  73  und  99.  Taf.  12.  Fig.  15. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  123. 

1861.  Derselbe.  Brachiopoden  des  untern  Lias.  pag.  535. 
1867.  QuENSTEDT.  Haudbuch.  2.  Aufl.  pag.  539.  Taf.  46.  Fig.  3. 
II. 


11 


162 

1867.  DuMORTiER.  Depots  jurassiques,  etc.,  vol.  II.  pag.  229. 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  22. 

1871.  Qu£NST£DT.  BrEchiopoden.  pag.  47.  Taf.  37-^40  und  54—57. 
1871.  Brauns.  Unterer  Jura,  pag,  439.  RhynchanellacalcicostaQvEVST.sp. 
1878.  Davidson.   Supplement,  pag.  221.   (Fig.  34  auf  Taf.  28  ist  eine 

Gopie  von  Rhynchonella  plicatissima  Quenst.  sp.  in  Quen- 
STEDT.  Handbuch.  1852.  Taf.  36.  Fig.  3  und  1867.  Taf.  46. 
Fig.  3.) 

Brauns  sowohl,  als  auch  Davidson  lassen  diese  Spezies  nicht 
gelten,  werfen  sie  vielmehr  mit  der  nachher  zu  besprechenden  Rhyn- 
chonella  calcicosta  Quenst.  sp.  zusammen.  Berücksichtigt  man  jedoch, 
was  QuENSTEDT,  Brachiopodeu,  pag.  51,  sagt,  so  kann  von  einer  Identifi- 
cirung  beider  Formen  keine  Rede  sein. 

Es  treten  zwei  extreme  Formen  auf,  eine  längliche  und 
eine  breite,  welche  dem  Lager  nach  ziemlich  scharf  getrennt 
sind.  —  Die  Erstere  ist  nur  auf  die  Zone  des  Belemniies  brevts 
beschränkt,  die  Letztere  findet  sich  in  den  tieferen  Schichten, 
kommt  aber  noch,  wenn  auch  sehr  selten,  mit  den  länglichen 
Exemplaren  zusammen  vor.  Uebergänge  zwischen  beiden  Formen 
sind  beobachtet. 

Die  mehr  in  die  Breite  gezogene  Form  ist  in  den  Angu- 
latusschichten  und  dem  unteren  Gryphitenkalke  sehr  häufig,  ja 
sogar  charakteristisch  für  denselben;  doch  sind  gute  Exemplare 
selten,  da  die  Schalen  beinahe  durchweg  zerdrückt  sind.  — 
Das  häufigste  Vorkommen  ist  ca.  10  Millimeter  breit  und  ca. 
7 — 8  Millimeter  lang.  Die  Wirbelspitze  ist  ziemlich  stark  über* 
gebogen,  das  Deltidium  ist  umfassend,  die  Arealkanten  sind 
scharf.  Die  kleine,  ziemlich  gewölbte  Schale  ist  mit  13 — 15 
scharfkantigen  Rippen  geziert,  von  denen  3 — 5  auf  den  Wulst 
kommen.  Letzterer  ist  sehr  stark  ausgeprägt.  Die  Mehrzahl 
der  Rippen  verliert  sich  etwa  auf  der  Höhe  des  3.  oder  4. 
Viertels    der   Schale,    vom   Stirnrande    an   gerechnet.    In    den 


163 

m 

weniger  häufigen  Fällen  reichen  dieselben  noch  als  feine  Streifen 
bis  zum  Wirbel  hinan. 

Die  grosse  Schale  weist  12 — 14  ebenfalls  sehr  scharf- 
kantige Rippen  auf,  von  denen  2 — 5  auf  den  Sinus  kommen. 
Derselbe  ist  der  Gestaltung  des  Wulstes  entsprechend  tief 
eingeschnitten. 

In  vereinzelten  Fällen  wird  die  Zahl  der  Rippen  auf  der 
grossen  Schale  grösser,  als  auf  der  kleineren.  Der  Grund  hiefür 
liegt  darin,  dass  an  den  äussersten  Flügelecken  der  grossen 
Schale  noch  je  eine  neue  Rippe  auftritt. 

Die  längliche  Form  hat  eine  Länge  von  ca.  13  Millimeter 
und  ist  etwa  10  Millimeter  breit.  Sie  weist  durchgängig  weniger 
Rippen  auf,  als  die  breite  Form;  dieselben,  11  an  der  Zahl, 
wovon  5  auf  dem  Wulste  stehen,  gehen  alle  bis  zur  Wirbel- 
spitze hinauf.  Die  übrigen  Verhältnisse  sind  ebenso  wie  bei  der 
andern  Modification. 

Auf  die  verwandtschafllichen  ß(,'ziehungen  mit  anderen  Arten  komme 
ich  weiter  unten  auf  Pag.  4  und  13  zu  sprechen. 

Vorkommen:  Unterer  Lias,  a. 

Ober-Elsass:  Aue  bei  Sentheim  (ßrevisschichten);  Reichen- 
weier  (Gryphitenkalk). 

Unter-Blsass:  Waidenheim  (Angulatenschichten);  Rosheim, 
Ottrott,  Hochfelden,  Reichshofen,  Wörth  (Gryphitenkalk).  (L.  S.) 

Lothringen:  Gheminot,  Verny,  Golombey  bei  Metz,  Het- 
t  in  gen  (Gryphitenkalk);  Peltre,  Grigy  (ßrevisschichten).  (L  S.) 

Nachbarländer:  Pratteln  im  Kanton  ßasei,  Lehener  ßerg 
bei  Freiburg  i.  ß.  (G.  S.)  —  Maisch  bei  Heidelberg,  (ü.  S.) 


164 


Mhynchonella  betem/ntUea  Quenst.  sp.  1868. 

Taf.  I,  Fig.  4  —  6,  9  —  10. 

1858.  QuENSTEDT.  Juni.   pag.  73.  Taf.  8.  Fig.  15. 
1861.  Oppel.   Brachiopodea  des  uatern  Lias.  pag.  535. 
1867.  QuENSTEDT.  Handbuch.  pag.  539.  Taf.  46.  Fig.  1. 
1871.  Derselbe.  Brachiopodea.  pag.  43.  Taf.  37.  Fig.  33—36. 

Die  Grösse  varürt  sehr.  Es  gibt  kleine  Exemplare  von 
einer  Länge  von  12  Millimeter  bei  einer  Breite  von  10  Milli- 
meter und  wiederum  solche,  die  18  Millimeter  breit  und 
19  Millimeter  lang  sind.  Auch  Formen,  bei  welchen  die  Breite 
die  Länge  überwiegt,  kommen  vor,  sind  jedoch  seltener. 

Die  kleine  Schale  ist  mit  8—10  scharfkantigen  Rippen 
versehen,  von  denen  bei  den  kleineren  Exemplaren  nie  mehr 
als  3,  bei  den  grösseren  jedoch  bis  5  auf  den  Wulst  kommen. 
Dieselben  verlaufen  bis  in  den  Wirbel;  bei  einigen  und  zwar 
meist  kleineren  Exemplaren  bleibt  dieser  auch  glatt. 

Die  grosse  Schale  ist  mit  einem  ziemlich  ausgesprochenen 
Sinus  versehen,  der  je  nach  den  Verhältnissen  am  Wulste 
2 — 4  Bippen  trägt.  Die  Wirbelspitze  ist  nur  wenig  über  die 
kleine  Schale  übergebogen.  Das  umfassende  Deltidium  ist  nur 
in  wenigen  Fällen  erhalten.  Die  Arealkanten  sind  sehr  scharf, 
die  Schlosslinie  verläuft  fast  gerade.  Beide  Schalen  sind  nur  wenig 
gewölbt. 

Verh&ltniss  zu  anderen  Arten.  Die  Beschaffenheit  der  Wirbel- 
spitze, die  schärferen  Arealkanten  und  die  bedeutend  geringere  Anzahl 
der  schärferea  Rippen  dienen,  abgesehen  von  den  grösseren  Dimensionen, 
zur  Trennung  dieser  Art  von  Rhynchonella  plicatissima  Quenst.  sp.  Es 
kommen  jedoch  im  oberen  Gryphitenkalke  von  Lothringen  längliche  Exem« 
plare  vor,  bei  weichen  der  allgemeine  Habitus,  speziell  die  mehr  lange 
als  breite  Form  an  Rhynchonella  plicatissima  erinnert,  während  die 
Bildung  des  Wirbels  und  der  Rippen  auf  Rhynchonella  belemnitica  hin- 


165 

^eist  (cf.  QuENSTEDT.  Handbuch,  1867.  pag.  539).  Es  muss  hier  der 
individuellen  Auffassung  überlassen  bleiben,  die  betrelTeoden  Formen  zu 
Rhynchonella  belemnüica  oder  zu  Rhynchonella  plicatissima  zu  stellen, 
(cf.  Taf.  I,  Fig.  7—8.) 

Vorkommen:  Unterer  Lias,  a. 

Elsass:  Bis  jetzt  noch  nicht  gefunden. 

Lothringen:  Gheminot,  Verny  (Gryphitenkalk);  Peltre, 
Grigy  (Brevisschichten).  (L.  S.)  Fttr  die  oben  erwähnten  Zwischenformen 
Peltre  speziell. 

Nachbarländer:  (?)  Lehener  Berg  bei  Freiburg  i.  B.  (G.  S.); 
Maisch  bei  Heidelberg.  (H.  U.  S.)  (Gryphitenkalk.) 


Rhynchonella  Deffneri  Oppel  1861. 
Taf.  II,  Fig.  1—19. 

1861.  Oppel.  Brachiopoden  des  unteren  Lias.  Z.  d.  g.  0.  pag.  535  und 
die  Abbildungen  hiezu:  1852.  Quenstedt.  Handbuch.  Taf.  36. 
Fig.  2. 

1852.  Quenstedt.  Handbuch,  pag.  451.  Taf.  36.  Fig.  2.  Rhynchonella 
triplicata  juvenis  Quenst.  sp. 

1867.  Derselbe.  Handbuch.  2.  Auflage,  pag.  539.  Taf.  46.  Fig.  2.  Rhyncho- 
nella triplicata  juvenis  Quenst.  sp. 

1871.  Derselbe.  Brachiopoden.  pag.  40  und  folg.  Rhynchonella  gryphi- 
tica  Quenst.  sp.  und  Rhynchonella  gryphitica,  var.  pilula 
Quenst.  sp.  z.  Thl.  Taf.  37.  Fig.  15—18.  19—21. 

1778.  Davidson.  Supplement,  pag.  211.  Taf.  28.  Fig.  35,  36.  Rhyncho- 
nella triplicata  var.  juvenis  Quenst.  sp. 

Diese  von  Oppel  aufgestellte  Art  halte  Quenstedt  mit  dem  Namen 
« Terebratula  triplicata  juvenis*  bezeichnet;  auch  in  der  6  Jahre  nach 
Oppel's  Abhandlung  erschienenen  2.  Aufl.  seines  Handbuchs  behielt  er 
diesen  Namen  noch  bei.  Erst  in  den  1871  erschienenen  Brachiopoden  trennte 
er  eine  Terebratula  gryphitica  juvenis  und  Terebratula  gryphitica  pilula 
von  Terebratula  triplicata.  Quenstedt  fasst  nun  sehr  Verschiedenartiges 
unter  diesen  Namen  zusammen,  was  besonders  für  das  Vorkommen  in 


166 

Schwaben  sehr  praktisch  sein  mag,  für  Blsass-Lothringen  aber  nicht 
anwendbar  ist.  Denn,  wenn  auch  das,  was  Oppel  tBhynchonella  Deff- 
ner%9  benannt  hat,  in  der  Jagend  von  der  eigentlichen  Rhynchonella 
gryphitica  und  deren  Abänderungen  kaum  zu  trennen  ist  und  auch  bei 
den  ausgewachsenen  Formen  allerhand  Uebergflnge  von  einer  Form  in 
die  andere,  und  sogar  noch  «.  Th.  in  eine  dritte  Art,  die  Rliyncho- 
nella  Schimperi  nov.  sp.  vorhanden  sind,  so  ist  doch  die  typische  aus- 
gewachsene Form  der  Rhynchonella  Deffneri  so  grundverschieden  von 
den  typischen  Exemplaren  der  Rhynchonella  gryphitica  Quenst.  sp., 
dass  man  beide  Arten  unmöglich  unter  einem  Namen  vereinigen  darf. 

Die  kleine  Schale  der  Normalform  ist  fast  ganz  glatt. 
Wenn  überhaupt  Rippung  vorhanden  ist,  so  beginnt  dieselbe 
ganz  schwach  in  der  Nähe  des  Scheitels.  In  vielen  Fällen  ist 
auch  daselbst  nicht  die  geringste  Spur  einer  Rippenbildung  be- 
merkbar. Am  Stirnrande  zeigt  sich  eine  starke  Einbiegung  nach 
vorne,  welche  einen  ganz  glatten  Wulst  hervorruft.  Wenn  Be- 
Tippung  vorhanden  ist,  so  sind  es  meist  2—3,  selten  4  scharf- 
kantige Rippen,  die  den  dann  öfters  sehr  stark  hervortretenden 
Wulst  zieren  und  demselben  ein  etwas  eckiges  Aussehen  geben. 
Sie  verlaufen  schon  auf  der  Höhe  des  ersten  Dritttheils  der 
Schale,  vom  Stirnrande  an  gerechnet,  und  der  Wirbel  bleibt  bei 
allen  Formen  ganz  glatt,  während  die  Flügel  eine  einzige,  aber 
sehr  stark  ausgesprochene  Rippe  aufweisen. 

Ist  der  Wulst  glatt,  so  ist  auf  dem  Sinus  ebenfalls 
nicht  die  geringste  Spur  von  Berippung  zu  bemerken.  Im  an- 
dern Fall  besitzt  derselbe  je  nach  der  Beschaffenheit  des  Wulstes 
1—3  ebenfalls  sehr  scharfkantige  Rippen,  welche,  wie  diejenigen 
des  Wulstes,  sehr  bald  verschwinden.  Der  Schnabel  ist  sehr 
spitz  und  sein  sehr  starkes  Ueberbiegen  auf  die  kleine  Schale 
erlaubt  es  nicht,  über  Deltidium  und  Foramen  Beobachtungen 
anzustellen.  Die  Arealkanten  sind  sehr  scharf  und  die  Schloss- 
linie verläuft  fast  gerade. 

Bei  den  einen  starken  Wulst  bildenden  Formen  —  und  es 


167 

sind  speziell  die  grossen  alten  Exemplare,  welche  die  Tendenz 
hierzu  haben  •—  wölbt  sich  die  kleine  Schale  gleich  unter  dem 
Wirbel  und  fällt  dann,  fast  unter  einem  rechten  Winkel,  gegen 
die  Stirne  zu  ab.  Es  ist  die  Kegel,  dass,  je  grösser  der  Wulst 
ist,  je  mehr  er  hervorspringt  und  dann  die  Form  zur  Rundung 
hinneigt  oder  an  Breite  zunimmt,  desto  mehr  auch  die  Wirbel- 
spitze auf  die  kleine  Schale  herabgebogen  ist,  so  dass  die  grosse 
Schale  plötzlich  unter  90®  abbricht  und  die  Schnabelspitze  in 
der  Mitte  eine  Kante  erhält. 

Die  Abänderungen  unserer  Art  sind  überhaupt  so  mannig- 
faltig, dass  man  viele  Tafeln  mit  den  Abbildungen  derselben 
füllen  könnte.  Taf.  II,  Fig.  7 — 8  zeigt  einige  von  Oppkl's  Original- 
exemplaren  aus  der  Münchener  Sammlung. 

Dieselben  stammen  aus  dem  untern  Lias  von  Mähringen 
in  Württemberg  und  unterscheiden  sich  von  unsern  Formen 
durch  ihre  grössere  Breite  an  der  Stirn  und  durch  die  höher 
hinaufreichenden  Falten  am  Wulste,  sowie  durch  das  Auftreten 
von  zahlreicheren  Rippen  an  den  Flügeln.  Es  ist  wohl  dieser 
ein  Aehnlichwerden  mit  der  nachher  zu  besprechenden  Bhyncho- 
neüa  gryphitica  Quenst.  sp.  bedingende  Umstand,  welcher 
QuENSTEBT  veraulasst  hat,  beide  Formen  zusammenzuwerfen. 

Die  Länge  beträgt  durchschnittlich  12  —  13  Millimeter,  die 
Breite  10—11  Millimeter;  doch  kommen  auch  Exemplare  vor, 
die  ebenso  breit,  wie  lang  sind,  oder  auch  solche,  bei  welchen 
die  Breite  die  Länge  bedeutend  überwiegt  (cf.  Taf.  11).  Auch 
abnorme  Formen  sind  nicht  selten. 


Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Eine  scharfe  Grenze  zwischen 
Rhynchonella  Deffneri  und  Rhynchonella  gryphitica  Quenstedt's  ist  in 
gewissen  Stadien  der  Entwicklung  sehr  wohl  zu  ziehen  und  darum  wurden 
beide  getrennt  gehalten.  Auf  Formen,  welche  der  Unterscheidung 
Schwierigkeiten  bereiten,  komme  ich  unten  zurück. 


168 

Vorkomme a:  Unterer  Lias,  a. 

Unter-Elsass:  Rosheim,  Mattenkuppe  bei  Oberbrona  (Gry- 
phitenkalk);  Mühlhausen  (diluvial).  (L.  S.) 

Lothringen:  Gheminot,  St.  Jure  bei  Verny,  Verny,  Li^hon, 
Lemud,  Peltre,  Grigy,  Valiiöres,  überhaupt  Umgebung  von  Metz 
(Gryphitenkalk  und  Brevisschichten).  (L.  S.  —  F.  S.) 


Rhynehonella  gryphitica  Quenst.  sp.  1871. 

Taf.  II,  Fig.  20—30. 

1871.  QuENSTEDT.  Handbuch.  pag.  40  ff.  Taf.  37.  Fig.  11—13,  24—29 

und  Taf.  40.  Fig.  94. 
1852.  Derselbe.  Handbuch,   pag.   451.    Taf.   36.   Fig.   2.  Rhynchonella 

triplicata  und  triplicata  juvenis  Quenst.  sp.  z.  Tbl. 
1858.  Derselbe.  Jura.  pag.  73.  Taf.  8.  Fig.  18—20  und  22.  Rhynchonella 

triplicata  juvenis  Quenst.  sp.  z.  Tbl. 
1858.  Oppel.  Jura.  pag.  108.  Rhynchonella  variabilis  Schl.  sp.  z.  Tbl. 
1867.  QuENSTEDT.  Haudbuch.  pag.  539.  Taf.  46.   Fig.  2.  Rhynchonella 

triplicata  und  triplicata  juvenis  Quenst.  sp.  z.  Tbl. 

Bei  den  typischen  Exemplaren  trägt  der  Wulst  2 — 4 
Rippen,  ganz  ausgewachsene  Individuen  weisen  hie  und  da 
auch  6,  seltener  6  Rippen  am  Wulste  auf;  jedoch  finden  sich 
nur  bei  ganz  grossen  Formen  deren  mehr  als  4.  So  lange  die 
Form  noch  im  Stadium  der  RhynchoneUa  gryphitica  Qüenstedt^s 
steht,  besitzt  sie  nie  mehr  als  3  Rippen.  In  der  sehr  deutlich 
ausgesprochenen  Einsenkung  zwischen  Wulst  und  Flügeln  können 
auch  manchmal  neue  Rippen  entstehen ;  ebenso  gabelt  sich  nicht 
selten  eine  der  Wulstrippen  auf  halber  Höhe  der  Schale  gegen 
die  Stime  zu,  oder  das  umgekehrte  Verhältniss,  dass  2  Wulst- 
rippen sich  nahe  am  Stirnrande  zu  einer  einzigen  vereinigen, 
findet  statt.  Dieselben  reichen  bis  gegen  den  Wirbel  hin. 
Die  Flügel  sind  mit  2,   seltener  mit  3  Rippen  versehen»   die 


169 

ebenso,  wie  diejenigen  des  Wulstes,  scharfkantig  sind.  Da,  wo 
nur  2  Rippen  vorhanden  sind,  sind  sie  beide  gleich  stark  aus- 
gebildet; wo  ihrer  hingegen  3  auftreten,  ist  die  dem  Wulste 
zunächst  gelegene  stets  die  am  stärksten  ausgeprägte  und  die 
mittleren  sind  oft  kaum  noch  zu  bemerken.  Der  Wulst  selbst  tritt 
mit  dem  Alter  immer  mehr  hervor,  so  dass  die  ausgewachsenen 
Exemplare  eine  rundliche  Form  annehmen,  was  Quenbtedt  ver- 
anlasst hat,  diesen  den  Namen  j^gryphiticae  pilulae'^  zu  geben, 
während  er  die  flacheren  Formen  einfach  j^gryphiticae^  und  die 
ganz  jungen  „gryphiticae  juvenes^  nennt.  —  Somit  besteht  eine 
vollständige  individuelle  Entwicklungsreihe  von  Bhynchonella 
gryphitica  juvenis  durch  RhynchoneUa  gryphitica  zu  Rhyncho- 
neüa  gryphitica  püula. 

Unter  den  vielen  hundert  untersuchten  Exemplaren  dieser 
Spezies  habe  ich  keine  einzige  Bhynchonella  gryphitica  von  der 
Grösse  der  meisten  Pe/u^a-Formen  gefunden,  wohl  aber  häufig 
Entwicklungsformen,  die  es  ermöglichten  den  allmäligen  Ueber- 
gang  der  einen  in  die  andere  Varietät  genau  nachzuweisen.  — 
Deshalb  ist  es  wohl  richtig,  alle  3  Stadien  der  Entwicklung 
unter  dem  einen  Namen  Bhynchonella  gryphitica  zusammen- 
zufassen. 

Die  grosse  Schale  hat  im  Sinus,  je  nach  Men  Verhältnissen 
im  Wulste,  1 — 5  Rippen  aufzuweisen.  Desgleichen  sind  die 
Flügel  mit  je  2,  sehr  selten  mit  je  3  Rippen  versehen.  Auch 
diese  sind  scharfkantig  und  fast  bis  in  die  Wirbelspitze  hinein 
zu  verfolgen.  Der  Schnabel  ist  spitz;  die  Verhältnisse  des  Del- 
tidiums  klar  zu  legen,  gestattete  der  Erhaltungszustand  der  mir 
zu  Gebote  stehenden  Exemplare  nicht.  Die  Arealkanten  sind 
ziemlich  scharf,  die  Schlosslinie  ist  nur  leicht  gebogen.  Die 
Schalen  sind  sämmtlich  in  glänzenden  Kalkspath  umgewan- 
delt, meistens  innen  hohl  und  mit  zierlichen,  sehr  spitzen 
Skalenoädern  dieses  Minerals  erfüllt.     Sie  springen  meist  schon 


170 

bei  einem  leichten  Hammerschlag  aus  dem  sie  umhQUendefi  Ge- 
stein heraus.  * 

Die  Dimensionen  der  RhynchoneUa  gryphitica  yariiren 
ebensosehr,  wie  jene  der  RhynchoneUa  Deffneri  Oppel.  Die 
Länge  beträgt  bei  den  ausgewachsenen  Individuen  ca.  13-— 14, 
die  Breite  ca.  11  —  12  Millimeter.  Abnorme,  mehr  breite  als 
lange  Formen  kommen  auch  vor,  speziell  bei  ganz  alten  Exem- 
plaren. 

Auf  die  Beziehungen  unserer  Art  zu  andern  und  auf  ihre  Yer- 
wandtschaflsverhaltnisse  komme  ich  in  einem  der  nächsten  Abscbnitte 
zu  sprechen. 

Vorkommen:  Unterer  Lias,  o. 

Unter-Elsass:  Bucbsweiler  (Bahneinschnitt),  Zinsweiler 
Mattenkuppe  bei  Oberbronn  (L.  S.);  Ubrweiier  (S.  S.)  (Gryphiten- 
kalk). 

Lothringen:  Gheminot,  Verny,  Li'öhon,  Sorbey-M6cIeuves, 
Peltre,  Grigy,  Valli^res  bei  Hetz,  St.  Jure  bei  Metz,  Kedingen 
(Gryphitenkalk  und  ßrevisschichten).  (L.  S.  —  F.  S.) 

Nachbarländer:  SchOnthal  im  Kanton  Basel,  Lehener 
Berg  bei  Freiburg  i.  B.  {6.  S.)  —  Meri,  Baltringen  und  Hassel 
in  Luxemburg  (Gryphitenkalk).  (L.  S.) 

An  den  hier  citirlen  Localitäten  Lothringens  sehr  häufig,  im  Rlsass 
seltener. 

Als  eigenthümliche  Erscheinung  sei  noch  hervorgehoben,  dass  die 
Formen  von  Hassel,  Baltringen  und  Merl  in  Luxemburg  und  die- 
jenigen von  Kedingen  in  Lothringen,  also  aus  dem  äussereten  Nord- 
westen, eine  viel  grossere  Aehnlichkcit  mit  den  schwäbischen  Vorkomm- 
nissen besitzen,  als  die  Exemplare  von  den  andern  Localitäten. 


171 


Bhynehonella  Sehimperi  nov.  sp. 

Taf.  n,  Fig.  31—32.  Taf.  lU,  Fig.  1—12. 

Die  kleine  Schale  hat  9 — 12,  selten  mehr  Rippen,  wovon 
3 — 4  auf  den  Wulst  kommen,  der  stark  ausgeprägt  und  durch 
eine  tiefe  Einsenkung  von  den  Flügeln  getrennt  ist.  In  der 
Einsenkung  beobachtet  man  zuweilen  eine  nur  schwach  ange- 
deutete, weitere  Rippe,  die  fast  nie  an  beiden  Seiten  zugleich 
vorhanden  ist,  sondern  meist  nur  an  einer  derselben  auftritt. 
—  Mit  der  Zahl  der  Wulstrippen  correspondirt  auch  die  Zahl 
derjenigen  auf  den  Flügeln,  so  dass  an  Formen  mit  3  Wulst- 
rippen 3  Flügelrippen  und  an  solchen  mit  4  Rippen  am  Wulste 
ebenso  viele  an  jedem  Flügel  auftreten.  Dieses  ist  die  Norm,  doch 
kommen  auch  Exemplare  mit  4  Rippen  am  Wulste,  welche  deren 
nur  3  oder  sogar  nur  2  auf  jedem  Flügel  besitzen  und  umgekehrt 
solche  mit  3  Wulstrippen  und  4  Rippen  an  jedem  Flügel  vor. 
Seltenheiten  sind  Formen  mit  5  oder  gar  6  Wulstrippen.  In 
diesem  Falle  weisen  die  Flügel  nie  mehr  als  3  Rippen  auf. 
Oefters  vereinigen  sich  auch  2  Rippen  gegen  den  Stirnrand  hin 
zu  einer  einzigen;  seltener  dagegen  ist  es,  dass  eine  Rippe  sich 
gegen  den  Stirnrand  hin  gabelt.  —  Beide  Erscheinungen  treten 
nur  an  den  Wulstrippen  auf;  in  einem  einzigen  Falle  konnten 
zwei  gegen  den  Stirnrand  hin  sich  vereinigende  Rippen  auch 
in  der  Einsenkung  zwischen  Wulst  und  Flügeln  beobachtet 
werden.  Eine  ganz  eigenthümliche  Ausnahme  von  der  Regel 
bildet  das  auf  Taf.  II,  Fig.  31  abgebildete  Exemplar  aus  der 
Sammlung  des  Herrn  Abb^  F&iben,  das  bei  einem  typisch  aus- 
gesprochenen Habitus  unserer  Spezies  auf  der  oberen  Hälfte 
der  Schale  eine  Berippung  ähnlich  gewissen  Exemplaren  der 
BhynchoneUa  rimosa  Buch  sp.  zeigt. 

Je  grösser  die  Form  wird  und  je  geringer  die  Anzahl  der 
Rippen  ist,   desto  scharfkantiger  sind  dieselben.   Bei  den  brei- 


172 

terei)  Exemplaren  sind  sie  oft  nur  noch  schwach  angedeutet 
und  verlaufen  auch  nicht  erst  in  der  Wirbelgegend,  wie  bei  den 
scbarfkantigen  Formen,  Bondern  schon  auf  der  Mitt«  der  Schalen. 

Die  grosse  Schale  hat  einen  tief  eingeschnittenen  Sinus 
mit  2—3  Rippen  auf  demselben;  die  demselben  zunächst  ge- 
legene ist  die  kräftigste ,  die  mittlere  ist  schon  echwäcber  und 
die  letzte  oft  nur  ganz  schwach  ausgebildet.  Unter  dem  ziemlich 
auf  die  kleine  Schale  herabgebogenen,  spitzen  Schnabel  liegt 
das  von  einem  umfessenden  Deltidium  begrenzte  Foramen.  Die 
Arealkanten  sind  stets  ^sefar  scharf ;  die  Schlosshnie  verläuft 
gerade. 

Die  durchschnittliche  Länge  der  typischen  Exemplare  be- 
trägt 9-^12  Millimeter,  die  Breite  meist  ebenso  viel.  Mitunter 
überwiegt  die  Länge  auch  die  Breite  um  ca.  2 — 3  Millimeter. 
Abnorme  Büdaugen  sind  sehr  häufig  (cf.  Tat  III). 

Bemerkensverth  ist,  dass  unter  dem  Material,  welches  an 
einem  einzigen  Morgen  in  Grigy  gesammelt  wurde,  mehr  als 
20  Varietäten  sicli  vorfanden,  von  denen  jede  eine  andere 
Eigenthümlicbkeit  zeigte. 

Auf  die  verwaadtschafllichen  Beziehungen  zu  andern  Arten  komme 
icli  weiter  unten  zu  sprechen. 

Vorkommen:  Unterer  LiaE,  a. 
BIsass:  Mit  Sicherheit  nicht  bekannt. 

Lothringen:  Peltre,  Grigy,  Valli6res,  St.  Jure  bei  Verny, 
Kediugen  (Brevisschichten).  (F.  S.  —  L.  S.) 

Sie  tragt  den  Namen  des  um  die  geologieche  WiggenschaR  hoch- 
verdienleo,  jetzt  verewigten  Professors  Dr.  W.  Schimper. 


173 


Mhynchonella  nov.  sp. 

Taf.  ni,  Fig.  13. 

Unter  dem  mir  von  Herrn  Abb^  Fbiben  zur  Verfügung 
gestellten  Material  befindet  sich  ein  einziges  Exemplar  einer 
ganz  neuen  Form,  welches  aus  den  Schichten  des  Belemnites 
hrevis  von  Grigy  stammt. 

Die  4  Millimeter  breite  und  kaum  6  Millimeter  lange 
Form  ist  auf  der  kleinen  Schale  mit  18  scharfkantigen,  erst  im 
Wirbel  verlaufenden  Rippen  versehen,  von  denen  4  den  nicht 
stark  hervortretenden  Wulst  und  je  7  die  Flügel  zieren.  Die 
kleine  Schale  ist  viel  stärker  gewölbt  als  die  grosse,  bei 
welcher  die  Rippen  sich  ganz  ähnlich  verhalten  wie  diejenigen 
auf  der  kleinen.  Der  Sinus  ist  nur  schwach  entwickelt.  Die 
Arealkanten  sind  ziemlich  scharf;  der  Schnabel  ist  kaum  auf 
die  kleinere  Schale  übergebogen.  Der  Erhaltungszustand  des 
Exemplars  erlaubte  keine  Beobachtungen  betreffend  des  Del- 
tidiums. 

Bei  dem  geringfügigen,  mir  bisher  zu  Gebote  stehenden  Material 
verzichte  ich  auf  eine  spezifische  Benennung. 


Die  Verwandtschaftsverhältnisse  der  unterllasischen  Arten  unter  sich 
und  ihre  Beziehungen  zu  den  mittelliasischen  Arten. 

Im  unteren  und  mittleren  Lias  a  treten,  wie  auf  den  vorhergehen- 
den Seiten  auseinandergesetzt  wurde,  zwei  Formen  von  Rhynchonellen 
auf,  die  Rhynchonella  plicatissima  Quenst.  sp.  und  die  RhynchoneUa 
belemnitica  Quenst.  sp.  Beide  sind,  wie  schon  bei  der  Beschreibung  der 
letzteren  gesagt  worden  ist,  durch  Mitteiformen,  wie  sie  Fig.  13—14  auf 
Taf.  I  veranschaulichen,  miteinander  verbunden. 

Bei  Rhynchanella  plicatissima  Quenst.  sp.  besteht  ferner  ein  Ueber- 
gang  nach  Rhynchonella  Schimperi  nov.  sp.,  indem  Exemplare,  wie 
Taf.  III,   Fig.  8—9  sie  zeigen,  unverkennbar  als  Mittelformen  zwischen 


174 

beiden  aufzufassen  sind.  Es  sind  dies  Formen,  weiche  die  grOsste  Aehn- 
lichkeit  mit  den  länglichen  Typen. von  Rhynchanella  plicatissima^  wie 
sie  Qu£NSTEDT  in  seinen  Brachiopoden,  Taf.  37,  Fig.  37 — 39,  treffend 
wiedergibt,  zeigen.  —  Rhynchonella  belemnitica  besitzt  unter  den  unter- 
iiasischen  Arten  keine  weiteren  Verwandten-,  erst  in  den  Davceikalken 
treten  gewisse  Formen  der  Rhynchonella  triplicata  Qüenst.  sp.  non 
Phillips  auf,  zu  weichen  sie  in  naher  Beziehung  zu  stehen  scheint. 

Schwer  ist  es,  sich  eine  Vorstellung  von  den  Beziehungen  der 
Rhynchonella  Schimperi^  der  Rhynchonella  Deffneri  und  der  Rhyncho- 
nella  gryphitica  zu  einander  zu  bilden. 

Sicher  zu  konstatiren  ist,  dass  alle  drei  Arten  gleiche  Jugend- 
stadien haben.  Von  dieser  Thatsache  hat  man  jedenfalls  auszugehen.  Es 
findet  nun  aber  weiterhin  nibht  eine  einfache  Entwicklung  in  drei  diver- 
gente Reihen  statt,  sondern  es  wird  die'  Variabilität  gleichzeitig  neben- 
einander vorkommender  Formen  eine  so  grosse,  dass  jeder  Versuch,  eine 
leitende  Form  in  dem  Ganzen  festzuhalten,  auf  die  grOssten  Schwierig- 
keiten stösst. 

Das  erste  Jugendstadium  aller  drei  Formen  ist  ganz  glatt.  Erst 
wenn  die  Schale  eine  gewisse  Grösse  erreicht  hat,  fängt  die  Fältelung 
derselben  an.  Zunächst  treten  am  Stirnrande  drei  feine  Rippen  auf; 
dabei  pflegt  sich  bei  schwacher  Entwicklung  derselben  die  Wirbel- 
spitze stärker  zu  krümmen,  während  bei  stärkerer  Rippenbildung  der 
Schnabel  spitzer  bleibt.  Je  nachdem  nun  der  eine  oder  der  andere 
Fall  eintritt,  entstehen  Formen,  die  zu  Rhynchonella  gryphitica  und 
Schimperi  gestellt  werden  können,  oder  die  zu  Rhynchonella  Deffneri 
hinüber  führen. 

Wird  die  Rippenbildung  gleich  in  der  ersten  Jugend  eine  starke, 
so  hat  die  Schale  in  den  meisten  Fällen  eine  Tendenz,  mehr  in  die  Breite 
zu  wachsen;  dabei  biegt  sich  die  Wirbelspitze  nach  und  nach  um  und 
es  entsteht  die  ächte  Rhynchonella  gryphitica*  Entwickelt  sich  aus  dem 
Jugendstadium  dagegen  eine  schlankere  Form,  so  bleibt  der  Schnabel 
spitzer,  die  Rippenbildung  ist  alsdann  eine  nur  geringere  und  die  Schale 
wird  zur  Rhynchonella  Schimperi. 

Tritt  dagegen  der  seltenere  Fall  ein,  dass  während  des  Wachs- 
thums  der  Rhynchonella  bei  zunehmender  Breite  der  Schale  und  ähn- 
lichem Verhalten  der  Wirbelspitze,  wie  bei  der  Entwicklung  der  Rhyn- 
chonella gryphitica^  die  Rippenbildung  entweder  nicht  mehr  oder  nur 


175 

sehr  wenig  zuaimmt,  oder  gar  ganz  fehlt,  so  erhalten  wir  eine  als  Rhyn- 
chonella  Deffneri  zu  hezeichnende  Form. 

In  dieser  Weise  kann  man  sich  die  Entwicklung  nach  Reihen  etwa 
Yorstellen.  Als  Beispiele  des  Zusammenhanges  der  schon  vorgeschrittenen 
Formen  unter  einander  mögen  folgende  angefahrt  werden: 

a)  Der  Zusammenhang  von  Rhynchonella  Schimperi  mit  Rhyri' 

■ 

chonella  Deffneri, 

Rhynchonella  Schimperi  nimmt  eine  rundliche  Gestalt  an,  die 
Rippen  werden  abgerundeter  und  verlieren  ihre  Schärfe,  beschränken 
sich  dabei  immer  mehr  und  mehr  auf  die  Stirngegend  und  verschwinden 
daselbst  zuletzt  fast  vollständig.  Gleichzeitig  hat  sich  die  Wirbelspitze 
Qbergebogen  —  nur  in  ganz  seltenen  Fällen  findet  das  nicht  statt  —  und 
schliesslich  sieht  das  letzte  Exemplar  der  Uebergangsreihe  ganz  so  aus, 
wie  Rhynchonella  Deffneri  und  ist  tlberhaupt  nicht  mehr  von  dieser  zu 
unterscheiden.  Taf.  I,  Fig.  15—17  veranschaulicht  einige  Formen  eines 
solchen  Uebergangs.  Dieser  kann  nun  bei  Exemplaren  aller  Dimensionen 
(ausser  den  ganz  kleinen,  jugendlichen)  stattfinden  und  ist  nicht  auf  eine 
Altersstufe  beschränkt.  An  den  Habitus  der  Form  ist  er  nicht  gebunden, 
denn  man  kann  denselben  sowohl  an  breiten,  wie  auch  an  schlanken 
Exemplaren  beobachten. 

Ein  sehr  merkwtlrdiger  Umstand  wurde  bei  Grigy  beobachtet. 
Rhynchonella  Schimperi  und  Rhynchonella  Deffneri  liegen  dort  zwar 
in  einem  und  demselben  Bett,  doch  nicht  mit  einander  vermischt,  son- 
dern strichweise  gesondert.  Auf  der  einen  Seite  des  grossen  Stein- 
bruchs kann  man  viele  hundert  Exemplare  der  einen  auflesen,  ohne  auch 
nur  ein  Stock  der  anderen  Art  darunter  zu  finden  und  umgekehrt;  an 
anderen  Stellen  finden  sich  wieder  nur  Uebergangsformen.  Ob  dieser 
Umstand  nur  localer  Natur  ist,  konnte  in  Ermangelung  ähnlicher,  zu 
diesen  Beobachtungen  tauglicher  Profile,  wie  das  von  Grigy,  noch  nicht 
festgestellt  werden. 

b)  Der  Zusammenhang  von  Rhynchonella  Deffneri  mit  Rhyncho* 
nella  gryphitica. 

Hier  sind  es  hauptsächlich  die  breiteren  Formen  und  wiederum 
ganz  unabhängig  von  der  Grösse,  an  denen  die  Erscheinung  besonders 
auffallend  zu  Tage  tritt.  An  länglichen  Exemplaren  der  beiden  Spezies 
von  ausgewachsenem  Habitus  konnte  ich  solche  Uebergänge  nicht  nach- 
weisQjd,  wohl  aber  an  den  halb  ausgewachsenen  Individuen  beider  Arten ; 


176 

also  an  länglichen  Jugendexemplaren  der  Rhynchonella  gri^hüica  und 
an  noch  wenig  gerundeten  der  Rhynchonella  Deffneri^  nicht  aber  an 
länglichen  und  alten  GryphiticchFormen  und  stark  gerundeten  länglichen 
Deffneri-Formen. 

Während  bei  den  jugendlichen  Exemplaren,  ähnlich  wie  bei  Rhyn- 
chonella Schimperi  und  Rhynchonella  Deffneri  durch  Zu-  oder  Abnahme 
der  Rippenbildung  und  yerschiedene  Ausbildung  der  Wirbelspilze  der 
Uebergang  vollzogen  wird,  findet  bei  den  erwachsenen  Formen  mit  der 
allmäligen  Zunahme  der  Rippen  auch  eine  Zunahme  an  Breite  und  Ab- 
rundung  statt  (Taf.  II,  Fig.  20,  22,  25). 

Eine  eigenthQmliche  Thatsache  ist  mir^  in  dem  schon  genannten 
Steinbruche  von  Grigy  bei  Metz  aufgefallen.  Es  ist  dort  der  oberste  Gryphiten- 
kalk  aufgeschlossen  und  es  gestattet  dieser  Umstand  die  mit  einander 
abwechselnden  Lager  von  Kalk-  und  Mergelbänken  sehr  genau  zu  be- 
obachten. In  der  zweilobersten  Mergelbank  liegen  die  typischen  Deffneri- 
Formen  zu  unterst;  je  höher  man  kommt  und  der  darüber  liegenden 
kalkigen  Schicht  sich  nähert,  desto  faltiger,  Gryphitica-ikhulicheT  werden 
die  Exemplare,  bis  in  der  Kalkbank  selbst  nur  ächte  Cryphitica-Formen 
auftreten.  In  der  obersten,  über  dieser  Kalkbank  liegenden  Mergelschicht 
treten  zu  unterst  wieder  diese  schon  erwähnten  Uebergangsformen  auf 
und  ganz  oben  haben  dieselben  sich  wieder  in  ganz  typische  Rhyncho- 
nella Z)e/fnm-Exemplare  umgewandelt.  —  Ob  dieser  Umstand  nur  ein 
Spiel  des  Zufalls  ist,  oder  ob  er  erlaubt  den  Schluss  zu  ziehen,  dass  die 
Beschaffenheit  des  Meeresbodens  einen  bestimmten  Einfluss  auf  die  Bil- 
dung der  Schalen  der  auf  demselben  lebenden  Brachiopoden  gehabt  hat, 
wird  durch  fortgesetzte  Untersuchungen,  besonders  auch  in  andern  Ge- 
bieten, festzustellen  sein. 

Rhynchonella  gryphitica  und  Rhynchonella  Schimperi  habe  ich 
noch  nicht  zusammen  gefunden;  directe  Uebergänge  lassen  sich  hier 
nicht  nachweisen,  wenn  auch  einige  sehr  seltene  Exemplare  von  Rhyn- 
chonella Schimperi  vorliegen,  welche  Aehnlichkeit  mit  gewissen  Formen 
der  Rhynchonella  gryphitica  zeigen. 

Ganz  seltene  Formen  sind  solche,  wie  sie  Fig.  23,  Taf.  II  zeigt.  Ich 
habe  nur  wenige  Stücke  dieser  Art  gesehen;  sie  sind  der  Wirbelbildung 
nach  zu  Rhynchonella  gryphitica,  nach  der  Beschaffenheit  des  Wulstes 
und  der  grossen  Anzahl  Rippen  jedoch  zu  Rhynchonella  plicatissima  zu 
stellen. 


177 

Fig.  31,  Taf.  II  zeigt  eine  eigene  Varietät  der  Rhynchonella  Schimr 
periy  die  vielleicht  als  eine  Yorläuferin  der  Rhynchonella  rimosa  Buch  sp. 
der  Davoeikalke  anzusehen  ist. 

Unzweifelhaft  werden  sich  noch  manche  andere  Uebergänge  unter- 
liasischer  Rhynchonellen  nachweisen  lassen.  —  Von  weiteren  Unter- 
suchungen, zumal  in  anderem  Gebiete,  wird  es  abhängen,  festzustellen, 
welchen  allgemeine  Geltung  zukommt  und  welche  nur  localer  Natur  sind. 
Bei  Vergleichen  sind  wir  bisher  beinahe  allein  auf  Schwaben  angewiesen, 
da  noch  in  keinem  andern  Gebiet  die  Beziehungen  der  Formen  zum 
Lager  in  so  ausgezeichneter  Weise  hervorgehoben  worden  sind,  wie  das 
dort  durch  Qdenstedt  geschehen  ist. 


Mhynchanella  rimosa  Buch.  sp.  1830. 
Taf.  III,  Kg.  24—25. 

1834.  Buch.  Ueber  Terebratehi  etc.  pag.  42. 

1832—34.  ZiETEN.  Versteinerungen  Württembergs.  Taf.  42.  Fig.  5.  pag.  56. 

1836 — 39.  RoEMER.  Versteinerungen  des  norddeutschen  Oolithengebirges. 

pag.  39. 
1843.  QuENSTEDT.   Flözgebirge  Wtlrttembergs.  pag.  184. 
1849.  d*Orbigny.  Prodrome,  vol.  I.  pag.  239. 
1852.  QuENSTEDT.  Haudbuch.  pag.  451.  Taf.  36.  Fig.  10—13. 

1852.  DAvmsoN.    Oolitic   and   liasic   brachiopoda.    pag.   70.    Taf.   14. 

Fig.  6— 6  a. 

1853.  Oppel.  Der  mittlere  Lias  Schwabens,  pag.  68. 

1858.  QuENSTEDT.  Jura.  pag.  139—141.  Taf.  17.  Fig.  18—21. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  25. 

1861.  Oppel.  Brachiopoden  des  unteren  Lias.  pag.  535  und  542.  Taf.  12. 

Fig.  2. 
1863.  OosTER.  Brachiopodes  des  Alpes  suisses.  pag.  43. 
1863.  ScHLOENBACH.  Der  Eisenstein  des  mittleren  Lias  etc.  pag.  552. 
1867.  QUENSTEDT.  Haudbuch.  2.  Auflage,  pag.  540.  Taf.  46.  Fig.  10—13. 
1871.  Derselbe.  Brachiopoden.  pag.  54—57.  Taf.  37.  Fig.  102—117.  121. 
1871.  Brauns.  Unterer  Jura.  pag.  442. 
1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  189.  Taf.  27.  Fig.  10. 

U.  18 


178 

Diese  Spezies  bekommt  durch  die  starke  Wölbung  der 
kleinen  Schale  ein  kugeliges  Aussehen.  „Diese  steigt  schnell 
auf,  vom  Schlosse  weg,  biegt  sich  aber  noch  vor  der  Mitte  und 
steigt  nun  weiter  sehr  sanft,  fast  horizontal,  bis  zum  Scheitel.^ 
(Buch,  Ueber  Terebräteln  etc.  pag.  42.)  Der  Wulst  trägt 
3 — 4  gebogene,  ziemlich  scharfkantige  Rippen.  Nur  2  Wulst- 
rippen, wie  das  Davidson  an  einer  englischen  Form  beobachtet 
hat  (Davidson,  Supplement,  pag.  189.  Taf.  27,  Fig.  10), 
kommen  bei  den  mir  zu  Gebote  stehenden  Formen  nie  vor 
(Taf.  II,  Fig.  31). 

Die  Einsenkung  zwischen  Wulst  und  Flügeln  ist  nur  ge- 
ring;  letztere  sind  in  den  gewöhnlichen  Fällen  mit  4,  selten 
mit  5  Rippen  versehen,  von  denen  stets  die  nächst  der  Ein- 
senkung am  stärksten  ausgebildet  ist.  Alle  diese  Rippen  auf 
der  kleinen  Schale  sind  nun  mit  nur  wenig  Ausnahmen  gegen 
den  Wirbel  hin  gespalten,  und  zwar  so,  dass  die  Spaltung  in 
der  Höhe  des  ersten  Drittels  der  Schale,  vom  Scheitel  an  ge- 
rechnet, beginnt.  Die  so  entstehenden  feinen  Streifen  sind  bis 
zum  Wirbel  hin  zu  verfolgen. 

Die  grosse  Schale  ist  sehr  stark  auf  die  kleine  herab- 
gebogen, so  dass  weder  Foramen  noch  Deltidium  zu  sehen  sind. 
Die  Schlosslinie  ist  nur  in  der  Mitte  etwas  gekrümmt,  sonst  ganz 
gerade.  Die  Arealkanten  sind  scharf;  der  Sinus  ist  „breit  und 
flach«  (Buch). 

Länge  ca.  6 — 7  Millimeter,  Breite  ebenso  viel. 

Qu£NST£DT  hat  Verschiedene  Varietäten  geschieden,  so  Rhyncho- 
nella  rimosa  oblonga,  Rhynchonella  rirnosa  multiplicata  u.  s.  w., 
Unterschiede,  die  an  unsern  Formen  nicht  festzuhalten  sind. 

Bezüglich  der  Verwandtschaftsverhältnisse  siehe  weiter  unten. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,   y. 

Unter-Elsass:  Barr  (L.  S.);  Bberbach  (L.  S.)  (Davoeikalk); 
Mühihausen  (L.  S.)  (diluvial). 


179 

Lothringen:  Solgne  (Dayoeikalk);  Malroy  bei  Metz  (Numis- 
malismergel).  (L.  S.) 

Bh/ynchoneUa  fwrcUlata  Theod.  sp.  1834. 
Taf.  m,  Fig.  14,  19 -"20. 

1834.  Buch,  lieber  Terebrateln  etc.  pag.  43. 

1836—39.  RoBMER.  Norddeutsches  Oolithengebirge.  pag.  30.  Taf.  13.  Fig.  2. 

1848.  Bronn.  Index  palaeontologicus.  pag.  1237. 

1849.  d'Orbigny.  Prodrome,  vol.  I.  pag.  239. 

1852.  QuENSTEDT.    Handbuch.  pag.  452.    Taf.   36.  Fig.  14.    Rhynch(h 
nella  fimbria  Sow.  sp.  z.  Thl. 

1852.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.69.  Taf.  14.Fig.2 — 5. 

1853.  Oppel.  Mittlerer  Lias.  pag.  68.   Rhynchonella  ßmbria  Sow.  sp. 

z.  Thl. 
1858.  Quenstedt.  Jura.  pag.  141.  Taf.  17.  Fig.  31—33.  (34—36?) 
1858.  Oppel.  Jura.  pag.  125. 
1863.  ScHLOBNBAGH.  Der  Eisenstein  des  mittleren  Lias  etc.  pag.  553. 

1863.  OosTER.  Brachiopodes  des  Alpes  suisses.  pag.  42—43. 

1864.  Seebagh.  Hannoverischer  Jura.  pag.  23. 

1867.  Quenstedt.  Handbuch.  2.  Aufl.  pag.  540.  Taf.  46.  Fig.  14. 

1871.  Quenstedt. Brachiopoden.pag.61.Taf.37.Fig.l27— 143.(138— 143?) 

1871.  Brauns.  Unterer  Jura.  pag.  443. 

1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  189.  Taf.  27.  Fig.  1—3. 

Die  kleine  Schale  ist  ziemlich  gewölbt  und  steigt  gleich 
unter  dem  Wirbel  an ,  geht  dann  aber  in  einer  fast  geraden 
Linie  zur  Stirn,  wo  sie  mit  einem  ziemlich  starken  Wulste,  der 
3 — 4  Rippen,  selten  deren  5  trägt,  versehen  ist.  Dieselben  sind, 
wie  die  2 — 3  Flfigelrippen  auf  jeder  Seite,  ziemlich  scharf- 
kantig. Die  grosse  Schale  hat  einen  breiten  Sinus,  der  je  nach 
der  Beschaffenheit  des  Wulstes  2  —  4  Rippen  besitzt  2 — 3 
Rippen,  von  denen  die  dem  Sinus  zunächst  Hegende  stets 
die  stärkste  ist,  erheben  sich  auf  jedem  Flägel.  AUe  diese 
Rippen  nun,   sowohl  die  auf  der  grossen,   als  auch  diejenigen 


180 

auf  der  kleinen  Schale,  brechen  auf  der  Höhe  des  ersten  Vier- 
tels derselben,  vom  Stirnrande  an  gerechnet,  plötzlich  ab  und 
spalten  sich  in  je  3  sehr  feine,  bis  in  die  Wirbelspitze  hinein 
verlaufende  Streifen,  „so  dass  es  aussieht,  als  wäre  jede  Schale 
mit  einem  kleineren  eng  gestreiften  Plättchen  belegt^  (Buch, 
Ueber  Terebrateln.  pag.  43). 

Beide  Schalen  weisen  kräftige  Anwachsstreifen  auf.  Der 
Schnabel  ist  spitz  und  ragt  frei  hinaus;  die  Arealkanten  sind 
sehr  scharf,  das  Deltidium  umfasst  das  Foramen,  die  Schloss- 
linie ist  gebogen. 

Die  vorliegenden  Exemplare  sind  breiter,  als  lang;  die 
Breite  beträgt  15—16,  die  Länge  11—13  Millimeter.  Doch 
sind  auch  Fälle  beobachtet,  in  denen  die  Länge  der  Breite 
gleichkommt.  Ein  abnormes  Exemplar  aus  der  Sammlung  des 
Herrn  Abb6  Fbiben  in  Metz  ist  sogar  18  Millimeter  breit  und 
16—17  MüUmeter  lang  (cf.  Taf.  IH,  Fig.  20). 

Bezüglich  der  Beziehungea  zu  anderen  Arten,  siehe  weiter  unten. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  y. 

Unter-Elsass:  Eberbach,  Zinsweiler  (Davoeikalk);  Mohl- 
hausen  (diluvial).  (L.  S.) 

Lothringen:  Haute-  und  Basse-Bövoie  bei  Metz  (Davoei- 
kalk). (F.  S.) 

Mh/ynchonella  OQOynoti  Qüenst.  sp.  1862. 

Taf.  m,  Fig.  21—22. 

1852.  QuENSTEDT.  Handbucli.  pag.  451.  Taf.  36.  Fig.  4—5. 

1853.  Oppel.  Mittlerer  Lias.  pag.  67. 

1858.  QuENSTEDT.  Jura.  pag.  107.  Tat.  13,  Fig.  22—». 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  108. 

1867.  QUENSTEDT.  Handbuch.  2.  Aufl.  pag.  539.  Taf.  46.  Fig.  4—5. 
1871.  Derselbe.  Brachiopoden.  pag.  41.  Taf.  37.  Fig.  53,  60—81. 
1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  210.  Taf.  28.  Fig.  37—38. 


181 

Diese  Spezies  ist  bis  jetzt  in  Elsass-Lothringen  nicht  mit  Sicher- 
heit nachgewiesen  worden.  Bei  Hairoy,  nördlich  von  Metz,  finden  sich 
in  den  Numismalismergehi  einige  seltene  verkieste  Formen,  welche 
wohl  zu  Rhynchonella  oxynoti  gehören  können,  deren  Erhaltungszustand 
aber  leider  nicht  festzustellen  erlaubt,  ob  man  es  hier  mit  ächten 
Oxynoten  oder  mit  jungen  Rimosen  zu  thun  hat. 

Die  unzweifelhaft  mit  der  schwäbischen  genau  stimmende  Form, 
fiadet  sich  nur  an  einem  Punkte  des  Rheinthals,  der  hier  mit  aufgefahrt 
werden  mag,  nemlich  zwischen  Zentern  und  Oestriogen  bei  Langen- 
brücken, in  verkiestem  Zustande,  mit  Am.  Jamesoni  im  mittleren  Lias 
(Numismalismergel). 

MhynchoneUa  caidcosta  Quensst.  sp.  1862. 

Taf.  I,  Fig.  11. 

1852.  QuENSTEDT.  Haudbuch.  pag.  451.  Taf.  36.  Fig.  6—9. 

1853.  Oppel.  Mittlerer  Lias.  pag.  67. 

1858.  Quenstedt.  Jura.  pag.  138.  Taf.  17.  Fig.  16—17. 
1865.  Terquem  et  Piejte.  Lias  infärieur  de  FEst  de  la  France,  pag.  114. 
1867.  Quenstedt.  Handbuch.  2.  Aufl.  pag.  540.  Taf.  46.  Fig.  6—9. 
1869.  DuMORTiER.  Döpöls  jiirassiques  du  bassin  du  Rhone,  pag.  152. 
1871.  Quenstedt.  Brachiopoden.  pag.  51  und  folgende.  Taf.  37.  Fig.  82 

bis  91.  122. 
1871.  Brauns.  Unterer  Jura.  pag.  439. 

1875.  Lepsius.  Beiträge  zur  Kenntniss  der  Juraformation  etc.  pag.  17. 
1878.  Öavidson.  Supplement,  pag.  220.  Taf.  28.  Fig.  24—33. 

Die  kleine  Schale  ist  mit  10 — 11  scharfkantigen  Rippen 
versehen,  wovon  2 — 3  den  stark  ausgesprochenen  Wulst  bilden. 

Ple  grosse  Schale  hat  einen  tief  eingeschnittenen  Sinus, 
der  1 — 2  Rippen  trägt.  Sämmtliche  Rippen  beider  Schalen  laufen 
bis  in'' den  Wirbel  hinein.  Der  spitze  Schnabel  ragt  meist  weit 
hinaus,  nur  in  selteiien  Fällen  ist  er  an  die  kleine  Schale  an- 
gedrückt. Das  Deltidium  ist  discret,  die  Arealkanten  sind  scharf, 
die  Schlosslinie  verläuft  gerade. 


182 

Die  Form  wird  8  Millimeter  lang  und  ebenso  breit.  Bei 
den  grossen  Exemplaren  ist  die  Wölbung  der  Schale  nur  gering, 
die  kleineren  jedoch  neigen  zur  Kugelbildung. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Verwandt  ist  diese  Spezies  mit 
Rhynchonella  curviceps  Quenst.  sp.,  worauf  wir  bei  Besprechung  dieser 
Art  noch  zurückkommen  werdeQ.  —  In  Lothringen  fehlt  die  ächte  Rhyn- 
chonella calcicosta  bis  auf  einige  zweifelhafte  Formen,  doch  führen 
sie  Terquem  und  Pibtte  aus  den  Schichten  des  Amm,  bisulcatuLs  von 
Jamoigne  (Meurthe-et-Moseüe)  auf.  Gewisse  Formen  der  Rhynchonella 
Schimperi  (pag.  11)  haben  aber  grosse  Aehnlichkeit  mit  der  achten 
Rhynchonella  calcicosta  und  liegt  deshalb  wohl  die  Yermuthung  nahe, 
dass  diese  erstere  Art  yielleicht  die  Rhynchonella  calcicosta  in  Loth- 
ringen vertritt. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  y. 

Ober-Elsass:  Reichen weier.  (L.  S.) 

Unter-Elsass:  Bossendorf.  (L.  S.) 

Lothringen:  StQckingen.  (L.  S.) 
(Davoeikalk). 

Mhynchonella  rostellata  Quenst.  sp.  1871, 

Taf.  m,  Fig.  26—31. 

QuENSTEDT  Stellt  Rhynchonclla  rostellata  als  eigene  Spezies  auf; 
nach  den  Blsass-Lothringer  Vorkommnissen  scheint  es  aber  mehr,  als 
handle  es  sich  nur  um  jugendliche  Formen  gewisser  Entwicklungen  der 
nachher  zu  besprechenden  Rhynchonella  triplicata  Quenst.  sp.  (non 
Phillips). 

Der  vollständige  Nachweis  fQr  diese  Behauptung  lässt  sich  jedoch 
noch  nicht  stricte  fahren,  da  die  nöthigen  Beobachtungen  an  Ort  und 
Stelle  noch  fehlen. 

Heine  Vermuthuog  stutzt  sich  lediglich  auf  das  Material,  welches 
mir  Herr  Abbä  Friren  gütigst  zur  Verfügung  stellte. 

Bis  8  Millimeter  lang  und  ebenso  breit  werdend.  Die 
kleine  Schale  ist  meist  sehr  bauchig  und  ^war  liegt  die  grösste 


183 

Wölbung  direct  unter  dem  Wirbel.  Beide  Schalen  sind  je  mit 
8—9  Rippen  versehen.  2—3  derselben  bilden  auf  der  kleinen 
Schale  einen  ziemlich  ausgesprochenen  Wulst,  der  durch  eine 
tiefe  Einsenkung  von  den  Flügeln  getrennt  wird.  Letztere  sind 
mit  je  3  Rippen  versehen,  wovon  die  dem  Wulste  zunächst 
liegende  die  ausgesprochenste  ist. 

Die  grosse  Schale  hat  einen  tief  eingeschnittenen  Sinus; 
die  Anzahl  der  auf  ihm  stehenden  Rippen  beträgt  entsprechend 
der  Zahl  der  Wulstrippen  1 — 2.  Der  Schnabel  ist  mehr  oder 
weniger  stark  auf  die  kleine  Schale  angedrückt.  Von  Foramen 
und  Deltidium  ist  nichts  zu  sehen.  Die  kaum  bemerklichen 
Arealkanten  sind  nur  sehr  wenig  scharf.  Die  Schlosslinie  ver* 
läuft  gerade. 

Die  W^irbelgegend  ist  auf  beiden  Schalen  ganz  glatt;  mit 
zunehmender  Grösse  der  Form  reichen  jedoch  die  Rippen  immer 
höher  hinauf  und  der  Schnabel  wird  im  Allgemeinen  freier,  bei 
manchen  Exemplaren,  speziell  bei  denjenigen,  die  grössere  Nei- 
gung zum  Rundlichwerden  zeigen,  bleibt  derselbe  aber  auch 
angedrückt.  Auf  der  grossen  Schale  bildet  sich  in  der  Wirbfei- 
gegend ein  „Schnabelkiel",  wie  es  Quenstedt  nennt  (cf.  Taf.  III, 
Fig.  28  6). 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Die  eben  beschriebene  Form 
findet  sich  stets  mit  Rhynchonella  triplicata  Quenst.  sp.  zusammen. 
Junge  Exemplare  dieser  letzteren  Art  findet  man  nun  auffallender  Weise 
nicht,  auch  nicht  bei  sehr  häufigem  Vorkommen  ausgewachsener  Indi- 
viduen. Man  kann  die  kleinsten  Triplicaten  an  die  grOssten  Rostellaten 
anschliessen,  zumal  letztere  meist  einen  freier  hinausragenden  Schnabel 
und  stärker  ausgebildete,  bis  in  den  Wirbel  hinein  verlaufende  Rippen 
besitzen,  wie  es  Rhynchonella  triplicata  zukommt  Es  ist  in  der  That 
sehr  schwer,  eine  grosse  Rhynchonella  rostellata  von  einer  Rhynchonella 
triplicata  mittlerer  Grösse  zu  unterscheiden,  wie  dies  Quenstedt  an- 
deutet, cf.  Brachiopoden.  pag.  53 :  «Dagegen  treten  unüberwindliche 
Schwierigkeiten  ein,    sowie  man  die  scharfe  Grenze  feststellen  will.» 


184 

Vorkommen:  Mittlerer  Lies,  y- 

Unter-EIsass:  WOrth,  Eberbach  (Davoeischichteo).  (L.  S.) 

Lothringen:  Solgne,  Haute-  und  Basse-B^voic  bei  Metz» 
Monterchen,  Schell  (Davoeikalk).  (L.  S.  —  F.  S.) 


Mhynchonella  triplioata  Qüenst.  sp.  1871  (non  Phillips). 
Taf,  I,  Fig.  22—24,  26—31.  Taf.  UI,  Fig.  32,  34,  36—37. 

1871.  QuENSTEDT.  Brachiopodeu.  pag.  70  und  folgende.  Taf.  37.  Fig. 
176-183.  Taf.  38.  Fig.  1—22. 

1858.  Derselbe.  Jura.  pag.  141.  Taf.  17,  Fig.  27—29.  Rhynchonella 
variabilis.  Sghl.  sp. 

Non!  Rhynchonella  triplicata  Phill.  1843.  Qüenstedt.  FlOzgebirge. 
pag.  136  und  Rhynchonella  triplicata  .Quenst.  sp.  1852. 
Handbuch,  pag.  451.  Taf.  36.  Fig.  1,  und  2.  Aufl.  pag.  539. 
Taf.  46,  Fig.  1. 

Es  sind  wohl  in  der  ganzen  Nomenclatur  der  fossilen  Brachiopoden 
keine  Namen  so  sehr  missbraucht  worden,  als  gerade  die  Bezeichnungen  : 
€  Rhynchonella  triplicata  i^  und  •Rhynchonella  variabilis  ti^  ,  Beide  sind 
so  oft  sowohl  fdr  ein  und  dieselbe,  als  auch  für  die  allerverschiedenslen 
Formen  angewandt  worden,  dass  es  wohl  gut  sein  wird,  durch  eine  ge- 
treue Darstellung  der  Sache  etwas  Klarheit  in  die  bestehende  Verwirrung 
zu  bringen. 

Die  erstere  Bezeichnung  •Rhynchonella  triplicata*  wurde  zuerst 
▼on  Phillips  in  seiner  Geology  of  Yorkshure  I.  pag.  134.  Taf.  13. 
Fig.  22  aufgestellt  und  zwar  fQr  eine  Spezies  aus  dem  mittleren  Lias, 
die,  wie  Datidson  nachgewiesen  hat,  identisch  ist  mit  Rhynchonella 
variabilis  Sohl,  sp.,  d.  h.  mit  denjenigen  Formen,  die  eben  Davidson 
unter  dieser  Benennung  zusammengefasst  hat.  Gf.  Davidson,  Oolitic 
and  IJasic  brachiopoda.  pag.  79.  Taf.  15.  Fig.  8—10.  Taf.  16.  Fig.  1—6. 
QuBNSTEDT  hat  in  seinen  verschiedenen  Werken  eine  und  dieselbe 
Art  mit  den  verschiedensten  Namen  und  dann  wieder  ganz  verschie- 
dene Formen  mit  gleicher  Bezeichnung  belegt.    So  redet  er  in  seinem 


185 

Handbuch  1852.  pag.  451.  Taf.  36.  Fig.  1  yon  einer  Rhynchonella  tri- 
plicata  aus  dem  unteren  Lias  (cf.  Rhynchonella  gryphitica  Quenst.  sp. 
pag.  8),  indem  er  dazu  bemerkt  tdie  yon  Phillips  gehört  einer  höher 
liegenden  Form  an».  —  Also  dieselbe  Benennung  f&r  Verschiedenes 
und  eine  Rhynchonella  triplicata  Quenst.  sp.  neben  einer  Rhyncho- 
nella triplicata  Phill.  sp. !  In  dem  1858  erschienenen  Jura  be- 
nannte er  eben  diese  Rhynchonella  triplicata  Phill.:  ti Rhynchonella 
variabilisM,  meint  aber  die  ZiSTEN'sche  Form  damit,  nicht  die  Schlot- 
HEIMS  (ZiETEN.  Versteinerungen  Württembergs.  Taf.  46.  Fig.  2.),  denn 
er  sagt:  «Ob  Sghlotheim  an  diese  mitgedacht  hat,  kann  nicht  mehr 
ermittelt  werden.»  —  In  der  2.  Auflage  des  Handbuchs  1867  lässt  er  diese 
Ansicht  wieder  fallen  und  behält  die  schon  in  der  1.  Auflage  desselben 
Werkes  aufgestellte  Benennung  bei 

In  seinen  Brachiopoden  1871,  pag.  70  kommt  er  nochmals  auf 

den  Namen   m Rhynchonella  triplicata it   zurück,   indem  er  denselben 

als  gleichbedeutend  mit  Rhynchonella  variabilis  Sghl.  sp.  in  Davidson*s 

Sinne  ansieht.    Er  sagt  dabei:   cDesshalb  sollte  man  über  den  Namen 

nicht  streiten   und  nicht  den  alteren,  sondern  den  besseren  an  die 

Spitze  stellen. »  Vorher  heisst  es  1.  c. :  « Wir  sind  endlich  in  die  günstige 

Lage  gekommen,   dass  über  die  Sache  kaum  noch  Zweifel  obwalten 

kann»,  eine  Ansicht,  der  ich  mich  leider  nicht  anschliessen  kann. 

Das  Schwanken  in  der  Auffassung  bei  einem  so  feinen  Beobachter 
wie  QuENSTEDT  beweist  eben  die  gewaltige  Formenmannigfaltigkeit  der 
unterliasischen  Rhynchonellen.  Entweder  muss  man  aber  eine  Bezeich- 
nung mit  sehr  weiter  Grenze  annehmen,  oder  man  muss  die  einzelnen 
Formen  durch  Namen  fixiren,  auch  dann,  wenn  Letzteres  nur  ein  zeit- 
weiliger Nothbehelf  sein  sollte. 

Das,  was  Quenstedt  in  seinen  Brachiopoden  1871  Rhynchonella 
variabilis  benennt,  ist,  wie  mir  scheint,  nicht  identisch  mit  der  Rhyn- 
chonella variabilis  Datidson*s.  Die  kleineren  Formen,  welche  dieser  Autor 
Taf.  15.  Fig.  8—10  in  seinen  Oolitic  and  liasic  brachiopoda  etc.  ab- 
gebildet hat,  stimmen  zwar  mit  den  Exemplaren,  die  Quenstedt  als 
Triplicaten  auffasst,  vollständig  überein,  allein  es  ist  mir  zweifelhaft, 
ob  diese  ersteren  Formen  und  diejenigen  auf  Taf.  16.  Fig.  1^6  zu- 
sammengeworfen werden  dürfen,  wie  das  Davidson  thut.  Letzterer  sagt 
übrigens  selbst  pag.  80,  indem  er  von  Fig.  8—10  auf  Taf.  15  redet: 
f  Ihey  are  exceptions  to  the  ^eneral  form,» 


186 

Anmerkung.  Ich  habe  die  englischen  Exemplare  freilich  nicht 
gesehen  und  urtheile  nur  nach  der  Sachlage  in  Elsass-Lothringen,  wo 
die  eigentliche  Vertreterin  der  englischen  VariabiliS'¥ormen  im  Lias  S 
liegt  (cf.  pag.  31  Rhynchonella  Delmensis  nov.  sp.),  während  diejenigen 
Formen,  die  mit  Quenstedt's  Triplicaten-Typen  stimmen,  tiefer  liegen, 
kleiner  sind  und  mit  den  Exemplaren  ans  den  Gostatusschichten  nicht 
verwechselt  werden  können.  Leider  gibt  Davidson  nicht  an,  ob  Fig.  8—10 
auf  Taf.  15  aus  tiefer  liegenden  Schichten,  als  die  grossen  Formen  auf 
Taf.  16  stammen,  wie  ich  nach  dem  Vorkommen  in  Elsass-Lothringen 
habe  geglaubt  annehmen  zu  dürfen. 

Spater  wird  es  wohl  nOthig  sein,  den  hier  zu  beschreibenden 
Formen  einen  andern  Namen  zu  geben,  da  die  Bezeichnung  o  Rhyncho- 
nella triplicata^  ans  den  oben  angeführten  GrQnden  unhaltbar  ge- 
worden ist.  Bei  meinem  immerhin  local  beschränkten  Materiale  wollte 
ich  dies  jedoch  selbst  nicht  thun. 

Uebrigens  sind  Formen  mit  2  oder  4  Wulstrippen  ebenso  hänfig 
wie  solche  mit  3,  wodurch  der  Name  ohnehin  bedeutungslos  und 
falsch  wird. 

Auch  die  Bezeichnung  •Rhynchonella  variabilis*  Sghl.  sp.  ist 
nicht  beizubehalten,  denn  es  ist,  wie  es  von  verschiedenen  Seiten  schon 
hervorgehoben  wurde,  unmöglich,  genau  festzustellen,  was  der  Autor 
dieser  Spezies  darunter  verstanden  wissen  wollte.  Er  begreift  unter 
diesem  Namen  Formen  aus  den  verschiedensten  Formationen,  ja  sogar 
aus  dem  Zechstein!  (Gf.  Schlothedh,  Petrefactenkunde  etc.  pag.  267 
und  die  Abbildungen  hiezu  in  Leonhard,  Taschenbuch  etc.  Bd.  7, 
2.  Abtheilung.  Taf.  1.  Fig.  4  a— c.) 

Eine  Beschränkung  des  Namens  auch  jener  Formen  mag  für 
England  thunlich  sein,  in  Deutschland  jedoch  ist  sie  nicht  durchführbar, 
da  hier  auch  innerhalb  der  Formationen  zu  verschieden  Gestaltetes  und 
IQ  verschieden  Altes  zusammengeworfen  wurde.  Cf.  A.  o*Orbigny  (Pro- 
drome. 1849.  vol.  1.  pag.  259);  Zieten  (Versteinerungen  Württembergs, 
pag.  57.  Taf.  42.  Fig.  6);  Oppel  (Jura.  pag.  108  und  187);  Quenstedt 
(Handbuch  1852.  pag.  451.  Handbuch  1867.  2.  Aufl.  pag.  539.  Jura. 
1858.  pag.  140  und  pag.  73.  Brachiopoden.  pag.  43,  an  welcher  Stelle 
er  sagt:  lich  hüte  mich  wohl,  sie  mit  irgend  einer  bestimmten  Form 
ideotificiren  zu  wollen.») 


187 

Die  Form  ist  durchschnittlich  12  Millimeter  breit  und 
ebenso  lang.  Die  massig  gewölbte  kleine  Schale  ist  mit  einem 
von  2 — 4,  ganz  selten  5  scharfkantigen  Rippen  gezierten  Wulste 
versehen.  Jeder  Flügel  ist  mit  3—4  Rippen  versehen,  wovon 
die  dem  Wulste  zunächst  liegende  die  stärkste  ist.  Alle  Rippen 
auf  beiden  Schalen  verlaufen  bis  in  den  Wirbel. 

Der  Sinus  der  grossen  Schale  ist  nur  wenig  tief  und  die 
in  demselben  stehenden  Rippen  sind  ebenso  scharfkantig,  wie 
diejenigen  des  Wulstes  der  kleinen  Schale.  Der  Schnabel  ist 
spitz  und  ziemlich  übergebogen;  das  Deltidium  ist  discret  und 
das  Foramen  von  mittlerer  Grösse.  Die  Arealkanten  sind  scharf; 
die  Schlosslinie  ist  anfangs  nur  wenig  gebogen  und  verläuft 
alsdann  ganz  gerade. 

Abnormitäten,  wie  Taf.  I,  Fig.  22  solche  zeigt,  kommen 
nicht  selten  vor. 

Von  den  verwandtschaftlichen  Beziehungen  zu  anderen  Arten  wird 
weiter  unten  die  Rede  sein. 

QuENSTEDT  bat  Verschiedene  Varietäten  unterschieden,  deren  Aus- 
eioanderhaltung  für  unsere  Verhältnisse  nicht  praktisch  erscheint.  Di- 
chotomie der  Wulstrippen  scheint  bei  unseren  Exemplaren  seltener  zu 
sein,  als  bei  den  schwäbischen,  ebenso  Ansteigen  derselben  am  Stirn- 
rande (QüENSTEDT,  Brachiopoden.  pag.  71). 

Bez.  der  Jugendstadien  dieser  Spezies,  cf.  Rhynchonella  rostellata 
QüKNST.  sp.  pag.  22. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  y. 

Elsass:  MQhihausen  (diluvial).  (S.  S.) 

Lothringen:  Haute-  und  Basse-B^voie  bei  Metz.  (F.  S.) 
Solgne  und  Gheminot.  (L.  S.)  (Davoeikalk.) 

Nachbarländer:   Rnttehardt  bei  Basel.  (6.  S.) 


188 


ShynchoneUa  eurviceps  Quenst.  sp.  1868. 

Taf.  I,  Fig.  24—28,  30.    Taf.  m,  Fig.  32—36.  38—42. 

1858.  QuENSTEDT.  Jura.  pag.  138.  Taf.  17.  Fig.  13—15. 

1852.  QuENSTEDT.  Handbuch.  pag.  452.  Taf.  36.  Fig.  30.  Rhynchonella 
tetraädra  Sow.  sp. 

1863.  SCHLOENBAGH.  EiseosteiD  des  unteren  Lias  etc.  pag.  552. 

1867.  QuENSTEOT.  Handbuch.  2.  Aufl.  pag.  541.  Taf.  46.  Fig.  30.  Rhyn- 
chonella tetraädra.  Sow.  sp. 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  241. 

1871.  QuENSTEDT.  Brachiopodeu.  pag.  57  und  folgende.  Taf.  37.  Fig.  118 

bis  120.  160. 
1871.  Brauns.  Unterer  Jura.  pag.  439. 
1875.  Lepsius.  Beitrage  zur  Kenntniss  der  Juraformation  etc.  pag.  17. 

Die  beiden  Schalen  tragen  je  14—16  Rippen;  5—6  da- 
von kommen  bei  der  kleinen  Schale  auf  den  Wulst;  diese  sind 
scharfkantig,  während  die  Flügelrippen  mehr  oder  weniger  ab- 
gerundet sind.  Die  Rippen  verlaufen  auf  beiden  Schalen  bis  in 
den  Wirbel  hinein. 

Die  grosse  Schale  hat  einen  breiten,  meist  nur  wenig 
tiefen  Sinus,  dessen  Rippen  weit  gegen  die  des  Wulstes  hin 
vorgreifen.  Diese  letzteren  selbst  sind  an  der  Sürne  sehr  stark 
äbergebogen,  was  der  Form  ihr  charakteristisches^  rundliches 
Aussehen  gibt.  Exemplare  mit  zusammengedrücktem  Sinus,  wie 
sie  QuEKSTEBT,  Brachiopoden.  pag.  58  erwähnt,  kenne  ich  aus 
Elsass-Lothringen  nicht.  Der  Schnabel  ist  bei  den  rundlichen 
Formen  sehr  auf  die  kleine  Schale  angedrückt,  bei  den  jungen 
Exemplaren  ragt  er  noch  frei  hinaus.  Das  Foramen  ist  klein, 
das  Deltidium  discret ;  die  Arealkanten  sind  scharf,  die  Schloss- 
linie ist  leicht  gebogen. 

Die  Jugendstadien  zeigen  oftmals  eine  merkwürdige  Aehnlichkeit 
mit  gewissen  Formen  der  Rhynchonella  calcicosta  und  ist  es  wohl  nicht 


189 

UDwahrscheinlich,  dass  so  Manches,  was  als  Rhynchonella  calcicosta  auf- 
geführt wird,  zu  Rhynchonella  curviceps  zu  rechnen  ist.  Die  ganz 
typischen  Jugendformen  von  Rhynchonella  curviceps  zeigen  schon  frUh 
die  scharfen  Wulstrippen  und  deren  Tendenz,  sich  am  Stimrande  üher- 
zubiegen.  Erst  wenn  etwa  zwei  Drittel  der  Grösse  erreicht  sind,  wird 
das  Ueberbiegen  deutlich  und  dann  beginnt  auch  der  Schnabel  sich  auf 
die  kleine  Schale  herabzubiegen. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Brauns  will  diese  Art  mit  Rhyn- 
chonella calcicosta  Qüenst.  sp.  vereinigen,  eine  Ansicht,  der  ich  nicht 
beipflichten  kann,  da  die  typischen  Calcicosta-Formen  von  den  ächten 
Cvmceps-Exemplaren  so  verschieden  sind,  dass  ein  Zusammenwerfen 
beider  Spezies  nicht  recht  thunlich  erscheint. 

Wie  schon  bei  Rhynchonella  calcicosta  und  weiter  oben  ange- 
deutet wurde,  gibt  es  allerdings  Uebergänge,  welche  Quenstedt  grOssten- 
theils  bei  Rhynchonella  calcicosta  unterbringt.  Für  unsere  Formen  halte 
ich  es  aber  für  richtiger,  sie  zu  Rh/ynchonella  cibrviceps  zu  stellen. 
Blit  dem  Namen  •curviceps^  bezeichnet  übrigens  Quenstedt  nicht  aus- 
schliesslich eine  bestinmite  Form,  sondern  auch  Exemplare  anderer 
Spezies  aus  gleichen  Horizonten,  die  teinen  übergebogenen  Gipfel  des 
Bauchschalenwulstes  und  eine  ungewOhnUch  hohe  Stirnansicht»  besitzen 
(Brachiopoden.  pag.  58).  Er  spricht  daher  von  einer  Rhynchonella  rimosa 
curviceps^  einer  Rhynchonella  amalthei  curviceps^  etc. 

Für  unsere  Verhältnisse  ist  ein  solches  Verfahren  nicht  einzuhalten; 
ich  glaube  alle  diejenigen  Formen,  welche  die  oben  besagten  Verhält- 
nisse am  Wulste  aufweisen,  unter  (einer  Bezeichnung  zusammenfassen 
zu  müssen. 

Rhynchonella  curviceps  in  unserem  Sinne  ist  sowohl  mit  Rhyn- 
chonella  amalthei  als  auch  mit  Rhynchonella  triplicata  Quenst.  sp.  ver- 
wandt.  Man  kann  ihre  Entwicklung  von  den  ersten  Jugendstadien  an 
und  ihr  allmäliges  Uebergehen  in  die  letztgenannte  Art  leicht  ver- 
folgen. Es  fehlen  aber  in  Elsass-Lothringen  alle  solche  Formen,  die  bei 
einer  Wulstbildung,  wie  sie  Rhynchonella  curviceps  aufweist,  doch  noch 
die  Bigenthümlichkeiten  einer  Rhynchonella  rimosa  oder  Rhynchonella 
amalthei  haben. 

Mehrfach  ist  auch  Rhynchonella  curviceps  mit  Rhynchonella 
tetraedra  vereinigt  worden.  Quenstedt  hat  aber  bereits  darauf  hinge- 
wiesen, dass  die  englischen  Autoren  mit  dem  Namen  •Rhynchonella 


190 

tetraädra»  sehr  Verschiedenes  sa  bezeiduieQ  scheinen,  indem  sie  diese 
Art  ans  dem  mittleren  Lias  bis  in  den  Inferior  Oolite  reichen  lassen 
(DAvmsoN,  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  95).  Bs  ist  ferner 
nicht  ausser  Acht  in  lassen,  das  Rhynchonella  tetraidra  in  England 
bedeutend  grosser  wird,  als  Bhynchonella  curviceps  bei  uns  (Quemstedt, 
Brachiopoden.  pag.  58^  Möglicher  Weise  sind  die  unten  als  Rhynchonella 
Rosenbuschi  nov.  sp.  bexeichneten  Formen  Vertreter  der  grossen  englischen 
liasischen  Rhynchonella  teiraedra.  Es  bleibt  noch  festzoslellen  und 
des  Weiteren  zu  erOrtem,  ob  jene  kleinen  Formen  der  Rhynchonella 
Rosenlmschi  aus  den  Schichten  des  Ammonites  costatus^  Ton  denen  bei 
der  Beschreibung  dieser  Art  die  Rede  sein  wird  und  wie  sie  Fig.  II, 
Taf.  IV.  leigt,  nicht  etwa  den  üebergang  ron  Rhynchonella  curviceps 
nach  Rhynchonella  Rosenbuschi  noT.  sp.  yermitteln. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  y. 

Unter-Elsass:  Eberbach  und  BossendorL  (L.  S.)  (DaToei- 
schichten.) 

Lothringen:  Haute-  und  Basse-Bövoie  bei  Metz.  (F.  S.) 
Monterchen,  Gheminot,  Luppy,  Solgne.  (L.  S.)  (Daroeikalk.) 


Mhyn^uynella  amaUhei  Quenst.  sp»  1862. 
Taf.  I,  Fig.  12,  18—21. 


1852.  OtKNSTEDT.  Handbuch,  pag.  453.  Taf.  36.  Fig.  17. 

1853.  Oppel.  Mittlerer  Lias.  pag.  69. 

1858.  QuENSTEDT.  Juia.  pag.  177.  Tif.  22.  Fig.  i. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  189. 

1871.  QuENSTEDT.  Brachlopodeu.  pag.  65.  Tat  37.  Fig.  154—161. 
1871.  Brauns.  Unterer  Jura.  pag.  441.  Rhynchonella  teiraedra  Sow.  sp. 

I.  Tbl. 
1878.  Davtoson.  Supplement  pag.  201.  Taf.  28,  Flg.  18—21. 

Die  ausgewachsenen  Exemplare  sind  ca.  8  Millimeter  hing 
und  11  Millimeter  breit  Die  ziemlich  gewölbte  kleine  Schale 
ist  mit  25 — 30  Rippen  Teisehen,  wovon  4 — 5  den  stark  aus- 
gesprochenen Wulst  lieren.  Diese  sind  bedeutend  schixfer  ans- 


191 

gebildet,  als  diejenigen  auf  den  Flügeln,  deren  äusserste  nur 
noch  als  feine  Streifen  wahrnehmbar  sind.  Dieser  Umstand  ist 
für  unsere  Spezies  charakteristisch. 

Die  grosse  Schale  ist  mit  einem  breiten  und  nur  wenig 
tiefen  Sinus  versehen.  Auch  hier  sind  die  Sinusrippen  bedeutend 
stärker  entwickelt,  als  diejenigen  auf  den  Flügeln.  Alle  Rippen 
reichen  auf  beiden  Schalen  bis  in  die  Wirbelgegend;  nur  bei 
wenigen  Exemplaren  bleibt  dieselbe  glatt.  Der  Schnabel  ist  spitz 
und  ziemlich  auf  die  kleine  Schale  übergebogen.  Die  Arealkanten 
sind  scharf,  das  Deltidium  ist  discret  und  begrenzt  ein  Foramen 
von  mittlerer  Grösse.  Die  Schlosslinie  verläuft  fast  ganz  gerade. 

Bezüglich  der  Verwandtschaften  und  Beziehungen  zu  anderen  Arten 
siehe  weiter  unten. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  y* 

Unter-Elsass:  Silzklamm  bei  Uhrweiler,  Merzweiler.  (L.  S.) 
(Gostatusschichten.) 

Lothringen:  Bis  jetzt  noch  nicht  gefunden. 

Nachbarländer:  Athus  in  Belgien  (Gostatusschichten);  Hoppe 
hei  Beifort  (Margaritatusschichten).  (L.  S.) 


RhynchoneUa  Delmensis  nov.  sp. 

Taf.  IV,  Fig.  1—9. 

1851 — 55.  Chapüis  et  Dewalque.  Terrains  secondaires  du  Luxembourg. 
pag.  248—250.  Taf.  36.  (Fig.  5.  a—k.  non  /— n.)  Rhyn- 
chonella  variabilis  Sohl.  sp. 

Die  Formen,  welche  ich  unter  diesem  neuen  Namen  einfahre,  ge- 
hören zu  dem  Kreise  der  Rhynchonella  variabilis  und  triplicata  der 
verschiedenen  Autoren.  Als  Rhynchonella  variabilis  speziell  bildeten  sie 
Ghapuis  und  Dewalque  ab.  Das  mir  vorliegende  Material  gestattet  eine 
ganz  bestimmte  Entwicklungsreihe  von  der  jugendlichen  bis  zur  ausge- 
wachsenen Form  zu  verfolgen.    Eine  besondere  Benennung  schien  mir 


192 

daher,  abgesehen  von  dea  bei  Rhynchonella  triplicatüy  pag.  24  ange- 
führten Gründen,  umsomehr  am  Platze,  als  es  sich  nach  meinen  bi&- 
herigen  Erfahrungen  um  ein  beinahe  ausschliesslich  lothringisches  Vor- 
kommen handelt. 

Die  Form  gleicht  im  Allgemeinen  der  Bhynchoneüa  varia- 
hüis  bei  Davidbok,  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  Taf.  16, 
Fig.  1—6  (nicht  Fig.  2  und  20).  Die  kleine  Schale  ist  mit 
einem  3 — 4  kräftige  und  scharfkantige  Bippen  tragenden  Wulste 
versehen.  In  ganz  seltenen  Fällen  sind  5  Wulstrippen  vorhanden; 
seltener  nur  2  oder  gar  blos  1,  dann  aber  sehr  stark  hervortretende 
Rippe  am  Wulste.  (Taf.  IV,  Fig.  1,  2,  3,  7,  8.)  Die  Flügel 
weisen  ebenfalls  je  3 — 4  Bippen  auf  und  zwar  ist  die  dem 
Wulste  zunächst  gelegene  die  schärfste.  In  der  den  Wulst  von 
den  Flügeln  trennenden  Einsenkung  sind  öfters  2 — 3  ganz 
schwach  angedeutete  Bippen  wahrnehmbar.  Sämmtliche  Bippen 
reichen  bis  etwas  über  die  Mitte  der  Schale  gegen  den  Wirbel 
hin,  aber  so,  dass  dieser  ganz  glatt  bleibt.  Die  kleine  Schale  ist  in 
den  meisten  Fällen  stark  gewölbt  und  zwar  ist  die  Wölbung 
bei  den  mit  3  Wulstrippen  versehenen  Exemplaren  stets  grösser, 
als  bei  den  andern. 

Die  grosse  Schale  besitzt  einen  je  nach  der  Beschaffen- 
heit des  Wulstes  mit  2-^^.  ebenfalls  scharfkantigen  Bippen 
versehenen  Sinus.  Diese  Bippen  reichen  jedoch  höher  hinauf, 
als  diejenigen  auf  der  kleinen  Schale  und  hören  nur  ganz  wenig 
untef  dem  Wirbel  auf.  Der  Schnabel  ist  sehr  spitz  und  meist 
ziemlich  übergebogen;  das  Deltidium  ist  umfassend.  Die  Areal- 
kanten sind  scharf,  die  Schlosslinie  ist  gebogen. 

Die  Normalform  (Taf.  IV,  Fig.  3)  ist  fast  ebenso  lang  wie 
breit,  2 4 --2 5  Millimeter  auf  26 — 27  Millimeter.  Ausnahmen 
hievon  sind  jedoch  nicht  selten,  denn  unter  dem  mir  zu  Ge- 
bote stehenden,  von  Xocoubt  stammenden  Materiale  fanden  sich 
Exemplare  von  viel  bedeutenderer  Länge  als  Breite   und  um- 


193 

gekehrt.  Bei  den  selteneren  Exemplaren  mit  1  Wulstrippe  findet 
öfters  das  erstere  Yerhältniss  statt;  da  dagegen,  wo  der  Wulst 
2  oder  5  derselben  aufweist,  haben  die  Formen  mehr  eine 
Tendenz,  in  die  Breite  zu  wachsen  (Taf.  IV,  Fig.  8—9). 

Die  Menge  des  von  einer  Localität  yorhandenen  Materials  hat  es 
mir  erlaubt,  die  Entwicklung  dieser  Spezies  vom  ganz  jungen,  faltenlosen 
Exemplare  an  bis  zur  stark  aufgeblähten  und  mit  mächtigen  Wulstrippen 
Tersehenen  Form  hin  genau  zu  verfolgen.  Die  kleinste  mir  bekannte 
Jugendform  ist  durchaas  glatt,  unten  manchmal  im  Yerhältniss  zu  ihrer 
Grösse  ziemlich  breit  (Fig.  4).  In  dem  darauf  folgenden  Stadium  erscheinen 
erst  2  nur  sehr  schwach  angedeutete  Rippen  am  Scheitel  und  zwar 
auf  der  kleinen  Schale,  während  die  grosse  immer  noch  glatt  bleibt. 
Dieselben  liegen  mehr  nach  der  rechten  oder  mehr  nach  der  linken 
Seite  hin  und  geben  somit  der  Form  ein  etwas  unsymmetrisches  Aus- 
sehen, das  ihr  öfters  während  ihrer  ganzen  Entwicklung  bleibt.  In  dem 
darauf  folgenden  Stadium  zeigt  sich  allmäiig  die  Krümmung  der  Scheitel- 
linie und  die  Andeutung  des  Wulstes;  erst  wenn  dieser  ziemlich  scharf 
ausgeprägt  ist,  wird  durch  die  Bildung  einer  dritten  Rippe,  die  nicht 
etwa  zwischen  den  beiden  andern,  schon  vorhandenen,  sondern  vielmehr 
an  einer  der  beiden  Seiten  des  Wulstes  entsteht,  die  Synunetrie  wieder 
hergestellt.  Auch  hievon  giebt  es  Ausnahmen  und  ich  habe  sehr  viele 
Exemplare  vorgefunden,  die  im  ganz  ausgewachsenen  Stadium  noch  un- 
symmetrisch erscheinen.  ^ 

Mit  der  Ausbildung  des  Wulstes  hat  auch  die  Rippenbildung  auf 
beiden  Schalen  begonnen.  Die  Wulstrippen  wachsen  nun  nicht  immer  ganz 
synmuetrisch  fort;  in  den  meisten  Fällen  sogar,  wo  deren  3  vorhanden 
sind,  wächst  eine  derselben  —  und  es  kann  sowohl  die  mittlere,  als  auch 
eine  der  beiden  Seitenrippen  sein  —  auf  Kosten  der  beiden  andern  ganz 
unverbältnissmässig  stark  weiter  und  es  entsteht  nun  selbstverständlicher 
Weise  eine  sehr  grosse  Verschiedenheit  des  Aussehens. 

Oft  verschwindet  die  eine  Rippe  ganz,  dann  entstehen  Formen, 
die  früher  als  Terebratula  biplicata  Phill.  beschrieben  worden  sind, 
oder  2  Rippen  verkümmern  ganz  und  gar  und  die  Formen  sehen  dann 
der  Rhynchonella  acuta  Sow.  sp.  durchaus  ähnlich,  bis  auf  die  etwas 
anders  geformte  Wirbelgegend.  Oder  es  verwachsen  die  beiden  auf  Kosten 
der  dritten  stark  entwickelten  Wulstrippen  ganz  und  die  Verwachsung 

U.  18 


194 

derselben  ist  nur  noch  an  einer  EinschnQrung  an  der  ftussersten  Wulst- 
spitze  zu  erkennen  (Fig.  2). 

Bei  den  Exemplaren  mit  4  Wulstrippen  ist  solch  ein  unsymmetri- 
sches Wachslhum  einer  derselben  im  Allgemeinen  seltener,  als  bei  den- 
jenigen mit  3  Rippen.  Da,  wo  ein  solches  vorhanden  ist,  findet  es  meist 
bei  den  beiden  mittleren  Hippen  auf  der  rechten  oder  auf  der  linken 
Seite  statt;  nie  dagegen  tritt  der  Fall  ein,  dass  etwa  die  1.  und  3.  Rippe 
oder  die  2.  und  4.  auf  Kosten  der  andern  stärker  ausgebildet  wurde.  Bei 
den  Exemplaren  mit  4  Rippen  am  Wulste  ist  dieser  immer  regelmässiger 
ausgebildet,  als  bei  denjenigen  mit  3  Wulstrippen;  derselbe  bildet  dann 
meist  eine  kleine  und  nur  schwach  gekrümmte  Bogenlinie,  indem  bei 
den  normalen  Formen  die  2  mittleren  Wulstrippen  die  beiden  seitlichen 
nur  sehr  wenig  überragen. 

Es  wurde  zu  weit  fdhren,  hier  alle  die  Variationen,  die  ich  an 
dieser  Spezies  beobachten  konnte,  zu  beschreiben.  Die  oben  angeführten 
mögen  gentigen.  Ganz  selten  scheinen  Exemplare  mit  5  Rippen,  wie 
Taf.  lY,  Fig.  9  ein  solches  zeigt.  Die  Zurundung  der  Kammlinie  der 
Wulstrippen  etwas  vor  dem  Scheitel  und  noch  verschiedene  kleinere 
Details  mochten  mich  zur  Ueberzeugung  bringen,  dass  man  es  hier  mit 
einer  Hittelform  zwischen  unserer  Spezies  und  der  gleich  im  Folgenden 
beschriebenen  W^ynchonella  Rosenbuschi  nov.  sp.  zu  thun  hat  (cf.  Ghapuis 
et  Dewalque,  Terrains  secondairea,  etc.  pag.  252). 

Bezuglich  der  Schalenstructur,  die  microscopisch  untersucht  wurde, 
und  zwar  von  6  verschiedenen  Exemplaren,  kann  nichts  Neues  gesagt 
werden.  Sie  zeigt  die  schief  zur  Oberfläche  der  Schale  stehenden  kleinen 
Prismen  (cf.  Sorby,  Hicroscopical  Structure  of  Shells  etc.  im  Februarheft 
der  Proceedings  of  the  geological  Society  etc.  pag.  56  u.  f.)-  Auch  die  micro- 
scopische  Betrachtung  und  Untersuchung  der  Schalen  von  Rhynchonella 
Rosenbmchi,  Schimperi^  Deffheri  und  anderen  Spezies  ergab  nichts  Neues. 
Rhynchonella  Delmensis  scheint  mit  wenigen  Ausnahmefällen  auf 
Lothringen  beschränkt  zu  sein. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  5. 

Unter-Elsass:  Uhrweiler  (Gostatusschichten);  Mühlhausen  (di- 
luvial). (S.  S.) 

Lothringen:  Xocourt,  Luppy  (Gostatusschichten).  (L.  S.  — F.  S.) 

Nachbarländer:  Essey,  They  (Heurthe-et-Moselle)  (Gostatus- 
schichten). (S.  S.) 


195 


Shq/nchoneUa  Mo8enbuschi  noT.  sp. 

Taf.  IV,  Fig.  10—14. 

1851—55.  Ghapuis  et  Dewalque.  Terrains  secondaires  du  Luxembourg. 
pag.  251.  Fig.  1  a—c,  Rhynchonella  tetraedra  ^ow.  sp. 

Ghapuis  und  Dewalque  beschreiben  diese  Form  aus  dem  Macigno 
d'Aubange  als  Rhynchonella  tetraedra  Sow.  sp.  Die  wohl  nicht  ganz  ge- 
nauen Abbildungen  stinmien  zwar  nicht  vollständig  mit  unserer  Form 
Qberein,  allein  die  Beschreibung  lässt  an  der  Identität  keinen  Zweifel. 

Wie  der  Name  ^.Rhynchonella  variabilis  Sohl,  sp.t,  so  hat  auch 
die  Bezeichnung  ^Rhynchonella  tetraädra  Sow.  sp.»  eine  sehr  mannig- 
faltige Deutung  erhalten.  Wenn  man  nun  den  Begriff  der  Spezies  sehr 
weit  fasst,  so  könnte  man  unsere  Form  vielleicht  noch  bei  dieser  letzteren 
Art  unterbringen;  ich  habe  jedoch  den  bei  einer  genauen  Untersuchung 
zu  Tage  tretenden  Unterschied  fQr  erheblich  genug  gehalten,  um  eine 
besondere,  allerdings  der  Rhynchonella  tetraedra  Sow.  sp.  (Dav.)  nahe 
stehende  Form  zu  unterscheiden. 

Die  Exemplare  sind  ca.  20  Millimeter  lang  und  etwa 
30  Millimeter  breit.  Die  kleine  Schale  ist  mit  einem  aus  durch- 
schnittlich 6  —  8  Bippen  bestehenden  Wulste  versehen,  der  zum 
Theil  scharf  von  den  Flügeln  sich  abhebt,  bei  welchem  aber 
auch  eine  Art  von  allmäligem  Uebergang  in  diese  sich  findet, 
veranlasst  durch  Hippen,  die  in  der  Einsenkung  zwischen  Wulst 
und  Flügeln  entstehen.  Die  scharfkantigen  Wulstrippen  fangen 
ein  wenig  unterhalb  des  Wirbels  an,  laufen  aber  dann  nicht  in 
gerader  Linie  zum  Scheitel  hin,  sondern  sind  vielmehr  gebogen, 
und  zwar  so,  dass  die  stärkste  Biegung  etwa  auf  dem  zweiten 
Drittel  der  Schale,  vom  Wirbel  an  gerechnet,  liegt.  Die  Flügel 
weisen  4 — 5  Bippen  auf,  wovon  die  dem  Wulste  zunächst  lie- 
gende die  ausgeprägteste  ist. 

Der  Sinus  der  grossen  Schale  hat  5  —  7  bis  in  die  Wirbel- 
spitzen  hinein  zu  verfolgende  Bippen,    welche  nicht  so  scharf- 


196 

kantig,  wie  diejenigen  des  Wulstes,  sondern  mehr  gerundet  sind. 
Die  Flügel  sind  mit  4 — 5  Rippen  versehen,  wovon  wiederum 
die  nächste  am  Sinus  die  schärüste  ist.  Es  ist  eine  beachtens- 
werthe  Thatsache,  dass  bei  unserer  Form  die  Flügelrippen 
beider  Schalen  oft  unsymmetrisch  liegen,  das  heisst,  dass  auf 
der  rechten  Seite  der  Schalen  etwa  4  Rippen  liegen,  während 
auf  der  linken  5  vorhanden  sind,  und  so  fort.  Selbstverständlich 
bedingt  diese  Unsymmetrie  auf  den  Flügeln  der  einen  Schale 
das  gleiche  Verhältniss  auf  denen  der  andern.  Auch  in  der  £in- 
senkung  zwischen  Sinus  und  Flügeln  entstehen  hie  und  da  neue 
Rippen.  Der  Schnabel  ist  spitz  und  das  Foramen  ist  da,  wo 
derselbe  sehr  auf  die  kleine  Schale  übergebogen  ist,  gar  nicht 
mehr  zu  sehen.  Das  Deltidium  ist  umfassend,  die  Arealkanten 
sind  scharf,  die  Schlosslinie  ist  gebogen. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Am  meisten  fordert  zu  einem 
Vergleich  Fig.  7.  Taf.  18.  Fig.  5—10  in  Davidson.  Oolitic  and  liasic 
brachiopoda  heraus,  doch  werden  unsere  Exemplare  höchstens  halb  so 
gross  und  ihr  ganzer  Habitus  ist  ein  zierlicherer  und  leichterer.  Die  kleine 
Schale  tritt  viel  weniger  bauchig  hervor;  auch  ist,  wie  bei  der  Rhyncho- 
nella  Delmensis,  die  leichte  Ausschweifung  der  von  der  Wirbelspitze  nach 
den  Flogelecken  bin  verlaufenden  Kantenlinien  bemerkbar.  Diesen  Um- 
stand möchte  ich  noch  ganz  besonders  als  Unterscheidungszeichen  unserer 
Formen  von  den  von  Davidson  abgebildeten  hervorheben.  Ein  wie 
verschiedenes  Aussehen  dadurch  hervorgebracht  wird,  zeigt  uns  ein 
Bück  auf  Fig.  13  und  Fig.  14.  Taf.  IV.  Fig.  13  stellt  eines  unserer 
typischen  Exemplare  von  Xocourt  dar,  das,  wie  beinahe  alle  Exemplare, 
etwas  unsymmetrisch  gebaut  ist.  Fig.  14  ist  eine  Form  aus  dem  mitt- 
leren Lias  von  Uhrweiler,  die  den  englischen  Formen  noch  am  näch- 
sten kommt. 

Die  Entwicklung  konnte  ebenfalls  genau  verfolgt  werden.  Sie  gleicht 
mit  wenigen  kleinen  Abweichungen  derjenigen  der  Rhynchonella  Del- 
mensis;  die  übrigens  leicht  von  denjenigen  der  letzteren  Spezies  zu  tren- 
nenden Jugendformen  zeigen  dieselbe  unsymmetrische  Gestaltung.  Ein 
Stadium  mit  ganz  glatten  Schalen,  wie  bei  Rhynchonella  Delmensis,  fehlt 


197 

Yollständig.  Dagegen  Bind  schon  die  kleinsten,  mir  bekannten  Formen 
mit  4—5  schwachen  Rippen  am  Stirnrande  versehen,  aus  denen  sich 
dann  im  Laufe  der  Entwicklung  die  FlQgel  und  Wulstrippen  heraus- 
bilden, natürlicherweise  unter  Hinzukommen  von  noch  weiteren  Rippen. 

Noch  möchte  ich  darauf  hinweisen,  dass  neben  den  grösseren 
Formen  auch  andere  vorkommen,  welche  den  grossen  Exemplaren  selbst 
ganz  und  gar  ähnlich  sehen,  nur  sind  sie  kleiner.  (Taf.  lY,  Fig.  11.) 

Aehnliche  Beobachtungen  wurden  bei  verschiedenen  andern  Arten, 
z.  B.  an  der  Rhynchonella  spinosa  Schl.  sp.  und  ihrer  nahen  Ver- 
wandten, der  Rhynchonella  tenuispina  Waagen  und  der  Rhynchonella 
Crossi  Walker,  wahrgenommen.  Wir  kommen  darauf  später  noch  zu 
sprechen. 

Auffallender  Weise  ist  Rhynchonella  Rosenbuschi  weit  mehr  ver- 
breitet, als  Rhynchonella  Delmensis,  Letztere  ist  mu-  nur  von  wenig  Orten 
aus  dem  Elsass  bekannt,  erstere  dagegen  fast  stets  die  Begleiterin  der 
Rhynchonella  acuta  Sow.  sp. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  5. 

Unter-Elsass:  Silzklamm  bei  Uhrweiler,  Merzweiler,  Gun- 
dershofen  (Costatusschichten).  (L.  S.  —  U.  S.)  Mühlhausen  (diluvial). 
(L.  S.) 

Lothringen:  Xocourt,  Luppy,  Voisage-Novöant  (Costatus- 
schichten). (L.  S.  —  ü.  S.) 

Nachbarländer:  They,  Essey  (Meurthe-et-Moselle).  ?  (S.  S.) 


Mhynchonella  Siein/manni  nov.  sp« 

Taf.  IV,  Fig.  15. 

20  Millimeter  lang  und  19 — 20  Millimeter  breit.  Die 
kleine  Scbale  besitzt  einen  stark  ausgebildeten  Wulst,  der  mit 
2  ungleichen  Hippen  versehen  ist.  Beide  sind  äusserst  scharf- 
kantig.  Die  Flügel  sind  mit  2  sehr  abgerundeten  Rippen  ver- 


198 

sehen.  Zu  bemerken  ist  noch,  dass  die  beiden  Wulstrippen,  kurz 
ehe  sie  den  Stirnrand  erreichen,  etwas  nach  auswärts  vorge- 
bogen  sind. 

Die  grosse  Schale  wird  durch  eine  einzige,  etwas  ge- 
rundete Sinusrippe  in  2  unsymmetrische  Hälften  getheilt.  Die 
Rippe  selbst  lässt  sich  fast  bis  in  die  Wirbelspitze  hinein  ver- 
folgen. Auch  hier  sind  die  Flügel  mit  2  abgerundeten  Rippen 
versehen.  Der  Schnabel  ist  spitz,  das  Deltidium  ist  umfassend; 
die  Arealkanten  sind  sehr  scharf,  die  Schlossli'nie  ist  leicht  ge- 
bogen. Die  Schalen  zeigen  Anwachsstreifen. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  S. 

Lothringen:  Voisage  bei  Hetz  (Gostatusschichten).  (P.  S.) 
Nachbarländer:  Athus  in  Belgien  (Gostatusschichten).  (L.  S.) 
Selten. 


MhynchoneUa  sealpeUu/m  Quenst.  sp.  1862. 

Taf.  m,  Fig.  15—18. 

1852.  QüKNSTEDT.  Handbuch,  pag.  453.  Taf.  36.  Fig.  18. 

1853.  Oppel.  Mittlerer  Lias.  pag.  69. 

1858.  QuENSTEDT.  Jura.  pag.  178.  Taf.  22.  Fig.  2. 

1858.  Oppel.  Jura.  pag.  188. 

1867.  QuENSTEDT.  Handbttch.  2.  Auflage,  pag.  541.  Taf.  46.  Fig.  18. 

1871.  QuENSTEDT.  Brachiopoden.  pag:  G7.  Taf.  37.  Fig.  162—166. 

Längliche  Form,  6 — 7  Millimeter  lang  und  5  Millimeter 
breit.  Die  kleine  Schale  ist  nur  in  ganz  seltenen  Fällen  etwas 
gewölbt  und  besitzt  dann  einen  nur  wenig  angedeuteten  Sinus. 
Sie  trägt  8 — 12  Rippen,  die  nur  bei  wenigen  Exemplaren  bis 
in  den  Wirbel  hinein  verlaufen. 

Die  gleichen  Verhältnisse  finden  auf  der  grossen  Schale 
statt.    Der  Schnabel  ist  spitz  und   ragt  frei  hinaus.   Die  Areal- 


199 

kanten  sind  nur  wenig  schar!  Der  Erhaltungszustand  der  Exem- 
plare erlaubte  keinerlei  Beobachtungen  über  Foramen  und  Del- 
tidium  anzustellen. 

Von  einer  punktirten  Schale  konnte  ich  nichts  bemerken. 
(QusNBTBDT  gicbt  ciuc  solchc  bei  schwäbischen  Exemplaren  an.) 

Vorkommen:  Rlittlerer  Lias,  y* 
Lothringen:  Malroy  bei  Metz.  (F.  S.) 


Mh/lfnchoneUa  acuta  Sow.  sp.  1818. 
Taf.  m,  Fig.  23. 

1818.  SowERBY.  Mineral  conchology  of  Great-Britain.  vol.  II.  pag.  115. 
Taf.  15t.  Fig.  1—2. 

1834.  Buch.  Ueber  Terebrateln  etc.  pag.  42. 

1835.  Phillips.  Geology  of  Yorkshire.  vol.  I.  Taf.  13.  Fig.  25. 
1852.  QuENSTEDT.  Haudbuch.  pag.  452. 

1851—55.  Ghapuis  et  Dewalque.  Terrains  secondaires  du  Luxembourg. 

pag.  250.  Taf.  37.  Fig.  2. 
1852.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  76.  Taf.  14.  Fig.  8—9. 
1858.  QüENSTEDT.  Jura.  pag.  141.  179  (496,  634). 
1858.  Oppbl.  Jura.  pag.  130. 

1863.  OosTER.  Brachiopodes  des  Alpes  suisses.  pag.  49. 
1863.  Waagen.   Der  Jura  in  Franken  etc.  (Jahreshefte  des  Vereins  für 

vaterlandische  Naturkunde  in  Württemberg  etc.  pag.  155). 
1867.  QuENSTEDT.  Haudbuch.  2.  Auflage,  pag.  540. 
1869.  DuMORTiER.     Depots    jurassiques    du    bassin    du    Rhone,    111. 

pag.  328. 
1871.  QuENSTEDT.  Brachiopoden.  pag.  64.  Taf.  37.  Fig.  150—153. 

1874.  Brauns.  Unterer  Jura.  pag.  445. 

1875.  Lepsius.  Beitrage  zur  Kenntniss  der  Juraformation  etc.   pag.  12, 

35,  46. 
1878.  DAvmsoN.  Supplement,  pag.  203. 


200 

Die  Eigenthümlichkeiten  dieser  seit  Sowebbt  allgemein 
anerkannten  Form  entstehen  dadurch,  dass  die  kleine  Schale 
schon  am  Wirbel  von  einer  einzigen  erst  gerundeten,  dann  stets 
scharfkantiger  werdenden  Rippe  gleichsam  dachförmig  gebrochen 
wird.  Letztere  kann  in  einzelnen  Fällen  auch  leicht  nach  ein- 
wärts, also  concav,  gebogen  sein.  Denkt  man  sich  die  Ehyu- 
choneüa  so  gestellt,  wie  sie  die  Profilansicht  Taf.  UI,  Fig.  23.  b 
zeigt,  so  bildet  diese  Rippe  mit  der  grossen  Schale  einen  Winkel 
von  etwa  45 — 50  Grad.  Diese  einzige,  scharf  hervortretende 
und  spitz  zulaufende  Wulstrippe  gibt  der  Form  ein  so  sehr 
charakteristisches  Aussehen,  dass  dieselbe  nicht  leicht  mit  einer 
andern  Spezies  verwechselt  werden  durfte.  Die  Flügel  sind  meist 
mit  1 — 2  gerundeten  Rippen  versehen,  in  den  häufigsten  Fällen 
so,  dass  die  dem  Wulste  zunächst  liegende  die  stärkste  ist. 
Man  bemerkt  hie  und  da  noch  3 — 4  weitere,  nur  ganz  wenig 
ausgebildete  Rippen. 

Die  grosse  Schale  ist  fast  vollständig  von  dem  glatten 
Sinus  eingenommen;  die  beiden  Flügel  besitzen  2  öfters  ziem- 
lich scharfkantige  Rippen.  Der  Schnabel  ist  sehr  spitz  und  stark 
auf  die  kleine  Schale  angedrückt.  Der  Erhaltungszustand  der 
mir  zu  Gebote  stehenden  Formen  erlaubte  es  nicht,  an  Foramen 
und  Deltidium  Beobachtungen  anzustellen,  doch  soll  Letzteres 
nach  Davidson  umfassend  sein.  (Oolitic  and  liasic  brachiopoda, 
pag.  76.)  Die  Schlosslinie  ist  gebogen,  die  Arealkanten  sind 
ziemlich  scharf. 

Länge  der  grösseren  Formen  ca.  22—23  (selten  27)  Milli- 
meter; Länge  der  kleineren  Formen  16 — 27  Millimeter. 

Breite  der  Ersteren  21 — 22  Millimeter,  Breite  der  Letz- 
teren 17 — 18  Millimeter. 


201 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Wie  schon  bei  der  Beschreibung 
von  Rhynchanella  Delmensis  angegeben  wurde,  nimmt  letztere  Form,  wenn 
auch  nur  in  sehr  seltenen  Fällen,  ein  der  Rhynchonella  acuta  Sow.  sp. 
sehr  ähnliches  Aussehen  an.  Vielleicht  lassen  sich  im  Laufe  der  Zeit 
Uebergänge  beider  Formen  ineinander  nachweisen.  Dumortier  (Däpöls 
jurassiques  du  bassin  du  Rhone.  III.  pag.  328)  fand  unter  einer  grossen 
Menge  von  Rhynchonella  acuta  einige  seltene  Exemplare  mit  2  Wulst- 
rippen zu  Blaymard  in  den  oberen  Schichten  des  mittleren  Lias.  (Zone 
k  Pecten  in  sequivalvis,  niveau  de  la  Limea  acuticosta.)  Er  sagt  dazu: 
«Mais  cette  cspöce  est  fort  rare  et  je  ne  Tai  pas  encore  renconträe 
ailleurs.  b 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  5. 

Unter-E  Isass  :  Eberbach,  Gundershofen,  Merzweiler, 
Silzklamm  bei  ührweiler,  Griesbach,  Kirrweiler,  Buchsweiler 
(Eisenbahneinschnitt),  Hattmatt  (Gostatusschichten).  (L.  S.  —  S.  S.) 
Mahlhausen  (diluvial).  (L.  S.) 

Lothringen:  Xocourt  (Gostatusschichten).  (L.  S.  —  S.  S.) 


Die  Verwandtechaftsverhaltnieee  der  mittelliaeiechen  Arten  unter  eich 
ttnd  ihre  Beziehttngen  zu  den  oberliaeieohen  Arten. 

Aehnlich  wie  im  unteren  Lias  finden  auch  im  mittleren  mannig- 
fache Uebergänge  statt.  Leider  fehlen  aber  hier  die  Aufschlüsse,  wie 
die  früher  genannten  von  Peltre  und  Grigy  im  unteren  Lias,  welche 
den  Zusammenhang  zwischen  der  Veränderung  der  Form  und  dem  Lager 
so  klar  vor  Augen  treten  liessen. 

Es  ist  weiter  oben  schon  angedeutet  worden,  dass  enge  Bezie- 
hungen zwischen  Rhynchonella  triplicata  Quenst.  sp.  und  Rhynchonella 
curviceps  (in  unserer  Auffassung)  bestehen.  Es  ist  in  der  That  auch 
sehr  schwer,  wenn  nicht  ganz  unmöglich,  eine  Grenze  zwischen  beiden 
Arten  zu  ziehen  und  zwar  sind  die  Mittelformen  oft  häufiger  vorhanden, 
als  die  ächten  Exemplare.  Man  kann  Verbindungsreihen  zwischen  beiden 
Spezies  herstellen,  und  zwar  von  einer  Localität,  deren  Endglieder  sich 
an  die  ächten  Exemplare  beider  Arten  anschliessen  lassen.   Auf  Taf.  I 


202 

und  ni  sind  einige  dieser  Uebergangsstadien  zwischen  beiden  Spezies 
veranschaulicht.  Rhynchonella  tripHcata  Qubnst.  ep.  scheint,  wie  schon 
gesagt  wurde,  in  verwandtschaftlichen  Beziehungen  zu  Rhyncfumella 
belemnUica  aus  dem  unteren  Lias  zu  stehen. 

Dass  wohl  zwischen  Rhyncfumella  curviceps  Qdenst.  sp.  und  ge- 
wissen Formen  der  Rhynchonella  calcicosta  Beziehungen  bestehen,  wurde 
schon  gesagt. 

Ebenso  werden  sich  wohl  im  Laufe  der  Zeit  genauere  Anhalts- 
punkte ober  den  Zusammenhang  der  Rhynchonella  curviceps  mit 
Rhynchonella  Rosenbuschi  ergeben. 

Zwischen  Rhynchonella  ct^rviceps  und  Rhynchonella  amaühei 
QuENST.  sp.  bestehen,  wenn  auch  seltener,  Zwischenformen,  desgleichen 
zwischen  letzterer  Spezies  und  Rhynchonella  rimosa  Buch.  sp.  Rhyncho- 
nella  rimosa  selbst  ist  eng  mit  Rhynchonella  furcillata  Theodori  sp. 
verbunden;  Mittelformen  zwischen  beiden  Arten  sind  zwar  in  Elsass- 
Lothringen  sehr  selten,  doch  hat  Quenstedt  die  Verwandtschaft  der 
beiden  Arten  in  Schwaben  nachgewiesen. 

Ob  Rhynchonella  tripHcata  Quenst.  sp.  mit  Rhynchonella  Delmensis 
nov.  sp.  verbunden  ist,  muss  noch  dahingestellt  bleiben.  Dass  dagegen 
Uebergänge  von  letzterer  Art  nach  Rhynchonella  Rosenbuschi  bestehen, 
scheint  ausser  Zweifel  zu  sein.  Taf.  IV,  Fig.  9  zeigt  eine  solche  Mittelform. 

Ob  man  aus  dem  Vorkommen  von  gewissen  Formen  der  Rhyn- 
chonella Delmensis^  wie  Taf.  IV,  Fig.  1—2,  solche  zeigt,  auf  einige  etwaige 
Verwandtschaft  zwischen  dieser  Art  und  Rhynchonella  acuta  Sow.  sp. 
schliessen  darf,  ist  noch  zweifelhaft. 

Mit  dem  Angefahrten  ist  die  Reihe  der  Uebergange  noch  nicht 
erschöpft,  es  bedarf  aber  zu  deren  Feststellung  noch  längerer  Unter- 
suchungen an  Ort  und  Stelle,,  die  sich  der  Verfasser  fOr  die  Zukunft 
vorbehalten  hat. 


203 


'dt  *M08  vtnvD  vtt9wn[»uä^s 


S 


0 


'df  *v  pi09n^u99os  »naiiov'^Vaf 


*dt  *a  tttttDi»iftf»;sr  vn»uoy9iißiiff 


s 


.a 


s 


I 


'S 

«8 


i 

1 

09 
Eh 


■dt  *n  fftn»«!]»^  D}i9ttoy9i(ÜV2r 


•dt  *()  •»n22«<f209«  d22*voV9u^V? 


•dt  -f)  y9V92Oiii0  on*v^9ttiSv2r 


'dt  '5  t<C9d}AAn9  02/»iiov9tt/SV2r 


■dt  •{>  vaTOfi^Ha  on»tfov9tt^va' 


•dt  -f)  o|i»2|9|«o-«  P22««oV»«»Ä<2r 


'dt  '5  vt990f9iV9  on^ttov^M^var 


-dt '{)  ;yo«/!so  9f2**'<^V^*'^V2f 


•dt  *aoBHX  or»n}9Jtn/ vn9wni9ußtis 


'dt  HOaa  ofotafj  o229«ova«/!v2f 


•dt  'Aov  9}2»iiov9«iSv2r 


"la^^o  }MuJB^a  P2i»i«ovwÄva' 


I  I 


-dt  'V  fMdm^ipB  vn9W)ypnR%ts 


'dt '()  oayatvd/Litf  92]9tM>v»tt/Svff 


'dt  *5  o9f;tu«w]99  0n'v^V'*^VH 


•dl  *()  oiit^t^9f}4f  022»ttov9iiiSva' 


m 


•o 

• 

1 

0 
0 

• 

s 

s 

A 

&i 

ä 

• 

* 

1 
i 

1 

1 

o 

1 

1 

1 

I 

o 
d 


\ 

% 


•xavxtaaoö  ^^K 


•§  "»n 


•X 


t»n 


•»  «»n 


Ä 

8 

1 

•Ä 

OQ 

*« 

o 

a 

a 

« 

9 

0 

0 

a 

a 

8 

o 

M 

o 

H 

M 

O 

o 

> 

> 

• 

^ 

4> 

o 

3 

1 

t 

«• 

O. 

o 

0 

& 

^ 

l 

1 

l 

5 

0 

0 

« 

« 

•o 

•o 

J 

• 

I 


Die  Rhynohonellen  des  Dogger. 

Rhynchonella  Weigandi  nov.  sp. 
Rhynchonella  Frireni  Branco. 
Rhynchonella  cf.  angulata  Sow.  sp. 
Rhynchonella  Kirchhoferi  nov.  sp. 
Rhynchonella  Davidsoni  Chapüis  et  Dewalque. 
Rhynchonella  parvula  Deslongchamps. 
Rhynchonella  acuticosta  Zieten  (Hehl)  sp. 
Rhynchonella  Pallas  Ghapuis  et  Dewalque. 
Rhynchonella  Andrex  nov.  sp. 
Rhynchonella  lotharingica  nov.  sp. 
Rhynchonella  Edwardsi  Ghapuis  et  Dewalque. 
Rhynchonella  cf.  Forbesi  Davidson. 
Rhynchonella  ohsoleta  Sow.  sp. 
Rhynchonella  concinna  Sow.  sp. 
Rhynchonella  badensis  Oppel. 
Rhynchonella  oligacantha  Branco. 
Rhynchonella  Crossi  Walker. 
Rhynchonella  tenuispina  Waagen. 
Rhynchonella  spinosa  Schl.  sp. 
Rhynchonella  varians  Schl.  sp. 


JShynchoneUa  Weiga/näd  nov.  sp. 

Taf.  V,  Fig.  13. 

Circa  8  Millimeter  lang   und  7  Millimeter   breit;    kleine 
Schale  stark  gewölbt,  mit  einem   Wulst  versehen,   der   durch 


205 

eine  einzige  scharfkantige,  sehr  stark  hervorragende  und  am 
Stirnrande  gerade  abbrechende  Rippe  gebildet  wird.  —  Einsen- 
knng  zwischen  Wulst  und  Flügeln  scharf  ausgebildet.  Diese  sind 
mit  je  3  Rippen  versehen,  wovon  die  dem  Wulste  zunächst 
liegende  die  kräftigste  ist. 

Die  grosse  Schale  hat  einen  tief  eingesenkten  Sinus  und 
3 — 4  Rippen  auf  jedem  Flügel.  Schnabel  spitz,  hoch  hinaus- 
ragend, kaum  übergebogen.  Arealkanten  sehr  scharf,  Foramen 
klein,  Deltidium  discret,  Schlosslinie  gerade.  Die  Wirbelgegend 
ist  auf  beiden  Schalen  ganz  glatt. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Verwandt  mit  Rhynchonella 
Frireni  Branco,  die  jedoch  eine  andere  Wulstbildung  hat.  Vielleicht 
zwischen  Rhynchonella  Frireni  und  Rhynchonella  cynocephala  Rich.  sp. 
(mit  einer  Wulstrippe)  stehend.  (Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda. 
pag.  77.  Taf.  14.  Fig.  10). 

Vorkommen:  Unterer  Dogger,  ß. 

Lothringen:  Monvauxthal  bei  Metz  (Murchisooaßschichten, 
Oberregion).  (L.  S.) 

Sehr  selten. 


JSh/ynchoneUa  FH/reni  Bbanco  1878. 

Abhandlungen  zur  geol.  Spez.-Karte  von  Eisass-Lothringen.  Bd.  II. 
Heft  1.  Brango.  Der  untere  Dogger  von  Deutsch-Lothringen,  pag.  128. 
Taf.  6.  Fig.  8. 

Ich  habe  dem,  was  Branco  über  diese  Art  mittheilt,  nichts  hin- 
zuzufügen. 

Vorkommen:  Unterer  Dogger,  ß. 

Lothringen:  St.  Quentin  bei  Metz  (MurchisonaBSchichten,  Ober- 
region).  (F.  S.  —  L.  S.) 


206 


BhynchaneUa  cf.  ix/ngvlata  Sow«  sp.  1825. 

Taf.  V,  Fig.  3. 

1825.  SowERBY.  Mineral  conchology  of  Great-Britaio.  vol.  V.  pag.  166. 
Taf.  502.  Fig.  4.  (In  Folge  eines  Druckfehlers  lacutoi  genannt.) 

1848.  Bronn.  .  Index  palaeontologicus.  pag.  1229. 

1849.  d'Orbigny.  Prodrome.  yoL  1.  pag.  286. 

1852.  Davidson.  Ooliticand  liasic  brachiopoda.  pag.  92.  Taf.  17.  Fig.  13. 

1859.  Oppel.  Jara;  pag.  433. 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  30,  33,  51. 

1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  207. 

Die  kleine  Schale  ist  massig  gewölbt  und  mit  einem 
scharf  ausgeprägten  Wulste  versehen,  der  4 — 6  Rippen  trägt. 
Letztere  sind  meist  gleichmässig  ausgebildet,  scharfkantig  und 
bis  in  den  Wirbel  hinein  zu  verfolgen.  Die  öfters  ziemlich 
zurückgebogenen  Flügel  weisen  je  4 — 5  Rippen  auf.  In  der 
Einsenkung  zwischen  Rippen  und  Wulst  entstehen  hie  und  da 
auch  einige  neue  Rippen.  Dadurch  wird  eine  Trennung  zwischen 
beiden  erschwert.  Die  der  Einsenkung  zunächst  liegende  Flügel- 
rippe ist  stets  die  stärkste. 

Dasselbe  Verhältniss  findet  auf  der  grossen  Schale  statt. 
Je  nach  der  Beschaffenheit  des  Wulstes  kann  der  Sinus  mehr 
oder  weniger  tief  eingeschnitten  sein.  Der  Schnabel  ist  spitz 
und  ziemlich  übergebogen,  das  Deltidium  ist  discret.  Die  Areal- 
kanten sind  scharf,  die  Schlosslinie  verläuft  gerade.  Länge 
14  Millimeter,  Breite  19  Millimeter. 

Hie  und  da  sind  auch  die  Wulstrippen  unglelchmässig  ausgebildet, 
so  dass  die  beiden  mittleren  starker  hervorspringen,  als  die  andern. 
Dann  entstehen  Formen,  die  man  mit  Rhynchonella  subdecorata  Davidson 
(Appendix,  pag.  21.  Taf.  A.  Fig.  23—26)  zu  vergleichen  versucht  ist. 
Brango  hat  diese  Formen  auch  als  solche  aufgefasst.  (Abhandl.  zur  geol. 
Spezial-Karte  von  Elsass-Lothringen.  Bd.  11.  Heft  1.  Brango,  Unterer 
Dogger  etc.  pag.  34  und  37.) 


207 


Verhattniss  zu  anderen  Arten.  Im  französischen  Lothringen, 
zu  Gharey  im  d^partement  de  la  Meurthe-et-Moselle,  finden  sich  mit 
Rhynchonella  concinna  und  Rhynchonella  varians  zusammen  Mittel- 
fonnen  zwischen  Rhynchonella  varians  und  Rhynchonella  angulata. 
Sie  haben  bei  allgemeiner  Uebereinstimmung  der  Form  mehr  Rippen, 
als  Rhynchonella  angulata,  während  die  Wirbelbildung  der  Rhynchonella 
varians  entspricht.  Auf  die  Beziehungen  zwischen  Rhynchonella  anyulata, 
Rhynchonella  concinna  und  Rhynchonella  badensis  werde  ich  später 
zurQckkommen. 

Vorkommen:  Unterer  Dogger,  ß. 

Lothringen:  St.  Quentin  bei  Metz,  Ars  a/H.  (MurchLsonas- 
scfaichten,  Oberregion).  (L.  S.) 

Nachbarländer:  Mont  St  Martin  bei  Longwy  (Meurthe-et- 
Moselle).  (MurchisonaBSchichten.)  (L.  S.)  —  Muttenz  im  Baseler  Jura 
(MurchisonaBSChichten).  (G.  S.) 


Mhynchonella  KiroMioferi  nov.  sp. 

Tat  Vn,  Fig.  1,  2,  4. 

In  der  Jugend  schlank,  im  Alter  gerundet  mit  grösster 
Wölbung  in  der  Mitte  zwischen  Wirbel  und  Stirn.  Auch  tritt 
im  Alter  ein  Wulst  hervor,  der  2 — 4  Rippen  trägt,  und  zwar  sind 
diese  um  sq  stärker,  je  geringer  die  Zahl  derselben  ist.  Jede 
Schale  trägt  8 — 12  Rippen.  Schnabel  spitz,  Deltidium  discret. 
Die  Arealkanten  sind  nur  wenig  scharf,  die  Schlosslinie  ist  fast 
ganz  gerade.  Bei  den  zur  Rundung  neigenden  Formen  biegt  sich 
der  Schnabel  ein  wenig  über.  Die  Rippen  reichen  bei  einzelnen 
Exemplaren  bis  zum  Wirbel ,  bei  andern  verlaufen  sie  schon 
auf  der  Höhe  des  zweiten  Drittheils  der  Schalen,  vom  Stimrande 
an  gerechnet  Ein  Sinus  ist  kaum  bemerkbar,  selbst  da  nicht, 
wo  der  Wulst  verhältnissmässig  stärker  ausgeprägt  ist 


280 

Vorkommen:  Mittlerer  Dogger,  y. 

Göte  de  la  Rique  bei  Lorry  (Unterer  Korallenkalk.  Bemouilli- 
schichten).  (L.  S.) 

Häufig. 

BezQglich  des  Verhältnisses  zu  anderen  Arten,  cf.  pag.  75. 

Diese  Art  trägt  den  Namen  eines  alten  Freundes  des  Verfassers, 
des  t  Herrn  Professor  E.  Th.  Kirchhofer  zu  Stuttgart. 


JRhynchoneUa  Davidaoni  Chapuis  et  Dewalque.  1851. 

Taf.  V,  Fig.  2,  10. 

1851.  Chapuis  et  Dewalque.    Terrains   secondaires   du   Luxembourg. 
pag.  253.  Taf.  37.  Fig.  6. 

Die  kleine  Schale  pflegt  nur  schwach  gewölbt  zu  sein, 
nur  in  seltenen  Fällen  wird  sie  etwas  bauchig.  Der  Wulst  ist 
nicht  stark  ausgeprägt  und  verschwindet  häufig  ganz;  er  trägt 
3—4  Rippen.  Von  einer  Spaltung  derselben,  wie  sie  Chapuis 
und  Dewalqüb  angegeben,  habe  ich  nichts  bemerkt. 

Die  grosse  Schale  ist  fast  ganz  flach;  ein  eigentlicher 
Sinus  ist  nicht  vorhanden.  Der  Schnabel  ist  ziemlich  spitz,  kaum 
übergebogen  und  ragt  hoch  hinaus. 

Beide  Schalen  sind  sehr  breit;  dadurch  entsteht  eine 
unverhältnissmässig  grosse  Area,  die  sehr  feine  Streifen  trägt. 
Die  Arealkanten  selbst  sind  sehr  scharf;  die  Schlosslinie  ist 
kaum  gebogen.  Das  Delüdium  ist  discret.  Die  Flügelecken 
befinden  sich  fast  auf  gleicher  Höhe,  wie  das  Foramen,  was  der 
Form  ihr  charakteristisches  Aussehen  giebt.  Beide  Schalen  sind 
mit  zierlichen  Anwachsstreifen  vei*sehen. 

Länge  7—8  Millimeter,  Breite  10—11  Millimeter. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Diese  Spezies  dürfte  vielleicht 
eine  locale  Abänderung  der  Rhynchonella  acuticosta  sein,  wenn  sie  gleich 
nie  deren  Dimensionen  erreicht. 


209 

Vorkommen:  Unterer  Dogger,  5. 

Lothringen:  fehlt ,  dagegen  häufig  hei  Longwy  (Meurthe-et- 
Moselle).  (Korallenkalk.)  (L.  S.  —  F.  S.) 


Rhynchonella  parvula  Deslongohamps«  1862. 

Taf.  V,  Fig.  14. 

1862.  Dbslongchamps.  fitudescritiquessurdesBrachiopodesnouveauxetc. 

pag.  29.  Taf.  5.  Fig.  5—6. 
1868.  Waagen,  üeber  die  Zone  des  Ammonites  Sowerbyi,  (Benecke. 

Geognostisch-palaeont.    Beiträge.    I.    pag.    639.     Taf.    32. 

Fig.  4  a — c. 
1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  219.  Taf.  27.  Fig.  21. 

Die  kaum  gewqlbte  kleine  Schale  ist  mit  8—9  Kippen 
versehen.  2—3  davon  stehen  auf  dem  ziemlich  ausgesprochenen 
Wulste.  Dieselben  sind  stets  scharfkantig. 

Die  grosse  Schale  mit  ebenfalls  8 — 9  Rippen  hat  einen 
spitzen  Schnabel,  der  frei  hinausragt  und  nur  wenig  auf  die 
kleine  Schale  übergebogen  ist.  Der  Sinus  ist  ziemlich  tief  ein- 
geschnitten und  je  nach  der  Entwicklung  des  Wulstes  mit 
1 — 2  Rippen  geziert.  Auch  diese  sind  scharfkantig,  wie  die  der 
kleinen  Schale  und  verlaufen  ebenfalls  bis  in  den  Wirbel. 

Die  Arealkanten  sind  scharf,  die  Schlosslinie  ist  gerade. 
Das  kleine  Foramen  wird  von  einem  discreten  Deltidium  begrenzt. 

Breite  12  Millimeter,  Länge  8 — 9  Millimeter. 

Vorkommen:  Unterer  Dogger,  5. 

Lothringen:  Lorry  bei  Metz.  (Korallenkalk.)  (L.  S.) 

Nachbarländer:  Rangiers  im  Berner  Jura.  (Oolithe  ferru- 
gineuse.)  (6.  S.) 

II.  14 


210 


BhynchaneUa  tumHcosta  Zieten  (Hehl)  sp.  1834. 

Taf.  Vn,  Fig.  3. 

1832-34.  Zieten.  Yersteiaeningeii  Württembergs,  pag.  58.  Taf.  43.  Fig.  2. 
1843.  QuENSTEDT.  FlOzgebirge  Württembergs,  pag.  352. 
1852.  Derselbe.  Handbucb.  pag.  456.  Taf.  36.  Fig.  33. 

1858.  Derselbe.  Jura.  pag.  424.  Taf.  58.  Fig.  9—20. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  432. 

1867.  QüENSTEDT.  Handbuch.  2.  Aufl.  pag.  544.  Taf.  46.  Fig.  33. 

1869.  Brauns.  Mittlerer  Jura.  pag.  289. 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  33  und  45. 

1871.  QüENSTEDT.  Brachiopoden.  pag.  105  u.  folg.  Taf.  39.  Fig.  27—32. 
1879.  SziUNOCHA.  Brachiopoden  der  Oolite  von  Baiin.  pag.  27.  Taf.  VI. 

Fig.  3-4. 

Eine  ächte  Rhynchonella  acuHcosta  kenne  ich  aus  Elsass-Lothringen 
bis  jetzt  noch  nicht.  Es  scheint,  dass  daselbst  eine  andere  wichtige  Spe- 
zies deren  Stelle  vertritt,  die,  wenn  sie  auch  ihre  nahe  Verwandtschaft 
mit  Rhynchonella  acuHcosta  nicht  verkennen  lässt,  doch  von  letzterer 
Art  aus  nachher  zu  erörternden  Gründen  getrennt  gehalten  werden  muss. 
Bin  typisches  Exemplar  von  Rhynchonella  acuticosta  besitzt  die  Landes- 
sammlung von  Elsass-Lothringen.  Es  stammt  aus  der  Sammlung  des  Herrn 
Dr.  Greppin  und  kommt  aus  dem  Bajocien  von  Schauenburg  im  Berner 
Jura.  (Greppin.  Jura  bernois.  pag.  33.) 

Terquem  und  Jourdy  unterschieden  neben  unserer  Spezies  noch 
als  besondere  Art  Terebratula  Theodori  und  führen  dieselbe  von  Les 
Glapes  im  alten  d^partement  de  la  Moselle  an,  wo  sie  mit  Rhynchonella 
acuticosta  zusammen  Vorkommen  soll.  «Gette  espöce  se  distingue  de 
Rhynchonella  acuticosta  par  ses  gros  plis  (6 — 8)  et  une  forme  plus 
arrondie.i  (Terquem  et  Jourdy.  Etage  bathonien  du  d^partement  de 
la  Hoselle.  pag.  136.) 

JRhyncJioneUa  PaUaa  Chapuis  et  Dewalque.  1851. 

Taf.  V,  Fig.  11—12.  Taf.  VII,  Fig.  5. 

1851.  Ghapuis  et  Dewalque.    Terrains   secondaires  du  Luxembourg. 
pag.  254.  Taf.  37.  Fig.  7. 


211 

Die  kleine  Schale  ist  ziemlich  gewölbt,  und  zwar  liegt  die 
grösste  Wölbung  direct  unter  dem  Wirbel.  Der  stark  hervor- 
ragende Wulst  ißt  mit  4 — 5  scharfkantigen  Rippen  versehen. 
Je  7 — 8  derselben  kommen  auf  die  Flügel. 

Die  grosse  Schale  hat  einen  spitzen  Schnabel  und  ein 
von  einem  umfassenden  Deltidium  begrenztes,  mittelgrosses  Fo- 
ramen. Der  Schnabel  ist  nur  wenig  auf  die  kleine  Schale  herab- 
gebogen, die  Arealkanten  sind  abgerundet  und  die  Schlosslinie 
ist  ziemlich  gebogen.  Der  Sinus  ist  ziemlich  tief  und  sehr 
breit;  von  den  Flügelrippen  ist  meist  die  zweite  oder  dritte 
kräftiger  entwickelt  als  die  andern.  Sämmtliche  Rippen  verlaufen 
bis  in  den  Wirbel. 

Länge  25 — 30  Millimeter,  Breite  35 — 40  Millimeter. 

Taf.  YU.  Fig.  5  veranschaulicht  das  Aussehen  der  Jugendformen 
von  Rhynchanella  Pallas,  Sie  sind  von  den  in  denselben  Schichten  vor- 
kommenden jungen  Exemplaren  der  Rhynchonella  obsoleta  nur  dann 
leicht  zu  unterscheiden,  wenn  die  scharfen  Rippen  und  der  Wulst  sich 
schon  verhaltnissmässig  frohe  zeigen.  Rhynchonellä  Niobe  Chapuis  et 
Dew^alque  (Terrains  secondaires  du  Luxembourg.  pag.  258.  Taf.  37.  Fig.  5.) 
scheint  jedenfalls  nur  eine  solche  junge  Rhynchonellä  Pallas  zu  sein. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Es  liegt  die  Vermuthung  nahe, 
dass  diejenigen  Formen,  welche  Zieten  Terebratula  quadriplicata  nennt 
(Versteinerungen  Württembergs.  Taf.  41.  Fig.  3.)  und  wenigstens  ein 
Theil  derjenigen,  die  Quenstedt  unter  dieser  Bezeichnung  zusammen- 
fasst,  mit  unserer  Art  verwandt  sind  und  man  dieselbe  als  eine  locale 
Abänderung  von  Rhynchonellä  quadriplicata  auffassen  darf.  Besonders 
die  Jugendformen  der  Rhynchonellä  Pallas.  Taf.  VII.  Fig.  5  scheinen 
zu  einer  solchen  Annahme  zu  berechtigen. 

Vorkommen:  Unterer  Dogger,  8. 

Lotbringen:  Lorry,  Norroy-le-Veneur,  St.  Quentin  bei 
Metz.  (Korallenkalk.)  (F.  S.  —  L.  S.) 

Nachbarländer:  Roppe  bei  Beifort.  (Humphresiannsschichten.) 

(L.  S.) 


2i2 


JRhynchonella  Andreas  nov.  sp. 

Tai.  VII,  Fig.  6-7. 

Kleine,  kaum  7 — 8  Millimeter  breite  und  6  Millimeter 
lange  Form.  Die  kleine  Schale  ist  mit  14 — 1 6  scharf  kantigen  Rippen 
versehen.  Die  beiden  mittleren  überragen  die  übrigen  um  ein 
Weniges  und  bilden  somit  eine  Art  Wulst. 

Die  grosse  Schale  weist  dieselben  Verhältnisse  auf.  Es  ist 
kein  Sinus  vorhanden.  Der  Schnabel  ist  spitz,  das  Deltidium  ist 
discret,  die  Arealkanten  sind  ziemlich  scharf.  Die  Schlosslinie  ist 
leicht  gebogen. 

Vorkommen:  Unterer  Dogger,  5. 

Lothringen:  Piappeville  bei  Metz.  (Korallenkalk.)  (F.  S.  — 
L.  S.) 


BhynchaneUa  lotharingica  nov.  sp. 

Taf.  V,  Fig.  4—9,  16—18.  Taf.  VH,  Fig.  19—20. 

Ca.  13  Millimeter  lang  und  15—16  Millimeter  breit.  Die 
kleine  Schale  ist  im  Jugendzustande  nur  sehr*  wenig  gewölbt 
und  wird  erst  mit  Zunahme  der  Grösse  bauchiger.  Sie  ist  mit 
18 — 22  scharfkantigen  Rippen  versehen,  deren  4  den  ziemlich 
ausgesprochenen  Wulst  bilden. 

Die  grosse  Schale  hat  einen  nur  wenig  tiefen  Sinus,  ebenso 
viel  Rippen,  wie  die  kleine,  einen  sehr  spitzen  Schnabel,  der 
frei  hinausragt  und  kaum  übergebogen  ist,  ein  ziemlich  grosses 
Foramen  und  ein  discretes  Deltidium.  Die  Arealkanten  sind  sehr 
scharf,  die  Schlosslinie  verläuft  fast  gerade.  Die  Rippen  reichen 
auf  beiden  Schalen  bis  in  den  Wirbel  hinein. 


213 

Die  Entwicklung  der  Rhynchonella  lotharingica  konnte  genau 
yerfolgt  werden.  Sie  bietet  keine  besonderen  Eigenthamlichkeiten;  be- 
achtenswerth  ist  höchstens  der  Umstand,  dass  der  Schnabel  bei  maochen 
Jugendexemplaren  nicht  symmetrisch  in  der  Mitte  der  grossen  Schale 
steht,  sondern  öfters  mehr  nach  der  linken  oder  rechten  Seite  hintlber- 
gebogen  ist.  (Taf.  Y.  Fig.  8.) 

Verhftitniss  zu  anderen  Arten.  Der  ganze  Habitus  unserer  Art 
erinnert  an  Rhynchonella  acuticosta^  yon  welcher  sie  sich  durch  ihre  viel 
weniger  in  die  Breite  gezogene  Wirbelgegend,  den  spitzeren  und  viel 
reier  hinausragenden  Schnabel  und  die  gewölbtere  kleine  Schale  unter- 
scheidet. Dazu  kommt  noch  der  Umstand,  dass  die  Flügelecken  niemals 
auf  gleicher  Höhe  mit  dem  Wirbel  liegen,  wie  dies  bei  Rhynchonella 
acuticosta  der  Fall  ist.  Ihr  Lager  liegt  zwar  etwas  höher,  als  das  von 
Rhynchonella  acuticosta,  doch  kann  man  nichtsdestoweniger  unsere  Art 
als  die  Vertreterin  oder  Nachfolgerin  der  Rhynchonella  acuticosta  in 
Lothringen  ansehen. 

Bemerkenswerth  ist  weiterhin  die  nahe  Verwandtschaft  unserer  Art 
mit  der  im  folgenden  beschriebeneu  Rhynchonella  Edwardsi  Ghapuis 
und  Dewalque.  Beide  Formen  sind,  wie  wir  später  sehen  werden,  wohl 
die  Vorläufer  der  Gruppe  der  Rhynchonella  varians  und  derjenigen  der 
Rhynchonella  concinna.  Auch  Uebergänge  nach  Rhynchonella  badensis 
Oppel  sind  vorhanden. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,  g;  Oberes  Vesullian. 

.    Unter-Elsass:  Buchsweiler.  (Oberer  Hauptrogenstein.)  (L.  S.) 

Lothringen:  Gorze,  Flavigny,  Plaine  de  Geaie  bei  Ars, 
Gönivaux,  St.  Privat  bei  Metz,  Jaumont,  Vern^ville.  (Mergel 
von  Gravelotte.)  (L.  S.) 

Nachbarländer:  Movelier  im  Berner  Jura.  (Hauptrogenstein 
Gouche  ä  öchinides.)  (G.  S.) 


Mh/ynehonella  JEdwardsi  Chapüis  et  Dewalqüe.  1861« 

Taf.  V,  Fig.  6,  15,  16,  18. 

1851.  Ghapuis  et  Dewalque.     Terrains    secondaires    du   Luxembourg. 
pag.  255.  Taf.  37.  Fig.  9. 


2U 

18—20  Malimeter  lang,  17—19  Millimeter  breit.  Die  kleine 
ziemlich  gewölbte  Schale  ist  mit  24 — 26  scharfkantigen  Rippen 
versehen,  die  bis  zum  Wirbel  hinaufreichen.  4 — 6  davon  kommen 
auf  den  wenig  ausgebildeten  Wulst.  Sie  sind  stärker  entwickelt 
als  diejenigen  auf  den  Flügeln. 

Der  Sinus  auf  der  mit  ebensoviel  Rippen  versehenen,  grossen 
Schale  ist  breit  und  wenig  tief.  Das  Foramen  ist  ziemlich  gross; 
das  Deltidium  ist  umfassend.  Der  Schnabel  selbst  ist  sehr  spitz 
und  kaum  übergebogen.  Die  Arealkanten  sind  sehr  scharf;  die 
Schlosslinie  ist  gebogen. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  In  der  Jugend  gleicht  diese  Art 
der  Rhy^nchonella  Mharingica.  Im  allerersten  Jugendstadium  ist  sie 
sogar  nicht  von  dieser  zu  trennen.  Erst  bei  fortschreitendem  Wachstbum 
wird  sie  länglicher,  als  die  jungen  LotharingicarFormeTi  und  nimmt  den 
fQr  die  Rhynchanella  Edwardsi  charakteristischen  Habitus  an.  Auch  das 
unsymmetrische  Verhalten  der  Wirbelspitze,  das  bei  den  Jugendformen  der 
Rhynchonella  Edwardsi  statt  hat,  kann  man  an  diesen  Exemplaren  be- 
obachten. Das  Deltidium  ist  im  Jugendzustande  noch  discret,  erst  bei 
der  fast  ausgewachsenen  Rhynchonelle  wird  es  umfassend.  Mittelformen 
zwischen  Rhynchonella  lotharingica  und  Rhynchonella  Edwardsi  sind 
sehr  häufig.  (Taf.  V.  Fig.  6,  16,  18.)  Beide  Formen  kommen  fast  stets 
mit  einander  vor.  Wie  es  bei  Rhynchonella  Schimperi,  Rhynchonella 
gryphitica  und  Rhynchonella  Deffneri  der  Fall  war,  so  entwickeln 
sich  auch  hier  zwei  im  ausgewachsenen  Zustande  scharf  von  einander 
getrennte  Arten  aus  einer  und  derselben  Jugendform.  Bezüglich  weiterer 
Verwandtschaften  etc.  siehe  unten. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,   e ;  Oberes  Vesullian. 

Unter-Elsass:  Buchsweiler.   (Oberer  Hauptrogenstein.)  (L.  S.) 

Lothringen:  Gorze,  Flavigny,  Vernöville,  Rözonville, 
Gönivaux,  bei  Metz.  (Mergel  von  Gravelotte.)  (L.  S.) 


215 


JEOyynehaneUa  of.  Farbeai  Davidson.  1852. 

Taf.  V,  Fig.  1. 

1852.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  84.  Taf.  17.  Fig.  19. 

Kleine  Form  von  rundlicher  Gestalt.  Die  kleine  Schale  sehr 
stark  gewölbt  und  zwar  liegt  die  grösste  Wölbung  gleich  unter 
dem  Wirbel.  Der  Wulst  ist  kaum  angedeutet. 

Beide  Schalen  sind  mit  je  20 — 24  gleichmässig  entwickelten 
und  scharfkantigen  Bippen  versehen,  die  bis  in  den  Wirbel  ver- 
laufen. Der  Schnabel  ist  sehr  spitz  und  ragt  frei  hinaus,  ohne 
nur  im  geringsten  übergebogen  zu  sein.  Das  Foramen  ist  ziem- 
lich klein  und  wird  von  einem  grossen  aber  discreten  Deltidium 
begrenzt.  Die  grosse  Schale  bildet  in  Folge  der  sehr  schlanken 
Wirbelspitze  eine  ziemlich  grosse  falsche  Area,  deren  Kanten 
abgerundet  sind.  Die  Schlosslinie  ist  leicht  gebogen.  Länge 
9—12  Millimeter,  Breite  11— 1 4  Millimeter.. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Die  grösseren  Formen  dieser 
Spezies  haben  die  meiste  Aebnlichkeit  mit  der  ächten  Rhynchonella 
Forbesi  Davidson.  Doch  ist  bei  unserer  Form  der  Schnabel  nie  umge- 
bogen, wie  bei  letzterer,  und  die  kleine  Schale  weit  rundlicher  als  bei 
dieser. 

Wenn  unsere  Exemplare  auch  nicht  ganz  mit  Rhynchonella  Forbesi 
stimmen,  so  scheinen  mir  ihre  Unterscheidungsmerkmale  doch  zu  gering- 
fügig, um  sie  als  neue  Spezies  aufzustellen. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,  e;  Oberes  Vesullian. 
Ünter-Elsass:  Wolxheim.  (Oberer  Hauptrogenstein.)  (L.  S.) 


Bhynchanella  obsoleta  Sow.  sp.  1812. 
Taf.  VII,  Fig.  8—11. 

1812.  SowERBY.   Mineral  conchoiogy  of  Great-Britain.  vol.  1.  pag.  192. 
Taf.  83.  Fig.  7—8. 


216 

1852.  QüENSTEDT.  Handbuch,  pag.  453.  Rhynchonella  quadriplicata 
ZiETEN  sp.  z.  Thl. 

1852.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  90.  Taf.  17.  Fig.  1. 

1858.  QüENSTEDT.  Jura.  pag.  423.  Rhynchonella  quadriplicata  Zieten 
sp.  z.  Thl. 

4859.  Oppel.  Juta.  pag.  499. 

1867.  Quenstedt.  Handbuch.  2.  Aufl.  pag.  542.  Rhynchonella  quadri- 
plicata Zieten  sp.  z.  Thl. 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  40,  41,  45. 

1871.  Quenstedt.  Brachiopoden.    pag.  .80  und  folgende.    Rhynchonella 

quadriplicata  Zieten  sp.  z.  Thl. 
1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  257.  Taf.  29.  Fig.  4. 

Ca.  24—25  Millimeter  lang  und  22—23  MiUimeter  breit. 
Seltener  vorkommende  grössere  Exemplare  werden  etwas  breiter 
als  lang.  Beide  Schalen  sind  mit  je  22 — 26  scharf  kantigen  Rippen 
versehen,  von  denen  4 — 7  auf  den  mehr  oder  weniger  ausgespro- 
chenen Wulst  kommen.  Diese  sind,  wie  diejenigen  im  Sinus  der 
grossen  Schale,  scharfkantiger  als  die  auf  den  Flügeln  stehenden. 
Die  kleine  Schale  ist  massig  gewölbt. 

Das  Deltidium  ist  umfassend.  Diesen  Umstand  benützt 
SowEBBY  als  hauptsächliches  Unterscheidungsmerkmal  der  Rhyn- 
chonella concinna  von  der  Bhynchonella  obsoleta.  Der  schlanke 
und  spitze,  frei  hinausragende  Schnabel,  der  nicht  auf  die  kleine 
Schale  übergebogen  ist,  bewirkt  die  BUdung  einer  falschen  Area 
mit  massig  scharfen  Kanten. 

ßei  den  nachher  zu  erwähnenden  Mittelformen  biegt  sich  die 
Schnabelspitze  immer  mehr  auf  die  kleine  Schale  über,  je  mehr  die 
ganze  Form  sich  dem  ConciVina-Typus  nähert. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Quenstedt  vereinigt  mit 
Rhynchonella  quadriplicata  Zieten  sp.  Rhynchonella  concinna  Sow.  sp. 
und  noch  €vieles  Andere»,  wie  er  (ßrachiopoden.  pag.  81)  sagt.  Es  ist 
nun  allerdings  nicht  zu  läugnen,  dass  beide  Formen  einander  sehr  nahe 
stehen,  allein  die  typische  Rhynchonella  concinna  mit  ihren  stark  um- 


217 

gebogenen,  tief  in  den  Wulst  der  kleinen  hineingreifenden  grossen 
Schale  und  die  länglicheren  Obsoleta-Fonnen  mit  ihrer  geringeren  An- 
zahl von  Rippen  und  ihrem  umfassenden  Deltidium,  im  Gegensatz  zum 
discreten  Deltidium  der  Rhynchanella  concinna^  stehen  doch  weit  aus- 
einander. 

Oppel  fllhrt  Rhynchondla  concinna  nur  aus  dem  Gross-Oolith 
und  dem  firadford-Glay  an  und  stimmt  darin  mit  der  zuerst  von 
DAvmsoN  1852  (Oolitic  and  liasic  brachiopoda)  ausgesprochenen  Ansicht 
fiberein.  In  seinem  1878  erschienenen  Supplement  etc.  begreift  Davidson 
jedoch  auch  Oö^o/e/a-ähnüche  Formen  aus  dem  Inferior-Oolile  mit  unter 
Rhynchonella  obsoleta. 

Auch  in  Elsass-Lothringen  kommen  schon  in  den  tieferen  Schichten 
ähnliche  Formen  vor,  die  von  der  ächten  Rhynchonella  obsoleta  nicht 
zu  trennen  sind. 

Ich  schliesse  mich  der  Ansicht  Davidson's  an  und  habe  deshalb 
diese  Formen  ebenfalls  unter  Rhynchonella  obsoleta  Sow.  sp.  einbe- 
griffen. 

Wie  in  Schwaben  alle  diejenigen  Formen,  welche  Quensteot  zu 
den  QuadripUcaten  stellt,  enge  unter  einander  zusammenhängen,  so  ist 
das  auch  in  Blsass-Lothringen  der  Fall  mit  denjenigen  Formen,  welche 
daselbst  Vertreter  dieser  Gruppe  sind,  wie  Rhynchonella  concinna, 
Rhynchonella  obsoleta,  Rhynchonella  badensis  und  andere  mehr.  Mehr 
darüber  siehe  weiter  unten. 

Vorkommen:  Unterer  Dogger,  8  —  Oberer  Dogger,  e. 

Ober-Blsass:  Aue  bei  Sentheim. (Oberer Hauptrogenstein.) (L.S. 

Unter-Elsass:  Buchsweiler,  (dit.)  (L.  S.) 

Lothringen:  Monvaux,  Moyeuvre.  (Unteres  Vesullian;  Merge 
von  Longwy.)  (L.  S.) 

Nachbarländer:  Charey(Meurthe-et-Moselle).  (Variansschichten. 
(L  S.)  —  Montagne  de  Gornol,  Movelier,  im  Berner  Jura, 
(Oberes  Vesullian.)  (G.  S.) . 


218 


JBhynchonella  conctnna  Sow.  sp.  1812. 

Taf.  VI,  Fig.  3—4. 

1812.  SowERBY.    Mineral  conchology  of  Greät-Britaia.  toI.  I.  pag.  192. 

Taf.  83.  Fig.  6. 
1812.  Derselbe,  ibid.  vol.  VI.  pag.  67.  Taf.  536.  Fig.  1.    Bbynchmella 

rostrata  Sow.  sp. 
1834.  Buch,  lieber  Terebrateln  elc.  pag.  64.  (In  der  franz.  Bearbeitung 

Mm.    Sog.    göol.  de    France.     1838.    vol.  III.    pag.    144. 

Taf.  14.  Fig.  14.) 
1848.  Bronn.  Index  palaeontologicus.  pag.  1233. 
1852.  QuENSTEDT.    Handboch.    pag.   454.    Rhynchonella  guadriplicata 

ZiET.  sp.  z.  Tbl. 

1858.  QuENSTEDT.  Jura.  pag.  499.  Rhynchonella  guadriplicata  Ziet.  sp. 

z.  Tbl. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  499. 

1863.  OosTER.  Bracbiopodes  des  Alpes  suisses.  pag.  45. 

1866.  Terquem  et  Jourdt.  Etage  batbonien.  pag.  136. 

1867.  QuENSTEDT.  Haudbucb.  2.  Auflage,  pag.  542.  Rhynchonella  quadri- 

plicata  Ziet.  sp.  z.  Tbl. 

1870.  Greppin.  Jura  bemois.  pag.  46,  51. 

1871.  QUENSTEDT.   Bracbiopodcn.  pag.  80,   92,  143.   Taf.  38.   Fig.  36. 

Taf.  40.  Fig.  63-67. 

1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  205  und  folgende.  Taf.  27.  Fig.  22—28. 

1879.  SzAjNOCHA.  ßrachiopoden  der  Oolite  von  Baiin.  pag.  29.  Taf.  6. 

Fig.  10—13. 

Im  Mittel  19  Millimeter  lang  und  20—22  Millimeter  breit, 
die  kleine  Schale  im  ausgewachsenen  Zustande  sehr  stark  ge- 
wölbt. Die  grosse  Schale  sendet  einen  zungenförmigen  Fortsatz 
weit  vor  gegen  den  Wulst  der  kleinen  Schale.  Dies  gibt  der 
ganzen  Form  ein  so  charakteristisches  Aussehen,  dass  sie  sich 
nicht  leicht  mit  andern  Arten  verwechseln  lasst.  (Taf.  VI, 
Fig.  3  c  u.  4  c.) 


219 

Beide  Schalen  sind  mit  je  26 — 32  sehr  scharfkantigen 
Rippen  geziert,  die  bis  in  den  Wirbel  verlaufen;  6 — 8  derselben 
kommen  auf  den  nicht  sehr  stark  ausgesprochenen  Wulst  der 
kleinen  Schale.  Dieselben  sind  meist  gleichmässig  ausgebildet; 
Ausnahmen  hievon  kommen  selten  vor.  Die  Rippen  verlaufen 
nicht  gerade,  sondern  sind  leicht  gegen  den  Sinus  der  grossen 
Schale  zu  eingebogen.  Letzterer  greift,  wie  erwähnt,  weit  vor 
auf  den  Wulst  und  ist  breit  und  wenig  tief.  Die  Zahl  seiner 
Rippen  variirt,  entsprechend  der  Anzahl  derjenigen  auf  dem 
Wulste  zwischen  5—^7.  Der  Schnabel  ist  ziemlich  schlank,  sehr 
spitz  und  leicht  auf  die  kleine  Schale  übergebogen.  Das  rund- 
liche Foramen  ist  von  mittlerer  Grösse  und  von  einem  discreten 
Deltidium  begrenzt.  Die  Arealkanten  sind  ziemlich  abgerundet, 
die  Schlosslinie  ist  leicht  gebogen. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Die  jungen  Canctnna-Formen 
haben  ein  Obsoleta-lkhuMches  Aussehen,  was  d*Orbigny  veranlasst  hat, 
diese  letztere  Spezies  als  das  Jugendstadium  der  Rhynchonella  concinna 
anzusehen  (Pr.  vol.  I.  pag.  315),  was  schon  darum  nicht  richtig  sein 
kann,  weil  Rhynchonella  obsoleta  die  Rhynchonella  concinna  an  Grösse 
oft  bedeutend  tlbertriflft.  Dass  Rhynchonella  flabellata  und  rostrata  Sow. 
sp.  nur  Jugendformen  der  RhA/nchonella  concinna  sind,  hat  Davidson 
gezeigt  (Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  89).  Die  ersten  Jugend- 
stadien von  Rhynchonella  obsoleta  und  Rhynchonella  concinna  sind  ein- 
ander ganz  gleich;  und  erst  bei  einer  gewissen  Grösse  wird  es  möglich, 
eine  Trennung  vorzunehmen.  Mittelformen  zwischen  beiden  Spezies  sind 
in  allen  Modalitaten  vorhanden.  Mehr  darüber  siehe  unten. 

Bemerkenswerth  ist  noch  der  Umstand,  dass  die  jungen  Formen 
viel  weniger  Rippen  besitzen,  als  die  ausgewachsenen,  indem  mit  dem 
allmäligen  Grösserwerden  der  Rhynchonelien  an  den  FlQgelecken  immer 
mehr  neue  Rippen  entstehen. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,  g;  Yariansschichten. 

Ober-Elsass:  Pfirt  und  Umgebung.  (L.  S.) 
Unter-Elsass:  Bucbsweiler  (L.  S.) 


220 

Nachbarländer:  Charey,  Hag6ville  (Meurthe-et-Moselle). 
(L.  S.)  —  Vögisheim  im  Breisgau.  (ü.  S.)  —  Ederschwyler,  Metz- 
erlen,  Tannmatt,  Levencourt-Larg,  Zyfen-Seewen  im  Berner 
Jura,  Wartenberg  im  Baseler  Jura.  (G.  S.) 


BhynchoneUa  badensis  Oppel.  1869. 
Taf.  VI,  Fig.  1—2. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  500. 

1859.  Deslongghamps.  Notes  sur  le  Terrain  callovien.  4  yoI.  B.  Soc  lin. 

de  Normandie.  Taf.  4.  Fig.  2  des  ganzen  Bandes,  pag.  45 

der  Abhandlung. 
1870.  Greppin.  Jura  bemois.  pag.  51. 

Bei  unsem  Formen  ist  die  kleine  Schale  stets  viel  weniger 
gewölbt,  als  bei  Bhynchonella  concinna.  Dadurch  bekommen  die 
Schalen  eine  viel  weniger  rundliche  Form  als  letztere  Spezies. 
Ausserdem  haben  dieselben  eine  gewisse  Tendenz  in  die  Breite 
zu  wachsen,  wie  das  Fig.  la,  Taf.  VI  zeigt.  Die  Rippen  sind 
weniger  zahlreich,  als  bei  den  Concinna-Formen  und  der  Schnabel 
ist  weniger  übergebogen.  Arealkanten  und  Schlosslinie  verhalten 
sich  ganz  wie  diejenigen  bei  Bhynchoneüa  concinna.  Das  Del- 
tidium  ist  meist  umfassend,  doch  kommen  auch  Formen  vor,  bei 
denen  dasselbe  bei  aller  sonstigen  Uebereinstimmung  mit  Ehyn- 
choneUa  badensis  doch  discret  ist. 

Oppel  spricht  von  einer  Fläche,  die  von  5 — 7  Rippen  der 
grossen  Schale,  welche  sich  von  der  Stirne  weit  nach  vorne 
ziehen,  gebildet  wird,  und  zwar  vor  ihrer  Yereinigungssteile  mit 
demjenigen  der  grossen  Schale  (Jura.  pag.  500).  Diese  Eigen- 
thfimlichkeit  weist  aber  Bhynchoneüa  concinna  auch  auf  und 
kann  ich  sie  nicht  als  besonderes  Merkmal  der  Bhynchonella 
badensis  anerkennen.  Seine  Originale  zeigen  sie  auch  nicht  be- 
sonders deutlich.  (Taf.  VI.  Fig.  1.) 


221 

SzAjNOOHA  (Brachiopoden  der  Oolite  von  Balin.  pag.  29) 
spricht  von  gewissen  Concinna- Typen,  die  den  ganzen  Habitus 
der  letzteren  Spezies,  aber  ein  dem  der  Bhynchonella  obsoleta 
ähnliches  Deltidium  haben.  Dies  scheinen  mir,  auch  nach  den 
Abbildungen  auf  Taf.  6  seiner  Abhandlung  zu  schliessen,  Mittel- 
formen zwischen  MhynchoneUa  concinna  und  RhynchoneUa  ha- 
densis  zu  sein. 

Die  durchschnittliche  Breite  unserer  Exemplare  beträgt 
ca.  24—27  Millimeter,  die  durchschnittliche  Länge  derselben  ca. 
20—23. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Unsere  Art  ist  von  manchen 
Autoren  entweder  nicht  anerkannt,  oder  doch  vielfach  falsch  gedeutet. 
So  fasst  z.  B.  Deslongghamps  in  der  oben  citirten  Abhandlung  diese 
Art  ganz  unrichtig  auf  und  das,  was  er  als  RhynchoneUa  badensis  ab- 
bildet, ist  sicherlich  keine  ächte  Badensis-Form,  Allerdings  ist  Rhyncho- 
nella  concinna  durch  die  mannigfachsten  Uebergänge  mit  RhynchoneUa 
badensis  verbunden,  so  dass  die  Ansicht  mancher  Autoren,  diese  letztere 
Spezies  als  eine  Yahetät  der  RhynchoneUa  concinna  anzusehen,  begreiflich 
erscheint.  Auch  Uebergänge  zwischen  RhynchoneUa  obsoleta  und  Rhyncho- 
neUa badensis  sind  vorhanden.  Die  auf  Taf.  VI,  Fig.  1—2  gegebenen  Ab- 
bildungen, die  ich  der  Freundlichkeit  des  Herrn  Professors  Zittbl  in 
München  verdanke,  sind  nach  den  Originalen  Oppel's  in  der  dortigen 
Sammlung  angefertigt.  Wenn  man  diese  Darstellungen  mit  den  Fig.  3 — 4 
auf  derselben  Tafel  vergleicht,  wird  man  sich  leicht  fibeiceugen,  dass 
es  Formen  gibt,  welche  von  RhynchoneUa  concinna  und  von  Rhyncho- 
neUa obsoleta  getrennt  gehalten  werden  müssen.  Oppel  stellt  Rhyncho- 
neUa badensis  zwischen  RhynchoneUa  angulata  und  RhynchoneUa 
concinna  und  gibt  als  Hauptunterschied  mit  RhynchoneUa  angulata  die* 
grossere  Anzahl  der  Rippen  bei  RhynchoneUa  badensis  an.  Von  Rhyncho- 
nella  concinna  unterscheidet  sich  RhynchoneUa  badensis  nach  seiner 
Angabe  durch  den  etwas  stärker  entwickelten  Sinus,  den  weniger  ge- 
krümmteren Schnabel  und  das  umfassende  Deltidium. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,  g;  Variansschichten. 
Ober-Elsass:  Umgebung  von  Pfirt.  (L.  S.). 


222 

Nachbarländer:  Movelier-Mönchenstein,  Liesberg  im 
fierner  Jara.  (G.  S.)  —  YOgisheim  im  Breisgau.  (L.  S.)  —  Hag6* 
ville  (Meurthe-et-Moselle)*.  {L.  S.) 


Die  Gruppe  der  Mhynchonella  spinosa  Schl.  sp.  and 

ihrer  Verwandten. 

Bhynchanella  oUgaca/niha  Bbamoo.  1878. 

1879.  Abhandlungen  zur  geol.  Spez.-Karte  von  Elsaßs-Lothringen.  Bd.  II. 
Heft  1.  Brango.  Der  untere  Dogger  von  Deutsch-Lothringen, 
pag.  127.  Taf.  6.  Fig.  7. 

Den  Angaben  Branco's  ist  nichts  hinzuzufügen. 

Vorkommen:    Unterer  Dogger  ß,  ß-y. 

Lothringen:  St.  Quentin  bei  Metz.  (Mnrchisonaß-  undSowerbyi- 
schichten.)  (F.  S.  —  L.  S.) 

Shynchonella  Orossi  Walkek.  1869. 

Taf.  VI,  Fig.  5. 

1869.  Procadings  of  the  Yorkshird  Naturaliste  Club.  pag.  214. 

1857.  Deslongchamps.  Description  des  couches  du  Systeme  oolitique 
du  Calvados.  Bulletin  Soc.  Linn  d.  Norm.  Vol.  II.  pag.  47. 
Taf.  V.  Fig.  1 — 1  a.  Rhynchonella  spinosa  Schl.  sp. 

1870.  Walker.  Rhynchonella  of  the  Bradford-Glay.  Geolog.  Mag.  vol.  VU. 

pag.  262. 

1871.  QuENSTEDT.  Brachiopodon.  Taf.  39.  Fig.  52.  (pag.  112).  Rhyncho- 

nella spinosa  Schl.  sp. 
1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  223.  Taf.  27.  Fig.  17. 


*  Anmerkung.  Bei  Hag^ville  fanden  sich  nur  einige  seltene  Exemplare, 
die  vielleicht  Mittelfbrmen  zwischen  Rhynchonella  concinna  und  Rhynchonella 
hadensu  sind.  Die  ächte  Badensis-Yorm  scheint  wohl  auf  das  Rheinthal  und  die 
angrenzenden  Gebiete  des  Berner  Jura  beschränkt  zu  sein. 


223 

Die  kleine  Schale  weist  einen  aus  3 — 5  scharfkantigen 
Rippen  bestehenden,  ziemlich  aasgebildeten  Wulst  auf.  Die  Flügel 
sind  mit  4 — 5  nur  schwach  ausgeprägten  Rippen  versehen.  In 
den  Einsenkungen  zwischen  Wulst  und  Flügeln  entstehen  öfters 
neue  Rippen,  die  entweder  stark  anwachsen  und  so  eine  neue 
Wulstrippe  bilden  können,  oder  nur  schwach  entwickelt  sind. 
Daher  kommt  die  oben  angeführte,  zwischen  3  und  5  variirende 
Zahl  der  Wulstrippen.  6  derselben  kommen  nur  in  sehr  seltenen 
Fällen  vor.  Diese  neu  hinzukommenden  Wulstrippen  zeigen  hie 
und  da  die  auffallende  Erscheinung  einer  Spaltung  nach  dem 
Stirnrande  hin,  was  auch  bei  ganz  grossen  Exemplaren  der  Bhyn- 
chonella  spinosa  manchmal  bemerkbar  ist. 

Die  grosse  Schale  hat  im  Sinus  2 — 4  Rippen  und  auf  den 
Flügeln  deren  5 — 6.  Letztere  sind  nicht  immer  in  gleicher  An- 
zahl auf  beiden  Flügeln  vorhanden.  Auch  hier  tritt  eine  Spaltung 
der  Rippen  nach  dem  Stirnrande  zu  ein,  meist  an  denjenigen, 
die  dem  Sinus  zunächst  liegen.  Der  Schnabel  ist  ziemlich  spitz 
und  öfters  etwas  auf  die  kleine  Schale  herabgebogen.  Das  Del- 
tidium  ist  umfassend.  Die  Arealkanten  sind  sehr  scharf.  Die 
Schlosslinie  verläuft  erst  gerade,  ist  aber  dann  gegen  die  Flügel- 
ecken hin  leicht  gebogen.  Alle  Rippen  auf  beiden  Schalen  sind 
nun  mit  einer  gewissen,  stets  etwas  variirenden  Anzahl  von 
durchbohrten  Stacheln  versehen,  die  mit  der  Rippe  selbst  einen 
ziemlich  spitzigen  Winkel  bilden.  Die  Durchbohrung  dieser  sta- 
cheligen Fortsätze  konnte  ich  an  den  Elsass-Lothringer  Exem- 
plaren dieser  Spezies  wegen  Mangels  der  Schale  nicht  wahr- 
nehmen. Ein  von  Herrn  Dr.  Weigand  mir  gegebenes  Exemplar 
dieser  Art  aus  den  Humphresianusschichten  von  Holderbank 
im  Kanton  Aargau  zeigt  diese  Eigenthümlichkeit  aber  sehr  gut. 
Je  mehr  solcher  stacheligen  Fortsätze  nun  auf  den  Rippen  sitzen, 
desto  höher  reichen  auch  diese  letzteren  gegen  den  Wirbel  hin 
hinauf.  Wenn  jede  Rippe  nur  4 — 6  Stacheln  trägt,   kann  man 


224 

noch  eine  reihenweise  Anordnung  derselben  beobachten.  Es  ver- 
laufen in  diesem  Falle  auch  die  Rippen  schon  in  der  Höhe  des 
zweiten  Dritttheils  beider  Schalen,  vom  Stirnrande  an  gerechnet, 
so  dass  der  Wirbel  ganz  glatt  bleibt.  Die  Flügelrippen  sind  selbst* 
verständlich  noch  etwas  höher  hinauf  zu  verfolgen.  Dieser  Um- 
stand tritt  hauptsachlich  bei  Exemplaren  mit  einer  geringen  An- 
zahl von  Wulstrippen  auf.  Da  hingegen,  wo  sich  deren  mehr 
vorfinden,  sind  auch  mehr  Stacheln  auf  denselben  vorhanden; 
die  reihenweise  Anordnung  der  ersteren  ist  dann  nicht  mehr  zu 
erkennen  und  die  Rippen  verlaufen  bis  in  die  Wirbelspitzen.  Es 
kann  dann  auch  der  Fall  eintreten,  dass  die  Wirbelspitze  stark 
auf  die  kleine  Schale  herabgebogen  wird,  so  dass  diese  Form 
wie  ein  Miniaturbild  jener  grossen  Exemplare  von  BhynchoneUa 
spinosa  Sohl.  sp.  aussieht,  die  man  nur  in  den  obersten  Schichten 
des  Bathonien  findet.  Eine  ähnliche  Erscheinung  wurde  schon 
bei  Rhynchoneüa  Rosenlmschi  nov.  sp.  aus  dem  Lias,  pag.  36 
beschrieben. 

Durchschnittliche  Länge  ca.  11 — 12  Millimeter,  Breite  ca. 
16—17  Millimeter. 


Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Diese  Art  ist  durch  Mittelformen 
mit  Rhynchoneüa  oligacantha  Branco  verbunden.  Es  liegt  mir  ein  in 
den  /A/mp/irc5tanws-Schichten  vom  Bastberge  bei  Buchsweiler  im  Unter- 
ElsasB  von  Herrn  Andrea  gesammeltes  Exemplar  vor,  welches  den  Ueber- 
gang  zwischen  beiden  Formen  sehr  schön  vermittelt.  Es  ist  etwas  grösser, 
als  die  Rhynchonella  oligacantha  Branco,  hat  aber  noch  den  Habitus 
derselben,  wahrend  Zahl  und  Spaltung  der  Rippen  auf  dem  Wulste  mehr 
den  EigenthOmlichkeiten  unserer  Form  entsprechen.  Es  trägt  dagegen 
wiederum  auf  jeder  Rippe  4  Stacheln,  die  reihenförmig  angeordnet  sind 
und  den  Uebergang  von  einer  Form  in  die  andere  nicht  verkennen  lassen. 
Die  Beziehungen  zu  der  im  Folgenden  zu  beschreibenden  Rhynchonella 
tenuispina  Waagen  werden  bei  der  Beschreibung  dieser  letzteren  Form 
besprochen  werden. 


225 
Vorkommen:  Unterer  Dogger,  y  und  8. 

Unter-EIsass:  Umgebung  von  Buchsweiler,  Bitschhofen, 
Gnmbrechtshofen.  (Humphresianusschichten.)  (L.  S.) 

Lothringen:  Monvaux,  Sauiny.  (Sowerbyischichten )  (L.  S.  — 
P.  S.) 

Nachbarländer:  Sochhaus  im  Berner  Jura.  (6.  S.) 


BhynchonMa  tewudspina  Waagen«  1868. 

Taf.  VI,  Fig.  6. 

1868.  Waagen.  Ueber  die  Zone  des  Ammonites  Sowerbyi.  (Benecke. 
Geogno8t.-palaeontoi.  Beitrüge  I.  pag.  640.  Taf.  32.  Fig.  6 
a — c.) 

Kleine  Form  ca.  8  Millimeter  lang  und  .ca.  11  Millimeter 
breit.  Beide  Schalen  sind  mit  je  30—35  feinen  Rippen  geziert, 
wovon  7 — 8  auf  den  kaum  angedeuteten  Wulst  der  kleinen 
Schale  kommen.  Ein  eigentlicher  Sinus  ist  auf  der  grossen  Schale 
nicht  vorhanden,  er  ist  durch  eine  leichte  Einsenkung  ersetzt 
(Taf,  VI,  Fig.  6  c).  Alle  Rippen  verlaufen  bis  in  den  Wirbel 
und  sind  mit  einer  Menge  stacheliger  Fortsätze  besetzt ,  die 
nicht  mehr  reihenweise  angeordnet  sind,  wie  bei  Rhynchoneüa 
Crossi  Walkeb.  Dichotomirende  Rippen,  wie  sie  Waagen  be- 
obachtet hat,  konnte  ich  an  den  wenigen,  mir  zu  Gebote  stehen- 
den Exemplaren  nicht  bemerken.  Der  Schnabel  ist  spitz  und 
leicht  auf  die  kleine  Schale  übergebogen;  das  direkt  unter  der 
Wirbelspitze  befindliche  Foramen  von  mittlerer  Grösse  wird  von 
einem  discreten  Deltidium  begrenzt.  Die  Arealkanten  sind  ziem- 
lich abgerundet  und  die  Schlosslinie  verläuft  fast  ganz  gerade. 

Verhältniss  zn  anderen  Arten.  Diese  Art  ist  durch  mancherlei 
Mittelformen  mit  Rhynchmella  Crossi  Walker  verbunden.   Dieselben 
n.  16 


226 

sind,  so  lange  sie  noch  den  Habitus  der  letzteren  Spezies  an  sich  tragen, 
nur  mit  wenigen  Rippen  versehen,  die  dann  auch  nur  wenige  stachelige 
Fortsätze  tragen.  Erst  nach  und  nach  yeriiert  sich  der  Wulst,  mehr 
Rippen  treten  auf,  diese  werden  feiner  und  die  Anzahl  ihrer  stachei- 
artigen  Fortsätze  wird  immer  grosser,  bis  schliesslich  die  Formen  ganz 
den  Habitus  der  ächten  Rhyncfumella  tenuispina  annehmen. 

Vorkommen:  Unterer  Dogger,  y  und  S. 

Ober-Elsass:  fiergheim.  (Humphresianusschichten.)  (L.  S.) 

Unter-Elsass:   Imbsheim,  Mietesheim.    (Humphresianus- 
schichten.) (Hier  Zwischenformen.)  (L.  S.) 

Lothringen:   Rozörieulles,  Monyaux,  bei  Metz.   (Sowerbyi- 
schichten.)  (L.  S.) 

Nachbarländer:  MOnchenstein  im  fierner  Jura.  (6.  S.) 


Shifnchonella  spinosa  Schl.  sp.  1813. 

Taf.  VI,  Fig.  7—9. 

1813.  ScHLOTHEiM.  Beiträge  zuT  Naturgeschlchte  der  Yerstetnemngen  etc. 

(mit  Beziehung  auf   iKnorr.    Lapides  diluvii  tmiversalis 

testest.  Taf.  B.  4.  Fig.  4). 
1820.  Derselbe.  Die  Petrefactenkunde  auf  ihrem  jetzigen  Standpunkte  etc. 

pag.  268 — 269.  Nro.  30.  Rhynchonella  senticosa  Sohl.  sp. 

z.  Th. 

1834.  Buch,    lieber   Terebrateln  etc.    pag.   78.    (In   der  französischen 

Abhandlung.    1838.    Mm.  Soc.  g6ol.   d.  France,   vol.  lU. 
1"  sörie.  pag.  161.  Taf.  16.  Fig.  4). 
1832.  ZiETEN.  Versteinerungen  Württembergs,  pag.  59.  Taf.  44.  Fig.  1. 

1835.  Phillips.  Geology  of  Yorkshire  I.  pag.  123.  Taf.  9.  Fig.  18. 
1837.  Bronn.  Lethaea  geognostica.  pag.  296.  Taf.  18.  Fig.  2. 
1843.  QuENSTEDT.  FlOzgebirgo.  pag.  353. 

1848.  Bronn.  Index  palaeontologicus.  pag.  1251. 

1849.  d'Grbignt.   Prodrome.  toI.   I.  pag.  286.  Acanthothyris  spinosa 

d'Orbigny. 
1852.  QuENSTEDT.  Handbuch.  pag.  456.  Taf.  36.  Fig.  37. 


227 

1852.  Davidson.    Oolitic    and   liasic    brachiopoda.    pag.   71.   Taf.    15. 
Fig.  15—20. 

1858.  QuENSTEDT.  Jura.  pag.  426.  Taf.  58.  Fig.  21—27. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  432. 

1864.  Seebach.  Hannoverischer  Jura.  pag.  36.  75. 

1867.  Quenstedt.  Handbucli.  2.  Auflage,  pag.  545.  Taf.  46.  Fig.  37. 

1869.  Brauns.  Mittlerer  Jura.  pag.  289. 

1870.  Greppin.  Jura  bemois.  pag.  51. 

1871.  Quenstedt.  Brachiopoden.  pag.  109  und  folgende.  Taf.  39.  Fig.  46 

bis  51.  non  52!  Fig.  53—59. 

1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  222.  Taf.  27.  Fig.  18—19. 

1879.  SzAJNOCHA.  Brachiopoden  der  Oolite  von  Baiin.  pag.  25.  Taf.  5. 

Fig.  17-18. 

1880.  ZiTTEL.  Handbuch.  1.  1.  pag.  691.  Fig.  522. 

Der  Habitus  dieser  Art  ist  sehr  verschieden.  Es  gibt  Exem- 
plare, die  eben  so  lang  als  breit  sind  und  solche,  bei  denen  die 
Breite  bedeutend  grösser  ist,  als  die  Länge.  Ersterer  Fall  ist 
seltener,  der  letztere  dagegen  der  häufigste.  Diese  breitere  Form 
wird  im  ausgewachsenen  Zustand  bis  30  MiUimeter  breit  und  bis 
24  Millimeter  lang.  Beide  Schalen  sind  je  mit  etwa  30 — 35 
Kippen  geziert,  von  denen  jede  mit  einer  unbestimmten  Anzahl 
der  schon  bei  Rhynchonella  Crossi  und  BJiynchoneUa  tenui- 
Spina  erwähnten  stachelartigen,  durchbohrten  Fortsätze  versehen 
ist,  die  sich  ganz  so  verhalten,  wie  bei  den  eben  genannten 
Arten.  Die  kleine  Schale  ist  oftmals  sehr  bauchig  und  zwar  dann 
meist  so,  dass  die  grösste  Wölbung  gerade  auf  ihrer  Mitte  liegt. 
Sinus  und  Wulst  sind  zuweilen  entwickelt,  zuweilen  fehlen  sie 
auch  vollständig.  Ersteres  findet  sich  bei  breiteren  Formen, 
letzteres  mehr  bei  solchen  von  gleicher  Länge  und  Breite.  (Meist 
25 — 26  Millimeter.)  Taf.  VI,  Fig.  8  zeigt  eine  Form,  bei  welcher 
der  Stimrand  leicht  gebogen  und  keine  Spur  von  Wulst  oder 
Sinus  zu  finden  ist,  während  bei  dem  Fig.  9  abgebildeten 
Exemplar  Wulst  und  Sinus  entwickelt  sind.  Die  Rippen  sind  auf 


228 

beiden  Schalen  nicht  scharfkantig,  sondern  gerundet,  verlaufen 
bis  in  den  Wirbel  und  sind  öfters  und  dann  speziell  die  mitt- 
leren gegen  den  Stirnrand  hin  gegabelt,  wie  dies  Fig.  9  zeigt. 
Es  kommt  sogar  der  Fall  vor,  dass  eine  Rippe  gleich  unter  dem 
Wirbel  sich  spaltet  und  dieser  Umstand  sich  noch  öfters  wieder- 
holt, so  dass  am  Stirnrande  ein  ganzes  Bündel  von  Bippen  steht. 
Diese  Spaltung  der  Bippen  ist  bei  den  breiteren  Formen 
ungleich  häufiger,  als  bei  den  länglichen.  Wenn  ein  Wulst  vor- 
handen ist,  so  trägt  derselbe  8 — 10  Bippen  und  in  der  Ein- 
senkung  zwischen  Wulst  und  Flügeln  liegen  stets  einige  schwächere 
Bippen.  Der  Sinus  ist  dann  breit,  wenig  tief  und  mit  gleichen 
schwachen  Bippen  bis  in  die  Flügel  besetzt.  Bei  den  jungen 
Individuen  ragt  der  spitze  Schnabel  noch  frei  hinaus;  bei  Zu- 
nahme der  Grösse  und  Bundung  tritt  die  Tendenz  desselben, 
sich  an  die  kleine  Schale  fest  anzudrücken,  hervor  (Taf.  VI, 
Fig.  9),  was  sogar  d'Oebigny  zur  Außtelluug  einer  neuen  Gat- 
tung Acanthoihyris  mit  angeblich  fehlendem  Deltidium  veranlasste. 
Das  Deltidium  ist  discret,  was  an  jungen  Exemplaren  noch  sehr 
gut  zu  sehen  ist  und  an  alten  durch  Wegsprengen  des  Schnabels 
beobachtet  werden  kann.  Die  Arealkanten  sind  gerundet,  die 
Schlosslinie  verläuft  fast  ganz  gerade. 

lieber  die  Entwicklung  dieser  Spezies  ist  nichts  von  Bedeutung  zu 
berichten.  Bei  den  mit  einem  Wulst  und  Sinus  versehenen  Formen  ent- 
wickeln sich  diese  erst  in  fast  ausgewachsenem  Zustand.  Bis  dahin  bleibt 
der  Stirnrand  leicht  gebogen.  Taf.  VI,  Fig.  7  zeigt  ein  Jugendstadium 
von  Rhynchonella  spinosa  von  gleicher  Grösse  wie  Fig.  5 — 6  auf  der- 
selben Tafel,  zum  Vergleich  der  Jugendformen  dieser  Spezies  mit  aus- 
gewachsenen Exemplaren  der  Rhynchonella  Crossi  und  der  Rhyncho- 
nella tenuispina  Waagen  (cf.  die  betreffenden  Stellen  in  der  Beschreibung 
dieser  Arten). 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Diese  Spezies  ist  durch  Ueber- 
gänge  mit  Rhynchonella  Crossi  und  Rhynchonella  tenuispina  eng  ver- 
bunden. 


229 

Anmerkung.  Manche  Autoren,  wie  Oppel,  Davidson  und  Andere, 
sprechen  von  Formen  aus  dem  Unter-Oolith.  (Schichten  des  Amm. 
Humphresiamis  etc.)  Bei  uns  fehlt  die  ächte  Rhynchonella  spinosa  in 
diesen  tieferen  Lagern  und  ist  in  denselben  durch  ihre  Vorläufer  Rhyncho- 
nella Crossi  und  Wiynchonella  tenuispina  ersetzt. 

Ich  yermuthe,  dass  die  von  den  oben  angeftlhrten  Autoren  citirten 
Exemplare  auch  wohl  diesen  Formen  angehören  werden. 

Bei  Niederweiler  im  Breisgau  kommen  Formen  vor,  die  bei  dem 
ganzen  Habitus  der  Rhynchonella  spinosa  doch  in  der  ßerippung  der 
Rhynchonella  Crossi  Walker  nahe  stehen. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,  e;  Variansschichten. 

Ober-Elsass:  Pfirt  und  Umgebung.  (L.  S.) 

Unter-Elsass:  Qriesbach  am  Bastberge.  (L.  S.) 

Lothringen:  Fehlt. 

Nachbarländer:  Zyfen-Seewen,  Fasswangen,  St.  Brain, 
Bttingen,  Mönchenstein,  im  Berner  Jura.  (G.  S.)  —  Vögisheim 
im  Breisgau.  (ü.  S.)  —  La  Miotte  bei  Beifort.  (S.  S.) 


Mhynchonella  varians  Schl.  sp.  1820. 
Taf.  VI,  Fig.  12—15.  Taf.  VII,  Fig.  21—23. 

1820.  Schlotheim.  Die  Petrefactenkunde  auf  ihrem  jetzigen  Stand- 
punkte etc.  pag.  267. 

1832.  ZiETEN.  Versteinerungen  Württembergs,  pag.  57.  Taf.  42.  Fig.  7 
a — f, 

1834.  Buch,  üeber  Terebraleln.  pag.  36.  (In  der  franz.  Abhandlung 
1838.  M6m.  Soc.  g6ol.  d.  France.  voL  IIL  pag.  135.  Taf.IIL 

Fig.  4). 
1835—36.  RoEMER.  NorddeulschesOolithengebirge.  pag.38.Taf.2.Fig.  12. 
1835—36.  Phillips.   Geology  of  Yorkshire.   pag.   106.  Taf.  6.  Fig.  8. 

Terebratulites  socialis  .Phill. 
1837.  PüSCH.  Paläontologie  Polens,  pag.  12.  Taf.  3.  Fig.  3. 
1837.  Bronn.  Lethaea  geognostica.  Taf.  18.  Fig.  4. 
1848.  Derselbe.  Index  palaeontologicus.  pag.  1254. 


230 

1849.  d*Orbigny.  Prodrome.  yoI.  1.  pag.  376. 
1852.  QüKNSTEDT.  Handbuch,  pag.  454.  Taf.  36.  Fig.  19. 
1852.  Davidson.    Oolitic   and   liasic    brachiopoda.    pag.   83.    Taf.    17. 
Fig.  15-^16. 

1858.  QüENSTEDT.  Jura.  pag.  495.  Taf.  66.  Fig.  25. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  498. 

1859.  Deslongghamps.  Notes  snr  le  terrain  callovien.  (Bulletin.  Soc.  linn. 
d.  Norm.  4.  vol.  pag.  41  der  Abhandlung.  Taf.  4.  Fig.  15 
des  ganzen  Bandes). 

1863.  OosTER.  Brachiopodes  des  Alpes  suisses.  pag.  48. 

1864.  Seebacm.  Hannoverischer  Jura.  pag.  41. 

1867.  QüENSTEDT.  Handbuch.  2.  Aufl.  pag.  542.  Taf.  46.  Fig.  19. 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  51,  56. 

1871.  QüENSTEDT.  Brachiopoden.  pag.  85— 99.  Taf.  38.  Fig.  56—82.  (non! 

83—87.)  Fig.  88—104. 
1875.  Lepsius.  Beiträge  zurKenntniss  der  Juraformation  etc.  pag.  29—30. 

1878.  DAvrosoN.    Supplement,    pag.  213.  Taf.  28.  Fig.  1—3.  pag.  212. 

Taf.  28.  Fig.  3A,  3B,  4,  12-13. 

1879.  SzAJNOCHA.  Brachiopoden  der  Oolite  von  Baiin.  pag.  28.  Taf.  6. 

Fig.  5-8.  (9?) 

Meist  breiter  als  lang;  durchschnittlich  14 — 16  Millimeter 
auf  12  —  13.  Die  kleine  Schale  ist  mit  16 — 18  scharfkantigen, 
in  den  meisten  Fällen  bis  in  den  Wirbel  hinein  verlaufenden 
Rippen  geschmückt,  wovon  4 — 6  auf  den  Wulst  kommen.  Nur 
in  selteneren  Fällen  bleibt  die  Wirbelgegend  glatt,  dann  wird 
aber  auch  der  Wirbel  selbst  gedrückter,  verliert  sein  schlankes 
Aussehen  und  die  Form  sieht  dann  einer  Bhynchoneüa  Thur- 
manm  VoLTz  mehr  ähnlich,  als  einer  typischen  Fanan^-Form.  Es 
entstehen  so  die  Uebergänge  zwischen  diesen  beiden,  von  manchen 
Forschern,  wie  Quenstedt  und  Davidson,  mit  einander  vereinigten 
Arten.  Der  Wulst  tritt  häufig  nur  wenig  hervor,  indem  die  ganze 
Schale  sich  stark  wölbt  und  Wulst-  und  Flügelrippen  allmälig 
in  einander  übergehen.  Das  ist  bei  denjenigen  Formen,  die  in 
der  Einsenkung  zwischen  Wulst  und  Flügeln  neue  Rippen  bil- 


231 

den,  besonders  häufig.  In  andern  Fällen  tritt  dagegen  der  Wulst 
auch  sehr  stark  hervor  und  die  Einsenkung  zwischen  ihm  und 
den  Flügeln  ist  tief  ausgeschnitten.  Die  Wulstrippen  sind  an  der 
Stirne  etwas  fibergebogen  und  nicht  alle  von  gleicher  Stärke. 
Oefters  sind  es  die  mittleren,  die  stärker  hervorragen.  Auch 
die  Flügelrippen  sind  nicht  immer  gleichmässig  ausgebildet,  die 
dem  Wulste  zunächst  liegende  ist  jedoch  stets  die  stärkste. 

Die  grosse  Schale  trägt  15 — 17  ebenfalls  scharf  ausgeprägte 
Rippen.  Der  Sinus  ist  ziemlich  tief  eingesenkt,  doch  kann  auch 
hier  durch  das  Entstehen  neuer  Rippen  zwischen  diesem  und 
den  Flügeln  ein  allmäliger  Uebergang  in  dieselben  vermittelt 
werden.  Im  Uebrigen  ver])ält  sich  diese  Schale  ganz  wie  die  kleine. 
Der  Schnabel  ist  spitz  und  kaum  übergebogen,  das  Foramen  ist 
verhältnissmässig  sehr  gross,  das  Deltidium  discret.  Die  Areal- 
kanten sind  scharf  und  die  Schlosslinie  ist  leicht  gebogen.  Auf 
den  schlanken  Wirbel,  der  zu  abnormen  Bildungen,  wie  Fig.  11, 
Taf.  VI  eine  zeigt,  leicht  Anlass  gibt,  sei  hier  nochmals  hinge- 
wiesen. Bemerkenswerth  ist  dabei  das  umfassende  Deltidium,  die 
grössere  Anzahl  der  Rippen  und  deren  gleichmässigere  Ausbil- 
dung am  Wulste.  Taf.  VII,  Fig.  23  zeigt  eine  andere  ganz  ab- 
norme Form  mit  gespaltenen  Rippen,  die  ihrem  ganzen  Habitus 
nach  wohl  auch  zu  Rhynchonella  varians  zu  stellen  ist. 

In  den  meisten  Fällen  bilden  beide  Schalen  miteinander 
einen  Winkel  von  35 — 38**,  der  öfters  bis  45®  gross  werden  kann. 

In  Elsass-Lothringen  finden  sich  hauptsächlich  zwei  Formen 
recht  häufig,  die  auf  Taf.  VI,  Fig.  12  und  13  wiedergegeben 
sind.  Im  Allgemeinen  sind  die  breiteren  Formen,  wie  Fig.  13, 
die  häufigeren;  die  länglichen  sind  seltener. 

Im  Oolith  von  Buchsweiler  im  Unter-Elsass  finden  sich  kleine 
Rhynchonellen ,  Fig.  14 — 15  auf  Taf.  VI,  die  trotz  ihrer  sehr 
geringen  Grösse  im  Verhältniss  zur  typischen  Rhynchoneüa  varians 
doch  das  Gesammtaussehen  und  alle  Eigenthümlichkeiten  dieser 


232 

Form  selbst  haben.  Ich  schlage  für  dieselben  den  Namen 
BhynchoneUa  varians^  var.  oolithica  vor,  um  die  Abweichang 
von  der  typischen  höher  liegenden  Form  der  eigentlichen  Yarians- 
schichten  hervorzaheben. 

Es  tritt  hier  wiederum  ein  solcher  Fall,  wie  wir  ihn  schon 
bei  Rhynchoneüa  spinosa  Schl.  sp.  beobachtet  haben,  ein,  dass 
nämlich  gewisse  Formen  in  tiefer  liegenden  Horizonten,  bei  ge- 
nau eben  solchem  Habitus,  wie  die  tjrpischen  höher  liegenden, 
ausgewachsenen  und  grösseren  Exemplare  sich  von  diesen  nur  in 
Betreff  der  Grösse  unterscheiden,  während  bei  höher  liegenden 
Formen  die  Jugendstadien  ein  ganz  anderes  Aussehen  haben. 

m 

Ueber  die  Entwicklung  lässt  sich  wenig  sagen.  Schon  die  ganz 
jungen  Formen  tragen  den  Charakter  der  Rhynchonella  varians  an  sich. 
In  den  meisten  Fällen  beginnt  die  Herausbildung  des  Wulstes  erst  dann, 
wenn  die  Form  mehr  als  die  Hälfte  der  normalen  Grösse  erreicht  hat. 

Unter  den  Arten  des  Dogger  ist  diese  sicherlich  die  formenreichste. 

VerhältnisB  zu  andern  Arten  (siehe  weiter  unten). 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,  5;  Oberes  Yesuliian  und  Variaos- 
schichten. 

Ober-Elsass:  Pfirt  und  Umgebung.   (Variaasschichten.)  (L.  S.) 

Unter-Elsass:  ßuchsweiler.  (Oberes  VesuUian;  var.  oolithica.) 
—  Buchsweiler,  Mietesheim.  (Yariansschichten.)  (L.  S.) 

Nachbarländer:  Metzerlen,  Seewen,  im  Berner  Jura. 
(6.  S.)  —  Niederweiler,  VOgisheim,  im  Breisgau.  — Beifort.  — 
Gharey  (Meurthe-et-Moselle).  (Yariansschichten.)  (L.  S.  —  ü.  S.) 


233 

Die  VerwandtsohaftsverhäKiiiMe  der  Rhynohonella-Arten  des  Dogger. 

Während  im  unterea  Dogger  von  Eisass-Lothriagen  bis  jetzt  noch 
keine  Form  gefunden  worden  ist,  welche  sich  an  irgend  eine  der  mittel- 
oder  oberliasiscben  Arten  anschliessen  Hesse,  so  scheinen  zwischen  den- 
jenigen des  unteren  und  denjenigen  des  mittleren  und  oberen  Dogger 
einige  nicht  zu  verkennende  Verwandtschaften  zu  bestehen. 

Wie  schon  bei  der  Beschreibung  von  RhxjnchoneUa  cf.  angulata 
Sow.  sp.  pag.  47  gesagt  wurde,  kommen  zu  Gharey  im  däpartement  de 
la  Meurthe-et-Moselle  in  dem  dortigen  Bathonien  Exemplare  vor,  welche 
wohl  als  Mittelformen  zwischen  Rhynchonella  varians  Sohl.  sp.  und 
Rhynchonella cf.  angulataSow, sp.  aufzufassen  sind.  (Taf.  VII,  Fig. 21 — 22.) 

Rhynchonella  Davidsoni,  Ghapuis  et  Dewalque,  welche  nur  eine 
locale  und  auf  kleinere  Dimensionen  beschränkte  Abänderung  der 
Rhynchonella  acuticosta  Zieten  sp.  sein  dtlrfte,  scheint  mit  Rhyncho- 
nella Kirchhoferi  nov.  sp.  durch  Mittelformen  verbunden  zu  sein,  deren 
Anzahl  leider  aber  noch  eine  zu  geringe  ist,  um  diese  Verwandtschaft 
mit  Bestimmtheit  aussprechen  zu  kOnnea.  Letztere  Art  ist  abrigens  auch 
nahe  verwandt  mit  Rhynchonella  parvula  Deslonggbamps. 

Rhynchonella  lolharingica  nov.  sp.  ist,  wie  auch  schon  ange- 
deutet wurde,  wohl  die  Vertreterin  der  Rhychonella  acuticosta  in  Loth- 
ringen. 

Rhynchonella  lolharingica  ist  weiter  sehr  nahe  verwandt  mit 
Rhynchonella  Edwardsi  Ghapuis  et  Dewalque.  Beide  entwickeln  sich, 
wie  wir  gesehen  haben,  aus  einer  und  derselben  Jugendform*,  beide 
Arten  sind  durch  gewisse  Formen  aus  dem  Hauptrogenstein  von  Buchs- 
weiler enge  verbunden  mit  Rhynchonella  varians  Schl.  sp.  var,  oolithica 
(Taf.  III,  Fig.  14—15).  Desgleichen  bestehen  Mittelformen  zwischen 
Rhynchonella  Edwardsi  und  Rhynchonella  obsoleta  Sow.  sp.  Rhyncho- 
nella lolharingica  scheint  durch  gewisse  Mittelformeo  mit  Rynchonella 
badensis  verbunden  zu  sein  (Taf.  VII,  Fig.  20). 

Rhynchonella  Pallas  Ghapuis  et  Dewalque  hat  gewisse  Jugend- 
stadien, bei  deren  Bestimmung  man  wirklich  zweifelhaft  wird,  ob  man 
sie  zu  dieser  Art  oder  zu  Rhynchonella  obsoleta  stellen  soll.  Rhyncho- 
nella obsoleta  selbst  ist  durch  die  allermannigfachsten  Uebergange  mit 
Rhynchonella  concinna  Sow.  sp.  und  Rhynchonella  badensis  Oppel 
verbunden,  zwei  Arten,  welche  ohnedies  kaum  von  einander  ^u  trennen 
sind. 


234 

Es  wiederholt  sich  hier  dieselbe  Erscheinung,  wie  bei  Rhyncho- 
nella  gryphitica  Qüenst.  sp.,  Rlußichonella  Deffneri  Oppel  und  Rhyncho- 
nella  Schimperi  nov.  sp.  der  oberen  Gryphitenkalke  und  der  Brevis- 
schichten,  nur  in  viel  grösserem  Maasstabe.  Man  kann  eben  nur  einzelne 
Typen  festhalten  und  muss  davon  absehen,  scharfe  Grenzen  zu  ziehen. 
Qu£NST£DT  hatte  diese  verwandtschaftlichen  Beziehungen  längst  erkannt 
er  fasst  alle  diese  Arten  unter  dem  Namen  Terebratula  quadriplicata 
ZiETEN  zusammen,  indem  er  allerdings  Varietäten  der  Gruppen  als 
Rhynchonella  quadriplicata  pugnacea  und  andere  mehr  unterscheidet. 
Für  unsere  Verhältnisse  ist  ein  solches  Zusammenwerfen  der  verschie- 
denen Arten  noch  verfrüht;  man  muss  vielmehr  noch  suchen,  die  ein- 
zelnen Typen  so  weit  als  möglich  mit  besonderer  Rtlcksicht  auf  das 
Lager  auseinander  zu  halten. 

Die  einzelnen  Arten  der  i^tno^a-Gruppe  sind,  wie  durch  Ueber- 
gänge  nachgewiesen  werden  kann,  aus  einander  entstanden.  Die  Entwick- 
lung ist  genau  zu  verfolgen,  von  der  mit  nur  wenig  Stacheln  versehenen 
^  Rhynchonella  oligacantha  Branco  durch  Rhynchonella  Crossi  Walker 

"^  und   Rhynchonella  tenuispina  Waagen  hindurch  zur  grossen,  ächten 

g;  und  mit  vielen  Stacheln  gezierten  Rhynchonella  spinosa  Schl.  sp. 

i 

f. 

4' 

v|. 

1 


235 


*dfl  "iHOg  motuoa  vji9Uoti9ftßif^  h 


'da  'OHOS  v»<tmd9  vfitwnioufiiis 


'noTTA^  9ti*d9tnu9t  vnnunion^its 


•»raaTAl  }990jiQ  o2}»ttov»tt/!v8^ 


'OOKTHS  ov9^'>^^<^^<'  vij9U<niouAtis 


a 

o 


"I>ddO  '^'tt'POf  Vtl9UOt(9UßtlS 


'dB  'MOS  out^dttoa  O22attov9«/!v? 


'd«  'MOtjf  vf9j09qo  vj29Utni9uRys 


JKOiaiATQ  «^94^0^  'JO  V2l9U0^9Ufi^S 


'HahlYH^UQ 


'dl   'Aoa  o9t4tM^oviot  oii't'^'V^W  I 


'dB  *Aoa  9V9^jniY  vij9wnpußt(s  I 


^9   eiadTHO    •viptj    »22»i»ov9wÄY8r 


'■aMTHO 
■eKOiS>a     vpituvd    P2|»ttov»u/!v2f 


'aabTTMaa 

90  SindTRO  »IIOtpM»ar   On9UOV9tt/iV2r 


'S) 


«MO 


«MO 


•s 

08 


'dB  'Aon  fji9/otm9Mji  vtt»w»pußits  I 


•dB  'MOS  o|9tn5ttD  'jo  P2{'uoV9^V8^  1 


'dB  *AOa  fP**'Oßt9Ji  V1l9UOtl9Uß^ 


'ooMv«a  tiwuHkd'  on»^*<'v^<^^vff 


4 


08 

El 


d 

2 

d 

.a 

o 

o 

«• 

•TS 

.d 

A 

o 

o 

.d 

S 

c 

d 

i§ 

•«4 

Q 

V 

^^ 

M 

d 

0 

u 

4 

o 

OQ 

• 

H 

'S 

• 

d 

• 

a 

d 

d 

^ 

a 

• 

^ 

i 

> 

2 

IS 

1 

Ö 

s 

0 

s 

2 

s 

•? 

2 

« 

4» 

> 

'S 

8 

g 

E^ 

T 

> 

s 

9 

2 

o 

ji 

B 

f 

s 

o 
d 

« 

ja 

a 

p 

o 

o 

► 

O 

^3 

H 

OQ 

s 

N 

^  2. 

Ol  Ol 

®  B 

d  -5 

•  d 

ä  2 

S  S 

i  3 

S  o 

^  •£! 

0  > 
>  o 

«  1 

d  ^ 

S  g« 

S'^ 

8  a 

«  5 

d  o 

1  •§ 


3 

h 
V 

e 

ja 
O 


•xaaxsiiaa^  qovK 


«o 


i: 


OQ. 


vr 


236 


Die  Rhynchonellen  des  Malm. 

RliyndtoneUa  cf.  triplicosa  Qüenst.  sp. 
Rhynchonella  Thurmanni  Voltz. 
Rhynchonella  acarus  Merian. 


Indem  der  schweizer  Jura  seine  letzten  Ausläufer  in  den  südlichen 
Theil  des  Oher-Elsasses  sendet,  gelangt  der  Malm  auch  noch  auf  deut- 
schem Gebiete  zur  Entwicklung  und  zwar  mit  fast  allen  seinen  Faciesbil- 
dungen,  die  er  auch  auf  dem  schweizer  Gebiete  aufweist  und  deren 
Beschreibung  Greppin  im  VIII.  Band  der  Mat^riaux  pour  la  carte  g6o« 
logique  de  la  Suisse  niedergelegt  hat. 

Wenn  nun  die  Brachiopoden  des  Malm  mit  der  gehörigen  Grflnd- 
Uchkeit  bearbeitet  werden  sollten,  und  es  ist  dies  bei  der  ungemein 
grossen  Yerschiedenartigkeit  der  Faciesbildungen  im  schweizer  Jura 
gegenüber  denjenigen  in  Schwaben,  Frankreich  und  England  eine  nicht 
leichte  Aufgabe,  so  müsste  in  erster  Linie  das  in  den  Sammlungen  zu 
Basel,  Bern  und  Zürich  vorhandene  Material  mit  dem  unsrigen  verglichen 
und  zur  Bearbeitung  herangezogen  werden. 

Bei  den  wenigen  auf  deutscher  Seite  vorkommenden  Arten  würde 
das  Resultat  einer  solchen  umfassenden  Untersuchung  nicht  im  Verhalt- 
niss  stehen  zu  der  aufgewendeten  Zeit  und  Arbeit.  Eine  genaue  Unter- 
suchung der  Brachiopoden  des  schweizer  und  somit  des  elsassischen 
Malm  wird  von  einer  breiteren  geologischen  Basis  auszugehen  haben, 
als  die  Berge  der  Pfirt  sie  bieten* 

Ich  beschranke  mich  daher  an  dieser  Stelle  auf  wenige  Andeu- 
tungen theils  über  Arten,  die  in  der  Greppin  sehen  Sammlung  liegen, 
theils  über  solche,  die  in  der  Umgebung  von  Pfirt  gesammelt  wurden. 


*  Anmerkong.  Uebrigens  ist  nach  den  Ankündigungen  des  Vorstandes  der 
schweizerischen  palaeontologischen  Gesellschaft  Herr  Dr.  Paul  Choffat  zar  Zeit  mit 
einer  AbhandlaQg  über  eben  dieses  Thema  besehaftigt. 


237 

BJiynchoneUa  cf.  triplicosa  Quenst.  sp.  1862. 

Taf.  Vn,  Fig.  13. 

1852.  QuENSTEDT.  Handbuch.  pag.  454.  Taf.  36.  Fig.  26. 

1858.  Derselbe.  Jura.  pag.  496.  Taf.  66.  Fig.  30—32. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  575. 

1864.  Seebagh.  Hannover'scher  Jura.  pag.  90.  Rhynchonella  cf.  tripli- 
cosa QüENST.  sp. 
1867.  QüENSTEDT.  Handbuch.  2.  Auflage,  pag.  542.  Taf.  46.  Fig.  26. 

1869.  Brauns.  Mittlerer  Jura.  pag.  291. 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  56. 

1871.  Quenstedt.  Brachiopoden.  pag.  99.  Taf.  39.  Fig.  1 — 11. 

Die  Form  ist  14  Millimeter  breit  und  13  Millimeter  lang. 
Die  kleine  Schale  ist  ziemlich  bauchig,  ihre  grösste  Wölbung  liegt 
etwas  über  die  Mitte  hinaus,  dem  Stirnrande  zu.  Sie  ist  mit 
nenn  scharfkantigen  bis  in  den  Wirbel  reichenden  Hippen  ver- 
sehen. Drei  davon  zieren  den  ziemlich  ausgesprochenen  Wulst. 
Sie  sind  stärker  ausgebildet,  als  die  auf  den  Flügeln  stehenden 
und  biegen  auf  der  Höhe  des  ersten  Dritttheils  der  Schale,  vom 
Stirnrande  an  gerechnet,  nach  dem  Sinus  zu,  um.  Die  den  Wulst 
von  den  Flügeln  trennende  Einsenkung  ist  glatt,  von  den  Flügel- 
rippen ist  die  dem  W^ulste  zunächst  liegende  die  ausgeprägteste. 

Die  grosse  Schale  hat  einen  ziemlich  tiefen,  mit  zwei 
Rippen  versehenen  Sinus,  welche  ebenso,  wie  die  drei  Rippen  auf 
jedem  Flügel  erst  im  Wirbel  verlaufen.  Der  spitze  Schnabel  ist 
auf  die  kleine  Schale  übergebogen,  das  Foramen  ist  klein.  Die 
Verhältnisse  des  Deltidiums  konnten  nicht  festgestellt  werden. 
Die  Arealkanten  sind  sehr  abgerundet,  die  Schlosslinie  verläuft 
fast  ganz  gerade. 

Die  Landessammlung  von  EIsass-Lothringen  besitzt  ein  einziges 
Exemplar,  das  aus  der  GREPPiN'schen  Sammlung  stammt  und  wohl  nur 
eine  locale  Abänderung  der  Rhynchonella  triplicosa  Quenst.  sp.  sein 


238 

wird,  voD  der  es  sich  jedoch  durch  den  ziemlich  auf  die  kleine  Schale 
angedrückten  Schnabel  und  die  erst  im  Wirbel  verlaufenden  Rippen 
unterscheidet. 

Vorkommen:  Unterer  Malm;  Gallo vien. 

Berner  Jura:  Gluse  zwischen  Ettingen  und  ß lauen.  (6.  S.) 
(Glus  de  PfsBffingen,  und  Movelier,  nach  Greppin.) 

« 

RhynchaneUa  ThurmcMint  Yoltz.  1833. 
Taf.  VU,  Fig.  14—17. 

1833.  Thirria.  Statistique  minäralogique  et  göologique  du  döpart.  de  la 

Haute-Saöne.  pag.  172—179. 
1835.  Bronn.  Lethaea  geognostica.  pag.  29. 
1852.  QuENSTEDT.  Haudbuch.  pag.  454. 
1859.  Oppel.  Jura.  pag.  608. 

1859.  Etallon.  Lethaea  bruntrutana.  pag.  291.  Taf.  42.  Fig.  6. 
1867.  Quenstedt.  Handbuch.  2.  Auflage,  pag.  542. 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  56.  71.  82. 

1871.  Quenstedt.  Brachiopoden.  pag.  90.  Taf.  38.  Fig.  83—87. 
1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  215.  Taf.  28.  Fig.  14—16. 

Die  Form  ist  stets  breiter  wie  lang.  Die  Länge  beträgt 
ca.  12 — 13  Millimeter,  die  Breite  deren  16 — 17.  Die  kleine 
Schale  ist  stark  aufgebläht,  der  Wulst  ist  von  den  Flügeln  durch 
keine  scharfe  Einsenkung  getrennt,  geht  vielmehr  durch  aUmä- 
liges  Weiterhervorspringen  der  Rippen,  deren  stärkste  stets  scharf- 
kantiger sind,  als  die  übrigen,  aus  diesen  hervor. 

Die  Zahl  der  Wulstrippen  variirt  zwischen  5 — 7.  Tritt 
ersteres  Verhältniss  ein,  so  ist  stets  eine  ungleiche  Ausbildung 
derselben  vorhanden;  wo  dagegen  7  Wulstrippen  sich  finden, 
ist  ihre  Bildung  eine  gleichmässigere. 

Die  grosse  Schale  weist  einen  breiten  doch  wenig  tiefen 
Sinus  auf,  der  weit  auf  die  kleine  übergreift.  Die  Sinusrippen 
verhalten  sich  ebenso,  wie  die  des  Wulstes,  die  Flügel  sind  jedoch 


239 

scharf  vom  Sinus  getrennt.  Hier  ist  es  meist  die  zweite  Flügel- 
rippe, die  am  stärksten  ausgebildet  ist.  Die  Anzahl  der  Rippen 
auf  dieser  Schale  ist  ganz  von  den  Verhältnissen  auf  der  kleinen 
Schale  abhängig.  Der  Schnabel  ist  sehr  spitz  und  stets  viel  mehr 
übergebogen,  als  bei  der  Bhynchoneüa  varians.  Das  Deltidium 
ist  gross  und  discret. 

Die  Arealkanten  sind  sehr  scharf.  Die  Schlosslinie  verläuft 
ganz  gerade  und  biegt  dann  plötzlich  nach  vorne  ein,  einen 
Ausschnitt  an  der  kleinen  Schale  bildend. 

Die  Wirbelgegend  ist  auf  beiden  Schalen  ganz  glatt.  Die 
kleine  Schale  ist  oben  sehr  breit,  was  der  ganzen  Form  ein 
charakteristisches  Aussehen  gibt.  Die  Flügelecken  sind  abgerundet, 
bei  den  Jugendstadien  hie  und  da  noch  ein  wenig  eckig,  bei 
den  ausgewachsenen  Exemplaren  stets  rundlich. 

Etallon  spricht  von  einer  i  Ouvertüre  tr6s-^troite»,  Lethaea  brun- 
trutana.  pag.  291.  An  den  vielen  von  mir  untersuchten  Exemplaren  war 
das  Foramen  stets  gross. 

Die  jungen  Formen  sind  glatt;  erst  allmälig  fangen  die  Rippen 
an,  sich  am  Stirnrande  zu  bilden;  die  Wulstbildung  beginnt  erst,  wenn 
die  Form  etwa  Va  ihrer  normalen  Grösse  erlangt  hat. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Von  Quenstedt  und  Davidson 
wird  diese  Spezies  nur  als  eine  Yariet&t  der  Rliy^nchonella  varians 
ScHL.  sp.  angesehen.  Sie  ist  allerdings  mit  derselben  durch  Uebergänge 
verbunden  und  gewisslich  nur  aus  dieser  entstanden;  dass  es  aber  keine 
locale  Abänderung  ist ,  mit  der  wir  es  hier  zu  thun  haben,  das  beweist 
ausser  ihrer  grossen  Verbreitung  im  ganzen  Westen  Europa's,  wo  der 
untere  Malm  entwickelt  ist,  auch  ihr  Vorkonunen  in  England.  (Davidson. 
Supplement,  pag.  215.  Taf.  28.  Fig.  14 — 16.)  Uebrigens  sind  die  typischen 
Formen  doch  ganz  verschieden  von  der  typischen  Rhynchonella  varians. 
Dieser  Umstand  und  die  geologische  Bedeutung  dieser  Spezies  ist,  wie 
mir  scheint,  dennoch  ein  Grund,  ihr  den  eigenen  Namen  zu  lassen. 

Das  genaue  Studium  dieser  Form  wird  uns  durch  das  verkieselte 
Vorkommen  derselben  im  sogenannten  Terrain-ft-chailles,  wesentlich 
erleichtert.  Durch  Aetzen  mü  verdünnter  Salzsäure  kann  man  die  Schalen 


240 

au8  dem  sie  amgebeadea  Gestein  ganz  herauslösen  und  auch  die  innere 
Organisation  des  ArmgerOstes,  der  Zahnplatten  etc.  auf  das  Allergeoaueste 
beobachten.  Taf.  VII,  Fig.  17  zeigt  ein  solches  berausprftparirtes  und 
aufgebrochenes  Exemplar  mit  dem  Brachialapparat,  der  bis  auf  die 
kleinsten  Details  erhalten  ist. 

Vorkommen:  Unterer  Halm;  Oxford. 

Ober-Elsass:  Pfirt  (Qberall).  (Terrain-ä-chailles.)  (L.  S.) 

Nachbarländer:  ßerner  und  Baseler  Jura  (Qberall).  (G.  S.)-- 
Beifort.  (S.  S.) 


Rhynehanella  (uhmtus  Meeian.  1870. 

Taf.  Vn,  Fig.  18. 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  71,  82,  85. 

Kleine,  kaum  6  Millimeter  lange  und  ebenso  breite  Form. 
Am  Stirnrande  ziemlich  breit,  mit  12  — 15  wenig  scharf  kantigen, 
den  Wirbel  meist  frei  lassenden  Bippen  auf  jeder  Schale.  In 
häufigen  Fällen  sind  nur  ca.  zwölf  Rippen  vorhanden,  dann  hat  der 
Wulst,  der  kaum  angedeutet  ist,  nur  deren  vier;  treten  mehr 
Rippen  auf,  so  hat  der  Wulst  öfters  deren  fünf  und  die  ganze 
Form  wird  etwas  breiter  als  lang.  Die  grosse  Schale  hat  keinen 
Sinus.  Beide  Schalen  sind  kaum  gewölbt  und  fast  ganz  flach.  Der 
Schnabel  ist  ziemlich  spitz,  Foramen  und  Deltidium  sind  klein; 
letzteres  ist  discret,  die  Arealkanten  sind  sehr  scharf,  die  Schloss- 
linic  gerade. 

Die  ganze  Form  sieht  einer  jungen  Rhynchonella  Thurmanni  sehr 
ahnlich.  Das  einzige  Unterscheidungsmerkmal  von  den  Exemplaren 
gleicher  Grösse  der  letzteren  Spezies  ist  das,  dass  diese  in  der  Jugend 
ganz  glatt  oder  nur  sehr  wenig  am  Stirnrande  gerippt  sind. 

Vorkommen:  Unterer  Malm;  Oxford. 
Ober-Elsass:  Pfirt  (Terrain-ä-chailles.)  (L.  S.) 


241 

Nachbarländer:  Bourrignon,  Noirmont,  im  Berner 
Jura  (G.  S.). 

Die  abgebildeten  Exemplare  von  Noirmont  verdanke  ich  der  Freund- 
lichkeit des  Herrn  Rathsherrn  P.  Merian  zu  Basel,  dem  BegrQnder  dieser 
Spezies. 


Nachtrag  zu  Rhynchonella. 

Folgende  weitere   Fundorte  frtlher  besprochener  Rhynchonellen 
sind  mir  nachtraglich  bekannt  geworden: 

Zu  pag.  161.  Rhynchonella  plicatissima  Qüenst.  sp. 

Bahneinschnitt  bei  Buchsweiler.   (Oberer  Gryphitenkalk.) 

(L.  S.) 

Zu  pag.  165.  Rhynchonella  Deffneri  Oppel. 

Magny  in  Deutsch-Lothringen.  (Gryphitenkalk.)  (L.  S.) 

Zu  pag.  171.  Rhynchonella  Schimperi  nov.  sp. 

Gombe  bei  Roche-dessus  im  Berner  Jura.  (Gryphitenkalk.) 

(G.  S.) 

Zu  pag.  181.  Rhynchonella  calcicosta  Quenst.  sp. 

Eberbach  im  Unter-Elsass.  (Mittlerer  Lias,  y)  MQhlhausen, 
ebenda.  (Diluvial.)  (L.  S.) 

Zu  pag.  188.  Rhynchonella  curviceps  Qüenst.  sp. 

Vaufrey  im  Berner  Jura.  (Mittlerer  Lias,  y)  (G.  S.) 

Zu  pag.  198.  Rhynchonella  scalpellum  Quenst.  sp. 

Eine  ähnliche  Form  (cf.  Quenstedt.  Brachiopoden.  Taf.  37, 
Fig.  166)  aus  dem  mittleren  Lias,  y  von  Luppy  in  Deutsch - 
Lothringen.  (L.  S.) 

Zu  pag.  190.  Rhynchonella  amallhei  Quenst.  sp. 

Kirrweiler  am  Bastberge  im  Unter-Elsass.  (Mittlerer  Lias, 
5,  Gostatusschichten.)  (L.  S.) 


U.  16 


242 


BhynchoneUa  ct.  Jurenais  Qcenst.  sp.  —  1858. 


^M^^ 

\')\ 


1858.  QuENSTEDT.  Jura.  pag.  287.  Taf.  41.  Fig.  33—35. 

1871.  Derselbe.  Brachiopoden.  pag.  75  und  folgende.  Taf.  38.  Fig.  23—31. 

Kleine  und  wenig  gewölbte  Art  mit  15 — 1 8  scharf  kantigen 
Rippen  auf  jeder  Schale.  Der  wenig  ausgesprochene  Wulst  weist 
5  Rippen  auf.  Sinus  breit  und  nur  wenig  tief.  Spitzer,  doch 
kaum  übergebogener  Schnabel.  Arealkanten  scharf.  Gerade 
Schlosslinie.  Wirbel  auf  beiden  Schalen  glatt. 

Länge  9  Millimeter,  Breite  10  Millimeter. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Dem  ganzen  Habitus  nach 
Rhynchonella  amalthei  Quenst.  sp.  sehr  nahe  stehend,  wie  das  auch 
schon  QüENSTEDT  bemerkt.  (Jura,  pag.  287.) 

Vorkommen:  Unterer  Dogger,  ß. 

*Unter-EIsass:   Gundershofen.   (Afurchisonacschichten.)  (L.  S.) 

Lothringen  :Wolmingen-WoImeringen.(Murchisonae8chichten.) 
(L.  S.) 

Zu  pag.  206.  Rhynchonella  cf.  angulata  Sow.  sp. 

Roche-dessus  im  Berner  Jura.  (Oolithe  ferrugineuse.)  (G.  S.) 

Zu  pag.  207.  Rhynchonella  Kirchhoferi  nov.  sp. 

Götc    de    la   Rique   bei  Lorry   in  Deutsch-Lothringen. 
(Murchisonaeschichten.)  (L.  S.) 


243 

Zu  pag.  210.  Rhynchonella  Pallas  Ghapuis  et  Dewalque. 

Moyeuvre,  Rangwall,  Noy6ant,  Saulny,  Pierrevilliers 
in  Deutsch-Lothringen.  (Korallenkalk.)  (L.  S.  -»•  ü.  S.) 

Böt;kten,  Vorbourg,  Bellerive,  Liesberg  im  Berner  und 
Baseler  Jura.  (Humpbresianusschichten.)  (6.  S.) 
Hier  sind  es  Formen,  die  der  Rhynchonella  crassicosta  Moesgh  sehr 
nahe  stehen.  — 

Moyeuvre    in    Deutsch-Lothringen,    Longwy,    D^p.  de  la 

Meurthe-Moselle.  Mergel  von  Longwy.  (L.  S.) 
Hier  Mitlelformen  zwischen  dieser  Spezies  und  Rhynchonella  ob- 
soleta  Sow.  sp.  — 

Zu  pag.  215.  Rhynchonella  obsoleta  Sow.  sp. 

Die  oben  erwähnten  Mittelformen  zwischen  unserer  Spezies  und 
Rhynchonella  Pallas,  Gravelolle.  (Mergel  von  Gravelolte.)  (L.  S.) 
Roche-dessus  im  Berner  Jura.  (Oberes  Vesullian.)  Mönchenstein 
und  La  Groix  bei  St.  Ursanne,  ebenda.    (Oberes  Vesullian.)   (6.  S.) 

Zu  pag.  218.  Rhynchonella  concinna  Sow.  sp. 

Boilenberg  im  Ober-Elsass  und  Woixheim  im  Unter- 
Elsass.  Jugendformen.  (Hauptrogenstein.)  (S.  S.)  Gänivaux  in 
Deutsch-Lothringen,   desgleichen.    (Mergel   von  Gravelotte.) 

(L.  S.) 

Zu  pag.  229.  Rhynchonella  varians  Schl.  sp. 

Imbsheim  im  Unter-Elsass.  (Variansschichten.)  (L.  S.) 

Zu  pag.  237.  Rhynchonella  triplicosa  Quenst.  sp. 

Schanenburg  im  Berner  Jura.  (Macrocephalusschichten.)  (G.S.) 


244 


TerebratvUdMe. 

Tetebratulaj  Klein  1753.  s.  str. 


Die  Terebrateln  des  Lias  und  des  Dogger. 


Terebratu 
Terebratu 
Terebratu 
Terebratu 
Terebratu 
Terebratu 
Terebratu 
Terebratu 
Terebratu 
Terebratu 
Terebratu 
Terebratu 
Terebratu 
Terebratu 
Terebratu 
Terebratu 
Terebratu 


a  subovotdes  Roemer. 

a  punctata  Sow. 

a  infraoolithica  Deslongchamps. 

a  perovalis  Sow. 

a  cf.  submaxWata  Morris. 

a  ventricosa  Zieten. 

a  Simplex  Buckmann. 

a  decipiens  Deslongchamps. 

a  Philippsii  Morris. 

a  maxillata  Sow. 

a  langicollis  Greppin. 

a  globata  Sow. 

a  intermedia  Sow. 

a  Fleischeri  Oppel. 

a  diptycha  Oppel. 

a  Lutzii  nov.  sp. 

a  Bentleyi  Davidson-Morris. 


Terebratula  sttbovoldes  Roeher  1836. 


1835—36.  ROEHEB.  NorddculGChes  Oolilbengebirge.  pag.  50.  Taf.  2.  Fig.  9. 
18i7.  d'Orbignt.   Prodrome,   pag.  239.    Terebralula  latnpas  d'Ohbiont, 

non  SowERBY. 
1853.  Oppel,  Midierer  Lias.  pag.  70.  Taf.  4.  Fig.  1. 

1858.  QuENSTEDT.  Jura.  pag.  143.  Taf.  18.  Fig.  3—4.  Terebratula  numis- 

mali$  lagenalis  Q^Jenstedt. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  186. 

1863.  Deslongchahps.  ßrachiopodes.  pag.  154.  Taf.  37.  Pig.  4.  Taf.  38. 

Fig.  1-9. 
1863.  ScuLOENBACH.   Blsenstein  des   untereo  Lias  etc.  pag.  548.    Tere- 

bratula  sublagenalis  Roemeb,  noD  Davidson. 
1869.  DtiuoRTiER.  Däpöls  jurasEiques  du  Bassin  du  Rhone.  III.  pag.  323. 
1871.  Brauns.  Unlerer  Jura.  pag.  4?8. 
1871.  Quenstedt.  Brachiopodeu,  pag.  322.  Terebratula  punctata.  Sow. 

2.  ThI. 


246 

Die  kleine  Schale  ist  nur  m&sslg  gewölbt.  Ihre  grösste 
Breite  liegt  gleich  unterhalb  des  Wirbels.  Gelegentlich  treten 
die  Anwachsstreifen  an  derselben  stärker  hervor. 

Die  grosse  Schale  ist  bedeutend  mehr  gewölbt  als  die  kleine. 
An  der  Stirngegend  findet  sich  im  ausgewachsenen  Zustand  eine 
leichte  Einsenkung.  Der  ziemlich  spitze,  an  die  kleine  Schale 
angedrückte  Schnabel  zeigt  Andeutung  einer  kielartigen  Zu- 
schärfung.  Das  runde  Foramen  ist  klein  und  das  Deltidium 
discret.  Die  Arealkanten  sind  bei  den  Jugendformen  abgerundet, 
im  Alter  dagegen  schärfer.  Die  Schlosslinie  verläuft  fast  ganz 
gerade.  Beide  Schalen  vereinigen  sich  seitlich  unter  einem 
ziemlich  stumpfen  Winkel. 

Der  Erhaltungszustand  unserer  Art  —  ich  hatte  davon 
nur  wenige,  meist  unvollständige  und  innen  mit  Mergel  aus- 
gefüllte Exemplare  zur  Verfügung  —  hat  es  mir  nicht  erlaubt, 
an  der  Schalenstructur  und  dem  Brachialapparate  Beobachtungen 
anzustellen. 

Von  letzterem  gibt  DESLONacHAMPS  (Bracbiopodes  Taf.  38, 
Fig.  2)  eine  Abbildung.  Nach  den  Beobachtungen  dieses  Autors 
(1.  c.  pag.  155)  reicht  der  Brachialapparat  bis  zum  Drittheil 
der  Schalenlänge  und  die  Schleifenschenkel  sind  gegen  die  sie 
verbindende  Querbrücke  hin  stark  eingebogen  (ä  branches  forte- 
ment  infl^chies). 

Länge  ca.  30  Millimeter,  Breite  ca.  22  Millimeter. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  y. 

Luppy  in  Deutscb-Lothringen.  (Davoeischichten.)  (L.  S.) 

Von  anderen  Lokalitäten  des  Elsasses  oder  Lothnngens  ist  diese 
Art  bis  jetzt  nicht  bekannt. 


247 


Terebratula  ptmctata  Sow.  1812. 
Taf.  Vm,  Fig.   1—4,  6,  7—11. 

1818.  SowERBY.   Mineral  conchology  of  Great-ßritain.   vol.  1.  pag.  46. 

Taf.  15.  Fig.  4. 
1850.  Davidson.  Oolitic  and  liassic  brachiopoda.  pag.  45.  Taf.  6.  Fig.  1 

bis  10,  12.  (16?) 
1850.  Derselbe.  Ebendaselbst.  Taf.  6.  Fig.  11,  13-15.  var.  Edwardsii  Dav. 

1858.  QuENSTEDT.  Jura.  pag.  144.  Taf.  18.  Fig.  5. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  185. 

1859.  Derselbe.  Ebendaselbst,  pag.  107.  Terebratula  sinemm-iensis? 
1861.  Derselbe.  Bracbiopoden  des  unteren  Liasv  pag.  534.  Taf.  10.  Fig.  2. 
1863.  Deslongchamps.  i^tudes  critiques  sur  des  bracbiopodes  nouveaux 

ou  peu  connus.  111.  Bracbiopodes  du  Lias  d'Espagne.  Nr.  38. 
1863.  Derselbe.  Bracbiopodes.  pag.   160.    Taf.   12.  Fig.   1—3.  Taf.  40. 

Fig.  1—9.  Taf.  41.  Fig.  1—2. 
1863.  OosTER.  Bracbiopodes  des  Alpes  suisses.  pag.  8. 
1871.  QuENSTEDT.  Bracbiopodeu.  pag.  322.  Taf.  46.  Fig.  25—27. 
1871.  Brauns.  Unterer  Jura.  pag.  427. 
1876.  Davidson.  Supplement,  pag.  130  und  folgende.  Taf.  16.  Fig.  6—8, 

11—12.  (9—10?) 
1876.  Derselbe.    Ebendaselbst,    pag.    131.    Taf.   16.    Fig.    14—18.   var. 

Radstockiensis  Dav. 
1876.  Derselbe.  Ebendaselbst,  pag.  132.  Taf.  16.  Fig.  3—5.  var.  Haves- 

fieldiensis  Dav. 
1878.  Derselbe.  Supplement,  pag.  131.  Taf.  17.  Fig.  22.  var.  Edwardsii  Dav. 
1880.  ZiTTEL.  Handbuch  I.  1.  pag.  699.J 

Beide  Schalen  der  vorliegenden  Exemplare  sind  gleich- 
massig  gewölbt,  und  zwar  liegt  die  grösste  Wölbung  gleich 
unterhalb  des  Wirbels. 

Die  kleine  Schale  weist  in  der  Wirbelgegend  hie  und  da 
eine  leichte  Depression  auf,  welche  DESLONacHAMPB  (Brachio- 
podes  pag.  161)  als  ein  dieser  Art  eigenthttmliches  Merkmal 
auffasst   und   als  Unterscheidungsmerkmal   von  Terebratula  sub- 


248 

punctata  Dav.  ansieht,  welche  jedoch,  wie  er  selbst  zugibt,  nur 
eine  Varietät  von  der  vorliegenden  Art  sein  soll.  An  unseren 
Exemplaren  ist  diese  Depression  nicht  sehr  häufig. 

Eine  Medianfalte  ist  nur  bei  wenigen  Exemplaren  und 
dann  nur  schwach  ausgeprägt  vorhanden. 

Der  dicke  Schnabel  der  grossen  Schale  ist  ziemlich  auf 
die  kleine  Schale  herabgebogen.  Das  Foramen  ist  gross  und 
von  länglicher  Gestalt.  Bei  den  ausgewachsenen  Formen  verdeckt 
der  Schnabel  das  Deltidium. 

Die  Arealkanten  sind  gerundet.  Die  Schlosslinie  verläuft 
gerade  und  die  seitliche  Vereinigung  beider  Schalen  findet  unter 
einem  stumpfen  Winkel  statt. 

Die  fein  punktirten  Schalen  weisen  unregelmässige  oft  sehr 
kräftig  ausgebildete  Anwachsstreifen  auf. 

Der  Brachialapparat  unserer  Form  erreicht  etwas  mehr 
als  ein  Drittheil  der  Länge  der  kleinen  Schale. 

Die  Jugendformen  besitzen  eine  ganz  flache  kleine  Schale, 
welche  sich  erst  im  letzten  Stadium  ihres  Wachsthums  zu 
wölben  anfangt. 

Länge  der  gewöhnlichen  Formen  32 — 35  Millimeter,  Breite 
21—24  Millimeter. 

Länge  der  grossen  Exemplare  von  Xocourt:  42 — 44  Milli- 
meter, Breite  28—30  Millimeter. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Davidson  vereinigt  unsere 
Spezies  mit  Terebratula  subovoides  Roemer.  Wenn  auch  letztere  Form 
die  Vorläuferin  von  Terebratula  punctata  sein  mag,  so  gestattet  doch 
die  Bildung  ihres  Schnabels  und  Foramens,  sowie  der  ganze  Habitus 
beide  Formen  auseinander  zu  halten. 

Eine  ganz  eigenthomliche  Ausbildung  erlangt  unsere  Spezies  in 
den  Gostaluskalken  von  Xocourt  in  Deutsch-Lothringen.  Sie  wird  daselbst 
viel  grösser  als  sonst  und  die  ausgewachsenen  Exemplare,  bei  welchen 
sich  die  kleine  Schale  manchmal  bedeutend  mehr  wölbt,  als  die  grosse, 


249 

besitzen  schärfere  Arealkanten  und  einen  meistens  sehr  slark  auf  die 
kleine  Schale  herabgebogenen ,  oflmals  mit  Anwachsstreifen  versehenen 

Schnabel. 

Diese  schärferen  Ärealkanten  treten  auch  hauflg  bei  jungen  Indi- 
viduen von  Xocourt  hervor,  so  dass  nur  durch  Beobachtung  des  ßra- 
chialapparales  der  Unterschied  gegen  Waldheimia  sarthacensis  Desl. 
festgestellt  werden  kann. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  y  und  8. 

Ünter-Elsass:  Silzklamm  bei  Uhrweiler  (Goslalusschichlen); 
Mablhausen  (diluvial).  (L.  S.) 

Lothringen:  Luppy,  Rörchingen-Monterchen  (Davoei- 
schichten)  (L.  S.);  Xocourt  (Gostalusschichlen).  (L.  S.  —  U.  S.  —  S.  S.) 

Nachbarländer:  Vaufrey  im  Berner  Jura.  (Mittlerer  Lias.) 
(G.  S.) 

Terebratula  infraoolithica  Deslongghamps  1864, 

Taf.  VIII,  Fig.  12  —  15. 

1864.  Deslongghamps.  ßrachiopodes.  pag.  210.  Taf.  58.  Taf.  59.  Fig.  1. 
1871.  QuENSTEDT.  Brachiopodeu.  pag.  413.  Taf.  50.  Fig.  42. 

1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  145.  Taf.  18.  Fig.  8—9. 

1879.  Abhandlungen  zur  geologischen  Spezialkarte  von  Elsass-Lothringen. 

Band  11.  Heft  1.  Branco.  Der  untere  Dogger  von  Deutsch- 
Lothringen,  pag.  34.  Daselbst  ist  Terebratula  infraoolithica 
Desl.  irrthümlich  als  Rhynchonella  infraoolithica  Oppel. 
angeführt.  Pag.  37.  Desgleichen. 

1880.  Paul  Ghoffat.    fitude    stratigraphique    et    palöontologique    des 

terrains  jurassiques  du  Portugal.  1.  Le  Lias  et  le  Dogger  au 
Nord  du  Tage.  pag.  41. 

Die  nur  wenig  gewölbte  kleine  Schale  ist  fast  ohne  Aus- 
nahme an  der  Stirne  mit  2  deutlichen  Falten  versehen.  Der 
dadurch  in  der  Mitte  der  Stirne  entstehenden  Einsenkung  ent- 
spricht auf   der   grossen  Schale  ein  leicht  angedeuteter  Wulst. 


250 

Die  Wölbung  der  grossen  Schale  ist  kaum  grösser,  als 
diejenige  der  kleinen.  Der  Wulst  wird  seitlich  von  2  unbedeu- 
tenden Einsenkungen  begrenzt.  Der  stark  herabgebogene  Schnabel 
verdeckt  meist  das  Deltidium.  Das  Foramen  ist  gross  und  rund. 
Die  Arealkanten  sind  deutlich,  ohne  sehr  entwickelt  zu  sein; 
die  Schlosslinie,  wie  auch  die  seitlichen  Gommissuren  beider 
Schalen,  welche  sich  unter  einem  spitzen  Winkel  vereinigen,  sind 
leicht  geschwungen.  —  Unregelroässige  Anwachsstreifen  kommen 
auf  beiden  Schalen  vor. 

Die  Dimensionen  sind  sehr  verschieden.  Die  ausgewachsenen 
Exemplare  sind  ca.  18—20  Millimeter  lang  und  etwa  17  —  18 
Millimeter  breit;  doch  finden  sich  längere  und  breitere  Formen. 

Der  Brachialapparat  konnte  nicht  untersucht  werden.  Auch 
DEBLONacHAMPB  Sagt  uichts  über  denselben. 

Vorkommen:  Unterer  Dogger,  Grenze  von  Murchisonae-  und 
Sowerbyi-Schichten. 

Lothringea:  Ars  a.  M.,  Oettingen,  Villerupt,  St.  Quentin 
bei  Metz,  Cöte  de  la  Rique  bei  Lorry,  südlich  von  Metz.  (L.  S.  — 
F.  S.) 

Nachbarländer:  Dndervelier,  Orties  bei  fiellerive, 
Graoge-Gu^ron  im  ßerner  Jura,  (Oolithe  ferrugineuse.)  (G.  S.) 


Terebratula  perovalia  Sow.  1825. 
Taf.  XII,  Fig.   1—3. 

1825.  SowERBY.  Mineral  conchology  of  Great-Britain.  VoL  V.  pag.  51 
Taf.  436.  Fig.  2—3. 

1834.  Buch,  üeber  Terebrateln  etc.  pag.  109.  (In  der  französischen  Be- 
arbeitung M6m.  Soc.  göol.  de  France  1838.  Vol.  HJ.  pag.  221. 
Taf.  20.  Fig.  2.) 

1843.  QüENSTEDT.  Flözgebirge,  pag.  350. 

1848.  Bronn.  Index  palaeontologicus.  pag.  1245. 


251 

1849.  d'Orbigny.  Prodrome,  pag.  287. 

1850.  Davidson.  British  oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  51.  Taf.  10. 

Fig.  1-6. 
1851—55.  Ghapuis  et  Dewalque.  Terrains  secondaires  du  Luxembourg. 

pag.  213.  Taf.  36.  Fig.  3. 
1852.  QuENSTEDT.  Handbuch.  pag.  47  J. 

1858.  Derselbe.  Jura.  pag.  366.  418.  Taf.  57.  Fig.  21—22. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  427. 

1863.  OosTER.  Brachiopodes  des  Alpes  suisses.  pag.  10.  11.  16. 

1864.  Deslongghamps.  Brachiopodes.  pag.  197.  Taf.  51.  Fig.  3.  Taf.  52 

bis  54.  Taf.  55.  Fig.  1. 

1866.  J.  Delbos  et  Koechlin-Schlumberger.  Haut-Rhin.  pag.  314.  334. 

1867.  QuENSTEDT.  Haodbuch.  2.  Auflage,  pag.  562. 

1869.  Brauns.  Mittlerer  Jura.  pag.  284. 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  29.  33. 

1871.  OuENSTEDT.  Brachiopodeu.  pag.  413.  Taf.  50.  Fig.  31. 

1878.  Davidson.    Supplement,    pag.   123.  Taf.   17.  Fig.  9?  var.  Kleinii 
Lamk, 

Bei  den  Exemplaren ,  welche  ich  zu  T.  perovalis  stelle, 
sind  im  ausgewachsenen  Zustande  beide  Schalen  gleichmässig 
gewölbt,  und  zwar  liegt  die  grösste  Wölbung  ungefähr  in  der 
halben  Länge.  Die  meist  mit  feinen  Anwachsstreifen  versehene 
kleine  Schale  besitzt  an  der  Stirne  zwei  nur  wenig  angedeutete 
Falten,  zwischen  welchen  eine  geringe  Depression  wahrzunehmen 
ist,  die  bei  den  Jugendformen  etwas  stärker  hervortritt. 

Der  Schnabel  ist  oftmals  gekielt,  stets  sehr  kräftig  und 
mit  einem  länglichen  und  grossen  Foramen  versehen.  Er  ist  so 
stark  auf  die  kleine  Schale  übergebogen,  dass  er  das  Deltidium 
verhüllt. 

Beide  Schalen  vereinigen  sich  seitlich  unter  einem  sehr 
stumpfen  Winkel.  Ihre  Gommissuren,  wie  auch  die  Schlosslinie 
sind  leicht  gebogen.  —  Brachialapparat  kurz. 

Länge  35—38  Millimeter,  Breite  25  —  30  Millimeter. 


252 

Bei  den  Jugendformen  ist  die  kleine  Schale  ganz  flach  und  wOlbl 
sich  erst  später.  Dagegen  ist  der  Kiel  am  Schnabel  schon  frühe  ent- 
wickelt. 

Dieses  cigenthtunliche  Aussehen  der  Jugendformen  hat  unsere  Art 
mit  denjenigen  der  meisten  biplicaten  Terebrateln  der  Dogger  gemein. 
Junge  Individuen  von  Terebratula  pei^ovalis  sind  von  solchen  von 
Terebratula  maxillata  oder  intermedia,  zum  Theil  auch  von  denjenigen 
von  Terebratula  globata  nicht  zu  unterscheiden.  Ja  bei  gewissen  Varie- 
täten der  nachher  zu  besprechenden  Terebratula  intermedia  bleibt 
dieses  Aussehen  der  Jugendformen  sogar  im  ausgewachsenen  Stadium 
bestehen,  so  dass  man  versucht  sein  möchte,  die  letztere  als  die 
Stammform  der  ganzen  Biplicatengruppe  anzusehen. 

Dieser  Umstand  erklärt  auch,  dass  Delbos  und  Kcechlin-Schlum- 
BERGER  unsere  Art  aus  dem  Hauptrogenstein  der  Umgebung  von  Pfirt 
anführen,  während  sie  sonst  stets  als  dem  Bajocien  eigenlhümlich  gilt 
(Haut-Rhin  pag.  334.) 

Die  geologische  Landessammlung  von  Elsass-Lothringen  besitzt 
eine  grosse  Anzahl  ausgewachsener  Terebrateln  aus  dem  oberen  Dogger 
fZ  jener  GQgend;  eine  ächte  Perovalis  ist  nicht  darunter,  wohl  aber  eine 

Menge  Jugendformen  von  Biplicaten,  welche  durchaus  nicht  zu  Tere- 
'  Z  bratula  perovalis  zu  gehören  brauchen.  Aus  dem  Ober-Elsass  habe  ich 

überhaiipi  noch  keine  ächte  Terebrattila  perovalis  gesehen. 


^- 


t^ 


^  Vorkommen:  Unlerer  und  mittlerer  Dogger,  ß — 8. 

ir- 

^  Unter-Elsass:    Mietesheim,    Griesbach    am    Bastberge. 

(Humphresianusschichten.)  (L.  S.) 

Lothringen:  Monvaux,  St.  Quentin  bei  Metz.  (Sowerbyi- 
schichten.)  Rangwall,  Ars  a.  M.,  Pierrevilliers.  (Korailenkalk.)  (L.  S.) 

Nachbarländer:  Bockten,  Vorburg,  Schauenburg,  Boll- 
mann,  Grange-Guöron,  Wartenberg,  Bellerive,  im  Baseler  und 
Berner  Jura.  (Sowerbyi-  und  Humphresianusschichten.)  (G.  S.) 


253 


TerebrattUa  cf«  aiibmaaciUata  Morris.  1843. 

Taf.  Vm,  Fig.  16. 

1843.  Morris.  Gatalogue  of  british  fossils.  pag.  135. 

1850.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  51.  Taf.  9.  Fig.  10 — 11. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  427. 

1879.  Abhandlungen  zur  geologischen  Special-Karte  yon  EIsass-Lothringen. 
Band  11.  Heft  1.  Brango.  Der  untere  Dogger  von  Deutsch- 
Lothringen,  pag.  50. 

Es  liegt  mir  ein  einziges  Exemplar  vor,  das  vielleicht  bei  dieser 
Art  unterzubringen  ist.  Herr  Dr.  Branco  hat  es  in  den  Sowerbyischichten 
von  St.  Quentin  bei  Metz  gesammelt.  Es  ist  dazu  noch,  wie  auch  die 
Abbildung  zeigt,  eine  Missbildung  und  könnte  auch  eine  abnorme  Form 
von  Terebratula  infraoolithica  Deslongchahps  sein. 


TerebratiUa  ventricosa  Zieten  1832. 
Taf.  vm,  Fig.  17. 

1832 — 34.  Zieten.  Versteinerungen  Württembergs,  pag.  53.  Taf.  50.  Fig.  2. 
1858.  QüENSTEDT.  Jura.  pag.  422. 

1871.  Derselbe.  Brachiopoden.  pag.  407.  Taf.  49.  Fig.  102. 
1873.  Deslongghamps.  Brachiopodes.  pag.  260.  Taf.  74 — 76. 
1876.  Davidson.  Supplement,  pag.  127.  Taf.  15,  Fig.  10—11. 
1878.  SzAJNOGHA.  Brachiopoden  der  Oolithe  von  Baiin.   pag.  9.  Taf.  2. 
Fig.  7—9. 

Beide  Schalen  unserer  Spezies  sind  stark  gewölbt.  Die 
kleine  Schale  ist  mit  2  starken  Falten  versehen,  zwischen 
welchen  eine  schwache  Einsenkung  vorhanden  ist. 

Der  Schnabel  ist  stark  auf  die  kleine  Schale  herabgebogen 
und  wird  von  einem  länglichen  und  grossen  Foramen  durch- 
bohrt.   Deitidium   verdeckt.   Arealkanten   gerundet.    Schlossiinie 


254 

und  Commissuren  etwas  gebogen.  Beide  Schalen  vereinigen  sich 
seitlich  unter  einem  sehr  stumpfen  Winkel. 

Länge  52  —  58  Millimeter,  Breite  28—30  Millimeter. 

Wahrscheinlich  ist  Terebratula  ventricosa  besser  als  eine 
Varietät  von  Terebratula  perovalis  aufzufassen,  da  Uebergangs- 
formen  vorhanden  sind. 

Vorkommen:  Mittlerer  und  oberer  Dogger,  y  und  S. 

Unter -Elsass:  Griesbach  am  Bastberge.  (Humphresianus- 
schichten.)  (L.  S.) 

Lothringen:  Moyeuvre.  (Oberer  Korallenkalk.)  Rombach. 
(Mergel  von  Longwy;  Unteres  Vesullian.)  (L.  S.) 


Terebratula  Simplex  Buckhann.  1843. 

Taf.  VIII,  Fig.  5. 

1843.  BuGRMANN.  Geology  of  Cheltenham.  Taf.  7.  Fig.  5. 

1850.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  48.  Taf.  8.  Fig.  1—3. 

1858.  QuENSTEDT.  Jura.  pag.  421. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  426. 

1867.  QuENSTEDT.  Handbuch.  2.  Auflage,  pag.  563. 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  29. 

1871.  QuENSTEDT.  Brdchiopoden.  pag.  408.  Taf.  49.  Fig.  105. 

Beide  Schalen  sind  flach.  Der  Schnabel  ist  wenig  über- 
gebogen und  von  einem  grossen  runden  Foramen  durchbohrt. 
Deltidium  discret,  Arealkanten  scharf,  Schlosslinien  und  Com- 
missuren gerade.  —  Beide  Schalen  vereinigen  sich  seitlich  unter 
einem  sehr  spitzen  Winkel. 

Länge  45  Millimeter,  Breite  43  Millimeter. 

Auch  hier  mag  es  sich  nur  um  eine  Varietät  der  Terebratula 
perovalis  handeln.  Es  liegen  mir  nur  drei  Exemplare  vor,  wovon  zwei 
ganz  besonders  an  die  SowERfiv'sche  Art  erinnern. 


255 

Vorkommen:  Unterer  und  mittlerer  Dogger,  ß  und  y. 

Grange-Gu^ron  im  Berner  Jura,  (Oolithe  ferrugineuse.)  Bock- 
ten, ebenda.  fSowerbyischichlen.)  (G.  L.) 


Terebratula  ct.  decipiens  Desl.  1873. 

1873.  Deslongchamps.  Brachiopodes.  pag.  285.  Taf.  83. 
1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  151.  Taf.  20.  Fig.  4—8. 

Unsere  30  Millimeter  langen  und  23  Millimeter  breiten  Formen 
aus  dem  Korallenkalk  von  Moyeuvre  lassen  sich  noch  am  Besten  bei 
dieser  Spezies  unterbringen. 

Beide  Schalen  sind  gleichmässig  und  ziemlich  stark  gewölbt  und 
mit  kräftigen  Anwachsstreifen  versehen.  Der  auf  die  kleine  Schale  herab- 
gebogene Schnabel  trägt  ein  rundes  und  kleines  Foramen.  Deltidium 
verdeckt,  Arealkanten  scharf,  besonders  bei  den  jungen  Exemplaren, 
Schlosslinie  leicht  gebogen,  Gommissureu  gerade.  Beide  Schalen  ver- 
einigen sich  seitlich  unter  einem  spitzen  Winkel.  Brachialapparat  bis 
über  ein  Dritltheil  der  Schalenlänge  reichend. 

Vorkommen:  Mittlerer  Dogger,  S. 

Moyeuvre  in  Lothringen.  (Korallenkalk.)  (L.  S.) 


Terebratula  JPhiUipsii  Morris.  1847. 
Taf.  XII,  Fig.  12—13. 

1847.  Morris.  Annais  and  Magazin  of  Natural-History.  pag.  255.  Taf  18. 

Fig.  9. 

1849.  d!Orbigny.  Prodrome,  vol.  I.  pag.  287. 

1850.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  53.  Taf.  11.  Fig.  6—8. 
1854.  Davidson.  Appendix.  Taf.  A.  Fig.  14. 

1858.  QuENSTEDT.  Jura.  pag.  422. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  428. 

1867.  QuENSTEDT.  Haudbuch.  2.  Auflage,  pag.  562.  Fig.  127  (im  Text). 
1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  29.  51.  Terebratula  corvina  merian. 


.•?•;  -«.i^-x- 


»     '^^ 


•* 


256 

1871.  QuENSTEDT.  Brachiopodcn.  pag.  412.  Taf.  50.  Fig.  27. 

1873.  Deslongchamps.  Brachiopodes.  pag.  252.  Taf.  67—72.  73.  Fig.  1. 

1876.  Davidson.  Supplement,  pag.  123. 

1878.  Derselbe.  Supplement.  Taf.  17,  Fig.  10. 

1879.  SzAJNOCHA.  Brachiopoden  der  Oolithe  von  Baiin.  pag.  11.  Taf.  3. 

Fig.  7—8. 

1880.  ZiTTEL.  Handbuch.  I.  1.  pag.  699.  Fig.  541. 

Die  ächte  Terebratala  Phillipsii  scheint  in  EIsass-Lothrin- 
gen  selten  zu  sein. 

Die  kleine  Schale  ist  mit  2  kräftigen  Falten  an  der  Stirne 
versehen,  zwischen  welchen  eine  tiefe  Einsenkung  liegt,  der  auf 
der  grossen  Schale  ein  von  zwei  seitlichen  Falten  begrenzter 
Wulst  entspricht.  Der  frei  hinausragende  Schnabel  trägt  an 
seiner  Spitze  ein  grosses  längliches  Foramen.  Deltidium  sehr 
gross,  Arealkanten  scharf.  Schlosslinie,  sowie  die  seitlichen  Gom- 
missuren  leicht  geschwungen.  ^^ 

Länge  35—50  Millimeter,  Breite  26—35  Millimeter. 

An  englischen  Exemplaren  konnte  ich  eine  radiale  Streifung  der 
Schalen  wahrnehmen,  die  an  den  wenigen  Formen  aus  unserem  Dogger 
nicht  zu  sehen  ist. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,  e. 

Unter-Elsass:  Buchsweiler.  (Variansschlchten).  (S.  S.) 

Nachbarländer:  Wartenberg  und  Movelier  im  Berner  Jura. 
(Galcaire  roux  sableux;  Variansschichten.)  (6.  L.) 

TerebrattUa  ct.  fnaxiUata  Sow.  1825. 

Taf.  IX,  Fig.  20.  Taf.  XI,  Fig.  3,  9—10,  16—19. 

Taf.  Xn,  Fig.  9. 

1825.  SowERBY.  Mineral  conchology  of  Great-Britain.  vol.  V.   pag.  52. 

Taf.  436.  Fig.  4. 
1843.  Morris.  Gatalogue.  pag.  134. 


257 

1849.  d'Orbigny.  Prodrome,  vol.  I.  pag.  287. 

1850.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  50.  Taf.  9.  Fig.  1 — 9. 

1858.  QüENSTEDT.  Jura.  pag.  422. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  496. 

1866.  Terquem  et  Jourdy.    fitage  bathonien   du   däp.  de   la   Moselle. 
pag.  136.  167. 

1866.  J.  Delbos  und  Koechlin-Sghlumberoer.  Haut-Rhin.  pag.  334. 

1867.  OüENSTEDT.  Handbuch.  2.  Auflage,  pag.  563. 

1870.  Greppin.  Jura  bemois.  pag.  41  und  45. 

1871.  QüENSTEDT.  Brachiopoden.  pag.  408. 

1877.  Deslongchamps.  Brachiopodes.  pag.  542.  Taf.  102—106. 

Die  ächte  Terebraiula  maxillata  fehlt  in  Elsass-Lothringen 
gänzlich.  Nur  aus  dem  Bathonien  von  M^zi^res  in  den  Ardennen 
liegen  mir  einige  typische  Exemplare  dieser  Spezies  vor. 

Die  Formen,  welche  ich  hier  ausschliessen  möchte,  sind 
bedeutend  kleiner,  etwa  28 — 32  Millimeter  lang  und  25 — 28 
Millimeter  breit.  —  Beide  Schalen  sind  nur  massig  gewölbt, 
mit  der  grössten  Wölbung  etwa  in  der  Mitte  derselben. 

Die  kleine  Schale  weist  an  der  Stirne  meist  2  kräftige  Falten 
auf;  der  dadurch  in  der  Mitte  der  Stirne  entstehenden  Einsen- 
kung  entspricht  auf  der  grossen  Schale  eine  starke  Erhöhung. 

Der  gekielte  Schnabel  ist  stark  übergebogen  und  trägt 
ein  mittelgrosses  rundes  Foramen.  Das  Deltidium  ist  verdeckt, 
die  Arealkanten  sind  gerundet,  Schlosslinie  und  Commissuren 
sind  leicht  geschweift. 

Beide  Schalen  vereinigen  sich  seitlich  unter  einem  spitzen 
Winkel. 

Brachialapparat  über  ein  Drittel  der  Länge  der  kleinen 
Schale  erreichend. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,  5  und  e. 

Ober-Blsass:  Pfirt  und  Umgebung.  (Hauptrogenstein-Yarians- 
schichten).  {L.  S.  —  G.  S.) 

IL  17 


258 

Unt.er-Blsass:  Buchsweiler.  (Hauptrogensteia-Yariansschichten). 

(L.  S.  —  S.  S.  -^  U.  S.) 

Lothringen:  Amanweiler,  Monvaux  bei  Metz.  (Meißel  von 
Longwy).  (L.  S.) 

Gorze,  VernöviUe,  Gravelotte,  G6nivaux,  R6zonviiie, 
Vionyille,  Flavigny,  St.  Privat,  überhaupt  im  Vesullian  Lothringens. 

(L.  S.  —  S.  S.  —  F.  S.) 

Nachbarländer:  M^ziöres.  (Bathonien.)  (S.  S.)  Aecbte  Maxiilata- 
Formen.  Hag^ville,  Gharey  (Meurthe-et-Moselle).  (Variansschichten.) 
(L.S.)  Vögisheim  in  Baden.  (Cornbrash.)  (U.S.)  Movelier*,  Metzerlen, 
Zyfen-Seewen,  Sochhaus,  Roche-dessus,  Raugiers,  Fasswangen, 
überhaupt  im  Vesullian  des  Baseler  und  Berner  Jura.  (G.  S.  —  L.  S.) 

*  Anmerkung:  Die  Formen  von  Movelier  ganz  besonders  vermitteln 
den  Uebergang  nach  Terebralula  intermedia  Sow. 


.♦> 


TerebrattUa  longicollis.  Greppin.  1870. 

Taf.  XI,  Fig.  2—6. 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  45.  51.  353.  Taf.  6.  Fig.  7—9. 

Diese  30  Millimeter  langen  und  26 — 27  Millimeter  breiten  Formen 
scheinen  mir  nur  Abnormitäten  der  eben  erwähnten  Exemplare  der 
Terebratula  cf.  maxillata  Sow.  aus  dem  Bathonien  von  Movelier  zu 
sein.  —  Der  Schnabel  wird  bei  denselben  aussergewöhnlich  lang  und 
ragt  sehr  frei  hinaus.  Dieses  an  und  für  sich  unwesentliche  Merkmal 
gibt  unserer  Form  ein  ganz  ungewöhnliches  Aussehen. 

Greppin  selbst  hebt  ihre  nahe  Verwandtschaft  mit  den  eben  er- 
wähnten Formen  hervor.  Der  von  ihm  ausgesprochenen  Meinung:  (Jura 
bernois.  pag.  354)  «eile  ne  serait  qu*une  vari6l6  de  la  Terebratula 
maxillata,  ä  laquelle  eile  se  relie  par  ses  formes  extremes,  qu'elle 
m^rlte  d'ötre  connue»,  kann  ich  nur  beistimmen. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,  e. 

Büren.  (Bathonien.)  Movelier.  (Gouche  ä  öchinides.)  Warten- 
berg. (Galcaire  roux  sableux.)  (G.  S.)  Pfirt.  (Oberes  Vesullian.)  (L.  S.). 


259 


Terebratvla  globata.  Sow.  sp.  1825. 

Taf.  IX,  Fig.  1  —  14,  19—20.   Taf.  X,   Fig.  1  —  10,  11  —  14. 

Taf.  XI,  Fig.  15—16, 

1825.  SowERBY.  Mineral  conchology  of  Great-Britain.  vol.  V.  pag.  51. 

Taf.  436.  Fig.  1. 
1850.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  51.  Taf.  13.  Fig.  2—6. 
1852.  QuENSTEDT.  Handbuch.  pag.  471. 
1854.  Davidson.  Appendix.  Taf.  A.  Fig.  16. 

1858.  QüBNSTEDT.  Jura.  pag.  421.  Taf.  58.  Fig.  1. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  428. 

1863.  GosTER.  Brachiopodes  des  Alpes  suisses.  pag.   11.  Taf.  2  Fig.  8. 

1867.  QuENSTEDT.  Haudbuch.  2.  Auflage,  pag.  563. 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  30.  33, 

1871.  QuENSTEDT.  Brachiopoden.  pag.  412.  Taf.  50.  Fig.  26. 

1876.  Davidson.  Supplement,  pag,  135. 

1877.  Deslongchamps.  Brachiopodes.  pag.  336.  Taf.  98—101. 

1878.  Davidson.  Supplement.  Taf.  17.  Fig.  2. 

1878.  Dereelbe.  Ebendaselbst.  Taf.  17.  Fig.   18—21.  Var.  Birdlipsensis 

Walker. 
1880.  ZiTTEL.  Handbuch  I.  1.  pag.  699. 

Die  kleine  Schale  unserer  Form  ist,  wie  die  grosse,  sehr 
stark  gewölbt  und  besitzt  an  der  Stirne  2  scharfkantige  Falten. 
Der  dadurch  entstehenden  mittleren  sowie  den  beiden  seitlichen, 
in  manchen  Fällen  tiefen  Depressionen  entsprechen  auf  der 
grossen  Schale  3  schwach  ausgebildete  und  abgerundete  Er- 
höhungen. 

Der  Schnabel  ist  stark  an  die  kleine  Schale  angedrückt 
und  zuweilen  leicht  gekielt.  Das  Foramen  ist  rund  und  von 
mittlerer  Grösse.  Deltidium  verdeckt,  Arealkanten  gerundet, 
Schlosslinie  und  seitliche  Commissuren  leicht  geschwungen.  Beide 
Schalen  vereinigen  sich  seitlich  unter  einem  ziemlich  stumpfen 
Winkel. 


260 

Brachialapparat  sehr  lang,  fast  die  Hälfte  der  Länge  der 
kleinen  Schale  erreichend. 

Länge  22—25  Millimeter,  selten  mehr,  Breite  12—16 
Millimeter. 

Vorkommen;  Oberer  Dogger,  e. 

Ober-Elsass:  Pfirt  und  Umgebung.  {Hauptrogenstein  und  Variaas- 
schichten.)  (L.  S.  —  S.  S.  —  G.  S.) 

Unler-Elsass:  ßuchsweiler.  (Variansschichten.)  (L.  S.  —  U.  S. 

-  S.  S.) 

Lothringen:  Vernöville,  Rezonville,  St.  Privat,  Grave- 
lotte,  Vionville,  Gönivaux,  Fiavigny;  stets  mit  Terebratula  cf. 
maxillata  und  Terebratula  intermedia  Sow.  zusammen.  (Oberes  Vesul- 
lian,  Marnes  de  Gravelotte.)  (L.  S.  —  S.  S.  —  F.  S.) 

Nachbarlilnder:   Xonville  und  Hagöville  (Meurthe-et-Mo- 
selle).  (Variansschichten.)  (L.  S.)  Beifort.  (Variansschichten.)  (L.  S.  —  ü.  S.) 
Nieder  Weiler  und  Vögisheim  in  Baden.   (Variansschichten.)  (U.  S.) 
Les   Malettes,     Levencourt-Larg,     Schauenburg,     Metzerien, 
Cä  Soyhiöres,  Ghoindez,  Movelier,  überhaupt  im  oberen  Vesullian  und 

y*;  den  Variansschichten  des  Baseler  und  Berner  Jura.  (L.  S.  —  G.  S.) 


Terebratula  intermedia.  Sow.  1812. 
Taf.  XI,  Fig.  7-8,  11,  13— U,  17.  Taf.  XU,  Fig.  3. 

1812.  SowERBY.    Mineral  conchology  of  Great-Britain.    vol.  1.  pag.  48. 

Taf.  15.  Fig.  8. 
1832—34.  ZiETEN.  Versteinerungen  Württembergs,  pag.  52.  Taf.  39.  Fig.  3. 
1850.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  52.  Taf.  11.  Fig.  1—5. 
1852.  QuENSTEDT.  Haudbuch.  pag.  472.  Terebratula  intermedia.  Zieten? 

1858.  Derselbe.  Jura.  pag.  419.  Taf.  57.  Fig.  23.  Terebratula  intermedia. 

Zieten? 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  495. 

1866.  J.  Delbos  und  Koechlin-Schlumberger.  Haut-Rhin.  pag.  334. 


261 
1867.  QuENSTEDT.  Handbuch.  2.  Auflage,  pag.  563.  Terebratula  intermedia. 

ZiETEN? 

1869.  Brauns.  Mittlerer  Jura.  pag.  284.  Terebratula  perovalis.  Sow.  z.  Tbl. 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  46.  51. 

1871.  QuENSTfDT.  Bracbiopoden.  pag.  406.  Taf.  49.  Fig.  101.  Terebratula 

intermedia.  Zieten? 
1876.  Davidson.  Supplement,  pag.  123. 
1878.  Davidson.  Supplement.  Taf.  17.  Fig.  12. 
1880.  ZiTTEL.  Handbuch.  I.  1.  pag.  699. 

Die  gleichroässig  gewölbte,  fast  ganz  glatte  Form,  —  nur 
in  ganz  seltenen  Fällen  ist  eine  leichte  Faltung  oder  ein  kaum 
angedeuteter  Wulst  an  der  Stirne  vorhanden,  —  wird  bei  uns 
30 — 35  Millimeter  lang  und  25  —  30  Millimeter  breit. 

Der  Schnabel  ist  kaum  übergebogen,  das  Foramen  rund 
und  gross,  das  Deltidium  klein,  aber  deutlich. 

Schlosslinie  und  Commissuren  fast  gerade,  seitliche  Ver- 
einigung beider  Schalen  unter  einem  spitzen  Winkel. 

Brachialapparat  kurz. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger  8  und  s. 

Ober-Elsass:  Pfirt  und  Umgebung.  (Hauptrogenstein  und 
Variansßchichten.)  (L.  S.  —  G.  S.) 

Unter-Elsass:  Buchsweiler.  (Hauptrogenstein  und  Yarians- 
schichten.)  (L.  S.  —  ü.  S.  —  S.  S.) 

Lothringen:  Amanweiler,  Monvaux  bei  Metz.  (Hergel  von 
Longwy.)  (L.  S.) 

(Ueber  die  Aechtheit  dieser  letzteren  Formen  bin  ich  noch  im 
Zweifel.) 

Gorze,  Vernöville,  Gravelotte,  Gönivaux,  R6zonville, 
Vionville,  Flavigny,  St.  Privat,  überhaupt  im  oberen  VesuUian 
Lothringens  mit  den  beiden  vorher  beschriebenen  Arten  zusammen. 
(L.  S.  —  S.  S.  —  U.  S.  —  F.  S.) 

Nachbarländer:  Hagäville  (Meurthe-et-Moselle).  (Yarians- 
schichten.)  (L.  S.) 


•  '  f 


r«v     . 


262 


YOgisheim  und  Niederweiler  in  Baden.  (Variansschichten.) 
(ü.  S.) 

Movelier,  Metzerlen,  Soyhiöres,  Sochhaus,  Roche-dessus, 
Rangiers,  Fasswangen,  überhaupt  im  obern  YesuUian,  und  den 
Variansschichten  des  Baseler  und  Berner  Jura.  (L.  S.  —  6.  S.) 


t 


t 


TerebrattUa  Ferryi  Deslongchamfs.  1860. 

Taf.  XII,  Fig.  7—8. 

1 860.  Deslongghamps.  Notes  sur  T^tage  bajocien  des  environs  de  Mäcon. 

Mäm.  Soc.  linn.  de  Normandie.  vol.  XII.  pag.  35. 
1 862.  Derselbe,  fitudes  critiques  sur  des  brachiopodes  nouveaux  ou  peu 

connus.  3.  pag.  26.  Taf.  5.  Fig.  1—4. 
1871.  QüENSTEDT.  Brachiopoden.  pag.  412.  Taf.  50.  Fig.  25.  Terebratula 

bullata  QuENSTEDT,  non  Sowerby.  2  Tbl. 
1877.  Deslongghamps.  Brachiopodes.  pag.  332.  Taf.  96. 

Beide  Schalen  stark  gewölbt;  die  kleine  Schale  an  der 
Stirne  mit  2  scharfkantigen  bis  über  die  Hälfte  der  Schale 
hinaufreichenden  Falten  versehen.  Die  dazwischen  liegende  Ein- 
senkung  ist  sehr  tief. 

Die  grosse  Schale  weist  3  Falten  auf,  von  denen  die  mitt- 
lere bedeutend  stärker  entwickelt  ist  und  höher  gegen  den  Wirbel 
zu  hinaufreicht,  als  die  beiden  seitlichen,  welche  weniger  scharf- 
kantig sind.   Die  dazwischen  liegenden  Einsenkungen  sind  tief. 

Der  oftmals  etwas  gekielte  Schnabel  ist  massig  auf  die 
kleine  Schale  herabgebogen  und  verdeckt  meist  das  Deltidium. 
Das  Foramen  ist  von  runder  Gestalt,  nur  bei  ganz  stark  ge- 
wölbten Formen  wird  es  länglich. 

Länge  26  Millimeter,  Breite  22—23  Millimeter. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,  s. 

Unter-Blsass:  Buchsweiler  (Hauptrogenstein  und  Varians- 
schichten). (L.  S.  —  S.  S.  —  ü.  S.) 


263 

Lothringen:  Im  dorligen  oberen  Yesullian  mit  den  vorher  be- 
schriebenen 3  Arten  an  fast  allen  Fundorten  derselben  zusammen. 


Terebratula  I/utzU*  nov.  sp. 

Taf.  XII,  Fig.  5—6. 

Die  beiden  Schalen  sind  stark  gewölbt.  Auf  der  kleinen 
Schale  sind  2  scharfkantige,  bis  zum  Wirbel  reichende  Falten 
vorhanden.  Die  in  der  Mitte  derselben  befindliche  Einsenkuug 
ist  sehr  tief.  Die  3  auf  der  grossen  Schale  befindlichen  Falten 
sind  gerundet  und  die  mittlere  derselben  setzt  sich  bis  in  den 
eigenthümlich  spitz  auslaufenden  Schnabel  fort.  Letzterer  ist  auf 
die  kleine  Schale  angedrückt,  kräftig  entwickelt  und  mit  einem 
länglichen,  mittelgrossen  Foramen  versehen. 

Brachialapparat  etwa  bis  zum  Drittel  der  kleinen  Schale 
reichend. 

Länge  32—37  Millimeter,  Breite  20—22  Millimeter. 

Es  ist  wahrscheinlich,  dass  diese  Art  sich  aus  Terebratula  Ferryi 
entwickelt  hat.  Ihr  Vorkommen  scheint  mit  ganz  wenigen  Ausnahme- 
fällen, bei  denen  es  sich  um  Formen  handelt,  welche  eben  den  Ueber- 
gang  nach  Terebratula  Ferryi  vermitteln,  ein  ganz  lokales  und  auf  die 
oberen  Yesullian-  und  die  Variansschichten  von  ßuchsweiler  beschränkt 
zu  sein.  Ihr  lokales  Vorkommen  und  ihr  ganz  eigenthQmliches  Aussehen 
scheinen  mir  die  eigene  Benennung  dieser  Varietät  aus  der  Biplicaten- 
gruppe  zu  rechtfertigen. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,  e. 

Buchsweiler  (Grenze  des  oberen  Vesullian  und  der  Varians- 
schichten). (L.  S.  —  S.  S.  —  ü.  S.) 

Nachbarländer:  Hagöville  (Meurthe  -  et  -  Moselle).  (Varians- 
schichten.) (L.  S.) 


*  Diese  Art  widme  ich  meinem  alten  Freunde,  Herrn  Dr.  med.  Lutz   in 
Göppingen  (Württemberg),  einem  eifrigen  Verehrer  der  geologischen  Wissenschaft. 


TerOtratula  Flelacheri  Oppel.  1859. 

Taf.  IX,  Fig.  15  —  18;  Taf.  X,  Fig.  18—19. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  497  und  die  Abbildungea  hierzu  in 
1850.  Davidson.  Oolltic  and  liasic  brachiopoda.  Taf.  13.  Fig.  7. 
1876.  Davidson,  Supplement,  pag.  137. 

1878.  Derselbe.  SupplemeDl.  Taf.  17.  Fig.  2. 

1879.  SzAJNOCHA.  Brachiopodea  der  Oolithe  voa  fiallD.  pag.  10.  Taf.  i. 

Fig.  2-6. 

Terebraiula  Fleisckeri  hat  Oppel  die  mehr  in  die  Breite 
gezogenen,  weniger  aufgebläbten  Formen  der  Terebraiula  glohata 
Sow.  genannt.  Die  Falten  sind  auf  beiden  Schalen  nur  schwach, 
oftmals  kaum  angedeutet,  der  Schnabel  ragt  freiei  hinaus,  als 
bei  den  ächten  GIobata-Fonnen  und  das  Deltidium  ist  meist 
nicht  oder  nur  zum  Theil  verdeckt.  Das  Foramen  ist  stets  rund. 

Länge  27—30  Millimeter,  Breite  23—29  Millimeter. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,  t. 

Ober-Blsass:  Pfirt  und  Umgebung  (Variansechichten).  (L.  S.  — 
S.  S.  —  U.  S.  —  G.  S.) 

Unler-Blsass:  Bucbsweiler  und  Umgebung  (Hauplrogeastein 
und  Variaossehichlen).  {L.  S.  —  S.  S.  —  l.  S.) 

Nachbarländer:  Voegisheim  und  Niederweiler  in  Baden 
(Variansschichten).  (L  S.)  Todtweg,  Metzeico,  Movelier,  Oberhaupt  in 
den  Variansschichlea  des  Baseler  und  Berner  Jiira.    (L.  S.  —  G.  S.) 

Hier  mag  der  andern  Varietät,  welche  Oppel  von  Terebraiula  glo- 
bata  abgeschieden  und  welche  er  Terebraiula  clyptUha  genannt  bat, 
Erwähnung  gethan  werden.  Sie  ist  kleiner,  schlanker  und  weniger  auf- 
gebläht als  Terebraiula  globala;  ihre  Dimensionen  üiud  viel  geringere 
als  diejenigen  der  Terebraiula  Fleisckeri.  (Cf.  Oppel.  Jura.  pag.  496, 
Taf.  X,  Fig.  15  —  17,  Fig.  20,  welche  einige  von  Oppel's  Originalesem- 
plaren  darstellen.) 

Sie  fehlt  in  Elsass  und  Lothringen  wahrscheinlich  ganz. 

Bei  Vccgishcim  Bndet  sie  sich  jedoch  häufiger,  ebenso  im  östlichen 
Theil  des  Schweizer  Jura,  stets  in  den  Variansschichleo. 


265 


Terebratula  BenUeyi  Davidson-Morris.  1860. 

Taf.  XI,  Fig.  1. 

1850.  Datidson.     Oolitic  and  liasic  brachiopoda.    pag.   58.    Taf.    13. 

Fig.  9-lt. 
1852.  QüENSTEDT.  .Handbuch,  pag.  456.  Taf.  37.  Fig.  21.     Terebratula 

coarctata*  Sow. 
1854.  Derselbe.  Appendix,  pag.  19. 

1858.  QüENSTEDT.  Jura.  pag.  495.  Taf.  66.  Fig.  24. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  93. 

1867.  QüENSTEDT.  Handbuch.  2.  Auflage,  pag.  554.  Taf.  47.  Fig.  21.  Te- 
rebratula coarctata  Sow. 

1871.  QüENSTEDT.  Brachiopoden.  pag.  274.  Taf.  44.  Fig.  135—136.  Te- 
rebratula coarctata  Ixvis  Quenst. 

1877.  Deslongchamps.  Brachiopodes.  Taf  97.  Fig.  1. 

1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  141.  Taf  25.  Fig.  4. 

1879.  Szajnocha.  Brachiopoden  der  Oolithe  von  Baiin.  pag.  13.  Taf.  4. 

Fig.  1—2. 

Von  dieser  in  Elsass-Lothringjen,  wie  es  scheint,  äusserst 
seltenen  Form  liegt  mir  nur  ein  einziges  Exemplar  aus  den 
Variansschichten  von  Buchsweiler  vor.  Es  ist  zwar  weniger  breit 
und  etwas  schlanker,  als  die  ächte  Terebratula  BenÜeyi^  gehört 
aber  jedenfalls  dazu. 

Länge  21  Millimeter,  Breite  19  Millimeter. 


Sohlussbemerkungen  bezuglich  der  zwischen  den  Terebratula -Arten  des 

Lias  und  Dogger  bestehenden  Beziehungen. 

lieber  die  Verwandtschaften  zwischen  den  liasischen  Arten  lässt 
sich  bei  der  geringen  Zahl  unserer  Arten  Nichts  sagen. 

Auch  bei  den  Formen  aus  dem  unteren  Dogger  kann  man  eine 
nähere  Zusammengehörigkeit  nicht  sicher  nachweisen,  wennschon  auch 
manche  Exemplare  der  Terebratula  infraoolithica  gewissen  Formen  von 
Terebratula  perovalis  nahe  zu  stehen  scheineu.  Auffallend  ist  jedenfalls 


266 

die  eigenthamliche  Aehnlichkeit  des  Jugendzustandes  dieser  letzteren 
Spezies  mit  den  meisten  Biplicaten  aus  dem  oberen  Dogger,  wie  schon 
bei  Gelegenheit  der  Beschreibung  von  Terebratula  perovalis^  pag.  251, 
hervorgehoben  wurde. 

Die  Schwierigkeiten  der  Trennung  in  einzelne  Spezies  steigern 
sich  aber  ganz  bedeutend,  sobald  man  es  mit  den  Biplicaten-Formen  aus 
dem  oberen  Dogger  zu  thun  hat,  bei  deren  Trennung  der  individuellen 
Willkür  ein  so  grosser  Spielraum  gelassen  ist. 

Alle  Arten  aus  diesen  Horizonten,  wie  Terebratula  cf.  maxillala 
Sow.,  Terebratula  intermedia  Sow.,  Terebratula  globata  Sow.,  Tere- 
bratula Fleischeri  Oppel,  Terebratula  Ferryi  Desl.  und  Terebratula 
Lutzii  nov.  sp.  (ev.  auch  Terebratula  Phillipsii  Morris)  sind  durch 
Mittelformen  so  enge  mit  einander  verbunden,  dass  eine  genaue  Abgren- 
zung der  einzelnen  Spezies  kaum  ausführbar  ist. 

Die  Gleichheit  der  Jugendformen  wurde  schon  hervorgehoben. 
Bcmerkenswerth  ist  noch  der  Umstand,  dass  bei  solchen  Jugendformen, 
die  sich  zum  ächten  Globata  -  Typus  herausbilden,  die  Wölbung  der 
Schalen  und  der  Fältelung  derselben  sich  schon  frühe  geltend  macht. 

Taf.  IX— XU  veranschaulicht  wohl  besser,  als  jede  lange  Be- 
schreibung, diese  verschiedenen  Mittelformen;  eine  mir  gerade  hier  be- 
sonders aufgefallene  Thalsache  mag  aber  noch  Erwähnung  finden. 

Bei  den  mehr  zur  Terebratula  intermedia  hinneigenden  Formen 
bleibt  der  Schnabel  meist  schlank,  das  Foramen  rundlich  und  das  Del- 
tidium  unverdeckt,  gross  und  breit.  Bei  den  stärker  gefalteten  Formen 
dagegen  biegt  sich  der  Schnabel  auf  die  kleine  Schale  herab  und  verdeckt 
das  Deltidium,  welches  in  Folge  der  Ausbildung  des  Schnabels  schmäler 
|,  und  länglicher  wird.    Das  Foramen  nimmt  dann  stets  eine  ovale  Gestalt 

^'i  an.  Je  mehr  die  Form  sich  wölbt  und  je  stärker  deren  Falten  werden, 

um  so  auffallender  tritt  dies  Verhalten  hervor.    Ein  gutes  Beispiel  hier- 
für liefern  die  Mittelformen  zwischen   Terebratula  Ferryi  und  ihrer 
1  ^  Varietät,  der  Terebratula  Lutzii  nov.  sp. 

Bcmerkenswerth  sind  auch  jene  Formen  der  Terebratula  inter- 
media^  bei  welchen  der  schlanke  Schnabel  und  das  grosse  frei  liegende 
Deltidium,  sowie  das  runde  Foramen  mit  seinem  etwas  wulstig  hervor- 
stehenden Unterrande  die  nahen  Beziehungen  zu  Terebratula  Phillipsii 
nicht  verkennen  lassen. 


t-  i 


i  1 


267 


~  ■  ■ 


o 


s 

m 

1^ 


I 


'SHOH-'ATa 


*d8  'Aon 


•MOS  »l»2 


•MOS 
vf2va<M»(fo2n;oa4949^ 


O 


13 
«8 


PI 
«8 


»4 


'S 

«8 
Eh 


•MOS  »?P 
'9mU9ptf  VinfVUq9A9X 


'MOS 

»;0902^  t)2n;o4^49^ 


•MOH  it# 


•xjiTicioaa 
X9idmt9  vjnp9Jiq9u»x 


-fa;i»A  0fnfvjui9j9x 


*H«OH  O9027?2>WM 


-oovu/uf  ointvjtq9j9j; 


*MOS 


'saHiDH  "P 
-jfiooqn*  vinjvjq9Mj, 


«0 

^3 


J. 

1 

2 

1 

O 

o 

o 

s 

H 

> 
«a 

• 

.3 

Q 

3 

■ 

• 

a 

5 

1 

a 

1 

> 

l 

a 

ua 

M 

• 

ua 

v^ 

a 

1 

o 

3 
1 

S 

ja  t» 

n 

ja 

1 

9 

«a 
a 

o 

•  • 
o 

1 

2 

3 
s 

2 

1 

a 
Sä 

• 

i 

3 

• 

1 
1 

e 

« 

1 

a 

>" 

o 

P 

m 

(S 

s 

fiQ 

o 

ü 

» 

^ 

^3 

PQ 

O 

o 
a 

JS 

dS 

a  • 


•xoaxtKXiit)  q9«K 


■ 

u 


• 

• 

• 

• 

• 

• 

• 

X 

OQ. 

• 

» 

0 

•^ 

•^ 

• 

•-> 

•-> 

M 

• 

1« 

• 

n 

•-> 

S 

& 

i 

8 

1^ 


• 

>- 

OQ. 

8 

a 

h^ 

^ 

3 


•aoi^vmio^ 


'j  a  9  9  o  d 


•t  »  I  1 


•2  1 
S  & 

«    u 
»  J 

5  t 

•  d 
d   « 

a 

3  'S 
d  m 

(•  a. 


I 


Waldheitnia,  King  1859. 


Die  Waldheimien  des  Lias. 

Waldlicimia  perforata  Piette  sp. 
Waldheimia  cor.  Lamarck  sp. 
Waldlteimia  cf,  eornula  Sow.  sp. 
{Waldheimia  cf.  Mariae  d'Orbigmv  Bp.) 
Waldheimia  nvmismatis  Laharck  sp. 
,  Waldheimia  subnumismalis  Davidson. 

Waldheimia  Walerhousii  Davidso:*. 
Waldheimia  resupinata  Sow.  ep. 
Waldheimia  iiidenlala  Sow.  sp. 
Waldheimia  Sarthacensis  »Ohbignv  sp. 

Waldfietmta  (ZeiUeria)  perfora/ta  PunrE  sp. 
Taf.  XIU,  Fig.  1—3. 

1S56.  Piette.  Note  sur  les  gras  d'Aiglemont  et  de  Ramoigae.  {Bulletin 
de  la  Sociätä  göologique  de  France.  2*  sähe.  t.  13.  pag.  180. 
Taf,  20.  Fig.  !,) 

1832—34.  ZiETEN.  Versleineningea  Württembergs,  pag.  53.  Taf.  39. 
Fig.  9.  Tertbraiula  marsupialis  Zieten. 

1849.  d'Ohbigny.  Prodrome,  pag.  221.  Terebratula  marsupialis  Zieten. 

1858.  QuENSTEDT.  Jura.  pag.  50.  Taf.  4.  Fig.  21.  Terebratula  psiloiwli 

QUENSTEDT. 

18G0.  Martin.  Paläontologie  slratigraphique  de  rinfira-liae  de  la  Bour- 
gogne.  (Mämoires  de  la  Soci^tö  g£otogique  de  France.  2*s£rie. 
'.  M  t.  7.  pag.  90.  Taf.  7.  Fig.  S"»"-  11.)  Terebratula  stranifulata 

f  ul  Martin. 

1861.  Oppel.  BracbiopodcD  des  uoteren  Lias.  pag.  531. 


i 


269 

1863.  Deslongchamps.  Brachiopodes.  pag.  73.  Taf.  9.  Fig.  1—5.  Taf.  23. 

Fig.  1—3. 
1865.  Terquem  et  Piette.    Le  Lias  införieur   de  TEst  de  la  France. 

(Mömoires   de    la  Soci^tö  gäologique   de  France.    2**  s6rie. 

t.  8.  pag.  115.) 
1869.  R.  Täte.  Geological  Magazin,  vol.  6.  Decbr.  1869. 
1871.  Quenstedt.  Brachiopoden.  pag.  329.  Taf.  46.  Fig.  58.  Terebratula 

psilonoti  Quenstedt. 
1871.  Brauns.  Unterer  Jura.  pag.  419. 

1876.  R.  Täte.  The  Yorkshire  Lias.  pag.  418.  Taf.  15.  Fig.  10-11. 
1878.  DAvrosoN.  Supplement,  pag.  164.  Taf.  24.  Fig.  1—3.  (5?) 

Kleine  Schale  nur  massig  gewölbt  und  fast  ganz  glatt, 
ohne  jede  Falten. 

Die  grosse  Schale  meist  weniger  gewölbt,  als  die  kleine, 
ebenfalls  glatt.  Der  Schnabel  ist  nur  wenig  übergebogen  und 
mit  einem  etwas  länglichen  Foramen  von  mittlerer  Grösse  ver- 
sehen. Das  Deltidium  finde  ich  umfassend,  während  Davidson 
anführt,  dasselbe  sei  discret  (cf.  auch  Deslongchamps,  Brachio- 
podes, Taf.  9,  Fig.  5  a).  Arealkanten  sehr  scharf.  Schlosslinie 
und  Commissuren  gerade.  Stirnlinie  nicht  gebuchtet.  Beide 
Schalen  meist  mit  concentrischen  Anwachsstreifen  versehen. 

Brachialapparat  fast  den  Stirnrand  berührend. 

Länge  15—20  Millimeter,  Breite  11  —  16  Millimeter. 

Hierher  rechne  ich  auch  Formen,  die  fast  eben  so  lang  wie  breit 
sind,  deren  ganzer  Habitus  jedoch  an  Waldheimia  perforata  erinnert, 
während  zugleich  auch  Beziehungen  zu  Waldheimia  cor.  Lamarck  zu 
bestehen  scheinen. 

Vorkommen:  Unterer  Lias,  a. 

Unter-Elsass:  Hochfelden,  Zinsweiler.  (Gryphitenkalk.)  (S.  S.) 
Mühlhausen  (diluvia]).(L.  S.)  Bahneinschnitt  hei  Buchsweiler.  (Angu- 
latusschichten.)  (L.  S.) 


■  •  ■.  • 


» - .- 


270 

Lothringen:  Peltre,  Grigy  und  Grimont  bei  Metz.  (Brevis- 
schichten.)  (L.  S.  —  F.  S.)  Magny.  (Gryphitenkalk.)  (L.  S.) 

Nachbarländer :  Prattein  bei  Basel.    (Gryphitenkalk.)    (G.  S.) 
L ebener  Berg  bei  Freiburg  i.  B.  (Unterer  Lias  a.)  (G.  S.) 


'• .  i) 


*♦     T    • ' 


I 


«1 


Waldhelfnia  (Zeüleria)  cor.  Lam arck  sp.  1819. 
Taf.  Xm,  Fig.  8,  11  —  17,  19,  20-23,  26—27. 

1819.  Lamargk.  Animaux  sans  vert^bres.  vol.  6.  pag.  249.  N"^  22.  Tere- 

bratula  cor.  Lamargk. 

1836.  Derselbe.   2.  Auflage,   vol.  7.  pag.  336.  N*  22.    Terebratula  cor, 

Lamargk. 

1843.  QuENSTEDT.  FlOzgebirge.  pag.  136.  Terebratula  vicinalis  Sghl. 

1849.  d'Orbigny.  Prodrome,  vol.  1.  pag.  221. 

1851.  Chapuis  et  Dewalque.     Terrains  secondaires  du  Luxembourg. 

pag.  241.  Taf.  36.  Fig.  2.  Terebratula  causoniana  d'Orbigny. 

1852.  QuENSTEDT.   Handbuch.  pag.  467.  Taf.  37.  Fig.  26.    Terebratula 

numismalis  inßata  Quenst. 
1855.  Terquem.  Paläontologie  de  la  Moselle.  pag.  16.   Terebratula  cor- 

nuta  Sow.  2.  Thl. 
1855.  Derselbe.  Ebendaselbst,  pag.  16.  Terebratula  numismalis  Laiiarck. 

2.  Thl. 
1858.  Quenstedt.  Jura.  pag.  75.  Taf.  9.  Fig.  4—6.  Terebratula  vicinalis 

arietis  Quenst. 

1858.  Derselbe.  Ebendaselbst,  pag.  99.  Taf.  12.  Fig.  8—9,  11.   Terebra- 

tula vicinalis  betacalois  Quenst. 
1859»  Oppel.  Jura.  pag.  107.  Terebratula  causoniana  d'Orbigny. 

1859.  Derselbe.   Ebendaselbst,   pag.   107.    Terebratula  cf.  numismalis 

Lamargk. 
1861.  Oppel.  Brachiopoden  des  unteren  Lias.  pag.  533. 
1861.  Derselbe.  Ebendaselbst,  pag.  533.  Terebratula  (Waldheimia)  sp. 

indeßnita, 
1861.  Derselbe.  Ebendaselbst,  pag.  534.  Terebratula  Fraasi  Oppel  (Wald- 

heimiaj, 
1861.  Derselbe.  Ebendaselbst,  pag.  532.   Terebratula  Pietteana  Oppel. 

(Waldheimia). 


k.^ 


271 

1861.  Derselbe.    Ebendaselbst,    pag.   532.    Terebratula  arietis   Oppel. 

(WaldheimiaJ 
1863.  Deslongghamps.    Brachiopodes.   pag.  78.   Taf.  9.  Fig.  7.   Taf.  10. 

Taf.  11.  Waldheimia  cor.  Lamarck.  Z.  Thl. 
1863.  Derselbe.   Ebendaselbst,    pag.  100.   Taf.  20.    Waldheimia  Mariae 

d'Orbigny.  2.  Thl. 
1865.  T£RQU£M  et  Piette.  Lias  införieur  de  TEst  de  la  France,  pag.  115. 

Terebratula  Causoniana  d'Orbigny. 
1867.  QuENSTEDT.  Handbuch.  2.  Auflage,  pag.  558.  Terebratula  vicinalis 

QuENST.  (Terebratula  numis7nalis  inflata  Qüenst.) 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  22.  24.  (?) 

1871.  QuENSTEOT.  Brachiopoden.  pag.  316  und  folgende.   Taf.  46.  Fig. 

4—11,  13—21.  Terabratula  vicinalis  a,  ß  Qüenst.  etc. 
1871.  Brauns.   Unterer  Jura.   pag.  420.  Terebratula  (Waldheimia)  cor. 

Lamarck.  2.  Thl. 
1878.  Davidson.  Supplement.  Taf.  21.  Fig.  9.?  Waldheimia  nvmismalis 

Lamarck  sp. 
1880.  Zittel.  Handbuch.  1.  1.  pag.  703. 

Diese  etwa  herzförmig  gestaltete  Art  ist  in  der  Wirbel- 
gegend meist  flach,  an  der  Stirne  dagegen  stark  gewölbt.  An 
der  Stirn  befindet  sich  eine  verschieden  tiefe  Einsenkung. 

Der  Schnabel  der  grossen  Schale  ist  sehr  klein  und  ragt 
frei  hinaus.  Foramen  klein.  Deltidium  breit.  Arealkanten  scharf. 
Schlosslinie  und  Commissuren  gerade.  Vereinigung  beider  Schalen 
unter  einem  spitzen  Winkel.  Beide  Schalen  meist  mit  zierlichen 
Anwachsstreifen  versehen.  Brachialapparat  sehr  lang,  fast  die  Stirne 
erreichend.  Muskel-  und  Gefässeindrücke  deutlich  wahrzunehmen. 

Länge  25—27  Millimeter,  Breite  24—26  Millimeter. 

Die  Exemplare  aus  dem  unteren  Lias  sind  verhältnissmässig  kleiner 
als  diejenigen  aus  dem  mittleren  Lias,  oftmals  auch  viel  länger,  als 
breit  und  weniger  aufgebläht  an  der  Stirne. 

Vorkommen:  Unterer  und  mittlerer  Lias,  a — f, 

Unter-Elsass:  Waidenheim,  Buchsweiler.  (Angulatusschich- 
ten.)  (S.  S.  —  L.  S.)  Mühlhausen,  Uhrweiler.  (Mittlerer  Lias.)  (S.  S.) 


i 


272 

Lothringen:  Port  Queuleu  bei  Melz,  Haute-  und  Basse- 
B^Toie,  ebenda,  Tragny,  Börchingen^Monlerchen,  Cheminot, 
St.  Jure,  Luppy,  Schell,  Solgne,  Leiser  Hof,  Courcelles,' Magoy. 
(DaToeischichten).  (L.  S.  —  F.  S.) 

Nachbarländer:  Pratteln,  Nieder- BOI eben,  Cornol,  im 
Schweizer  Jura.  (Grypbitenkalk.)  {G.  S.)  Hasael  und  Mondorf  in 
Luxemburg.  (Grypbitenkalk.)  (L.  S.) 

Anmerkung:  leb  schlieese  mich  hier  ganz  der  von  Deslong- 
CHAUPS  ausgesprocheneu  Ansicht  au,  dass  die  Formen  aus  dem  unleren 
und  diejenigen  aus  dem  mittleren  Lias  zu  einer  und  derselben  Spezies 
geboren,  da  sie  in  den  meisten  Fallen  nicht  von  einander  zu  unter- 
scheiden sind.  Die  breiten  Formen  unserer  Art  finden  sich  allerdings 
nur  in  den  Davoeischichten,  die  schlankeren  Fonaen  finden  sieb  aber 
sowohl  im  unteren,  als  auch  im  mittleren  Lias. 

QuENSTEST  hat  die  Formen  aus  dem  unteren  Liae  Terebratuta 
vicinalis  artetü,  beiacakis  etc.  genannt.  Dieser  Name  ist  aber  nicht 
haltbar,  da  derselbe  schon  von  Schlotueih  vergeben  wurde,  {cf.  L.  v.  Buch. 
Ueber  Terebratelu  etc.  pag.  85.) 


Waldheimia  (Zeüleria)  cf.  cornufu  Sow.  sp.  1825. 
Taf.  Xin,  Fig.  25. 

1825.  SowEHBT.  Mineral  concbology  of  Great-Brilain.  vol.  V.  pag,  66. 

Taf.  4J6.  Fig.  11. 
1834.  Buch.  Ueber  Terebratelu  ek.  pag.  85.  Terebratula  viänalis  Buch, 

non:  Terebratula  vicinaUs  Schloth.  2.  Tbl. 
1835—36.  BtBHER.  Norddeutsches  Oolilbengebirge.  pag.  47.  Terebratula 

vicinalis  Buch. 
1837.  Bronn.  Lethaja  geognostica.  pag.  300.  Taf.  18.  Fig.  10. 

1848.  Derselbe.  Index  palaeontologicus.  pag.  12.  33.    Terebratula  vici- 

nalis Buch. 

1849.  d'Orbignt.  Prodrome.  voL  1.  pag.  240. 

1849.  Derselbe.    Ebendaselbst,    vol.   1.    pag.   240.     Terebratula   Marix 
d'Ohbigny. 


273 

1850.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  29.  Taf.  3.  Fig.  11—18. 
1852.  QüENSTEDT.  Handbuch,  pag.  467. 

1858.  QuENSTEDT.  Jura.  pag.  180.  Taf.  22.  Fig.  15—16. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  183. 

1862.  Deslongghamps.  fitudes  critiques  sur  des  Brachiopodes  nouveaux 

ou  peu  coanus.  pag.  265. 

1863.  Deslongghamps.  Brachiopodes.  pag.  95.  Taf.  17—19. 

1863.  Derselbe.  Ebendaselbst,  pag.  100.  Taf.  20.  Fig.  1—7.  Terebratula 
{Waldheimia)  Mariae  d'Orbignt. 

1863.  Schl(£nbach.  Der  Eisenslein  des  mittleren  Lias  etc.  pag.  550. 

1864.  Seebagh.  Hannoverscher  Jura.  pag.  75. 

1867.  QuENSTEDT.  Handbucb.   2.  Auflage,  pag.  558.   Taf.  47.   Fig.  26. 

Terebratula  numismalis  8  Quenstbdt. 
1869.  DuMORTiER.  Depots  jurassiques  du  bassin  du  Rhone.  IIL  pag.  327. 
1871.  QuENSTEDT.  Brachiopoden.  pag.  310.  Taf.  45.  Fig.  126. 
1871.  Brauns.  Unterer  Jura.  pag.  423. 
1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  158.  Taf.  21.  Fig.  19. 
1880.  Ghoffat.  £tude    stratigraphique  et  palöontologique  des  terrains 

jurassiques  du  Portugal.  L    Le  Lias  et  le  Dogger  au  Nord 

du  Tage.  pag.  9. 
1880.  ZiTTEL.  Handbuch.  I.  1.  pag.  703. 

Mit  der  ächten  Sowerby*schen  Waldheimia  cornuta  stimmen  die 
Blsass-Lothringer  Vorkommnisse  nicht  ganz  Oberein.  Doch  stelle  ich 
letztere  hierher,  da  sie  von  Waldheimia  cornuta^  mit  welcher  sie  noch 
verglichen  werden  könnten,  sich  noch  weiter  entfernen. 

Ein  grosses,  wenn  auch  leider  schlecht  erhaltenes  Exemplar  dieser 
Formen  zeigt  Taf.  XHI,  Fig.  25. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  S. 

Herzweiler,  Silzklamm  bei  Dhrweiler  im  Unter-Blsass. 
(Costatusschichten.) 

In  der  städtischen  Sammlung  befinden  sich  einige  wenige  Stücke 
aus  dem  mittleren  Lias  mit  der  Etiquette  «Meurthet,  welche  zu  der- 
jenigen Varietät  der  Waldheimia  cornuta  gehören,  die  d  Orbignt  wegen 
ihrer  aufgeblähteren  Form  und  ihrer  weniger  gebuchteten  Stirnlinie 
Terebratula  Mariae  genannt  hat.  (cf.  Taf.  XIV,  Fig.  2.) 

n.  18 


^'. 


274 


WoMheimia  (Zeüleria)  numismalts  Lamarck.  1819. 

Taf.  Xm,  Fig.  4-7,  9  —  10,  26. 


1 


.  .j 


V 


3   4 

4  • 


1819.  Lamarck.  Animaux  sans  vert^bres.  vol.  \1.  N°  22. 

1832—34.  ZiETEN.    Versleiaerungen   Württembergs,    pag.  52.    Taf.  39. 

Fig.  4. 
1834,  Buch.  Ueber  Terebrateln  etc.  pag.  84. 
1836.  Lamarck.  Animaux  sans  vert^bres.  2.  Auflage,  vol.  VIL  N"*  22. 
1843.  QuENSTEDT.  Flözgebirge.  pag.  183 — 84. 

1849.  d'Orbigny.  Prodrome,  vol.  L  pag.  240. 

1850.  Davioson.    Oolotic    and    liasic    bracbiopoda.    pag.    37.    Taf.    5. 

Fig.  4—9. 

1852.  QuENSTEDT.  Handbucb.  pag.  466.  Taf.  37.  Fig.  26—28. 

1853.  ÜPPEL.  Mittlerer  Lias.  pag.  69. 

1855.  Terquem.  Paläontologie  de  la  Moselle.  pag.  16. 

1858.  QUENSTEDT.  Jura.  pag.  142.  Taf.  17.  Fig.  37—46. 

1859.  ÜPPEL.  Jura.  pag.  185. 

1863.  ScHLOENBACH.  Der  Eisenstein  des  mittleren  Lias  etc.  pag.  549. 
1863.  Deslongchamps.  Brachiopodes.  pag.  83.  Taf.  5.  Fig.  14.  Taf.  9. 
Fig.  5.  Taf.  12.  Fig.  4—6.  Taf.  13.  Taf.  14.  Fig.  1—5. 

1863.  Güster.  Bracbiopodes  des  Alpes  suisses.  pag.  28. 

1864.  Seebach.  Hannoverseber  Jura.  pag.  75. 

1867.  QUENSTEDT.  Haudbuch.  2.  Auflage,  pag.  557.  Taf.  47.  Fig.  26—28. 

1870.  Greppin.  Jura  bemois.  pag.  22.  24. 

1871.  QuENSTEDT.  Brachiopodcn.  pag.  302.  Taf.  45.  Fig.  93—121. 


275 

1871.  Brauns.  Unterer  Jura.  pag.  421. 

1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  162.  Taf.  21.  Fig.  8—9. 

1880.  Ghoffat.  £tude  stratigraphique  et  palöontologique  des  terrains 

jurassiques  du  Portugal.  I.     Le  Lias  et  le  Dogger  au  Nord 

du  Tage.  pag.  9.  12. 
1880.  ZiTTEL.  Handbuch  I.  1.  pag.  703. 

Flache,  wenig  aufgeblähte  Form  von  gleicher  Länge  und 
Breite.  (22 — 25  Millimeter.)  Sehr  feiner  mit  kleinem  und  rund- 
lichem Foramen  versehener  Schnabel.  Breites  Deltidium.  Areal- 
kanten scharf.  Schlosslinie  und  Gommissuren  gerade.  Seitliche 
Vereinigung  beider  Schalen  unter  spitzem  Winkel.  Beide  öfters 
mit  Anwachsstreifen  versehen. 

Stirnlinie  mitunter  leicht  gebuchtet.  Brachialapparat  sehr 
lang,  fast  bis  zur  Stirne  reichend. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  y.* 

Unter-Elsass:  Bossendorf  bei  Hochfelden;  MQhlhausen. 
(Numismalismergel.)  (L.  S.  —  S.  S.)  Mühlhausen  (diluvial).  (L.  S.) 

Lothringen:  Malroy  und  Ghielles  bei  Metz.  (Numismalis- 
mergel.) (L.  S.  —  F.  S.) 

Nachbarländer:  Zeutern-Oestringen  bei  Langenbrücken 
in  Baden.  (Numismalismergel.)  (L.  S.)  Vaufrey,  Rütehardt  im  Schwei- 
zer Jura.  (Numismalismergel.)  (6.  S.)  Virton  in  Belgien  (6r6s  de 
Virton).  (L.  S.) 


Wäldheiniia  (ZeUleria)  stUmtmiisnuUis  Davidson.  1860. 

Taf.  XIII,  Fig.  18. 

1850.  Davidson.  OoUtic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  38.  Taf.  5.  Fig.  10. 
1863.  Deslongchamps.  Brachiopodes.  pag.  124.  Taf.  27—29. 
1871.  QuENSTEDT.  Brachiopodcn.  pag.  307. 


*  Anmerkung.  Die  auf  pag.  274  abgebildeten  Formen  stammen  von  Malroy 
bei  Metz.  (L.  S.) 


'*ijr-*^-'.  fi » 


I  > 


1 


K    ' 


» - 


%- 


»•-• 


276 

1878.  Davidson.  Supplemeot.  pag.  162.  Taf.  21.  Fig.  1—7. 

1880.  Ghoffat.  £tude  stratigrapbique  et  paiöontologique  des  terrains 

jurassiques  du  Portugal.  1.    Le  Lias  et  ie  Dogger  au  Nord 

du  Tage.  pag.  9. 

Viel  aufgeblähter,  als  die  vorige  Art.  Stirnlinie  fast  niemals 
gebuchtet.  Schnabel  kräftiger  und  stärker  entwickelt  sowie^  viel 
mehr  auf  die  kleine  Schale  herabgebogen,  als  bei  der  ächten 
Waldheimia  numismalis,  mit  grösserem  Deltidium  und  grösserem 
Foramen.  Schlosslinie  etwas  gebogen.  Commissuren  gerade  ver- 
laufend. Arealkanten  scharf.  Seitliche  Vereinigung  beider  Schalen 
unter  einem  spitzen  Winkel. 

Brachialapparat  lang. 

Länge  ca.  26  Millimeter,  Breite  fast  ebensoviel  (24—25 
Millimeter). 


Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  S. 

Ünter-Elsass:  Merzweiler,  Silzklamm  bei.ührweiler.  (Co- 
statusschichten.)  (L.  S.  —  S.  S.) 

Lothringen:  Xocourt.  (Gostatusschichten.)  (S.  S.) 


^  \'. 


. 


i 


Waldheimia  (ZeiUeria)  Waterhousi  Davidson.  1850. 

Taf.  XIV,  Fig.  4. 

1850.  DAvmsoN.    Oolitic  and   liasic    brachiopoda.    pag.    31.    Taf.   5. 

Fig.  12—13. 
1853.  Oppel.  Mittlerer  Lias.  pag.  71.  Taf.  4.  Fig.  2.   Terebratula  sub- 

digona  Oppel. 

1858.  QuENSTEDT.  Jura.   pag.  180.  Taf.  22.   Fig.  15—16.    Terebratula 

cörnuta  scalprata  Quenstedt. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  188. 

1863.  Deslongchamps.  Bracliiopodes.  pag.  103.  Taf.  21.  Fig.  1—6. 
1863.  Schloenbach.  Der  Eisenstein  des  mittleren  Lias  etc.  pag.  549. 


I 

n 


r 


277 

1869.  DuMORTiER.  Depots  jurassiques  du  bassin  du  Rhone,  pag.  149.  III. 

Taf.  22.  Fig.  8-9. 
1871.  QuENSTEDT.  Brachiopodeu.  pag.  312. 
1871.  Brauns.  Unterer  Jura.  pag.  424. 
1880.  ZiTTEL.  Handbuch.  I.  1.  pag.  703. 

Die  wenigen  mir  zur  Verfügung  stehenden  Exemplare  lassen 
sich  in  folgender  Weise  charakterisiren.  —  Wirbel  schlank, 
Stirngegend  breit,  mit  etwas  gebuchteter  Stirnlinie.  An  der 
Stirne  selbst  bei  manchen  Exemplaren  auf  beiden  Schalen  eine 
leichte  Depression. 

Beide  Schalen  ziemlich  gewölbt,  die  grösste  Wölbung  etwa 
in  der  Mitte  der  Schalen  liegend.  Schnabel  kräftig  entwickelt, 
mit  einem  länglichen  Foramen  versehen  und  leicht  auf  die  kleine 
Schale  angedrückt,  Arealkanten  scharf.  Schlosslinie  und  Commis- 
suren  gerade  verlaufend.  Seitliche  Vereinigung  beider  Schalen 
unter  spitzem  Winkel. 

Der  Brachialapparat  konnte  nicht  freigelegt  werden. 

Länge  15 — 16  Millimeter,  Breite  13 — 14  Millimeter. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  y. 

Unter-Elsass:  Zinsweiler.  (Mittlerer  Lias.)  (S.  S.)  Bberbach 
(Glavatusschichten.)  (L.  S.).  Mühlhausen  (diluvial).  (L.  S.) 

Lothringen:  Malroy  bei  Metz.  (Numismalismergel.)  (F.  S.) 


Waldheimia  (Aulacotlvyris)  resupinata  Sow.  1816. 

Taf.  XIV,  Fig.  9. 

1816.  SowEHBY.  Mineral  conchology  of  Great-Britain.  vol.  II.  pag.  116. 
Taf.  150.  Fig.  3—4. 

1834.  Buch,  üeber  Terebraleln  etc.  pag.  116. 

1835.  Phillips.  Geology  of  Yorkshire.  Taf.  13.  Fig.  23. 
1837.  PuscH.  Palaeontologie  Polens.  Taf.  4.  Fig.  6. 


»     »        •  • 


278 

1848.  Bronn.  Index  palaeontologicns.  pag.  1248. 

1849.  dOrbigny.  Prodrome,  vol.  I.  pag.  239. 

1850.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  31.  Taf.  4.  Fig.  1~S. 
1852.  QuENSTEDT.  Haüdbuch.  pag.  469.  Taf.  37.  Fig.  38. 

1858.  Dci-selbe.  Jura.  pag.  181.  Taf.  22.  Fig.  23. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  184. 

1863.  Deslongchabtps.  Brachiopodes.  pag.   118.  Taf.  24.   Fig.  6— 10. 

Taf.  25.  Fig.  1—5. 
1867.  Quenstedt.  Handbuch.  2.  Auflage,  pag.  562.  Taf.  47.  Fig.  47. 
1871.  Quenstedt.  Brachiopoden.  pag.  353.  Taf.  47.  Fig  66—67. 
1880.  Choffat.  £tude  stratigraphique  et  palöontoiogique  des  terrains 

jurassiques  du  Portugal.  I.    Le  Lias  et  le  Dogger  au  Nord 

du  Tage.  pag.  10. 
1880.  Zittel.  Handbuch.  I.  1.  pag.  704.  Fig.  550. 

Von  dieser  bei  uns  seltenen  Art  liegen  mir  3  Exemplare  aus  den 
Gostatusschichten  von  der  Silzklamm  bei  Uhrweiler  vor.  Sie  sind 
ca.  25  Millimeter  lang  und  ca.  22  Millimeter  breit. 


r 


Wäldlieifnia  (ZeiUeria)  indenttUa  Sow.  18^6. 

Taf.  XIV,  Fig.  8,  10  —  12. 

1825.  SowERBY.  Mineral  conchology  of  Great-Britain.  vol.  V.  pag.  65. 

Taf.  445.  Fig.  2. 
1834.  Buch.  Ueber  Terebrateln  etc.  pag.  86. 

1850.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  4 6.  Taf.  5.  Fig.  25— 26. 
1858.  Quenstedt.  Jura.  pag.  746. 

1863.  OosTER.  Brachiopodes  des  Alpes  suisses.  pag.  8.  Taf.  1.  Fig.  17. 
1863.  Deslongchamps.  Brachiopodes.  pag.  133.  Taf.  13.  Fig.  1—13. 
1867.  Quenstedt.  Handbuch.  2.  Aufl.  pag.  558. 
1871.  Quenstedt.  Brachiopoden.  pag.  322. 
1878.  DAvmsoN.  Supplement,  pag.  159.  Taf.  21.  Fig.  10—^15. 
1880.  Ghoffat.  fitude  stratigraphique  et  paläontologique  des  terrains 

jurassiques  du  Portugal.  I.     Le  Lias  et  le  Dogger  au  Nord 

du  Tage.  pag.  9. 
1880.  Zittel.  Handbuch.  I.  1.  pag.  703. 


279 

Auch  diese  Spezies  ist  in  Elsass-Lothringca  bis  jetzt  nur  in  we- 
nigen Exemplaren  gefunden  worden.    Länge  23,  Breite  18  Millimeter. 

Schnabel  gekielt,  wenig  auf  die  kleine  Schale  herabgebogen, 
Arealkanten  scharf,  Stirniinie  nur  wenig,  oftmals  gar  nicht  gebuchtet. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  h. 

Unter-Elsass:  Silzklamm  bei  Uhrweiler  (Gostatusschichten); 
Mllhlhausen  (diluvial).  (L.  S.  -  S.  S.) 


WcUdlieifnia  (Zeilleria)  sarthcicensis  d'Obbigny.  1849. 

Taf.  XIV,  Fig.  5—9,  15—16. 

1849.  d'Orbigny.  Prodrome,  fitage  toarcien.  N°  270. 

1863.  Deslongchamps.  Brachiopodes.  pag.  130.  Taf.  31.  Fig.  1—8. 

1880.  Ghoffat.   !^tude  stratigraphique  et  palöoiitologique  des  terrains 

jurassiques  du  Portugal.  1.     Le  Lias  et  le  Dogger  au  Nord 

du  Tage.  pag.  9.  12. 

Umriss  eiförmig.  Beide  Schalen  gleichmässig  gewölbt,  mit 
der  grössten  Wölbung  in  der  Mitte  der  Schalen.  Stirnlinie  nur 
selten  leicht  gebuchtet,  meist  gerade  oder  abgerundet. 

Schnabel  kräftig,  kaum  übergebogen  mit  sehr  scharfen  Areal- 
kauten und  einem  länglichen  mittelgrossen  Foramen. 

Schlosslinie  und  Commissuren  gerade  verlaufend;  seitliche 
Vereinigung  beider  Schalen  unter  spitzem  Winkel. 

Brachialapparat  sehr  lang,  fast  die  Stirnlinie  berührend. 
Septum  etwa  bis  zum  Drittel  der  kleinen  Schale  reichend. 

Länge  der  normalen  Exemplare  ca.  25 — 27  Millimeter, 
deren  Breite  15—17  Millimeter.  (Abnorm  grosse  Exemplare 
kenne  ich  mehrfach,  aber  nur  aus  den  Gostatusschichten  von 
Xocourt.) 

Durch  günstig  geführte  Schliffe  bei  jungen  Formen  gelingt  es  hie 
und  da  das  Megerlea-Stadium  in   der  Entwickelung  des  Armgerüstes 


280 

nachzuweisen,  wie  solches  Herrhann  Friele  (The  development  of  the 
skeleton  in  the  genus  Waldheimia,  Arkiv  for  Math,  og  Naturvidenskab. 
pag.  380.  Ghristiania  1880.)  bei  der  Bntwickelung  des  GerOstes  von 
Waldheimia  septigera  und  Waldheimia  cranium  und  Douvill^  (Sut 
quelques  geares  de  Brachiopodes,  Terebratulidae  et  Waldheimiidae.  Bul- 
letin de  la  Soci^tö  g^ologique  de  France.  3'  särie.  tome  YU.  pag.  251 
et  ff.  fig.  1—3.)  bei  derjenigen  des  Gerdstes  von  Waldheimia  lenticularis 
gefunden  haben. 

Bez.  des  Verhältnisses  zu  anderen  Arten  siehe  pag.  294. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  y  und  5. 

Lothringen:  Roerchingen,  Haute-  und  Basse-B^voie  bei 
Metz.  (Davoeischichten.)  (L.  S.  —  F.  S.)  Malroy  bei  Metz.  (Numismalis- 
mergel.)  (L.  S.  —  F.  S.)  Xocourt.   (Gostatusschichten.)  (L.  S.  —  S.  S.) 

Anmerkung:  In  der  städtischen  Sammlung  befinden  sich  einige 
wenige  Exemplare  dieser  Spezies  mit  der  Fundortsangabe:  Bas-Rhin. 
Wenn  dieselbe  zutrifft,  so  sind  es  die  einzigen  uns  bekannten  Formen 
aus  dem  Elsass. 

Die  Verwandtsohaflsverh&ltiilsse  der  Waldhelmlen  des  LIas. 

Es  scheinen  enge  Beziehungen  zwischen  den  Waldheimien  des 
Lias  zu  bestehen.    Sicher  festgestellt  ist  bis  jetzt  folgendes: 

Gewisse  Formen  der  Waldheimia  perforata  Piette  sp.  nähern 
sich  gewissen  anderen  Exemplaren  der  Waldheimia  cor.  Lamargk  sp. 
aus  dem  unteren  Lias,  indem  dieselben  eine  gewisse  Tendenz  zeigen, 
sich  an  der  Stirne  einzubuchten. 

Weitere  Beziehungen  scheinen  zwischen  Waldheimia  cor.  und 
Waldheimia  cornuta  Sow.  sp.  zu  bestehen,  wenigstens  nach  dem 
geringen  Material  zu  schliessen,  das  mir  von  der  letzteren  Art  zur 
Verfügung  stand.  Von  anderen  Lokalitäten  ausserhalb  Elsass-Lothringen 
besitze  ich  Formen  von  Waldheimia  cornuUiy  die  meine  Vermuthung 
bestätigen. 

Die  vollständigsten  und  schönsten  Uebergangsreihen  lassen  sich 
zwischen  Waldheimia  cor.  und  Waldheimia  numismalis  Lamargk  sp. 
herstellen;  crstere  Art  geht  durch  allmähliches  Fiacherwcrden  in  Wald- 


281 

heimia  numümalis  über.  Dabei  verliert  sich  allmäblich  die  EiDbuchlung 
an  der  Stirne  oder  sie  wird  wenigstens  auf  ein  Minimum  reduzirt;  zu- 
gleich wird  auch  der  bei  Waldheimia  cor.  nicht  sehr  dicke  Stirnrand 
bedeutend  flacher,  (cf.  Taf.  XVII.) 

Herr  Abbä  Friren  besitzt  die  prächtigsten  Belegstücke  zu  meinen 
Behauptungen. 

Auch  zwischen  Waldheimia  sarthacensis  DESLONGCHABfPS  und 
Waldheimia  indentata  Sow.  sp.  existiren  Mittelformen.  Ich  kenne  solche 
von  Xocourt.  Neben  der  grossen  Vahetät  der  ersteren  Art  finden  sich 
daselbst  kleiner  bleibende  Formen,  und  diese  sind  es  eben,  welche 
durch  die  Ausbildung  ihrer  Stirngegend  gewisse  Aehnlichkeit  mit  Wald- 
heimia indentata  zeigen;  denn  bei  manchen  derselben  ist  die  Tendenz, 
sich  am  Stimrande  einzubuchten,  unverkennbar. 

Ob  wiederum  Waldheimia  indentata  nicht  in  gewissen  Beziehungen 
zu  Waldheimia  perforata  steht,  kann  wohl  erst  bei  einer  grösseren 
Ansammlung  von  Material  festgestellt  werden. 


282 


Die  Waldheimien  des  Dogger. 

Waldheimia  Meriani  Oppel  sp. 

Waldheimia  cf.  carinata  Lamarck  sp. 

Waldheimia  Beneckei  nov.  sp. 

Waldheimia  Coheni  nov.  sp. 

Waldheimia  Mandelslohi  Oppel  sp. 

Waldheimia  cf.  anglica  Oppel. 

Waldheimia  Cadomensis  Deslongghamps. 

Waldheimia  lagenalis  Sghl.  sp. 

Waldheimia  subbucculenta  Ghapuis  et  Devalque  sp. 

Waldheimia  ornithocephala  Sow.  sp. 


0* 

i 


Waldhettnia  (Atilacothyris)  Meriani  Oppel.  1859. 

Taf.  XIV,  Fig.  13— 14, 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  424.  und  die  Abbildungen,  auf  welche  Oppel 
sich  bezieht  in  1850.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachio- 
poda.  Taf.  4.  Fig.  8  und  Taf.  10.  Fig.  7. 

1863.  OosTER.  ßrachiopodes  des  Alpes  suisses.  pag.  29. 

1870.  Gheppin.  Jura  bernois.  pag.  30.  33. 

1872.  Deslongghamps.  ßrachiopodes.  pag.  238.  Taf.  64.  Fig.  1—5. 

Kleine  Schale  flach.  An  der  Stirne  ist  die  für  die  Unter- 
gattung Aulacothyris  (Doüvillb.  Sur  quelques  genres  des  ßra- 
chiopodes; Terehraiulidae  et  Waldheimiidae,  Bulletin  de  la  So- 
ciöt6  göologique  de  France.  3®  s^rie,  t.  VII,  pag.  251  und 
folgende)  charakteristische  Einsenkung  meist  scharf  ausgesprochen. 
An  jungen  Exemplaren  ist  jedoch  die  Einsenkung  gar  nicht  zu 
bemerken,  ja  es  kommt  sogar  an  deren  Stelle  eine  schwache 
Wölbung  zum  Vorschein. 


283 

Die  grosse  Schale  hat  einen  gekielten,  auf  die  kleine  Schale 
herabgebogenen  Schnabel.  Sie  ist  stark  gewölbt. 

Foramen  länglich,  Deltidium  verdeckt,  Arealkanten  fär  eine 
Waldheimia  auffallend  abgerundet,  Schlosslinie  und  Commissuren 
gerade  verlaufend.  Seitliche  Vereinigung  beider  Schalen  unter 
einem  spitzen  Winkel.  Länge  20 — 25  Millimeter,  Breite  18 — 23 
Millimeter. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Unsere  Spezies  wurde  lange 
mit  Terebratula  (Waldheimia)  impressa  verwechselt,  bis  Oppel  die 
Formen  des  Untcroolith  als  eigene  Art  unterschied  (Jura.  pag.  425.). 

Vorkommen:  Unlerer  und  mittlerer  Dogger,  ß — y. 

Wurde  im  Blsass  und  in  Lothringen  bis  jetzt  noch  nicht 
gefunden. 

Nachbarländer:  Boeckten,  Grange-Gueron,  Dornten  im 
Berner  Jura,  (Oolithe  fernigineuse.)  Füllinsdorf,  ebenda.  (Sowerbyi- 
und  flumphresianusschichten).  (G.  S.) 


Waldheimia  (AtUa^othyris)  cf.  caHnata  Lahabck.  1819. 

Taf.  XIV,  Fig.  18.  Taf.  XV,  Fig.  28. 

1819.  Lamarck   Aiiimaux  sans  vertöbres.  vol.  VI.  pag.  25. 
1850.  Davidsun.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  35.  Taf.  4.  Fig.  11 
bis  14. 

1858.  QuENSTEDT.  Jura.  pag.  492. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  423. 

1867.  QüENSTEDT.  Handbuch.  2.  Aufl.  pag.  561.  Taf.  47.  Fig.  38. 
1871.  QüENSTEDT.  Brachiopoden.  pag.  349.  Taf.  47.  Fig.  47—65. 

1871.  Brauns.  Mittlerer  Jura.  pag.  285. 

1872.  Deslongchamps.  Brachiopodes.  pag.  227.  Taf.  62. 

1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  179.  Taf.  23.  Fig.  14—15. 

1879.  SzAJNOCHA.  Brachiopoden  der  Oolithe  von  Baiin.  pag  22.  Taf.  5 

Fig.  4—5.  10. 

1880.  ZiTTEL.  Handbuch.  1.  1.  pag.  704. 


Ui* 


284 

Meist  ebenso  breit  als  lang  (6 — 7  Millimeter).  Kleine 
Schale  am  Wirbel  etwas  gewölbt.  £insenkuDg  an  der  Stirne  nicht 
sehr  stark.  Grosse  Schale  mit  frei  hinausragendem  und  gekieltem 
Schnabel  versehen.  Foramen  rundlieh  und  von  mittlerer  Grösse, 
von  einem  kleinen  Deltidium  eingefasst.  Arealkanten  sehr  scharf. 
Schlosslinie  leicht  gebogen,  Commissuren  gerade.  Seitliche  Ver- 
einigung beider  Schalen  unter  sehr  spitzem  Winkel.  Beide  Schalen 
mit  feinen  Anwachsstreifen  versehen. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten,  l^e  mir  vorliegenden  wenigen 
Exemplare  scheinen  mir  am  Besten  bei  Waldheimia  carinata  Lamarck 
sp.  untergebracht,  wenn  ihre  Dimensionen  auch  bedeutend  geringere 
sind.  Sehr  nahe  verwandt  scheinen  sie  mit  der  im  Folgenden  be- 
schriebenen Waldheimia  Beneckei  nov.  sp.  zu  sein.  Weiteres  darüber 
siehe  pag.  294. 

Vorkommen:  Mittlerer  Dogger,  ß— y. 

Saulny  in  Deutsch-Lothringen.  (Sowerbyischichten.)  (L.  S.) 


Waldheimta  (Aulaoolihyria)  Benee^eei  nov.  sp. 

Taf.  XIV,  Rg.  19.  21.  25. 

Kleine  Schale  am  Wirbel  gewölbt,  an  der  Stirne  mit  einer 
sehr  stark  ausgebildeten  Einbuchtung  versehen. 

Grosse  Schale  sehr  aufgebläht,  Schnabel  stark  an  die  kleine 
Schale  angedrückt,  sehr  kräftig  entwickelt  und  mit  einem  scharfen 
Kiel  versehen,  der  fast  bis  zur  Stirne  reicht  und  die  grosse 
Schale  in  zwei  symmetrische  Hälften  theilt 

Foramen  rundlich  und  klein,  Arealkanten  sehr  scharf, 
Schlosslinie  gerade  verlaufend,  Commissuren  leicht  gebogen.  Seit- 
liche Vereinigung  beider  Schalen  unter  einem  Winkel  von  45^ 

Der  Brachialapparat  bietet  nichts  Bemerkenswerthes ,  das 
Septum  ist  jedoch  stärker  entwickelt,  als  bei  den  anderen  Wald- 


285 

heimien   und   reicht    bis  über  die   Hälfte    der    kleinen   Schale 
hinaus. 

Länge  ca.  8  —  10  Millimeter,   Breite  ca.  7 — 8  Millimeter. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Unsere  Spezies  hat  grosse  Aehn- 
lichkeit  mit  den  kleineren  Formen  von  Waldheimia  carinata^  von  der 
sie  sich  durch  ihre  geringere  Breite  im  Yerhältniss  zur  Länge  und  die 
grossere  Wölbung  der  grossen  Schale,  den  stärker  entwickelten  und 
mehr  auf  die  grosse  Schale  herabgedrUckten  Schnabel,  sowie  durch  das 
viel  längere  Septum  unterscheidet. 

Vorkommen:  Unterer  Dogger,  ß. 

Göte  de  l-a  Rique  bei  Lorry  in  Deutsch-Lothringen. 
(Murchisonaeschichten.)  (L.  S.) 


WoMheimia  (ZeiUeHa)  Coheni  nov.  sp. 

Taf.  XV,  Fig.  23—25. 

Die  kleine  Schale  flach  oder  nur  sehr  wenig  gewölbt,  die 
grosse  dagegen  ziemlich  aufgebläht. 

Schnabel  gekielt,  rundlich  und  nur  wenig  an  die  kleine 
Schale  angedrückt.  Foramen  gross  und  rundlich.  Deltidium  nor- 
mal  gebaut.  Arealkanten  scharf.  Falsche  Area  an  manchen  Exem- 
plaren ausgebildet.  Schlosslinie  leicht  gebogen,  Commissuren 
gerade.  Seitliche  Vereinigung  beider  Schalen  meist  unter  einem 
spitzen  Winkel. 

Das  Verhältniss  der  Länge  und  Breite  dieser  Art  ist  sehr 
veränderlich,  so  dass  bald  die  eine,  bald  die  andere  Dimension 
vorwiegt. 

Die  meisten  Exemplare  sind  länger  als  breit  (23 — 24  Milli- 
meter Länge  auf  18 — 19  Millimeter  Breite),  doch  finden  sich 
auch  Formen,  bei  welchen  Länge  und  Breite  gleichwerthig  sind 
und  auch  solche,  bei  denen  die  Breite  die  Länge  sogar  überwiegt. 


286 

Das  verkieselte  Yorkommea  dieser  Spezies  hat  es  erlaubt,  durch 
AetzuQg  mit  Salzsäure  den  Brachiaiapparat  genauer  zu  studiren  und  zum 
Theil  frei  zu  legen.  Die  beiden  Schleifenarme  sind  breit  und  werden 
durch  sehr  stark  ausgebildete  Zahnstatzen  getragen.  Sie  reichen  fast  bis 
an  die  Stirne.  Das  Seplum  ist  ungewöhnlich  lang,  es  reicht  bis  Qber  */, 
der  Länge  der  kleinen  Schale  hinab  und  besteht  aus  einer  ziemlich 
breiten  Leiste. 

Es  kommt  vor,  dass  beide  ZahnstQtzen,  statt  dass  dieselben  sich 
hinter  dem  Foramen  auf  der  inneren  Seite  des  Schnabels  anheften,  wie 
dies  sonst  der  Fall  ist,  vielmehr  bis  an  das  Foramen  selbst  vorrQcken 
und  somit  dasselbe  in  3  Theile,  2  halbmondförmige,  einen  rechten  und 
linken  und  einen  mittleren  eckigen  Theil  zerlegen. 

Die  Jugendformen  dieser  Spezies  haben  sehr  oft  in  Folge  ihres 
grossen  Foramens,  ihrer  flachen  kleinen  Schale  und  ihrer  gerundeten 
Arealkanten  ein  terebratulaähnliches  Aussehen,  so  dass  in  zweifelhaften 
Fallen  nur  ein  Anschliff  entscheiden  kann. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Unsere  Spezies  schliesst  sich  an 
gewisse  Formen  der  nachher  zu  besprechenden  Waldfmmia  subbuc- 
culenta  Ghapuis  et  Dewalque  an,  indem  manche  Formen  derselben 
jene  für  letztere  Art  so  charakteristischen  scharf  ausgesprochenen  An- 
wachsstreifen auf  beiden  Schalen  zeigen,  daneben  noch  zu  der  Schnabel- 
bildung der  Waldheimia  subbucculenta  und  deren  ganzen  Habitus 
hinneigen. 

Vorkommen:  Mittlerer  Dogger,  S. 

Moyeuvre-Rombach.  (Oberer  Korallenkalk.)  Rombach.  (Mergel 
von  Longwy.)  (L.  S.) 


Waldheimia  (AtUacothyris)  Mandelslohi  Oppel.  1859. 

Taf.  XIV,  Fig.  17. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  495. 

1870.  Gheppin.  Jura  bernois.  pag.  56. 

1874.  Deslongchamps.  Brachiopodes.  pag.  295.  Taf.  85.  Fig.  3—5. 

1878.  Davidson.  Supplement,  pag.  180.  Taf.  23.  Fig.  16—18. 


.i^zite 


287 

Die  wenigen  mir  vorliegenden  Exemplare  sind  ebenso  breit 
wie  lang  (17 — 17  Millimeter).  Die  Einsenkung  auf  der  flachen 
kleinen  Schale  ist  stark  ausgebildet.  Die  grosse  Schale  ist  ziem- 
lich aufgebläht  und  wird  von  einem  Kiel,  der  von  der  Wirbel- 
spitze ausgeht  und  bis  zur  Stirne  reicht,  in  2  symmetrische 
Hälften  getheilt.  Der  kurze  Schnabel  ragt  frei  hinaus  und  trägt 
ein  mehr  längliches  Foramen  von  mittlerer  Grösse.  Das  Deltidium 
ist  an  seiner  Basis  sehr  breit,  läuft  aber  sehr  spitz  aus.  Areal- 
kanten scharf,  falsche  Area  öfters  entwickelt.  Schlosslinie  leicht, 
Commissuren  dagegen  ziemlich  gebogen.  Seitliche  Vereinigung 
beider  Schalen  unter  sehr  spitzem  Winkel. 

Brachialapparat  unbekannt. 

Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Mit  Waldheimia  carinata  noch 
verwandt,  in  keinen  oder  nur  sehr  weitläufigen  Beziehungen  zu  Wald- 
heimia Merianiy  deren  Wirbelbildung  und  allgemeiner  Habitus  ein 
ganz  anderer  ist.  Oppel  sagt  (Jura.  pag.  495):  «Hat  eine  Aehnlichkeit 
mit  Fig.  12  Taf.  4  von  Ter,  carinata  Dav.  Brach.,  doch  ist  der  Sinus 
der  Bauchschale  tiefer  und  die  RQckenschale  gewölbter  als  bei  letzterer.! 

Eine  ganz  eigenthttmliche  Form  zeigt  Taf.  XIV,  Fig.  7.  Die  Wirbel- 
bildung erinnert  an  Waldheimia  Meriani^  doch  ist  der  ganze  Habitus 
der  Form  mehr  derjenige  unserer  Spezies..  Wäre  eine  Area  vorhanden, 
so  möchte  man  eine  Terebratella  vermuthen. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,  e. 
Unter-Elsass:  Buchsweiler.  (Hauptrogenstein.)  (L.  S.) 
Nachbarländer:  Wartenberg  im  Berner  Jura.  (Hauptrogen- 
slein.) (G.  S.) 

Waldheimia  (ZeiUeria?)  anglica  Oppel.  1859. 

Taf.  XIV,  Fig.  20. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  425,  und  die  Abbildungen,  auf  welche  Oppel 

hinweist.  1855.  DAvmsON.  Appendix.  Taf.  A.  Fig.  10—13. 
1876.  DAvmsoN.  Supplement,  pag.  135. 
1878.  DAvrosoN.  Supplement,  pag.  186.  Taf.  23.  Fig.  23—26. 


288 

Unsere  Formen  haben  die  grösste  Aehnlichkeit  mit  den  in 
Davidson,  Supplement,  Taf.  23,  Fig.  23  und  26  abgebildeten 
Exemplaren.  Wenig  gewölbte  kleine  und  mehr  aufgeblähte  grosse 
Schale,  gerundete  Stimlinie,  nur  sehr  selten  etwas  gebuchtet, 
gekielter  ziemlich  an  die  kleine  Schale  angedrückter  Schnabel. 
Rundes  kleines  Foramen  und  an  seiner  Basis  breites,  spitz  zu- 
laufendes Deltidium.    Arealkanten  sehe  gerundet 

Schlosslinie  öfters  leicht  gebogen,  Commissuren  gerade. 
Seitliche  Vereinigung  beider  Schalen  unter  spitzem  Winkel. 

Brachialapparat  nicht  bekannt. 

Länge  15 — 16  Millimeter,  Breite  11 — 12  Millimeter. 

Bezüglich  des  Yerhältaisses  zu  anderen  Arien  kann  wegen  der 
geringen  Menge  des  vorhandenen  Materials  nichts  gesagt  werden. 

Vorkommen:  Mittlerer  Dogger,  S. 

Bitschhofen-Mietesheim  im  Unter-Elsass.  (Humphresianus- 
schichten.)  (L.  S.) 


'«I 


Waldhetmia  (Zeüleria)  CuLdomenMa  Deslongchahps.  1857. 

Taf.  XV,  Fig.  22. 

1857.  Deslongchamps.  Description  des  couches  du  Systeme  oolithiqüe 
iuförieur  du  Calvados,  pag.  35.  Taf.  1.  Fig.  2—4. 

1874.  Deslongchamps.  Brachiopodes.  pag.  312.  Taf.  88.  Fig.  8—9.  Taf.  89. 

1878.  Davtoson.  Supplement,  pag.  170.  Taf.  22.  Fig.  9.  Taf.  24.  Fig. 
14-15. 

Beide  Schalen  sind  stark  aufgebläht  mit  der  grössten  Wöl- 
bung meist  gleich  unterhalb  des  Wirbels.  Anwachsstreifen  sind 
auf  beiden  Schalen  vorhanden.  Stirnlinie  gerundet,  nicht  ge- 
buchtet. 

Der  meist  wenig  gekielte  Schnabel  ist  ziemlich  umgebogen, 
nicht  aber  an  die  kleine  Schale  angedrückt,  mit  rundem  mittel- 


^n* 


289 

grossen  Foramen  und  ziemlich  breitem  und  verhältnissmässig 
grossem  Deltidium. 

Arealkanten  ziemlich  scharf.  Schlosslinie  ganz  leicht  ge- 
bogen, Commissuren  gerade. 

'Brachialapparat  fast  die  Stirne  erreichend. 

Länge  ca.  22 — 24  Millimeter,  Breite  ca.  17 — 20  Millimeter. 

Verhftltniss  zu  anderen  Arten.  Deslongghamps  (Brachiopodes. 
pag.  314—315)  hau  diese  Art  für  die  Stellvertreterin  der  Waldheimia 
ornithocephala  Sow.  sp.  in  der  Fuller's  earth  der  Normandie.  Sie 
kommt  jedoch  bei  uns  im  Rheinthal  neben  dieser  Spezies  vor  und  scheint 
mir  eher  eine  Mittelform  zwischen  ersterer  Art  und  der  Waldheimia 
lagenalis  zu  sein,  deren  eigenthQmliche  Wirbelbildung  an  manchen 
Exemplaren  der  Waldheimia  cadomensis  schon  zu  sehen  ist 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,  e. 

Unter-Elsass:  Wolxheim.  (Hauptrogenstein.)  (L.  S.) 

Nachbarländer:  YOgisheim  bei  Kandern  in  Baden.  (Varians- 
schichteo.)  (U.  S.)  Breisgau.  (Oberer  Dogger.)  (U.  S.)  Wartenberg  bei 
Muttenz  im  Baseler  Jura.  (Bathonien.)  (6.  S.) 


Waldheimia  (ZeiUeria)  lagetuUis  Sohl.  1820. 

Taf.  XV,  Fig.  26,  27. 

1820.  Schlotheim.  Die  Pelrefactenkunde  auf  ihrem  jetzigen  Standpunkte. 

1834.  Buch,  üeber  Terebratehi  etc.  pag.  87.  Taf.  3.  Fig.  43. 

1848.  Bronn.  Index  palaeontologicus.  pag.  1240. 

1850.  DAvmsoN.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  42.  Taf.  7.  Fig.  1—4. 

1852.  QuENSTEDT.  Haudbuch.  pag.  468. 

1858.  Derselbe.  Jura.  pag.  492.  Taf.  66.  Fig.  9-12. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  494. 

1867.  QuENSTEDT.  Handbuch.  2.  Aufl.  pag.  558. 

1870.  Greppin.  Jura  bemois.  pag.  51. 

1871.  QuENSTEDT.  Brachiopoden.  pag.  336.  Taf.  46.  Fig.  90—95. 
1880.  ZiTTEL.  Handbuch.  I.  1.  pag.  703.  Fig.  549. 

n.  19 


•f  • 


•  * 


290 

Die  beiden  Schalen  dieser  schönen  und  charakteristischen 
Art  sind  gleichmässig  und  stark  gewölbt  und  zwar  liegt  die  grösste 
Wölbung  ungefähr  in  der  Mitte  beider  Schalen.  Die  ca.  45 — 55 
Millimeter  lange  und  18 — 22  Millimeter  breite  Form  ist  an  der 
Stirne  plötzlich  wie  abgestutzt,  so  dass  die  Stirnlinie  in  einer 
geraden  Linie  verläuft  und  nicht  gerundet  ist. 

Der  Schnabel  ist  leicht  gekielt,  verläuft  ziemlich  spitz  und 
trägt  an  seinem  äussersten  Ende  ein  für  die  grosse  Form  ausser- 
gewöhnlich  kleines  Foramen  von  länglicher  Gestalt.  Durch  sein  star- 
kes Ueberbiegen  auf  die  kleine  Schale  wird  das  Deltidium  verdeckt. 
Die  Arealkanten  sind  ziemlich  gerundet.  Die  Schlosslinie  und 
die  Gommissuren  verlaufen  ganz  gerade,  nur  bei  gewissen  Mittel- 
formen zwischen  unserer  Spezies  und  Waldheimia  orniihocephala, 
Sow.  sp.  ist  die  erstere  leicht  gebogen.  Seitliche  Vereinigung 
beider  Schalen  unter  einem  sehr  stumpfen  Winkel. 

Brachialapparat  sehr  lange,  fast  die  Stirne  berührend,  Septum 
von  mittlerer  Länge. 


Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Bei  Buchsweiler  und  Hagäville 
kommen  gewisse  Formen  der  Waldheimia  ornithocephala  vor,  die,  wenn 
sie  auch  nicht  die  Länge  der  Waldheimia  lagenalis  besitzen,  doch 
schon  die  Schnabelbildung  und  den  grade  verlaufenden  Slirnrand  der 
letzteren  Art  aufweisen  und  welche  als  Mittelformen  zwischen  beiden 
Spezies  gedeutet  werden  könnten.  Oppel  sagt  übrigens  schon  in  seinem 
Jura.  pag.  494,  bei  Besprechung  der  Terebratula  ornithocephala:  «Zeigt 
üebergänge  zu  Terebratula  lagenalis.n 

Vorkommen:    Oberer  Dogger,  6. 

Untßr-Elsass:  ßuchsweiler.  (Variansschichten.)  (L.  S.) 

Nachbarländer:  Vögisheira  bei  Rändern  in  Baden.  (Varians- 
schichten.) (U.  S.  —  G.  S.)  La  Miotte  bei  Beifort.  (Variansschichleo.) 
(L.  S.)  Chätillon  im  Berner  Jura.  (Bathonien.)  (G.  S.)  Hagöville. 
(Meurthe-et-Moselle.)  (Variansschichten.)  (L.  S.) 


291 


Waldheiniia  (ZeiUeria)  8%ilbucculenlia 
Chapuis  et  Dewalque.  1851. 

Taf.  XIV,  Kg.  22—24,  26—28.   Taf.  XV,  Fig.  1—4,  15 


—17. 


1851.  Chapuis  et  Dewalque.    Terrains   secondaires    du  Luxembourg. 

pag.  242.  Taf.  36.  Fig.  4. 
1859.  Oppel.  Jura.  pag.  494. 

1870.  Grefpin.  Jura  bernois.  pag.  41.  51. 

1871.  Quenstedt.  Brachiopoden.  pag.  416. 

1874.  DESL0N6GHAMPS.  Brachlopodes.  pag.  298.  Taf.  86. 

1878.  SzAJNOCHA.  Brachiopoden  derOolltbe  von  Baiin.  Taf.  4.  Fig.  21—24. 

Kleine  Schale  flach,  die  grosse  Schale  meist  ziemlich  ge- 
wölbt. Die  grösste  Breite  liegt  bei  den  ganz  normalen  Formen 
gleich  unterhalb  des  Wirbels,  doch  kann  man  etwas  allgemein 
Gültiges  in  dieser  Beziehung  eben  so  wenig  sagen,  als  über 
die  Dimensionen  dieser  Form. 

Stirnlinie  ungebuchtet,  theils  gerundet,  theils  gerade  ver- 
laufend. Schnabel  gekielt,  nur  wenig  übergebogen;  dieser  Kiel 
setzt  sich  oft  bis  zur  Stirnlinie  fort.  Foramen  klein  und  rund; 
bei  Mittelformen  meist  länglich  werdend.  Deltidium  breit,  oben 
spitz  auslaufend;  Arealkanten  sehr  scharf,  falsche  Area  meist 
ziemlich  ausgebildet. 

Brachialapparat  sehr  lang. 

Länge  ca.  22—24  Millimeter,   Breite  18—20  Millimeter. 

Verhältnisa  zu  anderen  Arten.  Welche  Beziehungen  zwischen 
Waldheimia  subbucculenta  und  Waldheimia  Coheni  bestehen,  das  wurde 
schon  bei  Besprechung  dieser  letzteren  Art  gesagt. 

Ganz  nahe  verwandt  ist  unsere  Art  noch  mit  Waldheimia  omitho- 
cephala  Sow.  sp.;  die  Formen,  welche  den  Uebergang  nach  letzterer 
Spezies  vermitteln,  verlieren  ihre  Anwachsstreifen,  werden  ganz  glatt, 
länglich;  zugleich  biegt  sich  der  Schnabel  mehr  um,  wird  spitzer  und 
die  falsche  Area  verschwindet.    Endlich  nimmt  das  Poramen  eine  läng- 


•  f.       .  •» 


292 

liehe  Gestaltung  au.  Die  ersten  Jugendstadien  beider  Formea  stimmen 
tiberein,  erst  später  entwickelt  sich  die  eine  oder  die  andere  Spezies 
daraus.  Auch  hier  ist  durch  Schliffe  bei  jungen  Individuen  von  gewisser 
Grösse  das  Megerleastadium  nachzuweisen. 

Vorkommen:  Mittlerer  und  oberer  Dogger,  8  —  8. 
Unter-Elsass:  Buchsweiler. (Hauptrogenstein.) (L.S. — S.S.— U.S.) 

Lothringen:  Moyeuvre.  (Mergel  von  Longwy.)  Mittelformen 
zwischen  unserer  Spezies  und  Waldheimia  Coheni,  (L.  S.)  Monvaux, 
Fenne  Marengo  bei  Metz.  (Mergel  von  Longwy.)  (L.  S.)  G6nivaux, 
Ars  a.  d.  Mosel,  Gravelotte,  Räzonville,  Vionville,  St.  Privat, 
Flavigny,  Gorze,  Vernöville,  ßollingen,  Oberhaupt  im  oberen 
Dogger  Lolhringens.  (Mergel  von  Gravelotte.)  (L.  S.  —  S.  S.  —  ü.  S.  —  F.  S.) 

Nachbarländer:  Longrie  in  Luxemburg.  (Bathonien.)  (L.  S.) 
Xonville.  (Meurthe-et-Moselle.)  (Variansschichten.)  (L.  S.)  YOgisheim 
bei  Rändern  in  Baden.  (Variansschichten.)  (L.  S.  —  U.  S.)  Büren, 
Wartenberg,  Zyfen  im  Berner  und  Baseler  Jura.  (Bathonien.)  (G.  S.) 


i\ 


;) 


Waidheimia  (ZeUleria)  omUhocephaia  Sow.  1812. 

Taf.  XV,  Fig.  5  —  14,  15  —  17,  26. 

1812.  Sow£RBT.  Mineral  conchology  of  Great-Britain.  pag.  303.  Taf.  87. 

Taf.  88.  Fig.  1—6. 
1834.  Buch,  üeber  Terebrateln.  Lk.  pag.  89. 
1837.  PüSCH.  Palaeontologie  Polens,  pag.  20.  Taf.  3.  Fig.  17. 

1848.  Bronn.  Index  palaeontologicus.  pag.  1234. 

1849.  d'Orbiony.  Prodrome,  pag.  316. 

1850.  DAvmsoN.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  40.  Taf.  7.  Fig.  6. 

10.  13.  23. 
1859.  Oppel.  Jura.  pag.  494. 
1863.  OosTER.  Brachiopodes  des  Alpes  suisses.  pag.  29.  Taf.   11.  Fig. 

3—10. 

1869.  Brauns.  Mittlerer  Jura.  pag.  286. 

1870.  Greppin.  Jura  bernois.  pag.  51. 

1871.  Qüenstedt.  Brachiopoden.  pag.  332. 


293 

1878.  Davidson.  Supplement,  pag.    165  und   167.  Taf.  22.  Fig.   1—2. 

Taf.  24.  Fig.  27. 
1880.  ZiTTEL.  Handbuch.  I.  1.  pag.  703. 

Der  Habitus  dieser  Spezies  ist  im  Allgemeinen  weniger 
wechselnd,  als  derjenige  der  vorhergehenden  Art. 

Beide  Schalen  in  der  Regel  gleich  stark  aufgebläht,  die 
kleine  ist  hie  und  da  etwas  flacher,  als  die  grosse  Schale.  Die 
grösste  Breite  der  Form  liegt  in  der  Mitte  beider  Schalen,  die 
grösste  Wölbung  eher  noch  etwas  mehr  dem  Wirbel  zu. 

Die  Stirnlinie  ist  gerundet. 

Der  Schnabel  ist  im  ausgewachsenen  Stadium  deutlich  ge- 
kielt und  ziemlich  auf  die  kleine  Schale  herabgedrückt.  Eine 
falsche  Area  ist  bei  manchen  ausgewachsenen  Exemplaren  vor- 
handen. Die  Arealkanten  sind  sehr  scharf,  das  Foramen  klein  und 
länglich,  und  dessen  Ränder  öfters  wulstartig  aufgeworfen.  Del- 
tidium  breit  und  spitz  zulaufend.  —  Schlosslinie  und  Commissuren 
gerade,  Brachialapparat  sehr  lang,  fast  die  Stirne  berührend. 

Länge  ca.  23—25  Millimeter,  Breite  18—19  Millimeter. 


Verhältnisfl  zu  anderen  Arten.  Wegen  der  Beziehungen, 
welche  zwischen  unserer  Art  und  Waldheimia  subbucculenta  einerseits 
und  Waldheimia  lagenalis  andererseits  bestehen,  verweise  ich  auf  das 
bei  Besprechung  dieser  Arten  Gesagte. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger,  e. 

Ober-EIsass:  Bollenberg.  (Hauptrogenstein.)  (L.  S.) 

Unter-Elsass:  Buchsweiler.  (Hauptrogenstein-Yariansschichtcn.) 
L.  S.  —  U.  S.  —  S.  S.)  Kirchberg  bei  Barr.  (Hauptrogenslein.)  (S.S.) 

Lothringen:  Gönivaux,  Ars  a.  M.,  Gravelotte,  Rözonville, 
Vionville,  St.  Privat,  Flavigny,  Gorze,  Vernöville,  Bollingen, 
überhaupt  im  oberen  Dogger  Lothringens.  (Mergel  von  Gravelotte.)  (L.  S. 
—  U.  S.  —  S.  S.  -  F.  S.) 


29  J 

Nachbarländer:  Xonrille.  (Meurthe-et-Moselle.)  (Variansschich* 
ten.)  (L.  S.)  Yogisheim  bei  Kandern  in  Baden  (Cornbrash.)  Lehen 
bei  Freiborg  L  B.  (Hauptrogenstein.)  «S.  S.  —  U.  S.)  BQren,  Warten- 
berg, Zyfen  im  Baseler  und  Berner  Jura.  (Bathonien.)  (G.  S.) 

Die  YerwaidtsehaftsveiiiütaiMe  der  Waldheiaiei  ies  Doffer. 

Ueber  die  Bexiehungen,  welche  zwischen  Waldhtimia  Meriani 
Oppel  sp.  und  den  anderen  zur  Untergattung  Aulacoihyris  gehörigen 
Spezies  des  Dogger  herrschen,  konnte  ich,  in  Folge  Mangels  an  genQ- 
gendem  Material,  Nichts  ermitteln.  Nur  bei  den  wenigen  Formen  der 
Waldheimia  carinata  Lamarck  Hess  sich  eine  Verwandtschaft  mit  ge- 
wissen Formen  der  Waldheimia  Beneckd  nov.  sp.,  wenn  auch  noch  nicht 
ganz  bestimmt,  feststellen. 

Ueber  die  näheren  Verwandtschaften  zwischen  Waldheimia  Coheni 
noT.  sp,  und  Waldheifuia  subbuccuhnta  Cuapus  eiÜEWALQVE  ist  auch 
schon  das  NOthige  gesagt  worden  ^cf.  pag.  2S^ ,  ebenso  tlber  diejenigen, 
welche  zwischen  letzterer  Art  und  Wclaheimia  ornithocephala  Sow.  sp. 
bestehen. 

Beide  Arten  konmien  in  aufeinanderfolgenden  Schichten,  z.  Th. 
auch  schon  in  ein  und  derselben  Schicht  vor,  wie  z.  B.  in  dem  Hanpt- 
rogensteine  und  seinem  Hangenden,  den  Variansschichten,  zu  Buchs- 
weiler. .\us  dem  an  dieser  einiigon  Lokalität  gesammelten  Matehale  lassen 
sich  die  schönsten  Uebergaugsreihen  zusammenstellen. 

Auch  Waldheimia  orni:hocephr!a  und  Wald^  eimia  lagtnalis  haben 
viele  Beziehungen  zu  einander,  die  schon  des  Näheren  erläutert  worden 
sind.  —  SpeiieU  die  Formen  von  Hugevüle  sind  solche  Mittelfoimen. 
.Vuch  bei  Buchsweiler  fanden  sich  deren. 

Die  ächten  Lagenalisfonnen  jed<xh  fehlen  mit  wenigen,  ganz  Ter- 
einzelt  dastehenden  Ausnahmen  in  EIsass-Lothhngen  und  scheinen  auf 
das  Rheinthal,  speziell  auf  das  Bathonien  von  VOgisheim  und  Umgebung 
beschränkt  zu  sein. 

Auch  dem  Benier  Jura  scheinen  sie  sehr  selten.  Eine  einzige  Loka- 
hLät,  Chdtiüon  im  Beraer  Jura,  wird  von  Greppex  aufgeführt.  Die  betr. 
Formen,  die  ich  zur  Hand  hatte,  sind  allerdings  ächte  Lagenalisfonnen. 

Ueber  Waldheirxia  cad^mensis  D£SLO>~gchamps  wurde  auf  Seile 289 
das  NOtbige  gesagt. 


•^" 


295 


s 


0 

9 


^ 

U 


to 


o 

«8 

O 

1 

> 


i8 


•dB  'MOS  <^I>V^99 


I- 


'dt  IBdJQ 


•d«  "IBOS 


-ttawopo?  0tifi.i9VP2Vill 


- 

- 

i- 

■r  ■• 

1- 

^a  *• 

'da  ladao  *Y<^ 


*dt  'Aon 


'df  xosTHTi  o;o« 

-Ul»  -jo  VtVf9ilpjVAi 


'dt  *Aon 


'dl  axddo 


*dt  'BXQ^a  tf«11»9 


'dt  'MOS  ^Pfl 


'dt  'MOS  '^'V** 


•ATQ  mOVUlVt 

•nuqH9    O}imt9f[pioji 


'dt  xoavHTq  »201» 


*dt  'MOS 


-dt  VOVTJI 

-Tq  'ju>9  otvit»^p2Vji 


•dl  axxxzdC  py04 


o 


• 

■ 

1 

i 

• 

J3 

A 

0 

s 

0 

« 

MM 

9 

ä< 

0 

0 

«> 

JS 

H 

9 

• 

► 

i 

• 

•i 

CO 

fj 

• 

•0 

e 

2 

0 

1 

s 

• 

3 

0 

a 

5 

1 

• 

s 

u 

.a 

• 
0 

• 

s 

i 

1 

2 
5 

0 
S 

1 

s 

a 

3 

.a 

t 

0 

ü 
S 

0 

g 

0 

one  der  Tri\ 
schichten. 

J 

u 

1 

•s 

a 

3 

1 

0 

u 

S 

0 

S 
ä 

«8 

'S 

0 

0 

0 

H 

3 

1 

3 

S 

§ 

> 

0 

P 

n 

OD 

a) 

N 

0 

0 

s 

» 

S 

PQ 

0 

0 

3 

o 

A 

u 
o 

0 


0 

0 

I 

0 
9 

0 
0 


•xaaxiKKat)  ip«K 


PQ 


• 

«0 

• 

>- 

• 

ai 

d 

m 

• 

00. 

■ 

0 

•^ 

•^ 

• 

•^ 

»^ 

M 

^ 

pq 

1« 

n 

u 
PQ 

ä 

3 

k4 


j 

^ 


00. 

3 


s 

j 


*«on«QUO|i 


'j  0  3  JB  o  a 


1»  n 


s  -a 

■a  • 

CO  h 

9  B 

a  • 

•  d 

0  «^ 

o 

>  m 


II 
2^ 


I 


296 


Spiriferinaj  d'Orbigny.  1847. 


Spiriferina  WalcoUi  Sow.  sp. 
Spiriferina  rostratd  Schl.  sp. 
Spiriferina  verrucosa  Schl.  sp. 


Spiriferina  WalcoUi  Sow.  sp.  1823. 
Taf.  XVI,  Fig.  1—3.  5. 

1823.  SowERBT.  Mineral  conchology  of  Great-Britain.  yoL  IV.  pag.  106. 
Taf.  377.  Kg.  1—2. 

1849.  d*Orbiony.  Prodi^me.  vol.  I.  pag.  221. 

1850.  Derselbe.  Ebendaselbst  pag.  26.  Taf.  3.  Kg.  4—6.  Spiriferina 

Münsteri  Davidson. 

1850.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  25.  Taf.  3.  Fig.  2 

bis  3. 

1851.  Ghapuis  et  Dewalqub.   Terrains   secondaires   da  Luxembonrg. 

pag.  236.  Taf.  35.  Fig.  7. 
1853.  OtENSTEDT.  Handbuch,  pag.  482.  Taf.  38.  Fig.  34. 
1853.  Opp£L.  Mittlerer  Lias.  pag.   72.  Taf.  4.  Fig.  3.  Spiriferina  ocUh 

plicata  ZiCTEN. 

1858.  QusKSTSDT.  Jura.  pag.  99.   146.   182.  Taf.  9.  Fig.  8.  TaL  18. 

Fig.  16.  Taf.  22.  Fig.  27. 

1859.  Oppcl.  Jura.  pag.  108. 

1859.  Derselbe.  Ebendaselbst  pag.  186.  Spiriferina  MQnsteril^AviDSOV. 

1861«  Oppbl>  BracMopoden  des  unteren  Lias.  pag.  534. 

1863.  OosTER.  Brachiopodes  des  Alpes  snisses.  pag.  39.  Spiriferina  Wal- 

aMti  Sow.  nicht  d  Orbignt. 
1863.  SciiLORNB.\CH.  Der  Eisenstein  des  mittfer»  Lias  etc.  pag.  548. 

Spiri;\ruvA  liunstcri  Davidson. 


«(. 


297 

1867.  QuENSTEDT.  Handbuch.  2.  Aufl.  pag.  575.  Taf.  48.  Fig.  34. 

1869.  DuMORTiER.      Depots    jurassiques     du    bassia    du    Rhone,    iL 

Taf.  14.  ^g.  6—7.  III.  pag.  154. 

1870.  Greppin.  Jura  bemois.  pag.  22.  24. 

1871.  QüENSTEDT.  Brachiopoden.  pag.  523.  u.  ff.  Taf.  54.  Fig.  71—76. 
1871.  Brauns.  Unterer  Jura.  pag.  430. 

1880.  ZiTTEL.  Handbuch.  I.  1.  pag.  682. 

Eine  den  verschiedensten  Variationen  ausgesetzte  Art,  weshalb 
viele  Autoren  eine  Menge  verschiedener  Spezies  daraus  gemacht  haben, 
meiner  Ansicht  nach  mit  Unrecht.  Ich  berufe  mich  dabei  auf  die  An- 
sicht von  Professor  Quenstedt.  (Brachiopoden.  pag.  523.) 


Die  auf  beiden  Schalen  gleichmässig  und  ziemlich  gewölbte 
Normalform  hat  ca.  10 — 12  Bippen  auf  jeder  der  beiden  Schalen, 
seltener  finden  sich  deren  über  16.  Nur  an  einem  einzigen 
Exemplar  konnte  ich  bis  21  Bippen  beobachten.  Die  Bippen 
sind  ziemlich  scharfkantig.  Die  mittlere,  stärker  ausgebildete 
Bippe  bildet  am  Stimrande  der  kleinen  Schale  einen  Sattel, 
welchem  auf  der  grossen  Schale  eine  breite  und  flache  Bucht 
entspricht,  die  Schlosslinie  ist  sehr  gestreckt,  die  Flügelecken 
sind  meist  gerundet,  selten  eckig. 

Der  Schnabel  der  grossen  Schale  ist  sehr  spitz  und  an 
seinem  äussersten  Ende  etwas  eingebogen.  Die  Area  ist  kurz 
und  mit  gegitterter  Streifung  versehen. 

Die  Deltidialspalte  ist  von  der  bei  den  Spiriferinen  gewöhn- 
lichen dreieckigen  Gestaltung,  doch  ist  vom  Pseudodeltidium  nur 
sehr  selten  noch  etwas  zu  sehen.  Arealkanten  gerundet. 

lieber  den  Brachialapparat  ist  mir  nichts  Neues  bekannt. 
Die  grosse  Schale  hat  sehr  stark  entwickelte  Zahnplatten  und 
ein  ziemlich  langes  Septum.  (Ueber  das  Weitere  cf.  Zittel,  Hand- 
buch I.  1  pag.  682.) 

Xänge  18—20  Millimeter,  Breite  23—26  Millimeter. 


298 

.  Die  Formen  aus  dem  mittleren  Lias  erreichen  nicht  immer 
diese  Dimensionen,  sondern  bleiben  öfters  kleiner. 

Bei  den  Jugendformen,  von  denen  mir  leider  nur  wenige 
Exemplare  vorliegen,  ist  der  Schnabel  noch  nicht  umgebogen,  die 
Area  noch  sehr  vertieft  und  die  Bippen  sind  weniger  scharf- 
kantig, während  die  Bucht  auf  der  Oberschale  viel  tiefer  ist, 
als  im  ausgewachsenen  Zustande. 

Ueber  das  Verhältniss  zu  anderen  Arten  cf.  pag.  302. 

Vorkommen:  Unterer  und  mittlerer  Lias,  a — y. 

Unter-Elsass:  Hochfelden,  Bahneinschnitt  bei  Buchs  weil  er 
Mattenkuppe  bei  Oberbronn.  (Gryphitenkalk.)  (L.  S.)  Bossendorf 
bei  Hochfelden.  (Nunusmalismergel.)  (L.  S.)  (Uebergangsformen  nach 
Spiriferina  verrucosa  Sghl.  sp.)  MOhlhausen  (diluvial).  (L.  S.  — S.  S.) 

Lothringen:  Peltre,  Grigy,  Valliöres  bei  Metz.  (Gryphiten- 
kalk und  Brevisschichten.)  (L.  S.  —  F.  S.)  Goin  bei  Verny,  Ghemi* 
not,  Solgne,  Gourcelles,  La  Prelle  bei  Sillegny,  Metzeresch, 
Haute-  und  Bas-Bövoie  bei  Metz,  PUttlingen.  (DavoeLschichten.) 
(L.  S.  —  F.  S.) 

Nachbarländer:  Steinfort,  Hassel  und  Strassen  in  Luxem- 
burg. (Gryphitenkalk.)  (L.  S.)  Bärschwyl,  Pratteln,  SchOnthal, 
Ruttehardt  im  Baseler  Jura,  Lehen  bei  Freiburg  i.  Br.  (Gryphiten- 
kalk.) (G.  S.) 


Spiriferina  rosiraia  Schl.  sp.  1820. 
Taf.  XVI,  Fig.  4,  6—7,  8,  10—11. 

1820.  SCHLOTHEiM.  Die  Petrefactenkunde  auf  ihrem  jetzigen  Stand- 
punkte etc.  pag.  257.  Terebratulites  rostratus  Sghl. 

1832^34.  ZiETEN.  Versteinerungen  Worttembergs.  pag.  51.  Taf.  38.  Fig.  3. 
Delthyris  rostrata  Zieten. 

1832—34.  Derselbe.  Ebendaselbst.  TaL  38.  Fig.  5.    Delthyris  pinguis 

ZiETEN   (SOW.)   (?) 


299 

1843.  QüENSTEDT.   Flözgebirge,  pag.  186. 

1848.  Bronn.  Index  palaeontologicus.  pag.  1181. 

1850.  Davidson..  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  20.  Taf.  2.  Fig.  1 

bis  21. 

1851.  Ghapuis  et  Dewalque.    Terrains   secondaires    du  LuKembourg. 

pag.  237.  Taf.  35.  Fig.  6. 

1852.  OuENSTEDT.  Handbuch.  pag.  483.  Taf.  38.  Fig.  37. 

1853.  Oppel.  Mittlerer  Lias.  pag.  73.  Taf.  4.  Fig.  7. 

1858.  QüENSTEDT.  Jura.  pag.  181—182.  Taf.  22.  Fig.  25.  Taf.  22.  Fig.  24 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  186. 

1863.  OosTER.  Bracbiopodes  des  Alpes  suisses.  pag.  39.  Taf.  13.  Fig.  13 
bis  20.  Spv'iferina  rostrata  Schi.,  sp.  nicht  Davidson. 

1863.  Schloenbach.  Der  Eisenstein  des  mittleren  Lias  etc.  pag.  547. 

1864.  Seebagh.  Hannoverischer  Jura.  pag.  75. 

1867.  QüENSTEDT.  Handbuch.  2.  Aufl.  pag.  575.  Taf.  48.  Fig.  37. 

1869.  DüMORTiER.  Depots  jurassiques  du  bassin  du  Rhone.  III.  pag.  320. 

1871.  QüENSTEDT.  Brachiopoden.  pag.  527.  Taf.  54.  Fig.  96—107. 

1871.  Brauns.  Unterer  Jura.  pag.  432. 

1876.  Davidson.  Supplement,  pag.  95.  Taf.  9.  Fig.  6. 

1880.  Ghoffat.   ätude  slratigraphique   et  pal^ontologique  des  terrains 

jurassiques  du  Portugal.  I.  Le  Lias  et  le  Dogger  au  Nord 

du  Tage.  pag.  9.  12.  16.  19. 
1880.  ZiTTEL.  Handbuch.  L  1.  Fig.  516. 

Beide  Schalen  gleichmässig  und  stark  gewölbt;  Berippung 
(15—20  Bippen)  nur  leicht  angedeutet  oder  nicht  vorhanden, 
Sattel  an  der  Stirnlinie  der  kleinen  Schale  wenig  ausgeprägt  und 
gerundet,  die  ihm  entsprechende  Bucht  auf  der  grossen  Schale 
flach  und  breit.  Schlosslinie  weniger  lang,  als  bei  Spiriferina 
Walcoiiij  die  Flügelecken  stets  gerundet. 

Schnabel  weniger  spitz  als  bei  dieser  Art  und  öfters  etwas 
mehr  umgebogen. 

Area  kurz,  mit  gegitterter  Streifung. 

Deltidialspalte  von  massiger  Grösse. 

Arealkanten  gerundet. 


300 

Beide  Schalen  oft  mit  Anwachsstreifen  versehen. 
Schalenstruktur  punktirt. 

lieber  den  Brachialapparat  ist  nichts  Neues  zu  sagen. 
Länge  27  —  30  Millimeter,  Breite  32—35  Millimeter. 

BezOglich  des  Verhältnisses  zu  anderen  Arten  cf.  pag.  302. 


Vorkommen:  Unterer  und  mittlerer  Lias, 

Unter-EIsass:  Zinsweiler.  (Gryphitenkalk.)  (L.  S.  —  S.  S.) 
Mattenkuppe  bei  Oberbronn.  (Davoeischichten.)  (L.  S.)  Mühlhausen 
(diluvial).  (L.  S.)  Silzbrunnen  bei  Uhrweiler,  Merzweiler.  (Gostatus- 
schichten.)  (L.  S.  —  S.  S.) 

Lothringen:  Grigy,  Valli^res,  Peltre,  Gheminot,  Verny, 
Betern  bei  Metz,  Allsdorf-Bettsdorf.  (Gryphitenkalk  und  Brevis- 
schichten.)  (L.  S.  —  F.  S.)  Monterchen,  Haute  und  Basse-B6voie 
bei  Metz.  (Davoeischichten.)  (L.  S.  —  F.  S.) 

Nachbarländer:  Pratteln  im  Baseler  Jura.  (Gryphitenkalk.)  (G. 
S.);  Virton  in  Belgien,  p.  c.  (Lias  y,  Gr^s  de  Virton  Gh.  et  Dav.) 


Spiriferina  verrucosa.  Buch.  sp.  1831. 
Taf.  XVI,  Fig.  8,  9. 

1831.  Buch.  P^trifications  remarquables.  Taf.  7.  Fig.  2. 

1832—34.  ZiETEN.  Versteinerungen  Württembergs,  pag.  50.  Taf.  38.  Fig.  2. 

1843.  QuENSTEDT.  FlOzgcblrge.  pag.  185. 

1849.  d'Orbigny.  Prodrome.  I.  pag.  221. 

1850.  Davidson.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  20.  Taf.  3.  Fig.  1. 

Sp.  rostrata  Schl.  sp.  2.  Tbl. 

1852.  QuENSTEDT.  Haudbuch.  pag.  482.  Taf.  38.  Fig.  35. 

1853.  Oppel.  Mittlerer  Lias.  pag.  73.  Taf.  4.  Fig.  5—6. 
1858.  QuENSTEDT.  Jura.  pag.  44.  Taf.  18.  Fig.  6—15. 

1862.  Deslongchamps.  £tudes  critiques  sur  des  Brachiopodes  nouveaux 

ou  peu  connus.  pag.  17.  Taf.  2.  Fig.  4—6. 
1867.  QUENSTEDT.  Haudbuch.  2.  Auflage,  pag.  575.  Taf.  48.  Fig.  35. 
1870.  Greppin.  Jura  bemois.  pag.  22. 


301 

1871.  QuENSTBDT.  Brachiopoden.  pag.  529.  Taf.  54.  Fig.  108—119. 
1871.  Brauns.  Unterer  Jura.  pag.  432.  Spiriferina  rostrata  Schl.  sp. 

z.  Tbl.? 
1876.  Davidson.  Supplement,  pag.  97.  Taf.  11.  Fig.  9—10. 

Von  Davidson  und  den  meisten  Autoren  zu  Spiriferina  rostrata 
gestellt,  von  der  unsere  Art  nur  eine  Varietät  ist.  Quenstedt's  Ansicht 
(Jura.  pag.  144)  «Ich  möchte  diesen  Namen  für  die  kleine  Spezies  (der 
Spiriferina  rostrata)  beibehalten  wissen,  welche  sich  gleich  in  der  un- 
tersten Bank  (der  Oberregion  des  Lias  y)  in  grosser  Häufigkeit  findet» 
stimme  ich  bei,  schon  mit  Rücksicht  auf  das  bestimmte  geologische 
Vorkommen;  seine  Unterabtheilungen  möchte  ich  jedoch  nicht  beibehalten. 

Kleine  Form,  länger  als  breit.  Berippung  stets  schwach, 
wenn  auch  aus  zahlreichen  Falten  bestehend.  Kleine  Schale  meist 
flacher  und  weniger  gewölbt,  als  die  grosse  Schale.  Sattel  auf 
der  kleinen  und  Bucht  auf  der  grossen  Schale  kaum  angedeutet. 
Schnabel  spitz  und  sehr  umgebogen.  Deltidialspalte  klein.  Area 
kurz  und  mit  gegitterter  Streifung  versehen.  Arealkanten  ge- 
rundet. Schlosslinie  kurz,  mit  gerundeten  Flügelecken.  Beide 
Schalen  mit  zierlichen  Anwachsstreifen  versehen. 

Ueber  den  Brachialapparat  ist  mir  Nichts  bekannt. 

Ueber  das  Verhältniss  zu  anderen  Arten  siehe  im  Folgenden. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias,  y, 

Unter-Elsass:  Bberbach,  Wörth.  (Davoeischichten.)  (L.  S.) 
ßossendorf  bei  Hochfelden.  (Numismalismergel.)  (L.  S.)  Uebergangs- 
formen  nach  Spiriferina  rostrata.  Mühlhausen  (diluvial).  (L.  S.) 

Lothringen:  Luppy.  (Davoeischichten).  (L.  S.)  Uebergangsformen 
nach  Spiriferina  rostrata  Sow.  Mabroy  bei  Metz.  (Numismalismergel.) 
(L.  S.  —  F.  S.) 

Nachbarländer:  Maisch  bei  Heidelberg.  (Numismalismergel.) 
(H.  U.  S.) 


302 


Die  YerwaBdtsohaftsverhältBlMe  der  Spiriferioeo  des  Lias. 

Schon  in  seinem  1859  erschienenen  Jura  hat  Quenstedt  an  ver- 
schiedenen Stellen  bei  Besprechung  der  liasischen  Spiriferinen  Schwa- 
bens darauf  hingewiesen,  wie  sehr  deren  verschiedene  Spezies  mit  ein- 
ander verbunden  sind  und  wie  wenig  thunlich  es  ist,  f&r  jede  Varietät 
eine  Art  aufstellen  zu  wollen. 

Auch  bei  unseren  Formen  finden  sich,  wie  bei  denjenigen  des 
schwäbischen  Lias,  die  allerverschiedensten  Uebergänge  in  einander. 

So  geht  Spiriferina  Walcotti  durch  allmählich  feiner  werdende 
Berippung,  Abrundung  der  FlQgelecken  und  grössere  Wölbung  der  Scha- 
len in  Spiriferina  rostrata  Ober,  welche  wiederum  so  enge  mit  Spiri- 
ferina  verrucosa  verbunden  ist,  dass,  wie  schon  gesagt  wurde,  viele 
Autoren,  wie  Davidson,  Brauns  und  Andere,  einfach  beide  Spezies  mit 
einander  vereinigen. 

Ich  habe  dieselben,  der  Ansicht  Ouenst£dt*s  folgend,  aus  geolo- 
gischen GrOnden  noch  getrennt  gehalten. 

Zwischen  Spiriferina  verrucosa  und  den  kleinen  ITa/cotti-Formen 
aus  dem  mittleren  Lias  ist  auch  keine  Grenze  zu  ziehen.  Durch  allmähli- 
ches Schärferwerden  der  Berippung  und  Breiterwerden  der  Schlosslinie 
gehen  beide  Arten  ineinander  tlber. 


303 


Orfhoidea^  Fbiren  1875. 

Orthoidea  HaHna  Friren  1876. 
Taf.  XVII.  Fig.  12— 14.   17. 

1875.  Friren.  MülaDges  paläoatologiqries  etc.  (Bullelia  de  la  Sociätö 
(i*Histoire  naturelle  de  Metz,  14^  cahier;  2'  de  la  2*  särie). 
pag.  1  und  folgende.  Taf.  1.  Fig.  1—6. 

(1863.  Deslongchamps.  Brachiopodes.  Taf.  13.  Fig.  1—2.  Fälschlich  als 
Jugendform  von  Waldheimia  numismalis  Lamark  sp.  ab- 
gebildet.) 

Diese  zierliche  Gattung  hat  Herr  Abb6  Friren  zu  Montigny  bei 
Metz  mit  vielem  Scharfblick  entdeckt  und  derselben  ihrem  Charakter 
gemäss  eine  Stellung  bei  der  Familie  der  Orthiden  angewiesen.  Sie  ist 
mit  der  Gattung  Leptaena^  die  im  Lias  Elsass-Lothringens  bis  jetzt  noch 
nicht  gefunden  worden  ist,  eines  der  wenigen  Beispiele  vom  Vorkommen 
des  Vertreters  einer  das  palaeozoische  Zeitalter  charakterisirenden  Bra- 
chiopodenfamilie  in  liasischen  Schichten. 

Die  grosse  Schale  ist  gewölbt,  die  kleine  Schale  ist  ganz 
flach.  Beide  Schalen  sind  mit  feiner  radialen  Streifung  versehen 
und  sehr  fein  punktirt. 

Schnabel  spitz  und  frei  hinausragend,  kaum  oder  nur 
wenig  übergebogen.  Breite  scharfkantige  Area  von  dreieckiger 
Gestalt  mit  ebenfalls  dreieckiger  Deltidialspalte,  welche  beider- 
seits von  einem  wulstartig  aufgeworfenen  breiten  Rande  begi*enzt 
wird,  deren  Form  aber  durch  2  leichte  und  kleine  Erhöhungen 
an  der  kleinen  Schale  („deux  tr^s-petites  oreillettes,  qui  se  trouvent 
k  droite  et  k  gauche  du  sommet  de  la  petite  valve",  Friben), 
etwas  modifizirt  wird,  so  dass  dieselbe  ein  trapezförmiges  Aus- 
sehen  bekommt  („en  lui  donnant  Taspect  d'un  losange^  Friren). 


304 

Ein  Medianseptum  fehlt;  an  dessen  Stelle  tritt  eine  leicht 
angedeutete  längliche  und  mediane  Depression  („une  d^pression 
longitudinale  et  mediane',  Fbiben). 

Brachialapparat  fehlt. 

Länge  5 — 7  Millimeter,  Breite  7—8  Millimeter. 

Auf  das  Fehlen  eines  Medianseptums  und  eines  Brachialapparates, 
auf  das  Fehlen  eines  Deltidiums,  welches  ohrigens,  wie  Frir£n  meint, 
auch  herausgefallen  seih  könnte,  wie  etwa  bei  den  Spirifeiinen  des  Lias, 
was  mir  aber  kaum  wahrscheinlich  erscheint,  und  auf  das  Nichtvor- 
handensein einer  Area  auf  der  kleinen  Schale  begründet  Abb6  Priren 
mit  allem  Rechte  seine  neue  Gattung,  die  er  wegen  ihrer  grossen  Analogie 
mit  gewissen  Orthiden  Orthoidea  nannte. 

Vorkommen:  Mittlerer  Lias;  Oberster  Lias  y— 8.  (Glavatus-  und 
Margaritatnsschichtcn.) 

Montigny  und  Malroy  bei  Metz.  (L.  S.  —  F.  S.) 

Thecidium^  Deprance  1828. 

Mir  sind  nur  wenige  unbestimmbare  Formen  aus  dem  Korallenkalk 
von  Ars  a/M.  bekannt.  Sie  sind  von  sehr  geringen  Dimensionen  und 
deren  Erhaltungszustand  erlaubt  leider  keine  näheren  Untersuchungen. 

(L.  S.) 

Discina,  Lamarck  1819. 

l>t8Cina  cf.  Holdeni  Täte  1867. 
Taf.  XVII.  Fig.  20. 

1867.  Täte. Quarterly Journal ofthe Geological Society, vol. XXIII. pag.314. 
1869.  Geological  Magazine,  vol.  6.  pag.  553. 

1876.  Davidson.  Supplement,  pag.  85.  Taf.  10.  Fig.  12.  Taf.  11.  Fig.  32. 
(1865.  Terquem  et  Piette.  Lias  införieur  de  TEst  de  la  France,  pag.  113. 
Taf.  14.  Fig.  33—34.  Discina  sp.  indef?) 


305 

Oberschale  stark  gewölbt,  in  einer  feinen  Spitze  auslaufend. 
Concentrische  Anwachsringe  die  ganze  Schale  bedeckend.  Form 
fast  kreisrund.  %  Millimeter  lang  und  ebenso  breit. 

lieber  die  Unterschale  ist  mir  Nichts  bekannt. 

Vorkommen:  Unterer  Lias,  a.  Valliöres  bei  Metz.  (Gryphiten- 
kalk).  (S.  S.) 

Unter-EIsass.  (Gryphitenkalk.)  (Etiquette  ohne  Lokalität.)  (S.  S.) 


DUdna  cf.  Davidsoni  Moore  1867. 

Taf.  XVIL  Fig.  21. 

1867.  Moore.  Quarterly  Journal  of  the  Geological  Society,    vol.  XXIII. 

pag.  540.  Taf.  16.  Fig.  29. 
1876.  DAvmsON.  Supplement,  pag.  84.  Taf.  10.  Fig.  11,  11». 

Mir  liegt  ein  einziges  Exemplar  aus  den  Davoeikalken  von  Bos- 
sendorf bei  Hochfelden  vor,  das  noch  am  Besten  zu  dieser  Art  zu 
stellen  ist. 

Ziemlich  gewölbte  Oberschale,  in  einer  feinen  Spitze  aus- 
laufend, welche  nicht  ganz  in  der  Mitte  der  Schale  liegt.  Con- 
centrische Anwachsringe.  Form  fast  kreisrund.  Länge  und  Breite 
ca.  3  Millimeter.  Unterschale  nicht  bekannt.  —  (L.  S.) 


IHsdna  cf •  pa^yroLcea  Muenster  sp. 
Taf.  XVn.  Fig.  15. 

1852.  QuENSTEDT.  Haudbuch.  pag.  494.  Taf.  39.  Fig.  41. 

1858.  Derselbe.  Jura.  pag.  257.  Taf.  36.  Fig.  20—21. 

1859.  Oppel.  Jura.  pag.  266. 

1867.  QüENSTEDT.  Handbuch,  pag.  588.  Taf.  49.  Fig.  41. 

1871.  QüENSTEDT.  Brachiopoden.  pag.  661.  Taf.  60.  Fig.  107—111, 

20 


306 

Das  einzige  mir  vorliegende  Exemplar  dieser  Spezies  ist 
von  länglicher,  fast  eiriinder  Gestalt.  Die  spitz  auslaufende 
Oberschale  —  die  Spitze  liegt  in  der  Mitte  derselben  —  ist 
mit  feinen  concentrischen  Anwachsstreifen  versehen. 

Von  der  Unterschale  ist  mir  Nichts  bekannt. 

Länge  4  Millimeter,  Breite  3  Millimeter. 

Dieses  Exemplar  wurde  im  Lias  e  bei  Aubange  in  Belgien  ge- 
funden. (L.  S.) 


JHscina  Qu^enstedti  nov.  sp. 

Taf.  XVn.  Fig.  16,  19. 

So  möchte  ich  jene  grossen  Formen  aus  dem  unteren  Dogger  a 
bezeichnen,  die.  von  den  meisten  Autoren  als  Discina  reßexa  Sow.  an- 
geführt werden,  aber  mit  der  SowERBYSchen  Art  sicherlich  nicht  iden- 
tisch sind.  Schon  Oppel  (Jura,  pag.  435)  bemerkt  bei  Besprechung  dieser 
Spezies:  «In  den  thonigen  Schichten  von  Gundershofen  findet  sich 
gleichfalls  eine  Discina,  doch  ist  nicht  ausgemacht,  ob  sie  damit  (mit 
D.  reßexa  nämlich)  zu  vereinigen  sei.» 

QuENSTEDT  bildet  im  Jura,  Taf.  45,  Fig.  2  eine  Form  aus  dem 
obersten  Dogger  a,  vom  Teufelsloch  bei  Boll  in  Württemberg  ab, 
die  den  mir  vorliegenden  Exemplaren  aus  den  Schichten  der  Trigonia 
navis  von  Gundershofen  täuschend  ähnlich  sieht,  dass  man  meinen 
konnte,  es  seien  die  Originale  zu  seiner  Abbildung.  Auch  er  ist  über 
die  Identität  dieser  Formen  mit  der  Sowerby  sehen  Art  nicht  im  Klaren. 

Ich  schlage  für  dieselbe  daher  den  Namen  des  scharfsinnigen  und 
feinen  Beobachters  selbst  vor. 

Oberschale  sehr  gewölbt,  oben  abgestumpft,  mit  feinen  An- 
wachsringen versehen.  Der  höchste  Punkt  der  Wölbung  liegt  nicht 
im  Centrum,  sondern  vielmehr  nach  dem  Wirbel  zu,  am  oberen 
Ende  der  Schale.  Die  Unterschale  ist  flach,  der  Rand  ein  wenig 


307 

erhaben.    Der  Wirbel  ist  nach  hinten  gerückt.    Area  ziemlich 
gross,  mit  deutlich  sichtbarem  Schlitz  für  den  Haftmuskel. 

Die  ganze  Gestalt  unserer  Art  ist  länglich  oval,  am  Wirbel 
jedoch  breiter,  als  am  anderen  Ende. 

Länge  20—22  Millimeter,  Breite  18—20  Millimeter. 

In  den  Torulosusschicbten  von  Uhr  weile  r  finden  sich  kleine 
mnde  Formen,  meist  auf  Trochus  subduplicatm  sitzend,  bei  welchen 
die  allein  bekannte  Oberschale  gleichmässig  gewölbt  ist  und  spitz  aus- 
läuft; die  Spitze  genau  im  Centrum  derselben  sitzend.  Auch  aus  den 
Schichten  der  Trigania  navis  von  Ars  a/M.  liegt  mir  ein  solches,  wenn 
auch  grösseres  Exemplar  vor.  Ich  glaube  es  hier  nur  mit  Jugendformen 
unserer  Art  zu  thun  zu  haben,  indem  die  ungleiche  Wölbung  der  Ober- 
schale und  deren  Abstumpfung  an  ihrem  obersten  Punkte  sich  wohl 
erst  im  Alter  herausbildet.  Eine  kleine  Discina^  welche  mit  grossen 
Exemplaren  unserer  Art  auf  einer  Gervillia  aufsitzt,  spricht  für  meine 
Behauptung. 

Vorkommen:  Unterer  Dogger,  a. 
Unter-Elsass:  Ubrweiler.  (Torulosusschicbten.) 
Gundershofen.  (Trigonia-^iaviS'&chichien.)  (S.  S.) 
Lothringen:  Ars  a/M.  (TVi^'onta-navis-Schicbten.)  (L.  S.) 


IHscina  Idnki  nov.  sp. 

Taf.  XVII.  Fig.   18. 

Die  mir  vorliegende  ovale,  an  den  Enden  etwas  abge- 
plattete Form  konnte  ich  mit  keiner  der  mir  bekannten  Spezies 
identificiren ,  benenne  sie  daher  neu.  Spitz  zulaufende  Ober- 
schale, Spitze  genau  in  deren  Mitte.  Feine  concentrische  An- 
wachsringe. Länge  5  Millimeter,  Breite  3  Millimeter. 


308 

Diese  neue  Art  fand  sich  in  den  Kalken  des  unteren  Dogger  ß 
von  Gundershofen  im  Unter-BIsass.  (L.  S.) 

Discinen  sind  mir  weiter  bekannt  aus  den  Marnes-ä-ovoldes 
(mittlerer  Lias)  von  St.  Julien  bei  Metz  und  aus  dem  Korallenkalke 
(Dogger  8)  von  PlappeyiUe  bei  Metz.  Die  geringe  Anzahl  und  die 
winzigen  Dimensionen  der  Exemplare  lassen  nähere  Untersuchungen 
leider  nicht  zu. 


309 


Lingidtty  Bruguiäre  1789. 

(Von  G.  Petri.) 

Die  Lingulen  des  Lias  und  Dogger. 

Lingula  Metensis  Terquem. 
Lingula  Longoviciensis  Terquem. 
Lingula  Beanii  Phillips. 


IdngtUa  Metensis  Terquem  1860. 
Tat  XVn.  Fig.  1—3. 

1850.  Terquem.  Bulletin  de  la  Soci^tä  gäologique  de  France.   Sär.  II, 

t.  Vm.  pag.  12.  Taf.  1.  Fig.  9  a— d 
1858.  Andler  in  Bronn-Leonhard.  Neues  Jahrbuch  für  Mineralogie  etc., 

pag.  641.  Lingula  Kurri. 
1862.  Deslongghamps.  £tudes  critiques  sur  des  Brachiopodes  nouveaux 

ou  peu  connus.  pag.  25.  Taf.  4.  Fig.  5—6. 
1869.  R.  Täte.  Geological  Magazine,  vol.  VI.  pag.  556. 
1871.  QuENSTEDT.  Brachiopodeu.  pag.  654.  Taf.  60.  Fig.  75—76. 
1876.  Davu)son.  Supplement,  pag.  77.  Taf.  9.  Fig.  27—30. 

Kleine,  eiförmige,  abgeflachte  Schalen,  deren  grösste  Breite 
sich  fast  unmittelbar  unter  dem  Schnabel  befindet  Dieser  selbst 
bildet  einen  sehr  spitzen  Winkel. 

Der  Stirnrand  ist  sehr  abgerundet;  die  mit  vielen,  wenn 
auch  nur  an  den  Rändern  stärker  hervortretenden,  in  der  Mitte 
dagegen  nur  wenig  deutlichen  Anwachsstreifen  versehenen  Schalen 
sind  dünn,  glatt  und  glänzend,  und  meist  von  braunschwarzer 
Farbe. 


310 

Eine  der  Schalen    zeigt  2  Falten,   welche  vom   Schnabel 
ausgehend  nach  dem  Stirnrande  hin  stark  divergiren. 
Die  Muskeleindrücke  sind  äusserst  schwache. 
Länge  ca.  4 — 6  Millimeter,  Breite  ca.  2 — 3  Millimeter. 


Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Lingula  Metensis  unterscheidet 
sich  leicht  durch  Grösse  und  Form  von  den  in  höheren  Schichten  auf- 
tretenden Arten. 

Andler  fahrt  unsere  Art  unter  dem  Namen .  Lingula  Kurri  aus 
den  Angulaten-  und  Bucklandischichten  Schwabens  an. 

Die  QuENSTEDT'schen  Abbildungen  stimmen  ganz  mit  unserer  Art 
überein. 

Vorkommen:  Unterer  Lias,  a. 

Elsass:  Eisenbahneinschnitt  von  Hattmatt,  Uhrweiler,  Reidl  bei 
Buchsweiler.  (Gryphitenkalk.)  (L.  S.  —  S.  S.) 

Lothringen:  Valli^res,  Grigy,  Grimont  bei  Metz.  (Gryphiten- 
kalk —  Brevisschichten.)  (L.  S.  —  S.  S.  —  F.  S.) 

Nachbarländer:  Altdorf-Betzdorf  in  Luxemburg  (Gryphiten- 
kalk.) (L.  S.) 


IdngtUa'  Longoviciensis  Terquem  1850. 

Taf.  XVn.  Fig.  4. 

1850.  Terquem.    Bulletin  de  la  Soci^tä  g^ologique  de  France,  S^r.  11. 

t.  VIII.  pag.  12. 

1851.  Chapuis  et  Dewalque.     Terrains  secondaires  du  Luxembourg. 

Taf.  35.  Fig.  4. 
1869.  R.  Täte.  Geological  Magazin,  vol.  VI.  pag.  556. 
1871.  Quenstedt.  Brachiopoden.  pag.  655.  Taf.  60.  Fig.  78. 

(Non!  1859.  Oppel.  Jura.  pag.  266.  Lingula  Posidoniae  Oppel.) 

Schale  dünn,  fast  durchsichtig,  braun  in  der  Mitte,  weiss- 
lieh  am  Rande,  zuweilen  sogar  ganz  weiss,   von  länglich  ovaler 


311 

Form,  leicht  abgeflacht  und  auf  der  ganzen  Oberfläche  mit 
Anwachsstreifen  versehen.  Der  Schnabel  tritt  nur  wenig  hervor. 
(Tebquem.) 

Die    Grösse    wechselt  selten.   Die  grösste   Breite  beträgt 
ca.  6  Millimeter  und  die  grösste  Länge  ca.  10  Millimeter. 


Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Von  Lingula  Metensis  unter- 
scheidet sich  unsere  Art  durch  ihre  viel  schlankere  Form,  ihre  ver- 
schiedene Grösse  und  ihre  andere  Farbe.  Lingula  Longoviciensis  ist 
elliptisch,  während  Lingula  Metensis  sich  der  Eiform  nähert. 

Mit  der  im  Folgenden  zu  besprechenden  Lingula  Beanii  ist  unsere 
Art  gar  nicht  zu  verwechsela. 

Ob  die  Exemplare,  welche  Oppel  im  oberen  Lias  (Alumshale)  von 
Whitby  fand,  und  die  er  mit  unserer  Art  identificirt  (Jura,  pag.  266), 
wirklich  Stücke  der  ächten  Lingula  Longoviciensis  sind,  oder  ob  die- 
selben vielmehr  zu  Lingula  Beanii  zu  stellen  sind,  muss  dahingestellt 
bleiben. 

Vorkommen:  Oberer  Lias,  e. 

Ünter-Elsass:  Wintzenheim.  (Ohne  Angabe  der  Schicht.)  (S.S.) 

Lothringen:  Rodange,  Longwy,  Ghauderbourg,  Goreys, 
Kanfen-Entringen.    (L.  S.  —  S.  S.  —  F.  S.) 


IdngtUa  Bea/nii  Phillips  1835. 
Taf.  XVn.  Fig.  5—10. 

1835—36.  Phillips.  Geology  of  Yorkshire.  Taf.  2.  Fig.  24. 

1850.  Terquem.   Bulletin  de  la  Sociötö  gäologique  de  France.  S6r.  II. 

vol.  Vni.  pag.  12.  Taf.  1.  Fig.  7  a— c.) 
1850.  Derselbe.  Ebendaselbst.  Lingula  Voltzii  Terquem. 
1852.  DAvmsoN.  Oolitic  and  liasic  brachiopoda.  pag.  8.  Taf.  1.  Fig.  la— c. 
1862.  Deslongchabips.  fitudes  critiques  sur  des  Brachiopodes  nouveaux, 

ou  peu  connus.  pag.  26.  Taf.  4.  Fig.  7 — 8. 


312 

1871.  QüENSTEDT.  Brachiopoden.  pag.  655.  Taf.  60.  Fig.  80—83. 
1875.  L£PSius.    Beiträge   zur  Kenntniss  der  JuraformatiOD   im  Elsass. 
pag.  26,  46.  Taf.  2.  Fig.  2. 

Dünne  convexe  Schale  mit  vielen  Anwachsstreifen,  von 
unregelmässig  eiförmiger  Gestalt,  an  der  Stirne  abgerundet. 

Die  inneren  Muskeleindrücke  treten  scharf  hervor. 

Grösse  sehr  verschieden,  meist  18—20  Millimeter  Länge 
auf  8—11  Millimeter  Breite.  Die  grösste  mir  bekannte  Form 
ist  25  Millimeter  lang. 

Verhältnfss  zu  anderen  Arten.  Von  allen  Lingulen  aus  der 
Juraformation  ist  unsere  Art  die  bekannteste  und  die  häufigste,  hat  aber 
im  Laufe  der  Zeit  manchen  Anlass  zu  Verwechslungen  gegeben. 

Phillips  beschrieb  unsere  Art  zuerst  als  eine  dem  braunen  Jura 
eigenthümliche.  (Geology  of  Yorkshire.)  Später  (Geology  of  Oxford,  pag. 
124)  zählte  er  sie  auch  unter  den  Versteinerungen  des  Lias  auf. 

VoLTZ  identificirte  die  Lingula  aus  den  blauen  Kaiken  (Sauzei- 
schichten)  von  Griesbach  mit  Lingula  Beanii  Phill.,  Terquem  jedocb 
hielt  das  Lager  beider  Lingulen  für  verschieden  und  trennte  deshalb 
die  elsftssische  Art  von  unserer  Spezies,  indem  er  ihr  den  Namen  Lin- 
gula Yoltzii  gab,  eine  Ansicht,  der  sich  auch  Deslongchamps  ange- 
schlossen hat. 

Lepsius,  in  seinen  Beiträgen  zur  Kenntniss  der  Juraformation  im 
Elsass,  Hess  fOr  das  Elsässer  Vorkommen  den  alten  PniLLiPS'schen  Namen 
wieder  gelten. 

Uebrigens  bemerkte  schon  Davidson  (Supplement,  pag.  76),  dass 
die  Griesbacher  Form  in  derselben  Schicht  vorkommt,  wie  die  ächte 
Lingula  Beanii^  und  dass  in  Gestalt  und  Grösse  kein  Unterschied  zu 
finden  ist. 

Meiner  Ansicht  nach  ist  unsere  elsässische  Lingula  vollkommen 
identisch  mit  der  ächten  Lingula  Beanii  Phillips,  weshalb  der  Name 
L,  Yoltzii  Terquem  aus  der  Nomenclalur  zu  streichen  sein  dürfle. 

Vorkommen:   Unterer  Dogger  y- 

Elsass:  Griesbach,  Gundcrshofen,  Mietesheim.  (Sauzei- 
schichten.  Blaue  Kalke.) 


313 

LothriDgen:  Juville  bei  Xocourtund  in  der  Umgebung  von 
Hetz.  (Letzterer  Fall  ist  zweifelhaft.)  (L.  S.  —  S.  S.) 

Nachbarländer:   Luxemburg?  Yorburg  im  Schweizer  Jura. 
(Bajocien.)  (G.  S.) 


IdngtUa  tUsoHca  nov.  sp. 

Tafel  XVII.  Fig.    11. 

1850.  Terquem.    Bulletin  de  la  Sociätö  g^ologique  de  France.  Ser.  11. 
vol.  VIII.  pag.  12.  Taf.  1.  Fig.  7a— c  Lin^w/a  Beanü  Terquem. 

Schale  länglich  oval,  sehr  schlank,  weniger  convex  und 
mit  vielen  dicken  Anwachsstreifen  versehen.  Die  Seitenlinien 
sind  abgerundet  und  der  Schlosswinkel  ist  spitz. 

Länge  18  Millimeter,  Breite  7,5  Millimeter. 


Verhältniss  zu  anderen  Arten.  Als  Terquem  die  Lingula  Beanii 
aus  den  blauen  Kalken  von  Griesbach  umtaufte  und  ihr  den  Namen 
Lingula  Voltzii  gab,  benannte  er  eine  höher  auftretende  Art  des  Dogger 
Lingula  Beanii. 

Seine  Lingula  Beanii  ist  nun  aber  ganz  verschieden  von  der 
ächten  PüiLLip'schen  Art,  so  dass  keinerlei  Verwechslung  möglich  ist. 
Unsere  Art  ist  viel  schlanker,  ist  viel  ovaler  und  hat  die  abgerundeten 
Seitenlinien,  wahrend  Lingula  Beanii  gerade  verlaufende  SeitenUnien 
hat,  die  ziemlich  scharf  an  der  Stirnlinie  abbiegen. 

Vorkommen:  Oberer  Dogger  5. 

Unsere  Sttlcke  wurden  von  Herrn  Professor  Benegke  im  Sommer 
1881  im  Vesullian  von  Buchsweiler  und  zwar  im  Steinbruch  im 
Hauptoolith  (gleich  an  der  chemischen  Fabrik  gelegen)  gefunden. 

Terquem  führt  wohl  zu  dieser  Art  gehörige  Stücke  noch  von 
Mainbotel  und  von  Longwy  aus  der  Fullersearth  an. 


314 


(Nachtrag.) 


Terebratula  cf.  canglobdia  Desl.  1864. 

Tafel  Vm,  Fig.  18. 

1874.  Deslongghamps.  Bracbiopodes.  pag.  206.  Taf.  42.  Fig.  11.  Taf.  57. 
Fig.  1-7. 

In  der  GBEPPiK'schen  Sammlung  finden  sich  2  Exemplare 
aus  der  OoUthe  ferrugineuse  von  Grange-Gu^ron  im  Berner 
Jura,  welche  wohl  zu  dieser  Spezies  zu  stellen  sind. 

Die  16  Millimeter  lange  und  14  Millimeter  breite  Form 
weist  an  der  Stirngegend  der  kleinen  Schale  zwei  scharfe  Rippen 
auf.  Der  dadurch  entstehenden  Einsenkung  in  der  Mitte  der 
Stirne  entspricht  auf  der  grossen  Schale  ein  massiger  Wulst,  der 
von  zwei,  den  Rippen  der  kleinen  Schale  entsprechenden  Ein- 
senkungen  begrenzt  wird. 

Beide  Schalen  sind  massig  gewölbt  und  vereinigen  sich 
seitlich  unter  einem  sehr  stumpfen  Winkel. 

Der  Schnabel  ist  an  die  kleine  Schale  angedrückt.  Delti- 
dium  verdeckt,  Foramen  klein  und  rundlich.  Arealkanten  massig 
und  scharf.  Seitliche  Commissuren,  sowie  Schlosslinie  leicht  gebogen. 


315 


SdilussM^ort, 


Ein  nach  allen  Richtungen  durchgefQhrter  Vergleich  der  Brachio- 
poden  aus  den  jurassischen  Schichten  Elsass-Lothringens  mit  denjenigen 
aus  den  gleichen  Bildungen  des  übrigen  Soddeutschlands,  Englands  und 
Frankreichs  wird  sich  erst  dann  anstellen  lassen,  wenn  über  alle  Gebiete 
ausführliche  Monographieen  vorliegen  werden.  Dann  wird  sich  auch 
eine  naturgemässe  Benennung  und  Bezeichnung  von  selbst  ergeben. 

Die  bis  jetzt  bei  der  Bearbeitung  der  Brachiopoden  der  Jurafor- 
mation der  Reichslande  gewonnenen  Resultate  dürfen  uns  zur  Annahme 
berechtigen,  dass  EIsass-Lothringen,  seiner  geographischen  Lage  ent- 
sprechend, auch  in  Beziehung  auf  seine  jurassische  Brachiopodenfauna 
eine  Mittelstellung  zwischen  der  schwäbischen  einerseits  und  derjenigen 
aus  dem  Nordwesten  Frankreichs  und  Englands  andererseits  einnimmt. 

Die  Formen  des  unteren  Lias  tragen  im  Elsass  und  den  mir  sonst 
noch  bekannten  Punkten  des  Rheinthals,  am  Lehner  Berg  bei  Freiburg  im 
ßreisgau  und  bei  Langenbrücken,  ganz  speziell  aber  an  der  letzteren 
LokaUtät,  einen  entschiedenen  schwäbischen  Charakter. 

Dies  ist  ganz  besonders  bei  den  Rhynchonellen  der  Fall,  während 
die  Terebratuliden  zwischen  den  schwäbischen  und  französisch-englischen 
etwa  in  der  Mitte  stehen. 

Das  ganz  isolirte  Auftreten  von  Formen  mit  acht  schwäbischer 
Ausbildung,  wie  bei  Hassel  und  Merl  in  Luxemburg  und  bei  Ke dingen 
in  Deutsch-Lothringen,  bleibt  vor  der  Hand  noch  eine  nicht  auf  nach- 
weisbare Ursachen  zurückzuführende  Erscheinung. 

Im  mittleren  Lias  tritt  jedoch  sofort  eine  Aenderung  der  Verhält- 
nisse ein,  indem  die  Brachiopodenfauna,  ganz  besonders  wiederum  die 
Rhynchonellen,  eine  Anlehnung  an  England  und  Frankreich  erkennen 
lassen.  Ich  erinnere  nur  daran,  dass  die  in  Württemberg  so  häufige  Rhyri" 
chonella  quinqueplicata  (bis  auf  ein  seiner  Herkunft  noch  nicht  einmal 
sicheres  Exemplar)  in  Lothringen  fehlt  und  an  deren  Stelle  Rhynchonella 
Delmensis  und  Rosenbuschi  tritt. 


316 

EigenthQmlich  ist  das  nicht  seltene  Auftreten  von  Rhynchcnetla 
acuta  in  den  Gostatenkalken  des  Unter-Elsasses,  einer  Art,  die  Lotb- 
ringen (mit  Ausnahme  einer  Art  Mittelform  zwischen  Rhynchonella  Del- 
mensis  und  Rhynchonella  acuta,  cf.  Taf.  IV,  Fig.  1-— 2  und  pag.  193) 
ganz  fehlt,  in  den  jurassischen  Schichten  Ostlich  vom  Rhein  nur  an  ei- 
nigen Punkten  auftritt  (Keilberg  bei  Regensburg,  Neumarkt),  dafür 
aber  in  Gebieten  westlich  der  Reichslande  sich  sehr  häufig  findet. 
(Blaymard,  Ilmünster.) 

Bei  den  Formen  des  Doggers  ist  zu  bemerken,  dass  sowohl  Rhyn- 
chonelliden  als  Terebratuliden  —  die  anderen  Familien  konunen  bei  der 
Geringfügigkeit  ihres  Auftretens  kaum  in  Betracht  —  im  Unter-Elsass 
und  in  Lothringen  eine  ganz  scharf  ausgeprägte  Mittelstellung  zwischen 
dem  Westen  und  dem  Osten  einnehmen,  während  bei  denjenigen  des  Ober- 
Elsasses  und  des  Rheinthals,  mit  Ausnahme  wiederum  der  wenigen  Formen 
von  Aue  bei  Sentheim,  der  schwäbische  Typus  mehr  zu  Tage  tritt. 

Ausnahmen  gibt  es  auch  hier.  So  das  Auftreten  vereinzelter  Exem- 
plare von  Terebratula  Phillipsii  im  Berner  Jura  und  bei  Pfirt,  wäh- 
rend die  Art  in  Schwaben  zu  den  grOssten  Seltenheiten  gehört.  (Qusn- 
STEOT.  Brachiopoden,  pag.  412.) 

Aehnliches  zeigt  sich  bei  Eudesia  Cardium,  von  der  mir  ein  ein- 
ziges Exemplar  aus  dem  Berner  Jura  bekannt  ist.  (GREPPiN'sche  Samm- 
lung.) Nirgends  sonst  fand  ich  die  Form  von  einem  Fundpunkt  Ostlich 
der  Seine  angefahrt. 

Viele  mir  bei  dieser  Untersuchung  nicht  zugängliche  Stücke  bergen 
noch  die  in  Elsass-Lothringen  zerstreuten  Sammlungen;  reicheres  Material 
wird  bei  Gelegenheit  der  Kartenaufnahme  noch  zusammengebracht  werden. 
Mag  also  auch  so  manches  in  meiner  Arbeit  gesagte  noch  eine  Modifi- 
cation  erleiden,  in  der  Hauptsache  hoffe  ich  doch  ein  zutreffendes  Bild 
der  elsass-lothringischen  Brachiopodenfauna  entworfen  zu  haben. 

Möge  diese  Arbeit,  so  ist  mein  aufrichtiger  Wunsch,  dazu  beige- 
tragen haben,  einigermassen  Klarheit  in  die  Namenverwirrung  zu  bringen, 
die  zum  Theile  in  der  Litteratur  über  die  jurassischen  Brachiopoden  noch 
herrscht,  und  mOge  sie  dem  Fachgenossen  in  den  Reichslanden  die 
Bestimmung  seiner  Brachiopoden  Etwas  erleichtem.  Ist  dieser  Zweck  er- 
reicht, 80  werden  die  Mühe  und  Arbeit,  die  der  Verfasser  über  2  Jahre 
lang  auf  die  Abfassung  dieser  Abhandlung  aufgewendet  hat,  nicht  um- 
sonst gewesen  sein. 


317 


REGISTER. 


Seite 

Vorwort. VII 

Litteraturverzeichniss XI 

Rhynchonella 161 

Rhynchonella  plicatissima  Quenst.  sp 16! 

Rhynchonella  belemnitica  Quenst.  sp.  .  .     164 

Rhynchonella  Deffneri  Oppel. 165 

Rhynchonella  gryphitica  Quenst.  sp. 168 

Rhynchonella  Schimperi  nov.^  sp 171 

Rhynchonella  nov.  sp 173 

Die  Verwandtschaftsverhältnisse  der  unterliasischen  Arten  unter 

sich  und  ihre  Beziehungen  zu  den  mitteliiasischen  Arten.  .  .  173 

Rhynchonella  rimosa  Buch,  sp 177 

Rhynchonella  furcillata  Theodori  sp 179 

Rhynchonella  oxynoti  Quenst.  sp 180 

Rhynchonella  calcicosta  Quenst.  sp 181 

Rhynchonella  rostellata  Quenst.  sp 182 

Rhynchonella  tr {plicata  Quenst.  sp 184 

Rhynchonella  curviceps  Quenst.  sp 188 

Rhynchonella  amalthei  Quenst.  sp 190 

Rhynchonella  Delmensis  nov.  sp 191 

Rhynchonella  Rosenbuschi  nov.  sp 195 

Rhynchonella  Steinmanni^noY,  sp 197 

Rhynchonella  scalpellum  Quenst.  sp 198 

Rhynchonella  acuta  Sow.  sp 199 


318 

Die  YerwandtschaftsverhaUnisse  der  mittelliasischea  Arten  unter 

sich  und  ihre  Beziehungen  zu  den  oberliasischen  Arten  ...  201 
Tabelle  zur  Yeranscbaulichung  des  geologischen  Vorkommens 

der  liasischen  Rhynchonellen 203 

Rhynchonella  Weigandi  nov.  sp 204 

Rhynchonella  Frirmi  Branco 205 

Rhynchonella  cf.  angulata  Sow 206 

Rhynchonella  Kirchhof eri  nov.  sp 207 

Rhynchonella  Davidsoni  Ghapuis  et  Dewalquk 208 

Rhynchonella  parvula  Deslongchamps 209 

Rhynchonella  acuticosta  Zieten 210 

Rhynchonella  Pallas  Ghapuis  et  Dewalque 210 

Rhynchonella  Andreae  nov.  sp 212 

Rhynchonella  lotharingica  nov.  sp 212 

Rhynchonella  Edwardsi  Ghapuis  et  Dewalque 213 

Rhynchonella  cf.  Forbesi  Davidson 215 

Rhynchonella  obsoleta  Sow.  sp 215 

Rhynchonella  concinna  Sow.  sp 218 

Rhynchonella  badensis  Oppel 220 

Rhynchonella  oligacantha  Branco 222 

Rhynchonella  Crossi  Walker 222 

Rhynchonella  tenuispina  Waagen 225 

Rhynchonella  spinosa  Schl.  sp 226 

Rhynchonella  varians  Schl.  sp 229 

Die   Verwand tschaflsverhältnisse    der    Rhynchonella- Arten    des 

Dogger 233 

Tabelle  zur  Veranschaulichung  des  geologischen  Vorkommens  der 

Rhynchonellen  des  Dogger 235 

Rhynchonella  cf.  triplicosa  Quenst 237 

Rhynchanella  Thurmanni  Voltz 239 

Rhynchonella  acarus  BIerian 240 

Nachtrag  zu  Rhynchonella 241 

(Rhynchonella  cf.  jurensis  Quenst.) 242 

Terebratula 244 

Terebratula  subovoides  Rcemer 245 

Terebratula  punctata  Sow ^ 247 

Terebratula  infraoolithica  Deslongchamps 249 


319 

Seite 

Terebratula  perovalis  Sow 250 

Terebratula  cf.  submaxillata  Morris 253 

Terebratula  ventricosa  Zieten 253 

Terebratula  simplex  Buckmann 254 

Terebratula  decipiens  Deslongchamps 255 

Terebratula  PhilHpsii  Morris 255 

Terebratula  maxillata  Sow 256 

Terebratula  longicollis  Greppin 258 

Terebratula  globata  Sow 259 

Terebratula  intermedia  Sow 260 

Terebratula  Ferryi  Deslongchamps 262 

Terebratula  Lutzii  nov.  sp 263 

Terebratula  Fleischeri  Oppel 264 

(Terebratula  diptycha  Oppel) 261 

Terebratula  Bentleyi  Davidson-Morris 265 

Schlnssbemerkungen  bezüglich  der  zwischen  den   Terebratula- 

Arten  des  Lias  und  Dogger  bestehenden  Beziehungen 265 

Tabelle  zur  Yeranschaulichung  des  geologischen  Vorkommens 

der  Terebrateln  des  Lias  und  Dogger 267 

Waldheimia 268 

Waldheimia  perforata  Piette 268 

Waldheimia  cor,  Lamarck  sp 270 

Waldheimia  cf.  cornuta  Sow.  sp 272 

Waldheimia  numismalis  Lamarck  sp 274 

Waldheimia  subnumismalis  Davidson 275 

Waldheimia  Waterhousi  Davidson 276 

Waldheimia  resiipinata  Sow.  sp 277 

Waldheimia  indentata  Sow.  sp 278 

Waldheimia  sarthacensis  d'Orbigny  sp 279 

Die  Verwandtschaftsverhältnisse  der  Waldheimien  des  Lias  .  .  .  280 

Waldheimia  Meriani  Oppel  sp. . 282 

Waldheimia  cf.  carinata  Lamarck  sp 283 

Waldheimia  Beneckei  nov.  sp 284 

Waldheimia  Coheni  nov.  sp 285 

Waldheimia  Mandelslohi  Oppel  sp 286 

Waldheimia  anglica  Oppel  sp 287 

Waldheimia  Cadomensis  Deslongchamps 288 


320 

Seit« 

Waldheimia  lagenalis  Sow.  sp 289 

Waldheimia  subbucculenta  Ghapuis  et  Dewalque 291 

Waldheimia  ornithocephala  Sow.  sp 292 

Die  YerwandtschaftsyerhäUaisse  der  Waldheimien  des  Dogger.  .  294 
Tabelle  zur  VeranscbaulichuDg  des  geologischea  Vorkommens 

der  Waldheimien  des  Lias  und  Dogger 295 

Spiriferina 296 

Spiriferina  Walcotti  Sow.  sp 296 

Spiriferina  rostrata  Sohl,  sp 298 

Spiriferina  verrucosa  Buch  sp 300 

Die  Verwandtschaftsyerhftltnisse  der  Spiriferinen  des  Lias  ....  302 

Orthoidea 303 

Orthoidea  liasina  Friren 303 

Thecidivm 304 

Discina 304 

Discina  cf.  Holdeni  Täte 304 

Discina  cf.  Davidsoni  Moore 305 

Discina  cf.  papyracea  Müenster  sp 305 

Discina  Quenstedti  nov.  sp x  .  .  306 

Discina  Linki  nov.  sp 307 

Lingula ^ 309 

Lingula  Metensis  Terqüem 309 

Lingula  Longoviciensis  Terquem 310 

Lingula  Beanii  Phillips 311 

Lingula  alsatica  nov.  sp 313 

Nachtrag.  Terebratula  cf.  con^/ofta(a  Desl 314 

Schlusswort 315 

Register 317 


GGG^ 


EHt 


ABHANDLUNGEN 


ZUR 


GEOLOGISCHEN  SPECIALKARTE 


VON 


ELSASS-LOTHRINGEN 


Band  II.  —  Heft  IIX 


Mit  Atlas, 


STRASSBUR0, 

DRUCK  UND  VERLAG  VON  R.  SCHULTZ  &  C" 

(Berger- Levradlt's  Nachfolger). 

1884. 


Das  Verzeichniss  der  bisher  erschienenen  Hefte  befindet  sich  auf  der  Rflci(seite. 

NOTIZ.  Titel  tind  lulialts-Vcrzeiclmiss  zum  II.  Bamle  befinden  sich  am  Ende  dieses  Heftes. 


ABHANDLUNGEN 


ZUR 


GEOLOGISCHEN  SPECIALKARTE 


VON 


ELSASS-LOTHRINGEN. 


Band  II.  —  Heft  IIX 


STRASSBURG, 

DRUCK  UND  VERLAG  VON  R.  SCHULTZ  &  C« 

(Beroer-Levrault's  Nachfolger). 

1884. 


EIN  BEITRAG  ZUR  KENNTNISS 


DES 


ELSÄSSER  TERTIÄRS 


VON 


Dr.  A.  ANDREAE. 


UIT  ZWÖLF  LITHOGRAPHIRTBN  TAFELN,  ZWEI  KARTENSKIZZEN  UND  ZEHN  ZINKOORAPHIEEN. 


STRASSBÜRQ, 

DRUCK  UND  VERLAG  VON  R.  SCHULTZ  &  C« 

(Berger-Levbault's  Nachfolger). 

1884. 


VORWORT. 


Die  Anregung  zu  der  Bearbeitung  des  Tertiärs  im  Elsass  erhielt 
ich  durch  Herrn  Professor  Benegke,  welcher  mich  auf  dieses  Gebiet, 
das  ja  längere  Zeit  hindurch  brach  gelegen  hatte,  hinwies.  Dieser  mein 
hochverehrter  Lehrer  verfolgte  während  der  ganzen  Zeit  meine  Arbeit 
mit  reger  Theilnahme  und  hat  mich  bei  derselben  in  jedweder  Hinsicht 
wohlwollend  unterstützt.  Das  Material,  welches  meiner  Arbeit  als  Grund- 
lage dient,  befindet  sich,  soweit  ich  es  nicht  besonders  erwähnt  habe, 
in  der  Strassburger  Landessammlungt  Dasselbe  wurde  zum  grOssten  Theil 
auf  meinen  zahlreichen  Excursionen  im  Elsass  von  mir  selbst  gesammelt. 
Die  Arbeit  ist  in  den  Räumen  der  geologischen  Landessammlung  aus- 
geführt worden,  welche  mir  auf  das  Liebenswürdigste  von  Herrn  Professor 
Cohen  zur  Verfügung  gestellt  wurden;  ich  bin  demselben  daher  zu 
allergrOsstem  Danke  verpflichet.  Herrn  Dr.  0.  BOttger  in  Frankfurt  a.  M., 
meinem  hochgeschätzten,  früheren  Lehrer  und  Freund,  muss  ich  an  dieser 
Stelle  vor  allem  meinen  Dank  dafür  aussprechen,  dass  er  mir  bei  seiner 
gründlichen  Kenntniss  der  Land-  und  Süsswasserschnecken,  sowie  des 
Mainzer  Tertiärbeckens,  mit  seinem  werthvoHen  Rathe  beistand.  Durch 
ihn  erhielt  ich  ferner  die  Reuss*schen  Originale  zu  der  Abhandlung  über 
die  Foraminiferen  des  Septarienthones  von  Offenbach.  Sowohl  diese, 
wie  auch  das  mir  von  Herrn  Dr.  Steinmann  freundlichst  mitgetheilte 
Yergleichsmaterial,  war  mir  in  hohem  Grade  bei  der  Bestinmiung  der 
elsässer  Foraminiferen  nützlich.  Ich  darf  deshalb  nicht  versäumen,  auch 
letzterem  Herren  noch  meinen  besonderen  Dank  hier  abzutragen. 

lU.  1 


Bei  meiaer  Arbeit  war  ich,  sowqit  sich  dieselbe  auf  die  technisch 
wichtigen  bitumenfahrenden  OiigocAnschichtcn  bezieht,  gcnOthigt,  auf  die 
in  den  Bergwerksakten  gesammelten  Erfahrungen  zu  recurrircn.  Auch 
hier  wurde  mir  das  bereitwilligste  Entgegenkommen  gezeigt.  Herr  Regie- 
rungsrath  von  Albert  halte  nicht  allein  die  Güte,  mir  die  erforderlichen 
Plfine  und  Profile  zur  Verfügung  zu  stellen,  sondern  er  gestattete  mir 
auch,  ihn  auf  einigen  Excursionen  in  die  wichtigsten  Petroleumgebiete 
des  Elsasses  zu  begleiten,  wofür  ich  ihm  stets  dankbar  sein  werde. 


A.  Andreae. 


I. 


DER  BUCHSWEILER-KALK 


UND 


GLEIGHALTERIGE  BILDUNGEN 


AM  OBERRHEIN. 


DER  BUCHSWEILER-KALK 


UND 


GLEICHALTERIGE  BILDUNGEN  AM  OBERRHEIN. 


Wichtigste  Litteratur. 

1762.  Bennin6£R.  Oryctographia  agri  Buxovillaui  et  yicinae. 

1814.  Galmelet.  Description  de  la  miQe  de  lignite  vltrlolique  et  alu- 

mineux  du  Mt.  Bastberg  et  de  Tusine  de  vitriol  et  d*alun 

de  ßouxviller.  Journal  des  Mines,  XXXVII,  q^  220,  pg.  239—256. 
1822.  GuviER  G.  Recherches  sur  les  ossements  fossiles  (Lophiodon  v. 

Buchsweiler). 
1835.  OuvERNOY.  M6m.  de  la  Soc.  du  musöe  d'histoire  nat.  de  Strasbourg. 

(Lophiodon  und  Sus"?  von  Buchsweiler.) 
1839—64.  Blainville.  Osläographie.  (Lophiodon,  Palaeotherium,  Anoplo- 

therium?  und  Arctomys  von  Buchsweiler  angefahrt.) 
1852.  Daubr^e.  Description  gäologique  et  minöralogique  du  Bas-Rhin, 

pg.  194—203.  (Ist  namentlich  massgebend  für  die  Lagerungs- 

verhältnisse.) 
1870—75.  Sandberger   F.   Die   Land-  und  SQsswasser-Gonchylien   der 

Vorwell,  pg.  221—235.  (Ist  grundlegend  für  die  Fauna  von 

Buchsweiler.) 


1  Geologische  Verhältnisse. 

Die  Mitteleocän- Schichten,  die  ältesten  tertiären  Ablage- 
rungen in  unserem  Gebiete,  spielen  im  Elsass  eine  verhältniss- 
mässig  untergeordnete  Bolle.     Dieselben   erscheinen  niemals  in 


grossen  zusaminenhängenden  Massen,  obwohl  sie  durch  die  ganze 
Oberrheiu-Ebene  verbreitet  sind.  Sie  bestehen  durchweg  aus 
Süsswasserablagerungen,  welche  zur  Zeit  der  Bildung  des  ma- 
rinen Grobkalkes  im  Pariser  Becken ,  in  kleinen  und  wie  es 
scheint  von  einander  gesonderten  Seen  zum  Absätze  gelangten. 
Dieselben  treten  uns  als  Mergel,  pyritreiche  Braunkohlen,  Süss- 
wasserkalke  oder  kalkige  Sandsteine  entgegen  und  sind  durch 
das  Leitfossil  Planorbis  pseudammonius  Sghloth.  sp.  gekenn- 
zeichnet. Sie  überlagern  die  jurassischen  Schichten  des  Rhein- 
thalcs  und  werden  ihrerseits  wiederum  von  oligocaner  Molasse 
oder  Diluvium  bedeckt. 

Das  wichtigste  Vorkommen  der  hierher  gehörigen  Schichten 
ist  dasjenige  am  Grossen  Bastberg  bei  Buchsweiler  im 
Unter-Elsass  (Eisenbahnstation  zwischen  Hagenau  und  Zabern). 
Wir  wollen  mit  der  Beschreibung  desselben  beginnen. 

Die  Lagerungsverhältnisse  des  Bastberges  sind  kurz 
folgende  : 

Ueber  dem  liegenden  Dogger  und  Malm  (Zone  der  Bhyncho- 
netta  varians  Sgh.  sp.  und  Zone  des  Stephapwceras  tnacroeephalum 
ScH.  sp.)  zeigt  sich  zunächst  ein  Complex  von  thonigen,  mer- 
geligen, braunkohlenführenden  Schichten,  deren  mittlere  Mäch- 
tigkeit etwa  15  m  beträgt.  Hierauf  ruht  eine  5 — 20  m  dicke 
Bank  von  Süsswasserkalk \  Derselbe  ist  hellgelb,  zerklüftet, 
durch  und  durch  erfüllt  von  Schneckensteinkernen  und  hat  bei 
weitem  die  meisten  von  Bachsweiler  stammenden  Fossilien  ge- 


1.  Ein  theilweises  Profil  des  Kalkes  ist  uns  dadurch  erhalten,  dass  Hamhee 
in  einem  Brief  an  Ccviu  (Strashourg,  8.  messidor  an  13)  eine  Beschreibung  des 
Steinbruches,  welcher  jetit  verschüttet  ist,  gibt.  Im  Ausing  etwa  folgendes:  Obea 
1—2  Fuss  Ackerboden,  dann  3 — 5  Fuss  schmutzig-hellgrauer,  dichter  und  harter 
Kalk  mit  wenig  Schnecken,  alsdann  3—5  Fuss  fossilreicher,  brüchiger  Kalk,  zo 
Unterst  knochenltthrende  Schicht  mit  Terhtltnissmässig  wenig  Schnecken.  In  Goviee, 
Üteherches  sur  /es  oss.  /oss.  1S23,  pg.  195. 


7 

liefert.  Zuweilen  wird  der  Kalkstein  fleckig,  oolithisch  oder 
weich  und  kreideartig.  In  den  obersten  Lagen  enthält  er  na- 
mentlich viele  Exemplare  von  PlanorUs  Chertieri  Desh.  und 
Nanina  Voliei  Desh.  sp.  Auf  den  Kalk  folgt  eine  wenig  mäch- 
tige Mergelschicht,  welche  die  gewaltigen  Conglomerate  trägt, 
die  im  Gipfel  des  Grossen  Bastberges  (329  m)  die  ganze 
Gegend  überragen. 

Der  Bergbau,  welcher  wesentlich  zum  Zwecke  der  Alaun- 
und  Vitriolbereitung  aus  der  ungemein  pyritreichen,  erdigen 
Braunkohle  betrieben  wurde,  ist  jetzt  fast  eingegangen. 

Wir  sehen  uns  daher  genöthigt,  die  in  früherer  Zeit  durch 
denselben  erschlossenen  Profile,  welche  in  Daubbee's  Arbeit 
niedergelegt  sind,  hier  anzuführen. 

I.  Allgemeines  Profil  des  Tertiärs  von  Buchsweiler 
mit  mittlerer  Mächtigkeitsangabe: 

1.  Ackerboden 0,2o  m. 

2.  Gelbe  Mergel 3,oo   m. 

3.  Süsswasserkalk 18,oo   m. 

4.  Grüne  Mergel  mit  zerdrückten  Planorben  und 
Limneen,  sowie  Sphaerium  (Caliculina)  Gast" 
rense  Noul.,  welche  Art  im  Kalk  fehlt.  Er 
enthält  eingeschaltete  dünne  Kalkbänke  und 
geht  nach  obenhin  in  einen  weisslichen,  fossil- 
freien Mergel  über 12,oo   m. 

5.  Brauner  Thon  (von  den  Arbeitern  Mulm 
genannt) 0,do  m. 

6.  Pyritreiche  Braunkohle  0,5o  bis 2,oo   m. 

7.  Brauner  Thon  undurchlässig  für  Wasser  (meist 
0,30  m),   darunter  harte,  sandige,  weissliche, 

roth  gefleckte  Thone l,5o   m. 

37,00   m. 


8 

Die  ganze  MächUgkeit,  welche  zuweilen  auf  54  m  steigt, 
beträgt  durchschnittlich  an  40  m. 

II.  Bohrung  auf  dem  Bastberg  im  November  1844  : 

1.  Ackerboden 0,m  m. 

2.  Gelbe  Mergel 3,25   m. 

3.  Süsswasserkalk 4,5o  m. 

4.  Weissliche  Mergel,  darunter  der  grüne  Mergel 
und  schliesslich  die  braunen  Thone,  welche 
sich   stets    im    Hangenden    der    Braunkohle 

finden 6,oo   m. 

5.  Braunkohle l,oo   m. 

1 5,00   m. . 

III.  Gleichzeitige  Bohrung  etwa  200  m  von  der  vorigen 
entfernt : 

1.  Ackerboden 0,i5  m. 

2.  Gelbe  Mergel 1,85  m. 

3.  Sfisswasserkalk 16,7o  m. 

4.  Sandiger,  weisser  Thon 3,i5  ni. 

5.  Kalk 1,15  m. 

6.  Thon 4,»  m. 

7.  Kalk 0,16  m. 

8.  Grüne  Mergel 13,«  m. 

9.  Brauner  Thon 0,1«  m. 

10.  Braunkohle l,jo  m. 

42,93  m. 

IV.  Bohrung  am  Weg  nach  Imbsheim,  dieselbe  zeigt 
das  Verschwinden  der  Braunkohle  im  sudlichen  Theil  der  Ab- 
lagerung: 


9 

1.  Ackerboden 0,i5  m. 

2.  Sässwasserkalk 16,i5  m. 

3.  Mergeliger  Thon 9,oo  m. 

4.  Süsswasserkalk  mit  Mergel  wechsellagernd .  .  10,oo  m. 

5.  Weisser  Thon 3,3o  m. 

6.  Rother  Thon 1,g5  m. 

40,25   m. 

Zur  petrographischen  Charakteristik  der  erwähnten  6e- 
birgsarten  ist  wenig  zu  sagen;  wir  folgen  auch  hier  z.  Th.  den 
Angaben  Daubbee^s,  zumal  da  uns  nicht  von  allem  genannten 
Materiale  Proben  zur  Verfügung  standen. 

Die  erdige )  chocoladefarbige  Braunkohle  enthält  10  Vo 
Wasser  und  in  den  obersten,  reichsten  Lagen  12—13  7© 
Schwefelkies.  Derselbe  tritt,  obwohl  leicht  zersetzbar,  in  der 
regulären  Form  des  Pyrits  auf.  Die  Braunkohle  ist  eine  sehr 
unreine  und  enthält  grosse  Mengen  von  Thon,  ein  günstiger 
Umstand,  der  bei  der  Alaunbereitung  in  Betracht  kommt.  Gyps 
bildet  sich  als  sekundäres  Product  und  efflorescirt  aus  der  Kohle ; 
auch  findet  er  sich  auf  Klüften  in  derselben  ausgeschieden. 
Man  hat  m'emals  bestimmbare  Pflanzenreste  in  der  Braunkohle 
gefunden. 

Die  grünen  Mergel  haben  eine  grau-  bis  gelbgrüne  Farbe, 
sind  sehr  wenig  plastisch,  kalkig  und  enthalten  in  Menge  die 
plattgedrückten,  weissen  Schalen  von  Planorbis  pseudammonias 
und  Limneen.  Im  Schlemmrückstand  fand  sich  nichts  bemer- 
kenswerthes. 

Der  Süsswasserkalk  ist  ein  dolomitfreier,  ziemlich  reiner 
Kalk,  welcher  etwas  Eisen  und  Kieselsäure  enthält.  Er  zeigt 
keine  sehr  deutliche  Schichtung,  ist  stark  zerklüftet  und  wird 
von  zahlreichen  krystallinischen  Kalkspathadern  und  Drusen 
durchzogen.    Gewöhnlich  ist  der  Kalk  dicht  und  hart  von  hell- 


10 

grauer  oder  hellgelber  Farbe ;  er  geht  aber  in  einzelnen  Bänken 
in  einen  weichen,  weissen  und  kreidigen  Kalkstein  über.  Viele 
Blöcke  des  Kalkes  haben  ein  eigenthümliches ,  fleckiges  Aus- 
sehen. Die  unregelmässig  polygonalen,  weissen,  mulmigen  Par- 
thien  werden  ähnlich  wie  in  einer  Breccie  durch  die  harte, 
graubraune  Kalkgrundmasse  zusammengehalten.  Neben  diesem 
fleckigen  Kalk  findet  sich  noch  ein  mehr  oder  weniger  feiner, 
schöner,  oolithischer  Kalk'. 

Die  Grundmasse  zwischen  den  Oolithkörnern  ist  in  der 
Begel  härter  und  durch  organische  Substanz  dunkler  gefärbt 
als  diese  selbst.  Wir  müssen  die  Oolithe  als  eine  ursprüng- 
liche Bildung  ansehen,  denn  wir  finden  dieselben  in  und  um  die 
Conchylienschalen  angehäuft;  sie  durchsetzen  jedoch  dieselben 
niemals.  Im  Dünnschliff  erscheinen  die  Oolithkörner  ausser- 
ordentlich gleichmässig  feinkörnig  und  lassen  selbst  bei  Färbung 
nur  eine  äussere  randliche  Zone  erkennen,  während  die  Grund- 
masse vorwiegend  aus  grosskrystallinischem  Kalke  besteht.  Die 
Analyse  zeigte,  dass  der  Kalk  der  Oolithkörner  zwar  dem- 
jenigen der  Grundmasse  qualitativ  gleich  ist,  aber  quantitativ 
in  sofern  abweicht,  als  derselbe  fast  6  %  mehr  an  Beimengungen 
wie  Eisenoxyd,  Kieselsäure  und  kohlensaure  Magnesia  enthält. 
Die  oolithischen  Blöcke  pflegen  die  besten  Versteinerungen  zu 
enthalten,  d.  h.  solche  Versteinerungen,  deren  Schale  noch  er- 
halten ist. 

Der  Buchsweiler -Kalk  umschliesst  in  einzelnen  Bänken 
zahlreiche  Schneckenreste  ähnlich  wie  z.  B.  der  Hydrobienkalk 
des  Mainzer  Beckens,  nur  dass  wir  es  bei  Buchsweiler  meist 
mit  Steinkernen  zu  thun  haben  und  dass  nicht  eine  Species 
durchaus  vorwiegt,  sondern  dass  sich  mehrere  Arten  den  Rang 


1.  In  Cd  VIER,  Beck,  sur  les  oss,  foss,  wird  der  pisolithische  (resp.  oolithiscbe) 
Kalk  ebenfalls  erwähnt.  T.  I,  pg.  540. 


11 

der  grössten  Häufigkeit  streitig  machen.  In  erster  Linie  ist 
hier  wohl  Euchilus  Deschiensianum  zu  nennen,  dann  folgt 
Flanorbis  pseudammonius  und  die  Paludinen.  An  der  Obet- 
fläche  eines  grossen  Handstückes  lassen  sich  zuweilen  die  Reste 
von  8 — 10  verschiedenen  Arten  constatiren. 

Was  die  Menge  des  Vorkommens  betrifft,  so  hat  Daubbee 
nach  Schätzung  berechnet,  dass  ein  Cubikmeter  des  Buchs- 
weiler-Kalkes öfters  8  000  bis  10  000  Individuen  enthält  Trotz 
dieser  grossen  Häufigkeit  sind  die  Verhältnisse  zum  Sammeln 
keine  sehr  günstigen,  weshalb  auch  gute  Suiten  von  Buchs- 
weiler Conchylien  selten  sind.  Nur  hin  und  wieder  trifft  man 
unter  den  zahllosen  Steinkernen  mit  Schale  erhaltene  Exemplare 
an,  oder  vielmehr  solche  Individuen  deren  ursprüngliche  Schale 
durch  späthigen  Kalk  ersetzt  ist,  und  alsdann  hält  es  noch 
schwer,  dieselben  aus  dem  oft  harten  und  spröden  Kalk  her- 
aus zu  präpariren^ 

Wie  die  beistehende  Kartenskizze  veranschaulicht,  zeigt 
der  Süsswasserkalk  im  wesentlichen  die  Gestalt  einer  Ellipse 
deren  grosse  Axe  von  NO  nach  SW  verläuft,  und  welche  im 
Süden  eine  starke  Ausbuchtung  besitzt.  Der  früher  ziemlich 
lebhafte  Bergbau  hat  nun  gezeigt,  dass  die  Tertiärschichten, 
ohne  selbst  von  einer  grösseren  Verwerfung  gestört  zu  sein, 
allseitig  mit  einem  Winkel  von  etwa  6 — 9®  und  mehr  (bis  16*) 
nach  der  Mitte  dieser  Ablagerung  zu  einfallen.  Dieser  Um- 
stand, sowie  derjenige,  dass  die  benachbarten  Juraschichten  eine 
muldenförmige  Biegung  zeigen,  veranlasste  Daubbee  zu  der 
Annahme,  dass  der  Buchsweiler-Kalk  in  dieser  Weise  becken- 
förmig  abgelagert  worden  sei.    Wir  dürfen  uns  jedoch  nicht  zu 


1.  Es  ist  keineswegs  anzunehmen,  dass  die  Schneckengehikuse  bei  der  Bildung 
des  Kalksteins  von  irgend  welcher  Bedeutung  gewesen  seien,  derselbe  ist  jedenfalls 
chemisch  niedergeschlagen.  Auch  sondern  die  der  Masse  nach  überwiegenden  Suss- 
wasserschnecken  bekanntlich  am  wenigsten  Kalk  ab. 


12 

der  Anschauung  verleiten  lassen,  dass  die  jetzige  Begrenzung 
des  Kalkes  dem  ursprünglichen  Umfange  des  Susswassersees  ent- 
spräche. Jeden&Ils  war  derselbe  viel  grösser  und  reichte  wohl 
bis  nach  Bitschhofen.  Immerhin  wird  man  bei  einer  so  alten 
Schicht  der  Erosion  genügend  Bechnung  tragen  müssen.  Auch 
ist  im  Auge  zu  behalten,  dass  die  Buchsweiler  Tertiärschichten 


Fig.  1.  KartCBskiu«  d»  tertiären  Sösswucerkalkes  tob  BachsweO«-  x.  Th.  nach  Dacbub. 

Grenson  des  Sa»wft^»erkalkes  is.t ;  ....  Grenxen  der  Conglomerate  ic.) ;  m.  =  Meiigel 

mit  Brmankolile;  {  Kirrhe  tob  Bachsweiler;  F.  Fabrik;  1—4  SeluiclitöfIbaBigeB. 

sich  nicht  mehr  in  ihrer  ursprünglichen  Lagerung  befinden,  in* 
dem  sogar  die  den  Kalk  überlagernden  Conglomerate  ein  deut- 
liches Einfallen  nach  ^N0  zeigen  und  in  denselben  abgerollte 
Stücke  des  Süsswasserkalkes  vorkommen  sollen. 

Dem  Buchsweiler-Kalk  gleichalterige  Tertiärschichten 
finden  sich  zwar  im  ganzen  Oberrheinthale  vereinzelt,  von  Basel 


13 

bis  Bruchsal;   dieselben  sind  aber  alle  sehr  unbedeutend.     Wir 
beginnen  mit  den  weiteren  Vorkommnissen  im  Unter-Elsass. 

In  der  Gemeinde  Dauendorf,  14  Kilometer  in  östlicher 
Richtung  von  Buchsweiler  entfernt,  wurde  in  früherer  Zeit 
eine  pyritreiche  Braunkohle  neben  den  dort  vorkommenden 
Bohnerzen  gewonnen  und  man  erkannte  folgende  Lagerungs- 
verhältnisse :  Zuoberst  ein  dichter  Kalk,  reich  an  Conchylien. 
Derselbe  enthält  Hornsteinstücke  und  Gharen- Reste.  Darunter 
folgen  grüne  Mergel  und  braune  Thone  mit  einem  Braunkohlen- 
flötz.  Das  Ganze  ruht  auf  den  Bohnerzlagern  auf.  Von  Fossilien 
ist  folgendes  bekannt:  ein  oberer,  rechter  Molar  von  Lophiodon 
iapiroides  Cuv.,  ein  Canine,  welcher  vielleicht  derselben  Art 
angehören  dürfte,  ferner  werden  Paludtnen  (wohl  Hydrohien)  und 
(Tyjpn^-Schalen  von  Voltz  erwähnt. 

In  dem  Orte  Dauendorf  selbst,  beträchtlich  höher  als 
die  alten  Gruben,  finden  sich  wiederum^  tertiäre  Süsswasser- 
schichten;  ein  in  neuster  Zeit  gegrabener  Brunnen  lieferte  mir 
folgendes  Profil : 

1.  Lehm 2,6  m. 

2.  Feste,  gelbe  Steinmergelbänke 0,a  m. 

3.  Helle,  gelbe  und  graue,  sandige  Mergel,  letztere 

mit  Hydrohien 6,o  m. 

4.  Fette,  blauschwarze  Mergel 9,o  m. 

5.  Helle,  schmutzige  Mergelkalke l,o  m. 

19,0  m. 

Die  Mergel  (3.)  sind  reich  an  Schwefelkies  und  besitzen 
einen  starken  schwefligen  Geruch,  ihr  Schlemmrückstand  ist 
sandig  kalkig.  Die  in  den  grauen  Mergeln  enthaltenen  Conchylien- 
bruchstücke  (Fragmente  von  Flanorlis  etc.)  sind  mit  Aus- 
nahme der  Hydrohien  zu  mangelhaft  erhalten,  um  eine  sichere 
Bestimmung    zuzulassen.     Man  kann    2  Arten    von   Hydrohien 


14 

unterscheiden:  Hydrohia  Dauendorfensis  nov.  sp.  und  Hydrohia 
cf,   Wehsteri  Mobb.  sp.  (vergl.  pg.  34,  35,  Tf.  III,  Fig.  1,  2). 

Bei  Neuburg,  etwa  1  Kilometer  von  dem  Dauendorfer 
Vorkommen  entfernt,  werden  die  in  früherer  Zeit  dort  abge- 
bauten Bohnerze  gleichfalls  von  Süsswassermergeln  mit  Braun- 
kohle und  dann  von  einem  grauen  Kalkstein  überlagert.  Der 
unreine,  pyritische  Kalk  ist  ungefähr  1  m  mächtig  und  ganz 
von  Conchylien  erfüllt.  Ein  mir  vorliegendes  Stück  enthält 
namentUch  Planorbis  psettdammonius.  Ferner  werden  noch  die 
Ueberreste  einer  Schildkröte  von  Daubbee  erwähnt. 

Bei  Bitschhofen  am  Buhlinger-Berg,  4  Kilometer 
nordöstlich  von  der  früheren  Neuburger  Bohnerzgrube,  zeigen 
sich  ähnliche  Lagerungsverhältnisse.  Ein  von  Daubbee  gegebenes 
Profil  mag  dieselben  veranschaulichen. 

1.  Mergel 5,9o  m. 

2.  Süsswasserkalk  mit  Mergel  wechselnd 8,oo  m. 

3.  Thone  mit  Bohnerz 2,eo  m. 

15,90  m. 

Darunter  die  liegenden  Juraschichten.  In  den  grauen 
Mergeln  trifil  man,  ausser  Limneen,  mit  Schale  erhaltene  Exem- 
plare von  Planorbis  pseudammonius.  An  diesem  Punkte  sind 
jetzt  ebenfalls  keine  Aufschlüsse  mehr  vorhanden;  ich  fand 
jedoch  bei  dem  nahe  gelegenen  Dorfe  Bitschhofen  einen 
Kalkblock  ähnlich  dem  Buchsweiler-Kalk  mit  Limneus  Michelini 
und  Planorbis  pseudammonius. 

Daubbee  erwähnt  von  Mietesheim  pyritreiche  Mergel 
mit  Braunkohlen -Spuren,  welche  die  dortigen  Bohnerzlager 
bedecken;  es  ist  von  denselben,  wie  bei  Bitschhofen,  nichts 
mehr  zu  sehen.  Die  blaugrünen  Mergel  hingegen,  welche  ich 
in    einem    zufälligen   Aufschluss    südöstlich    von    diesem    Dorfe 


15 

antraf,    mässten    über   denselben  liegen,    denn  sie  zeigen   die 
grösste  Analogie  mit  den  oligocänen  Mergeln  von  Lampertsloch. 

Die  bisher  angeführten  Vorkommnisse  zeigen  alle  grosse 
Aehnlichkeit  mit  einander.  Die  aus  Süsswasserkalk  und  braun- 
kohlenführenden Mergeln  bestehenden  Schichten  überlagern  die 
Bohnerzthone.  Planorbis  psetidammontus  ist  überall  häufig, 
ausser  in  den  höheren  Schichten  im  Orte  Dauendorf,  wo  die 
bei  Buchsweiler  seltenen  Hydrobien  vorwiegen.  Etwas  abweichend 
davon  verhalten  sich  einige  Kalke,  welche  ich  für  etwas  jünger 
als  den  Buchsweiler-Kalk  halten  möchte,  und  die  sogleich  ange- 
führt werden  sollen .  Dieselben  überlagern  bei  Morschweiler, 
am  Bischenberg  und  bei  Bernhardsweiler  direkt  die 
Dogger- Schichten  oder  kommen  in  den  hangenden  Conglome- 
raten  vor.  In  diesen  Kalken  tritt  PI.  pseudammonius  zurück 
und  Hydrobien-Steinkerne  sind  am  häufigsten.  Am  Bischen- 
berg  fand  ich  ferner  ein  Bruchstück  von  Megdlomastoma 
mumia  Lmk.  sp.,  die  im  jüngeren  Palaeotherienkalk  von  Brunn- 
statt häufig  ist. 

Auf  dem  Wege  von  Morschweiler  nach  Dauendorf, 
nicht  weit  vom  erstgenannten  Ort,  steht  auf  einer  Anhöhe 
eocäner  Süsswasserkalk  an.  Derselbe  wird  in  kleinen  Stein- 
brüchen gewonnen,  da  man  sein  Material  den  umliegenden  Jura- 
kalken zur  Beschotterung  der  Strassen  vorzieht.  Der  hellgelbe 
Kalk  gleicht  in  seinem  Aussehen  auffallend  dem  noch  zu  er- 
wähnenden Kalke  vom  Bischenberg  und  von  Bernhards- 
weiler im  mittleren  Elsass.  Einzelne  Bänke  desselben  sind 
hart  und  homogen,  andere  haben  im  Inneren  ein  poröses  und 
zerfressenes  Aussehen.  Dieser  Kalk  besitzt  keine  grosse  Mäch- 
tigkeit, er  lagert  direkt  auf  dem  Parkinsonoolith  (Schichten  der 
Ostraea  acuminata  Sow.)  auf  und  wird  von  einer  dünnen 
schmutzig-gelben  Mergelschicht  bedeckt.     Die  Fossilien  in  dem- 


16 

selben    sind   sparsam    und    schlecht  erhalten.     Hydrobien    und 
Limneen-Steinkerne  wiegen  vor. 

Der  Bischenberg  oder  Nationalberg,  ein  isolirter 
Vogesenvorberg,  erhebt  sich  zwischen  Oberehnheim  und 
Bischofs  heim  zu  einer  Höhe  von  363  m.  Seine  Basis  be- 
steht vorwiegend  aus  Hauptoolith,  sein  Gipfel  aus  oligocanen 
Conglomeraten,  und  zwischen  diese  beiden  Gebilde  ist  eine 
Schicht  von  Süsswasserkalk  eingeschaltet.  Der  Kalk  ist  nirgends 
direkt  aufgeschlossen;  man  findet  jedoch  an  der  Grenze  des 
Oolith's  und  der  Gonglomerate  zahlreiche  umherliegende  Stücke 
desselben.  Abgerollte  Fragmente  des  Süsswasserkalkes  fand  ich 
schliesslich  auf  der  Höhe  des  Berges  in  den  Conglomeraten 
selbst.  Der  gleiche  Kalk  kommt  ferner  noch  auf  dem  Conglo- 
mefäthügel  hinter  dem  Ort  Bernhardsweiler  vor,  ungefähr 
1,5  Kilometer  südlich  vom  Bischenberg.  Das  Ausseben  des 
Kalksteins  ist  ziemlich  wechselnd,  er  ist  fleckig,  hellgelb  oder 
hellgrau,  öfters  sandig,  zuweilen  dicht,  zuweilen  zerfressen  und 
cavernös.     Ich  beobachtete  nachstehende  Fossilien: 

Pkmarbis  pseudammonius  Schlth.  sp.  Diese  Art  fand 
ich  nur  auf  der  südwestlichen  Seite  des  Bischenberges,  und 
zwar  in  schönen  grossen  (3,5  mm.)  mit  Schale  erhaltenen  Exem- 
plaren. Auf  der  Nordseite,  wo  die  anderen  Arten  am  häufigsten 
sind,  scheint  sie  zu  fehlen. 

Planorbis  CherHeri  Dbsh.,  namentlich  bei  Bernhards- 
weiler. 

Limnea  olkvia  Bouis  sp.  Diese  Art  ist  am  Bischenberg 
häufiger  als  bei  Buchsweiler. 

Limnea  cf.  MicheUni  Desh. 

Megdlomastoma  cf,  mumia  Lmk.  sp.  Ein  Steinkem  nebst 
dazugehörigem  Abdruck  im  bellgelben  Kalk  vom  Bischen- 
berg. Derselbe  stimmt  nach  Grösse,  Form  und  Sculptur  ganz 
mit  der  obigen  Art;  es  fehlen  an  demselben  jedoch  die  untersten 


17 

Windungen  uod  die  Mündung.  Aus  dem  Buchsweiler- 
Kalk  ist  nie  etwas  derart  bekannt  geworden. 

Ausserdem  finden  sich  nicht  selten  Hydrobien-Steinkerne 
und  Gypris-Abdrücke. 

An  die  besprochenen  elsässischen  Fundstellen  von  eocänem 
Süsswasserkalk  schliessen  sich  diejenigen  der  benachbarten  Länder, 
Badens  und  der  Schweiz,  naturgemäss  an.  Die  Pfalz  und  Bhein- 
hessen,  kurz  das  ganze  Mainzer  Becken  hat  keine  analogen 
Tertiärbildungen  aufzuweisen.  In  Lothringen  ^  und  Württemberg 
(Bohnerze?)  scheinen  gleichfalls  Tertiärschichten  des  Eocän's  und 
Oligocän's  zu  fehlen. 

In  Baden  ist  nur  ein  einziges  Vorkommen  von  Schichten 
bekannt,  welches  mit  dem  Buchsweiler-Kalk  zu  paralleli- 
siren  ist.  Der  schon  mehrfach'  besprochene  Sandkalk,  welchen 
man  in  umherliegenden  Brocken  bei  Üb  Stadt  und  vereinzelt 
auch  bei  Maisch  unweit  Langenbrücken  gefunden  hat, 
gehört  hierher.  Der  plattige,  gelbe  Kalksandstein  enthält  ziemlich 
schlecht  erhaltene  Fossilien  (Steinkerne).  Es  ist  das  Verdienst 
Sakdbe&geb's  folgende  Arten  darunter  erkannt  zu  haben : . 

1.  Faludina  Orhignyana  Desh., 

2.  Euchilus  Deschiensianum  Desh.  sp., 

3.  Planorbis  Chertieri  Desh., 

4.  Plan,  pseudammonius  Sch.  sp., 

5.  Pomatias  Sandbergeri  Noül., 

6.  Melanopsis  sp.  vielleicht  Castrensis  Noul. 


1 .  Die  nahe  an  der  lothringischen  Grenze  vorkommenden  Thone  und  Quarzit- 
conglomerate  (Speicher  etc.)  werden  neuerdings  vielleicht  mit  Recht  als  terti&r 
angesprochen  (mitteloligoc&ne  Küstenbildangen).  Durch  die  GQte  des  Herrn  Dr.  vam 
Werveke  konnte  ich  derartige  Thone  auf  Foraminiferen  untersuchen  und  fand 
dieselben  durchaus  steril.  In  Württemberg  dürften  einige  Bohnerze  zum  EocSn 
gehören. 

2.  Neues  Jahrb.  Pär  Min.  etc.   1859   (G.   Deffner  und  0.  Fraas).   Ferner 

W.  Benbcke  und  E.  Cohen,  Geognost  Besch.  der  Umg.  v.  Heidelberg  1881,  pg.  498. 
ni.  2 


18 

Ausserdem  Fischschuppen,  Krokodilzähne  und  Schildkröten- 
Reste. 

Am  Schlüsse  bleibt  uns  noch  eine  vereinzelte  Fundstelle 
zu  nennen  übrig.  Dieselbe  liegt  im  Canton  Solothum  zwischen 
Hobel  und  Kempen,  nicht  weit  von  Basel.  Es  soll  von  dem 
Vorkommen  jetzt  nichts  mehr  zu  sehen  sein.  Der  dortige  Kalk 
hat  nur  Reste  von  PI.  pseudammonius  in  grosser  Zahl  geliefert, 
welcher  mir  nebst  der  var.  Leymeriei  Debh.  aus  der  GsEPPiN'schen 
Sammlung  vorliegt.  Soviel  man  es  nach  einem  kleinen  Stück 
beurtheilen  kann,  zeigt  der  Kalk  von  Hobel  petrographisch 
grosse  Uebereinstimmung  mit  dem  von  Buchsweiler,  auch 
ist  oolithische  Structur  an  demselben  wahrzunehmen. 


2.  Palaeontologische  Verhältnisse. 

A.  Säugethiere. 

Was  die  Fauna  von  Buchsweiler  betrifft,  so  haben  wir 
zunächst  eine  Reihe  von  Saugethieren  zu  nennen,  welche,  wenn 
es  sich  um  die  Bestimmung  des  Alters  einer  Tertiärschicht 
handelt,  ja  in  erster  Linie  in  Betracht  kommen.  Die  Lophiodon- 
Arten  sind  die  charakteristischesten  und  häufigsten  Säugethiere 
der  Buchsweiler  Fauna,  welche  zahlreiche  Reste,  allerdings  meist 
nur  Kieferbruchstücke  und  Zähne,  geliefert  haben.  Die  Lophio- 
donten  von  Buchsweiler  sind  schon  seit  langer  Zeit  bekannt 
und  haben  dadurch  eine  gewisse  Berühmtheit  erlangt,  dass  Cuyikb 
in  seinen  Becherches  sur  les  ossements  fossiles^  Reste  dersel- 
ben abbildete,  beschrieb  und  2  Species  auf  dieselben  begründete. 
BiiAiKYiLLE  sah  sich  später  veranlasst,  die  beiden  Buchsweiler 


19 

Arten  wieder  mit  einander  und  mit  dem  Loph.  Isselense  Guy. 
zu  vereinigen,  ohne  jedoch  einen  genügenden  Grund  dafür  an- 
zugeben. Diese  Vereinigung  ist  unzulässig;  auch  wurde  sie 
von  späteren  Autoren,  welche  über  Lophiodon  schrieben,  wie 
Maack*  und  RüTiMBYEB*  nicht  acceptirt.  Wir  wollen  an  anderer 
Stelle,  bei  Besprechung  der  beiden  Buchsweiler  Arten,  die  wich- 
tigsten Unterscheidungsmerkmale  hervorheben. 

Als  eine  sehr  alte  Gruppe   der  perissodactylen  Ungulaten 
stehen  die  Lophiodonten  den  durchschnittlich  jüngeren  Palaeo- 
therien  im  Eocän  gegenüber.  Sie  charakterisiren  namentlich  die 
älteren  Bohnerze,  so  in  der  Schweiz  bei  Egerkingen,  in  Mittel- 
franken bei  Heidenheim  und  finden  sich  in  verschiedenen Mittel- 
eocänbildungen  Frankreichs:  Argenton  (Indre),  Issel  (Aude)etc. 
Aus  dem  Oligocän   ist  mit  Sicherheit  kein  Lophiodon  bekannt 
und  im  Miocän  folgen  die  Tapire,   welche   wohl  direkte  Nach- 
kommen von  Lophiodon  sind.  Die  Lophiodonten  zeigen  die  ein- 
fachsten Zähne  unter   den  Ungulaten  und  der  primitive,  grad- 
lobige  Typus   ihrer  Molaren  bildet  den  Ausgangspunkt  für  die 
complizirteren   Zähne  anderer  Unpaarhufer.     Während    so    die 
Molaren  Anklänge  an  diejenigen  der  Tapire  und  der  Palaeotherien 
erkennen  lassen,  sind  namentlich  die  Caninen  abweichend  gebildet 
und  zeigen   wie  bei   anderen  altfossilen  Ungulaten   carnivoren 
Charakter.    Ferner  ist  noch   ein   primitiver  Zug   zu   erwähnen, 
welcher  schon  oft  hervorgehoben  worden  ist,  nämlich,  dass  bei 
Lophiodon  die  Praemolaren  in  höherem  Grade  von  den  Molaren 
differenzirt  sind  als  bei  dem  viel  jüngeren  Tapir.   Am  Schädel 
von  Lophiodon  sind    die   verhältnissmässig  langen  Nasenbeine, 
sowie  die  grossen  einander  genäherten  Schläfengruben  bemerkens- 


1.  0.  A.  Maack,   Palaeontologische   Untersacbungen   über  noch   unbekannte 
Lopbiodonfossilien  von  Heidenbeim  am  Habnenkamme  in  Mittelfranken.  Leipzig  1865. 

2.  Rotimeykr,  lieber  eocSne  Säugethiere  aus  dem  Gebiet  des  schweizerischen 
Jura  1862. 


20 

werth.  Die  artenreiche  Lophiodon-FsLmüie  besitzt  in  Europa  eine 
ziemlich  weite  Verbreitung  und  wird  im  Eocän  von  Nord-Amerika 
namentlich  durch  die  nahe  verwandte  Gruppe  Hyrctchyus  (Leidt) 
vertreten,  welche  dort  eine  grössere  Bedeutung  als  Lophiodon 
selbst  erlangt  Hyrachyus  kommt  in  Europa  nur  sparsam  vor 
(Phosphorite  von  Quercy)  und  steht  im  Ganzen  dem  Tapir 
näher,  dasselbe  wird  von  Gaudbt  als  Zwischenform  zwischen 
Lophiodon  und  diesem  angesehen*. 

Die  beiden  Arten  von  Buchsweiler  sind: 

Lophiodon  tapiroides  Ccv. 

a  Grand  Lophiod.  de  Buchswiller".  Abgebildet  in  .Cuv.  R. 
sur  les  0.  foss.,  t.  n,  pL  VI,  2,  4;  pL  VII;  1,  3,  5.  Femer  wurde 
die  stark  verkleinerte  Abbildung  eines  zerdrückten ,  vom  abge- 
brochenen Schadeis  von  Ddvernot  in  den  Mem.  de  ta  Soc.  iThisL 
nai.  de  Sirasbourg  1835  T.  IL  gegeben'. 

Diese  Art  erreichte  nicht  ganz  die  Grosse  eines  Pferdes, 
gehört  also  immerhin  zu  den  grossen  Lopkiodon-Arien^  wenn  sie 


1.  A.  GirBiT,  les  endkainemenU  du  Momde  amitmal  dams  les  temps  g^ 
hgiques.  Mommifdres  ierUaires,  Puis  1S7S,  pg.  64. 

2.  Dc\U!«oT,  NöHee  smr  im  eräme  de  lopk,  ei  im  frofmemi  de  mötMrt 
if  im«  trit-petHe  espkx  de  Fadkpdenme  prentw»^  dm  gewre  Sms,  pg.  9.  —  Ia 
deo  Mem.  d,  L  See  dTkisL  nai,  d.  Sirsbg.  T.  V.  1863  (R^snin^  p.  15)  gUit  Prof. 
SoiiBrEm  eine  knrte  XoUi  über  SlageUiiere  too  Bachsweiler.  Er  eitürt  darin 
Dctkiüot's  LophiodoD.  flkr  ein  Rhimoceres  \Aceraihermm)  mcurncf,  ohne  weiteren 
Gmad  Ar  die  IdeaüfikalioB  aungeheD.  Das  heCreflende  SchiddfirHa«nt  befndet 
sieh  noch  in  der  Stnssbarfer  LiadessuMiluc  and  ich  mha  tob  nenea  Gelegen- 
heit die  darin  Torhandenen  Zahnreste  sorgftlUg  n  ontersochen.  Von  de«  Torietzten 
Molaren  ist  die  Innere  Hüfte  gut  erhalten  und  stimt  ToUstindig  mit  L.  tapiroides 
überein.  Ks  Ist  nanwnUich  herronoheben«  das»  das  Thal  zwischen  den  3  Qaeijochen 
eben  so  breit  und  lach  ist  wie  bei  der  letttgenannten  Species.  ÜBiiss  ud  Grösse 
des  letzten  Molaren,  dessen  Krone  zerstört  ist  stimsen  gletch&lk  mit  £.  (epireides. 
Von  den  tiefer  eindringenden  Schnelzfalten  der  Rhinocerosiihne  ist  nichts  zn  sehen. 
Wir  missen  daher  den  PcTiK50iVhen  Schädel  ta  l»p,  tapitoides  stellen. 


21 

auch  von  dem  L,  rhinocerodes  Rütim.  aus  den  Bohnerzen  noch 
an  Grösse  übertroffen  wird.  Als  Unterschied  von  L.  Isselense^ 
welchem  die  obige  Art  nahe  steht,  führe  ich  aus  der  schon 
erwähnten  Arbeit  von  Maack  folgendes  an  (pag.  30):  „Bei 
L.  IsseUnse  Cuv.  sind  beide  Querjoche  der  unteren  Molar- 
zähne ebenso  wie  bei  Z.  Farisiense  Gebt,  fast  gar  nicht  mit 
einander  verbunden,  während  bei  L.  tapiroides  ein  Anschluss 
der  Zwischenkante  in  halber  Höhe  des  vorderen  Joches  statt- 
findet. Das  Querthal  der  oberen  Backenzähne  von  L.  IsseUnse 
ist  eng,  und  der  Haupthügel  der  Aussenwand  bildet  eine  etwas 
geknickte  Falte  mit  stumpfer  Mittelkante;  bei  L,  tapiroides 
dagegen  ist  die  Bucht  zwischen  den  Querjochen  weit  und  seicht, 
der  vordere  Hügel  der  Aussenwand  hoch  und  einen  ziemlich  regel- 
mässigen Kegel  darstellend.  ^  Dies  mag  hier  genügen ;  die  Unter- 
schiede von  Zr.  BuxoviUanum  sollen  bei  dieser  Art  besprochen 
werden.  Taf.  HI.  fig.  6  ist  in  */,  n.  gr.  ein  letzter  rechter 
Molar  des  Oberkiefers  von  Lophiodon  tapiroides  aus  den  Mergeln 
von  Dauendorf  stammend  abgebildet.  Der  Zahn  zeigt  eine  vor- 
zügliche Erhaltung  und  ist  auf  der  Kante  und  inneren  Spitze 
der  beiden  Querjoche  kaum  etwas  abgekaut,  was  darauf  hindeutet, 
dass  derselbe  keinem  alten  Individuum  angehörte.  Bezeichnend 
ist  für  den  letzten  oberen  Molaren  die  starke  Gonvergenz,  welche 
die  Aussenwand  mit  der  Innenwand  nach  hinten  zeigt,  und  die 
schiefe  Richtung,  welche  die  erstere  zu  den  Queijochen  einnimmt. 
Die  starke  Warze  am  Vorderrande  der  Aussenwand,  sowie  der 
kräftige,  namentlich  vorn  entwickelte  Basalwulst  sind  für  Lophiodon 
charakteristisch.  Von  den  5  Schmelzpyramiden  ist  der  mittlere 
Hügel  der  Aussenwand  am  höchsten,  dann  folgen  sogleich  die 
beiden  Kegel,  welche  von  den  inneren  Enden  der  Queijoche 
gebildet  werden.  Die  vordere  und  namentlich  die  hintere  Warze 
der  Aussenwand  sind  weit  schwächer  entwickelt.  Die  Dimensionen 
dieses  Zahnes  sind: 


22 

Grösste  Breite  =  36  mm. 

Grösste  Länge  =  45  mm. 

Grösster  Durchmesser  =  51  mm. 
Der  grösste  Durchmesser  der  letzten  Molaren  von  L.  rhino- 
cerodes  beträgt  hingegen  64 — 67  mm.  L.  tapiroides  findet  sich 
ausser  bei  Buchs  weile  r  noch  in  den  Bohnerzen  von  Eger- 
kingen,  wo  dasselbe  mit  sieben  anderen  Lophiodon-krlen  zu- 
sammen vorkommt  ^ 


Lophiodon  BtiMOviUanwm  Cuv. 

Abgebildet  in  Cuv.,  Rech.,  L  II,  pl.  VI,  3,  5;  pl.  VII,  2,  4. 
„Loph.  secondaire  de  Buchsw."  Diese  Art  erreichte  ungefähr 
die  Grösse  des  indischen  Tapirs.  Schon  Cuvieb  hob  hervor, 
dass  die  Loben  der  Unterkiefermolaren  bei  dieser  Art  schief 
nach  vom  geneigt  und  ausserdem  stark  nach  vom  umge- 
bogen sind,  wodurch  sie  sich  im  Habitus  den  Palaeotherien 
nähern.  Der  letzte  Unterkiefermolar  ist  sehr  lang  und 
dreilobig.  Von  den  Oberkieferzähnen  gibt  Rütuieysb  in  dem 
schon  erwähnten  Werke  folgende  Beschreibung:  Der  ganze  Habitus 
der  Zähne  ist  sehr  verschieden  von  L.  tapiroides.  Sie  haben  ein 
compaktes,  scharf  gezeichnetes  Gepräge.  Die  Aussenwand  ist 
relativ  kurz  und  niedrig,  kaum  höher  als  die  Querjoche.  Letztere 
sind  hoch,  massiv,  kurz  und  stark,  nach  hinten  concav  und 
steigen  am  inneren  Ende  in  hohe  Spitzen  auf.  Der  Basalwulst 
ist  schwach.  Die  Dimensionen  der  Zähne  sind  etwa  '/>  kleiner 
als  bei  der  vorigen  Species.  Ein  rechtes  Oberkieferstück,  mit 
grösstentheils  zerstörten  Zahnkronen,  welches  mir  vorliegt,  zeigt 


1.  ROtimetbb,  Koc  Sdageth.  etc.  X.  tapiroides  abgebildet  Tf.  n,    13->26: 
IV,  44 ;  Lop.  BuxoviUanutn  auf  Tf.  III,  Fig.  37^39. 


23 

Spuren  der  3  ziemlich  grossen  Molaren  und  der  3  Meinen 
Praemolaren ,  auch  ist  ein  Theil  der  Eckzahnalveole  erhalten, 
so  dass  kein  Baum  als  Diastem  übrig  blieb.  X.  Buxovillanum 
findet  sich  ausserdem  in  den  Bohnerzen  von  Egerkingen  und 
nach  den  Angaben  von  Nordmakn  beiKapitanowkä  im  Cher- 
sonschen  Gouvernement  nicht  weit  von  Odessa.  Falls  die  Zähne 
von  Lophiodon  medium  Cuv.,  wie  Bütimeyeb  vermuthet  und 
Maack  annimmt,  Milchzähne  von  L.  Buxovillanum  sind,  so  wären 
noch  andere  Fundorte  und  unter  anderen  auch  Argenton 
hinzuzufügen. 


Zophiodan  sp.  cf.  tapiroides  Cuv. 

Can.  inf.  dex.  Taf.  IV,  Fig.  10,  II,  12,  13. 

Von  Dauendorf  liegt  mir  ein  Eckzahn  vor,  welcher  der 
rechten  Unterkieferhälfte  angehört  haben  muss.  Die  wenigen 
bisher  von  Blaimyille,  Bütimeyeb  und  Maack  abgebildeten 
Lophiodon-Csninen  zeigen  grosse  Aehnlichkeit  mit  diesem  Zahn, 
ermöglichen  aber  nicht  die  Bestimmung  der  Species.  Man  ist 
bei  den  Eckzähnen  in  sofern  schlimm  daran,  weil  ihre  Ver- 
änderlichkeit  sowohl  in  Bezug  auf  das  Geschlecht,  sowie  auf  ein 
oder  die  andere  Art  der  gleichen  Gattung  (z.  B.  bei  Bhinoceros) 
eine  viel  grössere  ist  als  bei  den  Molaren.  Wenn  dieser  Zahn 
von  Lophiodon  tapiroides  herrührt,  was  am  wahrscheinlichsten 
ist,  so  dürfte  derselbe  einem  jungen  oder  weibUchen  Individuum 
angehört  haben  (letzteres  ist  wegen  der  vollständigen  Ausbildung 
und  der  Abnutzung  an  der  Spitze  am  wahrscheinlichsten).  Nach 
dem  Yerhältniss  zu  urtheilen,  welches  bei  anderen  Lophiodon- 
Arten  (z.  B.  L.  rhinocerodes)  zwischen  der  Grösse  des  letzten 
Molaren  und  Caninen  besteht,  würde  der  Dauendorfer  Molar 
einen  grösseren  Eckzahn   erwarten  lassen.   Bütimeyeb  rechnet 


24 

jedoch  eine  untere  Eckzahnkrone  zu  L.  tapiroides^  welche  nur 
15  mm  im  Durchmesser  zeigt,  während  unser  Zahn  an  der 
Kronenbasis  18  mm  und  15  nun  misst.  Wegen  der  sehr 
schönen  Erhaltung  und  wegen  des  Fundortes  glaubte  ich  den 
Zahn  abbilden  zu  sollen'.  Die  massig  comprimirte  Wurzel  des 
Caninen  ist  beinahe  doppelt  so  lang  als  die  Krone.  Letztere 
besitzt  auf  der  inneren  Seite  vorn  und  hinten  je  eine  scharfe 
Schmelzkante.  Die  Krone,  welche  innen  etwas  concav,  aussen 
convex  ist,  wird  von  einem  schwachen  Basalwulst  eingefasst  und 
zeigt,  von  der  inneren  Seite  betrachtet,  eine  stärkere  Krümmung 
als  die  Wurzel.  Die  Spitze  ist  auffallender  Weise  von  aussen 
ein  wenig  abgenutzt,  eine  Usur,  die  nur  durch  den  oberen  dritten 
Incisiven  bewirkt  worden  sein  kann,  der  bei  Lophiodon  ähnlich 
wie  beim  Tapir  sehr  kräftig  war.  Der  ganze  Zahn  hat  einen 
carnivoren  Habitus. 


Propalcteoth&ritini  Isselanufn  Gerv. 

Ein  Unterkieferbruchstück  mit  schlecht  erhaltenen  Zähnen, 
welches  von  Buchsweiler  stammt,  wird  von  BlaiitviiiLc  als 
zu  Palaeotherium  Issdanum  gehörig  betrachtet.  Dasselbe  findet 
sich  erwähnt  in  der  Ost^ographie  IV.  Y.  p.  174  u.  p.  161, 
und  ist  abgebildet  auf  pl.  Ym.  Ich  kenne  das  Original  nicht 
und  darf  mir,  zumal  bei  dem  schlechten  Erhaltungszustand,  kein 
Urtheil  nach  der  Abbildung  erlauben'. 


1.  Der  betreffende  Ganioe  war  als  Anthracotherium  bestimmt  aod  als  solcher 
aach  in  der  Litterator  aufgef&hrt  worden.  Dadbree,  Desc.  d.  B.  R.,  pg.  201. 

2.  Ob  das  von  Delbos  in  einem  Vortrage  in  Mülhaosen  erwähnte  Vorkommeo 
von  Frupalaeotherium  bei  Buchsweiler  sich  aaf  die  Angabe  Blainville's  stützt,  ist 
mir  anbekannt  Cf.  BuU,  de  ia  Soc,  indusi,  de  MuUwuse,  1870. . 


25 


Propalaeotheriv/m  Argentonicv/m  Cuv.  sp. 
Molaren  des  Oberkiefers'.  Tf.  III,  Fig.  18a,  6 ;  19. 

Zwei  isolirte,  obere,  linke  Molaren  eines  Propalaeother^m, 
aus  dem  Buchsweiler-Kalk  stammend,  liegen  mir  vor.  Es  scheint 
mir  der  letzte  und  vorletzte  Backenzahn  ein  und  desselben 
Individuums  zu  sein;  ersterer  ist  wohl  erhalten,  bei  dem  anderen 
ist.  leider  die  Aussenwand  abgebrochen.  Der  auf  Tf.  III,  Fig.  18a 
abgebildete  Zahn  zeigt  die  typischen  Formen  des  Propalaeo- 
therienzahnes.  Die  starke  Convergenz  der  Aussenwand  mit  der 
Innenwand  nach  hinten  kennzeichnet  ihn  als  letzten  Molaren.  Die 
Aussenwand  zeigt  die  charakteristische  Festonnirung.  Sie  zerfällt 
zunächst  durch  eine  mittlere  sehr  scharf  ausgeprägte  Kante  in  2 
ungefähr  fünfseitige,  oben  in  den  äusseren  Schmelzkegeln  scharf 
zugespitzte  Felder.  Diese  Felder  werden  unten  und  aussen  von 
Wülsten  umrahmt  und  besitzen  in  der  Mitte,  je  eine  von  der  Kegel- 
spitze nach  dem  Basalwulst  herablaufende  Verdickung.  Am  vorderen 
Theil  der  Aussenwand  zeigt  sich  die  stark  erhobene  Warze  ganz 
vrie  bei  Lophiodon.  Die  Ausbildung  der  Querjoche,  welche  sjfh 
schräg  an  die  Aussenwand  ansetzen,  ist  jedoch  von  Lophiodon 
recht  verschieden.  Das  vordere  Querjoch  nimmt  seinen  Ursprung 
zwischen  der  Warze  und  dem  vorderen  Schmelzkegel  der  Aussen- 
wand ;  dasselbe  bildet  eine  ziemlich  hohe  und  scharfe  nach  vorn 
concave  Kante,  bis  es  in  der  Mitte  der  Vorderseite  sich  zu 
einem  Kegel  erhebt.  Auf  diesen  Kegel  folgt  eine  tiefe  Einsenkung, 


1.  Die  beiden  erwähnten  Zähne  liegen  wohl  schon  lange  in  der  Strassburger 
Sammlang,  sie  waren  als  Anchitherium  Aurelianense  bestimmt  und  trugen  den  Fund- 
ort Bachsweiler.  Farbe  und  Erhaltung  lassen  nieht  daran  zweifeln,  dass  die  Fandorts- 
angabe richtig  ist.  Um  so  auffallender  erscheint  es,  dass  Scuimper  Anch.  Aurelianense 
Ton  Lobsann  erwähnt.  Die  Art  ist,  so  viel  ich  weiss,  daselbst  nie  vorgekommen.  M^. 
d.  l.  Soc,  d'hist.  nat  de  Slratbg,  T.  V.  1862. 


26 

und  dann  schwillt  das  erste  Queijoch  nochmals  an,  um  den  sehr 
kraftigen  und  isolirten,  Torderen  Schmelzkegel  der  Innenseite 
zu  bilden.  Verfolgen  wir,  Ton  dem  hinteren  Kegel  der  Innenseite 
ausgehend,  das  zweite  Queijoch,  so  bemerken  wir,  dass  dasselbe 
in  einer  scharfen  Kante,  welche  sehr  schnell  an  Höhe  abnimmt,  nach 
Tome  Terlauft  In  der  Mitte  erhebt  es  sich  nochmals  ein  wenig 
zu  einer  kleinen  medianen  Schmelzspitze.  Der  Contakt  des 
hinteren  Querjoches  mit  der  Aussenwand  li^  an  deren  Basis 
zwischen  dem  medianen  Wulst  und  dem  hinteren  Kegel  denelben. 
Der  mediane  Wulst  der  Aussenwand  entspricht  offenbar  mor- 
phologisch der  Warze  Tor  dem  ersten  SchmelzkegeL  Der  Basal- 
wulst  ist  überall,  mit  Ausnahme  der  Innenseite,  sehr  kräftig. 
Von  oben  gesehen  sind,  mit  Weglassung  der  Torderen  Warze, 
namentlich  5  Schmelzkegel  am  Zahn  bemerkbar,  indem  der 
mittlere  Kegel  des  hinteren  Queijoches  ganz  zurücktritt.  Die 
Disposition  dieser  5  Kegel,  ron  welchen  3  Tome  und  2  hinten 
U^en,  erinnert  ganz  an  den  Zahn  ron  Aniht^oAeriHm  ^  bei 
welchem  auch  Homologa  für  die  mittlere  Schmelzleiste  und  die 
vordere  Warze  zu  finden  sind. 

Die  Dimensionen  des  Zahnes  betragen: 

Grösste  Länge  =  20  mm. 
Grösste  Breite  =  25  mm. 
Grösster  Durchmesser  =  27  mm. 
Länge  der  Aussenwand  =  22  mm. 

Cnl^rkiefenahne'.  Tf.  lU,  Fig.  20. 

Unterkieferzähne  eines  Proj^alaeothenrnm^  welche  in  einem 

zertrümmerten  Kiefer  stecken  und  wohl  zu  derselben  Art  gehören, 

fanden  sich  ebenfalls  bei  Buchsweiler.   Der  letzte  Molar  ist 

2S  mm  lang,  während  der  des  Proj>aIa€otA<Tmm  Issdamum  nach 


I .  D»$  bctrHrecde  Kt^fn^tiici  Bit  Zihcea  wxl^  mir  Cnfsodlicker  Weise  too 
Htm  Duc&E  in  Stras^shvriE:  m$  seiner  SimM^cop  sberiJä^sea. 


27 

RüTiHETEB  nur  24  mm  misst.  Derselbe  hat  3  starke  Querjoche, 
von  welchen  das  hinterste  am  niedrigsten  ist.  Ausserdem  entsteht 
durch  die  Umbiegung  des  vorderen  Querjoches  ganz  vorn  am 
Zahn  noch  ein  niedriges,  unvollständiges  Joch.  Der  auf  der 
Innenseite  gebildete  Hügel  des  vorderen  Queijoches  ist  etwas 
abgenutzt  und  erscheint  breit.  Dieser  Zahn,  welcher  mehrfache 
Sprünge  zeigt,  liess  sich  aus  dem  harten  Gestein  nicht  so  voll- 
ständig herauslösen,  um  sich  zum  Abbilden  zu  eignen.  Der  vor- 
letzte Molar  misst  20  mm,  der  gleiche,  im  Uebrigen  sehr 
ähnliche  Zahn  von  P.  Isselanum,  nur  15  mm.  Derselbe  ist 
vierwurzelig  und  zeigt  auf  der  Krone  alle  Eigenthümlichkeiten  des 
Propalaeotheriun^Zahnes.  Die  beiden  Querjoche  sind  hinten  voll- 
ständig gradlinig  und  stehen  nur  wenig  schräg.  Dieselben  sind 
an  der  Aussenseite  spitzwinkelig  umgebogen.  Das  zweite  Queijoch 
entsendet  an  der  Umbiegungsstelle  eine  hohe  diagonale  Kante 
(Verbindungskamm),  welche  nach  dem  inneren  Hügel  des  ersten 
Querjoches  verläuft.  Letzterer  erscheint  viel  breiter  als  der 
innere  Hügel  des  hinteren  Queijoches  und  ist  an  der  Spitze  im 
frischen  Zustand  doppelt.  Die  Umbiegung  des  vorderen  Quer- 
joches, welche  dem  Yerbindungskamm  entspricht,  bildet  am 
vorderen  Zahnende  ein  kleines  rudimentäres  Querjoch.  Der  Basal - 
wulst  ist,  mit  Ausnahme  der  Innenseite,  überall  vorhanden,  er 
ist  kräftig  und  erhebt  sich  auf  der  Hinterseite  zu  einer  starken 
Spitze,  welche  bei  dem  abgebildeten  Zahn  sehr  abgenutzt  ist. 
Diese  Spitze,  ein  Homologen  des  dritten  Talons  am  letzten 
Backenzahn,  ist  gerade  für  die  Unterkiefermolaren  der  Propalaeo- 
therien  sehr  charakteristisch.  Der  dritte  Molar  ist  dem  zweiten 
sehr  ähnlich,  misst  jedoch  nur  18  mm.  Dann  folgen  noch  2 
zerstörte  Praemolaren,  deren  Länge,  soweit  sie  sich  ermitteln 
lässt,   folgende   ist:   p*    =    15,5   mm*;   p'    =    14   mm.     Der 


1.  Die  Praemolaren  (p)  sind  von  hinten  nach  vorn  gezählt 


28 

zweite  Molar  des  rechten  Unterkiefers  ist  Tf.  III,  Fig.  20  ab- 
gebildet. 

Die  Unterkieferzähne  nehmen  nach  Rütimeyieb  eine  ver- 
mittelnde Stellung  zwischen  Lophiodon  und  Plagiolophus  ein; 
letztere  verbinden  ihrerseits  wieder  die  Propalaeotherien  mit  den 
ächten  Palaeotherien.  Gaudby  fasst  die  Propalaeotherien  mit  der 
nahe  verwandten  Gruppe  Pachynolophus  zusammen. 

Von  den  3  bisher  bekannten  PropaJaeolherium-kTij^xi :  dem 
P.  patrulum  Rütim.  aus  den  Bohnerzen  von  Gösgen  (Ob.  Eoc. 
bis  Unt.  Oligoc.?),  P.  Isselanum  Cur.  sp.  von  Issel  [D£p.  de 
TAude]  (Mt  Eoc.)  und  aus  den  Bohnerzen  von  Egerkingen 
(Mt  Eoc.  bis  Ob.  Eoc.?).  sowie  dem  P.  Argefitonicum  Gebv. 
von  Ar  gen  ton  [D^p.  de  Flndre]  (Mt.  Eoc),  kann  nur  die  letzt- 
genannte grösste  Art  bei  der  Speciesbestimmung  der  Buchs- 
weiler Reste  in  Betracht  kommen.  Der  bei  Gaubby  {Enchainem,^ 
p.  161,  Fig.  213)  abgebildete  linke  Oberkieferzahn,  welchen 
ich  wegen  seiner  ziemlich  quadratischen  Form  für  den  zweitletzten 
Molaren  halte,  stimmt  mit  dem  betreffenden  Zahn  von  Buchs- 
weiler gut  überein  und  ist  nur  eine  Spur  grösser.  Gebvais' 
bildet  keine  Reste  von  Prop,  Argenionicum  ab  und  verweist 
auf  die  Unterkieferzahne,  die  Cuvieb  in  seinen  Oss.  foss.,  p.  498, 
t  IV  als  ,Palaeotherium  d'Orl^ans  trouv^  ä  Argenton*'  erwähnt 
Bi.Aiirvii«LK  bildet  in  der  Ost^ographie  einige  Zähne  nebst  einem 
Tibia-Eopf,  einem  Astragalus,  CSalcaneus  und  einem  Cuneiforme 
von  Propaheotherium  ArgentoHicum  auf  PL  8  bei  den  Palaeo- 
therien ab.  Er  bezeichnet  alle  diese  Reste  auf  pg.  189  als 
^Palaeothermm?  medmm'^.  Es  muss  noch  dahingestellt  bleiben, 
ob  die  Extremitätenknochen  in  der  That  zu  den  betreffenden 
Zähnen  gehören.   Der  Astragalus  ist  im  Ganzen  lophiodonartig. 


1.  P.  GuvAis,  l\Biefmtohgie  ei  Zcoiofie  /ran^aise^  Amimaux  reiebre*.  Paris 
ISÖO«  PS.  116. 


29 

worauf  schon  Gebvais  aufmerksam  machte.  Die  abgebildeten 
Zähne  sind  ziemlich  stark  abgenutzt;  es  sind  die  2  letzten 
Molaren  des  Unterkiefers  und,  wie  es  scheint,  die  entsprechenden 
Zähne  aus  dem  Oberkiefer.  Diese  Zähne  stimmen  gut  mit  den- 
jenigen von  Buchs  Weiler  überein;  leider  ist  jedoch  die  Abkauung 
bei  den  Zähnen  von  Argenton  zu  weit  vorgeschritten  und  die 
Abbildung  zu  klein  und  nicht  scharf  genug,  um  geringere  Details 
vergleichen  zu  können. 

Ich  möchte  um  so  mehr  auf  das  Vorkommen  von  Pro- 
palaeoiherium  bei  Buchsweiler  hinweisen,  da  wir  noch  so  wenig 
von  dieser  interessanten  Gruppe  wissen.  Von  dem  Gliederbau 
wissen  wir  fast  nichts,  und  das  wenige  was  uns  von  der  Be- 
zahnung  bekannt  ist,  erweckt  mit  Recht  unsere  Wissbegierde. 
Nach  Eowalevsky's  Ansicht  sind  die  Propalaeotherien  berufen, 
später  noch  eine  grössere  Bolle  in  der  Palaeontologie  zu  spielen, 
indem  ihre  Zähne  einen  vermittelnden  Typus  zwischen  den 
Lophiodonten  und  Palaeotherien  innehalten  und  zugleich  an  die 
fünflobigen  Molaren  der  jüngeren  Paarhufer  erinnern. 

Dieser  vermittelnde  Typus  findet  sich  auch  in  der  That 
in  sehr  alten  Schichten  mit  der  Lophiodon'-Fa.iinsL  zusammen. 
Die  einzigen  Fundpunkte,  wo  derselbe  mit  ächten  Palaeotherien 
zusammen  auftritt,  sind  die  Bohnerze.  Bei  Egerkingen  Propal. 
Isselanum  mit  2  Palaeotherien;  bei  Ob.  Gösgen  Frop.  par- 
vulum  mit  5  Palaeotherien.  Prop.  Argentonicum  fehlt  meines 
Wissens  in  den  Bohnerzen  und  findet  sich  nur  bei  Argenton 
und  Buchsweiler. 


?  Anoplotherium  sp. 

Zwei  Molaren  in  einem  Eieferbruchstück  von  einer  kleinen 
Art    sind    in    Blainville's  Ost^ographie    auf   PI.   VI,    Bd.    IV 


30 

abgebildet.  Ich  mochte  einstweflen   noch   das  Vorkommen  eines 
Änojpiotherium  bei  Bachsweiler  bezweifeln. 


?  Ardofnys  sp. 

Ein  Unterkieferbruchstück,  welches  von  Bachsweiler  stam- 
men soll,  ist  in  Blainyille's  Ostäogr.  IV.  EE.P1.  11.  (pubUcaiion 
posthume)  abgebildet.  Die  Beschreibung  fehlt,  aber  ein  fluchtiger 
Hinweis  darauf  findet  sich  T.  IV.  CC,  pag.  187. 

Cebochoerus  anceps  Gkbv. 
Tf.  IV,  Fig.   U,  15. 

Derselbe  wird  von  Schimpeb  in  einer  kurzen  Notiz  von 
Buchsweiler  erwähnt*.  Die  Angabe  stützt  sich  vielleicht  unter 
anderem  auf  das  kleine  Backenzahnchen,  welches  mir  vorliegt  und 
welches  zu  dieser  merkwürdigen  Gattung  gehört.  Dasselbe  ent- 
stammt einem  linken  Unterkiefer  und  dürfte  der  zweitletzte 
Molar  sein.  Das  Zahnchen  misst  beinahe  7  mm  in  der  Lange 
und  5,5  mm  in  der  grössten  Breite.  Es  besitzt  2  lange  Wurzeln, 
während  die  Oberkieferzähne  von  Ceb.  anceps  merkwürdiger 
Weise  4  Wurzeln  haben  und  dadurch  von  den  dreiwurzeligen 
Molaren  der  Affen  und  Hufthiere  abweichen.  Die  Schmelzkrone 
zeigt  4  massig  abgekaute  Kegel  von  Bunodontem-Habitus.  Da 
ich  keine  Abbildung  eines  Unterkiefers  von  Ceb.  anceps  finden 
konnte,  so  muss  ich  mich  in  der  Speciesbestimmung  auf  Schimpeb 
verlassen.  Ein  Unterkiefer  von  Ceboch.  minor  findet  sich  bei 
Gaudbt  {Enchainem.,  pg.  231,  Fig.  305)  abgebildet,  er  stammt 


1.  M^.  de  la  Soc.  dhist,  not,  de  Strasbg,,  T.  V,  pg.  15  (R^sum^).   Aof 
die  gleiche  Notiz  wurde  schon  bei  L.  BuxoviUanum  verwiesen. 


31 

aas  den  Phosphoriten  von  Quercy.  Das  von  Düyebnoy  mit 
grosser  Bestimmtheit  zu  den  Suiden'  gestellte  Unterkieferstück 
mit  den  beiden  letzten  Molaren  wird,  wie  dies  auch  Schimpeb 
erklärt  hat,  wohl  zu  Cebochoerus  gehören.  Ich  kenne  das  Original 
nicht  aus  Autopsie,  da  es  sich  nicht  mehr  in  der  Strassburger 
Sammlung  befindet.  Ceb.  anceps  fand  sich  ausserdem  in  den 
Ligniten  von  P^rreal  bei  Apt,  von  welcher  Lokalität  Gebyais' 
einen  Oberkiefer  abgebildet  hat.  Die  Gattung  Cebochoerus,  zu 
den  Bunotherien  gehörig,  ist  auf  das  Eocän  und  Unteroligocän 
beschränkt;  über  den  Skelettbau  ist  nichts  weiter  bekannt. 


Schildkröten.  Ein  kleines  Panzerbruchstück  einer  grossen 
Art  liegt  mir  aus  dem  Buchs  weiler  Süss  wasserkalk  vor'.  Schild- 
krötenreste sind  femer  aus  dem  Eocän  des  Bheinthales  von 
Neu  bürg  (Unt.-Els.)  und  von  Ubstadt  in  Baden  bekannt. 

Kleine  Reptilzähne  von  linsenförmigem  Querschnitt  mit 
scharfen  Seitenkanten  und  zuweilen  gefältelter  Spitze  findet  man 
ab  und  zu  bei  Buchs  weil  er.  Sie  dürften  verschiedenen  Thieren 
angehören:  so  erinnert  Fig.  21a,  Tf.  III  durch  seine  Fältelung 
an  Lacertilier;  Fig.  21  b  ähnelt  mehr  gewissen  Krokodilzähnen. 
Krokodilzähne  haben  sich  auch  bei  Ubstadt  gefunden,  von  wo 
ferner  noch  Fischschuppen  erwähnt  werden. 


1.  Mim,  de  la  Soc.  du  musie  d*Mst.  naL  de  Strasbg,,  pg.  9.  Die  von 
DuvERNOY  gegebene  etwas  kleine  Abbildung  ist  bei  Blainville  reproduzirt  und  er- 
wähnt T.  4,  pg.  186.  Der  letzte  Unt.-Kiefer-Molar  ist  mit  einem  hinteren  Talon  ver- 
sehen wie  bei  Ceb.  minor. 

2.  Gervais,  Poliontol.  franqaise.  Anim.  verMris,  1859,  PI.  35,  Fig.  3,  pg.  198. 

3.  In  den  Mim.  de  la  Soc.  d'hist.  nat.  de  Strasbg.  erwähnt  Sghimper  T.  II, 
pg.  15  •unfragment  de  carapace  de  tortue  provenant  du  calcaire  de  Buchsweiler». 


32 


B.  Mollusken. 


Paltidina  (Vivipara)  Hcmimeri  Dkfrance  1826. 

Tf.  I,  Fig.   13  a,  6,  c. 

(Sandberger,  Land.  Sw.  Conch.  1875,  pg.  224,  Tf.  XIII,  Fig.  6—66. 
Defrance,  Biet.  d.  seien,  nat.,  XXXVII,  pg.  306,  etc.) 


Diese  Paludina  ist  die  grösste  bei  Buchsweiler  vorkom- 
mende Art;  sie  erreicht  zuweilen  eine  Höhe  von  beinahe  40  mm 
und  eine  entsprechende  Breite  von  30  mm.  Sie  ist  ungemein 
häufig  im  Süsswasserkalk ,  selten  in  den  darunter  liegenden 
grünen  Mergeln.  Das  dickschalige  Gehäuse  ist  schwach  genabelt, 
besitzt  eine  eiförmige,  oben  zugespitzte  Mündung,  nicht  sehr 
tiefe  Nähte  und  6  massig  gewölbte  Umgänge,  deren  letzter  fast 
eben  so  hoch  ist  wie  die  vorhergehenden  zusammen.  Die  aus 
zahlreichen,  ziemlich  gleichmässigen  Längskielen  bestehende 
Sculptur  tritt  nur  auf  den  obersten  Windungen  und  auf  dem 
letzten  Umgang,  kurz  vor  der  Mündung,  deutlich  hervor.  Am 
schär&ten  ist  dieselbe  jedoch  auf  der  Unterseite,  rings  um  den 
Nabel,  ausgeprägt.  Ausserdem  sind  feine  ungleichmässige  An- 
wachsstreifen vorhanden,  welche  die  Längskiele  durchkreuzen 
und  nur  bei  älteren  Individuen,  auf  dem  letzten  Theil  der  un- 
tersten Windung,  kräftiger  werden.  Die  Art  ist  nur  von  Buchs- 
weiler bekannt,  von  welchem  Fundorte  mir  auch  ein  junges, 
linksgewundenes  Stück,  als  interessanter  teratologischer  Fall, 
vorliegt. 


• 


33 


PaZudina  (Vivipara)  Orbignyana  Deshaybs  1864—66. 

Tf.  I,  Fig.   12  a,  b,  c. 

(Deshayes,  G.  P.,  Desc,  d.  Anim,  s.  vert,  du  bass.  de  Paris^  1866,  II,  pg.  48 1 , 
pl.  32,  Fig.  20,  21,  pl.  33,  Fig.  1,  2.  —  Sandberger,  Land.  Sw.  C, 
pg.  224,  Tf.  XllI,  Fig.  7— 7a.) 

Diese  Art  steht  der  vorigen  recht  nahe,  so  dass  ich  mich 
hier  am  besten  darauf  beschränke,  die  wichtigsten  Unterschei- 
dungsmerkmale anzuführen.  Das  gleichfalls  sehr  dickschalige 
Gehäuse  von  P.  Orbignyana  ist  höher,  spitzer  kegelförmig,  die 
letzte  Windung  ist  relativ  niedriger,  die  Umgänge  sind  flacher 
und  die  Mündung  ist  ein  wenig  runder,  als  bei  P.  Hämmert. 
Die  Sculptur  zeigt  sich  in  gleicher  Weise  wie  bei  der  vorher- 
gehenden Species,  nur  ist  dieselbe  viel  schwächer,  so  dass 
die  Schale  fast  glatt  aussieht.  In  der  Grösse  bleibt  P.  OrU- 
gnyana  gegen  P.  Hammeri  zurück ;  sie  erreicht  jedoch  immerhin 
bis  zu  35  mm  Höhe  und  24  mm  Breite.  Die  Art  ist  im 
Süsswasserkalk  von  Buchsweiler  nicht  gerade  häufig,  wäh- 
rend sie  bei  Üb  Stadt  in  zahlreichen  Steinkernen  vorkommt, 
und  Sandbebgeb  von  dort  sogar  ein  linksgewundenes  Exemplar 
erwähnt.  In  Frankreich  findet  sie  sich  bei  Longpont  im 
oberen  Grobkalk,  ferner  in  einigen  eocänen  Süsswasserkalken 
am  Südiande  des  Pariser  Beckens  und  im  bassin  de  VAgoüt. 

Huchilus  Deschiensianti/m  Deshayes  sp.  1864—66. 

Tf.  I,  Fig.  11  a—e. 

(Deshayes  (I.  c.J,  pg.  492,pl.  33,  Fig.  19—21.  —  Sandberger  (I. c],  pg.  225, 

Tf.  XIII,  Fig.  8- 8  c.) 

Diese  häufigste  Versteinerung  bei  Buchsweiler  gehört 
zu  der  ausgestorbenen  Gattung  Euchilus,  welche  in  den  recenten 

ni  8 


34 

Gattungen  Blanfordia  (Australien)  und  Emmericia  (Dalmaüen) 
ihr  nächstes  Analogen  hat.     Sie  ist  ziemlich  variabel,  so   dass 
ihr  kegelförmiges  Gehäuse  bald  spitzer,  bald  stumpfer  erscheint. 
Die  grössten  Stücke   erreichen  etwas  über  10  mm  Lange  und 
6  mm  Breite;  kleinere,   ausgewachsene  Exemplare  messen  hin- 
gegen nur  7   mm  (I.)  und  4  mm    (b.).     Die  Schale  ist  dick 
und  glatt.     Es  sind  5 — 6  Umgänge  vorhanden.    Der  Nabel  ist 
schmal  und  der  Mundrand  stark  wulstig  verdickt  In  der  Jugend 
werden  von  Euchilus    öfters    Ansätze    zur  Mündung    gebildet, 
welche    beim    Weiterwachsen    als    Wülste    zurückbleiben    und 
namentlich  an   den  Steinkernen    als    charakteristische  Furchen 
auffallen  {Fig.  11  d).  Ein  Deckel  ist  bisher  bei  Buchsweiler 
noch  nicht  beobachtet  worden,  man  kennt  dieselben  jedoch  von 
St.  Parres.     E,  Deschiensianum  ist   ziemlich  verbreitet   und 
findet  sich,  ausser  im  Süsswasserkalk  unserer  Lokalität,  vereinzelt 
bei  Ubstadt,  ferner  bei  Longpont,  St.  Parres  und  Eper- 
mailles. 


Hyö/robia  DatiendorfenHs  n.  sp. 

Tf.  m,  Fig.  2. 

In  den  grauen,  vitriolreichen  Mergeln  von  Dauendorf 
im  Unter-Elsass  fond  sich  nicht  gerade  häufig  eine  kleine  Hy- 
drobie,  welche  ich  mit  keiner  bekannten  Species  zu  identifiziren 
vermag.  Das  porcellanweisse,  glänzende,  feingestreifte  Gehäuse 
hat  6  Umgänge,  ziemlich  tiefe  Nähte  und  einen  deutlichen 
Nabelritz;  es  ist  etwa  3  mm  lang  und  1,5  mm.  breit.  Die 
Mündung  ist  oval,  steht  ziemlich  grade,  und  ist  in  der  oberen 
Ecke  stark  zugerundet.  Der  Mundsaum  ist  nicht  umgeschlagen. 
Die  näcbststehende  lebende  Form,  welche  unserer  Art  fast  bis 
zur  Identität  gleicht,  ist,  wie   ich  mich   in  der  Sammlung   des 


i 


35 

Herrn  Dr.  Böttgkb  überzeugen  konnte,  Hydrohia  Simsoniana 
Beddok  von  Brjgbton  bei  Hobart-town  (Tasmanien).  Die 
Dauendorfer  Art  ist  etwas  spitzer  und  die  Umgänge  sind  etwas 
runder  als  bei  der  recenten  Form.  Eine  jungfossiie  Art  Ey- 
drobia  nitida  M.  F.  Yon  Barren-Island  in  der  Bass-Strasse  steht 
dieser  Art  gleichfalls  nahe.  Von  unseren  fossilen  Formen  lässt 
sich  noch  am  ersten  die  gedrungenere  Hydrohia  havarica  Sand. 
aus  dem  Mittelmiocän  von  L ei p heim  mit  Hydrohia  Dauen- 
dorfensis  vergleichen. 


Hydrohia  Juv»?  cf.  Websteri  Morris. 

Tf.  III,  Fig.  1. 

(Sandberger  (1.  c],  pg.  187.  —  Deshayes  [1.  c],  II,  pg.  500,  pl.  34, 
Flg.  32 — 34.  —  Morris,  Quart,  Jaurn.  ofthe  geol.  soc.^  X,  pg.  161, 
Tf.  II,  Fig.  22.) 

£ine  andere  Hydrobie  aus  den  Dauendorfer  Mergeln, 
welche  an  Hydrohia  Wehsieri  Morb.  aus  dem  englischen  und 
französischen  Unter-Eocän  erinneit,  liegt  mir  in  mehreren 
Stücken  vor.  Das  glänzende,  feingestreifte  Gehäuse  hat  eine 
spitzkegelförmige  Gestalt,  flache  Nähte  und  einen  deutlichen 
Nabelritz.  Der  rechte  Mündungsrand  bildet  in  seiner  unteren 
Partie  eine  gerundete  Ecke.  Das  grösste'  Exemplar  misst 
3,8  mm  in  der  Länge,  1,5  mm  in  der  Breite  und  zeigt  dabei 
7  Umgänge.  Ich  habe  die  vorliegenden  Exemplare,  welche 
wohl  zur  Gruppe  der  Hydrohia  Wehsieri  gehören  und  vielleicht 
als  neue  Form  aufzufassen  sind,  nicht  mit  Sicherheit  bestimmen 
können;  einerseits,  da  ich  H.  Wehsieri  nur  aus  der  Abbildung 
kenne,  andererseits,  da  Zweifel  darüber  bestehen  können,  ob  die 
Dauendorfer  Stücke  vollständig  ausgewachsen  sind. 

Steinkerne  von  Hydrobien,   die   wegen  mangelhaften  Er- 


36 

haltuDgszustandes  keine  nähere  Bestimmuog  zulassen,  aber  offen- 
bar verschiedenen  Arten  angehören,  finden  sich  in  den  Süss- 
wasserkalken  von  Buchsweiler,  vom  Bischenberg  und  von 
Morschweiler  im  Unter-EIsass.  Dieselben  sind  an  den  bei- 
den letztgenannten  Orten  sogar  häufig.  Taf.  I,  10  stammt  von 
Buchsweiler,  Fig.  9  kommt  am  Bischenberg  und  ande- 
ren Fundpunkten  vor. 


JPlanarbis  psetidamfnanius  Schlothueim  sp.  1820. 

Tf.  n,  Fig.  9—13. 

(ScuLOTHHEiM,  Potrefocteukunde,  I,  pg.  101.  —  Sandberger  (I.  c],  pg.  226, 

Tf.XIII,  Fig.  10— 12;elc.) 

Derselbe  ist  einer  der  geologisch  wichtigsten  Planorben, 
zumal  da  er  sich  leicht  durch  seine  grosse  Zahl  von  Windungen 
und  seine  Form  von  den  bei  uns  vorkommenden  jüngeren 
Formen  unterscheidet.  Das  Gehäuse  ist  oben  ziemlich  flach 
und  nur  in  der  Mitte  ein  wenig  eingesenkt,  an  den  Seiten  ge- 
rundet und  auf  der  Unterseite  stärker  vertieft.  Er  erreicht 
zuweilen  einen  Durchmesser  von  beinahe  40  mm,  während  die 
gewöhnliche  Grösse  nur  25  mm  beträgt.  Es  sind  7  mit  feinen 
Anwachsstreifen  versehene  Umgänge  vorhanden.  Flanorbis  pseud- 
ammonius  ist  ein  Leitfossil  für  mitteleocäne  Süsswasserschich- 
ten  (nach  Sakdbebgeb  für  Süsswasserbildungen  vom  Alter  des 
Grobkalkes).  Er  ist  ungemein  häufig  an  vielen  Stellen  in 
Frankreich;  am  Oberrhein  findet  er  sich  im  Unter-Elsass :  bei 
Buchsweiler  im  Kalk  und  in  den  grünen  Mergeln,  bei 
Bitschhofen,  Dauendorf,  Neuburg  und  am  Bischen- 
berg bei  Oberehnheim,  in  Baden  bei  Ubstadt,  im  Canton 
Solothum  bei  Hobel.  JPorm.  excaveOan./.  {Tf.II,  Fig.  10). 
Als  solche  kann  mau  die  weitläufig  aufgewundenen,  dicken,  aaf 


37 

der  Unterseite  stark  ausgehöhlten  Exemplare  bezeichnen.  Ob- 
wohl diese  Form  im  Extrem  recht  verschieden  aussieht,  so  sind 
doch  alle  üebergänge  zum  flacheren  Typus  vorhanden*. 

Var.  angigyra  n.  v.  {Tf.  II,  Fig.  12),  Diese  Varietät 
bildet  das  entgegengesetzte  Extrem  der  vorigen  Form,  weicht 
aber  in  noch  höherem  Grade  von  dem  Typus  ab.  Es  sind  kleine, 
dünne  und  sehr  eng  aufgewundene  Stücke,  welche  auf  der 
Unterseite  nur  wenig  vertieft  sind.  In  Bezug  auf  die  enge 
Aufrollung  erinnert  v.  angigyra  an  den  P.  pseudoroiundaius 
Mathebon*,  ist  aber  schon  dadurch  leicht  zu  unterscheiden, 
dass  bei  ihr  die  Windungen  breiter  als  hoch  sind.  Die  Stein- 
kerne sind  schon  in  der  Jugend  von  der  typischen  Form  des 
P.  pseudammonius  unterschieden.  Es  mag  sein,  dass  man  diese 
Varietät  nach  späteren  besseren  Funden  einmal  zum  Rang  einer 
eigenen  Art  erheben  wird.  Einstweilen  ziehe  ich  vor,  dies  noch 
nicht  zu  thun,  da  mir  nur  Steinkerne  vorliegen,  und  es  schwer 
sein   dürfte,  dieselben    immer  sicher    vom   Typus    zu   trennen. 

Var.  Leymeriei  Desh.  {Tf.  II,  Fig,  13).  Diese  von 
Deshates  als  Art,  von  Sandbebgeb  als  Varietät  angesehene  Form 
umfasst,  im  Gegensatz  zu  den  typischen  glatten,  die  mit  Spiral- 
sculptur  versehenen  Exemplare.  Die  Spiralstreifen  sind  meistens 
recht  deutlich  und  bilden,  indem  sie  sich  mit  den  Anwachs- 
streifen kreuzen,  eine  zierliche  Gitterung.  Die  Streifung  kann  in 


1.  Das  was  Noolbt  als  P.  Castrensis  bezeichnet  (Mem.  sur  les  coq.  foss. 
des  terrains  d'eau  douce  du  S.-O,  de  la  France,  18G8,  pg.  73),  und  was  Sandbehger 
als  eine  Varietät  von  P.  pseudammmUus  auflfasst,  deckt  sich  nicht  mit  der  obenge- 
nannten Form.  Ausserdem  stimmen  die  verschiedenen  Beschreibungen  von  P.  Castrensis 
durchaus  nicht  uberein.  Weil  ich  nichts  derart  aus  dem  rheinischen  Eocän  kenne, 
wurde  die  Form  fuglich  weggelassen. 

2.  P/.  pseudorotundatus  Math.,  1 843 ,  wurde  von  Sandbebger,  L.  Sw.  C,  pg.  220 
und  226,  mit  PL  pseudammonius  Scii.  sp.  vereinigt.  Neuerdings  wurde  derselbe  von 
MathIbon  wiederum  als  selbständige  Species  abgebildet.  Pecherches  palionMogiques 
dans  le  Midi  de  la  France.  Marseille  1879,  XV.  Part.,  PL  0—1,  Fig.  12. 


88 

verschieden  starkem  Masse  ausgebildet  sein,  auch  obliterirt  sie 
bei  sehr  grossen  Exemplaren  auf  der  letzten  Windung.  Die 
Sculptur  ist  nicht  an  eine  bestimmte  Gestalt  gebunden  und 
findet  sich  sowohl  bei  der  f.  excavata  als  beim  Typus.  An 
Steinkernen  ist  natürlich  keine  Unterscheidung  möglich.  Diese 
Sculpturvarietät  ist  sehr  verbreitet,  ich  kenne  dieselbe  aus 
unserem  Gebiete  von  Buchsweiler,  vom  Bischenberg  und 
von  Hobel. 


PlomorMs  (SegmenUna)  ChertieH  Deshates  1864—66. 

Tf.  II,  Fig.  14  a,  ft,  c. 

(DfiSHAYES  [I.  c],  II,  pg.  753,  pl.  46,  Fig.  5—8.  —  Sandberger  [l.  c], 

pg.  226,  Tf.  XIII,  Fig.  9.) 

Denselben  sammelte  ich  in  zahlreichen,  schönen  Exemplaren 
in  einem  ziemlich  hoch  gelegenen  Auüschluss  NO  vom  Bastberg- 
gipfel in  weichen  kreidigen  Ealkstäcken.  Im  harten  Kalke  des 
tiefer  gelegenen  Steinbruches  ist  er  beträchtlich  seltener.  Das 
Gehäuse  ist  oben  gewölbt,  in  der  Mitte  nur  ein  wenig  ein- 
gesenkt, unten  abgeflacht  und  weit  genabelt.  Von  einem  Kiel 
ist  nichts  zu  sehen.  Die  Abdrücke  zeigen  sehr  feine,  unregel- 
mässige Anwachslinien.  Der  Durchmesser  beträgt  bis  zu  13  mm, 
die  Höhe  meist  3  mm  und  der  letzte  Umgang  nimmt  über  '/, 
des  Gesammtdurchmessers  ein.  Unter  den  vielen  Exemplaren, 
welche  ich  gesehen  habe,  fielen  mir  einige  kleine,  abweichende 
Steinkerne  aus  dem  harten  Ealk  auf.  Dieselben  sind  dünner 
als  gewöhnlich  und  sind  an  den  Seiten  etwas  spitzer  zugerundet. 
Ich  glaube  dennoch,  dass  sie  zu  derselben  Art  gehören,  möchte 
aber  darauf  aufmerksam  machen.  P.  ChertieH  ist  im  franzö- 
sischen Eocän  ziemlich  verbreitet,  in  unserem  Gebiet  trifft 
man  ihn  ausser  bei  Buchsweiler,  bei  Ubstadt,  wo  er  sehr 


39 

selten    ist;   etwas   häufiger   findet    er    sich    bei    Bernhards- 
weiler, und  von  Morschweiler  besitze  ich  fragliche  Reste. 


Idmnea  oUvtUa  Rouis  1868. 

Tf.  II,  Fig.  8  a—d. 

(Sandberger  [I.  c],  pg.  228,  Tf.  XIII,  Fig.  14;  etc.) 

Eine  kleine,  etwa  10  mm  lange,  leicht  kenntliche  Art. 
Das  bauchige,  oben  kurz  zugespitzte  Gehäuse  hat  5  Umgänge, 
wovon  die  Höhe  des  letzten  mehr  als  Vt  der  totalen  Länge 
ausmacht.  Die  Nähte  sind  tief,  die  sehr  dünne  Schale  besass 
deutliche  Anwachsstreifen,  war  öfters  unregelmässig  eingeschnürt 
und  am  unteren  Theil  der  kurzeiförmigen  Mündung  etwas  um- 
geschlagen. L,  olivula  ist  bei  Buchs  weil  er  ziemlich  selten; 
das  bauchige  Exemplar  (If.  II.  Fig.  a)  stammt  von  diesem 
Fundpunkte;  es  kommen  aber  grade  hier  auch  schlankere  Formen 
vor,  die  bei  mangelhafter  Erhaltung  nicht  sicher  bestimmbar 
sind.  Häufiger  ist  die  Art  am  Bischenberg,  woselbst  sie 
sich  am  nördlichen  Abhang  nicht  weit  von  „Les  B^collets'' 
findet. 


Idmnea  Michelini  Desh.  1864—66. 

Tf.  I,  Fig.  7  a—d 

(Deshayes  [l.  c],  II,  pg.  718,  pl.  45,  Fig.  9,  10.  —  Sandberger  (l.  c], 

pg.  227,  Tf.  XIII,  Fig.  13.) 

Sobald  man  es  mit  ausgewachsenen,  grossen  Individuen  zu 
thun  hat,  ist  diese  Limneen-Art  mit  keiner  anderen  zu  ver- 
wechseln. Sie  zeichnet  sich  aus  durch  ihre  grosse  Zahl  von 
flachen   Windungen    (7  —  8)  und  durch   ihren    relativ    kurzen. 


40 

runden,  mehr  aufgeblasenen  letzten  Umgang.  Die  Grösse, 
welche  sie  erreicht,  beträgt  bisweilen  30  mm.  Anders  yerhält 
es  sich,  wenn  man  die  Steinkeme  jüngerer  Individuen  betrachtet, 
die  Variabilität  ist  hier  eine  ungemein  grosse,  so  dass  man  oft 
über  ihre  Zugehörigkeit  zu  dieser  Species  im  Zweifel  sein  kann. 
In  Anbetracht,  dass  die  Variabilität  der  lebenden  Limneen  eine 
so  ausserordentlich  grosse  ist,  und  dass  wir  es  in  Buchsweiler 
gewöhnlich  nur  mit  Steinkernen  zu  thun  haben,  hielt  ich  es 
für  rathsam,  keine  Arten  aus  der  Formenmannigfaltigkeit  auszu- 
scheiden. Auch  lassen  sich  bei  den  Steinkernen  Uebergangs- 
reihen  zwischen  verschiedenen  Formen  beobachten.  Z.  Michelini 
findet  sich  ausser  in  Frankreich  bei  Longpont,  St.  Parres, 
C  a  s  t  r  e  s  etc. ,  bei  B  u  c  h  s  w  e  i  1  e  r  ziemlich  häufig,  auch  dürften 
Steinkeme  vom  Bischenberg  hierher  gehören. 

Idmnea  sp.  ined. 

Tf.  I,  Fig.  8  a,  ft,  c. 

Die  abgebildeten  Fragmente  gehören  nicht  zum  Formen- 
kreis der  vorigen  Species.  Sie  sind  durch  ihre  schlanke  Gestalt, 
ihre  lange,  schmale  Mündung  und  ihre  oft  wellig  vertiefte  oder 
gegitterte  Schale  unterschieden.  Das  mir  vorliegende  Material 
ist  zu  ungenügend,  um  eine  genauere  Fixirung  dieser  Art  zu 
erlauben.     Buchs  weiler. 


Succinea  (Brachyspira)  pcMiolum  Roms  1868. 

Tf.  n,  Fig.  19  a—c. 

(Sandberger  [Lc],  pg.  232,  Tf.  XIII,  Fig.  23;  etc.) 

Diese  seltene  nur  von   Buchsweiler   bekannte   Art  ist 
^ausgezeichnet  durch  ihre  breite,  flache  Gestalt  und  ihre  äusserst 


41 

kurze  Spitze,  welche  nur  \'q  der  ganzen  Länge  ausmacht.  Das 
grösste  meiner  Exemplare  bat  fasj;  3  Umgänge  und  misst  in 
der  Länge  1 1  mm,  in  der  Breite  6  und  in  der  Dicke  4,3  mm. 
Die  Mündung  ist  breit  eiförmig  und  oben  zugespitzt.  Die  dünne 
Schale  zeigt  Anwachsstreifen  und  wird  im  Alter  nach  Succineen- 
Art  öfters  etwas  runzelig  gewellt. 

Pamiacellina  Sandberger. 

Die  von  Buchsweiler  stammende  Parmaceßiwa  vitrinae- 
formis  Sandb.  wurde  von  Bronn  zu  den  Vitrinen  gestellt. 
Sandberger  erkannte  diese  Bestimmung,  wegen  der  Dick- 
schaligkeit des  Gehäuses,  als  irrig  und  indem  er  den  obigen 
Gattungsnamen  schuf,  wies  er  derselben  einstweilen  einen  Platz 
im  System  zwischen  y^Peltella  und  TestaceUa^  an^ 

Nach  einigen  schönen  Exemplaren,  welche  ich  neuerdings 
gesammelt  habe,  soll  es  versucht  werden,  diese  fossile  Nackt- 
schnecke soweit  wie  möglich  zu  charakterisiren. 

Das  sehr  dickschalige,  äusserst  fein  gestreifte  Gehäuse 
gleicht  in  seiner  Form,  namentlich  von  oben  gesehen,  ganz  den 
Daudebardien.  Jugendwindungen  und  späteres  Anwacbsgewinde 
sind  auf  der  Schale  nicht  zu  unterscheiden  wie  bei  P.  calyculata 

• 

Sby.  Auf  der  Unterseite  weicht  Parmaceüina  von  Daudebardia 
ab,  die  sehr  grosse  gerundete  Mündung  ist  von  einem  ver- 
dickten Rande  umgeben,  welcher  sich  in  der  oberen  Ecke 
deutlich  zahnartig  erhebt.  Die  Dickschaligkeit  hat  Parmacellina 
mit  TestaceUa  gemeinsam.  Die  Steinkerne  lassen  auf  dem 
unteren   Theil   des  letzten  Umgangs  streifige  Höckerchen  und 


1.  Das  Genus  TestaceUa  Guy.  gehört  jetzt  zur  Familie  der  Testacellidae,  das 
Gen.  Peltella  Webb.  und  V.  Ben.  (=  Parmacella  Gov.)  zur  Familie  der  Bulimulidae 
und  schliesslich  Peltella  Adams  (=  Mariaella  GnAY.)  zur  Familie  der  Vitrinen ;  wir 
dOrften  uns  hier  schwer  zarecht  finden. 


42 

Grübchen  erkennen,  welche  auf  die  rauhe  und  körnige  Beschaffen- 
heit der  inneren  Schale  hindeuten.  ParmaceUina  scheint  mir 
zur  Familie  der  Testacellidae  zu  gehören  und  würde  ihren 
Platz  im  System  zwischen  den  Gattungen  Daudehardia  Habth. 
und  TestaceUa  Guy.  einnehmen. 


Farmacellina  vittinaeforniia  Sandbergeb  1870—75. 

Tf.  II,  Fig.  20  a—d. 
(Sandberger  [I.  c],  pg.  232,  Tf.  XITI,  Fig.  24.) 

Bisher  noch  die  einzige  Art  der  Gattung,  ist  bei  Buchs- 
weiler ziemlich  selten.  Das  kleine,  dickschalige  Gehäuse  wird 
bis  zu  8  mm  lang  und  5  mm  breit,  hat  l'  ^  Umgänge  und 
eine  elliptische  unten  etwas  eckige  Gestalt.  Die  innere  Schalen- 
scbicht  ist  meist  durch  organische  Substanz  braun  gefärbt, 
welche  Farbe  auch  äusserlich  etwas  durchscheint.  Die  übrigen 
Merkmale  finden  sich  in  der  Gättungs-Diagnose. 


OlecuAna  (Boltenia)  teres  Roms  sp.  1868. 

Tf.  L  Fig.  4  a-f. 
(Sandberger  [l.  c],  pg.  232,  Tf.  XIII,  Fig.  26;  etc.) 

Eine  im  Buchsweiler-Kalk  seltene  und  noch  nicht  voll- 
ständig gekannte  Art,  welche  sich  in  der  Form  der  kleineren 
Boltenia  Sandbergeri  Thom.  sp.  aus  dem  Miocän  von  Hoch  heim 
am  meisten  nähert.  Das  Gehäuse  ist  lang  und  schmal,  die 
Spitze  noch  unbekannt,  die  Mündung  oben  eng  und  spitz,  unten 
erweitert  und  gerundet.  Die  Spindel  ist  nicht  vöUig  rund, 
sondern  vorne  schwach  kantig  und  verläuft  ziemlich  grade.  Die 
Nähte  sind  doppelt  und  unterhalb  derselben  treten  die  ungleichen 


43 

Anwachsliniei),  welche  die  Sculptiir  bilden,  am  schärfsten  hervor, 
80  dass  auch  hier  an  der  Naht  das  für  die  Oleacinen  so  charakte- 
ristische, faltig  zusammengefasste  Aussehen  zu  Stande  kommt. 
Da  die  Spitze  bei  den  mir  vorliegenden  7  Stücken  fehlt,  so 
lässt  sich  keine  Angabe  aber  die  Höhe  des  Gehäuses  machen. 
Die  Breite  des  grössten  Exemplares  beträgt  an  der  Mündung 
6  mm,  die  Mündungslänge  8,5  mm  und  der  vorletzte  Umgang 
misst  über  Vs  des  letzten  Umgangs.  B.  teres  ist  von  keinem 
anderen  Fundpunkte  bekannt.  Sandbebgeb  erwähnt  (L.  Sw. 
C.  d.  Vorw.,  p.  327)  aus  dem  Brunnstatter  Kalk  eine  grosse 
schlanke  Oleacina  (resp.  Boltenia),  welche  er  mit  B.  teres  ver- 
gleicht und  glaubt,  dass  es  Mebian's  Limnea  polita  sp.  ined.  sei. 
Die  ziemlich  guten  Exemplare,  welche  mir  von  Brunnstatt  vor- 
liegen, gehören  in  der  That  einer  schlanken  Limnea  an  (cf. 
pg.  79). 


Oletudna  (Olandina)  CordieH  Desh.  sp.  1864—1866. 

Tf.  I,  Fig.  2  a—e. 

(Deshayes  [l.  c],  II,  pg.  836,  pl.  53,  Fig.  4—6.  --  Sandberger  [I.  c], 

pg.  233,  Tf.  XIII,  Fig.  25 ;  etc.) 

Die  Glandinen  gehören  trotz  ihrer  weiten  Verbreitung  in 
der  Kegel  zu  den  sehr  seltenen  Erscheinungen;  anders  verhält 
sich  dies  in  der  Buchsweiler  Fauna,  wo  Olandina  Cordieri 
sogar  als  ziemlich  häufig  gelten  kann.  Im  Calcaire  de  St.  Ouen 
und  in  den  Sables  moyens  kommt  dieselbe  Art  hingegen  sehr 
selten  vor.  Das  dännschalige,  eicheiförmige  Gehäuse  ist  oben 
in  eine  kurze  Spitze  ausgezogen  und  hat  6  Umgänge.  Dasselbe 
misst  in  der  Länge  meist  37  mm,  während  die  grösste  Breite 
16—18  mm  beträgt.  Die  Mündungslänge  ist  23  mm  und  die 
Höhe   des  letzten  Umgangs  beläuft  sich  auf  Vi  der  gesammten 


44 

Höbe.  Das  Embryonalende  ist  stumpf,  zitzenförmig  und  glatt, 
während  die  übrigen  Windungen  eine  charakteristische  Sculptur 
aufweisen.  Die  sehr  deutlichen  unregelmässigen  Anwachslinien 
werden  Yon  feinen,  dicht  stehenden,  öfters  aufgelösten,  welligen 
Längslinien  durchsetzt.  An  den  Durchschnittspunkten  bilden  sich 
kleine  Knötchen,  so  dass  die  ganze  Oberfläche  unter  der  Loupe 
ein  kömiges,  gitterartiges  Aussehen  gewinnt  \  Die  Spindel  ist 
massig  breit,  sanft  gerundet  und  schräg  abgeschnitten.  Die 
Mündung  ist  schmal-eiförmig,  oben  sehr  zugespitzt,  der  rechte 
Mundrand  ist  kaum  gewölbt   und    erscheint  etwas  angedrückt. 

Var.  elongata  n.  var.  Tf.  I,  Fig.  6.  Als  solche  möchte 
ich  eine  Form  von  dem  Typus  abtrennen,  welche  mir  in  3  Exem- 
plaren, aber  in  keinem  ganz  untadeligen  Stück  vorliegt.  Diese 
Form  ist  grösser  und  schlanker  als  der  Typus.  Die  Breite 
beträgt  18  mm,  die  restaurirte  Höhe  würde  circa  4,5  mm 
ausmachen.   In   der  Sculptur   ist  keine  Abweichung  vorhanden. 

G.  Cordieri  ist  nahe  verwandt  mit  einer  in  Mittel- Amerika 
lebenden  Species  G.  rosea  Feb.,  wie  dies  schon  Deshayes  er- 
kannt und  Sandbebgeb  bestätigt  hat. 


Oleadna  (Glandina)  Bhenana  n.  sp. 

Tf.  I,  Fig.   1  a,  6,  c. 

Gl.  Bhenana  ist  durch  ihre  weit  schlankere,  mehr  kegel- 
förmige Gestalt  von  G.  Cordieri  gut  unterschieden.  Die  Maass- 
verhältnisse sind  folgende:  Die  Länge  beträgt  38  mm,  die  grösste 


1.  Sowohl  die  schematische  Abbildung  der  Scolptor  bei  Deshates  \Desc.  des 
Animaux  sans  vert.  decouverts  dans  le  bau.  de  Paris,  T.  11,  PI.  53,  Fig.  3), 
als  auch  bei  Sandberger  (L.  Sw.  C,  Tar.  XIH,  Fig.  256),  welche  recht  verschieden 
von  einander  sind,  geben  den  Sachverhalt  nicht  ganz  richtig  wieder. 


45 

Breite  14,5  mm,  die  MünduDgsIänge  22  mm,  die  Höhe  des 
letzten  Umgangs  26  mm.  Die  Anzahl  der  Windungen  beläuft 
sich  auf  6Vi.  Die  Form  des  Gehäuses  ist  sehr  spitz-eiförmig 
und  das  Embryonalende  ist  nicht  zitzenförmig  wie  bei  Glandina 
Cordieri,  sondern  stumpf-convex.  Das  Embryonalende  ist  glatt, 
die  übrigen  Umgänge  zeigen  unregelmässige,  gebogene  An- 
wachsstreifen und  eine  gitterförmige  schwach  körnige  Sculptur 
wie  bei  G.  Cordieri,  welcher  sie  auch  in  Bezug  auf  die  Spindel- 
falte gleicht.  Die  doppelten  Nähte  sind  sehr  wenig  vertieft. 
G.  Bhenana  ist  bei  Buchsweiler  sehr  selten. 


Oleadna  (OUmädna)  Deeckei  n.  sp. 

Tf.  I,  Fig.   3,  a,  b. 

Die  Gestalt  des  Gehäuses  dieser  kleinen  Glandine  ist 
schmal  spindelförmig,  die  Spitze  ist  kegelförmig  gerundet,  die 
untere  Partie  erscheint  schmal  elliptisch.  Die  Länge  beträgt 
1 4,5  mm,  die  grösste  Breite  5,5  mm,  die  Mündungslänge  8  mm 
und  die  Höhe  der  letzten  Windung  9,5  mm.  Es  sind  5  Um- 
gänge vorhanden,  welche  durch  feine  gebogene  Anwachsstreifen 
verziert  sind;  diese  Anwachsstreifen  treten  unter  der  schwach 
vertieften,  doppelten  Naht  am  stärksten  hervor.  Ueberaus  feine, 
dichtstehende  Querlinien  durchkreuzen  die  Anwachsstreifen.  Die 
Spindel  ist  kurz,  ziemlich  dick  und  kaum  gebogen.  G.  Deeckei,  welche 
bei  Buchs  Weiler  nicht  häufig  ist,  zeichnet  sich  durch  ihre 
geringe  Grösse  und  schmale  Figur  vor  den  anderen  Arten  dieses 
Fundpunktes  aus.  In  der  Gestalt  gleicht  sie  einigermassen  der 
miocänen  G.  rugulosa  Sand.,  welche  jedoch  grösser  und  viel 
stärker  sculpturirt  ist. 


46 


Cio^tella  (Zua)  farmicina  Rouis  sp.  1868. 

Tf.  I,  Fig.  5  a,  b,  c. 
(Sandberger  [1.  c],  pg.  230,  Tf.  XIII,  Fig.  18;  etc.) 

Dieser  älteste  Vertreter  des  Genus  Ctoneüa,  den  wir  wohl 
der  Section  Ztia  (Leach)  einreihen  dürfen,  nähert  sich  in  Form 
und  Grösse  unserer  recenten  Zua  lubrica  Müll.  sp.  (in  der  Grösse 
der  var.  exigua  Mskks).  Die  häufige  kleine  Schnecke  ist  meist 
4,5  mm  lang,  gegen  2  mm  breit  und  hat  7  Umgänge,  welche 
durch  ziemlich  flache  Nähte  getrennt  sind  und  wovon  die  Höhe 
der  letzten  Windung  etwa  der  Breite  gleichkonmit.  Die  glatte 
Schale  ist  dünn  und  an  der  zahnlosen,  kurzen  Mündung  verdickt, 
was  sich  an  Steinkernen  als  schwache  Einschnürung  am  Mund- 
raude  bemerkbar  macht.  In  der  Länge  und  Dicke  varüren  die 
Exemplare  ein  wenig,  sind  aber  stets  leicht  kenntlich.  Die  Form 
der  Mündung  ist  runder,  und  die  Nähte  sind  weniger  tief  als 
bei  unserer  recenten  Zua  lubrica.  Die  Art  ist  nur  von  Buchs- 
weiler bekannt. 


Azeca  Biügeri  n.  sp. 

Tf.  I,  Fig.  6  a—d. 

Schon  bei  obeiflächlicher  Betrachtung  des  grossen  Cionellen- 
Materials,  welches  ich  vereinigt  hatte,  fand  es  sich,  dass  manche 
Individuen  durch  ihre  äussere  Form  abwichen.  Die  nähere 
Untersuchung  ergab,  dass  dieselben  dem  letzten  Umgang  und 
der  bezahnten  Mündung  nach  zu  Äitca  gehören.  Das  Gehäuse 
dieser  ältesten  Ascca  ist  5  mm  lang,  2,5  mm  breit,  hat  7  Um- 
ginge« sehr  flache  Nähte  und  eine  gerundet  elliptische  Gestalt 
Die  Spitze  ist  convex- conisch.  Der  letzte  Umgang  nimmt  etwas 


47 

mehr  als  '/a  der  ganzen  Höhe  ein  und  ist  sehr  wenig  gewölbt. 
Die  Mündung  ist  schief,  schmal,  besitzt  einen  verdickten  Rand 
und  2  grosse,  lamellenartige,  constante  Zähne.  Ein  grosser  Zahn 
steht  an  der  oberen  Partie  der  inneren  Mundseite  (Mündungs- 
wand); ihm  gegenüber  etwas  tiefer  auf  dem  äusseren  oder 
rechten  Mundsaum  befindet  sich  die  zweite  starke  Zahnlamelle. 
Ajseca  Böttgeri  ist  wemger  spitz,  mehr  cylindrisch  gerundet, 
etwas  grösser  und  hat  noch  flachere  Nähte  als  Cionella  formt- 
cina;  auch  sind  bei  der  letzteren  die  Umgänge  in  einer  steileren 
Spirale  aufgewunden,  was  dadurch  hervortritt,  dass  die  Nähte 
derselben  schiefer  stehen  als  bei  A.  Böttgeri.  Aseca-kritn 
waren  bisher  nur  aus  den  jüngeren  Tertiärschichten  bekannt. 
Die  Gattung  reicht  bis  in  die  Jetztzeit  und  ist  ausschliesslich 
europäisch.  A.  (Ajsecastrum)  tridens  Pult,  {=  A.  Menkeana 
Ppeipe.),  wohl  die  nächste  lebende  Verwandte,  findet  sich  an 
einigen  Punkten  Deutschlands  als  Seltenheit.  Dieselbe  ist  grösser, 
spitzer  und  besitzt  mehr  Zähne  als  unsere  Art.  Von  den  fossilen 
Arten  dürfte  A.  loxostoma  El.  aus  dem  Unt.  Miocäu  von  M  ö  r- 
singen  und  Leissacker.beiRegensburg  der XJ?ö//^eri  noch 
am  nächsten  stehen.  Ich  kenne  die  Art  nur  von  Buchsweiler, 
woselbst  sie  häufig  ist. 


JPupa  BuaoaviUana  n.  sp. 

Tf.  II,  Fig.  1  a,  6,  c. 

Abdrücke  und  ein  Steinkern  einer  kleinen,  bienenkorb- 
artigen Pupa  aus  der  Gruppe  der  P.  raricosta  Slay.  von 
Tuchoric  (Unt.  Mioc.)  und  derF.lineolata  BsN.von  Hochheim 
(Unt.  Mioc.)  liegen  mir  aus  dem  Buchsweiler-Kalk  vor.  Der 
Steinkern  ist  rechtsgewunden,  zeigt  6  Umgänge,  ist  2  mm  breit 
und   3  mm  lang.    Die  Umgänge  sind   bauchig,    durch  ziemlich 


48 

tiefe  Nähte  getrennt  und  tragen  eine  zierliche  Sculptor,  welche 
aus  etwas  gebogenen,  weit  von  einander  abstehenden,  scharfen 
Querrippen  besteht.  Auf  einen  Umgang  kommen  20 — 22  Kippen 
und  auf  den  2  obersten  Windungen  scheinen  dieselben  voll- 
ständig zu  obliteriren.  Wahrscheinlich  war  ein  Nabelritz  vor- 
handen und  war  die  Mündung  zahnlos;  sicheres  lässt  sich  bis 
jetzt  noch  nicht  darüber  sagen,  da  möglicher  Weise  ein  Stück 
von  der  letzten  Windung  fehlt.  Die  gleichalterige  P.  Novigen-- 
tiensis  Saj^d.  ist  in  der  Form  ähnlich,  soll  jedoch  eine  glatte 
Schale  haben. 

ClauHUa  (CanaUda)  denMcostuUUa  Sand.  1870 — 76. 

Tf.  n,  Fig.  •  3  a—d. 
(Sandberger  (I.  c],  pag.  231,  Tf.  Xlll,  Fig.  20.) 

Das  Gehäuse  ist  links  gewunden,  schlank,  cylindrisch,  dicht 
und  scharf  gestreift  und  besitzt  eine  stumpfe,  cylindrische  Spitze. 
Die  Steinkerne  und  Abdrücke  lassen  die  3  gewöhnlichen  La- 
mellen auf  der  Seite  der  Spindel  und  der  Mündungswand  er- 
kennen; von  einer  Mondfalte  ist  jedoch  nichts  angedeutet. 
BÖTTGEB  ist  der  Ansicht,  dass  diese  Clausilie  wahrscheinlich 
zur  Gattung  CancUicia  gehörte  Ein  ganz  untadeliges  Stück 
dieser  seltenen  Buchsweiler  Art  ist  bisher  noch  nicht  ge- 
funden worden. 

FaZaeostoa  nov.  gen. 

Auf  Grund  unvollkommener  Bruchstücke  wurde  die  Buchs- 
weiler Art  dieses  Genus  P.  Fontenayi  von  Rouis  zu  Pupa 
und   von    Sandbebgeb    zu    TorquiUa   gebracht.   Weit   besseres 


].  er.  Palaeontographica  X,  p.  310,  1863  (Gatt  Canalida);  ferner  BoncER, 
Glausilienstudien,  1877,  pg.  110. 


49 

Material  zeigte  uns  jetzt,   dass  wir  es  mit  einem  neuen  Genus 
zu  thun  haben. 

PcUaeostoa  nimmt  im  System  Stellung  zwischen  dem  Genus 
Megaspira  Lea  und  Tripiychia  Sandbebgeb  (=  Milne- Edward- 
sia  Boubg)^  Das  rechts  gewundene  Gehäuse  ist  spitz  kegelförmig, 
unten  fast  cylindrisch.  Die  Spindelfalten  sind  durchlaufend.  Es  ist 
eine  kräftige,  lange  Basallamelle  vorhanden  und  eine  grosse  An- 
zahl langer,  fadenförmiger  Gaumenfalten.  Dieselben  sind  ungleich 
stark  und  zwar  derart  angeordnet,  dass  je  mehrere  schwache 
zwischen  2  stärkeren  Gaumenfalten  liegen.  Der  Mundsaum  ist 
ein  wenig  umgeschlagen,  was  an  das  Genus  Clausilia  erinnert. 
Zu  unserem  Genus  gehört,  ausser  der  Buchsweiler  Art,  jedenfalls 
noch  die  P.  perdentata  F.  £x>w.  aus  dem  Bembridge-Kalk  von 
S  CO  nee  (Unt.  Oligoc),  welche  Sandbbbgeb  ebenfalls  als  Tor- 
quüla  anführt  und  auf  ihre  nahe  Verwandtschaft  zu  P.  Fontenayi 
hinweist.  Ich  konnte  die  englische  Art  nicht  näher  untersuchen, 
da  ich  sie  nur  aus  der  Abbildung  kenne. ' 

FiUaeoatoa  Fontenayi  Roms  sp. 
Tf.  II,  Fig.  2  a-f. 

Sya. :  Pupa  Fofitenayi  Rouis  1868.  —  Torquilla  Fontenayi  Sand., 
1870—75  (1.  c.  pg.  231,  Tf.  XIII,  Fig.  22).  —  Clausilia  crenata 
Sand.,  1870—75  (1.  c.  pg.  231,  Tf.  Xlll,  Fig.  19). 

In  allem  liegen  mir  38  Reste  von  dieser  ziemlich  seltenen 
Species  vor,  darunter  befinden  sich  solche,  bei  welchen  die 
Schale  und  andere,  bei  welchen  alle  Windungen  erhalten  sind, 
so  dass  wir  uns  eine  gute  Vorstellung  von  der  interessanten 
Art  machen  können.  Das  Gehäuse  ist  lang-conisch,  hat  12  Um- 
gänge  und  wird  etwa  22  mm  lang,    6  mm  breit.    Die   letzte 


1.  er.  NachrichtsölaU  der  Deutschen  Malahozoologiscfien  Ges.^  XIV.  Jahrg., 
Nr.  3,  März  1882. 

in.  4 


50 

Windung  beträgt  nicht  ganz  Va  der  totalen  Höhe.  Die  Schale 
ist  ziemlich  dick,  auf  den  letzten  Windungen  fietst  glatt  und  nur 
mit  äusserst  feinen  Anwachsstreifen  versehen.  Die  Windungen 
der  Spitze  hingegen  sind,  namentlich  unterhalb  der  nicht  sehr  tiefen 
Naht,  grob  gefältelt.  Die  Steinkerne  und  Abdrücke  von  der  Spitze 
gleichen  nach  Form,  Grösse  und  Sculptur  der  Abbildung  Saitd- 
BEBGEBB  auf  Tf.  XIII,  Fig.  19;  das  dort  abgebildete  rechts- 
gewundene Fragment  wurde  Clausäia  crenata  genannt;  ich 
glaube  diese  Art  mit  der  Palaeostoa  vereinigen  zu  müssen. 
Die  Mündung  enthält  3  Spindelfalten  und  eine  starke  nicht 
sehr  lange  BasaUameUe  (lam.  superior).  Die  Zahl  der  faden- 
förmigen Gaumenfalten,  welche  etwa  3  mm  tief  in  der  Mündung 
anfangen  und  sich  durch  den  ganzen  letzten  Umgang  fortsetzen, 
ist  variabel.  In  der  Regel  sind  6 — 7  stärkere  und  dazwischen 
mehr  als  das  doppelte  an  feineren  Lamellen  vorhanden.  Bei 
ausgewachsenen  Individuen  ist  der  Mundsaum  ein  wenig  um- 
geschlagen. Buchsweiler. 

Ncmdna  Vottzi  Dcsa  sp. 

Tf.  II,  Fig.  17  a—e. 
(Sandberger  [l.  c,J,  pg.  230,  Tf.  XIII,  Fig.  17.  1875;  etc.) 

Von  dieser  häufigen  kleinen  Nanina,  welche  Sakdbebgeb 
mit  der  recenten  Nahina  minuiiuscula  Mabt.  (Sect.  Macro- 
chlamys)  von  Amboina  vergleicht,  liegen  mehr  als  100  Reste  vor. 
Das  Gehäuse  zeigt  im  grössten  Durchmesser  meist  10  mm,  in 
der  Höhe  4,5  mm  —  6  mm  und  hat  5 — 6  Umgänge,  Dasselbe 
ist  oben  flach  gerundet,  unterseits  weit  und  durchgehend  genabelt. 
Die  Nähte  sind  oben  deutlich  aber  flach,  unten  tief.  Der  Mund- 
saum besass  scharfe  Ränder.  Die  Schale  ist  dünn,  glänzend  und 
zeigt  mit  Ausnahme  der  beiden  Embryonalwindungen  feine 
Anwachsstreifen.  Die  Variabilität  bezieht  sich  auf  die  Höhe  und 


51 

die  mehr  spitze  oder  gerundete  Form  der  Oberseite.  Diese 
Art  ist  bei  Buchsw eiler  namentlich  in  den  weissen  kreidigen 
und  den  fein  oolithischen  Kalkstücken  häufig. 

Nemina  occlusa  F.  Edw.  sp. 

Tf.  n,  Fig.   16  a-e. 

(Sandbergeh  [1.  c],  pg.  228,  Tf.  XIII,  Fig.  15.  —  Edwards,  Eoc.  mollusca, 

pg.  64,  Tf.  X,  Fig.  10.) 

Das  Gehäuse  hat  5 — 6  Umgänge,  ist  gegen  10  mm  hoch 
und  gegen   15   mm  breit.  Die  Form  ist  niedergedrückt,   oben 
und   unten  gewölbt  und  an  den   Seiten    kantig  gerundet.  Die 
Nähte   sind    flach,   der    verdeckte  Nabel    erscheint    an  Stein- 
kernen    fein    stichförmig.    Der  Mundrand   ist   unten    ein  klein 
wenig  umgebogen,  ein  Umstand,  der  uns  nicht  daran  hindern 
darf,  diese  ihrem  ganzen  Habitus  nach  zu  den  Naninen  gehörige 
Species    mit    dieser   Gruppe    zu   vereinigen.     Die  sehr   dünne 
Schale  zeigt  Anwachslinien,  welche  oft  bündeiförmig  zusammen- 
gefasst    sind.   N.   occlusa^  welche  vom  Untereocän  bis    in  das 
Oligocän  (Isle  of  Wight)  reicht,  ist  bei  Buchs weiler  ziemlich 
häufig  und  unterliegt  an  diesem  Orte  auch  einer  gewissen  Variabi- 
lität. Dieselbe  findet  darin  ihren  Ausdruck,  dass  die  Gehäuse  etwas 
kleiner,    höher    und    runder  erscheinen,    sowie  dass  sie  etwas 
tiefere  Nähte    zeigen.    Man  kann  solche    extreme    Formen  als 
/.  conica   bezeichnen,  Tf.  II,  Fig.  16  d.  Einzelne  Exemplare 
von  N.  occlusa  sollen  sogar  noch  ein  braunes  Längsband   er- 
kennen   lassen;    ich    habe    dasselbe    bei    Buchs  weil  er    nie 
beobachtet. 

Sandbeboeb  rechnete  N,  occlusa  noch  zu  den  Heliceen, 
machte  aber  auf  ihre  nahe  Verwandtschaft  zu  N.  Moussoni  Pfb. 
(Habitat?)  aufmerksam,  und  dürfte  daher  die  Art  vielleicht  zur 
Section  Xesta  gehören. 


52 


Patula  oligogyra  n.  8p. 

Tf.  n,  Fig.  18  a— e. 

Es  ist  die  älteste  bisher  bekannte  Species  der  Gmppe, 
deren  Vorkommen  im  Eocän  noch  unbekannt  war.  Das  kleine, 
flache  Gehäuse  hat  einen  grössten  Durchmesser  von  4  mm  und 
besitzt  4'^,  Umgänge,  welche  ziemlich  langsam  an  Breite  zu- 
nehmen. Die  untere,  weit  genabelte  Schalenhälfte  ist  teller- 
förmig, die  obere  ist  flach  gewölbt.  Beide  Schalenhälften  sind 
durch  einen  Kiel  geschieden  und  zeigen  ziemlich  tiefe  Nähte. 
Die  charakteristische  Sculptur  besteht  aus  scharfen,  etwas 
gebogenen  Querrippen,  welche  die  ganze  Schale,  mit  Ausnahme 
des  Embryonalgewindes  bedecken.  Auf  der  Unterseite  schalten 
sich  noch  zwischen  die  Querrippen  unter  dem  Kiel  hie  und  da 
kurze,  schwächere  Rippen  ein.  Bei  einem  Abdruck  konnte  ich 
ausserdem  Spuren  von  Längslinien  unter  dem  Kiel  wahrnehmen. 
Die  Art  scheint  bei  Buchsweiler  sehr  selten  zu  sein;  ich 
kenne  nur  2  Steinkerne  nebst  den  Abdrücken,  ausserdem  noch 
einen  isolirten  Abdruck  und  schliesslich  Spuren  eines  vierten 
Individuums.  Keine  von  den  Hochheimer  Pa^u2a-Arten,  welche 
ich  mit  derselben  verglichen  habe,  steht  unserer  Art  nahe;  auch 
von  den  lebenden  Species  gleicht  ihr  die  alpine  Fat  solaria 
Mkke.  nur  wenig. 


Melix  laacecostuUUa   Sand.  1870 — 76. 

Tf.  II,  Fig.  15  a— rf. 
(Sandberger  [I.  c],  pg.  229,  Tf.  XIII,  Fig.  16.) 

Das  kleine  nicht  sehr  stark  gewölbte  Gehäuse  misst  bei 
den  grössten  Exemplaren  10  mm  im   Durchmesser  und  6  mm 


53 

in  der  Höhe;  dasselbe  hat  4 — 5  Umgänge,  welche  durch  tiefe 
Nähte  getrennt  sind.  Es  ist  oben  flacher  als  unten  und  besitzt 
einen  tiefen,  aber  theilweise  verdeckten,  Nabel.  Die  Schale  ist 
vor  der  Mündung  ziemlich  stark  eingeschnürt  und  letztere 
erscheint  ringsum  gelippt.  Die  im  Abdruck  am  schönsten  erhaltene 
Sculptur  besteht  aus  unregelmässigen,  theilweise  aufgelösten 
Querrippen,  zwischen  die  sich  eigenthümliche  Papillen  einschieben, 
welche  ich  in  der  That  für  Haarpapillen  halte.  Dieselben  gleichen 
einem  kleinen,  erhöhten  Punkt,  welcher  von  einer  vertieften 
Binne  umgeben  ist.  Im  Abdruck  pflegen  die  Papillen  und  bei 
erhaltener  Schale  die  Querrippen  deutlicher  hervorzutreten.  Diese 
Helix  wurde  von  Voltz  .  als  hispida-antiqua  bezeichnet.  Von 
Sandbbböer  wird  sie  mit  der  recenten  Hx.  pyrrhozona  PhujL. 
aus  China  verglichen.  Diese  zur  Section  Camaena  gehörige  Art 
konnte  ich  durch  die  Güte  des  Herrn  Professor  Götte  in  der 
Strassburger  Sammlung  vergleichen  und  glaube  kaum,  dass 
Ex.  Ictxecostulata  hierher  gehört.  Eher  dürfte  dieselbe  mit  der 
Section  Oonostoma  Held  =  Anchistoma  Kob.,  so  z.  B.  mit 
der  Caracolina  Corcyrensis  Partsch  von  Cephalonia  verwandt 
sein.  Immerhin  dürfte  es  kaum  möglich  sein,  diese  alte  fossile 
Art  in  eine  bestimmte  Section  der  lebenden  Helices  einzu* 
ordnen.  Die  nur  bei  Buchsweiler  vorkommende  Art  ist  nicht 
gerade  häufig. 

FomaUas  SandbergeH  Noul.  1868. 

Tf.  II,  Fig.  6  a,  b. 

(NouLET,  Mem,  sur  les  coq.  foss.  d.  Ter,  deau  douce  du  S.-O,  de  la  Fr., 
11.  ed.,  pg.  94.  —  Sandberger  [1.  c.J,  pg.  235,  Tf.  XIII,  Fig.  29.) 

Das  Gehäuse  ist  verhältnissmässig  breit,  kegelförmig,  1 0  mm 
lang,  5,5  mm  breit  und  hat  7 — 8  Umgänge,  welche  mit  gebogenen 
dicht  stehenden  Querrippen  verziert  sind.   Die  Querrippen  sind 


54 

nicht  alle  gleich  kräftig  eDtwickelt  und  zuweilen  alternirt  eine 
stärkere  mit  einer  schwächeren  Rippe,  was  jedoch  durchaus 
nicht  immer  der  Fall  ist.  Auf  der  Unterseite  ist  ein  deutlicher 
Nabebritz  vorhanden.  Die  Mündungsränder  sind  umgeschlagen 
und  bilden  eine  nahezu  kreisförmige  Mundung.  Diese  älteste 
Pomatüis-ATi  ist  bei  Buchsweiler  ziemlich  häufig,  sie  findet 
sich  auch  bei  Ubstadt  und  in  Süd-Frankreich,  woselbst  sie  bis 
in  das  Unteroligocän  hinauf  reichen  soll.  Der  kurzen,  breiten 
Form  nach  steht  P.  Sanäbergeri  dem  lebenden  P.  striolaius 
PoBBO  Yon  Genua  am  nächsten. 


Megalofnasiama  turgidum  Roms  sp.  1868. 

Tf.  n,  Fig.  5  a,  fe,  c. 
(Sakdberger  p.  c],  pg.  235,  Tf.  Xin,  Fig.  28;  etc.) 

Vielleicht  der  Vorfahre  der  grösseren  untermiocänen  Megal. 
pupa  Bbn.  von  Hochheim  ist  bei  Buchsweiler  äusserst  selten. 
Das  Gehäuse  ist  12  nmi  lang  und  halb  so  breit.  Von  den 
6  Umgängen  ist  der  zweitletzte  am  stärksten  auigeblasen.  Die 
Schale  ist  nicht  sehr  dick  und  fast  glatt.  Die  Nähte  sind  tief, 
der  Nabel  ist  schmal  und  die  runde  Mündung  hatte  einen  wenig 
ausgebreiteten  Rand,  welcher  wenigstens  theilweise  bei  einem 
Exemplar  vorhanden  ist 


Siraphostama  shHatiim  Desh. 

Tf.  n,  Fig.  4  a,  6,  c. 

(Sandberger  IL  c],  pg,  234,  Tf.  XIII,  Fig.  25;  elc.) 

Verdient  in  sofern  besondere  Beachtung  als  Dkshatbs  auf 
diese  Buchsweiler  Species  hin,  sowie  ayf  St,  laevigatum^  zuerst 


55 

seine  neue  Gattung  Strophostoma  begründete  \  Die  ausgezeichnet 
schöne  und  seltene  Art  liegt  mir  in  6  Exemplaren  vor.  Das 
Gehäuse  ist  mit  einem  scharfen  Kiel  versehen,  welcher  sich  erst 
kurz  vor  der  viereckig -gerundeten  Mündung  verliert,  an  der 
Stelle,  wo  dieselbe  sich  nach  oben  zu  drehen  beginnt.  Der 
grösste  Durchmesser  beträgt  23  mm,  die  Höhe  8  —  9  mm 
und  es  sind  5  Umgänge  vorhanden.  Die  Oberseite  hat  sehr 
flache  Nähte.  Die  Unterseite  ist  weit  und  tief  genabelt.  Die 
Sculptur  der  Schale  besteht  aus  dicht  stehenden,  unregelmässigen, 
öfters  verzweigten  Querrippen,  welche  unten  etwas  stärker 
hervortreten  als  oben  und  an  einigen  sonst  gut  erhaltenen 
Exemplaren  fast  ganz  abgerieben  sind.  Ein  Stück  lässt  rost- 
braune, aufgelöste  Bänder  auf  der  Oberseite  erkennen,  welche 
wohl  Spuren  der  ursprünglichen  Färbung  sind.  Nur  bei  ß  u  c  h  s- 
weiler. 


Carychiopsis  qtMdridens  n.  sp. 

Tf.  II,  Fig.  7  a,  b. 

Diese  Species  unterscheidet  sich  von  den  beiden  anderen 
Carychiopsis* Arten,  C.  DoArwi  Dbsh.  sp.  von  Jonchery  (Unter- 
Eoc.)und  C.  co^/tiZa/a Sandbebgeb  von  Hochheim  und  Tuchoric 
(Unter-Mioc.)  dadurch,  dass  dieselbe  glatt  ist  und  nur  feine,  aber 
deutliche  Anwachsstreifen  zeigt,  was  sie  den  typischen  Carychien 
nähert.  Die  Mündung  und  die  Anzahl  der  Zähne  haben  mich 
jedoch  bewogen,  dieselbe  bei  Carychiopsis  unterzubringen.  Die 
kleinen  Steinkerne  messen  1^6  mm  in  der  Länge,  0,9  mm  in 
der  Breite  und  haben  5  Umgänge.  Die  Gestalt  ist  eiförmig 
zugespitzt,  die  Nähte  sind  tief.  Die  ziemlich  schmale,  wenig  schiefe 
Mündung  ist  durch  4  Zähne  eingeengt,  von  welchen  2  auf  der 


1.  Ann.  des  sciences^  1.  s6r.,  XIII,  pg.  287,  Tf.  XI. 


' 


56 

Spindelseite  resp.  Mündangswand  und  2  auf  der  Gaumenseite 
stehen.  Von  den  Zähnen  auf  dem  äusseren  Mundrand  ist  der 
obere  etwas  stärker  als  der  untere.  Auf  der  Spindelseite  hin- 
gegen ist  der  untere,  ziemlich  senkrecht  stehende  Zahn  grösser 
als  der  obere.  Alle  präparirten  Exemplare  zeigten  völlige  Gon- 
stanz  der  Zähne.  (7.  quadridens  ist  bei  Buchsweiler  nicht 
sehr  selten,   wird  aber  wegen  ihrer  Kleinheit  leicht  übersehen. 


CalycuUna  Castrense  Nodl.  sp.  1857. 

(Sanoberger  [l.  c],  pg.  321,  Tf.  XIII,  Fig.  l->la  etc.) 

Die  einzige  bei  Buchsweiler  vorkommende  Art,  welche 
ich  nicht  besitze.  Sie  findet  sich  nur  in  den  grünen  Mergeln 
und  fehlt  gänzlich  im  Kalk.  Es  ist  eine  kleine,  nahezu  kreis- 
runde Art  mit  enggestellten,  concentrischen  Anwachsrippen.  Nach 
NoüiiET  ist  dieselbe  6  mm  lang  und  2,6  mm  dick.  Samdbebgeb 
bUdet  in  den  Ld.  Sw.  C,  Tf.  XIII,  Fig.  1,  la  die  beiden 
Klappen  ab.  Dieselben  sind  recht  verschieden  von  einander,  und 
es  ist  leider  nicht  dabei  bemerkt,  ob  sie  dem  gleichen  Individuum 
angehören.  CalycuUna  Casirense  ist  ausserdem  von  Castres, 
von  Augmontel  und  von  Labruguiere  bekannt. 


57 


Nachdem  wir  so  die  einzelnen  Arten  aufgeführt  und  kurz 
charakterisirt  haben,  wollen  wir  versuchen,  zum  Schluss  durch 
einen  allgemeinen  Ueberblick  ein  Bild  von  der  gesammten 
Schneckenfauna  zu  entwerfen. 

Aus  dem  oberrheinischen  Mitteleocän  sind  im  ganzen  28  sicher 
bestimmte  Arten  bekannt,  von  welchen  7  durchaus  neu  sind.  Von 
diesen  28  Arten  finden  sich  27  bei  Buchsweiler  und  1 6  derselben 
sind  ausschliesslich  dieser  Lokalität  eigenthümlich.  Die  Arten  ver- 
theilen  sich  auf  21  Genera  und  sind  alle  reine  Süsswasser-  oder 
Landbewohner,  so  dass  sich  keine  Spur  eines  brackischen  Ele- 
mentes in  der  Fauna  bemerkbar  macht.  Von  den  genannten 
Gattungen  sind  5,  nämlich  ParmaceUina,  Palaeostoa,  Strophosto- 
ma,  Carychiopsis  und  Euchilus,  in  der  Jetztwelt  erloschen.  Der 
zoogeographische  Habitus  der  anderen  Genera  und  Species  ist 
auf  der  Schlusstabelle  nach  Möglichkeit  zur  Anschauung  gebracht. 
Wir  finden,  dass  derselbe  ein  sehr  gemischter,  nicht  einmal 
durchaus  tropischer  ist.  Es  begegnen  uns  verwandte  lebende 
Formen  in  den  verschiedensten  Welttheilen,  eine  Thatsache,  die 
uns  bei  einer  so  alten  Fauna  als  derjenigen  von  Buchsweiler 
nicht  befremdet.  Auffallend  ist  das  starke  Ueberwiegen  der  Gas- 
tropoden gegenüber,  den  Zweischalern,  welche  nur  in  einer  ein- 
zigen Art,  Cdlyculina  Castrense  Noul.  sp.  in  den  grünen  Mergeln 
vertreten  sind,  während  von  dieser  sogar  jede  Spur  im  Kalk- 
stein fehlt.  Es  ist  mehr  als  die  doppelte  Zahl  von  Landbewohnern 
gegenüber  den  Wasserbewohnern  vorhanden;  jedoch  treten  die 
letzteren  durch  ihren  Individuenreichthum  in  den  Vordergrund. 
Die  Wasserschnecken  lebten  wohl  alle  in  den  stehenden  Ge- 
wässern des  Sees.  Von  den  Landbewohnern  liebten  die  meisten 
feuchte  Standorte   und  hielten  sich  dicht   an  der  Erde  unter 


68 

Moos,  Steinen  oder  im  üferschilf  auf,  wie  Succinea,  ParmaceUina, 
Cionella^  Aeeca,  Glandina,  Nanina  und  Carychiopsis.  Der 
jurassische  Kalkboden,  welcher  die  Unterlage  und  Umgebung 
des  Sees  bei  Buchsweiler  bildete,  bot  den  zahlreichen  Conchylien 
die  günstigsten  Bedingungen  zu  ihrem  Gedeihen;  so  finden  wir 
denn  auch  kalkliebende  Genera,  wie  z.  B.  PomaticiSy  welche 
hier  zum  ersten  Male  und  zwar  in  Menge  auftritt.  Die  ver- 
hältnissmässig  beschränkte  Artenzahl  gegenüber  anderen  Faunen, 
wie  deijenigen  des  Süsswasserkalkes  von  Hoch  heim  z.  B.,  mag 
darin  ihren  Grund  haben,  dass  wir  es  bei  Buchsweiler  mit 
einem  sehr  beschränkten  Gebiete  zu  thun  haben  und  der  jeden- 
falls kleine  See  wohl  nur  von  unbedeutenden  Flüsschen  oder 
Bächen  aus  der  Nachbarschalt  gespeist  wurde.  Die  grosse  Indi- 
viduenzahl hingegen  spricht  dafür,  dass  einerseits  die  um- 
wohnenden Conchylien  günstige  Lebensbedingungen  fanden,  und 
dass  andererseits  längere  Zeit  hindurch  die  gleichen  Bedingungen 
andauerten. 

Noch  ein  auffalliges  Moment  in  dem  Habitus  der  Fauna, 
welches  Erwähnung  verdient,  ist,  wenn  man  so  sagen  darf,  der 
carnivore  Charakter  derselben.  Baubschnecken  treten  sonst  in 
den  Land-  und  Süsswasserfaunen  immer  sehr  zurück,  während 
dies  bei  Buchsweiler  nicht  gerade  der  Fall  ist.  Die  Olecunnen^ 
deren  lebende  Vertreter  als  Baubschnecken  bekannt  sind,  bilden 
bei  Buchsweiler  die  artenreichste  Gattung,  indem  sich  drei  Glan- 
dinen  und  eine  Bqltenia  dort  finden.  Für  ParmaceUina  müssen 
wir  eine  ähnliche  Lebensweise  annehmen  wie  für  ihre  nächsten 
recenten  Verwandten  Testaceüa  und  Daudebardia;  dieselben  sind 
beide  lichtscheue,  fleisclifressende  Thiere,  die  sich  von  kleinen 
Würmern  und  anderen  Schnecken  ernähren.  Diese  relativ  hohe 
Zahl  von  Camivoren  deutet  wiederum  auf  ein  reiches  Leben  an 
niederen  Thieren  hin,  welches  sich  an  den  Ufern  des  Sees  entfaltete. 

Versuchen  wir  es  am  Schlüsse,  auf  Grund  der  allerdings 


59 

noch  so  lückenhaften,  geologischen  Thatsachen,  uns  eine  An<- 
schauung  von  den  Bodenverhältnissen  zu  bilden,  welche  das 
soeben  behandelte  Gebiet  zur  Mitteleocanzeit  darbot. 

Nachdem  der  obere  Dogger  zum  Absatz  gelangt  war, 
befand  sich  das  südwestliche  Deutschland  offenbar  in  einer 
Hebungsperiode  und  das  Meer  zog  sich  vom  Elsass  aus  wie  es 
scheint  nach  Süden  zurück.  Es  tritt  alsdann  eine  grosse  Lücke 
in  den  geologischen  Daten  unseres  Landes  ein;  vom  oberen 
Jura  und  namentlich  von  der  Kreide  fehlt  jede  Spur.  Wir 
können  sogar  fast  mit  Sicherheit  behaupten,  dass  zur  Kreidezeit 
überhaupt  keine  Sedimentbildung  im  Elsass  stattfand,  denn  wären 
vorhandene  Kreideschichten  durch  Erosion  entfernt  worden,  so 
würde  man  vermuthlich  ihren  Resten  in  den  tertiären  Conglo- 
meraten  begegnen,  was  niemals  der  Fall  ist. 

Nach  dieser  grossen  Lücke  folgen  über  den  marinen  Dogger- 
schichten zunächst  Süsswasserablagerungen ,  welche  ihren  orga- 
nischen Einschlüssen  nach  als  Mitteleocän  zu  bezeichnen  sind 
und  die  man  ungefähr  mit  dem  Pariser  Grobkalk  parallelisiren 
kann.  Eine  einheitliche  Wasserbedeckung,  d.  h.  ein  einziger 
grosser  Süsswassersee ,  war  nicht  vorhanden.  Vielmehr  machen  es 
die  faunistischen  und  petrographischen  Verschiedenheiten,  sowie 
der  Habitus  der  einzelnen  Ablagerungen  wahrscheinlich,  dass  ein 
ausgedehntes  Festland  mit  mehreren  kleineren  Seen  und  Fluss- 
läufen existirte.  Das  zahlreiche  Auftreten  von  Landschneckeu, 
sowie  die  Verbreitung  der  Landsäugethiere  sind  ebenfalls  dieser 
Annahme  günstig.  Vogesen  und  Schwarzwald  bestanden  keinen- 
falls  in  ihrer  heutigen  Form ;  auch  konnte  von  einem  Rheinthale, 
wie  uiiserem  jetzigen,  nicht  die  Rede  sein,  indem  die  grossen 
Verwerfungsspalten,  welche  dasselbe  einfassen  und  welche  im 
Wesentlichen  die  Form  des  späteren  Oligocänmeeres  bedingten, 
wohl  noch  nicht  oder  nur  theilweise  vorhanden  waren.  Im  Elsass 
selbst   und  in   den   umliegenden   Ländern   hatte  zu  jener  Zeit 


60 

lokal  schon  die  Bohnerzbildang  begonnen,  welche  noch  lange 
Zeit  hindurch  fortdauerte,  jedenfalls  bis  zum  Schlüsse  des 
Obereocans.  Wir  haben  somit  Bohnerze,  die  älter  und  solche  die 
junger  sind  als  der  Buchsweiler*Kalk;  femer  scheint  es  auch 
noch  Bohnerze  zu  geben,  welche  mehreren  Etagen  des  Eocans 
zusammen  entsprechen. 

Wir  haben  es  im  allgemeinen  im  mittleren  Europa  mit  einer 
Continentalepoche  zu  thun.  Fast  ganz  Deutschland,  die  nördliche 
Schweiz  und  ein  grosser  Theil  Frankreichs  waren  Festland  und 
dieses  Festland  wurde  im  Norden  und  Nordosten  von  dem  anglo- 
gallischen  und  der  Bucht  des  Pariser  Grobkalkmeeres,  im  Süden 
und  Südosten  von  dem  alpinen  Nummulitenmeere  umspült'.  Im 
südUchen  und  südöstlichen  Frankreich  herrschen  ähnliche  Be- 
dingungen wie  im  Südwesten  von  Deutschland,  und  wahrscheinlich 
sind  weitverbreitete  Arten,  wie  z.  B.  der  PL  pseudammonius^ 
von  dort  her  zu  uns  eingewandert.  Auch  die  Lophiodonten, 
deren  Haupttummelplatz  ja  Frankreich  war,  konnten  sich  auf 
diese  Weise  weithin  nach  Osten  ausbreiten,  wo  man  ihre  Reste 
noch  nördlich  von  dem  Schwarzen  Meere  gefunden  hat. 

Zur  Mitteleocänzeit  war  der  wichtigste  und  zugleich  wohl 
auch  der  älteste  der  rheinischen  Seen  derjenige  von  Buchs- 
weiler. Er  war  an&ngs  flach  und  umwaldet,  zur  Zeit  als  die 
pyritischen,  grünen  Mergel  und  die  Braunkohle  sich  bildeten; 
nur  wenige  Sump&chnecken  bewohnten  denselben.  Mit  der  Zeit 
vertiefte  sich  der  See  und  aus  seinen  klaren,  kalkhaltigen  Ge- 
wässern schlug  sich  ein  Gestein  nieder,  welches  uns  Spuren 
eines  reichen  Lebens  bewahrt  hat.  Ftopdlaeoiherium  und 
LopModon^  von  welchen  das  letztere  wohl  eine  ähnliche  Lebens- 
weise wie  der  Tapir  führte,  überwiegen  unter  den  Säugethieren. 
Auch  findet   sich  eine   von  jenen  eigenthümlichen  Formen,  die 


I .  Ueber  die  VerUieilang  des  Meeres  nod  FesUaDdes  zor  Mitteleocänzeit  vergl. 
HiBCKT^s  ioteressanteD  and  wichtigen  Aofsab.  Bull.  soc.  ged.  Fr.  (2.)  T.  X\U  PL  XVI. 


61 

als  Bindeglieder  zwischen  der  Familie  der  Schweine  und  der 
Aflfen  stehen,  wie  dies  schon  der  glücklich  gewählte  Name 
Cehochoenis  ausdrückt.  Schildkröten  und  Krokodile  deuten  auf 
den  tropischen  Charakter  der  Reptilienfauna  hin.  Der  zahlreichen 
Teich-  und  Sumpfschnecken,  sowie  der  eingeschwemmten  Land- 
conchylien  wurde  schon  des  Näheren  gedacht. 

Etwas  jünger  sind  wohl  die  Süsswasserkalke,  welche  wir 
vom  Bischenberg^  von  Bernhardsweiler  und  von  Morsch- 
weiler kennen  gelernt  haben*.  Dieselben  tragen  keinen  so  rein 
limnischen  Charakter  mehr.  Hydrobien  wiegen  vor,  Paludinen 
fehlen,  und  von  Landschnecken  fand  ich  nur  ein  Fragment,  das 
zur  Gruppe  der  Meg.  mumia  Lmk.  sp.  gehört;  eine  Gruppe,  die 
im  obersten  Eocän  von  Mülhausen  reichlich  vertreten  ist.  Es 
scheint,  dass  das  helvetische  Meer  zu  jener  Zeit  sich  von  Süden 
her  dem  Sundgau  näherte;  vielleicht  sogar  zeitweise  einbrach 
und,  eine  flache  Bucht  bildend,  die  Mergel  (mit  Gyps  und  Stein- 
salz?) im  Liegenden  des  Brunnstatter  Kalkes  absetzte. 
Mit  der  Zeit  gewinnt  jedoch  das  Süsswasser  die  Oberhand. 
Wahrscheinlich  ist,  dass  ein  grösserer  Fluss  von  Norden  oder 
Nordwesten  her  in  die  Sundgauer  Bucht  einmündete  (Blätter- 
sandstein von  Spechbach).  Es  bildet  sich  der  Melanienkalk 
von  Brunnstatt,  Klein- Kembs  etc.  Seine  Fauna  ist  keine 
rein  limnische  {Melania,  Melanopsis,  Valvata^  Nematura,  Neritina) ; 
sie  deutet  auf  den  Absatz  an  einer  Flussmündung  hin  und  kann 
die  Nähe  des  Meeres  (Älexia)  nicht  ganz  verleugnen. 

So  wären  wir  bei  der  zweiten  Tertiärstufe  angelangt, 
welche  für  den  Elsass  von  Bedeutung  ist,  und  es  soll  im  nächsten 
Kapitel  versucht  werden,  die  wichtigsten  geologischen  Verhält- 
nisse derselben,  soweit  sie  bekannt  sind,  in  aller  Kürze  darzulegen. 


1.  Ob  die  Bydrobiei^tÜhrenden  Schichten  von  Danendorf  (Brunnen  im  Ort), 
welche  betrachtlich  höher  liegen  als  die  alten  Gruben  (mit  Lophiodon)^  denselben 
beizuordnen  sind,  moss  ich  leider  noch  unentschieden  lassen. 


Tabellarische  Uebersicht  der  Buchsweller  Conchyllen-Fauna. 

*  bexelchnet  Oenai«,  welche  aoa  JUteren  ScliiclUeii  bisher  nicht  bekaimt  Biad;  h  h  =  sehr  h&nfi^;  h  ^  bAnfig  i 
'  h  ^  liemlieh  h&uflg ;  s  s  =  sehr  selten ;  —  bezeichnet  6mm  Fehlen ;  +  Vorhonunen  ohne  HAaflgkeitean^nbe. 


I. 

Baehs- 
weiler. 


1. 


Paludma  Hamm9ri  Dsrn 


Puludina  OrbigngOMa  Dbsh. 


S-      I   Euehäus  Dttdäensianum  Dbsb.  sp. 


4.      I  Hffdrobia  DoHendor/enMu  nov.  sp.  . 


U. 

Andere 

Fond- 

pnnkte 

im 


sh 


m. 

übetaU 

in 
Bnden. 


hh 


hb 


IV. 

R.  O. 

n.  8. 

Fnnk- 

reich. 


Zooffeographiaeher  Unbitns 


und  andere  Bemerkungen. 


hh 


*  • 


5.      '  Hjfdrobiaf  Tenchiedene  tp. 


X  s 


€■      .  Pltmorhi»  pMndmmmonüu  Schl.  sp.  I      h  h 


7.      •  Piattorü»  OhtriUri  Dbsh- 


8. 


Liflsata  oI»mXa  Roms. 


9. 


Limmea  MiAtlmi  J>mmb. 


10. 


Sueeimea  pmUioimm  Roms 


11.*    '  ParmaeeUina  vUrhuBformi*  Savd.  . 


IS.*       BoUtnia  fcrt«  Rovis  sp. 


IS.         QUmdima  CordUri  Dbsb.  sp. 


j      14.         Qlmtdina  Rkenana  nov.  sp. 


S  8 


SS 


xh 


xh 


X  s 


xh 


SS 


15. 


Qia»iiMa  Dteekei  nov.  sp. 


xs 


l^*    ,  Citm^Ua  /orsucuM  Rocxs  sp.  .  .  . 


17,*    '   JLscco  BSttferi  nor.  sp. 


I 


]^         Pup«  BmxoriUana  noT.  sp. 


s  s 


19  *       Pmtmeo^toa  Fomtenayi  Rouis  sp.  .  .   !      x  b 


^^         Claimita  d«iwieo«fnlafa  Saud 


21,«       Namima  VoUMi  Dbsb.  wp. 


».* 


»4 


oc^m»m  F.  Bdw.  q». 


Bh 


S3«       Pmimlm  oUfofyra  nor.   sp. 


s  s 


M. 


B9Kx  loxeco^vlola  Sabd. 


xh 


IS.«       B»aiafiat  Smmdb«rf*ri  Kodl.  ....         x  h 


16. 


fnrn'rfnsi  Ror.  sp.  ss 


27. 


SfropAostoma   ttrimimm  Dbsb. 


18.         €iary<Miop*i»  qmmdrid^n»  noT.  sp.  . 


BS 


-     I 


trop. 

trop. 

asiatisch. 

nostnllseb.  Fossile  Gnttnnf. 

nostmlisch. 

meist  Steinkeme  n. 

nnbestimmb. 

trop. 

amerikanisch. 

1 

1 

—       I       —       I  trop.  aslatisrh. 


—       I  oceaniseh. 


SS 


trop.  amerikanisch.  Central  Ä. 


—      1  trop.  amerikanisch. 


—      1       —      1 


—  nördliche  Hemisphire. 


enn^piiseh. 


—         foss   Gmppe. 


—       I  foss.  Omppe.  Hab.  trop. 


1 


—         foas.  O.  (6.  Conaliri«:. 


—       ;  trop.  insal.  ind.  or. 


_      I       _ 


trop.  iBsal.  ind.  or.  Ameh  OUcoc^^- 


—         (öeü.  Hemisphire). 


—         mediterran. 


meditemB. 


—         trop. 


Indiseh. 


S9.         Csl3f<«lsaa  Oatfmisc  Koci,.  sp.  .  .  . 


—  f< 


G.  Hab.  trop. 


—         foss.  G.  Hab.  der 


Zone. 


BordL  Hemisphire. 


IL 


DER  MELANIENKALK 


ODBB 


BRUNNSTATTER-KALK. 


DER  MELANIENKALK 


ODER 


BRÜNNSTATTER-KALK. 


In  Bezug  auf  die  geologischen  Verhältnisse  der  hierher 
gehörigen  Schichten  ist  die  unten  erwähnte  Arbeit  von  Köchlin- 
ScHLUMBEBasB  uud  Delbos  durchaus  grundlegend.  Die  ein- 
zelnen Daten,  welche  sich  auf  diese  Schichten  beziehen,  sind 
mit  grosser  Sorgfalt  darin  gesammelt  und  zusammengestellt. 
Wir  können  uns  daher  im  Wesentlichen  darauf  beschränken, 
das  dort  angegebene,  soweit  es  wichtig  erscheint,  nebst  einigem 
neu  hinzugekonmienen  kurz  anzuführen.  Was  die  palaeontolo- 
gischen  Verhältnisse  angeht,  so  sind  dieselben  allerdings  einer 
gründlichen  Revision  bedürftig,  dieselbe  konnte  jedoch  nicht 
ganz  nach  Wunsch  vorgenommen  werden,  aus  Mangel  an  einem 
hinreichenden  Material,  zumal  da  mir  die  Museen  von  Basel  und 
Mülhausen  zu  einer  eingehenden  wissenschaftlichen  Unter* 
suchung  nicht  zugänglich  waren. 


III. 


66 


Wichtigste  Litteratur. 

1848.  Merian,  P.  Ueber  die  im  SOsswasserkalke  der  Umgebong  yon  MQl- 

hansen  aufgefandenea  Schalthiere.  Verhandlungen  der  na- 

tnrforschenden  Gesellschaft  zu  Basel,  VID,  pg.  33—35. 
1857.  Meter,  H.  v.  Palaeotherium  medium  yon  MQlhausen.  Leonhards 

Jahrbuch.  Bhefl.  Mittheilung,  pg.  555. 
1859.  Heer,  0.  Flora  tertiana  HelTetiae,  111,  pg.  311. 
1867.  Delbos,  J.,  et  KOchun-Schlumberger,  J.  Descriplion  g6ol.  et 

minöral.  du  döpartement  du  Haut-Rhin,  T.  11,  pg.  14—38. 
1870.  Greppin,  J.  B.  Le  Jura  Bemois  et  Oistricts  adjacents.   In  den 

Mat6riaux  pour  la  Carte  g6ol.  de  la  Suisse,  \1U.  livr.  Berne, 

p,  159. 
1870 — 75.  Sai«dberger,  Fr.   Die  Land-  und  SOsswassercoochylien  der 

Yorwell,  pg.  322—327. 
1877.  Zt)Ni>EL,  G.  A.,  et  BIieg,  M.  Noüce  snr  quelques  sondages  aux 

enyirons  de  Mulhouse  et  en  Alsace.  Bull,  de  la  Soci^tö  in- 

dustrieUe  de  Mulh.,  XLYD,  pg.  631. 

Zum  obersten  Eoc&n  gehörige  Schiebten  sind  im  Rhein- 
thale  wesentlich  auf  den  Ober  -  Elsass  beschränkt  Es  findet 
sich  ein  weiteres  Vorkommen  bei  Klein-Eembs,  in  Ober- 
Baden,  einem  nahe  am  Rhein  gelegenen  Orte,  und  ausserdem 
noch  ein  kleiner,  vereinzelter  Ealkfetzen  bei  Moryillars  in 
dem  jetzigen  Departement  du  Hant^Rhin.  Weiter  abwärts  im 
Rheinthale,  sowie  im  Mainzer  Becken  fehlen  analoge  Bildungen 
durchaus.  Die  Hauptmasse  der  besprochenen  Schichten  bildet 
im  Sundgau  und  zwar  südlich  von  Mälhauseu  eine  zusammen- 
hängende Ablagerung,  deren  Grenzen  etwa  durch  folgende  Orte 
gegeben  sind:  Mälhauseu  im  Norden,  Nieder-Spechbach 
und  Altkirch  im  Westen,  Schwoben  und  Sierenz  im 
Süden,  Elein-Eembs  im  Osten.  Auf  diesem  Gebiete  treten 
die  Schichten  jedoch  keineswegs  überall  zu  Tage.     Sie  werden 


67 
auf  dem  bei  weitem  grössten  Theil  der  Oberfläche  von  jüngeren 
TertiärBchichten  {Blättersandstein',  Fischßchiefer,  Cyrenenmerget' 
und  GypEi),  von  mächtigem  Diluvium  (Löss)  und  Alluvium  bedeckt. 
111  und  Bheio  babeo  ihre  Thäler  in  das  wellige  Kalkplateau 
eingegraben  und  an  der  Stelle,    wo  der  Bheio    sein   breites 


X4rUsiUEis  nr  VeunHbaDlIcImnt  der  I.iictriu>(iT«riilltii]He  dei  Malultnkalk»  Im  Sood- 
gta,  I.  Th.  uch  d«r  te«].  K>ne  tod  X»cblls-Scbliunbsrfer.  O  Vorkommen  tob  He- 
luLenkilk  all  dJchlBr  KsIkXalu  oder  feine  lulklffe  Holiiue  wie  bei  LDmKbweller, 
Köulseeu  ate.;  0  undlg«  AUBbJlduD«  dea  Melulenkalbea  (SpecbbwJi)i  ...-Vm- 
grtuDng  dei  OebleUa;    X  BltHerMDdjleln  (et«*  4  fanlllei);   •  HeleltEKblcbUn  i 

Umgrlotiuig ;  ^  Ojpi  TOB  Zlmmenbelm ;  •  C; raDenmerfel  Imune  t  cjrtnea}  j 

Verbladniig«HBlfl. 

Strombett  Behuf,  ist  der  Ealk  wohl  vollständig  erodirt  worden, 
BO    dftSB  jetzt   kein    Zusammenhang    zwischen    dem    Kalk    von 


1.  Die  Ansdrficke  Blatt ersandsteln  Igris  i  feullles)  und  C;reacnmergel  (marnet 
t  cjrjnes)  sind  nicht  mit  d«n  im  Ualnzer  Becken  üblichen  Bezeichnanges  fQr  gewiue 
Miodn-  nnd  OberoUgocan-ScbicbleD  zu  identlfiifrea. 


68 

Klein-Keinbs  und  demjenigen  der  elsässer  Seite  mehr  an- 
zunehmen ist.  Ausserdem  ist  es  wahrscheinlich,  dass  die  Kalk- 
decke früher  im  Westen  über  Altkirch  hinaus  bis  in  die  Gegend 
von  Delle  reichte,  wo  sich  noch  der  letzte  Ueberrest  bei  Mor- 
villars  findet.  An  den  beiden  am  weitesten  von  einander  ent- 
fernten Punkten,  im  Osten  und  Westen,  bei  Rlein-Kembsundbei 
Morvillars  ruht  der  Melanienkalk  auf  dem  Jura  auf;  doch  schal- 
ten sich  an  dem  erstgenannten  Punkte  noch  Bohnerzthone  an 
der  Basis  dazwischen  ein. 

Das  Profil  von  Elein-Eembs  mag  nach  den  Angaben 
Gbeppins  kurz  angeführt  werden  (pag.  161): 

1.  Ackerboden  und  Lehm. 

2.  Grüne  Mergel  und  grauer  Kalk. 

3.  Bräunlicher  bituminöser  Kalk  mit  Melania  Lauras  etc., 
20  bis  30  m. 

4.  Mergel  und  graue  Kalke  mit  Paludina  vwiparoides  (?)*, 
7  m. 

5.  Bothe,  bröcklige  Thone,  3  m. 

6.  Bothe,  fette  Bohnerzthone  überlagern  den  Jura,  4  m. 

Anders  verhält  sich  die  Lagerung  in  der  Mitte  des  Sund- 
gaues,  wo  verschiedene  Bohrungen  in  der  Gegend  von  Mül- 
hausen  gezeigt  haben,  dass  sich  im  Liegenden  des  Melanien- 
kalkes noch  zum  Tertiär  gehörige  Mergel  befinden.  In  der 
oben  erwähnten  Arbeit  von  Zündel  und  Misa  sind  einige 
dieser  Bohrungen  auf  einer  Tafel  graphisch  zusammengestellt. 
Wir  geben  in  Fig.  3  eine  Copie  der  beiden  für  den  Melanien- 
kalk wichtigsten  Bohrprofile.  A.  stellt  das  Profil  des  »Puits 
Heidet«  dar,  welcher  auf  der  Höhe  desMülhauser  Bebberges 
98  m  tief  niedergebracht  wurde.     Man  fand  8  m  Löss,  67  m 

1.  er.  pg.  77. 


69 

Süsswasserkalk  und  dann  18  m  blaue  Mergel.  Nicht  weit  da- 
von, im  zoologischen  Garten  (ß.),  erreichte  man  66  m  Tiefe. 
Zuoberst  fand  man  Löss,  über  dessen  Mächtigkeit  keine  Notiz 
vorliegt,  dann  bis  zu  62  m  Tiefe  Süsswasserkalk  mit  einem 
kleinen  erdigen  Braunkohlenflötz  bei  44  m  und  drang  schliess* 
lieh  noch  4  m  tief  in  die  blauen  Mergel  ein. 


Aus  diesen  Beispielen 
geht  zur  Genüge  die  bedeu- 
tende Mächtigkeit  hervor, 
welche  der  Melanienkalk 
südlich  von  Mülhausen 
erreicht.  Was  die  liegenden 
Mergel  betrifft,-  so  wissen 
wir  nur  wenig  über  die- 
selben; sie  sollen  ganz 
fossilfrei  sein  und  dürfen 
keinenfalls  mit  den  ander- 
wärts im  Elsass  verbrei- 
teten oligocänen  (tongri- 
schen)  Meißeln  verwechselt 
werden.  Im  Norden  schnei- 
det der  Melanienkalk  auf- 

(Nach  Zflndel  und  Mieg)  A.  Pults  Heldet;   B.  Poita  du 
fallend     scharf    gegen     die  Jardln  soologiqne ;  L.  =  DUnyiam  ;  S\t.  K.  = 

i.         -  T»'iJ -.1.  obereoctoer   Kalk:    Mg.    =   eocAne    Ifergal; 

oligocänen     Büdungen    ab  ^^    ^    BraunkohlenaSU  =    N.  R.  Niveau  de^ 

und  selbst  Bohrungen  über  RÄunioM-piatie«  in  Müihausen. 

200  m  haben  denselben  nicht  in  der  Tiefe  angetroffen.  Bei 
Dornach  fand  man  jedoch  unter  dem  Oligocän,  petrographisch 
abweichende,  dunkle  Mergel,  welche  Steinsalz  und  Gyps  führten. 
Es  ist  wahrscheinlich,  dass  diese  Mergel  den  Melanienkalk  unter- 
teufen ;  auch  Mieg  ist  geneigt,  dieselben  als  Eocän  anzusehen.  Wenn 
man  hingegen  diese  Mergel  mit  dem  Gyps  von  Zimmersheim, 


70 

Bamlach  etc.  vereinigen  wollte,  so  wäre  die  Annahme  einer 
Verwerfung  nöthig. 

Die  Lagerung  des  Melanienkalkes  ist  im  ganzen  Gebiete 
eine  nahezu  ungestörte,  horizontale  und  man  nimmt  nur  zuweilen 
ein  schwaches  Einfallen  wahr.  Im  allgemeinen  scheint  die  Regel 
zu  gelten,  dass  das  Einfallen  nach  den  Rändern  der  Ablagerung 
zu  stattfindet,  abgesehen  von  lokalen  Faltungen  (z.B.  bei  Brunn- 
statt) und  kleineren  Verwerfungen  (z.  B.  bei  Die  den  heim). 

Der  petrographische  Charakter  der  Schichten  ist  im  Ganzen 
ein  einförmiger.  Das  Hauptgestein  besteht  aus  einem  in  mehr 
oder  weniger  dicken  Bänken  auftretenden,  dichten,  ziemlich 
dolomitischen  Kalk.  Dieser  Kalkstein  besitzt  einen  muscheligen 
Bruch  und  zeigt  meist  eine  hellgraue,  seltener  dunkle,  grau- 
braune Farbe.  Dieser  typische  Melanienkalk  ist  am  schönsten 
und  mächtigsten  im  nördlichen  Theil  des  Gebietes,  so  z.  B.  bei 
Brunnstatt  entwickelt.  Aehnlich  wie  bei  Buchsweiler  trifit 
man  auch  Kalkbänke  an,  welche  aus  einem  fleckigen,  breccien- 
artigen  Kalke  bestehen.  Eine  solche  Kalkschicht  ist  z.  B.  in 
einem  Steinbruche  bei  Geispitzen  zu  beobachten*.  Neben 
dem  compacten  Kalk  konunen  femer  kömige  Varietäten  vor,  so 
der  Kalk  vom  Lümschweiler,  welche  wiederam  ihrerseits  in 
feinkörnige  Kalkmolasseu  übergehen.  Diese  finden  sich  unter 
anderem  in  nicht  sehr  mächtigen  Bänken  beiKlein-Kembs  und 
bei  Kötzingen.  Im  westlichen  Theil  bei  Altkirch  sieht 
man  Kalkbänke  und  Mergel  mit  Bänken  von  gelbem  Kalksand- 
stein   wechsellagem.      Bei    Nieder-Spechbach    schliesslich 


1.  D«r  SleiBbradi  auf  den  Weg  tm  Siereai  sadl  Gei  spitieo  zeigt  folgende 
UgcraagSTerlilloiisse :  Obe«  Uss»  das»  gmUtae,  AOers  schiefrige  Mergd,  mdirbch 
we^selnd  mil  geU>ea  Kilksudstein.  Die  Meffd  enUialtea  imreüea  verkohlte  Pflanieo- 
sporaL  Daraater  folgt  iediiger  Kalk,  seUiessIidi  graaer,  coaipaeter  Kalkstein.  Die 
zahlreichen  Klllfle  sind  mit  dicken  Krusten  von  Kalkspath  tberzogen.  Bin  schwaches, 
slktwestikhes  KinfhUea  ist 


71 

überwiegt,  wenigstens  in  den  tieferen  Schichten,  die  sandige 
Facies  vollständig.  Zwischen  die  Kalkbänke  sind  oft  Mergel- 
schichten (namentlich  bei  Kotz  in  gen)  eingeschaltet,  und  zu- 
weilen trifft  man  auch  dünne  Flötze  von  erdiger  Braunkohle 
an.  Das  bekannteste  derartige  Braunkohlenvorkommen  ist  das 
von  Illfurt,  welches  zu  Anfang  dieses  Jahrhunderts  Veran- 
lassung zu  mehrfachen  Nachforschungen  nach  Braunkohlenlagern 
gab.  Man  fand  jedoch  nur  ganz  unbedeutende,  wenige  Genti- 
meter  dicke  Flötzchen  von  geringer  Erstreckung. 

Als  besondere  Eigenthümlichkeiten  sind  noch  die  im 
Biedisheimer  Steinbruch  vorkommenden  Homsteinconcre- 
tionen  zu  erwähnen,  welche  zuweilen  verkieselte  Limneen  und 
andere  Süsswasserconchylien  einschliessen,  also  sich  an  Ort  und 
Stelle  gebildet  haben.  Femer  erwähnt  Delbos  das  Vorkommen 
einer  dunkelbraunen  bis  schwarzen,  sehr  phosphorsaurereichen 
Erde,  welche  Bruchstücke  von  Melanienkalk  und  verwitterte 
Knochen  enthält.  Dieselbe  findet  sich  nur  auf  dem  Britzy- 
Berg  östlich  von  Illfurt. 

Während  die  sandigen  Schichten  vorwiegend  pflanzliche  Reste 
enthalten,  sind  die  dichten  Kalke  namentlich  von  thierischen  Resten 
erfüllt  und  die  plattgedrückten  Schalen  von  Melanien  bedecken  oft 
zu  Hunderten  die  Schichtflächen.  Der  einzige  Steinbruch,  welcher 
wohlerhaltene,  bestimmbare  Pflanzen  geliefert  hat,  ist  deijenige  von 
Nieder-Spechbach;  derselbe  ist  jetzt  vollständig  verlassen. 
Heeb  hat  folgende  31  Arten  von  dieser  Lokalität  beschrieben  ^ 

1.  Pteris  Ruppensis  Heeb. 

2.  Carex  tertiana  Heeb. 

3.  Salix  varians  Goep. 

4.  Salix  Lavateri  Heeb. 


1.  Diese  Arten  sind  auch  in  Delbos  und  KOcHLiii-ScHLUMBEaGEa,  DescHpt. 
pg.  17,  aufgefährt. 


72 

5.  Myrica  Crraeffi  Heeb. 

6.  Myrica  Siuderi  Heeb. 
-f-7.  Beiula  micropkylla  Heeb. 

8.  Qt4ercu8  lonchitis  Ung. 
-f-9.  Quercus  Schitnperi  Hbeb. 
4-10.   Qtterctis  Koechlini  Heeb. 
1 1 .  Laurus  primigenia  Ung. 
-f-12.  Dryandra  gracäis  Heeb. 

13.  Dryandra  SchrancJdi  Stebkb. 

14.  Dryandroides  Ugnitum  Ung.  sp. 

15.  Diospyros  brachys^ala  Ab.  Bbong. 

16.  Echitonium  Sophia  Web. 

17.  Myrtus  Dianae?  Heeb. 

+  18.  CaUistemophyüum  Mougeoti  Heeb. 
+19.   CaüistemophyUum  Mühlenbechi  Heeb. 

20.  Eticalyptus  oceanica  Ung. 

21.  Celastrus  EtHngshauseni  Heeb. 

22.  Celastrus  pseudo-üex  Ettingsh. 
+23.  Hex  primiformis  Heeb. 

24.  Zieyphus  tUiaefolius  Ung.  sp.? 

25.  Paliurus  tenuifolius  Heeb. 

26.  Rhus  Pyrrhoe  Ung. 
+27.  Crataegus  alsatica  Heeb. 

28.  Caescdpinia  Haidingeri  Ettingsh. 

29.  Äcacia  Parschlugiana  Heeb. 

30.  Mimosites  Haeringiana  Ettingsh. 
+31.  PhyUites  Buchingeri  Heeb. 

Ausserdem  findet  man  in  dem  Melanienkalk  selbst  un- 
bestimmbare Pflanzenstengel  und  Gräser,  sowie : 

Chara  helicteres  Bbg.  bei  Klein -Kern  bs.  Die  Weiden 
{Salix  varians)  und  Eichenblätter  überwiegen  in  der  Flora  der 
Masse  nach.     9  Arten,  welche  mit  +  bezeichnet,  sind  für  den 


73 

Fundort  Spechbach  eigenthümlich.  Bemerkenswerth  ist  ferner, 
dass  Cinnamomum^  welches  in  den  übrigen  jüngeren  Blättersand- 
steinen des  Elsasses  durchaus  prävalirt,  hier  ganz  fehlt.  Ebenso 
hat  Spechbach  keine  Palmen  geliefert. 

Die  Fauna  ist  im  ganzen  ärmer  als  die  Flora,  jedoch  ist 
ihre  Verbreitung  eine  grössere.  Es  wurde  bisher  folgendes 
gefunden : 

I.  Wirbelthiere. 

Pidasotherium  mediu/m  Cuv.,  von  H.  v.  Matee  be- 
stimmt. Ein  Unterkiefer^  und  vereinzelte  Zähne  aus  dem  Brunn- 
statter  Steinbruch.  Ferner  ein  isolirter  Eckzahn  von  Bix- 
heim.  Ich  möchte  letzteren  auch  zu  P.  medium  stellen  und 
ihn  als  linken,  oberen  Caninen  ansprechen,  indem  er  nur  an 
seiner  vorderen  Schmelzkante  eine  schwache  Usur  zeigt.  Güvieb 
gibt  folgende  Beschreibung  des  Palaeotherium-EckzahneQ.  Oss. 
foss.j  III,  pag.  6.  «La  canine  n'est  polnt  une  defense  .  .  .  ., 
c'est  un  simple  cöne  oblique,  un  peu  arqu^,  dont  la  face  in- 
terne est  un  peu  plane,  et  Fexteme  plus  qu'un  demi-cöne.  Les 
faces  sont  distingu6es  par  deux  arStes  longitudinales  et  leur 
base  est  entour^e  de  la  mfime  ceinture  que  Ton  voit  aux  mo- 
laires.**  Alles  dies  gilt  für  unseren  Zahn,  nur  dass  die  In- 
nenseite recht  stark  abgeflacht  ist.  Der  Zahn  ist  auf  Tf.  III, 
Fig.  17  wegen  seiner  auffallenden  Form,  abgebildet*. 

Theridomys  sp.  Erwähnt  Geeppin  (p.  159)  von  Klei n- 


1.  Dieser  Unterkiefer  wird  im  Mnseum  der  Soc.  indast.  zu  Mülhausen  auf- 
bewahrt. 

2.  Aus  dem  Badischen  ist  das  VorlLommen  von  Palaeotherhim  magnum  Gdv. 
in  dem  Sandstein  von  Pfaffenweiler  südlich  von  Freiburg  beliannt.  Vermuthlich 
gehören  die  Schichten  zum  Unt.  Olig.  Beitr.  zur  StatistilL  der  inneren  Verwaltung 
des  Orossherzogthums  Baden,  XII,  p.  20,  1862. 


74 

Kembs.     Diejenigen  Reste,  welche  mir  von    dieser  Lokalität 
vorliegen,  erlauben  nicht  die  Bestimmung  der  Species. 

Schildkröten.  Ueberreste  einer  Schildkröte  {Emys  sp.) 
gibt  Sakdbeboeb (pg.  327)  von  Klein-Eembs  an.  DsiiBOsund 
KöcHLiN-ScHLUMBEBOEB  (pg.  16)  erwähueu  Schildkröten?  Eier 
von  Morvillars. 


2.  Conchylien  des  Melanienkalkes. 

1.  Neritina  brevispira  Sandbg.,  L.  Sw.  C,  Tf.  XVI, 
Fig.  17,  pag.  322.  Als  Seltenheit  bei  Klein-Kembs,  ferner  bei 
Illfurt. 

2.  Melania  Lauras  Matb^bon.  Als  Md.  Eschen 
Bbong.  v.Laurae  Math,  in  Sanbbo.,  L.  Sw.  C,  pg.  323,  Tf.  XVII, 
Fig.  17.  Diese  häufigste  Art  im  Brunnstatter-Ealk ,  welche  oft 
ganze  Schichtflächen  bedeckt  und  Veranlassung  zu  dem  Namen 
Melanienkalk  gibt,  gehört  zu  der  Gruppe  der  M.  Escheri. 
Bbong.  Von  Mebian  und  Delbos  wurde  sie  geradezu  als 
M.  Escheri  bezeichnet.  Sakdbeboeb  führt  sie  als  Varietät  Laurae 
der  obengenannten  Art  auf,  und  Gbeppin  als  M.  Laurae 
(=  M.  Koechlini  Gbepp.).  Die  verbreitete  Gruppe  der  M. 
Escheri^  zu  welcher  wir  wohl  auch  die  üf.  cdpina  May.  und 
die  M.  aUngensis  NoüIi.  zählen  müssen,  reicht  vom  Eocän  bis 
in  das  Miocän,  woselbst  sie  ihr  Maximum  erlangt.  Sanbbeboee 
unterscheidet  6  Varietäten  der  ächten  Jf.  Escheri.  Im  Oligo* 
cän  var.  bicincta  Sd.;  im  Miocän  var.  ecostata  Sd.,  var.  aquita- 
nica  (Noüii.),  var.  grossecostulata  Sd.  und  var.  rotundata  Sd. 
Die  letzte  dieser  Varietäten,  bei  welcher  namentlich  die  Quer- 
leisten in  grosser  Zahl  und  sehr  gleichmässig  entwickelt  sind, 
findet  sich  im  Miocän  von  Vermes  bei  Delsberg.  Sie  Uegt  mir 
in  grosser  Zahl  aus  der  GnEPPiNSchen  Sammlung  vor.     Diese 


75 

Varietät  ist  es,  welche,  wie  schon  SANBBEBaEB  bemerkt  hat,  sich 
der  M.  Laurae  am  meisten  nähert.  Sie  gleicht  namentlich 
jugendlichen  Exemplaren  von  Elein-Kembs,  jedoch  kommt  bei 
V.  rotundata  niemals  bie  knotige  Sculptur  auf  der  letzten  Win- 
dung zu  Stande.  Femer  gilt  noch  als  Unterschied,  abgesehen 
von  der  charakteristischen  Sculptur,  dass  M.  Laurae  grösser, 
gedrungener  ist  und  eine  rundere  Mündung  besitzt  als  der 
Typus  oder  die  Varietäten  der  M.  Eschen. 

Das  im  Alter  decollirte  Gehäuse  der  üf.  Laurae  hat  eine 
Länge  von  50 — 60  mm,  während  die  Breite  gegen  20  mm  (an 
nicht  comprimirten  Steinkemen)  beträgt.  Bei  ausgewachsenen 
decoUirten  Stacken  zählt  man  meist  G--?  Umgänge,  während 
etwas  jüngere,  die  noch  nicht  so  stark  abgeworfen  haben,  8 
Umgänge  zeigen;  die  totale  Windungszahl  würde,  wenn  alles 
erhalten  bliebe,  sich  sogar  auf  etwa  17  Umgänge  belaufen.  Die 
Spitze,  welche  sich  an  den  zahlreichen  jugendlichen  Exemplaren 
beobachten  lässt,  ist  ungemein  schlank.  Die  ersten  6  Windungen 
messen  zusammen  nur  2  mm;  auch  sind  dieselben  glatt  und 
erst  auf  der  5.  oder  6.  zeigen  sich  Querleisten.  Die  Zahl  der 
Querleisten  beträgt  auf  einem  Umgang  durchschnittlich  10  und 
wird  auf  den  unteren,  breiten  Windungen,  wo  sie  in  der  Regel 
ganz  obliteriren,  nicht  vermehrt.  Zwischen  den  Querrippen 
stehen  feine,  unregelmässige  Anwachsstreifen,  welche  nach  der 
Mündung  zu  gröber  werden ;  in  dem  Maasse  wie  die  Querrippen 
verschwinden.  Ferner  sind  4 — 6  Längskiele  vorhanden,  welche, 
auf  den  unteren  Windungen  namentlich,  stark  hervortreten  und 
deren  Zahl  auf  dem  letzten  Umgange  meist  7  beträgt.  An  den 
Ereuzungspunkten  der  Längskiele  mit  den  Querleisten  bilden 
sich  kleine  Knoten ;  ihre  Zahl  ist  auf  der  letzten  Windung  sehr 
vermehrt,  indem  auch  die  Anwachsstreifen  sich  an  deren  Bil- 
dung betheiligen.  Es  entsteht  auf  diese  Weise  die  für  M.  Laurae 
so  bezeichnende  Gitterung. 


76 

Bei  der  grossen  Häufigkeit  ist  natürlich  eine  gewisse  Varia- 
bilität nichts  Auffallendes.  Die  Sculptur  ist  wechselnd  stärker 
oder  schwächer  ausgebildet  und  die  E^nötchen  erscheinen  manch- 
mal in  der  oberen  Reihe  etwas  dornig. 

Melania  Laurae  findet  sich  bei  Klein-Eembs,  Brunn- 
statt, in  den  Steinbrüchen  bei  Mülhausen  (Tannenwald), 
bei  Riedisheim,  Nieder-Spechbach*,  Morvillars  und 
wird  ausserdem  von  Sakbbebgeb  aus  den  Mergeln  von  Apt 
erwähnt. 

3.  Mela/napsis  (Macroaplra)  Mumsiana  Nodl.  var. 
Sandb.,  L.  Sw.  C,  p.  324,  Tf.  XVIII,  Fig.  2.  Dieselbe  unter- 
scheidet sich  von  dem  Typus,  welcher  im  Palaeotherienkalk  von 
Süd-Frankreich  vorkommt,  durch  ihre  nicht  so  stark  verlängerte 
Spitze.  Sie  liegt  mir  von  Klein-Eembs,  Illfurt  und 
Nieder-Spechbach  vor,   wo  sie  überall   ziemlich  häufig  ist. 

4.  Melanopsis  ct.  carinata  Sow.  vcM^m  Neben  Mela- 
nopsis  Mansiana  findet  sich  bei  Illfurt  noch  eine  zweite  Art, 
welche  durch  ihre  seicht  ausgehöhlten  Umgänge  und  ihren  scharfen, 
an  der  Naht  dachförmig  überstehenden  Kiel  leicht  zu  unter- 
scheiden ist.  Das  ganze  Gehäuse  hat  durchaus  einen  an  PyrgtUa 
erinnernden  Habitus.  Die  englische  M.  carinata  Sow.  steht 
unserer  Art  nahe.  Sie  ist  sehr  verbreitet  und  reicht  vom  Ober- 
eocän  (R  all  in  gen)  bis  in  das  Mitteloligocän.  Ich  glaube,  dass  wir 
unsere  Art  als  Varietät  derselben  ansehen  müssen,  indem  sie 
sich  folgendermassen  unterscheidet :  Sie  ist  schlanker  und  spitzer 
und  zeigt  noch  schärfere  Nahtkanten.  Die  Mündung  konnte  ich 
leider  nicht  untersuchen. 

5.  Newiatura?  sp.  Sandbo.,  L.  Sw.  C,  pg.  326,  Tf. 
XVin,  Fig.  9.  Nur  einmal  bei  Klein-Kembs  gefunden. 


1.  Der  für  die  Melanienkalk-Concbylien  erwähnte  Steiobrucb,  zwischen  Nieder- 
Spechbach  und  Illfurt,  ist  nicht  mit  dem  nahe  dabei  gelegenen  Sandsteinbruch 
zu  verwechseln,  welcher  früher  die  Fflanxenreste  geliefert  hat. 


77 

6.  Hydrobia  indifferena  Sdbg,  L.  Sw.  C,  pg.  324, 
Tf.  XVIII,  Fig.  4.  —  Tf.  III,  Fig.  5.  Die  Steinkerne  zeigen  5-6 
Umgänge  und  messen  2,6  mm.  Die  Nähte  sind  tief,  die  Schale 
ist  fast  glatt.  Bei  dem  von  Sandbebgeb  abgebildeten  Exemplar 
dürfte  der  letzte  Umgang  verzeichnet  sein;  wenigstens  begegnete 
mir  kein  Exemplar,  welches  mit  seiner  Abbildung  übereinstimmt. 
Ziemlich  selten  bei  Klein-Eembs  und  bei  Brunnstatt.  Schlan- 
kere Exemplare  von  Hydrobien  mit  6 — 7  Umgängen,  welche 
sich  vielleicht  an  diese  Art  anschliessen,  fand  ich  im  Abdruck 
bei  Nieder-Spechbach. 

7.  Vaivata  circinata  Meb.  sp.,  Sandbg.,  L.  Sw.  C,  pg. 
324,  Tf.  XVin,  Fig.  5.  Da  das  von  Sakdbebgxb  abgebildete 
Exemplar  etwas  zu  flach  erscheint,  so  wurde  auf  If.  III,  Fig.  6 
von  neuem  die  Abbildung  eines  Steinkemes  dieser  häufigen 
kleinen  Art  gegeben.  Das  Gehäuse  hat  keinen  sehr  weiten 
Nabel,  zeigt  3 --4  Umgänge  und  erreicht  bis  zu  1,5  mm  Höhe. 
Für  eine  so  kleine  Vaivata  hätten  wir  es  mit  einer  sehr  hoch 
gewundenen  Form  zu  thun,  welche  in  der  Gestalt  an  Ämnicola 
erinnert.  Brunnstatt,  Klein-Eembs,  Nieder-Spechbach 
und  Rixheim. 

?  JPcaudina  viviparoides  Bronn.  =  P.  Hammeri  Defb. 
wird  von  Gbeppin  (pg.  160)  von  Klein-Eembs  erwähnt.  Weder 
ich,  noch  so  viel  ich  weiss  irgend  jemand  anders,  hat  je  im  Mela- 
nienkalk eine  grosse  Paludinen-Art  beobachtet.  Auch  befindet  sich 
in  der  GsEPPiNSchen  Sammlung  kein  Fossil  mit  der  obigen  Be- 
zeichnung. Vielleicht  dürfte  ein  Irrthum  vorliegen. 

8.  NysHa  polita  F.  Bdw.  sp.  Die  beiden  Stücke,  welche 
zu  dieser  Art  gehören,  stammen  von  Brunnstatt.  Das  kleine 
decollirte  Gehäuse  hat  eine  Länge  von  6  mm,  eine  Breite  von 
3,8  mm  und  zeigt  3 — 4  Umgänge.  Die  Nähte  sind  schmal  und 
die  Windungen  sehr  flach.  An  dem  am  besten  erhaltenen  Stück 
sind  Spuren  von  einem  Nabelritz   zu   erkennen.  Die  Mündung 


78 

ist  spitzig  eiförmig,  der  Mundrand  ist  am  oberen  Theil  verdickt 
und  schwach,  unten  starker  umgeschlagen.  Diese  im  Obereocän 
der  Headon-Series  verbreitete  Art  kenne  ich  aus  dem  Elsass 
nur  von  Brunnstatt. 

9.  Planarbis  cf.  gonioboMs  Sandbo.  Derselbe  wird  als 
PL  rotundaius  Bbabd.  bei  Dxlbob  (pg.  17)  von  Brunnstatt 
und  Morvillars  und  bei  Gseppin  (pg.  159)  auch  noch  von 
Elein-Kembs  erwähnt  Das  thatsächliche  Vorkommen  eines 
wohl  hierher  gehörigen  grossen  Planorbis  könnte  ich  femer  bei 
Eötzingen  und  Nieder-Spechbach  beobachten.  Die  Art 
ist  selten  und  der  Erhaltungszustand  ungenügend. 

10.  JPlanarbis  pateUa  Sand.,  L.  Sw.  C,  pg.  324,  Tt 
XVm,  Fig.  6.  Nicht  häufig  bei  Klein-Eembs,  Brunnstatt, 
Mülhausen  (Tannenwald)  und  Rixheim. 

11.  Plonorftfe  sp.  Sand.,  L.  Sw.  C,  pg.  325.  Noch  ein 
anderer  kleiner  «egmentiner  Planorbis  aus  dem  Melanienkalk 
wird  von  Sandbsbgeb  erwähnt,  welcher  zwischen  PI.  Chertim 
(Ob.  Eoc.)  und  PI.  Lartetii  (lüoc.)  stehen  soll.  Ich  habe  mir 
kein  gutes  Exemplar  davon  verschaffen  können. 

12.  Limnea  tnarginata  Sand.,  L.  Sw.  C,  pg.  325, 
Tf.  XVIII,  Fig.  7.  Die  häufigste  Limnea  im  Melanienkalk,  deren 
Mündung  allerdings  noch  unbekannt  ist  In  ihrer  Form  ist 
diese  lAmnea^  welche  der  L.  strigosa  Bsoiia.  von  Pantin  sehr 
nahe  stehen  soll,  ziemlich  variabel.  Kleinere,  spitze  Exemplare 
mit  flachen  Nähten  und  glatter  Schale  gleichen  oft  der  L.  elon- 
gaia  M.  de  Sebbbs  aus  dem  Bembridge-Kalk.  Alle  3  soeben 
genannten  Limneen  gehören  in  die  Gruppe  des  L.  longiscaia 
Bbgug.,  welche  für  das  Obereocän  bezeichnend  ist  Ganz  typische 
Exemplare  sind  häufig  bei  Klein-Kembs,  abweichende  Stücke 
finden  sich  bei  Brunnstatt,  Altkirch,  etc. 

13.  Limnea  fusifamUs  Sow.  Dieselbe  wird  von  Delbos 
(PS*  17)  aus  dem   Kalk  von  Morvillars  erwähnt  Steinkerne, 


79 

die  wahrscheinlich  hierher  gehören,  besitze  ich  von  Brunnstatt. 
Ferner  liegt  mir  ein  auffallend  spitz  aufgewundenes  Steinkern- 
fragment von  Kötzingen  vor,  welches  jedenfalls  nichts  mit 
Z.  marginata  zu  thun  hat.  (I]f.  111,  Fig.  8  neben  L.  marginata, 
Fig.  7,  letztere  Skizze  nach  Sandbeboeb  XYIII,  7  a.) 

14.  Limnea  polita  Mee.  ined.  Tf.  III,  Fig.  10. 
Mebian  gibt  folgende  Beschreibung  ohne  Abbildung:  ,,9  Win- 
dungen, 9'/«  mm  lang,  3  mm  breit,  Naht  kaum  sichtbar. 
Selten. "  Sandbebgeb  vermuthet,  dass  diese  Limnea  eine  Oleacina 
sei.  Eine  genau  auf  Mebianb  Diagnose  passende  Form  fand  ich 
nicht  im  Melanienkalk,  jedoch  liegen  mir  verschiedene  Exem- 
plare einer  sehr  schlanken  Limnea  vom  Habitus  unserer  recenten 
L.  glabra  Müll.  vor.  Es  mag  sein,  dass  Mebians  L.  polita 
einen  extremen  Fall  unserer  ziemlich  variablen  Formen  darstellt. 

Das  kleine,  ungemein  schlanke  Gehäuse  ist  spitzkegel- 
formig  und  besitzt  sehr  flache  Nähte.  Die  Schale  erscheint  im 
Abdruck  fast  glatt,  kaum  merklich  gestreift.  Bei  einer  durch- 
schnittlichen Grösse  von  12  mm  sind  meist  6 — 7  Umgänge 
vorhanden,  lieber  die  Mändung  lässt  sich  noch  nichts  aus- 
sagen.   Selten  bei  Brunnstatt  und  Nieder-Spechbach. 

15.  Idmnea  svbpoUta  n.  sp.  Tf.  III,  9— 9c.  Steht 
der  vorigen  Form  sehr  nahe  und  gehört  auch  zur  Gruppe  der 
L.  glabra.  Sie  unterscheidet  sich  durch  ihre  bedeutendere 
Grösse  und  ihre  relativ  geringere  Windungszahl.  Das  Gehäuse 
ist  spitz  kegelförmig,  am  oberen  Ende  convex  conisch.  Die  Nähte 
sind  sehr  flach  aber  deutlich.  Die  Windungen  sind  kaum  ge- 
wölbt, mit  Ausnahme  des  letzten,  sehr  niedrigen  Umgangs, 
welcher  etwas  gerundet  ist.  Die  Form  zeigt,  bei  einer  Länge 
von  ungefähr  20  mm,  6  Umgänge  und  6—7  mm  Breite.  Die 
Grösse  kann  jedoch  eine  beträchtlichere  werden,  indem  ein 
Bruchstück,  welches  nur  die  2  letzten  Umgänge  zeigt,  die  gleiche 
Länge  erreicht  und  etwa   8  mm  Breite  hat.  Nach   den  Stein- 


80 

kernen  zu  urtheilen,  war  die  Spindelfalte  kräftig  entwickelt. 
Die  Mündung  war  spitz  eiförmig  und  sehr  kurz.  Die  Schale 
war  glatt.  L.  sübpoUta  findet  sich  bei  Brunnstatt  selten.  In 
etwas  unsicheren  Resten  kenne  ich  sie  femer  von  Rix  he  im 
und  aus  den  HomsteinknoUen  von  Riedisheim. 

16.  Idfnneact.erasstUaDEsn.  Tf.  III ^  Fig.  U  a,  b. 
Eine  kleine,  bauchige  Limnea  mit  tiefen  Nähten  liegt  mir  von 
Eötzingen  vor.  Dieselbe  ist  meist  nur  7  mm  lang,  5  mm 
breit  und  hat  4  Umgänge;  dass  dieselbe  viel  grössere  Dimen- 
sionen erlangen  kann,  ist  aus  einigen  Steinkemenfiragmenten  des 
gleichen  Fundortes  zu  ersehen.  Eines  derselben,  welches  nur 
2  Umgänge  hat,  misst  1 3  mm.  Diese  Limnea  ist  der  X.  oUvula 
von  Buchsweiler  nicht  unähnlich,  gleicht  aber  noch  mehr  der 
L.  crassula  Desh.  aus  demObereocän  von  Cherry-Chartreuve. 
Sehr  kleine  Steinkeme (3 — 4  mm)  von  Rixheim,  welche  Gbbppin 
als  L.  Ovum  Bbg.  bestimmte,  dürften  auch  hierher  gehören.  Eine 
sichere  Bestimmung  war  deshalb  unmöglich,  weil  die  Mündung 
unbekannt  ist. 

17.  Olandina  cf.  costeUata  Sow.  sp.  Ein  Bruchstück 
einer  grossen  Glandine  sammelte  ich  bei  Klein-Kembs.  Die  feine, 
gekömelte  Sculptur  erinnert  an  diejenige  der  Gl.  costeUata  Sow. 
sp.  aus  dem  Bembridge-Kalk  und  von  Villeneuve. 

Heliceen  kommen  im  Melanienkalk  mehrere  Arten  vor,  welche 
alle  recht  selten  sind.  BIerian  erwähnt  deren  drei  ohne  Benennung  mit 
folgender  GharakterlBtik : 

sp.  a.  « Gross,  gewöhnlich  plattgedrückt,  mit  Spuren  eines  Bandes, 

25  mm  Durchmesser,  4 — 4V«  Windungen.» 

sp.  b.  «Kleiner,  10  mm,  4 — 4Vt  Windungen,  ziemlich  flach.» 
sp.  c.  aGaoz  klein,  4—5  Windungen,  kegelförmig  aufgerollt.  Der 

Abdruck  der  Schale  ist  gerippt  oder  fein  gestreift.» 

18.  ?  Strobüa    pseu^doltMbyrinthica    Sandr  In  die 

Nähe  von  dieser  Art  dürfte  vielleicht  die  von  Delbob  erwähnte 


81 

Helix  lahyrinihica  Sat.  gehören  und  diese  würde  dann  der  sp. 
c.  von  Mebian  entsprechen.  Die  in  Nord-Amerika  recente  8t 
Idbyrinihica  Sat.  steht  der  obereocänen  SL  pseudolabyrtnthica 
Sanbb.  (Headon-Hill  S.)  nahe,  und  diese  wiederum  der  noch 
wenig  bekannten  St  suUdbyrinihica  F.  Edw.  aus  den  Bem- 
bridge  Series,  mit  welcher  sie  vielleicht  sogar  ident  ist.  Ich 
beobachtete  nur  einen  kleinen  Abdruck,  welcher  die  erforder- 
liche Sculptur  und  5  Umgänge  zeigte  beiNieder-Spechbach, 
als  weiterer  Fundort  wäre  Brunnstatt  zu  nennen. 

19.  SLelix  sp.  ined.  Tf.  III,  Fig.  4  a,  h.  Von  Delbob 
und  von  Gbeppin  wird  Helix  resp.  Nanina  occlusa  F.  Edw.  sp.  von 
Brunnstatt  erwähnt.  Ich  habe  dieselbe  bisher  niemals  von 
dort  gesehen.  Hingegen  liegt  mir  ein  vereinzelter  Steinkem 
von  diesem  Fundpunkte  vor,  welcher  etwa  die  Grösse  der 
N.  occlusa  hat  und  welcher,  wenn  er  plattgedrückt  wäre  oder 
sich  nicht  aus  der  Gesteinsmasse  herauslösen  liesse,  wohl  mit 
dieser  verwechselt  werden  könnte.  Unsere  Abbildung  Tf.  III, 
Fig.  4  zeigt  jedoch,  dass  wir  es  mit  einer  anderen  Species 
zu  thun  haben,  indem  schon  allein  der  viel  stärkere  Kiel  die- 
selbe leicht  von  N.  occlusa  unterscheidet.  Da  die  Mündung  mir 
unbekannt  ist,  muss  ich  auf  die  nähere  Fixirung  der  Art  ver- 
zichten und  möchte  nur  darauf  aufmerksam  machen. 

20.  Nanina  KöcMini  n.  sp.  (Wahrscheinlich  die  Species 
a  von  Mebian)  Tf.  III,  Fig.  3 — 3d.  Aus  dem  Kalk  von  Brunn- 
statt liegen  mir  6  mehr  oder  weniger  gute  Steinkerne  einer 
schönen,  grossen  Nanina  vor.  Der  Durchmesser  beträgt  20  bis 
25  mm,  die  Höhe  gegen  12  mm  und  die  Anzahl  der  Umgänge 
beläuft  sich  auf  4 — 5.  Das  Gehäuse  ist  ziemlich  weitläufig  auf- 
gewunden, niedergedrückt,  oben  flach  gewölbt  und  war  auf  der 
Unterseite  jedenfalls  verdeckt  genabelt,  wie  dies  der  Eindruck 
am  Steinkern  (Fig.  3  b,  Tf.  IIT)  andeutet.  Auf  dem  Steinkerne 
erscheint    der  Nabel    fein  stichförmig.   An  der  Peripherie  war 

IIT.  0 


82 

die  Schale  ohne  jedwede  Kielandeutung  spitz  zugemndet  Die 
Nähte  sind  sehr  flach  und  die  Umgänge  sind  mit  sehr  feinen, 
unregehnässigen  Anwachslinien  bedeckt.  Die  schräge  Hündnng 
besass,  mit  Ausnahme  des  umgeschlagenen  Spindelsaumes,  scharfe 
Bänder.  Die  nächst  verwandte,  fossile  Art  dürfte  Nanina  intri- 
cala  NouL.  sp.  sein,  dieselbe  ist  jedoch  nicht  so  flach  und 
überhaupt  gedrungener  als  N.  Koechlini  und  findet  sich  im 
Unteroligocän  von  Mas  Saintes  Puelles  und  Villeneure. 

2 1 .  Megalanuutanha  fnumia  Lmu  sp.  (=  Cydosioma 
Koechlinianum  Msbiak,  in  Sakdb.,  L.  Sw.  C,  pg.  326,  Tl  XVIII, 
Fig.  10,  als  Megdlom.  Koechlinianum  Meb.  sp.)    Auf  diese  im 
Melanienkalk  so  häufig  vorkoounende  Megcdomastama  wurde  Ton 
Mebiah  zuerst  hingewiesen;  er  nannte  dieselbe  CycL  Koechlima- 
num  und   gibt  folgende  Beschreibung:    « Ausgewachsen  mit    7 
Windungen,    18  Vi  nun   lang.   Aehnlich   dem    (7.   Mumia   Lmk. 
aus  dem  Pariser  Süsswasserkalk*'.  Spätere  Autoren,  wie  Delbos 
und  Gbkppik,  Tereinigen  dieselbe  mit  Jf.  mumia^  während  Sand- 
BEBGEB  dieselbe  noch  als  eigene  Species  festhält  Derselbe  sagt 
in  seinen  Land-  und  Sussw.-Conch.,  pg.  326:  , Schon  von  Mebian 
wurde   die   Aehnh'chkeit  mit  M.  mumia  hervorgehoben,   sie  ist 
in  der  That  sehr  gross,    doch  zeigt  M.  Koechlinianum  9  statt 
8  flachere,  an  der  Naht  kantige  Umgänge,   eine  weit    feinere 
Sculptur  und  auch  die  Bänder  der  Mündung  sind  viel  weniger 
stark  ausgebreitet  als  bei  M.  mumia.^   Beim  Vergleich  einiger 
Exemplare  aus  dem  Grobkalk  mit  einer  grossen  Zahl  von  Stücken 
aus   dem  Melanienkalk  konnte  ich  keinen  wesentlichen  Unter- 
schied finden,  der  mich  veranlasste  die  beiden  Arten  zu  trennen. 
1.  Was    die  Anzahl    der  Windungen    betrifft,    so  ist   der  von 
Sandbebgeb  angegebene    Unterschied  nicht    stichhaltig.    Sakb- 
BKBasB  sagt   selbst    an  anderer  Stelle,  bei  Beschreibung  der 
M.  mumia j  die  Schale    ,  besteht  aus  9  flach  gewölbten  an  den 
Nähten  gerandeten  Umgängen  **.   Bei  den  Grobkalk-Exemplaren 


83 

sind  allerdings  häufig  die  Spitzen  abgebrochen,  während  sie  bei 
den  Stücken  aus  dem  Melanienkalk  in  der  Kegel  erhalten  sind. 
2.  Dass  die  Umgänge  bei  M.  Koechlinianum  flacher  sind  als 
M.  mumia,  konnte  ich  bei  gut  erhaltenen  Exemplaren  nicht 
wahrnehmen,  höchstens  hat  dies  den  Anschein  bei  den  so  häufig 
platt  gedrückten  Individuen.  3.  Die  eine  Art  hat  an  der  Naht 
kantige,  die  andere  gerandete  Umgänge;  auch  hier  war  es  mir 
nicht  möglich,  einen  Unterschied  zu  constatiren.  4.  Die  Sculptur 
ist  bei  meinen  Exemplaren  durchaus  gleich.  5.  Schliesslich  sind 
auch  die  Mündungsränder  gleich  weit  ausgebreitet,  wovon  ich 
mich  namentlich  durch  Yergleichung  von  Wachsabdrücken  der 
Mündung  von  M.  mumia  mit  entsprechend  grossen,  nicht  defor- 
mirten  Steinkernen  der  M.  Koechlinianum  überzeugte.  Meistens 
lässt  allerdings  die  schlechter  erhaltene  M.  Koechlinianum  fast 
nichts  von  den  Mündungscharakteren  erkennen.  Als  einzigen 
Unterschied  möchte  ich  geltend  machen,  dass  die  Exemplare 
aus  dem  Brunnstatter-Kalk,  abgesehen  von  der  Variabilität, 
durchschnittlich  etwas  kleiner  und  dünnschaliger?  (vielleicht 
Erhaltungszustand  z.  Th.)  sind,  als  die  Pariser  Stücke.  Man 
könnte  hierauf  kaum  eine  Varietät  begründen.  Wir  schliessen 
uns  deshalb  der  Ansicht  von  Delbos  und  Gbeppin  an  und 
bezeichnen  die  Megalomastoma-Att  aus  dem  Melanienkalk  als 
Jf.  mumia  Lmk  sp. 

Das  Auftreten  dieser  Art  im  Melanienkalk  ist  durchaus  nicht 
befremdend.  M.  mumia  findet  sich  im  oberen  und  mittleren 
Grobkalk  in  den  Sables  moyens  und  reicht  hinauf  bis  in  den 
Bembridge-Ealkstein.  Aus  dem  Melanienkalk  kenne  ich  sie  von 
Elein-Kembs,  Brunnstatt,  Kixheim,  Flaxlanden, 
Spechbach  undMülhausen  (Tannenwald)  überall  häufig. 

22.  Auricula  (Alexiä)  atsatica  Mer.,  ly.  III,  läa—c. 
Von  Sanbbebgeb  als  Melampus  alsaticus  Meb.  sp.  beschrieben 
und  abgebildet  (pg.  325,  Tf.  XVIII,  Fig.  8).  Die  Gattung  Melam- 


84 

pus*  besitzt  einen  scharfen  äusseren  Muudsaom,  was  bei  A.  alsa- 
iica  nicht  der  Fall  ist.  Man  erkennt  deutlich  die  umgeschlagene 
Lippe,  wenn  die  Steinkerne  noch  im  Gestein  festsitzen  und 
noch  nicht  losgebrochen  sind.  Die  oceanische  Gattung  Laimo- 
donta,  mit  welcher  Sandbeboeb  A.  dlsatica  ganz  speciell  ver- 
gleichen möchte,  ist  ebenfalls  recht  verschieden  und  namentlich 
durch  ihre  äussere  Spiralsculptur  gekennzeichnet,  von  der  bei 
A.  dlsatica  jede  Spur  fehlt.  Die  schwierige  Frage  ist  nun,  in 
welche  Gruppe  soll  A.  aUaiica  eingereiht  werden.  Indem  wir 
dieselbe  zu  Alexia  stellen,  kommen  wir  in  gewissem  Grade  wieder 
auf  die  alte  MEBiAKSche  Ansicht  zurück,  welcher  A.  alsaüca 
mit  A.  myosotis  vergleicht.  Hierbei  ist  jedoch  festzuhalten,  dass 
manche  fossilen  Alexien,  namentlich  die  älteren  (im  Oligocän), 
von  den  reeenten  und  jängeren  Formen  abweichen  und  sich 
der  Gattung  Pyihiopsis  nähern.  Sie  zeigen  grosse  Neigung  zur 
Compression  des  Gehäuses.  Zu  diesen  Formen,  zu  welchen  z.  B. 
auch  die  Alexia  depressa  BöTxa.  aus  dem  Cyrenenmergel  und 
die  A.  Böttgeri  Met.  aus  dem  Meeressand  gehören,  möchte 
ich  auch  die  A.  alsatica  rechnen. 

Das  von  vom  nach  hinten  comprimirte  Gehäuse  wird  meist 
gegen  12  mm  lang,  gegen  6  mm  breit  und  gegen  4  mm  dick. 
Es  besitzt  7  flache  Umgänge,  welche  durch  gerandete  Nähte 
getrennt  sind,  und  hat  eine  dünne,  fein  gestreifte  Schale.  Auf  dem 
letzten  Umgange  befindet  sich,  der  Mündung  gegenüber,  ein  schrä- 
ger Wulst.  Dieser  Wulst,  welcher  eine  periodische  Mündung  andeu- 
tet, erscheint  auf  der  letzten  Windung  des  Steinkernes  als  Furche. 
Er  entspricht  den  längs  der  ganzen  Peripherie  der  Schale  ver- 


1.  Die  Eintheilung  der  Aaricoliden  von  Adams  in  zwei  grosse  AbUieilangcn 
nach  der  Beschaffenheit  des  äusseren  Mundrandes  in:  1)  Bielampidae  mit  scharfer, 
2)  Aaricnlidae  s.  s.  mit  verdickter  oder  umgeschlagener  äusserer  Lippe,  ist  unzu- 
lässig und  wurde  nicht  beibehalten.  Melampus  ist  also  nur  als  Gattungsname  ge- 
braucht. 


85 

laufenden  Varices  von  Fythiopsis.  Die  Scheidewände  der  älteren 
Windungen  werden  im  Innern,  wie  bei  den  anderen  Alexien, 
beim  Weiterwachsen  vollständig  resorbirt.  Der  rechte  Mundsaum 
ist  lippenartig  verbreitert  und  verdickt;  in  der  Mitte  zeigt  er 
einen  sehr  schwachen,  schräg  nach  Innen  laufenden  Schmelzzahn. 
Eine  Neigung  zum  Umschlagen  des  Perisoms  ist  auch  bei 
anderen  Alexien  vorhanden.  Auf  der  Mündungswand  steht  oben 
eine  kleinere,  darunter  eine  kräftige,  mehr  horizontale  Falte, 
hierauf  folgt  die  Spindel  mit  einer  dritten  Falte.  Die  Art  findet 
sich  meist  nur  in  Steinkernen,  selten  mit  erhaltener  Schale.  Sie 
ist  ziemlich  häufig  bei  Brunnstatt,  selten  bei  Klein-Kembs'. 
23.  Auricula  (Alexiä)  sundgoviensis  n.  sp.  Tf.  III, 
Fig.  13—15.  Obwohl  ich  die  MEBiANSche  Ä.protensa  neben  der 
Ä.  aUatica  nicht  auffinden  konnte,  so  überzeugte  ich  mich  doch 
von  dem  Vorhandensein  noch  einer  anderen  Art  im  Melanien- 
kalk. Diese  Art,  welche  ich  einstweilen  auch  zu  Alexia  stelle, 
ist  kleiner,  seltener  und  noch  nicht  vollständig  gekannt.  Das 
Gehäuse  ist  ähnlich  demjenigen  der  A.  alsatica,  jedoch  etwas 
schwächer  comprimirt.  Die  Spitze  bildet  einen  stumpferen  Kegel 
als  bei  dieser  Art.  Exemplare  von  3  mm  zeigen  bereits  5  Um- 


1.  Von  MsaiAN  werden  zwei  Äuricula-kriea  aus  der  Gegend  von  Mülhausen 
angeführt. 

1)  A.  ahatica  a  ausgewachsen  7  Windungen,  13—13,5  mm  lang,  6  mm  breit. 
Aehnlich  der  in  der  Provence  und  Italien  lebenden  A.  myosotis.  Häufig. • 

2)  A,  protensa  Meh.  «  10,5  Windungen,  14,5  mm  lang,  \  mm  breit.  Zeigt 
eine  lange  ausgebreitete  Lippe  und  eine  Rinne  auf  den  Windungen  der  SteinlLcrne. 
Selten. » 

Greppin  identifizirt  die  A.  protensa  Mer.  mit  der  A,  depressa  Desh.  und  die 
A.  alsatica  mit  der  A,  Dutemplei  Desh.  Nach  dem  mir  Yorliegenden  Material, 
welches  auch  die  von  Greppin  gesammelten  Stucke  enthalt,  scheinen  alle  grösseren 
Exemplare  zu  einer  und  derselben  Art  zu  gehören,  soweit  es  mich  der  zuweilen 
schlechte  Erhaltungszustand  beurtheilen  lasst.  Eine  Identifizirung  mit  den  sehr 
seltenen  Arten  des  Pariser  Beckens  halte  ich  für  unstatthaft.  Abbildung  und  nähere 
Beschreibung  der  llERiANSchen  Originale  wäre  sehr  wünschenswerth. 


86 

g^ge  (Fig-  13)i  >^elche  eben  so  flach  erscheinen  wie  bei  der 
vorigen  Art.  Die  Anzahl  der  Spindelfiilten  ist  grösser.  Es  stehen 
anf  der  Mündongswand  2  kleinere  Falten  oberhalb  der  Hanpt- 
falte,  nnd  zwischen  dieser  nnd  der  Falten  tragenden  Spindel 
ist  noch  eine  schwache  Faltenandentnng  eingeschaltet  (Fig.  14  a). 
Am  wichtigsten  ist  jedoch  der  Unterschied,  dass  der  änssere 
etwas  umgeschlagene  Mundrand  im  Inneren  3  Schmelzzähne 
tragt  (Fig.  13,  lAb,  15).  Die  abgebildeten  Exemplare  wurden 
ans  einem  Kalkstück  von  Brannstatt  heranspräparirt 

24.  f  Cyclas  sp.  Von  Mketaw  folgendermassen  angefahrt: 
aNor  einmal  gefunden,  Wirbel  nicht  sehr  excentrisch,  ziemlich 
starke  Falten  auf  dem  Steinkem.*  Vielleicht  eine  Cyrena^ 
welche  sich  in  den  Steinmergeln  von  Efringen  und  Istein  in 
Baden  gleich  über  dem  Melanienkalk  findet. 


87 


Wir  haben  auf  den  vorstehenden  Seiten  gesehen,  dass  die 
geologisrchen  Verhältnisse    des    Melanienkalkes    durchaus    keine 
ganz  einfachen  sind,  und  auch  die  organischen  Reste,  welche 
derselbe  umschliesst,  lassen  in  mancher  Hinsicht  zu  wünschen 
übrig.     Es  kann  uns  aus  diesem  Grunde  nicht  auffallen,  wenn 
namentlich  in  früherer  Zeit  eine  grosse  Unsicherheit  über  sein 
genaues  geologisches  Alter  herrschte.     Mebian  und  Heeb  be- 
trachteten den  Melanienkalk   als    Miocän    (resp.    Ob.   Oligoc). 
Sie  nahmen  an,   dass  derselbe   die  an  vielen  anderen  Punkten 
im  Sifndgau  vorhandenen,   den  Melanienkalk  umgebenden,   ma- 
rinen Thone  und  Sandsteine  des  Oligocäns  (Tongrien)  überlagere. 
Diese  Ansicht,  welche  vom  rein  geologischen  Standpunkte  aus 
ganz  plausibel  erscheint,  liess  sich  mit  den  palaeontologischen 
Befunden  nicht  in  Einklang  bringen,  namentlich  nicht  nachdem  der 
Steinbruch  bei  Brunnstatt  Beste  von  Palaeotherium  medium 
geliefert  hatte.     Delbos  vertrat  zuerst  in  seiner  Beschreibung 
des  D^p.  du  Haut-Rhin  mit  grosser  Bestimmtheit  die   Ansicht, 
dass  der  Melanienkalk  eine  vortongrische  Bildung  sei.     Er  ver- 
wies  denselben  in  das  Obereocän.     Gbeppik  schliesst  sich  der 
Ansicht  von  Delbos  an,  er  stellt  den  Melanienkalk  in  das  Ober- 
eocän und  parallelisirt  denselben  mit  der  oberen  Bohnerzformation 
(Fauna  von  Montier,  Mauremont,  Ober-Gösgen    etc.). 
In  Sandbebgeb's  Ld.  u.  Sw.  C.  hingegen  finden  wir   den  Me- 
lanienkalk als  jüngstes  Unteroligocän  abgehandelt,   und  es  wird 
sogar  die  Möglichkeit  offen  gelassen,  dass  derselbe  zum  Mittel- 
oligocän  gehört. 

Rufen  wir  uns  in  das  Gedächtniss  zurück,  dass  der  Me- 


88 

lanienkalk  einerseits  direkt  auf  dem  oberen  Jura  (bei  Morvil- 
lars),  andererseits  auf  Bohnerzthonen  (bei  Klein-Kembs)  oder 
auf  unbestimmten  Mergeln  (Puits,  Heidet  etc.)  aufruht, 
ferner  dass  derselbe  im  Elsass  von  Gyps  bei  Zimmersheim 
(ünt.  Oligoc),  von  Blattersandstein  und  Melettaschichten  (Mit 
Oligoc),  in  Baden,  nach  den  Untersuchungen  von  Samdbkbgkb 
und  Schill,  von  Sandstein  mit  Natica  crassatina  bedeckt  wird, 
so  bleibt  uns  schliesslich  nur  noch  die  Wahl  zwischen  Unter- 
oligocan  und  Obereocan  übrig.  An  ein  höheres  Alter  können 
wir  wegen  der  grossen  Verschiedenheit  der  Buchsweiler  und  der 
Brunnstatter  Fauna  nicht  denken;  zumal,  da  in  nicht  allzuweiter 
Entfernung  von  Basel,  bei  Hobel,  der  Buchsweiler-Kalk  mit 
Fl.  pseudammonius  ansteht.  Die  Entscheidung  der  Frage,  ob 
wir  den  Melanienkalk  als  oberstes  Eocän  oder  als  tiefstes  Oli- 
gocän  ansprechen  soUen,  ist  jedenfalls  eine  mehr  oder  weniger 
von  individuellen  Anschauungen  abhängige.  Ich  möchte  mich 
zu  der  ersteren  Ansicht  bekennen,  theils  um  die  bisher  im 
Lande  übliche  Bezeichnung  als  Eocän  beizubehalten,  theils  weil 
es  mir  am  zweckmässigsten  erscheint,  die  Grenze  zwischen  Oli- 
gocän  und  Eocän  im  Elsass  dahin  zu  verlegen,  wo  die  Süss- 
wasserbildungen  vollständig  den  marinen  oder  stark  brackischen 
Bildungen  weichen  müssen. 

Bei  dieser  Discussion  gewinnt  der  Gyps  von  Zimmers- 
heim eine  gewisse  Bedeutung.  Er  überlagert  im  Elsass  die 
Schichten  des  Melanienkalkes  (cf.  Fig.  2).  Analoge  Gyps- 
vorkommnisse  in  Baden,   bei  Bamlach  und  Wasenweiler\ 


1.  Auch  das  GvpsTurkommen  tod  Hattstatt  nnweit  Colmar  durfte  hierfaer 
geboren.  Der  Gyps  ist  jetzt  nicht  mehr  aurge schlössen,  doch  fanden  sich  in  den 
Aeckern  noch  Stucke  Ton  plattigem,  hellem  Mergelkalk,  der  den  G)!»  überlagern 
soll.  Dieses  Gypsvorkommen  wäre  das  nördlichste  und  würde  somit  die  angeCIhre 
Nordgrenze  der  von  Süden  her  eindringenden  Meeresbucht  andeuten,  in  welcher  die 
Gypsbildung  zur  Interoligocinzeit  sich  vollzog. 


89 

welche  Sandbebgee  und  Prof.  Benecke  für  gleichalterig  an- 
sehen, werden  von  Initteloligocänen  Schichten  tiberlagert*.  Diese 
unteroligocänen  Gypse  würden  dann,  nebst  den  Gypsen  des 
Terrain  sidörolitique  von  Delsberg,  wie  Gbeppin  und  Hebebt 
dies  schon  ausgesprochen  haben,  z.  Th.  den  Montraartre-Gypsen 
entsprechen.  Der  Melanienkalk  liegt  aber  unter  diesen  Gypsen 
oder  könnte  höchstens  als  Süsswassereinlagerung  an  deren  Basis 
aufgefasst  werden,  falls  ihn  die  schwarzen  Gypsmergel  im  Bohr- 
loch von  Dornach  unterteufen. 

Sollte  es  sich  ferner  vielleicht  herausstellen,  dass  die  so 
fraglichen  ^marnes  ä  cyrenes^  mit  ihren  schlecht  erhaltenen 
und  daher  noch  nicht  ganz  sicheren  Fossilresten  den  nicht  un- 
ähnlichen Mergelkalken  von  Ist  ein  mit  Mytilus  socialis  A.  Bb.' 
und  der  Rtitireingrube  bei  Efringen  mit  Cyrena  semi- 
striata  Desh.  gleichalterig  sind,  so  würden  auch  diese  in  das 
Bereich  des  UnteroUgocän's  fallen.  Ihre  nicht  zu  leugnenden 
Beziehungen  zum  Melanienkalk,  welchen  sie  direkt  tiberlagern, 
und  ihr  Fehlen  über  den  jüngeren  Tertiärgebilden  der  Mtilhauser 
Gegend  wären  dann  verständlicher. 

Um  noch  mit  wenigen  Worten  auf  die  Fauna  zurück- 
zukommen, so  erscheint  mir  auch  hiernach  die  Stellung  im 
obersten  Eocän  zulässig.     Pal  medium  ist  eine  Form,  welche 


1.  Sandb.,  L.  Sw.  C,  pg.  283.  «Die  Ucberlagerung  des  Gypses  von  Wasen- 
weiler  durch  Sandstein  mit  Dicotyledonen-Blättern,  welche  sich  in  gewissen  Lagen 
des  mitteloligocänen  Sandsteins  mit  N,  crassatina  im  Breisgau  wiederholen,  beweist 
jedenfalls,  dass  dieser  jünger  ist.» 

2.  Die  Exemplare  von  M,  socialis  in  den  hellen,  graugelben  Steinmergeln  von 
Istein,  welche  mir  vorliegen,  stimmen  ganz  mit  denjenigen  aus  dem  Gerithienkalk 
von  Hoch  he  im  (Unt.  mioc.)  überein.  Ein  Stück  des  gleichen  Steinmergels,  das  von 
Efringen  stammt  und  Cyrenenabdrücke  enthalt,  besitze  ich  gleichfalls.  Von  den 
elsässer  Steinmergeln  mit  Cyrenen  habe  ich  nur  ein  sehr  ungenügendes  Material 
in  der  Mülhauser  Sammlung  gesehen. 


90 

gerade  für  die  Grenzschichten  des  Oligocän's  und  Eocän's  be- 
zeichnend  ist.  Die  Conchylienfauna  hat  den  gleichen  Charakter. 
Die  häufigsten  Arten  sind  Melania  Laurae  und  Megalomastoma 
tnumia.  Erstere  bietet  uns  keine  weiteren  Anhaltspunkte  dar; 
sie  gehört  zu  einer  Gruppe,  welche  im  Obereocan  beginnt  und 
bis  in  das  Miocän  reicht.  Die  zweite  Art  hingegen  ist  grade 
für  das  Obereocan  besonders  wichtig;  sie  beginnt  im  Mittel« 
eocan  und  reicht  bis  in  das  Unteroligocän  hinauf.  Die  anderen 
Arten  sind  meist  wemger  häufig  und  charakteristisch.  Sie  zeigen 
Anklänge,  einerseits  an  das  Obereocan,  andererseits  an  das  Unter- 
oligocän und  sind  zum  Theil  auf  den  Melanienkalk  beschränkt, 
wie  z.  B.  die  schlanken  Limneen  aus  der  Gruppe  der  L.  glabra. 
Auf  der  Schlusstabelle  sind  die  interessanten  Bezie- 
hungen der  Faunen  des  Melanienkalkes  und  des  Buchs- 
weiler-Ealkes  zur  Anschauung  gebracht.  Bemerkenswerth  ist, 
dass  bei  der  verhältnissmässig  geringen  Altersdifierenz  die 
meisten  Genera  und  wohl  alle  Arten  verschieden  sind.  Dieser 
Umstand  spricht  für  einen  Unterschied  in  der  Facies.  Buchs- 
weiler hat  22  Genera,  der  Melanienkalk  13  (ausser  der  ? 
Nematura).  Gemeinsam  sind  7,  Limnea,  Planarbis,  Hydrobia^ 
Glandina^  Nanina,  Helix  und  Megalomastoma.  Für  den  Me- 
lanienkalk sind  bezeichnend  Melania,  Melanopsis,  Valvata^ 
Megalomastoma  und  Awrictda;  für  den  Kalk  von  Buchs- 
weiler FlanorhiSj  Paludina,  EuchiluSj  Glandina  etc.  Wenn 
Nanina  occlusa,  wie  ich  vermuthe,  im  Melanienkalk  fehlt, 
so  hätten  beide  Faunen  keine  Art  gemeinsam*.  Buchsweiler 
ist  etwas  artenreicher  wie  Brunnstatt,  Klein-Kembs  etc.; 


1.  Der  etwas  jüngere  Kalk  Yom  Bischenberg  triU  gleichsam  vermittelnd  aor. 
Er  enthalt  neben  P,  pseudammonius  (bh.))  Megaiomastoma  cf.  mumia  (ss.)- 
Aoch  findet  sich  am  Bischenberg  vorwiegend  L,  oliouia;  die  gleiche  Art  ist  selten 
bei  Bachsweiler  and  wird  im  Melanienkalk  durch  L.  crassula  vertreten. 


91 

erstere  Lokalität  hat  etwa  30,  die  anderen  etwa  24  Species. 
Die  Fauna  von  Mülhausen  ist,  wie  schon  erwähnt  wurde, 
nicht  so  rein  limnisch  wie  die  von  Buchsweiler.  Auch  trägt 
sie  einen  allgemeineren  Charakter  und  steht  nicht  so  isolirt  da, 
denn  der  Melanienkalk  weist  nur  8  sichere,  ihm  allein  eigen- 
thümliche  Formen  auf,  während  Buchsweiler  (incl.  der  gleich- 
alterigen  rheinischen  Vorkommnisse)  fast  die  dreifache  Zahl 
besitzt. 


92 


Vergleichende  Uebereicht  der  Genera  des  Melanienkalkee 

und  des  Bucheweller-Kalkee. 

Bei  dem  Vorkommen  einer  eiaselnen  Sp.  iit  der  Namei  ■onst  die  Bp.  Ancahl  angegeben. 

Dem  Helanienkalk 

eigenthflmllche  Formen 

■ind  mit  X  bezeichnet. 

MeUnienkalk  1.  Ob.-Eli. 

mit 
Palaeotherinm  medium. 

Bacluweller-K&lk  i.  Ut.-E. 

mit 
Lopbiodon  tapiroidea  etc. 

1. 

Neritina 

hrevitpira  X 

2. 

Melania 

JXKUTOB 

». 

Melanoptis 

2 an. 

*  of.  ............ 

4. 

Valvata   ........... 

eireinata  X 

5. 

Paludina 

? 

2  *p. 

6. 

SuchUu* 

• 

I>(-#rM«fMf ommf . 

7. 

Nvatia 

ooliia 

8. 

Hydrohia 

indifferen*  X 

2  8p. 

9. 

Planorhit 

8  ip.  (1  §p.) 

p»eud4»mmonius. 

JO. 

Seewkentina .  .  • 

1  SD.  tn«!.  ........ 

CherHeri. 

11 

Limnta»  ..■.«« 

ft  ap.  (8  8p.  X) 

S  sp. 

12. 

Sucainea  (Braehtityira) .  .  . 

palliolun. 

IS. 

9iirina«/ormi*. 

U. 

BoUtnia 

tertt. 

Ifi. 

Olandina 

1  8p.  ined 

8  sp. 

16. 

Cionella 

formieina. 

17. 

ÄMca 

Böttgeri. 

18 

Pupa 

? 

Buxovülana. 

19. 

Pdlaeottoa 

Fontenayi. 

80. 

Clausilia  (CkmalUia)  .... 

denneoMtulaia, 

91. 

Nanina 

KOehUni  X 

2  sp. 

88. 

Belix 

«•P 

lax€eostulata. 

93. 

Patttla 

oUgogyra. 

94. 

Megalomattoma 

ffiiiifiia 

turgidvm. 

2.5. 

Sirophottoma 

striatum. 

8A. 

Pomiatitu 

Sandbergeri. 

27. 

CaryeMopti* 

quadridetu. 

28. 

Äitricul4i • 

8-8  8p.  X 

29. 

CycUu 

1    BP.   ? 

CalyaiWia  Cattrense, 

*       0|».       (........... 

III. 


DAS   OLIGOGÄN 


IM  ELSASS. 


BRAGKISGHE  UND  MARINE 


OLIGOCÄN-BILDUNGEN 


IM  ELSASS 


Wichtigste  Litteratnr. 

1615.  YoLGK,  J.  Hanauischea  Erdbalsams  oder  weichen  Agsteins  Beschrei- 
bung, welcher  bei  Lampertsloch  gefunden  wird.  Strassbg.  1615, 

abgedruckt  1625  und  Strassbg.  1725. 
1 734.  HoEFFEL,  J.  Th.  Historia  balsami  Alsatici  mineralis,  seu  petrolei,  vallis 

St.  Lamperti.  Argentorat. 
1795.  LoYSEL,  J.  ß.  Observalions  sur  les  salines,  les  mines  d'asphalte  et  les 

manufactures  du  d(^p.  du  Bas-Rhin  etc.  Journ.  min.,  II,  n®  9, 

4-8. 
1815.  Galmelet,  f.  T.  Description  de  la  mine  de  lignite  de  Lobsann, 

arrond.  de  Wissembourg,  d6p.  du  Bas-Rhin.  Journ.  min., 

XXXYII,n»  221,  369-378. 
1822.  Laizer,  Graf  von.  lieber  die  Gruben  von  Bechelbronn  und  Lobsann. 

Briefl.  MittheiL  von  Strassburg,   15.  Nov.  1820.   Leonhards 

Taschenbuch  fQr  Min.  (Jahrb.  1822,  p.  617.) 
1824.  Payen.  Memoire  sur  les  bitumes,  leur  exploitation  et  leur  emplol,  d 

Toccasion  d*un  rapport  sur  les  produits  bitumineux  des  mines 

de  Lobsann.  Paris. 


96 

1825.  VOLTZ,  L.  lieber  Lobsann,  Thionville  etc.  Briefl.  Mitth.  v.  Strassbg. 
18.  Apra  1823.  Leonbards  Zeitschr.  fQr  Min.  (Jabrb.)  1825. 
I,  355. 

1828.  VoLTz,  L.  Aperen  des  min^raux  des  deux  d^partemenls  du  Rhin. 

1830.  KoECHLiN,  Ed.  Notice  sor  le  soodage  art^sien  fait  au  pied  du  vignobie 
de  Mulhouse,  au  jardin  Lehr,  et  l€ttre  de  M.  Volts  sur  la  g6o- 
logie  de  TAlsace.  Bull.  soc.  industr.  de  Mulhouse,  III,  275. 

1833.  Berthier,  P.  Analyse  du  sei  de  Teau-möre  de  Soultz-sous-Foröls. 
Ann.  min.  (3),  Y,  535. 

1835.  DuvERNOY,  6.  L.  Snr  un  c^tacö  foss.  voisin  des  Dugongs  et  des  La- 
mantins trouv6  ä  Radersdorf,  dp.  d.  H.-Rh.  M^m.  de  la  Soc. 
d'hisl.  nat.  de  Strasbg.,  II,  p.  9. 

1837.  BoussiNGAULT.  Surle  bitume  de  Bechelbronn.  Llnstitut  1837, n"*  176. 

Ann.  min.  (3),  XI,  448.  Leonh.  Jahrb.  1838,  173. 

1838.  Anonymus.  Notice  sur  les  produits  bitumineux  des  mines  de  Lobsann. 

Strassbg.  (Ganz  ähnliche  Notixen  schon  1825  und  1833  er- 
schienen.) 

1838.  HäRiCART  DE  Thurt.  Notice  sur  les  mines  d*asphalte,  bitume  et  li- 

gnite  de  Lobsann.  Paris. 

1839.  ScHiMPER,  W.  P.  Poissons  fossiles  dans  la  molassc  du  Haut-Rhin. 

Ulnstitut  1839,  294.  Leonh.  Jahrb.  1841,  262. 

1840.  Thirria,  E.  Analyse  d*un  schiste  bitumineux  des  environs  de  Mul- 

house. Ann  des  min.  (3),  XVIII,  193—195. 

1841.  Degouz^e.  P^trole  sortanl  avec  Teau  d'un  pnits  creus6  ä  20  m.  de 

profondeur,  ä  Schwabwiller,  Bas-Rhin.  Gompt.  rend.,  Xlf,  437. 
1848.  Dauerte,  A.  Notice  sur  le  döpöt  tertiaire  sup6rieur  du  Sundgau  et 
la  transformation  en  kaolin  de  ses  galets  feldspatiques.  Bull, 
soc.  göol.  Fr.  (2),  V,  165—174.  Compl.  rend.,  XXVI,  251.  L'In- 
slitul,  XVI,  62. 

1852.  Daubr]6e,A.  Description  g^ologique  et  min6ralogique  du  Bas-Rhin, 

p.  164—194. 

1853.  ScHiBfPER,  W.  P.  Palaeontologica  Alsatica,  ou  Fragments  paläonlolo- 

giques  de  diffärents  terrains  slratifiös  qui  se  rencontrent  en 
Alsace.  M^m.  de  la  Soc.  d'hist.  nat.  de  Strasbg.,  IV,  2,  3. 

(1854.  Greppin,  J.  B.  Notes  göologiques  sur  les  terrains  modernes,  quateN 
naires  et  tertiaires  du  Jura  Bernois  et  en  particuUer  du  vai  de 
Delömont.  Zürich.) 


97 

1855.  BfERiAN,  P.  FischabdrOcke  aus  Pfirdt  im  Sundgau.  Yerhandl.  der 

naturf.  Ges.  in  Basel,  II,  345. 
1858.  Daubri^e,  A.  Association  de  Tarsenic  aux  bitumes  minäraux.  Ann. 

min.  (5),  XIV,  472-475. 
1858.  Daubr^e,  A.  Note  sur  laprösence  de  poissons  fossiles  dans  le  terrain 

tertiaire  de  Mulhouse.  Mäm.delaSoc.  d'hist.nat.  Strasbg.,  Y,  1. 

1858.  KoECHLiN-SCHLUMBERGBR,  J.  Note  suF  les  fossües  tertiaires  et  dilu- 

viens  du  Haut-Rhin.  Bull,  de  la  Soc.  g6ol.  de  Fr.  (2),  XV,  295 
ä  302.  Leonh.  Jahrb.  1858,  589. 

1859.  Merian,  P.  Fiscbabdrücke  von  Pfirdt.  Verhandl.  d.  naturf.  Ges.  in 

Basel,  II,  3,  345. 
1859.  KoEGHLiN-ScHLUMBERGER,  J.  Notice  SUF  Amphisyle  de  ßouxwiller. 

Bull,  de  la  Soc.  göol.  Fr.  (2),  XVI,  436. 
1859.  Sandberger,  Fr.  Sur  le  terrain  tertiaire  des  environs  de  Bdle.  Bull. 

de  la  Soc.  göol.  Fr.  (2),  XVI,  20. 
1859.  ScHiMPER,  W.  P.  Poissons  fossiles  des  schistes  bitumineux  de  Ferrelte. 

L'Inslitut,  30  mars  1859,  nM317,  p.  103. 

1859.  ScHiMPER,  W.  P.  Nouvelles  observations  sur  les  poissons  foss.  de 

Ferrette.  L'Inslitut,  15  juin  1859,  n«  1328,  p.  193. 

1860.  Daubrj^e,  A.  Association  du  sei  au  petrole  dans  le  terrain  tertiaire 

de  Schwabwiller.  L'Inslitut,  28  mars  1860,  n*»  1369,  p.  1 11. 

1860.  Dauerte,  A.  Galets  creux  dans  les  poudingues  tertiaires  de  TAIsace. 
L'Institut,  28  mars,  n*»  1369. 

1862.  Daubr^e,  A.  Richesse  du  lignlte  de  Lobsann  en  arsenic.  Rösumä 
analyt.  d.  trav.  d.  1.  Soc.  pendant  1858—1861  in  d.  Mäm.  de 
la  Soc.  d'hist.  nat.  Strasbg.,  V,  2,  3. 

1862.  MuSTON  et  Parisot.  Notice  sur  le  d^pöt  de  schistes  bitumineux  ä 
poissons  de  Froide-Fonlaine,  Haut-Rhin.  Actes  soc.  6mul.  de 
Porrentruy  1862,  155—159. 

1866.  Suess.  Gharacteristik  der  Ostreich.  Terliärablagerungcn.  Sitzungsber. 

Wien.  Akad.  Wiss.,  LIX;  enthält  Steindachner,  Fische  des 
elsässischcn  Tertiäres. 

1 867.  KoEGHLiN-ScHLUMBERGER  et  Delbos.  DcscriptiOR  göologique  et  min. 

du  döpartement  du  Haut-Rhin,  T.  H,  p.  38—78. 

1870.  Delbos,  J.  L*Alsace  pendant  la  päriode  tertiaire.  Conferences  de  Mul- 
house. (Rev.  d.  cours  scientif.,  5  mai  1870.) 
m.  1 


98 

1870.  OusTALET,  E.  Notice  sur  les  couches  ä  Meletta  situ^es  t  Froide-Fon- 
taine.  Bull,  de  la  Soc.  g6oI.  Fr.  (2),  XXVU,  380—397. 

1870.  Sauvage,  H.  Notice  sur  les  poissons  de  Froide- Fontaine.  Bull,  de  la 

Soc.  g6ol.  Fr.  (2),  XXVII,  397—4 1 0. 
1870 — 75.  Sandberger,  F.  Land- und  Süsswasserconcbylicn  der  Vorwelt. 
Wiesbaden,  p.  316. 

1871.  Delbos,  J.  Notice  sur  les  forages  exöcutäs  ä  Niedermorsch  willer, 

dans  la  propriötö  de  M.  Tachard.  Bull.  soc.  industr.  de  Mul- 

house,  1871,  61—78. 
1873.  MosLER,  Chr.  Katalog  für  die  Sammlung  der  Bergwerks-,  Hotten-, 

Salinen-  und  Steinbruchsproducte  von  EIsass-Lothriogen  auf 

der  Wiener  Weltausstellung  von  1873.  Strassbg. 
1875.  Ludwig,  R.  Die  Tertiärformation  in  der  Umgegend  von  Sulz  vorm 

Walde  im  Elsass.  Nolizblatt  des  Ver.  für  Erdkunde  und  verw. 

Wiss.  u.  d.  mittelrheinischen  geologischea  Vereines,  n**  161, 

Mai  1875. 

1877.  ZOndel,  G.  A.  et  Mieg,  M.  Notice  sur  quelques  sondages  anx  environs 

de  Mulhouse  et  en  Alsace.  —  Bull.  soc.  industr.  d.  Mulhouse, 
XVII,  p.  631. 

1878.  Benecke,  W.  Abriss  der  Geologie  von  Elsass-Lothringen.  Strassburg, 

1878. 

1878.  Strippelmann,  L.  Die  Petroleum-Industrie  Oestreich-Deutschlands. 

Leipzig. 

1 879.  Bleicher,  G.  Note  sur  la  d^ouverte  d*un  horizon  fossiliföre  ä  pois- 

sons, insectes,  plantes,  dans  le  Tongrien  de  la  Haute-Alsace. 
Bull,  de  la  Soc.  g6oL  Fr.,  VIII,  1879—80. 

1881.  HusTON,  H.  Notices  g<^oIogiqties,  III'  P.  Terrains  tertiaires  et  qua- 

ternaires.  Schistes  ä  poissons  de  Froide-Fontaine.  Monlb^liard. 
1881 — 82.  Mieg,  M.  Une  excursion  au  Tongrien  de  Rouflach.  Feuille  des 
jeunes  natural istes.  Paris,  12'  annöe. 

1882.  Andreas,  A.  Notiz  Ober  das  Tertiär  im  Elsass.  Neues  Jahrb.  fUr  Min. 

etc.,  B.  n,  1882. 

1883.  Sauvage,  E.  Notes  sur  les  poissons  fossiles  (Paralates  Bleichen  n.  sp.) 

de  Rouffach.  BulL  d.  I.  Soc.  g6ol.  Fr.,  XI,  1882— 83*. 


1.  Die  speciellere  Litteratnr  der  Ampbisyle-Schiefer  wird  noch  bei  der  Behand- 
lung dieser  Schichten  ausf&hrlicher  angeführt  werden. 


99 


Allgemeines  über  die  Ollgocänschichten  im  Elsass. 

Die  Oligocängebilde  sind  von  allen  Tertiärschichten  im 
Elsass  unbestritten  die  wichtigsten,  sie  erreichen  die  grösste 
Ausdehnung  und  Mächtigkeit.  Dieselben  dürfen  schon  allein  aus 
dem  Grunde  ein  höheres  Interesse  in  Anspruch  nehmen  als  die 
anderen,  weil  sie  die  nicht  unbedeutenden  Bitumenlager  beher- 
bergen, welche  vermöge  eines  langjährigen  Bergbaues  in  ihren 
eigenthümlichen  Lagerungsverhältnissen  ziemlich  gut  bekannt 
geworden  sind. 

Während  die  älteren  mehr  oder  weniger  dem  Süsswasser 
entstammenden  Ablagerungen  keine  so  allgemeine  Verbreitung 
im  Elsass  besitzen,  die  Buchsweiler-Ealke  nur  lokal  auftreten 
und  der  Melanienkalk  auf  den  Sundgau  beschränkt  ist,  finden 
wir  das  Oligocän  fast  in  der  ganzen  Oberrheinebene.    In  dem 

ff 

bei  weitem  grössten  Theil  des  Gebietes  ist  jedoch  das  Oligocän 
von  Diluvium  und  Alluvium  bedeckt.  Nur  in  der  Nähe  der  Ver- 
werfungsspalten, an  den  Rändern  der  Ebene,  unfern  vom  Ge- 
birge oder  in  tieferen  Thaleinschnitten  tritt  dasselbe  zu  Tage. 
Oft  sind  die  tertiären  Thone  nur  von  einer  sehr  wenig  mäch- 
tigen Diluvial-  oder  Alluvialschicht  bedeckt,  so  im  Hagenauer 
Forst,  in  der  Gegend  von  Sulz  unter  dem  Wald  und 
Weissenburg,  wo  sie  mehrfach  anstehen.  Ferner  im  Ober- 
Elsass  bei  Rodern  und  Aue,  sowie  in  der  Gegend  südwestlich 
von  Altkirch,  wo  schon  das  Vorhandensein  zahlreicher,  kleiner 
Seen  (Teiche)  vermuthen  lässt,  dass  —  ähnlich  wie  auf  dem  Keu- 
perplateau  bei  Saar  bürg  —  ein  für  Wasser  undurchlässiger  Thon 
oder  Mei'gel  in  nicht  allzugrosser  Tiefe  die  Unterlage  bildet. 
Anders  verhält  es  sich  in  der  Mitte  des  Rheinthaies,  wo  einer- 
seits,   wie    es   scheint,    das   Tertiär  in   grossartigem   Masstabe 


]00 

erodirt  worden  ist,  und  wo  andererseits  mächtige  Eiesmassen  das- 
selbe bedecken.  So  haben  z.  B.  Bohrungen  bei  Strassburg, 
welche   bis  zu  48  m  Tiefe  vordrangen,    niemals  die  Kiese  des 

m 

Alluviums  und  Diluviums  durchteuft.  Bei  Logelbach  unweit 
Colmar  fand  man  unter  1 — 3  m  Lehm  und  20 — 25  m  Kies 
erst  blaugraue  bis  grünliche  Mergel,  in  die  man  noch  40  m 
tief  eindrang,  und  welche  wir  als  Oligocän  ansehen  dürfen. 

Das  interessanteste  geologische  Resultat,    welches   die  so 
zahlreichen    in   verschiedenen    Gebieten    des  Rheinthaies  ange- 
stellten Bohrungen  lieferten,  ist  dasjenige,  die  gewaltige  Mäch- 
tigkeit der  Oligocänschichten  nachgewiesen  zu  haben.    In  dem 
am  meisten  durchforschten,  wichtigsten  Petrolgebiete  des  ELsass 
zwischen  Hagenau  und  Weissenburg  sind  zahlreiche  Bohr- 
löcher in  mittel-  und  unteroligocänen  Schichten  meist  im  Laufe 
des   verflossenen  Jahres    abgeteuft   worden.    Man   erbohrte   bei 
Oberstritten    eine   Tiefe    von    beinahe    300  m,    bei    Gun- 
stett  280  m,  bei  Hinterfeld  gleichfalls  300  m,  bei  Weis- 
senburg  150  m  und  in  einem  alten  Bohrloch  bei  Hagenau 
280  m,   ohne  jemals  das  Liegende  des  Tertiärs  zu  erreichen. 
Diese  grosse  Mächtigkeit  gibt  zwar  nicht  die  absolute,  seigere 
Höhe  der  Schichten  an,  ist  aber  nur  um  Weniges  zu  reduciren, 
da  dieselben  im  Allgemeinen  nur  ein  schwaches  Einfallen  nach 
dem  Rhein  zu  aufweisen.  Alle  diese  Bohrlöcher  trafen  vorwiegend 
blaugrüne,  thonige  Mergel,  sowie  helle  oder  dunkelgraue,  feine,  et- 
was sandige  Mergel  an  und  hatten  nur  selten  festere  Kalkmergel- 
bänke  oder   mürbe   Sandsteine   zu   durchdringen.    Sie   konnten 
daher   mit   dem  Wasserbohrer  ausgeführt  werden  und  lieferten 
keine   sehr   dctaillirten  Bohrprofile.  —  Es   darf  hier  nicht  un- 
erwähnt bleiben,   dass  die  Mächtigkeit  selbst  bis  dicht  an  das 
Gebirge   hin  noch   eine  sehr  bedeutende,  unergründete  ist,  wie 
z.  B.  bei  Lobsann. 

Aehnlichen  Verhältnissen  begegnen  wir  im  Ober-Elsass,  wo 


101 

gleichfalls  tiefe  Bohrungen  das  Tertiär  nicht  diirchteuft  haben. 
Zwei  Bohrlöcher  wurden  nördlich  von  Mülhausen,  das  eine  bei 
Niedermorschweiler,  das  andere  nicht  weit  davon  bei  Dornach 
bis  zu  bedeutender  Tiefe  niedergebracht*.  Das  „Bohrloch  Tachard** 
bei  Niedermorschweiler  im  Februar  1871  angelegt,  erreichte 
142  m  Tiefe.  Man  traf  zuoberst  wenig  mächtigen  Lehm  an,  dann 
wechselnd. Thone  (Mergel),  Sandsteine  und  glimmerhaltige  Sande; 
bei    127  m   wurde   eine  dünne,  bituminöse   Kalkschicht   durch- 
drungen, und  bei  139  m  fand  man  blaue  Mergel  mit  Gyps.  Die 
DoLLPUBs'sche  Bohrung  bei  Dorn  ach   stammt  schon   aus   dem 
Jahre    1869    und   erreichte   240    m;   auch  liegt    die   Mündung 
derselben  16 — 17  m  tiefer  als  bei  dem  vorigen  Bohrloch.  Unter 
dem  Lehm  folgten  gelbe,  weiche  Kalksandsteine,  die  mit  Thon 
(Mergel)  wechselten,   dann   meist   graue  und   grüne  Mergel,   in 
welchen   sich   bei   36  m   Tiefe   schon  Gypsspuren   zeigten,   bei 
200  m  reicherte  sich  der  Gyps  an;  ausserdem  traf  man  kleine 
Steinsalzlagen  bei  91  m,  115  m  und  185  m.  Organische  Reste 
werden  nicht  erwähnt.  Die  obersten  Schichten   in  diesen  Bohr- 
löchern  gehören   zweifelsohne  zum   Oligocän;   ob  wir  aber   be- 
rechtigt  sind   die   tieferen,    gypshaltigen   Mergel,    welche    wohl 
brackische  Bildungen  sind,   noch  zum  Unteroligocän   zu  ziehen, 
ist  nicht  mit  Sicherheit  zu  entscheiden.  Wenn  diese  gypshaltigen 
Mergel  den  Melanienkalk  unterteufen,  so  würden  sie  Obereocän 
sein;   sollten  sie  aber  mit   den   auf  der  Höhe  des  Süsswasser- 
kalkes  liegenden  grauen  Gypsmergeln  von  Zimmersheim  gleich- 
alterig  sein,   so   würde  schon  die  grosse  Niveaudifferenz  dieser 
räumlich    so   genäherten    Bildungen    die   Annahme    einer    Ver- 
werfungsspalte nahe  legen.  Eine  Annahme,  die  zugleich  das  unge- 
mein scharfe  Abschneiden  des  Süsswasserkalkes  erklären  könnte, 


(.  ZüNDEL  u.  MiEG.   Notice  sur  quelques  sondagcs,  etc.  Bull.  soc.  ind.  d. 
Mulh.  1877. 


102 

welcher  südlich  Ton  Mfilhausen  sehr  mächtig  ist  and  nördlich  von 
dieser  Stadt  fehlt. 

Eine  weitere  270  m  tiefe  Bohrung  wurde  Ende  des  Jahres 
18*82  bei  Nieder-Sept  südsädwestlich  von  Altkirch  ausgeführt. 
Man  durchteufte  im  Wesentlichen  graue,  fossilfreie  Mergel  und 
hatte  nur  eine  härtere  Kalkmergelbank  zu  durchstechen.  Die 
Schichten  des  oberen  Jura  wurden  nicht  erreicht,  obwohl  dieselben 
nur  4  Kilometer  davon  entfernt  bei  Pfettershausen  zu  Tage  treten. 

Diese  Beispiele  haben  zur  Genüge  die  ausserordentliche 
Mächtigkeit  und  die  grosse  Verbreitung  des  Oligocäns  im  Elsass 
gezeigt,  und  es  bleibt  uns  noch  übrig,  einige  Worte  über  die 
Gliederung  Toranzuschicken. 

Die  Gliederung  der  Oligocänschichten  im  Elsass  ist  eine 
recht  mannigfütige;  wir  haben  es  nicht  allein  mit  zeitlich  ge- 
trennten Ablagerungen  zu  tbun,  sondern  auch  sicher  mit  gleich* 
zeitigen,  sehr  verschiedenen  Faciesgebilden. 

Das  sehr  mächtige  Unteroligocän  zeichnet  sich  durch. grosse 
Einförmigkeit  und  durch  den  Mangel  an  Fossilien  aus.  Die  or- 
ganischen Reste  deuten  auf  Süsswasser  und  Brackwasser  hin 
(Ohara,  Cypris,  Anodonia  etc.),  wie  bei  Pechelbronn  und 
Oberstritten.  In  den  höheren  Schichten  stellen  sich  Blätter- 
sandsteine (Hirzbach,  Schwabweiler)  und  Mergel  mit  spar- 
samen Foraminiferen  ein  (Altkirch,  Schwabweiler);  eine  scharfe 
Grenze  gegen  das  Mitteloligocän  ist  nicht  wahrnehmbar. 

Das  MitteloUgocän  selbst  ist  ein  rein  mariner  Horizont 
und  tritt  uns  in  recht  verschiedenen  Faciesausbildungen  ent- 
gegen,   deren  Altersverhältnisse    zu   einander  zum   Theil   noch 

nicht  ganz  klar  sind,  weil  sich  keine  Ueberlagerungen  beobachten 

• 

lassen.  Wir  haben  im  Unter-Elsass  den  richtigen  Septarienthon 
mit  Lcda  Deshayesiana  und  reicher  Foraminiferenfauna,  welcher 
bei  Lobsann  und  Sulz  u.  d.  Wald  die  tieferen,  bitumen- 
führenden Schichten  bedeckt.  Unmittelbar  unter  demselben  liegt 


103 

an  der  ersten  Lokalität  der  Asphaltkalk,  eine  Sässwasserbildung, 
die  offenbar  bis  in  das  Mitteloligocän  hinein  angedauert  bat  und 
noch  zu  demselben  gerechnet  werden  muss.  Mit  etwas  abwei- 
chender Foraminiferenfauna  zeigt  sich  der  Septarienthon  ferner 
bei  Heiligenstein  am  Fusse  des  Odilienberges.  Bei  Oii- 
w  eil  er  unweit  Gebweiler  enthält  derselbe  grosse  Exemplare 
von  Ostrea  callifera  und  zahlreiche  Haplophragmien.  Von  hier 
erstreckt  er  sich  noch  bis  südlich  von  Thann  in  die  Gegend 
von  Rodern  und  Aue  bei  Sentheim.  An  dem  letztgenannten 
Orte  tritt  jedoch  der  Mergel  mit  der  reichen  Foraminiferenfauna 
(Septarienthon)  mit  dem  Fischschiefer  in  Beziehung,  und  ganz 
dicht  bei  einander  gelegene  kleine  Gruben*  lieferten  mir  einer- 
seits Schlemmproben  des*  obigen  Mergeis,  andererseits  solche  des 
Fischschiefers.  Vielleicht  dass  später  gerade  die  Umgegend  von 
Sentheim  bei  der  Eartirung  und  bei  günstigeren  Aufschlüssen 
als  jetzt  einige  Aufklärung  gewähren  wird.  Die  Fischschiefer 
zeigen  sich  von  da  ab  südlich  an  mehreren  Punkten,  so  bei 
Altkirch,  wo  sie  die  Thone  der  „Marnerie  Gilardoni''  offenbar 
überlagern,  dann  bei  Buchsweiier  am  Fusse  der  Pfirter  Berge 
und  bei  Magstatt.  Sie  reichen  nach  Frankreich  hinein  bis  in 
die  Gegend  von  Montb^liard,  wo  sie  bei  Froidefontaine 
anstehen.  Sie  treten  im  Canton  Solothurn  bei  Brislach  auf  und 
finden  sich  südlich  von  Freiburg  bei  Hammerstein.  Der 
Blättersandstein  (gras  ä  feuiiies)  ist  in  seiner  Verbreitung 
sehr  beschränkt;  er  findet  sich  nur  im  Sundgau  südlich  von 
Mülhausen,  wo  er  im  Süden  und  Osten  den  Melanienkalk  be- 
deckt (cf.  fig.  2,  pg.  78).  Ausser  Cinnamomum-hVdXiexiL  enthält 
er  Jfefe^a-Reste,  welche  es  wahrscheinlich  machen,  dass  der- 
selbe in  Beziehung  zu  den  Fischschiefern  steht. 


1.  Diese  kleinen  Gruben,  aus  welchen  zeitweise,  Je  nach  Bedarf,  etwas  Mergel 
gewonnen  wird,  liegen  auf  dem  Fussweg  von  Sentheim  nach  Aue  im  Wald.  Die 
Schichten  werden  von  grobem  Sand  bedeckt,  der  durch  kalkiges  Gement  verkittet  ist. 


104 

Eine  Fauna,  welche  sehr  an  diejenige  des  Meeres- 
sandes erinnert,  findet  sich  bei  Dammerkirch  zwischen  Alt- 
kirch und  Beifort.  Der  Fossilreichthnm  ist  hier  auf  eine 
schmale,  sandige  Schicht  beschränkt,  welche  sich  zwischen  die 
einförmigen,  sterilen  Mergelmassen  einschaltet.  Aechter  Meeres- 
sand kommt  nur  im  südöstlichen  Theil  des  Gebietes  zur  £nt- 
Wickelung,  so  in  der  Umgebung  von  Basel  (Stetten,  Rötteln) 
und  am  Abhang  der  Pfirter  Berge  (Kädersdorf). 

Eine  weitere  Facies  des  Oligocans  sind  am  Schlüsse  die 
Küstenbildungen,  welche  sich  in  einem  mannigfach  unterbrochenen 
Streifen  längs  der  Vogesenkette  hinziehen  und  uns  als  Conglo- 
merate,  Molassen  und  Sandsteine  entgegen  treten.  Sie  beginnen 
wohl  schon  vom  Untcroligocän  ab  und  setzen  sich  bis  in  das 
Oberoligocän  (vielleicht  sogar  das  Untermiocän)  fort,  wo  sie 
die  fossilführenden  Schichten  von  Rufach  mit  Lebias  sp.,  Cy- 
rena  seniistriata  Desh.  und  Myiilus  Faujasi  Bbok&.  enthalten. 

Das  Oberoligocän  in  mergeliger  Entwickelung  ist  zwar  an 
mehreren  Stellen  im  Elsass  vorhanden,  aber  im  Augenblick  nicht 
mehr  aufgeschlossen.  Es  gehören  hierher:  in  der  Gegend  von 
Strassburg  die  Schichten  von  Kolbsheim  und  Truchters- 
heim,  im  Ober-Elsass  wohl  einige  der  von  Delbos  beim  Ton- 
grien erwähnten  Schichten  mit  Cerithium  plicatum  Bbong.,  Mytilus 
Faujasi  Bbong.  und  Cyrenen. 

Bei  dieser  mannigfaltigen  Ausbildung  des  Oligocäns  empfiehlt 
es  sich  nicht,  die  verschiedenen  Schichten  scharf  nach  dem 
Alter  getrennt  zu  besprechen,  zumal  deshalb,  weil  bei  der  so 
selten  zu  beobachtenden  Ueberlagerung  öfters  eine  ganz  sichere 
Einreihung  noch  unmöglich  ist.  Es  erschien  vielmehr  am 
zweckmässigsten,  so  viel  als  möglich  mit  den  tieferen  Schichten 
beginnend,  die  geographisch  getrennten  Complexe  zu  behandeln 
und  die  wohl  theilweise  gleichalterigen  Facies  nach  ihrer  Lage- 
rung und  Fauna  gesondert  anzuführen. 


105 


L  Das  oligocäne  Petrolgebiet 

im  Unter-Elsass 
in  der  Gegend  von  Snlz  n.  d.  Wald. 

Die  Schichten,  welche  uns  hier  zu  beschäftigen  haben, 
finden  sich  vorwiegend  in  dem  Gebiete  zwischen  Weissenburg 
und  Hagenau.  Dieselben  sind  an  den  meisten  Stellen  von 
Diluvium  bedeckt  und  treten  nur  in  den  Thaleinschnitten  nahe 
am  Gebirge  zu  Tage.  Gegen  Nordwesten  schneiden  sie  an  der 
grossen  Verwerfungsspalte  gegen  die  mesozoischen  Bildungen 
ab,  und  diese  erheben  sich  im  malerischen  Zuge  des  Hoch- 
waldes, welcher  aus  Vogesensandstein  besteht. 

Ihre  Mächtigkeit  ist  hier  überall,  wie  schon  erwähnt  wurde, 
eine  sehr  bedeutende  und  beträgt  über  300  m.  Südwestlich 
von  diesem  Hauptcomplex  lässt  sich  das  Oligocän  bis  Mors- 
bronn, Forstheim,  Mietesheim  und  weiter  rhein\^ärts  bis 
Hagenau  verfolgen.  Alsdann  treten  mehrfach  die  Schichten 
des  Dogger  unter  der  Diluvialdecke  hervor,  und  diese  werden 
von  älteren  Tertiärschichten  bei  Dauendorf,  Buchsweiler, 
Morschweiler  etc.  bedeckt.  Das  Oligocän  selbst  ist  in  dieser 
Gegend  bis  auf  wenige  Spuren  ( Conglomerate  des  Bast- 
berges) denudirt  worden.  Im  Osten  schliesslich  setzeq  sich  die 
Oligocänschichten  von  Alluvium,  Diluvium  und  vielleicht  auch 
jüngerem  Tertiär  bedeckt  unter  das  Rheinthal  fort.  Das  Liegende 
des  Oligocäns  ist  noch  nicht  direkt  erkannt  worden;  es  wird  ver- 
muthlich    vorwiegend   aus    Eocänschichten,    Dogger,    Lias   und 


106 

Eeuper  bestehen.  Das  Einfallen  ist  im  Allgemeinen,  nament- 
lich in  grösserer  Nähe  der  Vogesen,  ein  sehr  schwaches,  nach 
Südwesten  geneigtes  (2 — 3^);  weiter  thalwärts  bei  Schwab- 
weiler fallen  jedoch  die  Schichten  unter  einem  viel  steileren 
Winkel  (24^)  nach  dem  Rhein  zu  ein.  Lokale  Faltenbildongen 
und  Mulden  sind  natürlich  dabei  nicht  ausgeschlossen.  Auch 
durchsetzen  zahlreiche  kleinere  Verwerfungen  die  Schichten; 
dieselben  verlaufen  parallel  der  Vogesenspalte,  und  ihr  Hangendes 
liegt  in  der  Regel  auf  der  Seite  des  Gebirges. 


A.  Bitumenführende  Schichten  von  Lobsann 

(z.  Th.  Mittel-,  z.  Th.  ünteroligocän). 

Der  Ort  Lobsann  liegt  etwa  in  der  Mitte  zwischen  den 
Städten  Weissenburg  und  Wörth.  Das  bekannte  Asphaltberg- 
werk befindet  sich  nordwestlich  vom  Dorf  am  Fuss  des  Hoch- 
waldes. Der  dortige  Bergbau  auf  Asphaltkalk  und  Pechsand  hat 
im  Grossen  von  oben  nach  unten  folgendes  Profil  geliefert: 

L  Allgemeines  Profil  von  Lob  sann. 

1.  Humus  und  Waldboden. 

2.  Septarienthon.  Zuoberst  bis  zu  3  m  Tiefe  grauer, 
gelbgeflammter,  ziemlich  kalkiger  Thon  mit  vielen  Gypskrystallen. 
Von  3  m  bis  lim  hellgraue  Mergel  mit  Markasit  und  kohligen 
Algenresten.  Von  1 1  m  bis  60  m  helle  bis  dunkle,  graubraune 
Mergel  mit  Markasitconcretionen  und  Septarien.  Alle  diese 
Mergel  und  Thone  enthalten  eine  sehr  Individuen-  und  arten- 
reiche Foraminiferenfauna,  welche  je  nach  der  Tiefe,  aus  welcher 
die  Schlemmprobe  entnommen  wurde,  nur  geringe  Variation 
zeigt.  Ferner  kommen  in  den  graubraunen  Mergeln  verschiedene 
Conchylien    des    Mitteloligocans    vor,    wie   Leda  Deshayesiana 


107 

Doch.,  Nucula  Grep^ni  Debh.,  Nucula  ChasteUi  Ntst.,  Peciun- 
culus  obovaius  Lhk.,  Pecten  picius  Goluf.  und  Cassidaria 
nodosa  Sol. 

Diese  Mergel  sind  im  neuen  Schacht  bei  Lobsann  am 
schönsten  aufgeschlossen  und  reichen  bis  zu  einer  Tiefe  von 
60  m.  Der  Septarienthon  zeigt  deshalb  an  dieser  Stelle  eine  so 
grosse  Mächtigkeit,  weil  er  an  der  Verwerfungsspalte  abwärts 
geschleift  und  z.  Tb,  etwas  hinter  den  Asphaltkalk  eingeldemmt 
erscheint  (cf.  fig.  4).  Die  beistehende  Skizze  (Sg.  4)  gibt 
einen  Durchschnitt  durch  einen  Theil  des  Asphaltkalkcomplexes 
TOD  Lobsann  nebst  dem  überlagernden  Septarienthon. 


3.  Der  Asphaltkalkcoinplex,  welcher  unter  dem  Sep-' 
tarientbone  folgt,  lässt  trotz  der  grossen  Mannigfaltigkeit  seiner 
Gesteine  kaum  eine  Gliederung  in  weitere  kleinere  Horizonte 
zu.  Im  Hangenden  findet  sich  zuweilen  ein  Conglomerat  von 
wechselnder  Mächtigkeit  (meist  1  m).  Die  aus  Muschelkalk  be- 


108 

stehenden  Rollstücke   sind   oft   durch   einen  groben  und  zähen 
Pechsand  mit  einander  verkittet.  Dann  folgen  mürbe,  weisslich- 
rothe,    dolomitische  Kalke,   vollständig    durchzogen   von   einem 
feinen  Netzwerk  von  Lignitflötzchen  und  Adern.  In  den  höheren 
Lagen    überwiegt  mehr    der   Lignit,    während  in   den  tieferen 
Schichten  der  mulmige,  rosa  gefärbte  Kalk  mit  oft  6  m  Mäch- 
tigkeit  vorherrscht.     Die    Braunkohle    besteht    zum   Theil   aus 
Coniferenholz    und    umschliesst   dann   zuweilen   Bernstein,    zum 
Theil  aus   der  sogenannten  Nadelkohle,  welche   durchweg  von 
Palmfasern  gebildet  wird.  In  diesen  Kalk-  und  Lignit- Schichten 
tritt  der  Aspbaltkalk  lagerförmig  auf  und  zwar  so  mächtig,  dass 
er  an  einzelnen  Stellen  das  vorwiegende  Gestein  bildet,  so  dass 
zu  Lobsann  nach  dem  Gebirge  hin,   wo  die  Asphaltlager  am 
dicksten  sind,  der  Asphaltkalk   oft  neun  Zehntel   der   Mächtig- 
keit des  ganzen  Complexes  ausmachen  soll.    Dieser  umschliesst 
seinerseits    wieder    Nester    der    verschiedenen    Kalkvarietäten, 
zerreibliche,   durch  Eisengehalt   roth  und  rosa  gefärbte  Kalke, 
ferner  harte,   krystallinische,   graue  und   rothe  Kalksteine  und 
Einlagerungen   von   ausgezeichnet    schönen    pisolithischen  Kalk- 
parthien.  Graubraune,  dichte,  nicht  imprägnirte  Kalkbänke  ent- 
halten zuweilen  Reste  von  Brackwasser-Conchylien,  unter  welchen 
die  Steinkerne  und  Abdrücke  von  Melania  fasciata  Sow.*  vor- 
walten. Weisse,   zähe  Kieselkalke,  welche  namentlich  auf  dem 
Weg   von    Lobsann    nach    Lampertsloch   gefunden   wurden, 
haben   die  zahbreichen  Stengel   und  Früchte   von  Ohara   Volizi 
geliefert.    Von    Pflanzen    wurden  in   dem   Lobsanner   Bergwerk 
namentlich  Sabal  major  Uxa.  sp.  und  Blätter  von  Cinnamomum 
polymorphum  Heeb  gefunden.  Die  meisten  Zähne  und  Knochen- 
stücke  von   Anihracotherium  alsaiicum  Guy.   entstammen   dem 
Asphaltkalk  selbst. 


1.  Die  steinkerne  dieser  Art  sind  wahrscheinlich  früher  als  BuUmus  gregarius 
oder  Litorinellen  angegeben  worden. 


109 

Die  Mächtigkeit  des  Asphaltkalkcomplexes  ist  eine  wech- 
selnde und  beträgt  gegen  24  m.  Derselbe  ist  nach  dem  Gebirge 
hin  (nach  NW.)  stärker  entwickelt  und  würde  sich  bis  an  die 
Verwerfungsspalte  verfolgen  lassen;  man  hat  jedoch  bisher  die 
Annäherung  an  dieselbe  vermieden.  Nach  Südosten,  also  thal- 
wärts,  keilt  der  Asphältkalk  aus  und  scheint  an  dem  Dorfe 
Lobsann  auch  theilweise  durch  Erosion  entfernt  worden  zu  sein. 
Nach  Nordosten  am  Gebirge  entlang  abwärts  verschwindet  er  sehr 
bald,  und  schon  nördlich  von  Drachenbronn  scheint  er  ganz  zu 
fehlen.  Nach  Südwesten  am  Gebirge  her  aufwärts  lässt  sich  derselbe 
Süsswasserkalkcomplex ,  ohne  jedoch  asphaltführend  zu  sein,  bis 
in  die  Gegend  von  Lampertsloch  und  Pechelbronn  ver- 
folgen. Der  Asphaltkalk  stellt  also  eine  lokale  Einlagerung  an 
der  Basis  der  mitteloligocänen  Septarienthone  dar. 

4.  Eine  Reihe  von  wechselnden  Mergeln  und  Pech- 
sanden folgt  unter  dem  Asphaltkalk.  Dieselben  entsprechen 
den  Schichten  von  Pechelbronn,  sind  aber  bis  zu  keiner  so 
grossen  Tiefe  erschlossen.  Wir  finden  von  oben  nach  unten: 

a.  Helle,  blaugrün  gefärbte,  sandig-kalkige  Mergel.  Diese 
durch  ihre  Farbe  charakterisirten  Schichten  sind  hier  sehr  hart, 
und  so  weit  ich  sie  untersuchen  konnte  fossilfrei.  Sie  gleichen 
den  Mergeln,  welche  am  Dorf  Lobsann,  bei  Lampertsloch 
unter  dem  Kalk,  bei  Pechelbronn  (ganz  oben)  im  neuen  Oel- 
bassin  und  im  Andreasschachte  auftreten. 

ß.  Grauer  etwas  mergeliger  Sand  und  unmittelbar  darunter 
4 — 6  m  unter  dem  Asphaltkalk  mehr  oder  weniger  grober, 
schwarzer  Pechsand  von  aromatischem  Geruch.  Dieser  nicht  sehr 
harte  aber  zähe  Pechsand  enthält  Einlagerungen  von  hartem 
grauen  nicht  imprägnirtem  Sandstein. 

y.  Unter  dem  Pechsand  folgen  wieder  graue,  sandige 
Mergel  mit   etwas  feineren,   mehr  thonigen  Einlagerungen.  Im 


110 

Schlemmrückstand  fanden  sich  dolomitische  Kalkstückchen,  Quarz, 
etwas  Gyps,  Pyrit  und  Brauneisen,  aber  keine  organischen  Reste. 
In  diesem  allgemeinen,  sehr  instructiven  Profil  haben  wir 
also  zuoberst  ächten  Septarienthon ,  darunter  den  Asphaltkalk- 
complex,  unter  diesem  schliesslich  unteroligocäne  Mergel,  welche 
denen  von  Pechelbronn  entsprechen.  Es  zeigt  die  Verhältnisse, 
wie  dieselben  jetzt  bei  Lobsann  aufgeschlossen  sind.  An  dasselbe 
möchte  ich  hier  noch  zwei  von  Daübbee  gegebene  Profile  zum 
Vergleich  anschliessen: 

II.  Profil  des  Schachtes  Daudrez  bei  Lobsann  1816. 

1.  Sandiger  Lehm 0,65  m. 

2.  Grauer  Thon  mit  Brauneisen  und  Gyps    .  .  .  2,59  m. 

3.  Brauner  Thon  mit  Gyps,  Pyrit  und  einigen 
kleinen  Schnecken  (?) 2,io  m. 

4.  Graue  gelbgeflammte  Mergel 0,97  m. 

5.  Dunkelbraune  Mergel  mit  elliptischen  oder 
konischen  Ealkgebilden  ^ 0,9s  m. 

6.  Graue  Mergel 2,oo  m. 

7.  Dunkelbraune  Mergel ;  er  enthält  Gonchylien  mit 
Perlmutterschale  und  die  bei  5  erwähnten 
Ealkgebilde 2,39  m. 

8.  Graue  Mergel l,u  m. 

9.  Dunkelgrauer  Thon  mit  Gonchylien,  wie  bei  7.  l,u  m. 

10.  Dunkelgrauer  Thon  gleichfalls  mit  Gonchylien.     2,59  m. 

11.  Hellgrauer  Thon  mit  Pyrit 0,48  m. 

12.  Dunkelgrauer  Thon  mit  Pyrit  und  Gonchylien.     3,8o  m. 

Zu  übertragen  ....  20,77  m. 

1.  Mit  diesen  Kalkgebilden  sind  wohl  die  ziemlich  häufigen,  meist  platt- 
gedrüclLten,  agglutinirten  Röhrchen  gemeint,  welche  sich  im  Septarienthon  von 
Lobsann  finden. 


111 

üebertrag  ....  20,7?  m. 

13.  Mergeliger,   harter  Kalk  mit  ConchylieD,  der 
gesprengt  werden  musste 0,so  m. 

14.  Gräne  Mergel  mit  Pyrit  und  Conchylien  .  .  .  0,43  m. 

15.  Graue  Mergel  mit  Pyritconcretionen 3,8o  m. 

16.  Hellgraue,  harte  Mergel  mit  Pyrit 3,75  m. 

17.  Hellgraue  Mergel  mit  Pyrit l,oo  m. 

18.  Kalk  mit  Lignitflötzen 9,68  m. 

19.  Sandkalk  und  Mergel  mit  Lignitflötzen  ....  3,24  m. 

42,97  m. 
In  diesem  Profil  reicht  der  im  Grossen  und  Ganzen   ein- 
förmige Septarienthon  bis  zur  Tiefe  von  30  m,  alsdann  folgen 
die  Schichten  des  Asphaltkalkcomplexes  (Kalk  und  Braunkohlen), 
in  welche  man  noch  etwa  13  m  tief  eingedrungen  ist. 

in.  Profil  eines   90  m  tiefen   Bohrloches  bei   Lobsann ^ 

welches   in    den  Jahren    1838 — 39    von    Degousee  abgeteuft 
wurde: 

1.  Ackerboden l,oo  m. 

2.  Gelber  Thon l,ss  m. 

3.  Sandiger  Mergel 2,8s  m. 

4.  Schwarze  und  graue  Thone 7,66  m. 

5.  Mergel  mit  Lignitflötzen 4,i6  m. 

6.  Graue  Thone 1,66  m. 

7.  Mergel  mit  Pyrit  und  Lignitflötzen 4,49  m. 

8.  Graue  Thone 5,oo  m. 

9.  Schwarzer  Sand l,oo  m. 

10.  Mergel  mit  Pyrit 3,oo  m. 

11.  Kalk  mit  Pyrit  gemengt 0,8s  m. 

12.  Graublauer  Thon 14,i7  m. 

13.  Brauner  Kalk l,6s  m. 

Zu  übertragen  ....     48,65  m. 


112 

Uebertrag  ....  48,«5  m. 

14.  Brauner  Thon     7,oo  m. 

15.  Lignit 0,83  m. 

1 6.  Kalk 0,6«  m. 

17.  Lignit 1,S8  m. 

18.  Grauer  Thon 24,oo  m. 

19.  Bituminöser  Kalk 0,66  m. 

20.  Geflammter  Thon 2,«  m. 

21.  Bituminöser  Kalk 1,50  m. 

22.  Grüner  Thon 3,52  m. 

91,03  m. 

Wir  finden  in  diesem  Bohrloch  oben  Septarienthon ,  in 
welchem  sich  schon  in  ziemlich  hohen  Niveaus  Braunkohlen- 
flötzchen  einstellen.  Bei  35  m  Tiefe  findet  sich  die  erste  Kalk- 
schicht, bei  50  m  tritt  Kalk  und  Lignit  reichlicher  auf,  bei 
82  m  stellt  sich  bituminöser  Kalk  ein,  unter  welchem  wir  die 
grünen  Thone  des  Liegenden  haben. 

Da  wir  dem  elsässcr  Septarienthon  und  seiner  Fauna  ein 
besonderes  Kapitel  widmen  wollen,  und  da  wir  auf  die  liegenden 
Mergel  und  Sande  bei  Besprechung  der  Schichten  von  Pechel- 
bronn  noch  ausführlicher  eingehen  müssen,  so  bleibt  es  uns 
hier  nur  übrig,  den  Asphaltkalkcomplex  petrographisch  und 
palaentologisch  etwas  näher  zu  erörtern. 

Der  Asphaltkalkcomplex,  seine  Gesteine 
nnd  Versteinernngen. 

Derselbe  bildet,  wie  schon  gezeigt  wurde,  eine  Einlagerung 
von  Süsswasser-  resp.  Brackwasserschichten  an  der  Basis  des 
marinen  Septarienthones  und  kann  deshalb  als  tiefstes  Mittel- 
oligocän  bezeichnet  werden.  Der  Asphaltkalk  selbst,  welcher  der 


I 


113 

Hauptgegenstand  des  Bergbaues  ist,  tritt  uns  in  sehr  verschie- 
denem Grade  der  Imprägnation  entgegen.  Die  reicheren  Varietäten 
desselben  erscheinen  dunkelbraun  bis  schwarz  gefärbt  und  be- 
sitzen einen  aromatischen,  durchaus  nicht  an  Petroleum  erinnernden 
Geruch.  Sie  sind  ungemein  weich,  lassen  sich  mit  dem  Messer 
schneiden,  mit  dem  Nagel  eindrücken,  sind  aber  so  zähe,  dass 
man  sie  kaum  mit  dem  Hammer  zerschlagen  kann.  Der  Bitumen- 
gehalt des  Kalkes  beträgt  7 — 11  Vo>  ausnahmsweise  sogar  18  7o- 
Im  Hangenden  der  einzelnen  Lager  ist  er  meist  9,  im  Liegenden 
10 — 11  und  in  den  mittleren  Parthien  7 — 8  procentig,  während 
der  mittlere  Gehalt  an  Mineralöl  sich  auf  8  7o  beläuft.  Die 
Spalten  in  dem  Kalk  sind  meist  von  einem  dickflüssigen, 
dunklen  Erdöl  erfüllt,  welches  nebenbei  gewonnen  wird.  Die 
weniger  reichen  Asphaltkalkvarietäten,  von  welchen  sich  Dünn- 
schhffe  anfertigen  Hessen,  erschienen  unter  dem  Mikroskop  als  ein 
körniger  Kalk  mit  reichlichem  Pyritgehalt;  das  Bitumen,  welches 
eine  braune  bis  braungelbe  Farbe  (und  amorphes  Verhalten)  zeigt, 
ist  netzförmig  zwischen  den  Kalkkörnern  verbreitet,  und  letztere 
sind  nur  selten  und  wenig  davon  imprägnirt.  In  den  ärmeren 
Varietäten  des  Asphalterzes  treten  ausserdem  noch  deutUche, 
lebhaft  rothbraun  gefärbte  Bitumen-Dendriten  auf.  Diese  den- 
dritenartigen Gebilde  sind  an  deiyenigen  Stellen,  wo  sie  nicht 
allzu  massig  auftreten,  am  besten  zu  beobachten  und  weichen 
beträchtlich  von  gewöhnlichen,  ganz  unregelmässig  moosförmigen 
Dendriten  ab.  Dieselben  erinnern  vielmehr  an  im  Wachsthum 
begriffene,  gestrickte  Krystallformen ,  wie  man  sie  so  häufig, 
z.  B.  an  Ammoniaksalzen  beobachtet.  Es  sind  immer  gradlinige 
Wachsthumsaxen  vorhanden,  von  welchen  das  Bitumen  feder- 
förmig  und  flockig  ausstrahlt.  Mehrere  solcher  Axen  gehen  in 
der  Regel  von  einem  gemeinsamen  Centrum  unter  ziemlich  con- 
stanten  Winkeln  auseinander.  Die  beobachteten  Winkel  nähern 
sich  denen  des  hexagonalen  Systems,  so  dass  3  Strahlen  annährend 

III.  8 


114 

unter  120°  divergiren.  Vielleicht  dürften  diese  hexagonalen 
Winkel  in  irgend  einer  Weise  zu  dem  krystallinischen  Kalkstein 
in  Beziehung  stehen?  Das  Bitumen  ist  ausserordentlich  fest  an 
den  Kalk  gebunden  und  lässt  sich  nicht  durch  Kochen  mit 
Wasser,  wie  aus  den  Bitumensanden,  entfernen.  Durch  Digeriren 
mit  Schwefel*  oder  Petroläther  gelingt  es,  einen  Theil  des  Bitu- 
mens aus  dem  gepulverten  Asphaltkalk  auszuziehen;  die  Lösung 
zeigt  alsdann  im  durchfallenden  Licht  eine  rothbraüne  Farbe 
und^  grünliche  Fluorescens.  Bei  dem  Behandeln  der  Dünnschliffe 
mit  Aether  konnte  durchaus  nicht  das  Bitumen  vollständig  ent- 
fernt werden.  Der  Dolomitgehalt  ist  grade  in  dem  Asphaltkalk 
selbst  unerheblich.  Die  nicht  imprägnirten  Kalke  erscheinen 
theilweise  krystallinisch,  zeigen  eine  graue  oder  rothe  Färbung 
und  treten  nesterförmig  im  Asphalt  auf,  gegen  welchen  sie  eine 
ziemlich  scharfe  Grenze  zeigen.  Sowohl  in  diesen  Einlagerungen, 
sowie  in  jenem  finden  sich  die  schon  erwähnten  Pisolithe. 
Zuweilen  erfüllen  dieselben  das  ganze  Gestein  und  sind  alsdann 
meist  von  Erbsengrösse.  Treten  sie  vereinzelter  auf,  so  erreichen 
dieselben  bedeutendere  Dimensionen;  sie  zeigen  einen  Durchmesser 
von  5  mm  bis  10  mm  und  manchmal  sogar  20  mm.  Die  Piso- 
lithe gleichen  sehr  deqenigen  von  Karlsbad  und  besitzen  ent- 
weder eine  kugelige  Gestalt  oder  werden  polygonal  gerundet, 
wenn  sie  einander  berühren.  Sie  lassen  eine  deutliche  concen- 
trischschalige  und  radialfaserige  Zusammensetzung  erkennen  und 
haben  in  der  Regel  einen  Kern,  der  aus  einem  Kalkspathkrystall, 
einer  Schwefelkiesconcretion  oder  einem  Quarzkorn  besteht.  Im 
Dünnschliff  tritt  die  concentrischschalige  Anordnung  namentlich 
an  der  Peripherie,  die  radialfaserige  Structur  in  der  Mitte  rings 
um  den  Kern  am  schönsten  hervor.  Die  einzelnen  faserigen 
Krystalle  stehen  mit  ihren  Hauptaxen  radial,  weshalb  der 
Pisolith  im  polarisirten  Licht  ein  dunkles  Kreuz  zeigt.  Die 
Pisolithe  sind   theilweise  von  Bitumen  imprägnirt;  auch   zeigen 


115 

sich  zwischen  dem  Ealk  ab  und  zu  concentrische  Schalen  von 
körnigem  Schwefelkies  \ 

Der  sogenannte   weisse  Kalkstein    oder   das    „ Weisserz'', 
welches   ebenfalls  in  Nestern  im  Asphalt  auftritt,  besteht  aus 
einem    ganz  weichen ,    sandigen,    zerreibbaren,   rosa  gefärbten 
Ealk,  so  dass  es  befremdend  ist,  warum  diese  Parthien  nicht 
auch  von  Bitumen  imprägnirt  worden  sind.  Da  wo  dieser  helle, 
dolomitische    Kalkstein   selbständig    und    in    grösserer    Menge 
auftritt,  ist  er  deutlich  geschichtet  und  von  zahllosen  oft  mehr 
als  papierdünnen  Braunkohlenschichtchen ,  Blättchen  und  Adern 
durchzogen.    Dieser  von   Braunkohle   durchschossene   Kalkstein 
nimmt  einen  bedeutenden  Antheil  an  der  Zusammensetzung  der 
Schichten.  Die  dem  Betrieb  hauptsächlich  dienende  Förderstrecke 
von   60  m,  welche  mit  schwachem  Einfallen  von   den   Werk- 
häusern nach  dem  Haupt- Asphaltlager  führt,  liegt  zum  grössten 
Theil  in  demselben.  Dem  zum  ersten  Male  in  die  Tiefen  dieses 
Bergwerkes  eintretenden  Besucher  bietet  sich  hier  an  einzelnen 
Stellen  eine  schöne  und  unerwartete  Erscheinung  dar.  An  vielen 
Stellen,  wo  dieser  Braunkohlenkalk  hervortritt  und  namentlich 
da,  wo  er  die  Decke  des  Stollens  bildet,  hängen  von  derselben 
lange,    seidenartige,    haarförmige    Krystalle  herab,    welche   im 
Schein   des   Grubenlichtes    glänzen.     Die    unter    dem    Einfluss 
der  warmen   und  feuchten  Bergwerksluft   efBorescirten  Nadeln 
erreichen  zuweilen  eine  Länge  von  20  mm  und  bestehen  aus 


1.  Es  konnte  nicht  mit  Sicherheit  ermittelt  werden,  ob  Kalkspath  oder  irra- 
gonitfasem  den  Pisolith  zusammensetzen.  Das  speciflsche  Gewicht  eines  möglichst 
reinen  Stückchens  betrug  2,653  und  bleibt  demnach  hinter  demjenigen  des  Arragonils 
(2,7—2,88)  zurQck.  Das  StQckchen  mit  welchem  die  Bestimmung  gemacht  wurde, 
zeigte  unter  dem  Mikroskop,  nachdem  es  in  Salzsaure  gelöst  war,  eine  nicht  aner- 
hebliche Menge  ^on  Schwefelkies.  Dieser  musste  das  Sp.  6.  erhöhen,  während  der 
jedenfalls  vorhandene  geringe  Bitumengehalt  es  erniedrigte.  Durch  die  Bertrand'schen 
Interferenzringe  konnte  ebenfalls  kein  Aufschluss  erlangt- werden,  da  die  Fasern 
nicht  hinreichend  durchsichtig  sind. 


116 

ganz  reinem  Bittersalz.  Dieses  halb  natürliche,  halb  künstliche 
Vorkommen  des  Epsomits  mag,  da  es  nicht  gerade  häufig  ist, 
hier  Erwähnung  finden.  Während  aus  dem  Braunkohlenkalk  in 
dieser  Weise  schwefelsaure  Magnesia  effiorescirt,  findet  sich  an 
der  Kohle  selbst  nur  Eisenvitriol  und  zwar  oft  in  dicken  grünen 
Krusten  ausgeschieden. 

Die  Braunlfohle  ist  nicht  erdig,  wie  diejenige  von  Buchs- 
weiler, sondern  besitzt  in  dünneren  Parthien  einen  dichten, 
glänzenden  Bruch.  Dieselbe  tritt  nur  in  wenig  mächtigen,  höchstens 
0,60  m  starken  Flötzen  auf  und  ist  wegen  des  hohen  Schwefel- 
kiesgehaltes ungemein  zur  Zersetzung  und  zum  Aufblättern  ge- 
neigt. Zum  Theil  besteht  diese  Kohle  aus  Coniferenholz,  an 
welchem  Daubbee  bereits  die  typischen  Spiraltüpfel  beobachtet 
hat.  Eine  besondere  Varietät  ist  die  Nadel-  oder  Palmkohle 
(lignite  bacillaire);  dieselbe  wird  aus  verkohlten  Palmen- 
stämmen gebildet,  deren  Fasern  oft  noch  an  einander  haften 
und  stängelige  Aggregate  bilden. 

Als  accessorische  Bestandmassen  sind  vornehmlich  die  im  bi- 
tuminösen Kalk  vorkomm*enden  Hornsteinknollen  zu  erwähnen, 
welche  man  gleichfalls  bei  Drachenbronn  findet.  Diese  braun, 
rosa  oder  weisslich  gefärbten  Kieselsäureanhäufungen  enthalten 
ausser  Schalenfragmenten  zahllose  kleine,  meist  an  0,5  mm  mes- 
sende, elliptische,  bohnenförmige,  seltener  runde,  dunkel  gerandete, 
oolithische  Körperchen,  welche  nur  selten  concentrische  Zonen 
erkennen  lassen.  Die  Kieselmasse  besteht  zum  grössten  Theil 
aus  kömigem,  kryptokrystallinem  Hornstein,  theilweise  aber  auch 
aus  Ghalcedon,  welcher  sich  aus  faserigen,  zuweilen  strahlig 
gruppirten  Parthien  zusammensetzt  und  meistens  die  Bindemasse 
zwischen  den  Oolithen  bildet.  Herr  Db.  van  Webveke  hatte  die 
Freundlichkeit,  mir  einen  Schliff  von  silificirtem  Oolith,  welcher  als 
Einlagerung  im  Trochitenkalk  der  Gegend  von  Sierck  vorkommt, 
mitzutheilen.  Die  Aehnlichkeit  der  beiden  Kieseloolithe  ist  eine 


117 

so  grosse,  dass  wir  die  tertiären  wohl  nicht  als  ursprüngliche 
Bildung,  sondern  als  eingeschwemmte  Rollsteine  ansehen  müssend 

Das  Vorkommen  von  Bernstein  in  der  Braunkohle  von 
Lobsann  ist  schon  seit  langer  Zeit  bekannt,  und  wurde  derselbe 
früher,  wie  es  scheint,  häufiger  als  jetzt  gefunden.  Daübbee 
erwähnt,  dass  er  in  einzelnen  Braunkohlenlagen  in  zahlreichen 
Körnchen  von  der  Grösse  eines  Stecknadelknopfes  vorkommt. 
(Seltener  erreichen  die  Körnchen  Erbsengrösse  und  mehr).  Er 
zählte  bis  zu  40  Bernsteinkügelchen  in  I  cubdcm  der  Kohle. 
Der  Lobsanner  Bernstein  besitzt  eine  helle  honiggelbe  Farbe, 
einen  splittrigen  muscheligen  Bruch  und  ist  stark  doppelbrechend. 
Das  specifische  Gewicht  mittelst  der  TnouLET^schen  Lösung  be- 
stimmt, ist  gleich  l,o88. 

Der  von  Daübbee  nachgewiesene  Arsengehalt  der  Bitumen- 
gesteine und  der  Braunkohle  ist  ein  relativ  hoher  und  beläuft 
sich  auf  0,002 — 0,ooo8  %.  Derselbe  wird  wohl  durch  arsenhaltigen 
Markasit  und  durch  Arsenkies  bedingt.  Uebrigens  finden  sich  auf 
den  Klüften  des  Asphaltkalkes  auch  schöne  kleine  Pyritkrystalle. 

Die  Fossilien  des  Asphaltkalkcomplexes  sind  nicht  sehr 
zahlreich.  Von  pflanzlichen  Resten  ist  zu  erwähnen: 

Chara  VoUdA  Ai^  Braun '•  Namentlich  im  Kieselkalk  zwi- 
schen Lobsann  und  Lampertsloch.  Stengel  und  Früchte. 

Sabal  tnajor  (Ung.)  HEEB^  (=  FlabeUaria  maxima  üng.) 
Die  Blätter  finden  sich  in  schöner  Erhaltung  im  Kalk,  die 
Stämme  bilden  die  Nadelkohle. 


1.  Die  in  der  Sammlung  befindlichen  Stücke  von  Kieseloolith  waren  mit 
einer  alten  Etiquette  als  verkieselte  CAara-FrQchte  u.  Cyprii-Scbalen  bezeiebnet. 
Vielleicht  sind  sie  irgendwo  in  der  Litteratur  als  solche  erwähnt  worden  ? 

2.  L.  Jahrb.  1825.  —  Schimpkr,  Pal.  Y6g6tale  1869,  T.  I,  p.  226.  —  M6m. 
Soc,  du  mus.  d'hist  nat  Strasbg.,  1850.  PaL  Alsat.  p.  3. 

3.  [Mihn.  sur  les  vägitaux  /oss.  rhist.  7  nov.  i849,)  —  Mäm,  Soc,  d'hisL 
nat  Strsbg.,  1850,  p.  3,  Tafel  I.  II.  —  SceiMPEa,  Pal.  V^6t.  1869,  T.  II,  p.  489. 


118 

Ctntuinwmwtn  potymorphum  Heeb.  Ziemlich  schmale 
Blattformen  im  Kalk. 

Jttglanasj^  Blattfragmente  im  Kalk. 

Von  thierischen  Ueberresten  fand  sich  bisher: 

Meiania  fctsde^n  Sow.  Schon  von  Lobsann  erwähnt  in 
Saiidbkbo£B8  L.  Sw.  C,  p.  307.  Sie  liegt  mir  gleichfalls  in 
Menge  vor  und  erfüllt  einige  Schichten  des  dichten,  grauen  Kalkes 
ganz  und  gar.  Sie  findet  sich  auch  im  weissen  Kieselkalk  der 
Umgegend  yon  Lobsann  gegen  Harienbronn  hin  mit  Ohara 
Voltsi  zusammen.  Die  Art  ist  weit  yerbreitet  und  reicht  vom 
Obereocan  bis   in  das  Mitteloligocan. 

Miiehüu8  pupiniformis  Saxdb.  (L.  Sw.  C,  p.  316» 
TL  XX,  fig.  12.)  Bisher  nur  von  Lobsann  in  schlechten  Stein- 
kernen  bekannt. 

JTysÜa  sp.  ähnlich  aber  schlanker  als  N.  poliia  F.  Edw. 
(SAjms.  L.  Sw.  C,  p.  316.) 

Hydrobta  obelisetis  Sandb.  (L.  Sw.  C,  p.  316.) 

AuHcida  (Pjrthiopsis?)  Sandb.  (L.  Sw.  C,  p.  317.) 

Helix  sp.  Sandb.  (L.  Sw.  C,  p.  317.) 

Hierzu  kommen  noch  specifisch  unbestimmbare  Beste  einer 
Amnioola  und  eines  kleinen  segmentinen  JPlcmarMs  in  der 
Braunkohle. 

Anthracotheriuin  alsaiiCHm  Cuv. 

(Reste  von  Lobsann  sind  abgebildet  und  erwähnt  in  Guy.,  Rech,  s,  l.  oss, 
foss.  1822,  p.  500,  T.  35,  fig.  5;  1836,  p.  482,  T.  201,  fig.  5.  — 
Blaintill£,  Ost^.  IV,  Anthr.) 

Die  Selbständigkeit  des  elsässer  AfMracoiherium  ist  von 
Terschiedenen  Autoren  angezweifelt  worden;  so  haben  vor  allem 
Blaistills  und  Gkbtais  dasselbe  mit  dem  Anthr.  tnagnum  ver- 
einigt, während  H.  tok  Meysb,  Gaubbt  und  FuiHOL  es  als  geson- 
derte Species  auffuhren.  Kowaletskt,  in  seiner  berühmten  Mono- 


119 

graphie  der  Gdittung  Änthracoiherium  (Palaeontogr.  XXII  1876), 
gesteht  dem  Änihr.  alsaticum  nur  schwache  Ansprüche  auf  speci- 
fische  Selbständigkeit  zu,  geht  aber  leider  nicht  näher  auf  die- 
selben ein  (pg.  347).  Das  Anthracotherien-Material  von  Lobsann, 
welches  mir  vorliegt,  ist  zu  sparsam,  um  mich  hier  auf  eine 
gründliche  Beschreibung  der  Species  einlassen  zu  können.  Ich 
will  nur  hervorheben,  dass  alle  bekannten  Reste  von  Lobsann 
mir  zur  selben  Species  zu  gehören  scheinen,  und  dass  diese 
meiner  Ansicht  nach  nicht  mit  dem  Anthr.  magnum  zu  Ver- 
einigen ist.  Einige  Maasse  mögen  zunächst  zum  Vergleich  dienen ' : 


Oberkiefer-Zilme 

mit  Ausnahme  von  m* 
und  den  Incisiven. 

Uniarkiefer-Zilme 

mit  Ausnahme  von 

P*j  P't  Ci  i*  «•  i*- 

Die  Maasse  sind  in  mm 
angegeben. 

m'. 

42 

40 

46,5 

59 

78,5 

73 

60 

m*. 
36 

35,5 

52 

60 

55 

P^ 
25,6 

27 

35 

P». 
22 

15 

28 

c. 

ra*. 

55 
68 
75 
74 

m». 
32 

32 
43 
47 

m«. 

27 

26 
36 

P». 
24 

28 

37 

i». 
09 

16 

er- 
20 

31 

k. 
25 

37 

.    V.  Lobsann 

S  {  V.  Villebramar 

'^  f  V.  Quercy 

/  V.  Gadibona 

i  1  V.  Rochetle 

jg  j  V.  Digoin 

'  V.  Moissac 

Die  Maasse  des  A.  alsaticum  von  Lobsann  sind  an  Exem- 
plaren der  Strassburger  Landessammlung,  die  von  Villebramar 
an   einer   Abbildung    von   Gaudby   (Enchain.   d.   monde   anim. 


1.  Die  Prämolaren  sind  von  hinten  nach  vorn  gezahlt.  Diese  Art  des  Zählens 
ist  in  sofern  zwecitmassig,  als  bei  der  Reduetion  dann  bei  allen  Zähnen  die  hOchst- 
numerirten  zuerst  verschwinden. 


120 

p.  97,  fig.  118),  die  von  Quercy  an  der  Abbildung  von  Filhol 
(Ann.  des  sc.  g^ol.  1877,  PI.  8,  fig.  241)  genommen  worden. 
Für  das  A.  magnum  wurden  bei  dem  Fundorte  Cadibona 
die  Abbildungen  von  Cuyieb  (PI.  161,  fig.  2),  bei  dem  Fund- 
orte Rochette  die  Abbildungen  von  Kowalevsky  (PI.  XII, 
fig.  60,  61,  62,  63,  64,  66),  bei  dem  Fundorte  Digoin  Gypsab- 
güsse  der  Strassburger  städtischen  Sammlung  und  bei  dem  Fundorte 
Moissac  die  Abbildungen  von  Gebvais  (Mam.  foss.,  PI.  31,  fig.  10) 
benutzt,  m'  ist  der  letzte  Molar;  die  Zahlen  geben  den  grössten 
Durchmesser  des  Zahnes  von  vorn-aussen  nach  hinten  und  innen 
gemessen  an.  Es  ist  hier  noch  zu  bemerken,  dass  der  obere  m'  von 
Digoin  etwas  durch  seine  Form  abweicht,  indem  Aussen  wand 
und  Innenwand  starker  convergiren  als  bei  den  Zahnen  der  anderen 
Fundorte,  m'  des  Oberkiefers,  der  zweitletzte  Molar,  ist  in  gleicher 
Weise  wie  m'  gemessen.  Bei  p*  und  p*,  den  beiden  hintersten 
Praemolaren,  ist  die  grösste  Breite  gemessen  worden.^  Bei  allen 
Unterkieferzähnen  ist  immer  die  Länge  angegeben.  Bei  dem 
Caninen  (c)  sind  die  Durchmesser  an  der  Kronenbasis,  der 
grössere  (g)  und  der  kleinere  (l),  gemessen. 

Aus  der  Tabelle  geht  hervor,  dass  das  Ä.  alsaticum 
ziemlich  constant  um  etwa  Vs  kleiner  ist  als  das  A.  magnum*. 
Dies  ist  um  so  wichtiger,  weil  die  Zähne  von  Lobsann  keines- 
wegs alle  demselben  Individuum  angehört  haben  können.  Die 
Uebereinstimmung  der  Zähne  von  Ä.  magnum  und  A.  aisaiicum 
ist  sonst  eine  sehr  grosse;  nur  die  Praemolaren  weichen  etwas 
von   einander  ab.    Man    wird    am    besten    die   kleinen  Details 


1.  Diese  constante  Crftssendifferenz  erlaubt  uns  nicht,  die  2  Arten  zu  Ter- 
einigen,  zumal  wir  TOn  A.  alsaticum  nur  die  Zähne  und  diese  nicht  einmal  alle 
kennen.  Es  können  2  ganz  verschiedene  Arten  im  Zahnbau  so  gut  wie  gar  nicht 
von  einander  abweichen;  wir  brauchen  z.  B.  nur  unserer  lebenden  Equiden,  sowie 
gewisser  Nager  zu  gedenken. 


121 

aD  einer  Abbildung  bemerken  können,  weshalb  auf  Tf.  IV  die 
am  schönsten  erhaltenen  Zähne  dargestellt  sind*. 

Bei  Q  u  e  r  c  y  finden  sich  nach  Filhol  beide  genannten  Anthra- 
coiheriwm-AxiQn  neben  einander.  Ä,  magnum  erreicht  hier  eine 
ungeheure  Grösse  und  ist  eigenthämlicher  Weise  in  den  Phos- 
phoriten fast  nur  auf  den  Fundort  Raynal  beschränkt.  Die 
kleinere  Art  von  Quercy,  von  der  wir  einige  Maasse  in  die 
Tabelle  aufgenommen  haben,  hält  Filhol  (1.  c,  pg.  178)  für 
A.  aisaticum.  Diese  Art  ist  nach  Filhol  sehr  variabel  in  der 
Grösse,  und  finden  sich,  wie  es  scheint,  Uebergänge,  welche  die 
kleinen  mit  den  grösseren  Anthracoiherium-Axten  verbinden.  Der 
von  Filhol  abgebildete  Oberkiefer  weicht  in  seiner  Bezahnung 
dadurch  ab,  dass  die  Molaren  und  Praemolaren  nach  vorn 
schneller  an  Grösse  abnehmen,  als  bei  der  elsässer  Art.  Ob  die 
Art  von  Lobsann  wie  die  von  Quercy,  welche  Filhol  ab- 
bildet, Zwischenräume  zwischen  den  Praemolaren  zeigt,  lässt  sich 
bis  jetzt  noch  nicht  entscheiden. 

Tf.  IV,  fig.  1,  m'  und  m"  des  rechten  Oberkiefers  Vi  ß-  gr- 
Dieselben  weichen  nicht  wesentlich  von  den  gleichen  Zähnen  des 
A.  magnum  in  der  Form  ab. 

Tf.  IV,  fig.  2,  p*  des  rechten  Oberkiefers  */,  n.  gr.  Die  äussere 
vordere  Warze  ist  bei  dem  abgebildeten  Stück  weggebrochen; 
dieselbe  ist  jedoch  bei  einem  anderen  Fragment  von  L  o  b  s  a  n  n 
erhalten  und  ziemlich  kräftig  entwickelt.  Die  Schmelzkegel  sind 
sehr  hoch.  Fig.  8.  Fragment  von  p'  eines  anderen  Individuums 
von  aussen. 

Tf.  IV,  fig.  3,  p*  des  rechten  Oberkiefers  Vi  n.  gr.  Dieser 


1.  So  viel  ich  weiss,  ist  bisher  nur  der  Unterkiefer  mit  Milchzähnen  des  Anthra- 
cotherium  yon  Lobsann  abgebildet  worden  (cf.  Guy.,  t.  201,  flg.  5).  Derselbe  enthält 
den  permanenten  m\  davor  3  Milchzähne  und  die  Eckzahnalveole  (mS  D>,  D^,  D>,  c). 

3  i,   i  c,  3  p,  3  m 

Die  Zahnformel  des  ausgewachsenen  Anthracoterium  ist  —r-. — ;; z . 

^  3  1,   1  c,  4  p,  3  m 


122 

Zahn  ist  Yerhältiüssiiiissig  gross  und  weicht  beträchtlich  Ton 
dem  gleichen  Zahne  des  A  magnum  ab.  Der  Hauptschmelzkegel 
ist  sehr  hoch,  spitz  und  gefältelt.  Die  Form  ist  ziemlich  kurz 
and  dick  dreieckig. 

Taf.  IV,  fig.  4.  Ein  sehr  schön  erhaltener  Canine  des  rechten 
Oberkiefers  '/i  ^'  gr.,  dorchaos  gleich,  aber  Vs  kleiner  wie  der 
Oberkiefercanine  Ton  Digoin.  Er  zeigt  vom  an  der  Basis 
geringe  Abnutzung  und  hat  namentlich  längs  der  Hinterseite 
eine  kräftige  Schmelzkante  (in  höherem  Grade  wie  Ä,  magnum). 
Ein  zweiter,  linker,  oberer  Canine,  fig.  5,  hat  ungefähr  gleiche 
Grösse,  ist  aber  heller  gefirbt  und  zeigt  vom-aussen  eine  viel 
stärkere  Usur  durch  den  übergreifenden  unteren  Caninen.  Die 
Spitze  ist  abgebrochen,  so  dass  sich  über  ihre  Abnutzung  nichts 
sagen  lässt 

Taf.  IV,  fig.  7.  Ein  unterer,  linker  Schneidezahn,  den  ich 
für  i*  halten  möchte  '/|.  Derselbe  ist  an  der  Spitze  ziemlich  stark 
abgekaut  und  zeigt  an   den  beiden   Seiten  Berährungsflächen. 

m 

Es  scheint  hiernach,  dass  die  Schneidezähne  bei  Ä.  alsaticum 
sehr  dicht  an  einander  standen. 

Ueber  die  genaue  horizontale  und  verticale  Verbreitung 
der  Anthracotherienarten,  dieser  häufigsten  Säugethiere  im  Oli- 
gocän,  liegt,  so  viel  ich  weiss,  noch  keine  eingehende  Arbeit 
vor.  Ich  beschränke  mich  daher  darauf,  zu  erwähnen,  dass 
H.  YOH  Meter  das  A.  cUscUicum  aus  Deutschland  noch  von 
Schlüchtern  und  Hochheim  (angeblich  hier  im  Cyrenen- 
mergel)  anfuhrt.  Bei  Lob  sann  findet  es  sich  in  den  tiefsten 
Schichten  des  Septarienthones  und  im  Asphaltkalk.  Das  Vorkommen 
von  Ä.  magnum  Cüy.  in  dem  Meeressande  tou  Flonheim  bei 
Alzey  wurde  neuerdings  wieder  Yon  Lepsiub  bestätigte 


I.  Lirsius.  Das  Mainzer  Becken.  Dannstadt,  1883,  p.  58. 


123 


JEntelodon  af.  tMignwm  Atm. 

Tf.  XI,  fig.  19. 

Ein  Unterkiefermolar  der  rechten  Seite  von  JEntelodon  aus 
dem  Asphaltkalk  von  Lob  sann  liegt  mir  vor.  Seine  Länge 
beträgt  42  mm,  seine  grösste  Breite  31,5  mm.  Der  Zahn  besitzt 
4  ballonförmige,  durchaus  gerundete  Schmelzkegel,  von  welchen 
die  beiden  vorderen,  höheren  durch  eine  tiefe  Einsenkung  von 
den  2  hinteren  getrennt  sind.  Der  innere  hintere  Hügel  ist  am 
niedrigsten.  Die  Abnutzung  hat  kaum  begonnen  und  macht  sich 
durch  eine  doppelte  Usurfläche  am  hinteren  äusseren  Hügel 
bemerkbar.  Am  vorderen  Theil  des  Zahnes  ist  der  Basalwulst 
deutlich  entwickelt  und  wird  nur  durch  die  Berührungsfläche 
mit  dem  davorstehenden  Molaren  etwas  oblitterit.  Am  hinteren 
Ende  des  Zahnes  erhebt  sich  der  Basalwulst  zu  einer  kräftigen, 
blasigen  Warze,  an  welcher  keine  Berührungsfläche  wahrzunehmen 
ist.  Unser  Zahn  ist  nicht  unbeträchtlich  (um  Vs)  grösser,  als  die 
Zähne  des  Enielodon  niagnum  von  Bonzon;  ferner  weicht  er 
darin  ab,  dass  der  gekräuselte  Schmelzkragen,  namentlich  an  der 
Aussenwand,  nicht  so  kräftig  entwickelt  ist,  und  dass  die  Kegel 
etwas  höher  sind.  Möglicherweise  gehört  er  einer  anderen  Art 
an;  der  einzige  Zahn  genügt  jedoch  nicht,  die  Species  zu  fixiren\ 


1.  Bei  Ronzon  soll  sich  neben  dem  E.  tnagnum  noch  eine  andere  Art 
E.  JiimMoanum  finden  (Gsav.,  Mam.  foss.),  welche  Filhol  als  Varietät  der  ersteren 
ansieht. 

Die  americaniscben  Arteo,  welche  Leidt  (ExUnct  mamalia  of  Dakota  and 
Nebraska  1869,  p.  388)  anführt,  sind  folgende: 

1)  Enielodon  Morloni  Lew.  Mauvaises  Terres  von  Dakota  (Mioc.;,  ist  kleiner 
als  E.  magnutn  Atm. 

2)  Eni,  ingens  Leid.  Eben  daher,  ungefähr  ebenso  gross  wie  E,  magnum. 

3)  Ent  superbum  Leid.,  aus  Galifornien.  Sehr  unvollständig  bekannt,  wohl 
etwas  grösser  als  das  vorige,  vielleicht  damit  identisch. 


124 

Der  Zahn  von  Lobsann  ist  wahrscheinlich  der  letzte,  viel- 
leicht auch  der  zweitletzte  Molar;  beide  Zähne  gleichen  einander 
sehr,  zumal  da  m'  bei  Entelodon  keine  3  Loben  besitzt,  wie  bei 
allen  anderen  Paarhufern  mit  Ausnahme  des  Neotragus  Saltiana*. 
Seiner  Form  nach  bin  ich  eher  geneigt,  den  Zahn  von  Lobsann 
für  den  zweiten  Unterkiefermolaren  zu  halten. 

JEnielodoh,  ein  Bunodont,  welcher  jedoch  durch  seine  Zwei- 
zehigkeit  von  allen  anderen  schweineartigen  Thieren  abweicht, 
wie  dies  Eowalevsky  nachgewiesen  hat,  findet  sich  namentlich 
im  Kalk  von  Ronzon  (Oligocän)  neben  Hyopotamus.  Ausser- 
dem kommt  er  im  oligocänen  Sandstein  von  Yillebramar 
mit  Anthracotherium  alsaticum  vor,  während  die  Gattung  über- 
haupt ihre  reichste  Entwickelung  im  Miocän  (viell.  z.  Th.  Oligo- 
cän) von  Nordamerica  erlangte.  Aus  Deutschland  kenne  ich  nur 
den  einzigen  Fundort  Lobsann,  wo  Herr  von  Alskbt  den 
besprochenen  Zahn  im  Asphaltkalk  auffand  und  ihn  der  hiesigen 
Landessammlung  gütigst  überliess. 


4)  Eni.  imperator  Leid.  (Gont.  to  the  ex.  vert.  fauna  of  the  w.  teiritories 
1873,  p.  217.)  Eine  Art,  die  grösser  sein  soIi  als  E.  magnum. 

FiLHOL  (Ann.  d.  sc.  gäol.  1882,  p.  240)  spricht  sich  dahin  aus,  dass  E.  im- 
perator u.  superbum  wohl  mit  dem  europäischen  E,  magnum  vereinigt  werden 
müssten,  da  diese  Art  sehr  in  der  Grösse  variire.  Ueberhaupt  sind  die  meisten  der 
oben  genannten  americanischen  Arten  nur  in  mangelhaften  Resten  beliannt 

6)  E,  Leidyanum  Marsh.  Squanknm  MoumouUi  Co.  N.  J.  Mioc?  —  Von 
dieser  grossten  americanischen  Art  konnte  ich  leider  keine  Abbildung  mit  dem 
elsässer  Zahn  vergleichen. 

6)  Ent.  lentus  Marsh.  (Am.  Jonr.  cf.  sc.  1871.)  Mauvaises-Terres  von  Dakota. 
Soll  nur  halb  so  gross  sein  wie  E.  Mortoni. 

1 .  Gf.  KowALEvsKT.  Ostcologie  des  Genus  Entelodon  Aym.  Palaeontol. ,  XXII, 
1876,  p.  421.  EUie  dem  dritten  Lobus  ähnliche  Bildung  zeigt  sich  bei  Entelodon 
Mortoni  Leidt  u.  zwar  bei  grossen  Exemplaren  desselben,  wie  sie  früher  als 
Archaeotherium  robtutum  beschrieben  wurden  (cf.  Leidy,  Ancient  fauna  of  Nebraska 
1852,  p.  66,  Tf.  X,  fig.  12). 


125 


Hyapotcmius  cf.  VetOMWUs  Cüv. 
Tf.  XI,  fig.  18. 

Es  liegt  mir  yon  Lob  sann  ein  letzter,  unterer  Molar  der 
linken  Seite  vor.  Er  ist  ausgezeichnet  durch  seine  inneren,  spitz- 
kegelförmigen  und  seine  äusseren,  winkelig  halbmondförmigen 
Schmelzkegel.  Derselbe  hat  3  Loben;  an  dem  hinteren  Talon 
fehlt  jedoch  der  innere  Kegel.  Die  Schmelzsübstanz  ist  unregel- 
mässig gekömelt.  Der  einzige  Zahn,  mit  abgebrochenem  äusseren 
Kegel  des  vordersten  Lobus,  lag  in  der  Strassburger  Sammlung 
und  war  als  ?  Sideroiherium^  bestimmt.  Der  Grösse  und  Form 
nach  scheint  mir  der  Zahn  dem  Hyopotamus  Velaunus  Guy.  sp. 
am  nächsten  zu  stehen;  die  unvollständige  Erhaltung  erlaubt 
jedoch  noch  nicht  mit  Sicherheit  darüber  zu  entscheiden. 


?  Hhinoceros  sp. 

Von  Daübbee  wird  (1.  c.,p.  181)  ein  Rhinoceroszahn  erwähnt, 
der  sich  in  der  Braunkohle  von  Lobsann  fand.  Der  Zahn  ist 
nicht  in  der  Strassburger  Sammlung,  und  ich  kenne  ihn  nicht. 
Das  Vorkommen  von  Bhinoceros  mit  Entelodon  zusammen  hätte 
nichts  Unwahrscheinliches  an  sich. 

In  den  M^m.  d.  1.  soc.  d'hlst.  nat.  de  Strasbg.  V,  R^sum(^ 
analytique  (6  nov.  1861  und  3  mai  1859)  heisst  es,  dass 
ScHiMPEn  Zähne  von  Antr.  magnum  von  Lobsann  und  von 
,^Anchitherium  aurelianum^^  vorgezeigt  habe.  Was  ersteres  betrifft, 
so  waren  es  wohl  die  Zähne  von  Äntr.  alsaticum  aus  der 
Strassburger  Sammlung;  was  letzteres  angeht,  so  verweise  ich 
auf  die  Anmerkung  p.  27. 


1.  Ueber  Siderotherium  vergl.  Die  foss.  SSugethiere  Wttrtembergs    1839, 
p.  75,  Tf.  X,  fig.  20—21,  von  G.  F.  JiEOEB. 


126 


B,  Bitumenführende  Schichten  von  Pechelbronn. 

(Dnteroligocan.) 

Im  Vorstehenden  haben  wir  gesehen,  dass  nnter  dem 
Asphaltkalk  und  den  Braunkohlen  von  Lobsann  eine  Reihe 
von  mergeligen,  pechsandfährenden  Schichten  sich  zeigte;  ähn- 
lichen Mergeln  begegneten  wir  bei  Lampertsloch  unter  dem 
Süsswasserkalk,  und  bei  Pechelbronn  schliesslich  finden  wir 
dieselben  in  grossem  Maasstabe  bei^männisch  aufgeschlossen. 
Den  Asphaltkalk  mussten  wir  sowohl  seiner  Lagerung,  als  auch 
seiner  Fauna  nach  dem  tiefsten  Mitteloligocan  zuzahlen.  Seine 
liegenden  Schichten,  welche  uns  jetzt  beschäftigen  werden,  und 
welche  mit  gleichbleibendem  Charakter  bei  Pechelbronn  bis 
in  eine  Tiefe  tou  150  m  Terfolgt  wurden,  können  wir  daher 
als  Unteroligocän  ansehen,  um  die  Einförmigkeit  der  Mergel- 
massen und  ihr  stetes  Wechseln  mit  kleinen  meist  bituminösen 
Sandschichten  zu  yeranschaulichen,  mögen  2  Profile  dienen: 

I.    Profil    des    Magdalenen  -  Schachtes   Ton    1839,    nach 
Daitbbee. 

1.  Ackerboden 1,»  m. 

2.  Thon  und  Mergel 9,o8  m. 

3.  Bituminöser  Sand 0,i6  m. 

4.  Blaue  Mergel 3,89  m. 

5.  Sandstein 0,48  m. 

6.  Bläuliche  Mergel 3,89  m. 

7.  Sandstein 0,i6  m. 

8.  Bläuliche  Mergel 1,78  m. 

9.  Sandige  Mergel  und  schwarzer  Sand l,<a  m. 

10.  Bläuliche  Mergel 2,s7  m. 


Zu  fibertragen  ....     24,63  m. 


127 

Uebertrag  ....  24,63  m. 

*11.  Rother  Thon 0,65  m. 

12.  Bituminöser  Sand 0,io  m. 

13.  Sandige  Mergel I,i9  m. 

*14.  Rother  Thon 0,8i  m. 

15.  Bläuliche  Mergel  mit  schwarzem  Sande  gemengt  6,88  m. 

*16.  Rother  Thon 0,7$  m. 

17.  Sandstein 0,67  m. 

*18.  Rother  Thon 0,97  m. 

19.  Graue  Mergel 0,97  m. 

20.  Sandstein 0,8i  m« 

*21.  Rother  Thon 1,2*  m. 

22.  Sandstein 0,o8  m. 

*23.  Rother  Thon 0,7s  m. 

24.  Blaue  Mergel 1,08  m. 

25.  Bituminöser  Sand 0,82  m. 

26.  Graue  Mergel 1,08  m. 

27.  Sandstein 0,40  m. 

28.  Graue  Mergel 0,6i  m. 

29.  Bituminöser  Sand 0,48  m. 

30.  Blaue  Mergel 0,82  m. 

31.  Bituminöser  Sand 0,82  m. 

32.  Bläuliche  und  schwarze  Mergel 10,86  m. 

33.  Sandstein 0,s2  m. 

34.  Graue  Mergel 1,95  m. 

35.  Bituminöser  Sand 0,82  m. 

36.  Bläuliche  und  schwarze  Mergel  mit  bituminösem 

Sand  gemengt 6,66  m. 

37.  Bituminöser  Sand 1,78  m. 

38.  Mergel  mit  Sandstein  wechselnd 0,97  m. 

39.  Bituminöser  Sand l,8o  m. 

Zu  übertragen  ....  66,42  m. 


128 

Uebertrag  ....  66^  m. 

40.  Sandstein O^i  m. 

41.  Graue  und  schwarze  Mergel 2,io  m. 

42.  Sandstein 0,st  m. 

43.  Bläuliche  und  rothe  Mergel  mit  Bitumsand- 
flötzen 4,91  m. 

73,86  m. 

In  diesem  Profil  überwiegen  die  Mergel  und  thonigen 
Mergel  weitaus  über  die  mergeligen  Sande  und  Sandsteine.  Man 
begegnete  in  dem  Schacht  8  Bitumensandflötzen,  die  zusammen 
4,73  m  mächtig  sind,  und  Yon  welchen  das  stärkste  1,78  m 
erreicht  Die  Bitumensande  sind  auf  keinen  bestimmten  Horizont 
beschränkt,  sondern  finden  sich  in  der  ganzen  Höhe  der  Schichten 
und  sind  in  der  Teufe  am  besten  entwickelt.  Man  begegnete 
beim  Graben  des  Oelbassins,  wenige  Meter  unter  Tage  schon, 
kleinen  Lagen  von  Petrolsand  und  hat  im  Jahre  1882  das 
reichste  und  wohl  auch  das  mächtigste  Flötz  bei  138  m  Tiefe  ent- 
deckt. Das  Auftreten  der  rothen  Thone  ist  auf  eine  Tiefenzone 
von  ungefähr  25 — 40  m  im  Magdalenenschacht  beschränkt. 

IL  Profil  des  Andreas-Schachtes.  Das  sehr  detaillirte  Profil 
dieses  Schachtes  wurde  von  Herrn  vok  Albebt  aufgenommen 
und  findet  sich  ausserdem  abgedruckt  in  dem  Werke  von 
L.  Stbippelmakn,  Ueber  die  Petroleum-Industrie  Oestreich-Deu  tsch- 
lands.  Ab.  UI,  pg.  176. 


Profil  des  Andreasschachtes  za  Pechelbronn. 


129 


1  Lö8S 

2  Grober  Flusssand 

3  Gelber,  mit  kleinen  Sandsteinen  und  nierenfOrmigen 

Feuersteinen  geschwängerter  Thon 

4  Graubräunlicher  Letten 

5  BraunrOtblicher  Letten 

6  Grauer  Letten 

7  Schwarzer  Letten 

8  Blauer  Leiten 

9  Grauer  Letten 

10  Schwarzer  Leiten 

11  Grauer  Leiten 

12  Blauer  Letten 

13  Grauer  Letten 

14  Blauer  Letten 

15  Gelblicher,  sandiger  Letten 

1 6  Sandiger,  blauer  Letten 

17  Grauer  Letten  von  einem  kleinen  Sandgang  durch- 

zogen   

18  Graubräunlicher  Letten 

19  Brauner  Letten 

20  Blauer  mit  Sand  geschwängerter  Letten 

21  Gewaschener  Sand 

22  Schwarzer  Letten 

23  Grauer  Letten 

24  Stein 

25  Grauer  Letten  an  der  Sohle  mit  Sand  geschwängert 

26  Gewaschener  Sand 

27  Brauner  Letten 


ni. 


• 

Mäch- 
tigkeit. 

Tiefe. 

m. 

m. 

1,68 

1,62 

0,05 

1,67 

0,58 

2,25 

5,27 

7,52 

3,80 

10,82 

0,80 

11,12 

0,45 

11,57 

0,80 

11,87 

3,46 

15,82 

0,60 

15,92 

0,80 

16,72 

0,80 

17,02 

0,90 

17,92 

0,80 

18,22 

0,28 

18,50 

0,80 

18,80 

0,87 

19,67 

0,45 

20,12 

1,10 

21,22 

0,26 

21,47 

0,80 

21,77 

1,25 

33,02 

0,45 

23,47 

0,20 

23,67 

1,98 

25,60 

0,06 

25,66 

1,00 

26,66 

9 


130 


r 


28 
29 
30 
31 
32 
33 
34 
35 
36 
37 
38 
39 
40 
41 
42 
43 
44 
45 
46 
47 
48 
49 
50 
51 
52 
53 
54 
55 
56 
57 
58 


Blauer  Letten 

Gewaschener  Sand 

Blauer  Letten 

Brauner  Letten 

Blauer  Letten 

Schwarzer  Letten 

Blauer  Letten 

Grauer  Letten 

Schwarzer  Letten 

Grauer  Letten 

Schwarzer  Letten 

Stein 

Blauer  Letten 

Grauer  Letten 

Stein 

Grauer  Letten 

Stein 

Grauer  Letten 

Gewaschener  Sand 

Grauer  Letten 

Stein 

Schwarzer,  fetter  Letten .  . 

Stein 

Brauner  Letten 

Grauer,  sandiger  Letten  .  . 
Harter,  gemeisselter  Letten 

Grauer  Letten 

Blauer  Letten 

Stein .  .  . 

Blauer,  sandiger  Letten  .  . 
Blauer  Letten 


Mäch- 
tigkeit 


m. 


0,84 
0,05 
0,90 
1,46 
1,60 
1,30 
0,80 
1,00 
0,25 
1,00 
0,87 
0,18 
0,20 
0,68 
0,28 
0,10 
0,36 
0,06 
0,05 
0,05 
0,10 
1,35 
0,47 
0,15 
0,14 
0,80 
0,48 
0,18 
0,80 
0,15 
0,42 


Tiefe. 


m. 


27,00 
27,05 

27,95 

29,40 
3 1,00 
32,30 
32,60 
33.50 

33,75 
34,75 

35,12 
35,30 
35,50 
36,18 
36,40 
36,50 

36,86 
36,92 
36,97 

37,03 
37,13 

38,48 
38,95 

39,10 

39,84 
39,44 
39,87 

40,05 

40,35 

40,50 

40,98 


131 


59  Schwarzer  Letten 

60  Grauer  Letten 

61  Blauer,  sandiger  Letten 

62  Stein 

63  Grauer  Letten 

64  Schwarzer  Letten 

65  Grauer  Letten 

66  Stein 

67  Grauer  Letten 

68  Harter,  gemeisselter  Letten 

69  Grauer  Letten 

70  Schwarzer,  mit  Braunkohlen  geschwängerter  Letten 

71  Grauer  Letten 

72  Stein 

73  Harter,  grauer  Letten 

74  Brauner  Letten 

75  Grauer  Letten 

76  Schwarzer  Letten 

77  Grauer  Letten 

78  Stein 

79  Grauer  Letten 

80  Schwarzer  Schieferlhon 

81  Grauer  Letten 

82  Sehr  harter  Stein 

83  Grauer  Letten 

84  Stein 

85  Blauer  Letten 

86  Schwarzer  Letten 

87  Grauer  Letten 

88  Harter  Stein 

89  Blauer  Letten 


Mäch- 
tigkeit. 


Tiefe. 


m. 


0,36 

3,02 

0,93 

0,22 

0,48* 

0,41 

1,14 

0,14 

0,24 

0,15 

0,70 

0,24 

0,72 

0,12 

0,70 

0,32 

0,87 

1,03 

0,23 

0,22 

0,41 

2,27 

0,87 

0,51 

0,30 

0,13 

0,10 

1,72 

0,4i) 

0,41 

0,64 


m. 


41,27 
44,29 
44,52 
44,74 
45,22 
45,63 
46,77 

46,91 
47,15 
47,30 
48,00 

48,24 
48,96 

49,08 

49,78 

50,10 

50,47 
51,50 
51,73 
51,95 
52,36 
54,63 

55,50 
56,01 
56,31 

56,44 
56,54 
58,26 
58,75 

59,16 
59,80 


1 


132 


90 

91 

92 

93 

94 

95 

96 

97 

98 

99 

100 

101 

102 

103 

104 

105 

106 

107 

108 

109 

110 

111 

112 

113 

114 

115 

116 

117 

118 

119 

120 


Schwarzer  Letten 

Thonmergel 

Schwarzer  Letten 

Grauer  Letten 

Schwarzer  Letten 

Schwarzer  Sand 

Granlicher  Letten 

Schwarzer  Letten 

Blauer  Leiten 

Stein 

Grauer  Letten 

Harter  Stein 

Blauer  Letten 

Stein 

Schwarzer  Letten 

Schlammartiger  Sand 

Schwarzer  Leiten 

Schlammartiger  Sand 

Blauer  Letten 

Sehr  harter  Stein 

Grauer  Letten 

Schwarzer,  schlammartiger  Sand 

Schwefelkies 

Schwarzer  Letten 

Harter  Stein 

Grauer  Letten 

Harter  Stein 

Blauer  Letten 

Stein 

Blauer  Letten 

Stein 


Mäch- 
tigkeit. 

Tiefe. 

m. 

m. 

0,36 

60,16 

0,95 

61,11 

0,57 

61,68 

0,20 

61,88 

0,10 

61,98  1 

0,05 

62,03  1 

0,09 

62,12 

0,20 

62,32 

0,28 

62,60 

0,12 

62,72 

0,15 

62,87 

0,52 

63,39 

0,68 

64,07 

0,23 

64,30 

1,47 

65,77 

0,05 

65,82  1 

0,35 

66,17 

0,05 

66,22 

0,46 

66,68  . 

0,40 

67,08 

0,32 

67,40 ' 

0,15 

67,55  j 

0,10 

67,65 

0,05 

67,70 

0,16 

67,86 

0,05 

67,91 

0,24 

68,15 

0,53 

68,68 

0,16 

68,84 

0,92 

69,76 

0,44 

70,20 

133 


121  Sehr  harter,  grauer  Letten 

122  Schwarzer  Letten >. 

123  Schwarzgrauer  Letten 

124  Grauer  Letten 

125  Thoniger,  gewaschener  Sand 

126  Stein 

127  Grauer  Leiten 

128  Blauer  Letten 

129  Erz  mit  blauem  Letten  geschwängert.  .  .  . 

130  Blauer  Letten 

131  Brauner  Letten 

132  Grauer  Letten 

133  Schwarzer  Letten 

134  Blauer  Letten 

135  Stein 

136  Blauer  Letten 

137  Schwarzer  Letten 

138  Blauer  Letten 

139  Gewaschener  Sand 

140  Blauer  Letten 

141  Stein 

142  Grauer  Letten 

143  Stein. 

144  Grauer  Letten 

145  Stein 

146  Blauer  Letten 

147  Stein 

148  Blauer  Letten  von  gewaschenen  SandflOtzen  durch- 
zogen   

149  Schwarzer  Letten 

150  Blauer  Letten  mit  kleinen  BrzflOtzen  (Pe- 
IrolsandflOtzen) 


Mäch- 
tigkeit. 


Tiefe. 


m. 


m. 


0,46 
0,18 
0,S6 
0,15 
0,05 

0,10 

0,60 
0,80 

0,10 

0,14 
3,64 
0,45 
0,97 
0,30 
0,26 

0,ai 

0,83 
0,80 
0,04 
0,76 
0,14 
0,37 
0,86 
1,03 
0,88 
0,35 
0,88 

0,80 
0,75 

0,30 


70,66 
70,84 
71,80 
71,35 
71,40 
51,50 

72,10 
72,90 
73,00 
73,14 

76,78 
77,83 

78,80 
78,50 

78,76 
78,97 

79,40 
79,40 

79,44 

80,80 

80,34 

80,71 

80,97 

82,00 

82,88 
82,63 
82,85 

83,05 
83,80 

84,10 


134 


151 

152 

153 

154 

155 

156 

157 

158 

159 

160 

161 

162 

163 

164 

165 

166 

167 

168 

169 

170 

171 

172 
173 
174 
175 
176 
177 
178 

179 


Stein 

Grauer  Letten 

Harter  Stein 

Blauer  Letten 

Blauer  Letten  mit  gewaschenem  Sand 

Schwarzer  Leiten 

Grober,  gewaschener  Sand 

Ausserordentlich  harter  Stein.  .* 

Blauer  Letten 

Stein 

Blauer  Letten 

Schwarzer  Letten 

Grauer,  weicher  Letten 

Schwarzer  Letten 

Stein 

Zerreiblicher,  grauer  Letten 

Stark  riechendes  Erz,  erzeugt  Rohöl  .  . 

Blauschwärzlicher  Letten 

Stark  riechendes  Erz,  erzeugt  Rohöl  .  .  .  . 

Blauer  Letten 

Sehr  harter  Sandstein,  50  cm  mächtig  im  Schacht, 
wo  er  an  der  Sohle  Oel  erzeugt.  .  .  . 

Blauer  Leiten 

Schwarzer  Letten 

Harter,  grauer  Letten 

Schwarzer  Letten 

Grauer  Letten 

Stein 

Schwarzer  Letten 

Sohle  des  Schachtes. 
Harter  Stein 


0,26 
0,06 
0,28 

0,10 

0,28 
0,85 
0,20 
0,25 
0,12 
0,24 
0,44 
2,98 
0,64 
1,30 
0,15 
0,15 
0,05 
0,70 
0,05 
0,17 

0,so 

0,87 
2,28 
0,68 
0,55 
0,35 
0,10 
1,15 

0,40 


84,36 
84,42 

84,70 
84,80 
85,08 

85,43 
85,63 
85,88 

86,00 

86,24 
86,68 
89,66 

90,30 

91,60 
91,75 
91,90 
91,95 
92,65 

92,70 

92,87 

93,17 

93,54 
95,82 
96,45 

97,00 

97,35 
97,45 

98,60 
99,00 


135 


180  Grauer  Letten 

181  Stein. 

182  Blauer  Letten,  wird  am  Dach  von  einigen 
fetten,  stark  riechenden  BrzflOtzen 
durchzogen 

183  Brauner  Letten 

184  Stein 

185  Blaugrauer  und  sandiger  Letten 

186  Fettes,  riechendes  Erz,  erzeugt  Wetter.  .  . 

187  Blauer  Letten 

188  Braungrauer  Letten 

189  Blauer,  sandiger  und  riechender  Leiten 

190  Stein. 

191  Brauner  Letten 

192  Grauer  Letten. 

193  Blauer  Letten,  ist  am  Dach  von  einigen  ge- 
ringen, fetten,  riechenden  ErzflOtzen 
durchzogen 

194  Sandstein 

195  Blauer  Letten 

196  Schwefelkieshaltiger,  schwarzer  Letten 

197  Stein 

198  ^  I  Grauer  Letten  mit  Erzflötzen 

199  äs  j  Mageres,  lettiges  Erz 

200  'S  j  Erz 

201  w  (  Sehr  fettes  Erz 

202  Stein 

203  Fettes  Erz 

204  Stein 

205  Blauer  Letten 

206  Stein 


Mäch- 
tigkeit. 


m. 


0,28 
0,15 


0,74 
0,32 
0,28 
0,23 
0,77 
0,06 

0,40 

0,16 
0,15 
0,58 
0,26 


1,00 
0,05 
0,77 
0,90 
0,16 
0,47 
0,63 
0,35 
3,43 
0,20 
0,18 
0,14 
1,80 
0,08 


Tiefe. 


m. 


99,28 
99,43 


100,17 
100,49 
100,72 
100,95 
101,72 
101,78 
102,18 
102,33 
102,48 
103,02 
103,32 


104,32 
104,37 

105,14 
106,04 
106,20 

106,67 

107,30 

107,68 
111,08 
111,28 
111,46 
111,60 
113,40 
113,48 


136 


207  Blauer  Letten 

208  Stein 

209  Blauer  Letten 

210  Stein 

211  Blauer  Leiten 

212  Stein 

213  Gemeisselter  Letten 

214  Sehr  harter  Stein 

215  Schwarzer  Letten. 

216  Blauer  Leiten 

217  Mageres,  aber  riechendes  und  Wetter  er- 
zeugendes Erz 

218  Blauer  Letten 

219  Brauner  Leiten 

220  Blauer  Letten 

221  Weisser,  gewaschener  Sand 


MAch- 

tjgkeit. 


Tiefe. 


0,24 
0,18 
0,18 
0,38 
0,06 
0,19 
0,87 
0,50 
0,90 
1,99 

0,13 
0,95 
1,85 
0,49 
0,95 


3,79 
3,90 
4,08 
4,40 
4,45 
4,57 
5,30 
5,80 

6,00 
7,« 

:7,s5 

8,30 

20,15 

20,57 
20,89 


137 

In  diesem  Profil  überwiegen  wiederum  die  Mergelschichten 
(Letten)  bei  Weitem  an  Masse  gegenüber  den  anderen  Gebirgs- 
arten,  wie  Sanden,  Sandsteinen,  Thonen  und  Steinmergeln. 
Nach  Abzug  aller  anderen  Schichten  bleibt  für  die  Mergel  eine 
Mächtigkeit  von  etwa  97,52  m  bei  einer  ganzen  Tiefe  des 
Schachtes  und  Bohrloches  von  120,88  m.  Die  ersten  Indicien 
von  Bitumen  zeigten  sich  bei  73  m  Teufe;  bei  106,8o  m  erreichte 
man  das  Hauptflötz  oder  sogenannte  £rzlager,  welches  an  dieser 
Stelle  4,88  m  Mächtigkeit  hatte.  Im  Ganzen  wurden  1 1  Schichten 
durchteuft,  welche  Bitumensand  führten  oder  Spuren  davon  auf- 
wiesen. Die  rothen  Thone  des  Magdalenen-Schachtes  fehlen  im 
Andreas-Schacht.  Die  in  dünnen  Lagen  vorkommenden  Sandsteine 
bestehen  aus  farblosen  oder  leicht  röthlich  gefärbten,  gerundeten 
Quarzkörnern,  welche  durch  ein  kalkig  mergeliges  Cement  ver- 
bunden sind  und  ab  und  zu  Pyrit  enthalten. 

Diese  angeführten  Profile  geben  uns  nur  eine  unvoll- 
ständige Vorstellung  von  der  Verbreitung  der  bituminösen  Sande 
in  den  sterilen  Mergeln  und  Sandsteinen.  Wir  müssen  das  Haupt- 
augenmerk auf  die  horizontale  Ausdehnung  der  Petrolsande 
richten.  Man  kennt  dieselbe  bei  Pechelbronn  ziemlich  genau, 
da  schon  seit  dem  Jahre  1743  an  diesem  Orte  fast  ununter- 
brochener Bergbau  'auf  Petroleum  betrieben  wurde. 

Um  die  jetzt  zu  schildernden  Verhältnisse  anschaulicher  zu 
machen,  wurde  beistehende  Skizze  (Atlas-Karte  Nr.  I.)  nach  den 
Grubenplänen  entworfen  ^  Wie  der  Plan  zeigt,  bilden  die  bituminösen 
Sande  lange,  schmale  und  platte,  bandförmige  Einlagerungen  parallel 
den  Schichtflächen.  Diese  Einlagerungen  zeigen  eine  sehr  geringe 


1.  Ein  theilweiser  Plan  der  Petrolflötze,  welcher  von  Daubr^e  herrührt, 
eiisürt  schon  seit  1852.  Im  Jahre  1873  wurde  von  dem  Besitzer  Herrn  Lb  Bel 
ein  neuer  Plan  für  die  Wiener  Weltausstellung  entworfen.  Auf  Grund  dieses  Situa- 
tionsplanes, sowie  der  Bergakten,  deren  Benutzung  ich  der  Gute  des  Herrn  von 
Albeat  verdanke,  wurde  meine  Skizze  angefertigt. 


ISS 

Terticale  Höhe  Ton  ange&hr  0>— 2  m.  vje  Daubree  aniuhrt  In 
den  hüheren  Lagen  erreichen  sie  ganz  ausnahmsweise  4  m,  in  den 
tieferen  hingegen  sogar  5—6  m.  Im  transTersalen  Durchschnitt 
sind  die  Lager  linsenfLnnig,  so  dass  sie  Ton  der  Mitte  nach  den 
RäLdem  zn  aaskeilen.  Die  LängserstreckiiLg  ist  immer  eine  viel 
bedeutendere  als  die  Breite,  nLd  namentlich  die  tieften  Flötze 
scheinen  eine  sehr  grosse,  noch  unt-ekannte  AusdehnoLg  zn  be- 
sitzen. Xäch  Angabe  Daubaees  wurden  einzelne  der  höheren 
Flütze  in  einer  Erstreckung  Ton  600  m  Terfolgt  und  zeigten 
dabei  eine  durchschnittliche  Breite  tou  30  m.  welche  sich  jedoch 
zuweilen  bis  auf  60  m  steigerte.  Sowohl  die  Breite,  wie  die 
Mächtigkeit  der  Flötze  sii^d  beträchtlichem  Wechsel  unterworfen, 
und  im  gleichen  5iTeau  gelegene  Einlagerungen  sind  oft  durch 
einen  feinen  Bitumensandfaden  noch  miteinander  rerbunden.  Die 
Bitumensandäütze  der  hc-heren  Lagen,  welche  auf  unserem  Hau 
mit  einem  dunkleren  Ton  angelegt  sind,  kennt  man  am  besten, 
weil  sich  dieselben  leichter  Terfoken  und  abbauen  liessen.  In 
den  grösseren  Teufen  werden  zwar  die  Petroleumflötze  reicher 
und  mächtiger,  aber  in  dem  Grade  wird  auch  der  Abbau  der- 
selben mühsamer  und  gefährlicher.  Dieselt^en  sind  daher  meist 
durch  Querschläge  von  den  Fallstrecken  aus  angezapft  worden, 
und  man  kennt  nicht  genau  ihre  Form  und  Breite.  Das  reidiste 
bisher  bekannte  Lager  schliesslich,  welches  in  138  m  Teufe 
liegt,  kann  jedenfalls  nur  durch  Bohrlöcher  ausgebeutet  werden. 
Das  Bohrloch  Tom  6.  April  18 SS,  welches  in  138  m  Teufe 
auf  ein  Erdölflötz  traf,  lieferte  Anfangs  bei  einem  Böhrendurch- 
messer  des  Bohrgestänges  Ton  22  mm  im  Lichten  11  500  kg 
reines  Erdöl  in  24  Stunden.  Xach  längerer  Zeit  sank  die  Menge 
des  in  24  Stunden  ausäiessenden  Oeles  auf  10  800  kg  herab, 
und  auch  jetzt,  wo  man  dieses  Bohrloch  durch  einen  Erahnen 
verschlossen  hat,  scheint  seine  Produktionslahigkeit  sich  nicht 
um  Erhebliches  Temiindert  zu  haben.   Es  gelang  Anfangs  nicht 


139 

die  Fortsetzung  des  grossen  in  138  m  Teufe  gelegenen  Oelflötzes 
aufzufinden,  und  ein  ungefähr  100  m  östlich  davon  abgeteuftes 
Bohrloch  ergab  gar  kein  Oel,  sondern  nur  bedeutende  Gasmengen. 
Ende  Oktober  d.  J.  traf  jedoch  das  Bohrloch  Nr.  166  (cf. 
Eartensk.  Nr.  I,  Atlas)  bei  125,6  m  Teufe  wieder  auf  das  Oel- 
lager  und  constatirte  an  dieser  Stelle  eine  Mächtigkeit  desselben 
Ton  nur  0,34  m;  es  flössen  3—4  Fass  Rohöl  in  24  Stunden  aus. 
Im  Januar  1884  wurde  das  Bohrloch  Nr.  171  bis  zur  Teufe 
von  123  m  niedergebracht,  wo  es  ebenfalls  auf  das  Oellager 
traf  und  täglich  6  —  7  Fass  lieferte.  Aus  diesen,  sowie  aus  an- 
deren Bohrungen  gelangte  man  zum  Resultat,  dass  das  neue 
Erdölflötz  in  120—130  m  Teufe  ungefähr  in  nordwestlicher 
Richtung  verläuft  und  in  einer  Erstreckung  von  450  m  Länge 
und  60  m  Breite  bisher  nachgewiesen  ist. 

Ein  anderes  noch  tiefer  gelegenes  Petrolflötz  wurde  seit- 
dem noch  durch  3  Bohrlöcher,  ungefähr  80  m  südwestlich  von 
der  grossen  Oelqueile,  in  189  m  Teufe  erschlossen. 

Mit  ihrer  Längsaxe  halten  die  Flötze  eine  ziemlich  gleich- 
massige  Richtung  inne  und  folgen  ungefähr  dem  Streichen  der 
Schichten  von  N.  33^  0.  nach  S.  33°  W.,  was  auf  der  bei- 
stehenden Kartenskizze  sogleich  in  die  Augen  fällt.  Es  ist  wohl 
ein  Zufall,  dass  dieses  Streichen  der  am  Hochwalde  entlang 
laufenden  Yerwerfungsspalte  ungefähr  parallel  läuft,  ein  Umstand, 
der  von  Dattbbee  hervorgehoben  wurde.  Das  durchschnittlich 
nach  0.  33°  S.  gerichtete  Einfallen  der  Schichten  beträgt  bei 
Pechelbronn  2°  27'.  Dasselbe  scheint  auf  eine  grössere  Er- 
streckung hin  ein  schwaches,  zwischen  2  und  3°  wechselndes 
zu  bleiben,  was  aus  dem  Umstand  hervorgeht,  dass  man  in 
verschiedenen  Bohrlöchern  die  hauptsächlichsten  petrolführenden 
Niveau's  in  entsprechenden  Tiefen  antraf. 

Eine  schon  seit  langer  Zeit  bekannte  Thatsache,  dass 
nämlich  die  Bitumenflötze  von   einer   besonderen   braunkohlen- 


140 

reichen  Zone  umgeben  sind,  scheint  mir  in  erster  Linie  Beachtung 
zu  yerdienen.  Die  mit  Braunkohlenblättchen  geschwängerte, 
sandige  Zone  bildet  den  Uebergang  zu  den  sterilen  Mergeln. 
Diese  Erscheinung  tritt  so  constant  auf  und  steht  in  so  inniger 
Beziehung  zu  dem  Petrollager,  dass  die  Bergleute  nach  ihr  die 
Nähe  und  Bauwürdigkeit  des  Flötzes  beurtheilen  können.  Braun- 
kohlen trifft  man  sonst  bei  Pechelbronn  nur  ganz  unter- 
geordnet, sowohl  im  groben,  sterilen  Sand,  wie  auch  in  den 
schwarzen  Letten  und  im  Bitumsand  selbst. 

Der  Petrolsand,  welcher  die  langen,  schmalen  Lager  erfüUt, 
befindet  sich  in  einem  breiigen  Zustand  und  ist  schwammartig 
von  dem  flüssigen  Bitumen  erfüllt.  Wie  bei  anderen  Petrolvor- 
kommen,  so  ist  auch  hier  das  Erdöl  mit  meist  salzhaltigem 
Wasser^  vergesellschaftet  und  steht  unter  einem  hohen  Gas- 
druck. Der  Gasdruck  ist  zuweilen  ein  so  bedeutender,  dass  die 
unter  dem  Druck  befindlichen  umliegenden  Mergelschichten 
schieferig  werden.  Die  gespannten  Gase  sind  es,  welche  das 
Wasser  und  Erdöl  in  den  Bohrröhren  hinauftreiben.  Aus  einem 
1882  abgeteuften  Bohrloch  (von  120  m  Tiefe)  schleuderten  die- 
selben z.  B.  eine  16  m  hohe  Wasserfontaine  empor.  Das  Gas- 
Ausströmen  dauert  manchmal  lange  Zeit  fort  und  ist  dann  meist 
intermittirend.  Die  Gase  bestehen  vorwiegend  aus  Grubengas, 
zuweilen  auch  aus  schwerem  Eohlenwasserstoffgas  und  haben 
namentlich  früher  durch  Bildung  schlagender  Wetter  bei  den 
bergmännischen  Arbeiten  zu  Unglücksfallen  Veranlassung  gegeben, 
lieber  einer  besonders  reichen  Gasquelle  wird  das  Gas  auf- 
gefangen, um  im  pechelbronner  Laboratorium  verwendet  zu  werden. 

Nachdem  das  Erdöl  ausgesickert  ist,  hält  der  Sand  meist 
noch  2 — 4  %  Bitumen  zurück,  welches  als  feine,  braune  Häutchen 


1.  Das  Vorhandensein  von  Salz  wird  schon  durch  die  Namen  einiger  um- 
liegenden Ortschaften,  wie  Sulz,  Riedselz,  Steinselz  und  des  Selzbaches  an- 
gedeutet. 


141 

die  gerundeten  Sandkörner  umgiebt  und  lose  verbindet.  Das- 
selbe wird  durch  Behandlung  des  Sandes  mit  kochendem  Wasser 
gewonnen.  Dass  die  Bitumsande  eingeschaltete  Mergelstreifen, 
beigemengte  Braunkohle  und  Schwefelkies  enthalten,  wurde 
schon  erwähnt.  Was  die  Zusammensetzung  des  Bitumens  betrifft, 
so  liegen  2  Analysen  von  Boussingault  vor,  die  auch  von 
Daubbee  angeführt  werden: 


1.  Aus  dem  Sande  ausgekochtes  Bi- 
tumen, bei  320""  destillirt,  liefert 
ein  petrolenartiges,  gelbes  Oel. 
C.  =  88,2-^88,6  Vo 

H.   =    12,7-12,8  Vo 

0.  =      Spur. 


U.  Ausgeflossenes  RohOl;  dasselbe 

ist  leichtflüssiger  als  I. 

G.  =  88,3  Vo 

H.  =  11,1  Vo 

N.  =     1,1  Vo 


Die  £rstreckung  und  Ausdehnung  der  bitumenführenden 
Schichten  von  Pechelbronn  scheint  keine  sehr  weite  zu  sein, 
und  in  dem  Maasse,  wie  man  sich  von  dem  Gentralpunkt  L  o  b- 
sann-Pechelbronn  radial  entfernt,  scheint  der  Bitumengehalt 
abzunehmen  oder  wie  bei  Schwab  weil  er  sich  wenigstens  mehr 
zu  vertheilen. 

In  östlicher  Richtung  von  Pechelbronn  entfernt,  ist  vor 
allem  noch  ein  Bitumenvorkommen  namhaft  zu  machen,  welches 
sich  an  dasjenige  der  genannten  Lokalität  anschliesst.  4  Kilometer 
nach  Südosten  von  dem  Städtchen  Sulz  unter  dem  Wald 
entfernt,  wurde  im  Jahre  1771  in  einer  Tiefe  von  nur  17  m 
ein  Petrolsandflötz  aufgefunden  und  abgebaut.  Das  dortige  Bi- 
tumenlager war  jedoch  im  Westen  durch  eine  Verwerfung  voll- 
ständig abgeschnitten  und  wurde  nach  Osten  hin  so  arm,  dass 
der  Betrieb  mit  der  Zeit  einging.  Immerhin  war  die  Gewinnung 
eine  Zeit  lang  keine  ganz  unbedeutende  gewesen,  und  um  1792 
wurden  sogar  jährlich  500  cbm  Bitumen  gefördert.  Die  Bohrungen, 
welche  seitdem  von  Herrn  Le  Bel  in  der  Gegend  von  Sulz 
unternommen  wurden,  führten  zu  keinem  Resultat,  so  dass  der 


142 

bczzt^u  an  dief^m  Ort  schon  b£ze  ehigcstellt  ist.  Audi  die 
litsnneLrlhreDdeii  Mergel  Ton  Solz  liegen  mter  dem  SepUrien* 
tiiOD,  der  zviseben  dieser  Sudt  imd  Betschweiler  zn  Tage 
ansteht  ond  mir  eine  sehr  reiche  Ausbeute  an  Foraminiferen 
lieferte. 

In  der  Umgegend  Ton  Pechelbronn  wurden  ferner 
BitnmeDTorkommnifipe  eonstatirt:  bei  Drachenbronn  nord- 
östlich Ton  Pechelbronn,  wo  der  Bitnmensand  noch  jetzt  nicht 
weit  Ton  der  Siebenbninnemnähle  in  den  tieCsten  Schichten  des 
Septarienthones  anstehend  zo  beobachteB  ist*. 

Bei  Oberkntzenhansen,  200  m  Tom  Dorf  entfernt 
dicht  bei  Pechelbronn,  zeigen  sich  Petrolsande  mit  gräneD 
Moigeln  nnd  Kalksandsteinen  TergeseDschaftet.  In  dem  Bohrloch 
Ton  Biblisheim  (18S2)  und  in  mehreren  Bohrlöchern  bei 
Oberstritten  HSSl — 82i  wurde  ebenfdk,  aber  in  grosser 
Tiefe  Petroleum  gefunden.  Interessant  ist«  dass  anch  in  Bohr- 
löchern onweit  Schweighausen  in  der  Gegend  Ton  Hagenau 
Od  angetroffen  wurde;  so  bnd  man  im  Zinselwald  schon  in  15  m 
Tiefe  ein  ganz  zähes  ErdöL  £s  sind  dies  bisher  die  sudlichsten 
PetroleumTori^omnuusse  im  ünter-EIsass.  Schliesslich  bleibt  noch 
Schwabweiler  zu  nennen  übrig,  wo  das  Petroleum  sogar 
bergmännisch  gewonnen  wurde.  Wir  werden  auf  die  etwas  ab- 
weichenden geologischen  Verhältnisse  dieses  Fundortes  im  nächsten 
Abschnitte  ausführlicher  eingehen.  Die  Bohrlöcher  Ton  Weissen- 
burg  haben  bis  jetzt  kein  Erdöl,  aber  immerhin  Gasquellen 
geliefert.  Sie  durchteuften  zumeist  feine,  graue  Mergel,  wrelcbe 
keine  Foraminiferen  enthalten  und  gewissen  Schichten  Yon 
Schwab  Weiler  am  meisten  gleichen. 

Die  wenigen  Fossilien,   welche  sich  in  den  Schichten  von 


1.  Dieses  YorkooneB  wird  heia  Septarientkoa  abfekandelt  werden,  cf.  ig.  7. 


143 

Pechelbronn  gefunden  haben,  sind  auf  den  folgenden  Seiten 
beschrieben. 

Unbestimmbare  Knochenreste   fand  ich  in   dem  Pe- 
troleumsand des  Heinrich-Schachtes. 


Hellac  (?  Na/nina)  sp. 

Ein  einziger,  nicht  sehr  schöner,  z.  Th.  yerkieselter  Stein- 
kern wurde  mir  durch  die  Güte  des  Herrn  Le  Bel  zur  Ansicht 
überlassen.  Er  hat  5  Umgänge  und  stimmt  nach  Form  und  Grösse 
mit  der  Nanina  occlusa  Edw.  sp.  überein.  Als  einziger  Unter- 
schied wäre  anzugeben,  dass  der  Nabel  des  Stückes  yon  Pechel- 
bronn etwas  weiter  ist. 


JPlomorhia  cf.  goniöboMs  Sandb. 

in  den  Mergeln   des  Merkweiler  Schachtes   bei  Pechelbronn. 
Die  schlechte  Erhaltung  erlaubte  keine  sichere  Bestimmung. 


Idfnnea  sp. 

Eine  kleine  lAmnea,  verwandt  der  L.  crassula  Desh.,  jedoch 
etwas  spitzer,  fand  sich  in  mehreren  unvollständigen  Stücken 
neben  den  Resten  einer  Succinea  im  Merkweiler  Schacht.  (Le 
BEL'sche  Samndung.) 

Melania  cf.  m/uricata  S.  Wood. 

Eine  Art,  die  vom  Obereocän  bis  in  das  Mitteloligocän 
reicht,  wurde  in  Fragmenten  bei  Merkweiler  gefunden.  Ausser- 
dem noch  ein  schlecht  erhaltenes  Exemplar  einer  anderen  Me- 
lanie, die  zu  M.  fasciata  Sow.  gehören  dürfte. 


144 


Faltidina  et  splendida  Ludw.* 

Schon  von  Daubbee  wird  eine  Fdludina  aus  der  Gruppe 
der  P.  lenta  Bband.  sp.  (Ob.  Eoc.)  von  Pechelbronn  erwähnt. 
Ich  verdanke  gleichfalls  die  Untersuchung  von  2  leider  stark 
deformirten  Exemplaren  der  Gute  des  Herrn  Le  Bel.  Dieselben 
scheinen  mir  der  P.  splendida  Lusw.  aus  dem  mitteloligocanen 
Melanienthon  von  Eirchhain  in  Hessen  noch  am  nächsten  zu 
stehen.  Sichere  Bestimmung  und  Abbildung  war  wegen  der 
schlechten  Erhaltung  unmöglich. 

Anodanta  JDaubrieana  Schdip.  inedL 

Tf.  V,  fig.  9  a.  6. 

Von  Daubbee  wird  in  seiner  Desc.  g^ol.  du  d6p.  du  Bas- 
Rhin  das  Vorkommen  einer  Änodonta  angegeben,  welche  in 
einer  0,io  m  dicken  Mergelschicht  in  der  Gallerie  C  des  Mag- 
dalenen-Schachtes  bei  Pechelbronn  gefunden  wurde.  Es  heisst 
daselbst,  dass  diese  Anodonte  von  Schimpeb  mit  dem  Namen 
A.  Dauhreeana  belegt  worden  sei.  Ich  habe  die  Abbildung  oder 
Beschreibung  derselben  nicht  finden  können;  auch  wird  die  Art 
in  Saiydbebgebs  Land«  und  Süsswasser-Conchylien  nicht  genannt. 

An.  Dauhreeana  scheint  nicht  selten  zu  sein  und  liegt 
mir  in  mehreren  Stücken  vor;  auch  wurde  sie  neuerdings  beim 
Graben  des  Oelbassins  in  den  noch  zu  erwähnenden  grünen 
Mergeln  mit  Ohara  variahüis  n.  sp.  wiederum  gesammelt. 

Die  ziemlich  constanten  Dimensionen  der  Schale  betragen 
bei  den  grösseren  Exemplaren  4—4,5  ctm  in  der  Länge  und 
2 — 2,8  ctm  in  der  Breite;  die  Dicke,  welche  sich  nur  annähernd 
ermitteln  Hess,  würde  (für  beide  Klappen  zusammen)  etwa 
8—9  mm  betragen.  Dieselbe  ist  also  eine  ausserordentlich  flache 


1.  Ptlaeontog..  XIV,  p.  89.  Tf.  XXI,  H-  U, 


145 

Änodonta,  Die  sehr  dünnschalige  Muschel  hat  eine  eirunde 
Gestalt  mit  grade  verlaufendem  Unterrand.  Sowohl  die  Perl- 
mutterschicht, wie  die  Epidermis  sind  zuweilen  vorhanden; 
letztere  ist  mit  feinen  Anwachslinien  versehen  und  zeigt  öfters 
noch  Spuren  der  ursprünglichen  Färbung,  welche  durch  ab- 
wechselnde graugrüne  und  gelblichbraune  Zonen  hervortritt. 
Die  Wirbel  sind  ein  wenig  corrodirt  und  lassen  nichts  von  der 
welligen  Sculptur  erkennen,  welche  vielen  anderen  N^jaden  zu- 
kommt. Das  kräftige  Ligament  ist  bei  einem  Exemplar  erhalten 
und  misst  11  mm.  Das  Schloss  liess  sich  nicht  gut  präpariren, 
scheint  aber  durchaus  zahnlos  zu  sein.  Die  erwähnten  Charaktere 
und  namentlich  auch  die  Dünnschaligkeit  verweisen  die  Muschel 
zu  den  Anodontiden.  Mit  den  in  Deutschland  noch  lebenden 
Formen  der  Gattung   hat  sie  jedoch  keine  grosse  Aehnlichkeit. 

Cypris  sp. 

Vereinzelte  glatte  Gyprisschalen  erhielt  ich  aus  den  Mergeln 
des  Merkweiler  Schachtes. 

Chara  variaibüis  n.  sp. 

Tf.  V,  fig.  10  a—f. 

Die  Schlemmprobe  der  blaugrünen  Mergel  aus  dem  im 
Winter  1882  gegrabenen  Oelbassin  von  Pechelbronn  lieferte 
mir  in  grosser  Zahl  die  Früchte  einer  Chara^  welche  mit  keiner 
der  bekannten  Formen  ident  ist.  Derselbe  Mergel  enthält  ausser- 
dem Anodonten  und  kleine  deformirte  Euchilus-axtige  Gas- 
tropoden, vielleicht  auch  ganz  undeutliche  Foraminiferenstein- 
kerne. 

Wegen  der  grossen  Unbeständigkeit  der  Form  sind  die 
kleinen  Gharenfrüchte  schwer  zu  charakterisiren.  Die  Länge  der- 
selben beträgt  meist  0,4 — 0,6  mm,  die  sehr  variable  Breite  schwankt 

III.  10 


I 


146 

zwischen  0,s— 0,s5  mm.  Die  Form  ist  bald  annähernd  kugelig, 
häufiger  länglich  oval,  elliptisch,  spindelförmig,  flaschenformig 
oder  sogar  walzenförmig.  Das  Stielende  der  Frucht  ist  etwas 
verlängert  und  spitz  ausgezogen.  Eine  deutlich  funfseitige  Basilar- 
Öffnung  ist  nicht  vorhanden.  Die  Krönchen  waren  stets  abgefallen. 
Von  der  Seite  gesehen  zeigen  sich  mit  ziemlicher  Cionstanz 
7  —  8  Spirallinien,  welche  namentlich  bei  den  verlängerten  Formen 
sehr  schräg  stehen.  Die  Spirallinien  treten  bei  einzelnen  Exem* 
plaren  stark  hervor,  sind  aber  in  der  Regel  etwas  abgerieben, 
worauf  schon  die  rauhe  Oberflächenbeschaffienheit  der  Fruchtchen 
hindeutet.  Von  der  bei  Lobsann  vorkommenden  Ohara  VoUei 
A.  Bbn.  unterscheidet  sich  Ohara  variabih's  durch  ihre  geringere 
Grösse,  durch  die  geringere  Anzahl  von  seitlich  sichtbaren 
Spirallinien,  welche  bei  Oh.  Voltei  nicht  so  schräg  stehen,  sowie 
durch  ihre  Form. 

Taf.  V,  fig.  10  a— e  gewährt  einen  Begriff'  von  der  Formen- 
mannigfaltigkeit dieser  Ohara.  Die  (herausgegriffienen)  abgebildeten 
Gestalten  sind  durch  Uebergänge  mit  einander  verbunden,  und 
finden  sich  ausserdem  noch  verschiedenartig  verzerrte  Früchte. 
Die  fig.  10a— d  dargestellten  Formen  sind  häufig;  fig.  10c  ist 
selten.  Vielleicht  wäre  es  denkbar,  dass  diese  Wandelbarkeit  der 
Gestalt  durch  den  Einfluss  des  Brackwassers  bedingt  wurde.  Wir 
hätten  alsdann  in  der  kleinen  pnd  unbeständigen  Ohara  variabäis 
eine  Brackwasserkrüppelform  vor  uns,  möglicher  Weise  der 
Oh.   ro/to*. 

Ausser  der  Ohara  tariabilis  sind  mir  noch  einige  Blatt- 
fragmente aus  den  Meißeln  von  Pechelbronn  und  zwar  ans 
mehr  schiefrigen  Varietäten  bekannt  geworden.  Dieselben  wurden 
mir  von  Herrn  Hehbxaxn  gütigst  mitgetheilt  Eines  der  Blatt- 
fragmente dürfte  zu  Betula  gehören,  da  es  durch  seine  Nervatur 
sehr  an  Btfula  j^risca  Ettiko.  erinnert  Stücke  von  Famkraut- 
wedelu  gleichen  durch  ihre  Nervirung  dem  noch  jetzt  in  Brasilien 


147 

vorkommenden  Chrysodium  serratifolium  ETTiNa.*;  leider  ist 
von  dem  Blattumriss  fast  nichts  erhalten,  weshalb  eine  sichere 
Bestimmung  und  Beschreibung  unmöglich  ist.  Schliesslich  fand 
sich  noch  der  obere  Theil  eines  kleineren  Blattes  mit  eigen- 
thämlichen,  netzförmigen  Nerven;  dasselbe  ähnelt  am  meisten 
deqenigen  Blättern,  welche  Heeb  (Flora  fossilis  Helvetiae,  Bd.  III, 
Tf.  CXLV,  fig.  13—16)  als  Scdvinia  abbildet.  Die  Reste  genügen 
nicht  zur  sichern  Bestimmung,  und  wir  müssen  hoffen,  dass 
spätere  Befunde  uns  die,  wie  es  scheint,  interessante  Flora  von 
Pechelbronn  enthüllen  werden. 

In  den  blaugrünen  Mergeln  von  Pechelbronn  überwiegt 
immerhin  der  Einfluss  des  Süsswassers  gegenüber  dem  Meer- 
wasser noch  in  dem  Grade,  dass  Foraminiferen  in  denselben  sich 
kaum  finden.  Ich  beobachtete  nur  äusserst  selten  schlechte  Frag- 
mente von  Lingulinen  und  Cristellaria  sp.  —  Die  schon  mehrfach 
erwähnten  petrographisch  ähnlichen  Mergel  von  Lampertsloch' 
hingegen  zeigen  schon  einige  Formen. 

AUe  Foraminiferen  dieser  Mergel  sind  jedoch  selten  und 
äusserst  klein.  Ich  erwähne  folgende  Arten: 

Ammodiscus  peUucidas  n.  sp. 

Hqplophragmtum  pusillum  n.  sp. 

Dentalina  cf.  consohrina  d^Obb. 

Cristellaria  Lamperti  n.  sp.  • 

Lingulina  Le- Belli  n.  sp. 

Am/modiscua  peUtwtdtis  n.  sp. 

Tf.  VI,  fig.  1. 

Die  Grösse  des  abgebildeten  Exemplares  beträgt  0,4  mm, 
grössere  Stücke  erreichen  0,5 — 0,6  mm.  Das  sehr  flache  Gehäuse 


1.  Ettirgsiiausen.  Beitrag  zur  Kenntniss  der  FlSchen-Skelette  der  Farnkräuter. 
Denkschr.  d.  Ak.  d.  W.  Wien,  XXII,  Tf.  X. 

2.  Der  Aofschluss,  welcher  mir  die  Schlemmproben  lieferte,  beGndet  sich 
sudlich  vom  Ort  in  einem  Wasserriss  des  «Filssel-Bächel». 


U8 

zeigt  4—5  Umgänge  und  ist  vorwiegend  aus  kleinen,  hellen 
Quarzstückchen  aufgebaut,  so  dass  es  von  Salzsaure  nicht  ange- 
griffen wird.  Obwohl  die  Windungen  eine  beträchtliche  Breite 
besitzen,  so  ist  doch  der  von  der  Sarkode  eingenommene  Raum 
verhältnissmässig  klein.  Derselbe  erscheint  schwach  gewölbt  und 
ist  durch  Ausfüllungsmasse  weiss  gefärbt  und  opak,  während  der 
dünnere  Band  ziemlich  durchscheinend  ist  und  sich  längs  der 
Nathlinie  bis  zur  Mitte  verfolgen  lässt.  Mit  dem  Namen  Ämmo- 
discus  bezeichnet  man  die  einkammerigen  Trochaminen,  welche 
Gornuspiren- Gestalt  annehmen.  Unsere  Art  findet  sich  ausser 
bei  Lampertsloch  noch  in  den  mitteloligocänen  Mergeln  von 
Rodern  im  Ober-Elsass  und  ist  immer  selten. 

Haplophragnitum  pusiUum  n.  sp. 

Die  kleine  Form,  welche  ich  nur  in  einem  einzigen  Exem- 
plare gefunden  habe,  ist  nur  0,45  mm  lang  und  gleicht  in  ihrem 
Habitus  iem  Haplophragmium  Lobsannense  n.sp.,  Tf.YU,  fig.  3, 4, 
welches  im  Septarienthon  von  Sulz  u.  d.  Wald  und  Lobsann 
ziemlich  häufig  ist.  Vielleicht  ist  H.  jmsülum  nur  eine  kleinere 
Brackwasserform  desselben. 

CristeUaria  LamperH  n.  8p. 

Tf.  VI,  fig.  2. 

Ich  glaube  auch  diese  indifferente  Form  nicht  vernach- 
lässigen zu  dürfen,  da  bei  dem  Mangel  an  organischem  Leben 
in  den  genannten  Mergeln  auch  spärliche  Ueberreste  an  Inte- 
resse gewinnen.  Die  Schale  dieser  CristeUaria  erscheint  rauh 
und  zerfressen,  so  dass  man  nur  durch  Aufhellen  mit  Glycerin 
den  Aufbau  der  Kammern  erkennen  kann.  Das  grösste  Exemplar 
misst  0,s5  mm  und  hat  7  Kammern.  Das  Gehäuse  ist  sehr  evolut 
und  zeigt  der  ganzen  Länge  nach  etwa  gleiche  Breite.  In  der 
Vorderansicht  erscheint  dasselbe  aulgeblasen  und  ist  oben  und 


]49 

unten  ziemlich  gleich  dick.  Die  Mündungsspitze  ist  nicht  sehr 
stark  ausgezogen,  der  Kiel  ist  stumpf.  Eine  Form,  welche  unserer 
Art  sehr  nahe  steht,  kenne  ich  nicht.  An  eine  Einschwemmung 
aus  den  so  cristellarienreichen  jurassischen  Schichten  ist  hier 
wohl  nicht  zu  denken,  zumal  da  das  Tertiär  hier  vorwiegend 
aus  regenerirtem  Eeupermaterial  zu  bestehen  scheint. 

Idngvlina  Le^BeUi  n.  sp. 

Tf.  VI,  fig.  3. 

Diese  Art  aus  der  Familie  der  Lingulinen,  welche  im  Jura 
(Impressa-Thon)  beginnend  bis  in  unsere  jetzigen  Meere  reicht, 
ist  insofern  von  Bedeutung,  als  es  noch  die  verhältnissmässig 
häufigste  Form  in  den  sonst  so  fossilarmen  Mergeln  ist.  Das 
Gehäuse  ist  langgestreckt,  zusammengedrückt  oben  und  unten 
gerundet  und  ringsum  schwach  gekielt.  Die  Oberfläche  ist  mit 
schwachen,  undeutlichen  Längslinien  bedeckt,  welche  sich  manch- 
mal bis  auf  die  jüngste  Kammer  fortsetzen.  Meist  konnte  ich 
beiderseits  4  Längsrippen  zählen,  und  'mag  das  theilweise  Fehlen 
derselben  zuweilen  an  dem  schlechten  Erhaltungszustande  der 
Schalenoberfläche  liegen.  Das  kleine  breitere  Exemplar  (fig.  3  a,  b,  c) 
ist  0,26  mm  lang  und  zeigt  5  Kammern;  das  grosse  schmälere 
Stück,  mit  7  Kanmiern,  misst  0,45  mm.  Bei  der  Aufhellung  durch 
Glycerin  zeigt  sich  deutlich  das  sattelförmige  Aufeinandersitzen 
der  Kammern,  welches  auch  andere  Lingulinen  kennzeichnet, 
so  z.  B.  die  L.  semiornaia  Rss.  aus  dem  Hils.  Die  beiden  abge- 
bildeten Stücke  weichen  ziemlich  von  einander  ab;  ich  glaube 
sie  jedoch  vereinigen  zu  müssen,  da  sich  zwischen  beiden  Formen 
keine  scharfe  Grenze  ziehen  lässt.  L.  Le-BelU  ist  selten  bei 
Lampertsloch.  Fragmente,  welche  vielleicht  dieser  Art  ange- 
hören, aber  nicht  sicher  bestimmbar  sind,  fand  ich  in  den  Thonen 
vom  Scharrachberg,  woselbst  auch  noch  eine  andere  kleine  breit- 
wulstige LinguUna  vorkommt. 


150 


C.  Petroleumsandfilhrende  Oligocänschichten 

von  Schwabweiler. 

(Tiefstes  Mitteloligocan  bis  Unteroligocan.) 

DasBergwerk  von  Schwab  weiler,  welches  uns  die  dortigen 
Tertiärschichten  am  besten  erschlossen  hat,  liegt  südöstlich  vom 
Dorfe  Schwabweiler  im  Thale  des  Saaerbaches.  Die  Entfernung 
von  Pechelbronn  beträgt  etwa  6  Kilometer  in  südöstlicher 
Richtung.  Die  schwabweiler  Schichten  bilden  offenbar  die  Fort- 
setzung der  bitumenführenden  Schichten  von  Pechelbronn  und 
sind  nur  eine  etwas  abweichende  mehr  marine  Facies  der  letzteren. 
Sie  enthalten  in  ihren  oberen  Niveaus  schon  Foraminiferen, 
welche  auch  der  Septarienthonfauna  zukommen.  Ueberlagerung 
des  ächten  Septarienthones,  der  bei  Lobsann,  Drachenbronn 
and  Sulz  anter  dem  Wald  auf  den  anteroligocänen  Mergehi 
liegt,  ist  bei  Schwabweiler  noch  nicht  beobachtet  worden. 

Es  finden  sich  bei  Schwabweiler  sehr  feine,  homogene, 
graue  Mergel,  feine,  mergelige,  glimmerhaltige  Sande,  Petrol- 
sande  und  schliesslich  harte  oft  bituminöse  Blättersandsteine. 
Das  ungefiLhr  nach  Osten  gerichtete  Einfiülen  ist  bei  Schwab- 
weiler stärker  als  bei  Pechelbronn  und  beträgt  meistens 
26^  während  es  zwischen  25—30®  schwanken  kann.  Zahlreiche 
kleine  Verwerfungen  von  2 — 3  m  Sprunghöhe  und  seitliche  Ver- 
schiebungen von  3  —  5  m  durchsetzen  ziemlich  häufig  die  Schichten. 
Die  Vertheilung  der  Petrolsande,  welche  weit  weniger  stark 
imprägnirt  sind  als  bei  Pechelbronn,  ist  hier  eine  allgemeinere; 
dieselben  scheinen  nicht  mehr  so  streng  an  die  Form  der  schmalen 
langen  Flötze  gebunden  zu  sein,  sondern  bilden  mehr  schichten- 
artige Einlagerungen.  Wie  schon  erwähnt  wurde,  enthalten  die 
schwabweiler   Mergel  Foraminiferen,    welche   sogar   bis   in   das 


151 

Niveau  der  Petrolflötze  hinabreichen  und  sich  noch  in  einigen 
der  höher  gelegenen  Petroleumsande  finden;  sie  sind  daselbst 
aber  selten  und  kämmerlich  entwickelt.  Der  über  Lobsann 
und  Pechelbronn  herabkommende  Strom  führte  jedenfalls  in 
solcher  Menge  Süsswasser  zu,  dass  ein  erspriessliches  Gedeihen 
der  Rhizopoden  verhindert  wurde.  Die  Zwischenlagen  von  Blätter- 
sandstein im  Mergel  deuten  gleichfalls  auf  das  Vorhandensein 
des  Stromes  hin. 

Betrachten  wir  das  Profil  von  Schwabweiler,  so  wie  es  sich 
uns  im  Grossen  Ganzen  darstellt,  ohne  uns  an  specielle  Bohr- 
profile zu  halten,  so  ergiebt  sich  folgendes: 

1.  Zuoberst  alluvialer,  plastischer  Thon  von  wechselnd 
hell-  oder  dunkelgrauer  Farbe,  ohne  Kalkgehalt,  ohne  orga- 
nische Reste  und  mit  einem  groben  sandigen  Schlemmrückstand. 
Er  liegt  horizontal  und  ist  vermuthlich  durch  Umlagerung  aus 
den  liegenden  Tertiärschichten  entstanden  ^  Dieser  Thon,  welcher 
auch  als  Töpferthon  von  Oberbetschdorf  bekannt  ist,  erreicht 
bei  Schwabweiler  eine  durchschnittliche  Mächtigkeit  von  iS  m. 

2.  Unter  dem  Töpferthon  folgen  discordant  feine,  homogene, 
hellgrau  gefärbte  marine  und  brackische  Mergel;  sie  sind  reich 
an  Muscovit  und  enthalten  zuweilen  sandige,  bituminöse  Schichten, 
sowie  Blättersandsteine.  Drei  verschiedene  Proben  lieferten  Fora- 
miniferen.  Am  reichsten  war  ein  Mergel,  welchen  ich  im  Ober- 
strittener  Wald  in  einem  Graben  fand.  Aermer  v^aren  die  Proben 
aus  dem  alten  Schacht  von  Schwabweiler  (cf.  Atlas-Karte  Nr  I), 
und  schliesslich  enthielten  die  Mergel  von  der  Halde  des  Wetter- 
schachtes auch  noch  einige  Arten.  Die  hauptsächlichsten  Formen 
sind  Hqplophragmium  acutidorsatum  y.  Hakte.,  Botalia  Soldann 
b'Obb.,  Globigerina  buUoides  d'Obb.,  Quinqueloculina   impressa 


1.  Die  Bildung  eines  Thones  aus  umgelagertem  Mergel  ist  insofern  denkbar, 
als  bei  der  Suspension  im  Wasser  die  leichter  löslichen  KalJLtheilchen  aus  dem 
Gemenge  entfernt  wurden. 


152 

Bss.  etc.  Die  im  alten  Schacht  20 — 30  m  tief  gelegenen  petro- 
leumführenden  Sande  enthalten  noch  sparsame  Foraminiferen, 
Baliminen,  Truncatulinen,  kleine  Texülarien,  sowie  BoscUina  rugosa 
d'Obb.,  alles  kleine,  unscheinbare  Arten. 

Bis  zu  bedeutender  Tiefe  lässt  sich  alsdann  ein  Gomplex 
von  wenig  reichen  Petroleumsanden,  Sandsteinen  und  sterilen 
Mergeln  verfolgen,  welche  oft  in  ganz  dünnen  Lagen  miteinander 
wechseln.  Die  Petroleumsande  sind  meist  sehr  arm,  stark  mei^elig 
und  haben  eine  graugelbe  Farbe.  Bei  73  m  Tiefe  traf  man  bei 
Schwabweiler  auf  eine  Salzquelle.  Bei  290  m  Sand  sich  in 
einem  der  Bohrlöcher  von  Oberstritten  unweit  Schwab- 
weiler noch  Petrolsand,  darunter  lag  ein  härterer  Sandstein, 
der  durchteuft  wurde,  ohne  das  Liegende  des  Tertiärs  zu  erreichen. 
Dunkelgrau  gefärbte  Mergel  aus  einem  tiefen  Bohrloch  von 
Oberstritten  (etwa  200  m)  enthielten  Früchtchen  von  Ohara 
petrolei  n.  sp.  und  Gypris-SchaleUj  welche  auf  stark  ausgesüsstes 
Brackwasser  hindeuten. 

An  dieses  allgemeine  Profil  mögen  noch  einige  speciellere 
Bohrprofile  angeschlossen  werden,  welche  ich  dem  Werke  von 
Stripp£lmakk  entnehme.  (Die  Petroleum -Industrie  Oestreich- 
Deutschlands,  1878,  pg.  169.) 

L  Bohrloch  Nr.  X 

bei   Schwabweiler.     . 

Bei     1,00  m.  Gelblicher  Thon. 

B      6,00  m.  Petroleumsand  und  Gas  0,6o  m. 
Bis  44,49  m.  Sand,  Mergel,  Sandstein. 
Bei  44,49  m.  Thon  mit  Spuren  von  Petroleumsand  0,io  m. 

,    44,59  m.  Beiner  Mergel. 

,    45,44  m.  Mergel  mit  Petroleumsand  und  Gas  1,03  m. 

^    46,47  m.  Reiner  Petroleumsand  mit  viel  Gas  0,»  m. 

.    46,67  m.  Reiner,  grauer  Mergel. 


153 

Bei  48,94  m.  Dunkler,  fetter  Thon. 
n    50,33  m.  Mergel  mit  Spuren  von  Petroleumsand  und 

Gas  0,46  m. 
„    50,79  m.  Petroleumsand  mit  wenig  Mergel,  viel  Gas 

und  etwas  Petroleum  0,55  m. 
„    51,34  m.  Mergel  mit  Petroleumsand  und  Gas  1,69  m. 
„    53,03  m.  Reiner,  grauer  Mergel. 
„    55,54  m.  Mergel  mit  wenig  Petroleumsand  und  Gas 

0,50  m. 
„     58,20  m.  Mergel  und  Sand. 

„     58,75  m.  MergelmitSpuren  von  Petroleumsand  0,16  m. 
Von  58,91 — 60,31  m.  Sandstein  und  Mergel. 
Bei  61,60  m.  MergelmitSpuren  vonPetroleumsand  0,i6m. 
„     62,19  m.  Reiner  Mergel. 
Von  63,61 — 63,93  m.  Mergel   mit   Petroleumsand,    Gas 

und  Petroleum  0,82  und  2,13  m. 
Bei  66,06  m.  Reiner  Mergel. 
„    70,16  m.  Mergel  mit    Spuren    von    Petroleumsand, 

viel  Gas  und  Petroleum  0,20  m. 
„     70,36  m.  Mergel  mit  Petroleumsand  1,04  m. 
„    71,40  m.  Reiner  Mergel. 

„    71,82  m.  Mergel  mit  schwachen  Spuren  vonPetroleum- 
sand 0,38  m. 
„    72,20  m.  Reiner  Mergel. 
0    72,96  m.  Mergel  mit  Spuren  von  Petroleumsand  und 

Gas  0,13  m. 
„     73,09  m.  Reiner  Mergel. 
„    76,82  m.  Mergel  mit  Spuren  von  Petroleumsand  und 

Gas  0,44  m. 
„     77,26  m.  Sandstein. 
„     77,86  m.  Reiner  Mergel. 
„     85,72  m.  Schluss. 


154 

Dieses  Bohrprofil  zeigt  die  grosse  Einförmigkeit  und  die 
allgemeine  Verbreitung  des  Petroleums  und  Gases  in  den  Mer- 
geln, wobei  noch  zu  bemerken  ist,  dass  die  Petroleumsande  alle 
relativ  arm  sind. 

II.  Bohrloch  Nr.  m. 

Bis  65,50  m.  Reiner,  blaugrauer  Mergel  und  Sandstein. 
Bei  65,50  m.  Petroleumsand  mit  Petroleum  und  Gas 

1,3  m. 
,    78,50  m.  Mergel  mit  wenig  Sand. 
Ende  bei  140  m. 

m.  Bohrloch  Nr.  VI 

auf  der  Helenenhoüstatt  neben  der  Schwabweiler  Strasse. 

Bis  48,65  m.  Mergel. 

Bei  48,65  m.  Weicher  Sand  mit  Petroleum  0,ao  m. 

Bis  69,90  m.  Blauer  Mergel. 

Bei  69,90  m.  Stein  und  etwas  Petroleum  l,io  m. 

Bis  71,00  m.  Reiner  Mergel. 

Ende  bei  141,oo  m. 

IV.  Bohrloch  Nr.  XI 

60  m  von  Nr.  X  entfernt. 

Bis  45,63  m.  Mergel  und  Sandstein. 

Bei  45,63  m.  Stein  mit  Spuren   von  Petroleum   0,io  m. 

Von  45,75 — 70,40  m.  (Ende)  Mergel  und  Sandstein. 

Diese  3  Bohrprofile  zeigen,  dass  zuweilen  die  Petroleum- 
sande sehr  zurücktreten  und  die  Mergel  fast  ganz  überwiegen. 
Auch  wurde  das  oberste  petroleumführende  Niveau  in  sehr  ver- 
schiedener Teufe  angetroffen. 

Die  Mergel  mit  Foraminiferen  aus  dem  alten  Schacht  bei 
Schwabweiler   wurden  schon  als  graue,  feine,  kalkigsandige 


155 

Mergel  geschildert.  Der  Schlemmrückstand  besteht  aus  Ealk- 
körnchen,  Quarzstückchen ,  Muscovitschfippchen  und  Schwefel- 
kieskügelchen;  die  Foraminiferen  sind  nicht  in  grosser  Menge 
vorhanden  wie  im  Septarienthon.  Ich  fand  folgende  Arten: 

1.  Quinqueloculina  itnpressa  Rss.  (Z.  d.  d.  g.  G.  1851,  pg.  87. 
Tf.  Vn,  fig.  59.) 

2.  Haplophragmium  acutidorsatum  y.  Haktk.  (Clav.  Zab. 
Seh.,  pg.  12,  Taf.  I,  fig.  1).  Häufig. 

3.  Nodosaria  sp.  Fragment. 

4.  Bulimina  inflata  Seg.  (Prime  ricerche  intomo  ai  rizop. 
foss.  tielle  arg.  pleist.  di  Catania,  pag.  25,  Tf.  I,  fig.  10.) 

5.  Botdlia  Soldanii  d'Obb.  (For.  foss.  du  Bass.  Tert.  de 
Vienne  1846,  pg.  155,  Tf.  Vm,  fig.  10—12),  Tf.  IX, 
fig.  3  a,  h,  c, 

6.  Glohigerina  buUoides  d'Obb.  (For.  foss.  etc.,  I,  pg.  163), 
Tf.  IX,  fig.  4—6. 

7.  Bosalina  rugosa  d'Obb.  (Voyage  dans  PAm^rique  mix. 
Paris  1834—43,  pg.  42,  Tf.  n,  fig.  12  —  14.)  Die 
Schwabweiler  Stücke  stimmen  mit  D'OnBiaNY's  Abbildung; 
sie  sind  sehr  klein  und  messen  0,i8  mm. 

8.  Gassidulina  ohlonga  Bss.  (W.  Denkschrift.  1850.  Tf.  III, 
fig.  5—6.) 

Dieser  Mergel  sieht  gewissen  Mergelproben,  welche  ich  in 
der  „Marnerie  Gilardoni^  bei  Altkirch  im  Ober-Elsass  sam- 
melte, zum  Verwechseln  ähnlich.  Die  altkircher  Mergel  enthalten 
Truncatulinen,  Globigerinen  und  Nodosarien. 

Die  Foraminiferenfauna  der  Mergel  von  Oberstritten  ist 
etwas  reicher  als  diejenige  der  Mergel  aus  dem  alten  Schacht 
von  Schwabweiler  und  erinnert  schon  mehr  an  den  Septarien- 
thon. Die  Schlemmprobe  ergab  folgende  Liste: 

1.  Quinqueloculina  itnpressa  Bss. 

2.  Haplophragmium  acutidorsatum  Hantk. 


156 

3.  Nodosaria  exilis  Nbug.  (Rss.  Sept.,  pg.  1 4,  Tf,  II,  fig.  1 7.) 

4.  Bentalina  cf.  consohina  d'Obb*  Fragmente. 

5.  PuUenia  buUoides  d'Obb.  sp.  (For.  foss.  d.  Bass.  de 
Vienne,  pg.  107,  Tf.  V,  fig.  9—10.) 

6.  GruttuUna  lanceolata  Rbs.  (Z.  d.  g.  6.  1851,  pg.  83, 
Tf.  VI,  fig.  50.) 

7.  Uvigerina  gracüis  Rsß.  (Z.  d.  g.  G.  1851,  pg.  77, 
Tf.  V,  fig.  39.) 

8.  Bulimina  inflata  Seg. 

9.  Turrilina  alsaiica  nov.  sp.* 

10.  Botalia  Soldanii  b'Obb.  Kleine  Exemplare. 

11.  Olobigerina  buUoides  d'Obb.  Häufig. 

12.  PulvinuUnapygmaea  y.Eahtk.  (Clav.  Zab.  Seh.,  pg.  78, 
Tf.  X,  fig.  8.) 

13.  Pulvinulina  petroUi  n.  ßp.  Tf.  VIII,  fig.    15  a,  6,  c, 
cf.  pg.  236. 

14.  Truncatulina  sp. 

15.  BoUvina  Beyrichi  RsB.  (Z.  d.  g.  G.  1851,  p.  83,  Tf.  VI, 
fig.  51.) 

16.  Cassidulina  ohlonga  Bss. 

In  den  Mergeln  aus  der  Halde  des  Wetterschachtes  fand 
ich  nur: 

1.  Haplophragmium  acutidorsatum  Hantk. 

2.  Dentalina  consohrina  d'Obb.  (For.  foss.  etc.  pg.  46, 
Tf.n,fig.l  — 3;Z.d.d.  g.G.  1851,pg.63,  Tf.m,  fig.9.) 

3.  Bentalina  Adolphina  d'Obb.  (For.  foss.  etc.  pg.  51, 
Tf.  n,  fig.  18—20.)  Eine  Art  die  vom  Mitteleocän 
(Eressenberg)  bis  in  das  Miocän  (Baden  b.  W.)  reicht 

4.  Botalia  Soldanii  d'Obb. 


1.  Diese   neue  Gattung  und  Art  ist  weiter  unten   beim  Septarienthon   be- 
schrieben, wo  sich  auch  die  Beschreibung  der  anderen  nov.  sp.  findet. 


1Ö7 

5.  Olohigerina  huUoides  d'Obb. 

6.  Textüaria  cf.  globigera  Schwag.  (For.  foss.  von  Kar  und 
Nicobar,, p.  252,  Tf.  VH,  fig.  100.) 

Diese  noch  sehr  kleine  Fauna,  welche  im  Ganzen  17  ver- 
schiedene Arten  umfasst,  hat  die  meisten  Species  mit  dem 
elsässer  Septarienthon  gemeinsam,  zeigt  aber  auch  charakteristi- 
sche Elemente  des  Unteroligocäns  (Clavuüna  Ssfc^oiSchichten). 
Man  vermisst  in  derselben  noch  viele  Formen,  welche  in  den 
Schlemmrückständen  des  Septarienthones  im  Elsass  grade  die 
Hauptmasse  auszumachen  pflegen.  Diese  oberen  Schwabweiler 
Mergel  sind  daher  älter  als  der  Septarienthon  und  bezeichnen 
das  Hereindringen  des  tongrischen  Meeres,  welches  zu  Beginn 
der  mitteloligocänen  Zeit  den  Meeressand  in  der  Rheinebene 
und  im  Mainzer  Becken  absetzte. 

Was  die  Sandsteine  von  Schwabweiler  anlangt,  so  zeigen 
dieselben  eine  hellgraue  oder  gelbliche  Färbung,  sind  ziemlich 
grobkörnig,  kalkig,  mergelig,  glimmerreich  und  treten  in  unregel- 
mässigen Bänken  auf,  ganz  wie  bei  Altkirch  im  Ober-Elsa£S. 
Die  höheren,  meist  feineren  Parthien  zeigen  auf  den  Schicht- 
flächen wellige  Runzeln;  ausserdem  kommen  noch  eigenthflmliche 
Spuren  vor,  deren  Ursprung  ich  mir  noch  nicht  zu  erklären 
weiss.  Dieselben  bestehen  aus  kleinen,  meist  5  mm  langen, 
scharfen  und  öfters  etwas  gebogenen  Rinnen,  an  deren  einem 
Ende  die  Gesteinsmasse  wulstartig  emporgezogen  ist.  Die  Ver- 
theilung  auf  den  Gesteinsplatten  ist  eine  so  vollständig  regellose, 
dass  man  jedenfalls  daraus  schliessen  kann,  dass  diese  Spuren 
nicht  auf  Druckerscheinungen  zurückzuführen  sind.  Diejenigen 
Schichten  des  Sandsteins,  welche  eine  Anzahl  von  Blättern  ent- 
hielten, zeigen  eine  gröbere  Beschaffenheit,  gleichfalls  eine  hell- 
graue Farbe,  grossen  Reichthum  an  Muscovit-Schüppchen  und 
ein  kalkiges  Bindemittel.  Die  Blattabdrücke  sind  durch  orga- 
nische Substanz  schwarz  gefärbt,  haben  eine  ziemlich  rohe  Er- 


158 

haltung  und  lassen  die  feineren  Nerven  und  Nervillen  niemals 
erkennen.  Zuweilen  wird  der  Sandstein  mürbe  und  nimmt  eine  mehr 
gelbliche  Färbung  sowie  bituminösen  Geruch  an;  er  ist  alsdann 
oft  ganz  von  kohligen  Blattfragmenten  erfüllt.  Der  harte  Sand- 
stein mit  den  mehr  vereinzelten,  besser  erhaltenen  Blättern 
gleicht  petrographisch  sehr  demjenigen  von  Develier-Dessus 

• 

bei  Delsberg  im  Berner  Jura,  sowie  demjenigen  der  Molasse 
von  Lausanne,  welche  jedoch  einer  jüngeren  Stufe  des  Ter- 
tiärs angehören,  nämlich  dem  „D^l^montien**  Gbeppins  (=  Aqui- 
tanien  z.  Th.).  Während  also  diese  Blättersandsteine  zum  Ober- 
oligocän  gehören,  liegen  diejenigen  von  Schwabweiler  tiefer 
als  der  Septarienthon,  ebenso  wie  die  (7fnnamomum-führenden 
Schichten  aus  dem  Asphaltkalkcomplex  von  Lobsann.  Wir  müssen 
sie  daher  als  Unteroligocän  ansprechen  oder  könnten  sie  höchstens 
an  die  Basis  des  Mitteloligocäns  verlegen.  Die  Cinnamomum- 
Formen,  welche  eine  grosse  verticale  Verbreitung  im  Tertiär 
besitzen  und  vom  Eocän  bis  in  die  jüngsten  Tertiärablagerungen 
hinaufreichen,  scheinen  grade  zur  Zeit  des  Oligocäns  ihren  Gul- 
minationspunkt  zu  erlangen.  Dieselben  überwiegen  auch  an  Arten 
und  Individuenzahl  bei  Schwabweiler,  und  zwar  herrschen 
namentlich  die  schmalen  Blattformen  vor,  während  die  grösseren 
und  breiten  Blätter,  wie  sie  sich  namentlich  bei  Delsberg 
finden,  noch  fehlen.  Das  breiteste  Blattfiragment,  welches  ich 
unter  den  zahlreichen  schmalen  Blättern  beobachtete,  ist  anf 
Tf.  V,  fig.  6  abgebüdet. 

Bisher  wurden  folgende  Blattformen  bei  Schwabweiler 
beobachtet;  es  ist  zu  ho£fen,  dass  mit  der  Zeit  durch  neu  hinzu- 
kommendes Material  die  jetzt  noch  so  kleine  Liste  sich  er- 
weitern wir.d: 

1.  Co/rpinus  grandis  Ung.  Wird  von  LuDWia  angefahrt 

im  Notizblatt  des  Vereins  für  Erdkunde  zu  Darmstadt  1875, 
Nr.  161,  pg.  66.  Die  Art  liegt  mir  ebenfalls  in  Fragmenten  vor. 


159 

2.  Salix  Zavateri  Heeb.?  Mosleb  erwähnt  Spuren  von 
dieser  Art  im  Catalog  für  die  Sammlung  der  Bergwerks-  etc. 
Producte  von  EIsass-Lotbringen  1873^  pg.  63.  Ich  konnte  unter 
meinem  Materiale  nichts  Hierhergehöriges  finden ;  hingegen  liegen 
mir  Reste  von  anderen  schmalen  Weidenblättern  vor,  die  eher 
an  Salix  angusta  A.  Bbn.  erinnern. 

3.  Ul/nivs  sp.  von  Mosleb  erwähnt. 

4.  Cinncrniofnuni  Scheuch»eri  Heeb.  Wird  von  Lud- 
wig (I.  c.)  als  häufig  angegeben.  Die  Blätter  sind  namentlich 
durch  den  Verlauf  der  Seitennerven,  welche  dem  Rande  in 
paralleler  Richtung  folgen,  ausgezeichnet;  auch  ist  der  Blatt- 
stiel in  der  Regel  kürzer.  Das  etwas  abweichende  Blatt,  welches 
auf  Tf.  V,  fig.  4  abgebildet  ist,  dürfte  vielleicht  auch  hierher 
gehören. 

5.  Ctwaa/mmmjmi  polymorph/wm  (A,  Bbn.)  Heeb.  Sehr 
häufig,  jedoch  in  verhältnissmässig  schmalen  Blatt  formen,  die 
öfters  an  Cinnamontum  lanceolatum  Ung.  erinnern.  Auf  Taf.  V, 
fig.  2  ist  ein  charakteristisches  Blatt  abgebildet;  dieser  Form 
gehört  die  Hauptmasse  der  schwabweiler  Blätter  an.  Das  schmale 
Blatt  ist  an  der  Spitze  verengt,  und  diese  erscheint  zipfelförmig, 
der  Blattstiel  ist  lang,  und  die  beiden  kräftigen  Seitennerven 
endigen  etwas  über  der  Hälfte  des  Blattes,  indem  sie  sich  dem 
Blattrande  nähern.  Taf.  V,  fig.  5  u.  6  sind  kleinere  und  etwas 
breitere  Blattformen  dargestellt;  fig.  8  schliesslich  entspricht 
einem  breiten  Blatt  aus  dem  Sandstein  von  Develier-Dessus 
bei  Delsberg. 

6.  CilfinfianMmvwnh  la/nceolatum  Uno.  Ein  sehr  schmales 
Blättchen,  welchem  die  Spitze  fehlt,  dürfte  hierher  gehören. 

7.  (Mtwici/monitmi,  tra/nsveraimh  Heeb.  Wird  von  Lunwia 
(1.  c,  pg.  66)  angeführt.  Die  Art  liegt  mir  in  keinem  sicheren 
Exemplar  vor. 


160 

8.  Cinncumafnv/m  atibrotund/wm  Heeb.  Ist  auf  Tf.  Y, 
fig.  7  in  einem  typischen  Exemplare  von  Schwabweiler  abge- 
bildet. Die  kurzen,  verkehrt  herzförmigen  Blättchen  mit  kräftigen 
Adern,  welche  zu  dieser  Art  gehören,  sind  nicht  häufig. 

9.  SmUaoß  SUeinnumni  nov.  sp.  (Taf.  V,  fig.  1).  Das 
schmale  lancettförmige  Blatt  ist  etwa  10  cm  lang,  bei  einer 
grössten  Breite  von  kaum  1 ,8  cm.  Nach  der  Spitze  hin  verjüngt  es 
sich  ganz  allmählich,  ist  an  der  Basis  etwas  ausgeschnitten  und 
seitlich  nur  wenig  erweitert.  Die  seitlichen  Flügel  erscheinen 
an  der  Berührungsstelle  des  Seitenrandes  mit  dem  Bande  der 
Blattbasis  etwas  eckig.  Der  Mittelnerv  ist  stark  und  lässt  sich 
von  der  Basis  bis  zur  Spitze  deutlich  verfolgen.  Auf  jeder  Seite 
des  Hauptnerven  liegen  2  sehr  schwache  Seitennerven,  von 
welchen  die  inneren  längstens  ein  Stück  weit  dem  Hauptnerven 
parallel  laufen.  Smüax  sagittifarmis  Sap.  aus  dem  Oligocän  von 
St.  Zacharie  zeigt  ebenfalls  lange  schmale  Blattformen,  die 
sich  jedoch  durch  die  Form  der  Spitze  und  Blattbasis  von 
S.  Steinmanni  hinreichend  unterscheiden.  Ich  kenne  überhaupt 
keinen  Smüax  j  welcher  mit  unserer  Art  verwechselt  werden 
könnte. 

Die  Bitumenschichten  von  Schwabweiler  sind  von  den- 
jenigen der  anderen  elsässer  Lokalitäten  ziemlich  verschieden. 
Wie  schon  in  dem  Profil  erwähnt,  tritt  das  Bitumen  schichten- 
förmig  in  dem  Gestein  auf  und  ertheilt  demselben  eine  schmutzig- 
gelbe Farbe.  Die  Schichten  sind  in  ihrer  Dicke  sehr  wechselnd, 
meist  sind  es  ganz  feine  Streifchen;  sie  können  jedoch  bis  zu 
2  m  Mächtigkeit  anwachsen  und  sind  dann  durch  eingelagerte 
Thonlamellen  deutlich  geschichtet.  Das  schwabweiler  Bitumen 
hat  einen  petroleumartigen,  stärkeren  Geruch  als  die  Bitumen- 
sande von  Pechelbronn  oder  der  Pechsand  von  Lobsann 
und  erinnert  ganz  an  die,  allerdings  meist  etwas  dunkler  ge- 
färbten Petroleumsände  von  Hirzbach  bei  Altkirch  im  Ober- 


161 

Elsass.  Der  DurchschDittsgehalt  des  Sandes  von  Schwabweiler 
an  ausbringbarem  Rohöl  beträgt  nach  Mosleb  etwa  10  %.  Das 
Rohöl  hat  eine  dunkelbraune  Farbe,  während  es  in  dünnen 
Schichten  durchsichtig  hellgelb  ist;  dasselbe  ist  sehr  leichtflüssig 
und  besitzt  einen  aromatischen  an  Petrolen  erinnernden  Geruch. 
Nach  BoussiNGAULTS  Analyse  ist  die  Zusammensetzung  folgende  * : 

Kohlenstoff 88,7  Vo 

Wasserstoff 12,6  % 

Stickstoff 0,4  Vo 

101,7  Vo. 

Der  Betrieb  ist  bei  Schwab  weil  er  jetzt  ein  verhältniss- 
massig  sehr  geringer;  das  in  den  Gruben  sich  ansammelnde 
Wasser  wird  durch  Ausschöpfen  mit  Tonnen  gefördert  und  das 
oben  aufschwimmende  Bitumen  decantirt.  Schon  im  Jahre  1838 
wurde  bei  Schwabweiler  Oel  gewonnen  und  zwar  anfangs 
meist  durch  Bohrlöcher,  aus  welchen  das  bituminöse  Wasser  aus- 
gepumpt wurde.  Die  Production  war  jedoch  immer  eine  unbe- 
deutende; Daubbee  gibt  als  Maximum  45  Hectoliter  per  Jahr 
an.  Im  Jahre  1872  wurden  nach  Angabe  von  Mosleb  3275,4  Ctr. 
ausgesickertes  Rohöl  und  31320  Ctr.  bituminöser  Sand  von 
etwa  3  7o  Gehalt  gefördert. 

Bohrungen,  welche  in  dem  Forst  von  Oberstritten  nicht 
weit  von  Schwabweiler  vorgenommen  wurden,  drangen  bis  zu 
grösserer  Tiefe  vor,  und  wir  können  annehmen,  dass  wir  es 
hier,  wenigstens  zum  Theil,  mit  liegenden  Schichten  des  schwab- 
weiler  Complexes  zu  thun  haben.  Septarienthon  wurde  in  keinem 
der  Bohrlöcher  angetroffen.  Sie  lieferten  theilweise  ein  ganz 
dunkles,  braunschwarzes  Erdöl,  und  in  einem  derselben  fand  man 


1.  Gf.  Daobbiee,  Descript.,  p.  174.  Eine  genaue  Analyse  der  verschiedenen 
Gemengtbeile  des  schwabweiler  Rohöls  von  Prof.  Bayer  findet  sich  im  Gatalog  von 
MosLER  p.  27  u.  28. 

m.  n 


[ 


162 

sogar  ein  ganz  zähflüssiges  Pech  ebenfalls  in  grosser  Tiefe. 
Genaue  Profile  haben  die  Bohrungen  von  Oberstritten  leider 
nicht  geliefert,  da  sie  mit  dem  Wasserbohrer  ausgeführt  wurden. 
Ich  habe  den  verschiedenen  Bohrlöchern  Proben  entnommen  und 
dieselben  untersucht.  Es  fanden  sich  ausser  unbestimmbaren 
Gastropodensteinkernen  und  Schalen  von  Cypris  sp.  die  Früchte 
von  Ohara  petrolei  n.  sp.  in  einem  dunkelgrauen,  kalkigen 
Mergel. 

Chara  petrolei  n.  sp. 

Tf.  V,  fig.  11. 

Die  kleinen,  ovalen  Früchte  sind  ziemlich  selten  und  messen 
0,45 — 0,6  mm  in  der  Länge  und  0,3  mm  in  der  Breite.  Sie 
zeigen  von  der  Seite  gesehen  8  Spiraluragänge  und  haben  meist 
eine  dunkelbraune  Farbe.  Die  Basilaröflfnung  ist  ziemlich  gross 
und  fünfeckig.  Das  Körnchen  war  bei  allen  Exemplaren  abge- 
fallen. Ich  glaube  sie  nicht  mit  irgend  einer  mir  bekannten 
Chara  identificiren  zu  dürfen.  Neben  dieser  Ai*t  fand  sich  noch 
eine  kleine  CAara- Frucht,  welche  nur  0,8  mm  Länge  und 
0,2  Breite  erreicht  und  seitlich  10  Spiralumgänge  hat. 

Profil  durch  die  Petrolenmiagerstfttten  im  Ünter-Elsass. 

Fig.  5. 

Zum  Schlüsse  mag  auf  das  beistehende  Profil  hingewiesen 
werden,  welches  dazu  dienen  soll,  die  gegenseitigen  Lagerangs- 
Verhältnisse  der  3  Hauptbitumenfundpunkte  im  Unter-Elsass : 
Lobsann,  Pechelbronn  und  Schwabweiler  zu  veranschau- 
lichen. Nach  der  ausführlichen  Besprechung  auf  den  vorher- 
gehenden Seiten  bedarf  es  hier  nur  weniger  Worte  der  Erläuterung. 
Fig.  J..  stellt  die  Horizontal-Projection  im  Maasstabe  von  1 :  80  000 
dar.  Die  Verbindungslinie  von  S  chwab  weiler  (Seh.)  nach  Lobsann 
(L),  welches,  wie  aus  Fig.  JB.  ersichtlich  ist,  nahe  am  Gebirge  und 


163 

an  der  Verwerfungsspalte  liegt,  verläuft  von  NNW.  nach  SSO. 
Sulz  unter  dem  Wald  ist  östlich,  Pechelbronn  westlich  von 
dieser  Linie  gelegen. 


Fig.  5  A. 


H 


LJ)arf 


Sab^ 


$ 


«*^^ 


•yw 


Länge  1  :  60000. 


HorizonUl-ProjectIon. 


SehmUntkuler 


sS. 


^B 


Fig.  5  B. 


Länge  1  :  40000.    Hohe  1  ;  10000. 


F.  VerwerfangMpalte ;  L.  =  Bergwerk  Lobunn ;  P.  =  Bergwerk  Pechelbronn ;  Seh.  =.  Bergwerk  Sehwabweiler.  Dnrchfchnitt 
durch  die  oligocAnen,  petroleamftthrenden  Mergel  Im  Unter-Elsasa.  a.  Alluvium ;  d.  Diluyium ;  sp.  fieptarienthon ; 
ap.  ÄBphaltkalk ;  m.  brackischei  m'  marine  oligocAno  Mergel;  ps.  Peehsande;  p.  Petroleuiiiaande. 


Fig.  5  a 


;  parallel  der 
rfUDgaspalte. 


Auf  dem  Querschnitte  B  sind  unweit  Lobsann  die  Conglome- 
rate  der  Walkmühle,  welche  etwa  im  Niveau  des  Asphaltkalkes  liegen, 
im^  Hintergrunde  angedeutet.  Der  ganze  tertiäre  Schichtencomplex 
zeigt  ein  sanftes  Einfallen  nach  der  Ebene  hin  (etwa  2^);  nur 


164 

bei  Schwab  Weiler  ist  das  Einfallen  ein  stärkeres  und  er- 
reicht 26^^.  Es  wäre  hiernach  möglich,  dass  zwischen  Sulz  und 
Schwab^^eiler  eine  etwas  grössere  Verwerfungsspalte  läge, 
welche  jedenfalls  auch  im  Sinn  der  grossen  Vogesenspalte  ver- 
laufen würde.  Die  ganze  Höhe  zwischen  Schwabweiler  und 
Sulz  ist  jedoch  von  Löss  mehr  oder  weniger  bedeckt,  und  lässt 
sich  bis  jetzt  daher  noch  nichts  sicheres  darüber  sagen.  Der 
Septarienthon  bedeckt  die  Mergel  und  Sande  des  Unteroligocäns 
bei  Lobsann  sowie  in  einem  isolirten  Fetzen  bei  Sulz  unter 
dem  Wald  und  zwar  auf  dem  Fussweg  nach  Ketsch weiler. 
Die  abweichenden  oberen  marinen  Mergel  von  Schwabweiler 
und  Oberstritten  sind,  wie  ich  versucht  habe  darzuthun, 
etwas  älter. 

Die  Verwerfungsspalte,  obwohl  offenbar  nicht  weit  von 
dem  alten  Küstenrande  entfernt,  ist  jünger  als  der  Septarien- 
thon und  bewirkt  dessen  Abschneiden  am  Buntsandstein  des 
Hochwaldes.  Ferner  ist  der  Septarienthon  an  der  Verwerfungs- 
spalte abwärts  geschleift  worden  (cf.  Fig.  4,  pag.  131),  was 
darauf  hindeutet,  dass  die  Masse  des  Hochwaldes  sich  nach- 
träglich gesenkt  hat.  Für  denselben  Umstand  spricht  eine  Beob- 
achtung, welche  mir  von  Herrn  E.  Haug  mitgetheilt  wurde, 
dass  nämlich  das  Hochwaldmassiv  eine  Kappe  von  Volziensand- 
stein  trägt,  während  weiter  westlich,  jenseits  der  eingesunkenen 
Scholle  von  Limbach,  derselbe  vollständig  über  dem  Bunt- 
sandstein fehlt.  Der  Volziensandstein  hätte  sich  alsdann  nur  auf 
dieser  etwas  gesunkenen  Parthie  erhalten  können. 

Im  Uebrigen  ist  noch  zu  erwähnen,  dass  die  ganze  Ter- 
tiärdecke dieser  Gegend  flache  Mulden  und  Sättel  zu  bilden 
scheint,  welche  normal  zu  der  Gebirgsaxe  stehen.  Der  schematische 
Durchschnitt  C  bei  Lobsann,  welcher  parallel  der  Verwer- 
fungsspalte läuft,  gibt  davon  eine  Vorstellung. 


165 


va 


n.  Das  Petroleumgebiet  von  Hirzbach 

im  Ober-Elsass. 

(Tiefstes  Mitteloligocän  bis  Unteroligocän.) 

Nachdem  wir  die  Petroleumlagerstätten  des  Unter-Elsass 
in  so  eingehender  Weise  behandelt  haben,  können  wir  uns  bei 
den  weit  weniger  bekannten  und  unwichtigeren  Vorkommnissen 
des  Ober-Elsass  kürzer  fassen.  Das  Hauptinteresse  gipfelt  darin, 
zu  zeigen,  dass  das  Petroleum  im  Unter-  und  Ober-£isass  in 
genau  demselben  geologischen  Niveau  auftritt,  und  dass  das 
Vorkommen  von  Hirzbach  bei  Altkirch  die  allergrösste  Analogie 
mit  demjenigen  von  Schwabweiler  besitzt. 


■  ■l'^.l.liw>'.';';''i'?rrrT^ 


Profil  von  Hirzbach  nach  Altkirch. 

Ungefähr  Ton  NNO.  nach  SSW.  Daa  Einfallen  der  Schichten  ist  im  Grossen  Oanzen  von 
SW.  nach  NO.  gerichtet,  es  konnte  daher  nicht  genau  wiedergegeben  werden  und 
erscheint  zu  stark.  Der  Maasstab  ist  der  doppelte  der  alten  franz.  Karte  (1  :  80000), 
und  die  relativen  Hdhen  sind  mit  einem  kleinen  Uolostoric-Barometer  bestimmt.  — - 
A  ==  Altkirch;  H  =  Hirzbach;  J  =  Ill-Fluss;  B  —  Dilnviam  und  Alluvium;  •'  =r 
diluvialer  Lehm  mit  Eleph.  primigenlus;  1—8  =  AufschlUsso;  1  =  grosser  Steinbr. 
im  ob.  eoc.  Melanienkalk ;  2  kleiner  Stb.  im  Melanienkalk  (östl.  v.  Altk.) ;  3  mittel- 
ollgocine  Mergel.  Aufsch.  in  der  Wiese;  4  Marnerie  Gilardoni  (im  oberen  Theile 
ist  der  diluv.  Lehm  aufgeschlossen);  6  Stb.  Im  alp.  dilnv.  Gerolle  (kaolinlsirte  Gra- 
nite, gelber  Sand  etc.);  6  Sandsteine  mit  Cinnamomum  (einfallend  in  den  Berg); 
7 — 8  Mehrfache  Aufschlüsse  in  den  sandig-mergeligen,  petrolführenden  UnteroUgocän- 
schichten. 

Wir  beginnen  mit  der  Beschreibung  des  beigefügten  Profiles, 
welches  von  NNO.  üach  SSW.  verläuft  und  die  Orte  Altkirch 
und  Hirzbach  berührt.  Die  Hügel  nördlich  von  Altkirch  (1) 


1 


166 

bestehen  aus  obereocäDem  Melanienkalk,  welcher  nochmals  unter- 
halb der  Stadt  Altkirch  zu  Tage  tritt.  Schlägt  man  von  Alt- 
kirch den  ungefähr  nach  Süden  führenden  direkten  Weg  nach 
Hirzbach  ein,  so  gelangt  man  bald  hinter  der  Stadt  an  die 
„Marnerie  Gilardoni*'.  Wir  haben  hier  einen  grossen  Aufischluss 
in  Mergelmassen,  die  vollständig  denjenigen  von  Schwabweiler 
gleichen.  Graue,  sehr  feine  und  zarte  Mergel,  die  jedoch,  nament- 
lich in  den  tiefern  Lagen,  recht  hart  und  etwas  sandig  werden, 
herrschen  vor.  Dieselben  erhärten  zuweilen  sogar  zu  mergeligen, 
glimmerreichen  Sandsteinen,  welche  auf  den  Schichtflächen  die 
nämlichen  welligen  Bunzeln  zeigen  wie  bei  Schwabweiler. 
Vereinzelte  Schmitzchen  von  glänzender  Kohle  in  den  Mergeln 
deuten  auf  Pflanzenreste  hin.  Ausser  einem  Zramna- Zahn,  den 
Delbos  (1.  c,  pg.  48)  erwähnt,  fanden  sich  in  den  Mergeln 
einige  sehr  sparsame  Foraminiferen ,  die  alle  sehr  klein  und 
unscheinbar  sind: 

1.  Nodosaria  cf.  capitata   Boll.  Fragment  eines   kleinen 
Exemplares. 

2.  Glohigerina  buUoides  d'OßB. 

3.  Truncatulina   Weinkauf ß  Rss.    (Sitzungsb.   der  k.   Ak. 
d.  Wiss.,  B.  48,  pg.  68,  Tf.  VUI,  fig,  97.  Wien.) 

4.  Pulvinulina  pygmaea  v.  Hantk. 

5.  Textilaria  cf.  globigera  Schwag.  Schwefelkiessteinkern, 
ident  mit  dem  Exemplar  von  Schwabweiler. 

Auf  dem  Höhenzuge  zwischen  Altkirch  und  Hirzbach 
finden  wir  Diluvialschichten,  welche  das  Tertiär  überlagern. 
Zu  Unterst  liegt  ein  gelber  Lehm  mit  Elephas  primigenius  (s'), 
darauf  folgen  alpine  DiluvialgeröUe  mit  kaolinisirten  Granitstficken 
und  Streifen  von  orangegelbem  Sande.  An  dem  Abhänge  nach 
Hirzbach  treten  die  Oligocänschichten  etwas  seitlich  vom  Weg 
an  einer  kahlen  Stelle  im  Walde  wieder  zu  Tage.  Es  zeigen 
sich  sehr  sandige,  glimmerige  Mergel  öfters  mit  weissen  pulverigen 


167 

aluminitartig  aussehenden  Ealkknollen.  Diese  Mergel  wechseln  mit 
festen,  grauen,  glimmerhaltigen,  bei  der  Verwitterung  gelblichen 
Sandsteinen,  welche  Blattreste  einschliessen.  Mit  voller  Sicherheit 
konnte  ich  bisher  nur  Cinnamomum  polymorphum  Heeb  erkennen 
und  zwar  genau  dieselben  schmalen  Blattformen  wie  bei  Schwab- 
weiler  (cf.  Tf.  V,  fig.  2).  Diese  Sandsteinbänke  fallen  nach  dem 
Berg  zu  ein  und  gehören  daher  zum  Liegenden  der  Mergel 
von  Altkirch.  Nahe  an  der  Strasse  nach  Hirsingen,  etwa 
1  Kilometer  in  östlicher  Richtung  von  dem  erwähnten  Punkte 
entfernt,  stehen  die  gleichen  Schichten  nochmals  in  sehr  ver- 
wittertem Zustande  an.  Ein  Stück  des  Profils  ist  hierauf  durch 
das  Alluvium  der  111  verdeckt,  und  erst  hinter  dem  Dorf  Hirz- 
bach  tritt  das  Oligocän  wieder  im  Bach  zu  Tage.  Es  wechseln 
daselbst  blaugraue,  öfters  sandig  glimmerige  Mergel  mit  Petrol- 
sandschichten.  Die  Petrolsande  sind  ganz  wie  diejenigen  von 
Schwabweilerbeschaffen;  sie  haben  eine  gelbliche  oder  braune 
Farbe  und  einen  starken  aromatischen  Geruch.  Auf  Klüften  ist 
zuweilen  dickeres,  dunkleres  Erdöl  ausgeschieden,  welches  empor- 
steigt und  auf  dem  Wasser  des  „Oelbaches"  in  schwarzen  Par- 
thien  umherschwimmt. 

Im  Jahre  1782  wurde  dicht  hinter  dem  Ort  Hirzbach 
von  einem  Herrn  H abtmann  ein  30  Fuss  tiefer  Schacht  abge- 
teuft und  einiges  Oel  durch  Auskochen  des  Sandes  gewonnen. 
Drei  Jahre  später  wurden  die  Arbeiten  durch  den  Tod  Habt- 
MANNS  unterbrochen.  Seitdem  sind  noch  mehrfach  kleinere 
Versuche  gemacht  worden,  die  Oelsande  von  Hirzbach  auszu- 
beuten, ohne  dass  man  jedoch  wesentlich  tiefer  eindrang  als 
das  erste  Mal.  In  neuster  Zeit  (1883)  hingegen  wurden  bei 
Nieder-Sept,  etwa  8  Kilometer  in  südsüdöstlicher  Richtung  von 
Hirzbach  entfernt,  grössere  Tiefenbohrungen  (bis  zu  270  m) 
vorgenommen.  Dieselben  führten  leider  bisher  zu  keinem  befrie- 
digenden Resultat  und  lieferten  nur  Spuren  von  Bitumen. 


168 

Zur  VerYoUständigUDg  der  geologischen  Verhältnisse  des 
Tertiärs  bei  Altkirch  soll  hier  noch  erwähnt  werden,  dass  man 
vor  kurzem  in  der  Gegend  dieser  Stadt  bei  Anlage  einer  Wasser- 
leitung über  den  grauen  Mergehi  schwarze  schiefrige  Letten 
entdeckte.  Eine  mir  von  Herrn  tok  Albebt  mitgetheilte  Probe 
erwies  sich  als  zu  den  mitteloligocänen  Fischschiefem  gehörig. 
Wir  hätten  also  auch  hier,  gleichwie  im  Unter-Elsass,  eine  Ueber- 
lagerung  der  brackischen  petroleumführenden  Unteroligocän- 
schichten  durch  marines  Mitteloligocän.  Summiren  wir  hierauf 
nochmals  die  geologischen  Verhältnisse  des  Oligocäns  in  der 
Umgebung  von  Hirzbach-Altkirch :  wir  hatten  zu  unterst 
z.  Th.  petrolsandfuhrende,  z.  Th.  sterile,  fossilleere,  graue  Mergel, 
welche  wir  ebenso  wie  diejenigen  von  Schwabweiler  zum 
Unteroligocän  steUen.  Dieses  Unteroligocän  enthält  nach  oben 
hin  einen  Complex  von  wechsehiden,  grauen  Mergeln  und  Blätter- 
sandsteinen, die  uns  ihrerseits  zu  ganz  ähnlichen  grauen  Mergeln 
in  ihrem  Hangenden  hinüberfuhren.  Diese  letztgenannten  Mergel 
der  .Mamerie  Gilardoni^  bei  Altkirch  zeigen  jedoch  schon  in 
höherem  Grade  ein  marines  Gepräge  und  entsprechen  den  nahe 
gelegenen  identischen  Mergeln  von  Dammerkirch,  welche  wir 
wegen  eingelagerten,  fossilreichen  Sandschichten  zum  Meeressande, 
d.  h.  dem  tiefisten  Mitteloligocän  stellen  müssen.  Schliesslich, 
finden  wir  noch  bei  Altkirch  den  Fischschiefer  als  Aequivalent 
des  Septarienthones  über  den  besprochenen  grauen,  marinen 
Mergeln.  Alle  diese  Oligocänschichten  ruhen  offenbar  discordant 
auf  dem  obereocänen  Melanienkalke  auf. 


169 


Theorien  über  die  Entstehung  des  Erdöls 

im  Elsass. 

Es  liegt  Dicht  in  der  Absicht  unserer  Arbeit,  diese  Frage, 
welche  mehr  chemischer  Natur  ist,  ausführlicher  zu  erörtern;  ich 
kann  jedoch  nicht  umhin,  über  den  schon  so  viel  besprochenen 
Gegenstand  wenigstens  einige  Worte  zu  sagen. 

Ueber  die  Bildung  der  elsässer  Petroleumlagerstätten  herr- 
schen zwei  entgegengesetzte  Ansichten.  Die  eine  nimmt  an,  dass 
das  Bitumen  sich  nicht  auf  der  tertiären  Lagerstätte  gebildet 
habe,  sondern  dass  es  (wohl  durch  Vermittlung  der  Verwerfungs- 
spalte) aus  älteren  Schichten  emporgedrungen  und  in  die  tertiären 
Sande,  Sandsteine  und  Kalke  infiltrirt  worden  sei.  Es  werden 
namentlich  als  Beweise  hierfür  die  Imprägnationserscheinungen 
angeführt.  Diese  Ansicht  wurde  in  neuerer  Zeit  ntimentlich  von 
Stbii^pelhai^n  mit  Eifer  verfochten*.  Abgesehen  davon,  dass 
diese  Theorie  die  Schwierigkeiten,  welche  bei  einer  Erklärung 
der  Bildung  des  Petroleums  vorliegen,  nicht  aufhebt,  indem  sie 
dieselbe  in  eine  ältere  Zeit  zurück  verlegt,  scheint  sie  mir 
speciell  für  das  Elsass  durchaus  nicht  anwendbar  zu  sein. 

Die  andere  Ansicht,  welche  eine  Entstehung  an  Ort  und 
Stelle  annimmt,  ist  wohl  die  allgemeiner  adoptirte.  Ich  glaube 
mich  derselben  auch  anschliessen  zu  müssen.  Für  die  Entstehung 
des  Bitumens  zur  Tertiärzeit  selbst  spricht  zunächst  der  Um- 
stand, dass  wir  das  Petroleum  in  einem  bestimmten  Niveau 
des  Oligocäns  sowohl  im  Unter-  wie  im  Ober -Elsass  antreffen; 
wäre  es  imprägnirt,  so  würden  wir  das  Oel  ebenfalls  in  anderen 


1.  L.  Stbippxlmani«.  Die  Petroleom-Industrie  Oestreich-Deutschlands.  Leipzig, 
1878. 


170 

Sedimentschichten  finden,  was  nicht  der  Fall  ist '.  Die  Nähe  der 
grossen  Yerwerfiingsspalte  ist  zwar  im  Unter-Elsass  vorhanden, 
fehlt  aber  im  Ober-Elsass,  scheint  also  nicht  von  Einfluss  ge- 
wesen zu  sein.  Das  ganze  Auftreten  des  Bitumens  im  Elsass, 
die  innige  Verbindung  in  welcher  es  mit  dem  Braunkohlenkalk 
bei  Lobsann  steht,  die  langen  schmalen  Lager  bei  Pechel- 
bronn,  die  allgemeinere  Yertheilung  des  Petroleums  bei 
Schwabweiler,  ebenso  wie  die  Association  mit  Brackwasser- 
organismen sprechen  dafür,  dass  wir  es  mit  einer  Lagunen-  und 
Deltabildung  zu  thun  haben.  Lobsann  lag  nahe  an  der  Küste, 
wie  aus  den  gefundenen  Versteinerungen  erhellt.  Die  dort  vor- 
kommenden Pisolithe,  ebenso  wie  die  tuffartigen  Kieselkalke  mit 
Ohara  Volizi  weisen  vielleicht,  auf  das  Vorhandensein  warmer 
Quellen  hin,  welche  möglicher  Weise  bei  der  Bildung  des 
Asphaltkalkes  mitgewirkt  haben.  Die  grosse  Analogie  der  pechel- 
bronner  Bitumenlager  mit  den  verzweigten  Armen  eines  Fluss- 
deltas ist  aufiallend  (cf.  Atlas-Karte  Nr.  I).  Selbst  Stbippelmakn, 
der  so  entschieden  die  Infiltrationstheorie  vertritt,  konnte  nicht 
umhin  dies  anzuerkennen.  Die  schmalen,  sandigen  Streifen  würden 
alsdann  den  öfters  wechselnden  Flussläufen  entsprechen,  die 
umliegenden  Mergel  wären  Hochwasserabsätze  in  dem  angren- 
zenden Sumpfland.  Das  Oel  der  pechelbronner  Sandstreifen 
steht  unter  hohem  Gasdruck  und  wird  von  den  ringsumgebenden 
Mergeln  fast  hermetisch  abgeschlossen.  Es  wäre  möglich,  dass 
unter  diesen  Umständen,  die  kaum  ein  Entweichen  von  Destilla- 
tionsproducten  gestatten,  die  gewöhnliche  langsame  Ueberführuug 
des  organischen    Detritus  in   Braunkohle    nicht  stattfand,  und 


1.  Von  SnipPELMANN  wird  das  Vorkommen  von  etwas  Pech  in  einer  Druse 
im  Muschelkalk  von  Molsheim  betont.  Ich  möchte  auf  einen  derartigen  ganz 
unwichtigen  und  vereinzelten  Fund  kein  Gewicht  legen.  Das  molsheimer  Pechvor- 
kommen ist  auch  in  der  geologischen  Landessammlung  vertreten. 


171 

£rdöl  gebildet  wurdet  Auch  ist  zu  beachten,  dass  die  elsässer 
Bitumenlager  früher  jedenfalls  in  noch  höherem  Grade  als  jetzt 
von  mächtigen  undurchdringlichen  Mergelmassen  belastet  wurden. 
Uebrigens  scheint  es  mir,  als  ob  man  diesen  äusseren  Umständen 
nicht  einzig  und  allein  die  Entstehung  des  Bitumens  zuschreiben 
dürfte;  es  liegt  vielmehr  nahe  zu  vermuthen,  dass  auch  das 
ursprüngliche  Material  ein  etwas  anderes  war  als  dasjenige, 
welches  zur  Bildung  der  Braunkohle  diente.  Der  geringe  Stick- 
stolfgehalt  (l,i  %)  im  Rohöl  von  Pechelbronn  weist  darauf 
hin,  dass  auch  animalische  Substanz  dem  wohl  der  Hauptmasse 
nach  vegetabilischen  Detritus  beigemengt  war.  Letzterer  bestand 
wahrscheinlich  aus  sehr  hinfalligen  und  wenig  holzigen  Gewächsen. 
Der  innige  Zusammenhang  zwischen  Braunkohle  und  Bitumen, 
welcher  uns  schon  bei  Lobsann  auffiel,  tritt  auch  bei  Pechel- 
bronn hervor,  indem  jedes  Bitumenlager  von  einer  braunkohlen- 
reichen Mergelzone  eingefasst  wird.  Dieser  Umstand  erscheint 
mir  sehr  bemerkenswerth  und  zeigt  deutlich,  dass  es  nicht  zu- 
lässig ist,  für  beide  Producte,  Bitumen  und  Lignit,  eine  princi- 
piell  verschiedene  Entstehung  anzunehmen,  so  dass  wir  etwa 
das  Bitumen  für  infiltrii't  und  die  Kohle  für  an  Ort  und  Stelle 
gebildet  erklären  könnten. 

Die  Petroleumlager  von  Schwabweiler  scheinen  mehr  von 
der  Küste  entfernt  im  freien  Meere  entstanden  zu  sein.  Wir 
sehen  dort  die  Oelsandflötzchen,  ebenso  wie  die  einzelnen  mehr 
oder  weniger  imprägnirten ,  sandigen  Mergelstreifen  in  ausser- 
ordentlicher Feinheit  geschichtet,  ein  Umstand  der  nicht  grade 
für  eine  nachträgliche  Infiltration  spricht. 

Dass  in  geringerem  Maasse  eine  Wanderung  des  Bitumens 


1.  Es  bildete  sich  unter  ähnlichen  Verhältnissen  an  anderen  Orten  manchmal 
das  gleiche  Product.  So  findet  man  zuweilen  in  den  Gephalopodenschalen  des  Lias 
Ton  Langenbrficken  und  anderer  Punkte  flüssiges  Erdöl,  welches  offenbar  hier 
unter  völligem  Abschluss  als  Endproduct  aus  dem  verwesenden  Organismus  entstand. 


172 

and  Erdöls  schon  während  und  auch  noch  nach  der  Bildung 
desselben  stattfand,  ist  sehr  wahrscheinlich,  und  so  würde  es 
sich  erklären,  dass  vorwiegend,  wenn  auch  nicht  immer,  das 
lockere  und  zur  Aufnahme  desselben  geeignete  Material  imbibirt 
wurde. 

Da  wo  das  Oel  in  grösserer  Nähe  der  Oberfläche  zu  liegen 
kam  und  durch  Verwerfungen  und  Spalten  mit  der  Luft  in 
Berührung  gelangte,  wurde  dasselbe  oft  in  höherem  Grade  oxydirt 
und  verlor  seine  flüchtigeren  Bestandtheile.  Es  bildeten  sich 
Pech,  Asphaltkalk  und  Pechsand,  wie  z.  B.  bei  Lobsann.  In  den 
tieferen  Lagen  hingegen,  wo  es  abgeschlossen  und  geschützt  war, 
wie  bei  Schwabweiler  und  in  den  tieferen  Schichten  von 
Pechelbronn,  erhielt  sich  dasselbe  als  leichtflüssiges  Oel; 
immerhin  mögen  auch  die  ursprünglichen  Bildungsverhältnisse 
hierauf  schon  von  Einfluss  gewesen  sein*. 


1.  Hierzu  ist  zu  bemerken,  dass  ein  sehr  tiefes  Bohrloch  bei  Oberstritten 
zähflüssiges  Pech  lieferte,  während  in  der  Regel  auch  im  Elsass  gerade  die  tiefen 
Bohrungen  leicht  flüssiges  Erdöl  ergeben.  (Cf.  p.  189.) 


173 


in.  Meeressand 
im  Elsass  und  in  der  Oberrheinebene. 

Der  mitteloligocäne  Meeressand,  welcher,  wie  Sandbebgeb 
schon  lange  nachgewiesen  und  wie  Lepsius  es  neuerdings  bestätigt 
hat,  unter  dem  Septarienthon  liegt,  also  die  tiefere  Abtheilung 
des  Mitteloligocäns  bildet,  entspricht  dem  Tongrien  der  belgischen 
Geologen.  Er  ist  nur  zum  Theil  äquivalent  dem  Tongrien  der  Elsässer 
und  Schweizer,  indem  diese  die  Grenze  gegen  das  Aquitanien 
etwas  höher  gelegt  haben.  Somit  wurde  hier  die  höhere  Stufe  des 
Mitteloligocäns  —  das  Rupölien  oder  der  Septarienthon  —  nicht 
ausgeschieden.  Der  Grund  dafür  ist  wohl  darin  zu  suchen,  dass  der 
Septarienthon  hier  im  Süden  nicht  typisch  entwickelt  vorkommt, 
sondern  dass  er  durch  die  ÄmpHtsyleSchieiery  eine  südliche  und 
relativ  weit  verbreitete  Facies  desselben,  vertreten  wird.  Die 
typische  Entwicklung  des  Meeressandes  findet  sich  im  Mainzer 
Becken,  wo  die  klassischen  Fundorte  Weinheim  bei  Alzey  und 
Waldböckelheim  in  der  Gegend  von  Kreuznach  zahlreiche 
Fossilien  geliefert  haben.  Von  hier  aus  lässt  sich  derselbe  in 
vereinzelten  Vorkommnissen  durch  die  Oberrheinebene  hindurch 
bis  über  Basel  hinaus  in  den  Berner  Jura  verfolgen. 

Am  Abhänge  des  Odenwaldes  bei  Heppenheim  wurden 
von  Seibebt  Sandsteine  mit  Meeressandversteinerungen  nach- 
gewiesen*. Weiter  südlich  wurden  von  Bbkecke  und  Cohen  bei 
Grossachsen  ebenfalls  Meeressandfossilien  in   einem  kalkigen 


1.  Notizblatt  des  Vereins  für  Erdltande  ete.  1858.  Darmstadt,  pg.  7  und  87.  — 
R.  Lbpsids.  Das  Mainzer  Beeiden.  Darmstadt,  1883,  pg.  40. 


174 

Sandstein  angetroffen  ^  In  der  Pfalz  am  Abhänge  der  Haardt, 
sowie  im  Elsass  längs  des  Yogesenrandes  müssen  wir  wohl  einen 
grossen  Theil  der  Conglomerate  als  Aequivalent  des  Meeres- 
sandes ansehen.  Bei  Leinweiler,  nördlich  von  Eschbach 
unweit  Landau,  enthalten  die  dort  anstehenden  Muschelkalk- 
conglomerate  fossilführende  Schichten*.  Es  fanden  sich  nach 
Sandbebgeb  und  Gumbel: 

1.  Ostrea  callifera  Lamk. 

2.  Pecten  pictus  Goldp. 

3.  Modiola  delicatula  Desh. 

4.  Pectunculus  obovattis  Lamk. 

5.  Lamna  denticulata  Aa. 

6.  Balanen. 

7.  Foraminiferen. 

Hierzu  kommen  noch  Zähne  von  Lamna  contoriidens  Aa., 
welche  ich  aus  der  Gegend  von  Landau  erhielt. 

Im  Elsass  und  zwar  bei  Weisse  nburg,  an  der  Walkmühle  bei 
Lobsann,  zwischen  Preuschdorf  und  Wörth,  am  Bastberg  bei 
Buchsweiler,  am  Scharrachberg,  Bischenberg  und  bei  Bern- 
hardsweiler etc.  sind  die  Gonglomerate  alle  sogut  wie  fossilleer; 
auch  stehen  sie  nicht  in  direkter  Beziehung  zum  Septarienthon, 
weshalb  ich  dieselben  nicht  bei  dem  Meeressande  abhandebi, 
sondern  in  einem  besonderen  Kapitel  als  mitteloligocäne  Eüsten- 
bildungen  beschreiben  werde.  Das  Gleiche  gilt  von  dem  Schön- 
berg bei  Freiburg. 

Erst  in  der  Umgebung  von  Basel,  in  Ober-Baden,  in  der Pfirt 
und  im  Berner  Jura  —  hier  namentlich  in  der  Gegend  von  Dels- 
berg  —  ist  der  Meeressand  wieder  besser  entwickelt  und  fossil- 


1.  E.  W.  Benecke  and  E.  Goren.  Geognostische  Beschreibung  der  Umgegend 
von  Heidelberg.  Strassburg  i.  E.,  1881,  pg.  500. 

2.  GüMBEL.  Lconb.  Jahrb.  1853,  Tf.  VH.  Sandbebgei.  Mainzer  TertiHirbeckefl 
1863.    Gi'MBEL.  Geognostische  Verhältnisse  der  Pfalz,  1865. 


175 

führend.  Was  den  Berner  Jura  betrifft,  so  fallt  derselbe  nicht 
mehr  in  unser  Untersuchungsgebiet  hinein,  und.  ich  verweise 
deshalb  hier  auf  die  Arbeiten  von  Gbepfin^  welcher  den 
dortigen  Meeressand  beim  Terrain  tongrien  behandelt  und 
namentlich  aus  den  schwarzen  sandigen  Mergeln  von  Neucul 
zahlreiche  Fossilien  anführt. 

Der  Meeressand  in  Ober-Baden  ist  von  Sandbebgeb'  genauer 
untersucht  worden,  und  sind  die  wichtigsten  Fundpunkte  Stetten 
sowie  Schloss  Bötteln  bei  Lörrach,  wo  derselbe  direkt  dem 
Jura  auflagert.  Sandbeboeb  gibt  folgendes  Profil  von  Stetten 
unweit  Lörrach: 

1.  Hauptoolith  (im  Liegenden). 

2.  Kalksandstein  mit  einer  Bank  von  Ostr.  caUtfera, 

3.  Kalksandstein  mit  vielen  Gerollen  von  Hauptoolith, 
Korallenkalk  etc.  Cerithium  lima,  Cer.  Bohlayet,  Natica 
creissatina,  Neritina  fulminifera^  Lamna  ct^spidaia  und 
Pflanzenresten. 

4.  Grobe  Conglomeratbank,  meist  jurassische  Gerolle. 

Im  Meeressand  von  Ober-Baden  wurde  bisher .  an  Fossilien 
gefunden': 

Bei  Stetten. 

1.  Cerithium  troMeare  Lamk. 

2.  Cer.  Bollayei  Desh. 

3.  Cer.  dissitum  Desh. 

4.  Cer.  lima  Desh. 

5.  Neritina  ftUminifera  Sandb. 


1.  J.  B.  Gbeppin.  Le  Jura  Bernois  et  districts  adjacents.  Berne,  1870,  pg.  162. 

2.  SAiiDBEacEa.   Die   Conchylien  des  Mainzer  Tertiärbeckens,  pg.  414.  Wies- 
baden, 1863. 

3.  Die  Angabe  der  Fossilien  in  den  folgenden  Listen  rührt  von  SANDBEncKa 
her,  soweit  nichts  anderes  bemerkt  ist. 


176 


6.  Naiica  crassaiina  Lamk.  sp. 

7.  Tritönium  flandricum  de  Kon. 

8.  Corbtda  gibba  Oliv.  (=  subpisiformis  Sandb.') 

9.  Tellina  Heberti  Desh.  nach  Angabe  von  Greppik. 

10.  Spondylus  ienuispina  Sandb.  nach  Angabe  von  Gbeppik 

11.  Ostrea  caUifera  Lamk. 

12.  Lamna  cuspidaia  Ag. 

Bei  Rötteln  nördlich  von  Lörrach. 

1.  HaliÜierium   Schinei  Kaüp.   Zähne    nach   P.    Mebian 
und  H.  y.  Meyeb. 

2.  Trochus  rhenanus  Meb. 

3.  Tellina  Heber ii  Desh. 

4.  Cyiherea  incrassaia  Sow.  var.  ovalis  Sandb. 

5.  Cyth.  splendida  Meb. 

6.  Isocardia  subiransversa  d'Obb. 

7.  Cardium  cingulaium  Goldf.  (=   tenuisukalum  Nt8t. 
=  striatulum  Phil.) 

8.  Lucina  Heberti  Desh. 

9.  Lucina  squamosa  Lamk.  Eine  Art  der  sables  de  Fon- 
tainebleau. 

10.  Luc.  Thierensi  Heb.  naCh  Ang.  Gbeppinb. 

11.  Cardita  Omaliana  Ntst.  nach  Gbeppin. 

12.  Nucula  Greppini  Desh. 

13.  Pectunculus  obovatus  Lamk. 

14.  Pect,  angusticosiatus  Lamk. 


1.  Corb,  subpisiformis  Sandb.  ist  von  Professor  von  K(knbn  mit  der  jüngeren 
noch  recent  vorkommenden  C.  gibba  Olivi  vereinigt  worden  (Palaeont.  XVI,  2, 
pg.  262).  —  Auch  in  den  nachstehenden  Listen  bin  ich  den  von  Kceüen  in  seinen 
Arbeiten  über  das  marine  Mittel-Oligocän  Nord-Deutschlands  (Pal.  XVI,  2)  und  Beitr. 
zur  Kenntniss  der  Molluslien-Fauna  des  norddeutschen  Tertiärgebirges  (Pal.  XVI,  3), 
vorgenommenen  Identificationen  und  Berichtigungen  gefolgt. 


177 

15.  Pecten  picius  Gfold. 

16.  Osirea  caUifera  Lamk. 

Ferner  gibt  Gbkppik  mit  dem  Fundorte  Lörrach  noch  an: 

1.  Pleuroioma  Selysii  de  Eon. 

2.  Pleurot,  intorta  Bbocc.  (=  Morreni  Ntst.) 

3.  Delphinula  sp. 

4.  Calyptraea  striaieUa  Nybt. 

5.  Hipponyx  cornu'copiae  Depb.  Eine  Art  des  Pariser 
Grobkalkes  (Mt.  Eoc),  die  auch  in  den  Sables  moyens 
(Ob.  Eoc.)  vorkommt. 

Diese  30  angeführten  Arten  finden  sich  alle  im  Mainzer 
Becken  mit  Ausnahme  von  Lticina  Thierensi  und  Hipponyx  cornu- 
copiae.  Im  Tongrien  von  Delsberg  sind  sie  ebenfalls  vertreten, 
nur  fehlt:  Lucina  sqtuimosa,  Isocardia  subtransversa,  Hipponyx 
comu-copiae,  Tiritonium  flandricum,  Cerithium  lima  und  Ceri- 
thium  dissitum, 

« 

Eine  ähnliche  Meeressandbildung  wie  diejenige  von  Stetten 
und  Bötteln  finden  wir  im  Süden  von  Basel  bei  Aesch,  von 
wo  ich  nach  Sandbeboeb  und  Gbeppik  folgende  Arten  anführe: 

1.  Pholadomya  peciinata  Meb.  Eine  Art,  die  im  Mainzer 
Becken  fehlt. 

2.  Panopaea  Htberti  Bosq. 

3.  Pecten  fasciculaius  Sandb. 

Das  Vorkommen  von  Rädersdorf  in  der  Pfirt  ist  schon 
lange  wegen  seiner  Halitherienreste  bekannt.  Dieselben  wurden 
zuerst  von  Duvebngy*  beschrieben  und  abgebildet.  Die  Originale 
befinden   sich  noch  in  dem  Strassburger  zoologischen  Museum. 


1.  DuvBRNOT.  M^m.  de  la  Soc.  d'hist.  nat.  de  Strasbg.,  II,  pg.  9,  1835, 
(als  Lamantin  fossil  beschrieben).  —  Gompt.  rend.  Acad.  Paris,  1836.  —  Blainville. 
Ost^ographie,  Manatus^  Tf.  X.  —  Merian.  Verhandlungen  der  natarf.  Ges.  zu  Basel, 
1836—38  (als  Halianassa  Studeri  v.  Met.).  —  Lepsics.  HaUtherium  Schinzi,  pg.  163. 
Darmsfadt,  1878. 

III.  12 


178 

Von  Lepsiüs  wurden  diese  Halitherienreste  dem  H.  Schinsi  Kauf. 
zugerechnet.  Der  Steinbruch  von  Rädersdorf,  welcher  die 
betreffenden  Knochen  lieferte,  war  in  einem  Felde  angelegt 
worden,  um  Bausteine  für  ein  Schulhaus  zu  gewinnen,  und  ist 
längst  wieder  eingeebnet  worden.  Ausser  dem  Halitherium  er- 
wähnt Delbob  in  seiner  Beschreibung  des  Haut-Rhin  noch  Fisch- 
zähne und  den  Pecien  bifidus  Münst.,  sonst  ist  meines  Wissens 
nichts  von  Rädersdorf  bekannt  geworden.  Einige  in  der  Strass- 
burger  Sammlung  vorhandene  Steinkerne  von  dort,  welche  mit 
sicherem  Fundorte  versehen  waren  und  wahrscheinlich  von 
Gbesslt  an  Düveenoy  geschickt  worden  sind,  erscheinen  daher 
um  so  mehr  erwünscht.  Dieselben  bestehen  aus  einem  weichen, 
gelben  Kalksandstein.  Ich  bestimmte  sie  als: 

1 .  Cassidaria  nodosa  Sol.  Findet  sich  auch  im  Mainzer 
Becken  ebenso  wie  im  Tongrien  von  Delsberg. 

2.  Pcmopaea  Heherti  Bosci. 

3.  Cytherea  splendida  Meb.  Das  einzige  gute  Exem- 
plar, welches  mir  vorliegt,  ist  sehr  gross  (37  mm  lang, 
22  mm  breit)  und  von  länglich  eiförmiger  Gestalt,  wo- 
durch es  sich  der  Cyth,  laevigata  Lmk.  aus  dem  fran- 
zösischen Eocän  sehr  nähert.  Tf.  XI,  fig.  17. 

4.  Isocardia  subtransversa  d*Orb. 

5.  iMCina  tenuistHa  H^ 

6.  Modiola  micans  Au  Bbn.  Tf.  XI,  fig.  15,  16  a,  h. 
Die  Stücke  von  Rädersdorf  sind  sehr  schön  als  Mo- 
delle erhalten  und  zeigen  noch  vollständig  die  feine, 
aus  Längslinien  bestehende  Skulptur.  Verglichen  mit  den 
Exemplaren  aus  dem  Mainzer  Becken  (Trift  bei  Wein- 
heim) erscheinen  sie  grösser,  bauchiger  und  etwas 
runder.  Die  Art  nähert  sich  hierdurch  ähnlich  wie  die 
erwähnte    Cyth.   splendida    einer    älteren   Verwandten, 


•  179 

von  welcher  sie  abstammen  dürfte,  nämlich  der  Mo- 
diola  capillaris  B^BH,  aus  den  Sables  moyens  (Ob.  £oc.)^ 

7.  JPecten  biftdus  Münst.  (nach  Ang.  von  Delbos).  Eine 
Art  der  Sables  de  Fontainebleau,  die  auch  im  Mittel- 
oligocän  von  Kassel  vorkommt. 

8.  Lamna  contortidens  Ag. 

9.  Lomina  denticulata  Ag. 

Wenn  es  sich  nachweisen  liesse,  dass  wie  bei  zwei  der 
oben  genannten  Arten,  der  Modiola  micans  und  Cyiherea  spien" 
diday  die  Meeressandformen  des  südlichen  Complexes  bei  Basel 
und  im  Berner  Jura  überhaupt  ein  älteres  Gepräge  tragen,  als 
diejenigen  des  Mainzer  Beckens,  so  wäre  hierin  eine  neue  Stütze 
für  die  Ansicht  geboten ,  dass  das  Meer  von  Südwesten  her  in  das 
Elsass  eindrang  und  schliesslich  das  Mainzer  Becken  überfluthete. 
Die  Formen  wären  alsdann  möglicherweise  aus  dem  französischen 
Meere  auf  diesem  Wege  zu  uns  eingewandert,  um  an  ihrem 
neuen  Wohnorte  noch  eine  viel  reichere  Entfaltung  zu  erlangen. 

Nicht  weit  von  Kädersdorf  bei  Oltingen  stehen  Meeres- 
sandschichten  an,  die  Reste  von  Peciunculus  geliefert  haben. 
Dieselben  bestehen  zumeist  aus  Molassesandstein,  welcher  sehr 
grobe  KüstengeröUe  von  30 — 40  cm  Durchmesser  enthält". 

An  diese  typisch  ausgebildeten  Meeressande  schliessen  sich 
dann  noch  solche  Bildungen  an,  welche  eine  mergelige  oder 
mergelig  sandige  Facies  des  gleichen  Horizontes  bilden  und  in 
der  Gesammtheit  ihrer  Fauna  vielleicht  ein  etwas  jüngeres  Ge- 
präge tragen.  Wir  können  hierher  die  obersten  grauen  Mergel 
der  „Marnerie  Gilardoni"  bei  Altkirch  stellen,  denn  sie  über- 
lagern die  Blättersandsteine  und  Mergel  des  Unteroligocäns ,  in 


1.  Deshayks.  ÄBim.  s.  vertöb.  du  bass.  de  Paris,  I,  Tf.  75,  fig.  25 — 27.  In 
meiner  DEOAT'schen  Ausgabe  ist  die  Art  im  Text  fälschlich  mit  einer  anderen  Zahl 
versehen. 

2.  Delbos.  Descr.  d.  döp.  d.  H.-ß.,  pg.  45,  11. 


180 

welche  sie  allmälig  übergehen,  und  werden  von  Melettaschichten 
bedeckt.  Diese  sterilen  Meißel  haben  jedoch  nnr  das  Interesse, 
dass  sie  einem  fossilreichen  Mergel,  der  in  einem  Anfschloss 
bei  Dammerkirch  westlich  von  Altkirch  gewonnen  wird, 
petrographisch  sehr  ähnlich  sind.  In  der  Meigelgmbe  westlich 
von  Dammerkirch,  nicht  weit  von  der  französischen  Grenze, 
bietet  sich   uns  etwa  folgendes  Profil  von  oben  nach  vnten': 

2,5  nL  Lehm. 
2,5  m.  Dilaviale  Kiese. 

10,0  m.  Blaugraue,  sandige,   glimmerige  Mergel  vom  Ha- 
bitus der  Mergel  von  Altkirch. 

Das  Einfallen  ist  ein  sehr  schwaches  (ongeiahr  3*)  von 
SW.  nach  NO.  gerichtetes.  Die  Meißel  selbst  enthalten  nnr  sehr 
sparsame  Bmchstucke  von  Moscheln,  während  im  unteren  Niveau 
derselben  eingeschaltete  graue,  ziemlich  grobe  und  mei^elige 
Sandschichten  ganz  davon  erfüllt  sind.  Die  oberste  dieser  Sand- 
schichten von  1,3  cm  Mächtigkeit  lieferte  mir  namentlich  eine 
reiche  Ausbeute.  Bei  dem  mehrmaligen  Besuche  des  Au&chlusses 
sammelte  ich  folgende  Arten: 

1.  Adearbis  deea^saius  Sani«. 

2.  liatiea  yysH  o^Osb.  Nur  mangelhaft  erhaltene  Exem- 
plare. Zahlreiche  von  Naäca  angebohrte  Schalen  deuten 
auf  grössere  Arten  der  Gattung  hin.  {N.  crassaüna. . .  ?) 

3.  Cl$ef%ap9is  speetostts  Schloih«  vmr.  oxydactylus 
Saxdb.  Fragmente. 

4.  Murex  I^ehaye^t  Ntst.* 


1.  Der  Mf  der  KociLn'sdMB  Kirte  ufefebeBe  Tertürpankl  bei  DaBBer- 
kirck  eatspridil  ucht  usoca  Aifschluss.  soaden  liegt  f*sl  1  Kfloaeter  teUieh 
diToo  entfernt  lastehei  tm  TeiiürsdüditeB  ist  jetzt  an  dieser  Stelle  nichl  Behr 


2.  Diese  Art»  snrie  Plewiomm  rfsmlmris  m  Ko5.  (sack  toü  Kta!CDi.=  bd^ica 
Geldt)  fUffe  ich  Mch  gütiger  Hittbrilwig  des  Hemi  Dr.  W.  Kiuas  ia  Paris  hier  an. 


181 

5.  Fu»u8  elongatus  Nyst.  (Tf.  XI,  fig.  14.)  Es  finden 
sich  sehr  grosse  Exemplare ;  eines  derselben  misst  2 1  mm 
in  der  Breite  und  66  mm  in  der  Länge,  ergänzt  würde 
die  Länge  etwa  75  mm  betragen.  Sehr  ähnliche  grosse 
Exemplare  kommen  im  Meeressande  von  Weinheim 
bei  Alzey  ab  und  zu  vor. 

6.  JPlenrotoma  regula/Ha  de  Eon. 

7.  Heurotoma  cf.  Selyaii  de  Kon.  Fragment. 

8.  Ostrea  cyafhula  Lahr. 

9.  JPecten  decussatus  y.  Münst. 

10.  JPeCtm  piCttlS  OOLDF. 

1 1 .  Bohrmuschellöcher  in  den  Schalen  von  Pect,  obovatus. 
Dieselben  scheinen  von  Lithodomen  {Lith.  [Modiol,] 
delicatula  Debh.  ?)  herzurühren,  ich  konnte  jedoch 
noch  keine  Schalenreste  davon  auifinden. 

12.  Pectuncultis  ohovatus  Lamk.  Sehr  häufig  grosse 
Exemplare. 

13.  Pectwncvlus  angtisHcostatus  Lahk. 

14.  Ifucula  piligera  Saübb.  Eine  Art,  die  sich  auch  am 
Zeilstück  bei  Weinheim  im  Mainzer  Becken  findet. 

15.  NuGula  cf.  Greppint  Desh. 

16.  Jjuclna  ttnduZMa  Lamk. 

17.  Cardiv/m  scroMwida  Meb. 

18.  Ca/rdiwni  cinffiiUxtu/m  Goldf. 

1 9.  Cyprina  rotundata  Braun.  Die  elsässer  Exemplare 
werden  sehr  gross.  Ein  ungemein  dickschaliges  Exemplar 
mit  kräftigem  Schloss  erreicht  eine  Breite  von  110  mm 
und  eine  Höhe  von  97  mm. 

20.  OyOierea  incrassata  Sove.  Meist  var.  ovalis  Sakdb. 
und  ein  Exemplar,  das  ich  zu  var.  obtusangularis 
Sandb.  stellen  möchte. 

21.  Cyfherea  splendida  Meb.  Häufig. 


182 

22.  Psamniobta  Jleyehi  nov.  sp.  Tf.  XI,  fig.  10—13. 
Diese  neue  und  recht  grosse  Psammobie  hat  eine  ziemlich 
dünne,  flache,  quer  verlängerte  Schale,  welche  ungleich- 
seitig und  vom  kürzer  als  hinten  ist.  Der  Unterrand 
der  Schale  ist  grade  und  verläuft  parallel  dem  Schloss- 
rand; er  geht  ganz  allmäh'g  in  den  Vorderrand  über, 
während  letzterer  zu  dem  Schlossrande  eine  gerundete 
Ecke  bildet.  Die  Hinterseite  der  Muschel  erscheint 
breit,  schief  abgestumpft  und  gerundet.  £in  breiter 
und  stumpfer  Kiel  verläuft  vom  Wirbel  nach  der  un- 
teren Ecke  der  Hinterseite;  ausserdem  sind  noch  zwei 
schwache  Eielandeutungen  vorhanden,  welche  vor  dem 
Hauptkiele  liegen.  Dieselben  verlaufen  ungefähr  in  der 
Mitte  der  Muschel  vom  Wirbel  schräg  rückwärts  nach 
dem  Unterrande.  Die  Schalenoberfläche  ist  etwas  zer- 
fressen und  rauh,  dieselbe  war  wohl  jedenfeüls  mit 
einer  Epidermis  bedeckt.  Ziemlich  unregelmässige  feine 
und  scharfe  Anwachsrippen  von  wechselnder  Stärke 
bedecken  die  ganze  Oberfläche.  In  der  rechten  Klappe 
stehen  zwei  massig  grosse  Cardinalzähne,  in  der  linken 
konnte  ich  nur  einen  einzigen  schrägen  Zahn  wahr- 
nehmen.  Der  Schlossrand  ist  etwas  nach  Innen  umge- 
bogen und  besitzt  eine  starke  Bandnymphe,  welche 
das  kurze,  kräftige  Ligament  trägt.  Die  Muschel  war 
an  beiden  Enden  ganz  schwach  klaffend.  Sie  findet 
sich  ziemlich  häufig  bei  Dammerkirch,  allerdings 
meist  in  Bruchstücken.  Ferner  zeigte  mir  Herr  Dr. 
BöTTGEB  in  seiner  Sammlung  zerbrochene  Exemplare 
derselben  Art,  welche  von  Herrn  Dr.  0.  Meyeb  in  einem 
Meeressandaufschlusse  am  Welschberg  unweit  Alzey 
gesammelt  waren.  Schliesslich  kenne  ich  unsere  Art  noch 
aus  dem  Tongrien  von  Courrendelin  unweit  Delsberg. 


183 

23.  Teilina  Nysti  Desh. 

24.  Corhidoniya  sp. 

25.  CorbtUa  gibba  Olivi  (=  subpisifor^nis  Samdb.) 

26.  CorbtUa  mibarata  Sandb.  Vorwiegend  eine  Art  des 
Cyrenenmergels  (Hackenheim  Mainz.  B.). 

27.  Corbula  sp.  8  mm  lang,  3,5  mm  breit.  Die  einzige 
mir  vorliegende  Klappe  ist  schwach  gekielt,  verlängert, 
stark  gestreift  und  hat  einen  ziemlich  kräftigen  Schloss- 
zahn. 

28.  Panopaea  Heberti  Bosq. 


29.  Quinqtieloculina  triangtUaris  d*Obb.  (For.  foss. 
d.  Bass.  d.  Vienne,  p.  288,  Tf.  XVm,  fig.  7,  8.) 
Diese  Art,  die  auch  im  Meeressand  von  Weinheim 
vorkommt,  findet  sich  in  der  Sandschicht. 

30.  Quinqueloc.  iMdwigi  Ras.  (For.  desSeptth.,  pg.  10, 
Tf.  I,  fig.  12.)  In  der  Sandschicht. 

31.  Quinqueloc.  Haiieri  d'Obb.  (=  Hauerina  d'Obb. 
1.  c,  p.  286,  Tf.  XVm,  fig.  25  —  27.)  In  der  Sand- 
schicht gleichfalls  im  Meeressand  von  Weinheim. 

32.  Polymorphina  (jOhittuJlina)  la/nceolata  Rss.  Im 
Mergel. 

33.  Bolivina  cf.  antiqua  d'Obb.  (For.  foss.  d.  B.  d. 
Vienne,  pg.  240,  Tf.  XIV,  fig.  11,  13.)  Im  Mergel  sehr 
selten. 

34.  Globigerina  bulloides  d'Obb.  Im  Mergel. 

35.  Fulviniüina  pygtna^a  v.  Hantk.  Im  Mergel. 

36.  l^uncatulina  Weinkauffl  Rss.  Im  Mergel. 
Ausserdem  beobachtete  ich  noch  im  Mergel  andere  kleine 

Pulvinulinen,  Truncatulinen  und  Bolivinen.  Von  Echinodermen 
fand  sich  ein  Bruchstückchen  eines  Seeigels.  Von  Crustaceen 
verschiedene  Ostracoden-Arten.  Ferner  eine  grosse  Schuppe  von 


184 

einem  Teleostier,  Zähne  von  Lamna  aupidata  Ag.  nnd  ron 
Lamna  denticulata  Ao.,  sowie  Bbtttreste  Ton  Cimnamommm  tL 
Scheuchzeri  Hkeb*,  Salix  (?)  sp.  nnd  TerkoUtes  Holz. 

Die  Fanna  Yon  Dammerkirch  ist  hiernach  im  Wesent- 
lichen die  des  Meeressandes,  obwohl  sie  einige  Anklänge  an 
die  unteren  marinen  Cyrenenmeigel  (Elsheimer  Meeressande 
nach  Lepsius)  zeigt,  welche  namentlich  sich  im  Auftreten  ron 
Carbula  subarata^  Nuctda  päigera  nnd  in  der  relatiren  Hänfi^eit 
anderer  Arten,  wie  Cyprina  roiundaia  nnd  Ctfiherea  incrassaia 
geltend  machen.  Bemerkenswerth  ist  noch  das  Vorkommen  einer 
ForaminiferenCauna  mit  kleinen  Tmncatnlinen,  PulYinnlinen,  61o- 
bigeiinen  und  Bolirinen  (ähnlich  wie  bei  Altkirch  nnd  Schwab- 
weiler), welche  auf  tieferes  Meer  hinweisen,  während  doch  der 
eingeschaltete  Sandstreifen  mit  seinen  ?ielen  Conchjlien,  sowie 
mit  Holz-  und  Bbittresten  nicht  allzuweit  Ton  der  Küste  zum 
Absatz  gelangen  konnte. 

Am  Schlüsse  müssen  wir  noch  bei  der  Behandlung  des 
elsässer  Meeressandes  einige  Vorkommnisse  betrachten,  welche 
von  DeiiBOs  zum  Tongrien  gestellt  wurden  und  eine  Anzahl 
Versteinerungen  geliefert  haben.  Da  sich  an  den  betreffenden 
Stellen  jetzt  keine  Fossilien  mehr  finden,  so  war  es  mir  nicht 
möglich,  durch  Vermehrung  der  Listen  grössere  Sicherheit  for 
die  Classification  zu  gewinnen. 

In  erster  Linie  ist  das  Vorkommen  bei  Egisheim  in  der 
Gegend  von  Colmar  zu  nennen.  Delbos  (Descr.  d.  H.  R.,  pg.  65) 
gibt  an,  dass  die  grossen  Steinbruche  im  Süden  des  Ortes  lagen. 
Gelbe  Sandsteinbänke  wechseln  daselbst  mit  Mergellagen,  die 
oft  eine  weissUche  Färbung  zeigen.  Das  Tertiär  ist  Yon  4 — 5  m 
Löss  bedeckt.    Nur  einzelne  Bänke   enthielten   bei  Egisheim 


1.  Die  Blattfragmeote  fon  Chmamomwm  wurden  mir  fk^imdlicher  Weise  vod 
Herrn  Dkkcu  in  Strassborg  mitgetheitt. 


185 

Fossilien,  welche  überdies  noch  recht  selten  waren.  Delbos  er- 
wähnt von  Egisheim  folgende  Arten: 

1.  Certihium  plicatum  Bbüg. 

2.  Cer.  laevissimum  Schlth.  sp. 

3.  Cer.  trochleare  Lame. 

4.  Cer.  lima  Desh. 

5.  Xenophora  scrutaria  Phil.  (=  LeyeUiana  Bosq.) 

6.  Serpülorhis  n.  sp.? 

7.  Neritina  fulminifera?  Sandb. 

8.  Natica  crassatina  Lamk.  sp. 

9.  Natica  sp. 

10.  Columbella  inomata  Sanbb. 

11.  Sepiifer  denticülatus  Lamk.  sp. 

12.  Peciunculus  angusticostatus  Lamk. 

13.  Cardium  Raulini  Heb.  Eine  Art  des  Pariser  Beckens, 
die  im  Mainzer  Becken  durch  C,  scröbimda  Meb. 
vertreten  wird. 

14.  Cytherea  incrassata  Sow.  sp. 

15.  Cytherea  splendida  Meb. 

16.  Notidanus  primigenius  Aa.  (Delbob  Nachtrag  I.  c. 
pg.  511.) 

Zu  dieser  Liste  von  Meeressandfossilien,  in  der  immerhin 
der  relative  Reichthum  an  Cerithien  auffallt,  verhalten  sich  folgende 
Arten,  die  Delbos  damit  promiscue  anfährt,  sehr  heterogen. 

1.  Cerithium  margaritaceum  Bboc.  sp.  Eine  Art  des  Cyrenen- 
mergeis.  (Ob.  Ölig.) 

2.  Cyrena  semistriataD:EBH.  Gleichfalls  eine  Art  desCyrenen- 
mergels. 

?  3.  Corbtcula  Faujasi  Desh.   Die  Leitform  der  Corhicuta" 
Schichten.  (Ut.  Mioc.) 
Ich  vermuthe,   dass   diese  Arten  mit  den   obengenannten 
nicht  zusammen  in  einer  Schicht  gefunden  worden  sind,   was 


186 

auch  Delbos  nicht  direkt  behauptet.  Angenommen,  das8  bei 
dem  meist  mangelhaften  Erhaltungszustand  die  Bestimmungen 
richtig  sind,  so  erscheint  es  mir  am  wahrscheinlichsten,  dass 
die  drei  letztgenannten  Arten  aus  anderen  Au&chlüssen  bei 
EgisheiiQ  oder  {lus  einer  höheren  Schicht  des  Steinbruches 
stammen.  Das  Vorkommen  von  Cyrenenmergeln  im  Ober-EIsass 
unterliegt  keinem  Zweifel  \  um  so  mehr,  als  auch  dieselben  im 
Unter-EIsass  fossilreich  entwickelt  sind.  Das  Auftreten  der  Cor- 
bicula  Faujasi  im  Ober-Elsass  wäre  in  hohem  Grade  interessant, 
ist  aber  nicht  grade  wahrscheinlich;  sie  wird  ausser  von  Egis- 
heim  nur  noch  von  Ffeche-Tfiglise  (Döpart.  du  Haut-Rhin) 
angegeben. 


1.  Durch  Herrn  Deecke  erhielt  ich  kürzlich  einige  von  Boncourt  (bei  Moni- 
b^liard)  stammende  Stücke  einer  hellgelben,  feinkörnigen  und  sehr  harten  Kalk- 
molasse mit  zahlreichen  Resten  von  Cyrena  semistriata  Desh.  als  einzigem  Fossil. 
Diese  Schichten,  welche  völlig  der  typischen  Meeressandfossilien  ermangeln,  stehen 
in  Beziehung  zu  den  Conglomeraten  des  gleichen  Fundortes,  die  aus  Jurakalk  besteben 
und  gehören  vermuthlich  zum  Oberoligocän. 


187 


IV.  Der  Septarienthon  im  Ünter-Elsass, 


Die  Kenntniss  des  Septarienthones  im  Elsass  war  bisher 
eine  unvollständige,  und  obwohl  das  Vorkommen  von  marinen 
Mergeln  im  Hangenden  des  Asphaltkalkes  bei  Lob  sann  schon 
seit  langer  Zeit  bekannt  war,  und  schon  Voltz  darauf  aufmerk- 
sam gemacht  hatte,  so  war  doch  bisher  keine  volle  Sicherheit 
bei  der  Altersbestimmung  dieser  Schichten  erlangt  worden. 
Daubbee  stellte  (1852)  in  seiner  Beschreibung  des  Haut-Rhin 
sämmtb'che  Schichten  von  Lobsann  zum  Miocän.  Sanbbebgeb, 
welcher  in  seinem  Werke  ^Land-  und  Süsswasserconchylien  der 
Vor  weit"  (1870— 1875)  den  Asphaltkalk  und  die  marinen  Mergel 
erwähnt  (pg.  307),  bringt  den  ersteren  zum  tiefsten  Mitteloli- 
gocän,  während  er  bemerkt,  dass  die  Mergel  eine  Anzahl  der 
Fossilien  aus  dem  Horizonte  der  Natica  crassaiina  enthalten. 
Im  Jahre  1873  spricht  Mosleb  in  seinem  Catalog  für  die 
Sammlung  der  Bergwerksproducte  etc.  von  Elsass-Lothringen 
die  unterelsässer  petroleumführenden  Schichten  wiederum  als 
Miocän  an*.  Ludwig,  welcher  im  Notizblatt  des  Vereins  für 
Erdkunde  zu  Darmstadt  1875  die  Tertiärschichten  der  Um- 
gegend von  Sulz  u.  d.  Wald  behandelte,  war  so  glücklich,  eine 
Anzahl  von  Versteinerungen  von  Lobsann  zu  erhalten,  darunter 


1.  Auch  Delbos  stellte  1870  in  einem  Vortrag  irAlsace  pendant  la  päriode 
tertiaire»  (conf.de  Mulhouse)  die  Schichten  von  Lobsann  noch  in  das  Miocän  und 
parallelisirt  sie  mit  dem  Calcaire  de  Chätenois  bei  Montböliard,  welcher  nur 
JXr.  osculum  Thom.  geliefert  hat  und  unserem  Landschneckenkalk  im  Mainzer 
Becken  entsprechen  dürfte. 


188 

18  Foraminiferen  *  und  einige  Mollusken.  Auffallender  Weise 
bekennt  er  sich  am  Schlüsse  seiner  Arbeit  zu  der  Ansicht,  dass 
die  unteren  Süss  wasserschichten  von  Lob  sann  dem  Blätter- 
sandstein von  Münzenberg  und  den  Braunkohlen  vom  Hessen- 
brücker  Hammer  in  der  Wetterau  entsprächen.  In  dem  Abriss 
der  Geologie  von  Elsass- Lothringen  1878  stellte  Professor 
Benecke,  dem  Vorgang  von  Professor  Sakdbebgeb  folgend,  die 
Mergel  von  Lob  sann  zum  Mitteloligocän  und  zwar  zu  dem  Sep- 
tarienthon.  Diese  letztere  Ansicht  über  das  Alter  der  marinen 
Mergel  von  Lobsann  bestätigte  sich  vollständig  durch  die  neueren 
Befunde,  namentlich  durch  das  Vorkommen  der  Leda  Deshaye- 
siana  und  durch  die  Untersuchung  der  reichen  Foraminiferenfauna. 

Diejenigen  Stellen,  an  welchen  der  Septarienthon  im  Unter- 
Elsass  mir  Fossilien  lieferte,  sind  Lobsann,  Drachenbronn, 
Sulz  unter  dem  Wald  und  Heiligenstein  bei  Barr,  nicht 
weit  von  dem  Odilienberge.  Die  drei  ersten  Vorkommnisse  zeigen 
die  grösste  Uebereinstimmung  und  liegen  so  nahe  bei  einander, 
dass  sie  sich  nicht  getrennt  behandeln  lassen;  wir  wollen  mit 
ihrer  Besprechung  beginnen. 

Der  Septarienthon  von  Lobsann  bildet,  wie  schon  in  dem 
Profile  (pg.  106)  gezeigt  wurde,  das  Hangende  des  Asphalt- 
kalkes, und  seine  an  der  Verwerfungsspalte  schräg  abwärts  ge- 
schleiften Schichten  wurden  in  dem  neue'h  Schacht  bis  zu  einer 
Teufe  von  60  m  verfolgt.  Die  wirkliche  Mächtigkeit  des  Septarien- 
thones  von  Lobsann  ist  zwar  keine  so  bedeutende,  muss  aber 
doch  mindestens  auf  40  m  geschätzt  werden.  Die  petrographische 


1.  Es  werden  Ton  Lcdwig  folgende  Foraminiferen  too  Lobsann  angegeben: 
Baptophra^mium  Bumboldü  Rss.,  Gaudnfina  diiiosioma  Rss^  Glanduiina  graeHU 
Rss.,  Pi'odoiaria  pungens  Rss.,  .V.  soiuta  Rss.,  N.  BDaUi  Rss.,  .V.  amsobritui  d'Oib., 
«V.  öaeirMium  Rss.,  N,  eppraximata  Rss.,  Textilaria  pedinaia  Rss.,  Tk.  aitatuata 
Rss.,  HtmcatuHna  hidda  Rss.,  TV*.  Dutempiei  o'Oib.,  CrisMlaria  subplana  Rs$., 
Cr.  depauperata  Rss.,  O*.  ooacmiia  Rss.,  O*.  ämbasa  Rss.,  Cr,  arüadata  Rss. 


189 

Beschaffenheit  ist  eine  ziemlich  einförmige.  In  dem  neuen  Schachte 
fanden  sich  bis  zu  3  m  Tiefe  graue,  gelbgeflammte,  mergelige 
Thone  mit  zahlreichen  kleinen,  wasserhellen  oder  hellgelben  Gyps- 
krystallen,  Brauneisenkügelchen  ^  und  vielen  Foraminiferen,  unter 
welchen  namentlich  die  PseudotruncatuUna  (früher  IVuncatulina) 
Butemplei  massenhaft  und  in  grossen  Exemplaren  auftritt.  Bis  zu 
Hm  Tiefe  fanden  sich  alsdann  hellgraue,  zarte  Mergel  mit  vielen 
kohligen  Algenresten.  Von  1 1  m  bis  zu  60  m  folgen  braungraue, 
dunklere  Mergel  mit  sehr  viel  Schwefelkiesstängelchen  und  Concre- 
tionen,  welche  die  ganze  Schlemmprobe  schwarz  färben,  grossen 
plattgedrückten,  agglutinirten  Böhrchen,  Haplophragmien ,  Pleca- 
nien,  Botalien  und  zahlreichen  anderen  Foraminiferen.  Der  in 
einem  Stollen  hinter  dem  Asphaltkalk  gefundene  Mergel  gleicht 
dem  letzteren  vollständig  in  seiner  Beschaffenheit  und  Fauna, 
nur  dass  derselbe  eine  hellere,  mehr  graublaue  Farbe  zeigt. 

In  den  Mergeln  von  Lobsann  finden  sich,  wenn  auch 
nicht  gerade  häufig,  ächte  Septarien;  ausserdem  treten  grosse, 
strahlig  concretionirte  Kugeln  von  Markasit  auf.  Das  letztgenannte 
Mineral  wird  auch  von  Daubbee  erwähnt,  welcher  angibt,  dass 
es  in  Zwillingsverwachsungen  nach  oo  P  bei  Lobsann  vor- 
kommt. Sehr  schöne,  wenn  auch  kleine  derartige  tafelige  Zwillings- 
verwachsungen von  meist  5  Krystallen  fand  ich  in  einer  Schlemm- 
probe in  grösserer  Anzahl. 

Ueber  den  Septarienthon  von  Sulz  ist  nicht  viel  zu  sagen; 
derselbe  bildet  offenbar  eine  isolirte,  von  der  Erosion  verschont 
gebliebene  Parthie,  welche  direct  die  petroleumsandführenden 
Mergel  zwischen  Sulz  unter  dem  Wald  und  Betschweiler 
überlagert.  Die  Aufschlüsse,  welchen  ich  meine  Schlemmproben 


1.  Es  ist  anzunehmen,  dass  das  Vorhandensein  von  Brauneisen  und  Gyps  in 
den  oberen  Schichten  wohl  nur  dem  Einfluss  der  Atmosphärilien  zuzuschreiben  ist, 
welche  dieselben  aus  Markasit  und  Kalk  bildeten;  auch  wurde  der  Mergel  hierbei  kalk- 
armer und  plastischer. 


eotnahm,  befindeu  sich  am  Fussweg  von  Sulz  nach  Ketsch* 
Weiler  in  einem  Graben  und  dicht  an  dem  Orte  Retschweiler 
selbst,  welches  Dorf  noch  z.  Tb.  auf  Septarienthoo  zu  liegen 
scheint.  Die  Foraminiferenfauna  dieser  Schlemmproben  gleicht 
deijenigen  von  Lobsann  und  ist  ausgezeichnet  durch  das  Vor- 
kommen schöner,  grosser  Cristellarien,  Nodosarien,  TniDcatulinen 
und  Haplophragmien.  In  dem  Septarienthon  von  Retschweiler 
scheinen  auch  stellenweise  brackische  Schichten  noch  vorzu- 
kommen, indem  eine  Schlemmprobe  desselben  zahlreiche  Ostra- 
coden  und  Früchte  von  Chara  Volizi  enthielt. 


Lü^^ 

1         1 

4"—^ — 

proaid 

DRll  dCD  y> 

Idv 

dsD  BohnmcOD  yoid  1 

-15.  J 

uUSSI 

B  =;  Bergg 

nue  »OD  Lob« 

nn  Ii«b  Dr 

■cbeiib 

»  ».Ichtr 

die 

BabrlSehe 

1,11 

lir  gegtoueo 

von  da 

fem.  mid  S,>o 

iU    II 

10,M  m  U 

treral  und  3l,>g  m  Uef.    1    = 

LOKI 

mil  Pjrit.  a).p.  Oi 

d  Pania 

iDireran.  J  ^PI6tt»o 

^  0,ts  m  mi 

htlB,  b. 

l  =  o,«>»>>>>e>  V 

-    0,T> 

■D,  bei  II  = 

0,8. 

n,  bei  11 

=  0 

I  m,  bei  IV  - 

0...  m. 

«  =  kalkl«er8epurl> 

lb0D.S 

=  Sahlebteii 

vor 

»leiend  ■ 

•  San 

d  and  Kalk 

Bttehend 

Das  dritte  Vorkommen  unweit  der  Siebenbrunnenmahle  an 
der  Bergstrasse,  welche  tod  dem  Bergwerk  Lobsano  nach  dem 
Dorfe  Drachenbronn  führt,  habe  ich  der  Kürze  halber  nach 
dem  letztgenannten  nahe  gelegenen  Orte  bezeichnet.  Dasselbe 
ist  in  sofern  interessant,  als  es  uns  zeigt,  dass  kleine  Bitumen- 


191 

sandschichten  noch  bis  in  das  Niveau  des  Septarienthones  hinauf- 
reichen. Die  Schichten  in  dem  beistehenden  Profil,  welches  von 
NO.  nach  SW.  verläuft,  zeigen  ein  schwaches,  nach  der  Ebene 
zu  gerichtetes  Einfallen.  Wir  haben  zu  oberst  im  Wald  lockeren 
Sand  und  Schotter,  der  aus  der  Verwitterung  des  Buntsand- 
steins vom  Hochwald  entstanden  und  herabgeschlemmt  worden 
ist  (1.).  Dann  Septarienthon  (2.)  mit  vielen  Foraminiferen, 
welcher  bei  3.  ein  Bitumensandflötz  von  durchschnittlich  0,6o  m 
Mächtigkeit  enthält.  Dieser  Bitumensand  ist  dunkelbraun,  fein- 
körnig, zerreiblich  und  hat  nur  einen  schwachen  Geruch.  Unter 
demselben  liegen  wieder  kalkige  Mergel  mit  reicher  Foramini- 
ferenfauna  (4.).  Zum  Schlüsse  folgen  aus  Kalk,  Sand  und  Mergeln 
bestehende  Schichten  (5.),  welche  wohl  schon  dem  Horizont 
des  Asphaltkalkes  entsprechen. 

An  dieses  Profil  schliessen  wir  das  Ergebniss  der  Bohrung 
Nr.  IV  aus  dem  Jahre  1864  an,  welches  von  oben  nach  unten 
folgende  Schichten  zeigte: 

Nr.  IV. 

1.  Lockerer  Sand 6,8o  m. 

2.  Blauer,  thoniger  Mergel  mit  Gyps  und  Pyrit.  13,84  m. 

3.  Reicher  Bitumensand 0,56  m. 

4.  Kalkiger,  blauer  Mergel 0,95  m. 

5.  Heller  Kalk    1,20  m. 

6.  Kalkiger  Mergel  mit  Pyrit 2,84  m. 

7.  Sehr  sandiger  Mergel.  .  .  .  « 1,56  m. 

8.  Gelblicher  Sand  (bituminös) 0,74  m. 

9.  Mergeliger,  gelber  Sand 1,65  m. 

10.  Heller  Kalk  mit  kleinen  Bitumenschmitzen    .       0,4i  m. 

11.  Grober,  gelber  Sand 0,7i  m. 

12.  Heller  Kalk  mit  kleinen  Bitumenschmitzen    .       0,ii  m. 

Ganze  Mächtigkeit  ==   31,36  m. 


192 

Das  Bohrloch  Nr.  V  wurde  im  Jahre  1882  abgeteuft  und 
ergab  folgendes  Profil: 

Nr.  V. 

1.  Ackerkrume .  0,»  m. 

2.  Grauer,   gelbgeflekter  Mergel  mit  vielen  Fora- 
miniferen 1,55  m. 

3.  Sandiger  Mergel  mit  zerbrochenen  Septarien  .  1,24  m. 

4.  Bitumensand 0,78  m. 

5.  Blaugraue  Mergel 0,85  m. 

6.  Gelbliche  Mergel 0,4o  m. 

7.  Blaue  Mergel 0,4o  m. 

8.  Bitumensand 0,ii  m. 

9.  Bläuliche  Mergel  mit  sehr  vielen  Foraminiferen.  0,63  m. 

Ganze  Mächtigkeit  =  6,26  m. 

Die  Mergel  aus  diesem  Bohrloche  ebenso  wie  die  zu  Tage 
anstehenden  Mergel  wurden  auf  Foraminiferen  untersucht  und 
enthielten  eine  reiche  Fauna,  in  welcher  namentlich  die  grossen 
Gristellarien  und  Nodosarien  auffallen.  Diese  Mergel  gleichen 
im  Allgemeinen  sehr  denjenigen  von  Sulz. 

Wir  fassen  die  Fauna  der  drei  genannten  Lokalitaten  zu- 
sammen. Es  wurden  bisher  folgende  Fossilien  daselbst  im  Sep- 
tarienthon  gefunden: 

Gastropoden. 

CerUhium  2  sp.  nach  Angabe  von  Daubbee.  Lob  sann. 

1.  CertOiium  cf.  eva/ricosum  Sandb.  Fragment.  Lob- 
sann. 

2.  NaUca  cf.  Nysti  d'Obb.  Lobsann. 

3.  Dent€Uiuni  sp.  Kleine  Fragmente.  Lobsann. 

4.  Chenoptis  specioans  Sohloth.    var.    oxydactylus 
Sandb.    Diese  Art  wird  schon  von  Ludwig  als  Ch.  cf. 


193 

oxydactyhis  erwähnt  mit  der  Bemerkung  „sehr  lang  und 
spitz".  Es  liegen  mir  ebenfalls  mehrere  Bruchstücke  der 
Art  von  Lobsann  vor,  darunter  auch  eine  der  scharfen 
Flügelspitzen  des  rechten  Mundrandes. 

5.  Cassidanria  nodosa  Sgl.  Aus  dem  neuen  Schacht  von 
Lobsann. 

6.  Tomc^ella  cf.  simtUaia  Sgl.  sp.  In  den  Schlemm- 
proben von  Lobsann  und  Drachenbronn. 

Ausserdem  fanden  sich  kleine  Brauneisensteinkerne  ver- 
schiedener Gastropoden  in  allen  Schlemmproben.  Ein  sehr 
eigen thümlicher  Steinkern  (Tf.  XI,  fig.  9)  stammt  von  Sulz. 
Er  erinnert  in  seiner  Form  etwas  an  Strophostoma,  ist  jedoch  nur 
1  mm  lang  und  hat  eine  längliche  Mündung.  Derselbe  ist  rechts- 
gewunden, weshalb  er  wohl  nicht  einem  Pteropoden  angehört  hat. 

Lamellibranchier. 

1.  JPeeien  pictus  Goldf.  Nach  Angabe  von  Sandbeegeb. 
Lobsann. 

2.  JPecten  sp.  üeberreste  eines  grossen  flachen  und  fast 
ganz  glatten  Pecten,  welcher  nur  am  Rande  schwache 
Streifen  zeigte.  Dieselben  gehören  wohl  nicht  zu  P. 
pictus,  Lobsann. 

3.  Ptn/na  sp.  Nach  Angabe  von  Ludwig.  Lobsann. 

4.  ?Pee^nct«2't^o&o<;aft^LA][K.NachSANDBEBa£B.  Lob- 
sann.^ 

5.  Leda  Dehayesicma  Dugh.  Im  neuen  Schachte  nicht 
selten.  Lobsann. 


1.  Leider  kenoe  ich  den  Pectuncuhis  Ton  Lobsann  nicht,  neige  jedoch  zu 
der  Annahme,  dass  es  nicht  der  P,  obovaius  sein  dttrfte,  welcher  anderwärts  im 
Septarienthon  fehlt,  sondern  der  P,  PhiUppi^  den  Bottger  neuerdings  ^auch  im  Sep- 
tarienthon  Ton  Offenbach  nachgewiesen  hat. 

m.  13 


194 

6.  Jfu4naa  Cliastelli  Sandb.  Nach  Ludwig.  Ich  habe  die 
Art  gleichfalls  beobachtet  Lobsann. 

7.  Xneula  Oreppint  Desb.  Nach  Sanbbebgeb.  Lobsann. 

8.  Nuctda  piligera  Sandb.  Nach  Ludwig.  Ich  habe  diese 
Art  ebenfalls  beobachtet.  Lobsann. 

9.  JNMdium  sp.  Kleine  charakteristische  Steinkeme 
dieser  eingeschwemmten  Susswasserform  fand  ich  bei 
Sulz. 

Ferner  deuten  kleine  ^t<cf<2a-artige  SchwefeUdessteinkeme 
mit  z.  Th.  anhaftender  Schale  auf  die  Gattung  NucuUna  hin, 
die  sich  auch  im  Septarienthon  von  Offenbach  findet.  Von 
Nuctda  sind  sie  leicht  durch  ihre  bauchige  Form  zu  unter- 
scheiden. Lobsann,  Drachenbronn. 

Brachiopoden. 

1.  Terebratida  (Megerlea?)  Haasi  nov.  sp.*  (Tf.  XI, 
fig.  6 — 8).  Von  Ludwig  wird  ein  kleines,  ghittes, 
schlankes  [?]  Exemplar  von  TerehrcUula  sp.  erwähnt. 
Es  liegen  mir  zahlreiche  Individuen  von  Lobsann  vor, 
welche  wohl  zu  dieser  Species  gehören  dürften.  Das 
kleine,  sehr  flache,  eiförmige,  am  Stirnrand  abgestutzte, 
am  Wirbel  zugespitzte  Gehäuse  erreicht  höchstens  2,5  mm 
Länge  bei  einer  Breite  von  2  mm;  meistens  bleiben 
jedoch  die  Exemplare  kleiner.  Ein  Gerüst  war  nicht  zu 
beobachten,  da  es  immer  von  dem  Schwefelkies,  welcher 
das  Innere  der  Schale  erfüllt,  zerstört  ist.  Die  perforirte 
Klappe  ist  etwas  gewölbt  und  zeigt  eine  schwache  mediane 
Depression,  welche  endigt,  bevor  sie  den  grade  abge- 


i.  Da  das  Armgerüst  nocb  unbekannt  ist,  so  habe  ich  den  Familiennamen 
Terebratula  gewählt,  welcher  nichts  anderes  als  die  Zagehörigkeit  za  den  Tere- 
ffratulidae  aussagen  soll;  immerhin  mag  darauf  aufmerksam  gemacht  werden,  dass 
unsere  Art  in  mancher  Beziehung  sich  dem  Subgenus  Megerlea  nähert 


195 

schnittenen  Unterrand  erreicht.  Die  kleinere  Klappe  ist 
ungemein  flach  und  zeigt  in  der  Mitte  die  Spur  eines 
sehr  langen  Medianseptums.  Der  Schlossrand  verläuft 
ziemlich  grade.  Die  Area  ist  verhältnissmässig  gut  ent- 
wickelt und  scharf  begrenzt  Die  Deltidialöffnung  ist  gross, 
und  von  dem  Deltidium  ist  bei  keinem  meiner  Exemplare 
noch  etwas  zu  sehen.  Im  Wirbel  der  grossen  Klappe 
befinden  sich  starke  Zahnstützen,  die  namentlich  an 
Steinkernen  deutlich  als  Rinnen  hervortreten  (fig.  8). 
Die  Schale  ist  sehr  dünn,  faserig  und  glänzend,  sie  zeigt 
bei  Yergrösserung  sehr  feine  unregelmässige  Längs- 
streifen, sowie  zuweilen  auch  sehr  feine,  gleichmässige 
Anwachslinien.  An  losgelösten  Schalenstücken  war  bei 
durchfallendem  Lichte  und  Aufhellung  durch  Glycerin 
keine  Punctirung  zu  sehen.  Auf  den  Schwefelkiesstein- 
kernen zeigt  sich  nach  Entfernung  der  Schale  eine 
netzartige  oder  schuppenförmige  Skulptur  von  feinen, 
erhabenen  Linien,  welche  auch  zuweilen  schon  durch 
die  sehr  dünne  Schale  hindurchschimmert,  und  deren 
Maschen  nach  dem  Stirnrande  hin  immer  mehr  in  die 
Länge  gezogen  erscheinen  (fig.  7).  Bei  der  ausserordent- 
lichen Feinheit  der  Schale  im  Vergleich  zu  der  relativen 
Grösse  dieser  rhombischen  schuppenartigen  Eindrücke 
ist  nicht  wohl  anzunehmen,  dass  es  die  Abdrücke  der 
viel  feineren,  verkalkten  Faserzellen  der  Schale  sind. 
Man  wird  anfangs  versucht  anzunehmen,  dass  die 
vorliegenden  Exemplare  nur  jugendliche  Individuen  seien; 
dieselben  sind  jedoch  so  häufig  und  in  ihrer  Grösse  so 
constant,  dass  dies  nicht  grade  wahrscheinlich  ist,  zumal 
da  sich  niemals  auch  nur  ein  Bruchstück  eines  grossen 
Exemplars  fand. 


196 


Wfirmer. 

1.  Spirorbis  sp.  Eine  kleine,  eng  aufgewundene  Art, 
welche  1,5  mm  mis8t  Ich  fand  sie  bei  Lobsann  auf 
Pectenschalen  aufgewachsen.  Vielleicht  ist  es  die  gleiche 
Art,  welche  Ludwig  von  Lobsann  als  Serptda  sp. 
erwähnt 

Echinodermen. 

1.  SptUangus  sp.  Die  schon  von  Daubbbe  erwähnten 
plattgedrückten  Spaiangus-ViesXt  von  Lobsann  liegen 
mir  vor.  Auch  finden  sich  in  allen  Schlemmproben  kleine 
Seeigelstacheln. 

Crastaceen. 

1.  Bairdia  cylindracea  Bobn.  (Z.  d.  d.  g.  6.  1855, 
pg.  359,  Tf.  XX,  5.)  Bei  Lobsann  sehr  selten. 

2.  Cytherella  SeffrMii  Born.  Lobsann. 

3.  Cytherella  äff.  intermedia  Born.  Lobsann^ 
Ausserdem    noch   verschiedene   andere    weniger    aufiallige 

Ostracoden,    sowohl   bei   Lobsann,    als  auch    bei    Sulz   und* 
Drachenbronn.  Namentlich  diejenige  Schlemmprobe  von  Retsch- 
weiler,  welche  Charck  Voltzi  enthielt,  zeichnete  sich  durch  eine 
grosse  Menge  von  Ostracoden  aus. 

Fische. 

1.  Kleine,  unbestimmbare  Fischzahne. 


1.  Diese  3  Arten  beßnden  sich  in  der  Sammlung  des  Herrn  HEHaMANN;  ich 
fand  sie  in  den  Schlemmproben,  welche  mir  derselbe  gütigst  mittheiltc. 


197 


Foraminiferen. 

Agglntinantia. 

1.  Haplophrngmium  plotcenta  Rss.  (Z.  d.  d.  g.  6. 

1851,  pg.  72,  Tt  V,  33  als  Nonionina  placenta.) 
Tf.  VII,  fig.  6.  Diese  sehr  grosse  Art  ist  immer  involut 
und  hat  eine  fein  agglutinirende,  rauhe  Schale;  sie 
zeigt  nur  beim  Befeuchten  die  dunkleren  Punkte,  wie 
auf  fig.  6  und  gehört  zu  den  perforirten  involuten 
Haplophragmien,  die  man  früher  zu  Nonionina  stellte. 
Sie  findet  sich  bei  Sulz,  Drachenbronn  und  Lob- 
sann. An  dem  letztgenannten  Orte  ist  sie  weitaus  am 
häufigsten. 

2.  H€K/plophr€igniitini  acutidorsatuni  y.  Hantk. 
(Clav.  Szab.  Seh.,  pg.  12,  Tf.  I,  fig.  1.)  Tf.  VII,  fig  5. 
Besitzt  einen  spitzeren  Bücken  als  die  vorige  Art,  und 
die  Kammern  sind  meist  in  der  Mitte  etwas  vertieft. 
Sie  findet  sich  seltener  bei  Lobsann  und  Sulz. 

3.  Haplophragmiwm  deforme  n.  sp.  Tf.  VIII,  fig.  1. 
Diese  unscheinbare,  grob  agglutinirte  Art^  steht  wohl 
noch  dem  Hqpl.  crassum  Bss.  von  Wieliczka  am 
nächsten.  Das  Gehäuse  besteht  aus  4  —  5  Kammern, 
welche  durch  nicht  sehr  deutliche  Nähte  getrennt  sind; 
die  Kammern  bilden  eine  Spirale,  welche  ihrerseits 
wieder  in  mannigfacher  Weise  zusammengedrückt  und 
deformirt  ist.  Die  Zusammendrückung  des  Gehäuses 
findet  jedoch  nie  von  der  Seite  statt,   so    dass   eine 


i.  Man  würde  zweckmässig  solche  Arten  als  agglutinirende  bezeichnen, 
welche  anf  einer  kalkigen  Schalengrundlage  fremde  Körperchen  wie  Sandkdrnchen 
u.  dergl.  anheften,  und  diejenigen,  welche  ihr  GehSiuse  vollständig  aus  verkitteten 
Sandkörnchen  u.  dergl.  aufbauen,  agglutinirte  Formen  nennen.  Eingehende  Unter- 
suchungen über  diesen  Punkt  existiren  jedoch,  wie  ich  glaube,  noch  nicht. 


198 


regelmässig  comprimirte  Form  zu  Stande  käme,  wie 
z.  B.  bei  Jugendstucken  von  Hap.  HumboldÜ.  Von 
Hap.  crassum  weicht  unsere  Art  durch  ihre  anregel- 
mässige, stets  vorhandene  Zusanunendrückung  und  durch 
ihre  geringere  Kammerzahl  ab.  Sie  erreicht  gewöhnlich 
eine  Grösse  von  0,7  mm.  Die  abgebildeten,  noch  ver- 
hältnissmässig  regehnässig  gebauten  Exemplare  stammen 
von  Lobsann;  sie  findet  sich  ferner  bei  Sulz  und  bei 
Drachenbronn  und  ist  nirgends  selten. 

4.  Haploph/ragmiti/m  SbumboldH  Rss.  typ.  (Z.  d.  d. 
g.  G.  1851,  pg.  65,  Tf.  m,  17,  18.)  Tf.  VU,  fig.  1. 
Häufig  bei  Lobsann,  Sulz  und  Drachenbronn.  Tf.  VU, 
fig.  2.  Bei  Sulz  finden  sich  ausserdem  die  kurzen 
breiten  Formen,  welche  ich  von  Hartmannsweiler  im 
Ober-Elsass  Tf.  VH,  fig.  1  abbilde  und  als  var.  lata 
n.  V.  bezeichne. 

5.  Heiplophragmiti/ni  Lobsan/nense  nov.  sp.  Tf.  VU, 
fig.  3,  4.  Diese  Art  steht  dem  Hapl  [Spiroltna]  agglu- 
tinans  d'Orb.  nahe,  unterscheidet  sich  aber  durch 
viel  niedrigere  Kammern,  welche  auch  in  grösserer 
Zahl  vorhanden  sind.  Ferner  ähnelt  ihr  das  Hap, 
Simplex  Rss.  (Ob.  Oligoc),  welches  jedoch  durch  die 
Form  seiner  Spirale  abweicht.  Das  ziemlich  grobagglu- 
tinirte  Gehäuse  ist  bischofstabförmig,  zuweilen  mit  sehr 
langem,  graden  oder  schwach  rückwärts  gebogenen 
Stiele  und  erreicht  manchmal  über  2  mm  Länge.  Der 
Spirale  Theil  ist  seitlich  sehr  wenig  comprimirt  und 
besteht  in  der  Kegel  aus  9  Kammern,  welche  durch 
deutliche  Nähte  getrennt  sind.  Sowohl  die  Kammern 
des  Stieles,  wie  diejenigen  der  Spirale  sind  viel  breiter 
als  hoch.  Die  Mündung  ist  einfach  punktförmig  und 
liegt  in  der  Mitte  der  flachen  Oberseite  der  jüngsten 


199 

Kammer.  Die  Art  findet  sich  ziemlich  häufig  bei  Lob- 
sann, Drachenbronn  und  Sulz. 

6.  Clci/vtUina  sp.  ined.  In  der  Form  ähnlich  der  Clav, 
cylindrica  v.  Hantk.  (üt.  Oligoc),  jedoch  schlanker. 
Mündung  kurz  röhrenartig.  Sulz,  sehr  selten. 

7.  JPlecanitmi  carinatum  d'Orb.  sp.  (For.  foss.  B.  d. 
Vienne,  pg.  247,  Tf.  XIV,  32—34.)  Tf.  VII,  fig.  10. 
Ungemein  häufig  bei  Sulz,  Lobsann  und  Drachen- 
bronn. Hierher  gehören  wohl  auch  die  von  Ludwig 
als  Textü.  aiienuaia  Rss.  und  peciinaia  Rss.  ange- 
führten Arten. 

8.  VemetiHina  compressa  n.  sp.  Tf.  VIII,  fig.  23. 
Das  grob  agglutinirte,  breite  Gehäuse  erreicht  öfters  eine 
Grösse  von  1,3  mm  und  besteht  aus  3  Eammerreihen, 
welche  meist  in  grader  Linie  nebeneinander  herlaufen, 
zuweilen  aber  auch  etwas  gedreht  erscheinen.  Die 
Mündung  ist  gewöhnlich  undeutlich  und  liegt  am 
inneren  Theil  der  jüngsten  Kammer,  da  wo  die 
3  Kammern  sich  berühren.  Die  Anzahl  der  Kammern 
ist  eine  geringe  und  lässt  sich  nicht  genau  angeben, 
da  die  Nähte  an  dem  grob  agglutinirten  Embryonal- 
theile  nicht  wahrnehmbar  sind.  Das  Gehäuse  ist  mehr 
oder  weniger  stark  zusammengedrückt,  so  dass,  wenn 
es  auf  der  breiten  Seite  liegt,  einerseits  zwei,  anderer- 
seits drei  Kammerreihen  sichtbar  sind.  Fig.  2,  a,  h  stellt 
ein  sehr  wenig  comprimirtes,  massig  grosses  Gehäuse 
dar.  Fig.  3  zeigt  ein  anderes  stark  comprimirtes  Ge- 
häuse von  der  breiten  Seite.  Die  Art  unterscheidet 
sich  von  allen  mir  bekannten  Verneuilinen  durch  ihren 
etwas  unregelmässigen  Aufbau  und  ihre  starke  Zu- 
sammendrückung. Sie  ist  ziemlich  selten  bei  Lobsann, 
Sulz  und  Drachenbronn. 


200 


9.  Gaudryina  chilostotna  Rss.  <7P.  (Rss.  Septfh. 
pg.  4,  Tf.  I,  fig.  5  und  Z.  i  i  g,  G.  1852,  pg.  18), 
bei  Sulz  und  Lobsann  var.  globulifera  Bss., 
Tf.  Vn,  fig.  8,  9.  Eine  Varietät  mit  mehr  kugeligen 
Kammern  und  einem  grösseren  vielkammerigen  Em- 
bryonaltheil.  Ist  häufiger  als  der  Typus  bei  Lobsann, 
Sulz  und  Drachenbronn. 

10.  Oaudryina  siphoneOa  Rss.  typ.  (Z.  d.  d.  g.  G. 
1851,  pg.  78,  Tf.  V,  40—42.)  Tf.  VH,  fig.  7. 
Ziemlich  häufig  bei  Lobsann  und  Sulz.  An  dem 
letzteren  Orte  finden  sich  auch  Exemplare  ohne  Sipho- 
nalverlängerung  an  der  Mündung;  dieselben  unter- 
scheiden sich  im  übrigen  nicht  vom  Typus  und  ich 
glaube  nicht,  dass  man  sie  als  Art  trennen  darf.  Ich 
bezeichne  sie  als  var.  asiphonia  n.  y.* 

Perbnte  oaloarea. 

1 1 .  Lagena  vulgaris  P.  &  J.  (Bss.  Monogr.  d.  Lag. 
Sitzungsber.  d.  k.  k.  Ak.  d.  Wiss.,  Bd.  46,  pg.  321, 
Tf.  I,  fig.  15;  Tf.  n,  fig.  16,  17.)  Drachenbronn, 
selten. 

12.  Lagena  hisptda  Ras.  Q.  c.  pg.  335,  Tt  VI,  77, 
79.)  Drachenbronn,  selten. 

13.  Lagena  hysirix  Rss.  (L  c.  pg.  335,  TC  VI,  fig.  80.) 
Drachenbronn  und  Lobsann,  selten. 

14.  Lagena  ct.  ViUardeboafia  jtQbb.  (Beuss  L  c. 
pg.  329,  TL  IV,  fig.  53.)  Lobsann. 

15.  Lagena  et  inomaia  itQrb.  (Bss.  L  c.    pg.  320, 


1.  Dis  Fehlen  des  Siphos  kann  nkht  ein  Meriunl  Ar  einen  noch 
liehen  Zostnnd  sein,  indem  oft  gerade  sehr  gross«  ond  kr&flige  Eiemplare  desselben 
ei 


201 

Tf.  I,  fig.  12;  d'Obb.,  Voy.  d.  PAm^r.  m^rid.  For., 
pg.  21,  Tf.  V,  fig.  13.)  Das  einzige  kleine  Exemplar 
von  Lobsann  erinnert  durch  seine  viereckige  Form 
sehr  an  diese  Art. 

16.  Visswirina  globosa  Bobn.  (Rss.  1.  c.  pg.  339,  Tf.  VII, 
fig.  88.  Bobn.  Z.  d.  d.  g.  G.  1856,  pg.  317,  Tf.  XU, 
fig.  4.)  Ziemlich  selten  bei  Lobsann  und  Sulz. 

1 7.  Nodoaanria  ccUomorpIia  Rss,  (Septth.  Tf.  I,  fig.  1 5 
bis  19.)  Selten  bei  Lobsann. 

18.  Nodosaria  JEwcOdi  Rss,  (Z.  d.  d.  g.  G.  1851,  pg.  58, 
pg.  59.  Rss.  Septth.  pg.  13,  Tf.  2,  fig.  18.)  Sulz, 
Lobsann  und  Drachenbronn.  Tf.  X,  fig.  21. 

19.  Nodo8€uria  eocUis  Neuow  (Denkschr.  d.  k.  k.  Ak.  d. 
Wiss.  Xn,  pg.  75.  Rss.  Septth.  pg.  U,  Tf.  H,  fig,  17.) 
In  Fragmenten  findet  sich  die  Art  noch  häufiger  als 
die  vorige  bei  Sulz,  Lobsänn  und  Drachenbronn. 
Tf.  X,  fig.  18—20. 

20.  Nodosaria  hactHM'wm  Rss.  (Septth.  pg.  14,  Tf.  I, 
fig.  24,  25.)  Sulz,  Lobsann. 

2 1 .  Nodosmria  (Dentälina)  subcostulata  Rss.  (Septth. 
pg.  14,  Tf.  II,  19—21;  sie  ist  daselbst  aus  Irrthum 
als  N,  conspurcata  angeführt.)  Lobsann  und  Sulz. 

22.  Ifodm  (Dentalind)  ct.  grandis  Rss.  (Septth.  pg.  15, 
Tf.  I,  fig.  26—28.)  Fragment  von  Sulz. 

23.  Nodm  (DentaHnä)  soltOa  Rss.  (Z.  d.  d.  g.  G. 
1851,  pg.  60,  Tf.  3,  fig.  4  als  N.  soluta  Bobn. 
Z.  d.  d.  g.  G.  1865,  pg.  322,  Tf.  XH,  fig.  12.) 
Diese  ist  eine  von  denjenigen  Formen,  die  sowohl  in 
gebogenen  {Bentalina)  als  in  graden  {Nodosaria) 
Exemplaren  vorkommen.  Reubs  bemerkt  (Septth. 
pg.  15),  dass  es  auffallend  sei,  dass  die  graden 
Exemplare  stets  beinahe  doppelt  so  gross  sind  als  die 


202 


übrigen.  Die  gleiche  Beobachtung  konnte  ich  im  Elsass 
machen,  und  es  fragt  sich  hiernach,  ob  nicht  doch 
vielleicht  die  N.  soluia  Bobk.,  d.  h.  die  grossen  graden 
Exemplare,  eine  selbständige  Form  bilden,  Tf.  X,  fig.  6, 
7,  8.  Lobsann,  Drachenbronn  und  Sulz,  ziemlich 
häufig. 

24.  Nodoaaria  cf.  atipUata  Rss.  Lagenenartige  No- 
dosarienbruchstücke  von  Lobsann,  erinnern  an  die 
N.  stipitata  aus  dem  Miocän  von  Lapugy  (1850  Rsuss. 
Denkschr.  d.  k.  k.  Akad.  d.  Wiss.,  I,  pg.  336,  Tf.  XLVI, 
fig.  4) ;  ähnliche  Fragmente  fand  Reubs  im  Septarien- 
thon  von  Kreuznach. 

25.  JSod.  (Dentalinä)  granulosa  nov.  sp.  Tf.  X,  fig.  3. 
Diese  schöne  und  ziemlich  seltene  Art  gleicht  in  ihrer 
Form  manchen  Exemplaren  der  N.  soluta  Rss.,  nur 
dass  die  Nähte,  die  zwar  nicht  so  sehr  eingeschnfirt 
sind,  eine  deutliche  Nahtlinie  zeigen.  Sie  weicht  von 
allen  in  diese  Gruppe  gehörigen  glatten  Formen  durch 
ihre  feine  aus  unregelmässig  zerstreuten,  körnigen  Er- 
habenheiten bestehende  Skulptur  ab.  Die  Grösse  des 
abgebildeten  Exemplares,  bei  welchem  die  Embryonal- 
kammer abgebrochen  ist,  beträgt  2,s  mm.  Ein  anderes 
kleineres  Bruchstück  mit  Embryonalkammer  zeigt,  dass 
dieselbe  eine  ziemlich  kugelige  Form  besitzt  und  in 
eine  kurze  Spitze  ausgezogen  ist.  Alle  Exemplare, 
welche  ich  gesehen  habe,  waren  schwach  gekörnelt, 
besassen  eine  gestrahlte  Mündung  und  zeichneten  sich  da- 
durch aus,  dass  die  jüngste  Kammer  sehr  an  Grösse  über- 
wiegt. Die  Art  ist  ziemlich  selten  bei  Sulz  und  Lobsann. 

26.  Nodoaaria  cf.  conspurcata  Rss.  (Z.  d.  d.  g.  G. 
1851,  pg.  59,  Tf.  III,  fig.  3.  —  Sitzungsber.  der 
k.  k.  Ak.  d.  Wiss.,  Bd.  48,  pg.  43,  Tf.  U,  fig.   13.) 


203 

Sehr  seltene  Fragmente  dieser  auffallenden  Form  kommen 
bei  Lobsann  vor. 

27.  Nodm  {Dentalina)  conaobrina  d'Obb.  (For.  foss. 
B,  d.  Vienne,  pg.  46,  Tf.  11,  fig.  1—3.  —  ßss. 
Septth.,  pg.  16,  Tf.  II,  fig.  12—13.)  Ziemlich  häufig 
bei  Sulz  und  Lobsann.  Var.' emaciata  Rss.  (Z.  d. 
d.  g.  G.  1851,  pg.  63,  Tf.  III,  fig.  9),  zu  welcher 
wohl  auch  die  Formen  gehören,  die  Bobnemann  zu 
Beut  pauperata  d'Obb.  stellte.  Ich  habe  solche  Formen, 
welche  mit  der  Abbildung  von  Bobnemann  (Z.  d.  d. 
g.  G.  1855,  Tf.  Xm,  fig.  7)  übereinstimmen,  früher 
ebenfalls  als  D.  pauperata   angeführt  (Neues   Jahrb. 

« 

für  Min.  etc.  1882,  Briefl.  Mittheilungen,  pg.  8);  die- 
selben dürften  auch  zur  D.  consohrina  var.  emaciata 
gehören.  Letztere  findet  sich  bei  Lobsann. 

28.  Hod.  {JDentaZina)  appraodmata  Rss.  (Septth. 
pg.  18,  Tf.  II,  fig.  22).  Lobsann  und  Sulz. 

29.  Ifod,  (DentaXina)  Suliifensis  nov.  sp.  Tf.  X,  fig.  1 6, 
17.  Eine  Form  aus  der  Gruppe  der  D.  approximata^ 
welche  sich  jedoch  durch  ihre  bedeutendere  Dicke  und 
ihre  niedrigeren,  in  geringerer  Anzahl  vorhandenen  Kam- 
mern  auszeichnet  Sie  erinnert  durch  ihre  flachen  Nähte 
und  ihre  Form  auch  an  die  D.  megapolitana  Bss.  aus  dem 
Pläner  von  Basdorf.  Das  glasige  glänzende  Gehäuse 
misst  gegen  1  mm  und  erreicht  bis  zu  7  Kammern ;  es 
ist  schwach  gebogen  und  lässt  die  Nähte  namentlich  auf 
der  Gonvexseite  durchscheinen.  Das  Gehäuse  verjüngt 
sich  nach  unten  stärker  als  bei  D.  approximata  und 
endigt  in  einer  nicht  gezipfelten  Spitze.  Die  jüngste 
Kammer  zeigt  eine  deutlich  gestrahlte,  etwas  seitliche 
Mündung.  Ziemlich  selten  bei  Sulz. 

30.  Ifod.    (Dentalina)    capitata  Boll.    (Sitzungsber. 


204 

d.  k.  k.  Ak.  d.  Wiss.,  Bd.  18,  pg.  223,  Tf.  I,  fig.  4. 
—  Rss.  Septth.  pg.  18.)  Der  Typus,  wie  er  sich 
namentlich  im  Oberoligocän  findet  (Sitzungsber.  Bd.  50, 
pg.  20,  Tf.  I,  fig.  8 — 10),  und  welcher  ziemlich  lange 
Nahtialten  zeigt,  kommt  bei  Sulz  vor.  Var.  Bucht 
Rbs.  ursprünglich  von  Rbubs  als  Art  aufgefasst  (Z.  d.  d. 
g.  6.  1851,  Tf.  III,  fig.  6),  dann  später  mit  D.  capi- 
tata vereinigt  (Rss.  Septth.  pg.  18).  Sie  zeichnet 
sich  namentlich  durch  eine  etwas  längere  Form  der 
Kammern  und  durch  kürzere,  wenig  entwickelte  Naht- 
falten aus.  Dieselbe  ist  im  Septarienthone  am  häu- 
figsten; sie  wiegt  auch  bei  Sulz,  Drachenbronn  und 
Lobsann  vor.  —  Yar.  striatissima  n.  v.  Die 
hierhergehörigen  Formen  zeichnen  sich  durch  sehr 
starke  Entwicklung  der  Nahtfalten  aus,  welche  zuweilen 
beinahe  das  ganze  Gehäuse  bedecken;  im  übrigen  stimmt 
sie  mit  dem  Typus  überein.  Diese  Varietät  findet  sich 
bei  Sulz.  Tf.  X,  fig.  4,  5. 

31.  üTod.  (JDentaZina)  sp.  ined.  Mehrere  Bruchstucke 
einer  sehr  grossen  Art  mit  flachen  Kammern  und 
deutlicher  Nahtlinie,  welche  Fältelung  zeigt,  liegen 
mir  vor.  Fragmente  mit  6  Kammern  sind  4  mm  lang 
und  fast  1  mm  breit.  Ziemlich  selten,  Lobsann. 

32.  Jfod.  (DenUUina)  pungens  Rs&  (Z.  d.  d.  g.  6. 
1851,  pg.  64,  Tf.  m,  fig.  13.  —  Rss.  Septth.  pg.  19, 
Tf.  n,  fig.  16.)  Sulz. 

33.  Nodoaaria  lAidwigi  Rss.  (Septth.  pg.  19,  Tl  n, 
fig.  23).  Reuss  besass  von  dieser  sehr  seltenen  Art  nur 
ein  einziges  vollständiges  Exemplar  aus  dem  Septarien- 
thon  von  Alsfeld;  Zwei  von  meinen  Exemplaren  von 
Sulz  stimmen  mit  der  REuss'schen  Abbildung  selbst 
in  der  Kammerzahl  überein;   ich  möchte    sie    daher 


205 

zum  Typus  der  Art  rechnen.  —  Zwei  andere  Exem- 
plare,  welche   bis   zu   6   und  7  Kammern  erreichen, 
gleichen   zwar  den  vorgenannten   sehr,  weichen  aber 
durch   eine    nicht    ganz    so  starke    Verjüngung   des 
älteren  Gehäusetheiles,  sowie  durch  eine  grössere  Zahl 
von  Rippen    (18—20)  auf  den  oberen  Kammern  ab. 
Die  letzte  Kammer  ist  auf  ihrem  oberen  Theile  glatt 
und  endigt  in  einer  kurzen  gestrahlten  Spitze,  während 
die  Embryonalkammer  mit  kurzem  Gentralstachel  ver- 
sehen ist.  Ein  derartiges  von  Sulz  stammendes  Exem- 
plar ist  auf  Tf.  X,  fig.  1  abgebildet. 
34.  Nodosa/Ha  Herrma/mU  nov.  sp.   Tf.  X,  fig.  2. 
Diese  Art,  welche  der  N,  skobina  Sohwag.  (Kar  Nico- 
bar) noch  am  nächsten  steht,  ist  ausgezeichnet  durch 
die    ausserordentlich   starke  Verjüngung    des   älteren 
Gehäusetheiles,  dessen  unterste  Kammern  nicht  mehr 
deutlich  wahrzunehmen  sind  und  in  eine  Spitze  auslaufen, 
welche   gewöhnlich  unten   ein  wenig    umgebogen   er- 
scheint. Die  Rippen  sind   scharf  und  werden   durch 
sehr  breite  Zwischenräume  getrennt.  Sie  sind  je  nach 
der  Grösse  des  Exemplars  in  einer  Anzahl  von  12  bis 
16  vorhanden.  Man   beobachtet  sowohl  Einschaltung, 
wie  auch  häufig  Gabelung  von  Rippen.   Die   Kammer- 
zahl, bei  dem  relativ  kleinen   abgebildeten  Exemplar 
von  2    mm  Länge,  beträgt  wohl    9,    bei    grösseren 
Stücken  von  3,?  mm  Länge  über  10;  genau  lässt  sich 
dieselbe  nicht  angeben,  da  die  ältesten  Kammern  der 
unteren   Spitze  nicht  deutlich   getrennt  sind.   Unsere 
Art  ist  von  N.  skobina  dadurch  ausgezeichnet,  dass 
sie    eine    mehr    keulenförmige    Gestalt    hat,    welche 
namentlich  an  jüngeren  Exemplaren  deutlich  hervor- 
tritt, dass  sie  eine   schärfere,    deutlicher    gestrahlte 


206 

MündüDgsspitze  und  eine  gerisgere  Anzahl  Ton  kräftigen 
Rippen  besitzt.  Nod.  fissicosia  t.  Haistk«  (üt.  01jgoc.)i 
welche  ihr  gleichfalls  nahe  steht,  hat  einen  anders 
beschaffenen  EmbiyonaltheiL  Die  Art  ist  bei  Snlz 
selten. 

35.  Xo€U  {I}enialina)  spinescetMS  Rss.  (Z.  d.  d.  g.  6. 
1851,  pg.  62,  Tl  m,  10.)  Selten  bei  Lobsann. 

36.  Giandtdina  laertgaia  itOrb.  (For.  foss.  d.  B.  d. 
Yienne  p.  29,  Tt  I,  fig.  4,  5.)  Findet  sich  ziemlich 
selten  bei  Snlz  nebst  der  Tar.  elliptica  Bss. 
(Sitznngsber.  d.  k.  k.  Ak.  d.  Wiss.,  Bd.  48,  pg.  47, 
Tt  m,  fig.  29—31.)  Tal  X,  fig.  22.  Bei  Lobsann 
fand  sich  anch  die  Tar.  inflata  Bonir.  (Z.  d.  d.  g. 
G.    1855,  pg.  320,  Tt  XH,  6,  7.)  Tf.  VH,  fig.   12. 

37.  Gtand^aina  graeitis  Sss.  (Septth.  pg.  21,  Tf.  n, 
fig.  25 — 27.)  Nach  Angabe  Ton  LrDwio  bei  Lobsann. 
(cf.  pg.  188  Anmerk.).  Ich  habe  diese  Species  nicht 
gefunden. 

38.  jPtfmdie^OaHa  sp.  iBed.  AehnGch  der  Fr<mä.  ie- 
mtissima  t.  Hastk.  ans  dem  Unteroligocin.  Lobsann 

'  und  Snlz. 

39.  PiMfnia  bnUaides  dOsb.  sp.  (For.  foss.  d.  B.  d. 
Yienne  i^.  107,  Tf.  V,  fig.  9,  10.)  Hinfig  bei  Lob- 
sann, Snlz  und  Drachenbronn.  Tf .  IX,  fig.  23,  a,  h. 

40.  PHBenia  eotnpres^iHseuia  Rss.  (Z.  d.  d.  g.  6. 
1851,  pg.  71,  Tt  V,  31.  —  Septth.  pg.  34.)  Ziem- 
lich häufig  bd  Lobsann,  Sulz  und  Drachenbronn. 
Tt  IX,  fig  22,  o,  6. 

41.  CriMenaHa  Orfm*«  R^  ^tzungsber.  d.k.  k.Ak. 
d.  Wiss:,  Bd.  48,  Tt  IT,  fig.  54;  Tf.  V,  fig.  55.  59.) 
Lobsann. 

42.  CYisMlaria  brath^pira  Ras.  (^Sitzui^sber.  Bd.  88, 


207 

pg.  49,  Tf.  III,  fig.  43;  Tf.  IV,  fig.  43).  Meine 
Stücke  entsprechen  mehr  der  Cr,  navis  Bobk.  (Z.  d. 
d.  g.  G.  1855,  Tf.  XIV,  fig.  51),  welche  Reuss  mit 
Cr.  hrachyspira  identificirt  (Bss.  Septth.  pg.  33.) 
Lohsann. 

43.  OHstellaria  simplidssima  Ras.  (Sitzungsber.,  Bd. 
48,  pg.  51,  Tf.  IV,  fig.  51  —  53.)  Lohsann. 

44.  CHstella/Ha  eoccisa  Born.  (Z.  d.  d.  g.  6.  1855, 
pg.  328,  Tf.  XIII,  fig.  19,  20.)  Lohsann. 

45.  OHMeUaria  subplcma  Rss,  (Septth.  pg.  27,  Tf.  III, 
fig.  12.)  Nach  Angahe  von  Ludwig  hei  Lohsann. 

46.  Cristellanria  {JRobnUna)  tomgenHalis  Rss.  (Si- 
tzungsher. Bd.  48,  pg.  54,  Tf.  VI,  fig.  66.)  Sulz,  Loh- 
sann und  Drachenhronn. 

47.  OHMeUaria  (BobtUina)  grata  Rss.  (=  radiata 
Born.  Z.  d.  d.  g.  G.  1855,  pg.  30,  Tf.  IV,  fig.  1.  — 
Sitzungsher.  Bd.  48,  pg.  54,  Tf.  VI,  fig.  65.  —  Septth. 
pg.  29.)  Lohsann. 

48.  Cnt9tellaria(BobtUinä)linibo8aR88.  (Sitzungsher. 
Bd.  48,  pg.  55,  Tf.  VI,  fig.  69.)  Nach  Angahe  von 
LüDWia  bei  Lohsann;  ich  fand  nur  ein  Exemplar  hei 
Drachenhronn,  welches  vielleicht  hierher  gehören 
könnte. 

49.  CHMaUaria  {BobtUina)  depauperata  Rss.  (Z. 
d.  d.  g.G.  1851,  pg.  70,  Tf.  IV,  fig.  29.  —  Sitzungsher., 
Bd.  48,  pg.  .54,  55,  Tf.  VI,  fig.  67,  68;  pg.  66, 
Tf.  Vin,  fig.  90,  91  var.  callifera.)  Findet  sich  nehst  der 
var.  callifera  hei  Lohsann,  Sulz  und  Drachen- 
hronn. 

50.  OHstella/ria  (BobtUina)  orHctUata  Rss.  (Sitzungs- 
her., Bd.  48,  pg.  53;  Tf.  V,  62,  Tf.  VI,  63.)  Nach 
Angabe  von  Ludwig  hei  Lobsann. 


208 

51.  CHsiellarta  (Bobidina)  Osndburgensis  v.  M. 

(Rss.  Sitzber.  Bd.  18,  pg.  238,  Tf.  IV,  fig.  44,  45. 
Bd.  50,  pg.  30.  —  Septth.  pg.  33,  Tf.  IV,  fig.  7.) 
Lobsann  und  Drachenbronn. 

52.  CHMeUaria  (BobtUina)princeps Rss.  (Sitzungsber. 
1864,  pg.  466,  Tf.  V,  fig.  3.)  Drachenbronn,  Lob- 
sann und  Sulz. 

53.  Cristellaria  {Bofmlina)  cf.  insignis  Rss.  (Si- 
tzungsber. 1864,  pg.  466,  Tf.  V,  fig.  4.)  Sulz.  Exem- 
plare ohne  Nahtleisten. 

54.  CristeUaria  (BobtUina)  Gerlmidi  noT.  sp.  Tf.  IX, 
fig.  25.  Die  Umrissform  des  ungemein  comprimirten  Ge- 
häuses ist  breit  eiförmig,  die  Umgänge  bedecken  einan- 
der, die  Embryonalkammer  wird  nicht  von  den  anderen 
Kammern  umhüllt  und  ist  zuweilen  auf  der  einen  Seite 
bauchig  gewölbt,  wie  es  überhaupt  für  diese  Art 
charakteristisch  ist,  dass  sie  selten  ganz  gleichseitig 
evscheint.  Schwach-bogige  Nähte  trennen  die  massig 
gewölbten  Kammern  von  einander  und  verdicken  sich 
oft  auf  dem  älterep  Theil  des  Gehäuses  leistenartig, 
ebenso  wie  der  umschlossene  Theil  des  Kieles;  an  der 
Peripherie  erscheint  letzterer  stumpf  und  nicht  sehr 
stark  entwickelt.  Die  beiden  Leisten  auf  der  Stirn- 
seite der  Endkammer  stehen  sehr  eng  und  sind  kraftig 
ausgeprägt.  Die  Grösse  beträgt  bei  einem  meiner 
Exemplare  6,s  mm;  dasselbe  zeigt  15  Kammern, 
meistens  erreicht  die  Art  jedoch  nur  3 — 4  mm.  Die- 
selbe ist  mit  i2.  depauperafa  Rss.  v.  callifera  ver- 
wandt und  gleicht  derselben  etwas  in  der  Jugend. 
Die  Kanmiem  sind  jedoch  bei  unserer  Art  schmäler 
und  weniger  bauchig,  auch  umfassen  sich  dieselben 
niemals.  Femer  ist  das  ganze  Gehäuse   in  höherem 


209 

Grade  zusammengedrückt.  Die  schöne  und  grosse  Art 
findet  sich  bei  Sulz  und  Lobsann.  Ein  etwas  ab- 
weichendes Stück  von  5  mm  Durchmesser  mit  etwas 
schmäleren  Kammern   fand  sich  bei  Drachenbronn. 

55.  CHstellaria  (Mobulina)  Alberti  nov.  sp.  Tf.  IX, 

fig.  24.  Das  sehr  zusammengedrückte  Gehäuse  ist  ziem- 
lich stark  und  ^ick  gekielt,  zeigt  eine  ovale  Form  und  ist 
über  der  Embryonalkammer,  welche  kugelig  hervortritt, 
etwas  ausgeschnitten.  Die  Kammern  sind  beträchtlich  ge- 
wölbt und  werden  durch  schwach-bogige  Nähte  getrennt, 
welche  öfters  an  ihrem  centralen  Ende  leistenartig 
verdickt  sind.  Die  Schalenoberfläche  ist  glatt  und  etwas 
glänzend.  Die  Mündung  ist  wenig  verlängert  und 
schwach  gestrahlt.  Bei  einer  Anzahl  von  10 — 11  Kam- 
mern beträgt  der  grösste  Durchmesser  4,5  mm.  Diese 
stattliche  Form  ist  sehr  constant  und  leicht  kenntlich. 
Sie  lässt  sich  nur  mit  R.  Kulingii  Hantk.  aus  den 
Glavulina  Szaböi-Schichten  und  mit  R.  Beyrichi  Bobn. 
von  Hermsdorf  vergleichen.  Von  der  ersteren  weicht 
sie  namentlich  ab  durch  ihre  nicht  umfassenden  Um- 
gänge und  durch  ihre  gewölbten  Kammern,  die  in  viel 
geringerer  Anzahl  vorhanden  sind.  Von  der  anderen 
ist  sie  durch  ihre  Umrissform  und  durch  ihre  kugelig 
verdickte  Embryonalkammer  unterschieden.  Lobsann 
und  Sulz. 

56.  JPolymorphhia  {Glohulhia)  gibba  d*Orb.  (For. 
foss.  d.  B.  d.  Vienne,  pg.  227,  Tf.  XIII,  fig.  13,  14.) 
Sulz,  Lobsann,  Drachenbronn.  Tf.  IX,  fig.  10, 
11,   12,  13,  a,  6. 

57.  JPolymarphina  (Gattniina)  obtusa  Born.  (=  ylo- 
bosa  Bobn.  Z.  d.  d.  g.  G.  1855,  pg.  34G,  Tf.  XVIII, 

III.  '  14 


210 


fig.  1,  2.  —  Bss.  Septth.  pg.  37.)  Tt  ü  fig.  14,  15. 
Lobsann  und  Drachenbronn« 

58.  JPolffmwrpläina  (GiMidina)  äff.  minitna  Bch». 

(Z.  d.  d.  g.  G.  1855,  pg.  344,  Tt  MI,  fig.  3.)  Tt  K, 
fig.  16.  Die  sehr  kleinen  Exem^are  Ton  Lobsalin 
sind  am  nnteren  Ende  etwas  Stampfer. 

59.  Pdymorplnna  {GfMulinä)  laneeolaia  Rss.  iZ.  d. 

d.  g.  G.  1851,  pg.  83,  Tt  M,  fig.  50.)  Tt  IX,  fig.  18, 
19,  20.  Sehr  Tariabel  und  sehr  vielgestaltig.  Snlz, 
Drachenbronn  nnd  Lobsann. 

60.  JPolffmorphhia  {Cftobuliua)  äff.  angn^a  Egg. 
(For.  d.  Mioc  Ton  Ortenbarg.  J.  Egger  1857,  pg.  33, 
Tt  IX,  13—15.)  Tt  IX,  fig.  17.  Ein  Exemplar,  welches 
dieser  Art  ähnelt,  fand  sich  bei  Salz. 

61.  Polifmarphina  {Gniialina)  proN^na  dOkb. 
(For.  foss.  d.  B.  d.  Yienne,  fg.  224,  Tt  XU,  fig.  26 
—28.)  Tt  IX,  fig.  21,  a,  6,  c.  Typas  and  var.  del- 
toidea  Bss.  (Bss.  Septth.,  Tt  IV,  fig.  8.)  finden  sich 
bei  Snlz,  Lobsann  nnd  Drachenbronn. 

62.  Poliffnorphifia{GfiU9ilina)MS.mucronaiaTaaii, 
(Tbbqcsk,  Mem.  d.  1.  Soc  geoL  d.  Fr.,  UL  seT.j  Tm.  2, 
1882.  Foram.  de  Teocene  des  enr.  de  Paris,  pg.  133, 
Tt  XXI,  fig.  37—39).  Die  elsässer  Stacke  auter- 
scheiden  sich  darch   weniger  tiefe  Nähte.  Lobsann. 

63.  TTvigerina  gracilis  Rss.  (Z.  d.  d.  g.  G.  1851, 
p.  77,  Tt  V,fig.  39).  Salz, Lobsann,  DrachenbronD. 

64.  Uvigertna  sp.  sp.  Verschiedene  gestreifte  ÜTigerinen- 
Formen,  meist  mit  tiefen  Nähten.  Sie  sind  gewissen 
noch  anbeschriebenen  Arten,  die  aas  dem  Septarien- 
thon  Ton  Batingen  stammen,  nnd  die  ich  in  der 
Sammlang   des  Herrn   Dr.  Steixiiaxii  gesehen  habe, 


211 

sehr    ähnlich    und    finden   sich   bei   Draichenbronn, 
Lobsann  und  namentlich  bei  Sulz. 

65.  Bulimina  inflata  Seg.  Tf.  IX,  fig.  6  a,  6,  c.  Diese 
Art,  welche  von  Skoüenza  zuerst  aus  dem  Pleistocän 
von  Catania  beschrieben  wurde  (cf.  pg.  155),  fand  sich 
nachher  noch  an  anderen  Stellen,  so  bei  Girgenti  und 
auf  Kar  Nicobar.  Sie  ist  ungemein  verbreitet  und  meist 
ziemlich  häufig  im  elsässer  Oligocän  und  wurde  schon 
von  einigen  Orten  erwähnt.  Bei  Lobsann,  wo  die 
Art  in  Menge  auftritt,  ist  sie  recht  variabel,  und  es 
stimmen  alsdann  durchaus  nicht  alle  Formen  mit  dem 
Typus  von  Sequenza  oder  mit  der  Abbildung  von 
ScHWAGEB  (Kar  Nicobar,  Tf.  VII,  fig.  91)  überein, 
welche  namentlich  durch  ihre  kurze  spitze  Gestalt  und 
ihren  treppenförmigen  Aufbau  der  Kammern  gekenn- 
zeichnet sind.  £s  finden  sich  stark  verlängerte  Exem- 
plare, die  sich  dann  der  B,  marginata  d'Obb. 
nähern.  Ferner  kommen  in  den  noch  zu  erwähnenden 
Mergeln  von  Aue  im  Ober-Elsass  Stücke  vor,  bei 
welchen  die  Spitze  etwas  zipfelförmig  wird.  Auch  die 
Skulptur  ist  nicht  bei  allen  Exemplaren  gleich  stark 
ausgebildet.  Die  Schale  ist  dünn,  glatt  und  glänzend; 
sie  lässt  nur  bei  besonders  günstiger  Erhaltung  feine 
Punktirung  wahrnehmen.  Die  abgebildeten  Exemplare 
sind  sehr  kurz  und  gedrungen;  sie  stammen  von 
Heiligenstein.  Andere  Formen,  welche  dem  Typus 
näher  stehen  und  höchstens  etwas  schwächere  Dornen 
haben,  finden  sich  bei  Sulz  und  Lobsann,  wo  auch 
sehr  grosse  verlängerte  Individuen  vorkommen,  die 
über  0,4  mm  messen. 

66.  Btd'ltnina  sp.  ined.  In  der  Form  ähnlich  der  f.  elongaia 
d'Obb.,  aber  gestreift.  Nur  ein  Exemplar.  Lobsann. 


212 

67.  Turrilina  alsatiea  b.  sp.  Tf.  VIII,  fig.  18,  19.  (Als 
Roialia  alsatiea  sp.  med.  Neues  Jahrbuch.  1 882,  Briefl. 
Mittbeil.)  Turrilina  not.  gen.  Gehäuse  tburmformig  mit 
regelmässig  spiral  augeordneten  Kammero.  Schale  glatt, 
glänzeud  und  fein  punktirt.  Die  Mündung  besteht  aus 
einer  horizontalen,  ziemlich  breiten  Spalte.  Die  Scheide- 
wände sind  einfach.  Die  Gattung  steht  der  Gattung  Bu- 
limina  am  nächsten ,  mit  welcher  sie  den  thurmformigen, 
spiraligen  Aufbau  der  Kammern  gemeinsam  hat;  sie 
weicht  jedoch  durch  die  Beschaffenheit  der  Mündung 
ab  und  erinnert  hierin  mehr  an  die  Gattung  Roialia. 
Ich  hatte  die  Art  anfangs  wegen  ihrer  Aehnlichkeit 
mit  jR.  buliminoides  Rss.  zu  den  Rotalien  gestellt,  bis 
ich  mich  durch  Dünnschliffe  von  der  einfachen  Be- 
schaffenheit der  Kammerscheidewände  überzeugte*. 

IVim7t9ia  alsatiea  n.  sp.  —  Tf.  VIII,  fig.  18,  19. 
Das  glatte,  glänzende  Gehäuse  ist  bald  rechts,  bald 
links  gewunden*,  misst  in  der  Regel  0,2>  mm  und  zeigt 
4  Umgänge.  Gewöhnlich  kommen  nur  3 — 4  massig 
bauchige  Kammern  auf  einen  Umgang.  Die  Nähte  sind 
ziemlich  tief.  Die  Mündung  bildet  stets  eine  breite 
Spalte  am  inneren  Rande  der  jüngsten  Kammer.  Die 
Art,  bisher  noch  die  einzige  der  obigen  Gattung,  ist 
sehr  verbreitet  im  Mitteloligocän  des  Elsass  und 
findet  sich  unter  anderem  auch  bei  Lobsann  und 
Sulz  nicht  selten. 


1.  Der  Güte  des  Heim  Scbacko  in  Berlin  verdanke  ich  sehr  sehwne  Exem- 
plare der  A.  b^iimmoklcs  Rs$.  aus  dem  norddeotschen  SepUnenUmn.  lo  eiflem 
Dünnsrbliir  von  dieser  Art  konnte  ich  doppelte  Scheidewände  wahrnehmen. 

2.  Ich  habe  mehrere  Hundert  Exemplare,  sowohl  von  dieser  Art,  wie  auch 
von  Jl.  Cironfpna  Rss.  darauf  hin  untersucht  und  fand  schliesslich,  dass  die  An- 
zahl der  rechts-  und  linksgrwundcnen  StQcke  sich  ungefähr  gleich  blieh. 


213 

68.  VirgiUina  Schreibend  Cz.  (Naturw.  Abhandl.  von 
W.  Haidinoeb,  Bd.  II,  1848.  J.  Gzjzek,  foss.  For.  d. 
Wiener  Beckens,  pg.  147,  Tf.  VIII,  fig.  18  — 21.)  Sehr 
selten  bei  Lobsann. 

69.  Sp/Meroidina  varia^Uis  Rss.  (Z.  d.  d.  g.  G.  1851, 
pg.  88,  Tf.  VII,  fig.  61  —  64.  Rss.,  Septth.,  pg.  40.) 
Häufig  bei  Sulz,  Lobsann  und  Drachenbronn. 

70.  Rotalia  Girardana  Rss.  (Z.  d.  d.  g.  G.  1851, 
pg.  73,  Tf.  V,  fig.  34.)  Sie  ist  in  typischen  grossen 
Exemplaren  häufig  bei  Sulz,  Lobsann  und  Drachen- 
bronn. Viel  seltener  sind  kleinere  flache  Formen,  die 
an  jß.  Soldanii  d'Obb.  erinnern,  aber  eine  lange 
Mündungsspalte  haben  wie  R.   Girardana, 

7 1 .  F8eudotr^uncaiuiinal>ut€7nplei  d*Obb.  sp.  Tf.  VIII, 
fig.  10.  (In  d'Obbigny,  For.  foss.  d.  B.  de  Vienne,  p.  157, 
Tf.  VIII,  fig.  19—20  als  Rotalia  Dutemplei;  —  Rkuss, 
For.  d.  Septarth.  1865,  pg.  44,  Tf.  VIII,  fig.  10.)  Die 
Art  wurde  von  d'Obbigny  als  Rotalia  beschrieben  und 
von  Reuss  später  jedenfalls  wegen  der  groben  Perforirung 
zu  Truncatulina  gestellt,  indem  man  fein  perforirte 
Formen  mit  doppelten  Scheidewänden  als  Botalien 
ähnliche,  grobperforirte,  mit  einfachen  Kammerscheide- 
wänden als  Truncatulina  bezeichnete.  Bei  der  obigen 
Art  zeigte  es  sich  nun,  dass  dieselbe  im  Dünnschliff 
doppelte  Scheidewände  und  zwar  in  einer  etwas  an- 
deren Art  als  bei  den  Botalien  zeigte.  Um  mich  davon 
zu  überzeugen,  ob  auch  die  „Truncatulina**  resp. 
Rotalia  Dutemplei  anderer  Fundorte  die  gleiche  Eigen- 
thümlichkeit  zeigte,  untersuchte  ich  Exemplare  der 
Art,  welche  aus  dem  Septarienthon  von  Hermsdorf, 
aus  dem  Miocän  des  Wiener  Beckens  und  vop  Lapugy 
stammten  und   mir   gütigst  von   Herrn    Schacko    in 


214 

Berlin  überlassen  wurden.  Ich  fand  bei  denselben  ganz 
die  gleiche  Beschaffenheit  der  Kammerscheidewände 
und  stelle  daher  einstweilen  für  die  frühere  Botalia 
resp.  Truncaiulina  Dutemplei  d'Okb.  sp.,  da  ich  sie 
nicht  wohl  mit  Roialia  noch  TruncatuUna  Tereinigen 
kann,  die  neue  Gattung  FseudoiruncatuUna  aul 

FseudotruncatuUna  nov.  gen.  Gehäuse  spiralig 
gebaut,  ähnUch  wie  bei  den  Rotalien.  Die  Scheide- 
wände der  Kammern  gleichen  in  Bezug  auf  ihren 
äusseren  Aufbau,  ihre  Krümmung  und  ihre  Beschaffen- 
heit an  der  Mündungsspalte  ganz  den  ächten  Trun- 
catuCnen ,  sind  jedoch  doppelt,  d.  h.  sie  bestehen  aus  2 
dünnen,  dicht  aneinander  liegenden  Schalenblättem. 
Diese  beiden  Kalkschichten  der  Scheidewand  sind  imper- 
forirt,  während  der  spiralaufgerollte  Schalentheil  be- 
trächtlich dicker  ist  und  grob  und  weitläufig  perforirt 
erscheint  Ausserdem  beobachtete  ich  noch  mit  grosser 
Constanz  eine  andere  Erscheinung  bei  der  Fseudotrun-' 
catuUna^  die  nicht  mit  den  sehr  feinen  inneren  Scheide- 
wänden zu  verwechseln  ist :  nämlich  eine  beiderseits  an 
die  Scheidewände  angelagerte  Schicht,  die  sich  auch 
auf  der  Innenseite  des  Spiralblattes  verfolgen  lasst, 
also  eine  innere  Auskleidung  der  Kammern  bildet;  eine 
Art  Yon  »depöt  organique'.  Diese  Auskleidung,  welche 
an  die  äussere  Umrindung  durch  eine  Schmelzmasse, 
wie  man  sie  bei  anderen  Truncatulinen  beobachten  kann 
(Anm.  fig.  10),  erinnert,  verschliesst  jedoch  da  wo 
sie  dem  Spiralblatt  aufliegt  in  der  Regel  nicht  die  groben 
Poren  desselben.  Fig.  9  a  zeigt  einen  Durchschnitt  einer 
Fseudotruncaitdina  bei  schwacher  Yergrösserung,  um 
den  allgemeinen  Habitus  zu  zeigen;  fig.  95  zeigt  bei 
stärkerer  Yergrösserung  eine  normal  beschaffene  Schei- 


215 
dewand ;  9  c  zeigt  eine  Scheidewand,  bei  welcher 
auf  der  einen  Seite  ein  Theil  der  äusseren  Schicht 
abgebrochen  ist.  Ich  glaubte  auf  diese  immerhin  inte- 
ressante Erscheinung,  so  wie  ich  sie  beobachtet  habe, 
wenigstens  hinweisen  zu  müssen,  obgleich  es  mir  noch 
nicht  möglich  war,  umfossendere  Untersuchungen  anzu- 
stellen, welche  nicht  im  Sinne  dieser  Arbeit  liegen 
würden'. 

Fig.  9. 


Zur  Artbeschreibung  der  P.  Dutemplei  d'Osb, 
sp.  ist  nichts  neues  hinzuzufügen.  Ich  will  nur  die  von 
Reüss  gemachte  Beobachtung,  dass  die  Exemplare 
des  Septarienthones  gewöhnlich  eine  grössere  Zahl  von 
Kammern  zeigen,  als    das  von    d'Obbiont  aus    dem 


I.  Zum  Vergleicb  mit  der  oben  von  PsatdotrwncaluUna  Kcgebenen  Abbil- 
dung Tolgea  bi«r  noch  zwei  Sliiuen:  bg.  10  von  einer  ächten  TfuneaHiUna ,  der 
T.  loöala  d'Ohb.  von  GruDlaod  und  fig.  1 1  von  einer  ächten  RoCalia,  der  S.  Schro- 
dterl  o'One,  von  China,  beides  ziemlich  grosse  recente  Formen. 


Fig.  10. 


Fig.  11. 


216 

Wiener  Becken  abgebildete  Exemplar,  anch  für  das 
Elsass  bestätigen.  Die  Art  ist  sehr  häufig  bei  Sulz  ujVf. 
und  Drachenbronn,  seltener  bei  Lobsann. 

72.  Pulvtnnlina  pygmaea  v.  HAimL.  (Fauna  d.  Clav. 
Szaböi-Sch.  1875,  pg.  78,  Tf.  X,  fig.  8.)  Tf.  VHI, 
fig.  13.  Nicht  selten  bei  Sulz  und  Lobsann. 

73.  PulvlntUina  trochtfinrmis  d.  sp.  Tf.  VIII,  fig.  14. 
Das  ungemein  kleine  Gehäuse  hat  eine  bienenkorb- 
artige Gestalt,  ist  auf  der  Nabelseite  flach  und  auf 
der  Seite  der  freiliegenden  Spirale  sehr  stark  gewölbt, 
umgekehrt  wie  es  gewöhnlich  bei  den  Pnlvinulinen 
und  Truncatulinen  der  Fall  ist.  Der  Durchmesser  be- 
trägt nur  0,12  mm.  Es  sind  auf  der  convexen  Seite 
5  Umgänge  vorhanden,  welche  sich  kaum  erweitem. 
Auf  der  flachen  Seite,  die  eine  schwache  Nabelver- 
tiefung  in  der  Mitte  zeigt,  sind  7  Kammern  sichtbar. 
Die  Kammerscheidewände  resp.  Nähte  sind  sehr  deutlich 
und  meist  etwas  leistenartig  verdickt.  Die  Schale  ist 
sehr  fein  punktirt  und  hat  keinen  Glanz.  Die  Form 
der  Mündung  liess  sich  nicht  ganz  genau  erkennen, 
es  scheint  jedoch  dieselbe  wie  bei  anderen  Pulvina- 
linen  beschaffen  zu  sein.  Ich  habe  die  bei  Lobsann 
ungemein  seltene  Art  nur  deshalb  abgebildet,  weil  8ie 
wegen  ihrer  auffallenden  Form  ziemlich  isolirt  dasteht. 
Die  einzige  Art,  die  sich  in  ihrer  Gestalt  einiger- 
massen  mit  ihr  vergleichen  lässt,  ist  ü.  badensis  Gz. 
aus  dem  Miocän  von  Baden. 

74.  PulvintUina  perlata  d.  sp.  Tf.  VIII,  fig.  12. 
Diese  kleine  Form  schliesst  sich  noch  am  meisten  an 
die  miocäne  Discorhina  turris  Kabb.  und  die  Treitt- 
catulina  horrida  Kabb.  aus  dem  Senon  von  Leizers- 
dorf  an.    Das  Gehäuse  ist   auf   der  Nabelseite    viel 


217 

stärker  gewölbt  als  auf  der  Seite  der  freiliegenden 
Spirale.  Auf  der  letzteren  sind  drei  deutliche  Umgänge 
vorhanden,  während  auf  der  anderen  Seite  sechs 
Kammern  der  letzten  Windung  sichtbar  sind.  Dieselben 
berühren  sich  in  der  Mitte  vollständig  und  lassen  kein 
Nabelloch  frei.  Unsere  Art  besitzt  keine  scharfe  Kante 
an  der  Peripherie,  wie  die  beiden  oben  genannten 
Arten.  Die  Skulptur  ist  sehr  auffallend  und  besteht 
aus  kleinen,  sparsam  und  unregelmässig  vertheilten 
Körnern,  welche  namentlich  die  Seite  mit  der  frei- 
liegenden Spirale  bedecken,  während  die  Nabelseite 
in  der  Mitte  mehr  oder  weniger  frei  davon  bleibt. 
Die  Nähte  sind  alle  deutlich  und  ziemlich  tief,  die 
Schalenoberfläche  ist  fein  punktirt,  die  Mündungs- 
spalte ist  ziemlich  lang  und  schmal,  die  Grösse 
beträgt  0,3—0,2  mm.  Lobsann,  Drachenbronn  und 
Sulz. 
75.  PuivinuUna  petrolei  n.  sp.  Tf.  VIII,  fig.  15.  Das 
Gehäuse  ist  oval,  etwas  niedergedrückt,  auf  der  Nabel- 
seite viel  stärker  gewölbt  als  auf  der  beinahe  flachen 
entgegengesetzten  Seite  und  misst  0,» — 0,3  mm.  Die 
Schale  ist  sehr  fein  punktirt.  Eine  schwache  Nabel- 
vertiefung ist  wahrnehmbar.  Die  Nähte  sind  massig 
flach.  An  der  Peripherie  ist  keine  scharfe  Kante  vor- 
handen. Auf  der  gewölbten  Seite  sind  fünf  Kammern 
sichtbar,  auf  der  anderen,  welche  zwei  Umgänge  zeigt, 
neun,  von  denen  jedoch  die  inneren  nicht  deutlich 
begrenzt  sind.  Die  letzte  Kammer  überwiegt  bedeutend 
an  Grösse.  Unsere  Art  steht  der  P.  {Botalia)  Hauten 
d'Obb.  am  nächsten.  Sie  unterscheidet  sich  von  ihr 
dadurch,  dass  sie  eine  gedrungenere  Gestalt  besitzt 
und  breitere  Kammern  hat,  von  denen  nur  fünf  statt 


218 

sieben  auf  der  Nabelseite  sichtbar  sind.  Ziemlich  häufig 
bei  Lobsann. 

76.  Puivinulina  Lobsannensis  n.  sjf.  Tf.YIII,  fig.  16. 
Das  Gehäuse  ist  breit,  eiförmig,  ein  wenig  comprimirt 
und  beiderseits  gewölbt;  es  misst  in  der  Regel  0,2  mm. 
Die  Kammern  sind  alle  sehr  deutlich  sichtbar  und 
werden  durch  tiefe  gebogene  Nähte  Ton  einander  ge- 
schieden. Die  Seite,  auf  welcher  die  Spirale  sichtbar 
ist,  zeigt  9 — 10  Kammern,  welche  ebenso  me  die 
Windungen  schnell  an  Umfang  zunehmen.  Auf  der 
anderen  mehr  convexen  Seite  sind  nur  6  Kammern 
wahrzunehmen.  Die  Schale  ist  fein,  aber  deutlich 
punktirt,  was  namentlich  dann  hervortritt,  wenn  das 
Innere  des  Gehäuses  durch  einen  Schwefelkieskern 
ausgefüllt  ist.  Diese  Art  lässt  sich  wohl  nur  mit  der 
P.  hudensis  v.  Hantk.  vergleichen,  ist  jedoch  lange 
nicht  so  zusammengedrückt  und  an  der  Peripherie 
nicht  so  zugespitzt  wie  diese.  Ziemlich  selten  bei 
Lobsann  und  Sulz. 

77.  TruncattUina  Weinkauffi  fiss.  (Sitzungsber.,  Bd. 
48,  pg.  68,  Taf.  Vm,  fig.  97.)  Tf.  VIII,  fig.  11.  Häufig 
bei  Lobsann,  Sulz  und  Drachenbronn. 

78.  TruncatiUina  ludda  Rss.  (Septth.,  pg.  44,  Tf.  IV, 
fig.  15.)  Nach  Angabe  von  Ludwig  bei  Lobsann. 

79.  GloMgeHna  bulloidea  dOrb.  (For.  foss.  d.  B.  d. 
Vienne,  pg.  163,  Tf.  IX,  fig.  4—6.)  Tf.  IX,  fig.  1,  2. 
Lobsann,  Sulz  und  Drachenbronn. 

80.  Bolivina  Beyr^ichi  Rss.  (Z.  d.  d.  g.  G.  1851,  pg.  83, 
Tf.  VI,  fig.  51.)  Ziemlich  häufig.  Lobsann,  Sulz  und 
Drachenbronn. 

81.  Bolivina  sp.  a.  ined.  In  der  Form  der  B,  nobilis 
y.  IIai^tk.  sehr  ähnlich,  gleicht  jedoch  in  der  Skulptur 


219 

mehr  der  viel  schmäleren  B.  semisiriaia  v.  Hantk., 
indem  nur  der  untere  Theil  des  Gehäuses  gestreift 
ist,  während  der  obere  feine  Punktirung  zeigt.  Lobsann 
und  Drachenbronn. 

82.  BoUvina  sp.  b.  ined.  Sehr  kleine  und  schmale  For- 
men mit  sehr  vielen  Kammern  (bis  zu  11  Kammern 
jederseits).  Sie  ähneln  der  B.  antiqua  d'Obb.,  sind 
aber  an  der  Seite  nicht  scharf  gekielt  wie  diese.  Lob- 
sann und  Sulz. 

83.  Cassidulina  oblanga  Ras.  (Denkschriften  d.  Ak.  d. 
Wiss.,  Bd.  I,  Wien  1850,  Tf.  III,  fig.  5,  6.)  Selten 
bei  Lobsann. 

84.  ChUostom^la  cylindroides  Rss.  (Z.  d.  d.  g.  G. 
1851,  pg.  80,  Tf.  VI,  fig.  43.)  Sulz,  Drachenbronn 
und  Lobsann,  an  dem  letzteren  Orte  namentlich  häufig. 

Imperforata  oaloarea. 

85.  Comuspira  polygyra  Rss.  (Sitzungsber.  d.  k.  k. 
Ak.  d.  Wiss.,  Bd.  48,  pg.  39,  Tf.  I,  fig.  1.)  Sulz, 
Lobsann  und  Drachenbronn.  An  dem  ersten  Orte 
am  häufigsten. 

86.  Comtispira  involvens  Rss.  (Denkschr.  d.  k.  Ak.  d. 
Wiss.,  I,  1851,  pg.  370,  Tf.  XLVI,  fig.  20.  —  Septth., 
pg.  5.)  Lobsann,  Sulz,  Drachenbronn.^ 

87.  Comuspira  sp.  Lobsann. 

88.  SpiroloctUlna  nov.  sp.  ined.  Steht  der  Spiroloc. 
(Quinqueloculina  ?)  tenuis  Cz.  (Naturw.  Abhandl.  von 
Haidingeb,  Bd.  V,  1848,  pg.  149,  Tf.  XIII,  31—34) 
am  nächsten,  welche  auch  bei  Hermsdorf  im  Septarien- 


1.  Die  Cornuspiren,  welche  anderwärts  meist  zu  den  Seltenheiten  gehören, 
sind  im  Elsass  in  den  beiden  oben  genannten  Arten  häufig  und  verbreitet. 


220 

thoD  vorkommt  (Rss.,  Septth.,  pg.  10).  Das  sehr  kleine 
dünne  Gehäuse  unserer  Art  unterscheidet  sich  nament- 
lich durch  die  stets  etwas  rauhe  Schalenbeschaffenheit 
und  durch  die  grössere  Zahl  von  Kammern,  welche 
in  der  Mitte  nicht  mehr  scharf  von  einander  zu  unter- 
scheiden sind.  Ziemlich  selten.  Sulz  und  Lobsann. 

89.  QuinqueloctUhui  triangtUaris  d^Orb.  (For.  foss. 
d.  B.  d.  Vienne,  pg.  285,  Tf.  XVIII,  fig.  8.)  Es  finden 
sich  im  Elsass  solche  Formen  der  Art,  wie  sie  Bobne- 
MANN  ais  Q,  Etmani  von  Hermsdorf  beschrieb.  (Z.  d. 
d.  g.  G.  1855,  pg.  351,  Tf.  XIX.,  fig.  6.)  Dieselben 
wurden  von  Reuss  (Septth.,  pg.  9)  mit  Q.  triangularis 
vereinigt.  Man  könnte  diese  besonders  breiten  Formen, 
wie  sie  für  den  Septarienthon  charakteristisch  sind,  als 
var,  Ermani  Bobn.  festhalten.  Sie  finden  sich  ziemlich 
häufig  bei  Sulz,  Lobsann  und  Drachenbronn. 

90.  Quinqueloculina  inipressa  Rss.  (Z.  d.  d.  g.  G. 
1851,  pg.  87,  Tf.  VII,  fig.  59.)  Es  finden  sich  bei 
Sulz  namentlich  solche  Abarten,  welche  sich  der  Tri- 
loculina  turgida  Rss.  nähern,  sodass  sich  die  Ansicht 
von  Reuss,  dass  beide  Arten  einander  sehr  nahe  stehen, 
auch  hier  bestätigt  (Septth.,  pg.  9).  Die  Thatsachc  ist 
insofern  von  Interesse,  als  sie  zeigt,  dass  sich  die 
Grenze  zwischen  Trilocülina  und  Quinqueloculina  ver- 
wischen kann. 

91.  Trilocülina  turgida  Rss.  (Z.  d.  d.  g.  G.  1851, 
pg.  86,  87,  Tf.  VII,  fig.  58.)  Sulz.  Neben  dem  Typus 
finden  sich  noch  besonders  dicke,  kugelige  Formen, 
die   ich  als  var.  inflata  n.  v.  abbilde.  Tf.  V,  fig.  28. 

92.  Trilocülina  orbicidaris  Rom.  (Rss.,  Sitzungsber., 
Bd.  18,  pg.  251,  fig.  35.)  Sulz. 

Die   in   der  obigen  Liste  angeführten  Foraminiferen  sind 


221 

durchaus  noch  nicht  alle  an  diesen  Fundpunkten  vorkommenden 
Formen,  indem  Bruchstücke  und  vereinzelte  Exemplare  darauf 
hinweisen,  dass  namentlich  die  Artenzahl  der  Cristellaricn,  Nodo- 
sarien,  Truncatulinen  und  Millioliden  eine  grössere  ist^  Da  es 
sich  aber  hier  nicht  um  eine  Monographie  der  Foraminiferen 
des  elsässer  Septarienthons  handelte,  so  begnügte  ich  mich  mit 
der  Hervorhebung  der  häufigsten  und  auffallendsten  Formen, 
zumal  da  dieselben  zur  Genüge  den  Charakter  der  Septarien- 
thonfauna  darthun. 

Die  drei  Lokalitäten  Lobsann,  Sulz  und  Drachenbronn 
weichen  nicht  viel  von  einander  ab  und  haben  die  allermeisten 
Formen  gemeinsam.  Die  agglutinirten  Foraminiferen,  Haplo- 
phragmien  und  Plecanium  carinaium  namentlich  überwiegen  an 
Menge.  Pseudotruncaiulina  Duiemplei  findet  sich  massenhaft  bei 
Sulz  und  Drachenbronn.  Haplophragmium  placenta  erfüllt  in 
grossen  schönen  Exemplaren  die  Schlemmproben  von  Lobsann 
und  Drachenbronn,  in  welchen  auch  die  Chüostomella  cylindroi* 
des  eine  bedeutende  Rolle  spielt.  Die  Uvigerinen  treten  bei  Sulz 
in  sehr  grosser  Menge  auf,  während  sie  im  übrigen  selten  sind. 
Ferner  ist  hervorzuheben,  dass  an  dem  letztgenannten  Punkt 
die  Millioliden  entschieden  am  häufigsten  vorkommen,  was  mit 
dem  schon  erwähnten  etwas  brackischen  Charakter  der  Lokalität 
in  Einklang  steht.  Die  grösste  Formenmannigfaltigkeit  wird 
jedoch  nicht  von  den  FamiUen  erreicht,  deren  Arten  sich  gerade 
durch  grosse  Individuenzahl  auszeichnen,  sondern  erscheint  bei 
den  durchschnittlich  sparsamer  auftretenden  Cristellarien  und 
Nodosarien  wie  anderwärts  im  Septarienthon. 

Der  Septarienthonf undpunkt  von  Heiligenstein  befindet 
sich  in  dem  genannten  Dorfe,  welches  unweit  des  Odilienberges, 


1.  Ich  beabsichtige  bei  Gelegenheit  die  hier  noch  nicht  erwähnten  und  ab- 
gebildeten Formen  nachzutragen,  welche  mein  sehr  reiches  Schlemmprobenmaterial 
enthält. 


222 

nahe  an  der  Yogesenverwerfung  gelegen  ist.  Das  Vorkommen 
ist  ein  ganz  isolirtes  und  liegt  an  70  Kilometer  in  ungefähr 
SSWücher  Richtung  von  den  vorher  besprochenen  Orten  entfernt 
Die  graublauen  ziemlich  plastischen  Mergel,  ganz  von  dem  Aus- 
sehen der  Mergel  von  Sulz  u.  d.  Wald,  werden  bei  Heiligen- 
stein in  einer  kleinen  Grube  gelegentlich  gewonnen  und  neben 
anderen  jurassischen  Mergeln  in  einer  Ziegelei  verwendet  Der 
Septarienthon  scheint  nur  einen  sehr  kleinen  Flächenraum  im 
nördlichen  Theile  des  Dorfes  zu  bedecken  und  überlagert  jeden- 
falls die  rings  um  den  Ort  anstehenden  jurassischen  Schichten. 
(Derselbe  liegt  wahrscheinlich  auf  den  JETtimp^'manti^-Schichten 
auf.)  Ich  vermochte  nicht  trotz  allen  Suchens  in  der  Gegend 
ein  anderes  Septarienthonvorkommen  zu  finden*.  Auch  an  den 
Vogesenvorbergen,  deren  Gipfel  aus  oligocanen  Eüstenconglo- 
meraten  bestehen,  und  welche  nicht  weit  von  Heiligenstein 
entfernt  liegen,  an  der  Gloriette  bei  Barr  und  am  Bischenbei^ 
bei  Oberehnheim  konnte  ich  keine  Spur  von  Septarienthon 
entdecken.  In  der  ganzen  Umgegend  von  Heiligenstein  stehen 
keine  Unteroligocänschichten  an,  und  der  Septarienthon  lagert 
direkt  der  mesozoischen  Formation  auf,  ein  Umstand,  der  auch 
für  die  Transgression  des  Meeres  zur  Mitteloligocänzeit  spricht 
Die  Foraminiferenfauna  von  Heiligenstein  ist  von  der- 
jenigen der  oben  besprochenen  Fundorte  ziemlich  abweichend, 
was  wohl  der  Hauptsache  nach  einem  Unterschied  in  der  Facies 
zugeschrieben  werden  muss.  Es  überwiegen  bei  weitem  in  dem 
Schlemmrückstand  von  Heiligenstein  Bolivina  JBeyrichi  und 
VirfftUina  Schreibersi,  von  welchen  namentlich  die  letztere  bei 
Lobs  an  n  sehr  selten  ist.  Plecanium  carinaium^  Pseudotruncatulina 
Dutemplei,  sowie  die  Pullenien  und  Polymorphinen  fehlen  auf- 
fallender Weise  ganz.  Die  Cristellarlen  treten  sehr  zurück.  Haplo- 


1.  Die  Mergel  an  dem  Bahnhofe  Yon  Epfig  an  weit  Barr  sind  absolut  fossilleer 
und  zeigen  einen  abweichenden  Schlemmröckstand ;  ihr  tertiäres  Alter  ist  fraglich. 


223 

phragmium  acutidorsatum  ersetzt  ausschliesslich  das  bei  Lob- 
sann viel  häufigere  Hqplophragmium  placentae  während  an  Stelle 
der  Chüostomella  cylindroidcs  die  Ällomorphina  trigona  getreten 
ist.  Im  Allgemeinen  ist  die  P'auna  ärmer  als  die  von  Lobsann. 
Ich  fand  folgendes: 

Hollasken. 

1.  Kleine  unbestimmbare  Gastropodensteinkerne. 

2.  Kleine  bauchige  Brauneisensteinkerne,  welche  wohl  von 
Fisidium  sp.  herrühren. 

3.  Cor&i^o7/»j/a?  Kleine  dreieckige  ungleichschaUge  Braun- 
eisensteinkerne, die  in  der  Form  am  meisten  an  Corhu- 
lomya  triangula  Nyst.  erinnern. 

Foraminiferen. 

1.  Haplophragmitim    {wuMdorsatum    v.  Hantk. 

Meist  kleinere  Exemplare  (bis  zu  0,g  mm  gross)  häufig. 
Tf.  VII,  fig.  5. 

2.  Haplophrag^nviim  deforme  n.  sp.  Selten.  Tf.  VIII, 

fig.  1. 

3.  UaplopliragnvVii/in  sp.  med. 

4.  NodosaHa  EwaZdi  Rss.  Tf.  X,  fig.  21. 

5.  Nodosaria  eoctlis  Neüg.  Tf.  X,  fig.  18  —  20. 

6.  Nodosaria  cmisobrina  d*Obb.  Tf.  X,   fig.  9 — 12. 

7.  Nodosaria  {Dentalina)  approxiniata  Rss.  Tf.  X, 
fig.  13-15. 

8.  Nodosaria  capitMa  Boll.  var.  Buchi  Bss.  Selten. 

9 .  Nodosaria  cmispurcMa  Rss.  (Sitzungsber.  d.  k.  k. 
Ak.  d.  Wiss.,  Bd.  48,  pg.  43,  Tf.  II,  fig.  10—12.) 

10.  Ortstellaria  Böttgeri  Rss.  (=  CrsL  Böttcheri  Bss. 
Sitzungsber.,  Bd.  48,  pg.  49,  Tf.  III,  fig.  38—42.) 
Selten.  Tf.  IX,  fig.  26,  a,  6,  c. 


224 

11.  Biilimina  ifißata  Seg.  Tt  IX,  6,  a,  4;  6,  r. 

1 2.  rtrguluuM  Sehreibersi  Gz.    Sehr  biiifig.    Tl   IX 

tig.   8,   9,  a,  h. 

13.  Turrilina  al^Miea  n.  spu  Ziemlich  häufig.  Typ. 
Tt  VÜI,  fig.  18.  Forma  producta  n.  f.,  Tf.  Vffl,  fig.  19; 
als  solche  bezeichne  ich  die  etwas  schmälereD  und 
längeren  Formen,  welche  5* ,  Umgänge  und  0^  mm 
Länge  erreichen.  Sie  finden  sich  seltener  als  der  Typus, 
Ton  dem  sie  nicht  scharf  zu  trennen  sind. 

14.  JBaialia  Girardana  Bss.  var.  Die  Exemplare  Ton 
Heiligenstein  stimmen  nicht  vollständig  mit  dem 
Typus  aus  dem  norddeutschen  Septarienthone.  Sie  sind 
kleiner,  flacher  und  erinnern  an  B.  Soldami  b'Osb.. 
zeigen  jedoch  eine  sehr  lange  Mund^alte  und  haben 
auf  der  Seite  der  fi^ien  Spirale  sehr  deutliche,  bis 
zur  Mitte  hin  unterscheidbare  Kammemähte.  Häufig. 
Tf.  IX,  fig.  5,  a,  h. 

15.  Pl«/Hnff«/ifia  8U  Odiliae  m.  spu  Tf.  Vm,  fig.  17. 
Das  länglich  eiförmige,  wenig  comprimirte,  iast  gleich- 
seitige Gehäuse  besteht  aus  auffiülend  wenig  Kammern 
und  hat  nur  anderthalb  Umgänge,  welche  sich  ausser- 
ordentlich schnell  erweitem.  Die  Seite  mit  der  frei- 
liegenden Spirale  hat  6  Kammern,  Ton  denen  die  letzte 
bei  weitem  an  Grosse  überwiegt  Die  Schale  ist  sehr 
fein  punktirt.  Diese  sehr  seltene  Art  lässt  sich  nur 
mit  P.  cordifomus  Bss.  Ton  Wieliczka  Ter^eichea, 
ist  jedoch  schon  durch  die  viel  geringere  Kammer- 
zahl leicht  zu  unterscheiden. 

IG.  Trmu:aiiahui  Weinkau ffi  Bss. 

1 7.  Tr9$neatiilh9a  A9Mkeriai%a  dtOkb.  sp.  (For.  foss.  B.  d. 
Yienne.pg.  152,Tf.  VII,25— 27.—  Rss.,Septth.,pg.44.) 
Nebst  anderen  seltenen  unbestimmten  Tmncatulinen. 


225 

18.  GloMgerina  buUaides  d*Obb.  Tf.  IX,  fig.  1,  2. 

19.  Bolivina  BeyricM  Rss.  Verschiedene  extreme  For- 
men dieser  bei  Heiligenstein  ungemein  häufigen  Art 
sind  auf  Tf.  VIII,  fig.  4—8  dargestellt. 

20.  AllomorpMna  trigona  Rss.  var.  obtusa  n.  v.  (Tf.  VII, 
fig.  11.)  Das  grosse  und  dicke  Gehäuse  ist  sehr  stumpf, 
dreieckig  und  namentlich  an  dem  unteren  Ende  nicht  so 
spitz  wie  die  von  Reuss  (Denkschr.  d.  Ak.  d.  Wiss.,  I, 
pg.  380,  Tf.  III,  fig.  14,  a,  6,  c,  rf,  e)  abgebildeten 
Exemplare.  Die  Stücke  von  Heiligenstein  gleichen 
hingegen  sehr  der  Abbildung,  welche  Bbady  von  einer 
recenten  AUomorphina^  die  er  als  AI.  trigona  deutete, 
gegeben  hat.  Ich  glaube,  dass  man  diese  Formen  nicht 
ohne  weiteres  mit  A.  ^i^ona^identificiren  darf  und  fasse 
sie  als  Varietät  auf. 

21.  CortiMspira  polygifra  Rss. 

22.  Quinqtieloeulina  impressa  Rss.  var,  subovalis  n.  v. 
Die  sehr  seltene  Form  von  Heiligenstein  zeichnet 
sich  durch  eine  etwas  mehr  verlängerte  ovale  Gestalt 
aus,  welche  an  diejenige  der  Q.  ovalis  Bobn.  erinnert; 
letztere  zeigt  jedoch  eine  ganz  abweichende  Mändung. 
Tf.  X,  fig.  27,  a,  6,  c. 


III.  15 


226 


V.  Mergel  mit  Ostrea  callifera  und  reicher 
Foraminiferenfauna  im  Ober-Elsass 

zwischen  Gebweiler  und  Sentheim. 


Im  Anschluss  an  den  ächten  Septarienthon  des  Unter- 
Elsass  müssen  wir  einige  Bildungen  im  Ober-Elsass  betrachten, 
die  sich  zwar  durch  ihre  Foraminiferenfauna  diesem  auf  das 
Innigste  anschliessen ,  aber  in  ihrer  Molluskenfauna  abweichen, 
welche  eher  ein  etwas  jüngeres  Alter  zu  dokumentiren  scheint. 
Es  fehlen  in  denselben  die  bezeichnendsten  Elemente  des  unter- 
elsässer  Septarienthones,  die  Leda  JDehayesiana,  NuaUa  Cha- 
steUi  und  andere  Arten.  An  drei  Stellen  habe  ich  die  in  Frage 
stehenden  Schichten  näher  untersucht:  bei  Hartmannsweiler, 
Rodern  und  Aue.  Die  beiden  letztgenannten  Orte  haben  nur 
Foraminiferen  geliefert,  während  der  erstere  auch  andere  Fossilien 
aufweist,  die  namentlich  schon  von  Delbob  studirt  wurden,  welcher 
fast  die  sämmtlichen  Oligocänbildungen  unter  dem  Namen  Ton- 
grien zusammen&sste. 

Auf  dem  Weg  von  Sulz  bei  Gebweiler  nach  Hart- 
mannsweiler^  stehen  nicht  weit  von  dem  letzteren  Orte  blau- 
graue gypshaltige  Mergel  an,  welche  in  der  „Marnerie  Zeller ^ 
gewonnen    werden.    Es  ist  jetzt  von  der  Lagerung  und  dem 


1.  Die  Fundstelle  Hartmao nsweiler  wird  von  Delbos  als  Oilweiler 
(=  Ollwiller)  bezeichnet  nach  dem  Schloss  Ollweiler  In  der  Nähe  von  Hart- 
mannsweiler. DiLBOs.  Descr.  d.  d^p.  du  H.-R.,  If,  pg.  59,  41. 


227 

Profil,  welches  Delbos  angibt,  nicht  mehr  viel  zu  sehen,  und 
die  grossen  Mergelgruben  zeigten  nur  einförmige  Mergelmassen 
und  einige  umherliegende  Blöcke  von  hartem  grauen  Kalksand- 
stein, welcher  aus  einer  tieferen  Schicht  unter  den  Mergeln 
stammen  sollte.  Wir  geben  daher  einen  Auszug  des  DsLBOB'schen 
Profiles  (H.  R.,  II,  pg.  59).*  Das  Einfallen  der  Schichten  beträgt 
11  ^  und  ist  nach  Süden  gerichtet: . 

1.  Ackerboden  und  vielleicht  Lehm  (Löss?)  .  .        0,6o  m. 

2.  Kalkiger  Mergel • 0,so  m. 

3.  Bank  von  braungelbem,  grobem  Kalksandstein, 
welcher  mit  Mergeln  wechselt.  Aehnlich  dem 
Kalksandstein  von  Ruf  ach.  Dieselbe  lieferte 
einen  Fischzahn  und  andere  unbestimmbare 
Fossilien : 0,6o  m. 

4.  Etwas  kalkige  Mergel l,oo  m. 

5.  Kalkige,  eisenschüssige  Mergel 

6.  Blauer,  ziemlich  harter  Sandkalk 0,8o  m. 

7.  Mergel 

8.  Weicherer  Sandkalk  mit  kohligen  Pflanzen- 
resten und  Pyrit.  Er  enthält  Pectunculus  (1), 
Cardium  (I)  und  Cerißiium  (1) 

9.  Hauptmasse  der  blaugrauen  abgebauten  Mer- 
gel mit  einer  Bank  von  ziemlich  feinem  Kalk- 
sandstein im  Liegenden,  welche  nicht  weiter 
durchteuft  wurde.  Die  Mergel  enthalten  Austern, 
der  Kalksandstein  Pecten  und  einige  andere 
Fossilien.  Ganze  Mächtigkeit 9 — 10  m. 

An  diese  Mergel  schliessen  sich  wohl  diejenigen  an,  welche 
zwischen  Gebweiler  und  Orschweiler  bei  Bergholz  ge- 
wonnen wurden,  und  welche  ich  nicht  untersuchen  konnte.  Die- 
selben sollen  nach  Angabe  von  Delbob  die  Kfistenconglomerate 
unterteufen. 


228 

Zwischen  Thann  und  Sentheim,  nicht  weit  vom  Yogesen- 
abhang,  stehen  beträchtliche  Mergelmassen  an,  welche  mit  den- 
jenigen von  Snlz  übereinstimmen  und  an  verschiedenen  Stellen 
zu  Tage  treten.  Ich  habe  namentlich  in  der  Gegend  Yon  Bodern 
ans  einigen  kleinen  Ziegeigmben,  welche  weiter  keine  Fossilien 
enthielten,  Proben  zur  Untersuchung  entnommen.  Der  Mergel 
ist  durch  den  Einfluss  der  AtQiospharilien  schon  etwas  verändert; 
er  zeigt  eine  blaugraue  Farbe  und  gelbe  Flecken.  Im  Schlemm- 
rückstand enthält  er  vieb  Brauneisen  und  Eisenoiyd  und  ist 
reich  an  Foraminiferen. 

Weiter  südlich  von  diesem  Vorkommen  auf  dem  Fussweg 
von  Sentheim  nach  Aue  (=  Lauw  auf  den  französischen 
Karten)  befinden  sich  im  Wald  kleine  Mergelkauten,  aus  welchen 
zum  Theil  ächte  Amphisyle-SchiefeTj  zum  Theil  blaugraue  Mergel 
vom  Charakter  der  Mergel  von  Bodern  zu  Tage  gefördert 
werden.  Diese  Mergel  enthalten  sehr  viele  Foraminiferen  und 
erinnern  durch  manche  Formen  schon  einigermassen  an  die  viel 
ärmere  Foraminiferen&una  der  Fischschiefer.  Es  lässt  sich  bis 
jetzt  nicht  entscheiden,  ob  diese  die  Fischschiefer  unterteufen,  be- 
decken oder  einfach  mit  ihnen  wechssellagem.  Jedenfalls  müssen 
sie  zu  denselben  in  sehr  inniger  Beziehung  stehen,  was  eben- 
falls für  ihr  mitteloligocänes  Alter  sprechen  würde.  Weiter  süd- 
lich von  diesem  Orte  ist  mir  kein  an  Foraminiferen  reicher 
Mergel  aus  dem  Gebiete  mehr  bekannt,  der  sich  mit  dem  Sep- 
tarienthon  vergleichen  liesse.  Es  scheint,  dass  derselbe  von 
hier  ab  ganz  und  gar  durch  den  Fischschiefer  ersetzt  wird. 

Die  Fauna  der  besprochenen  Mergelablagerungen  zwischen 
Gebweiler  und  Sentheim  ist  nachstehende: 

Gastropoden. 

1 .  CerUhium  plicatti^n  Lamk«  Nach  Delbos  (l-c,  pg.  42) 
ohne  Angabe  der  Varietät  von  Hartmannsweiler. 


229 


Lamellibranchiaten. 

1.  Ostrea  caZUfera  Lahk.  Nach  Angabe  von  Delbob  im 
blaugrauen  Mergel  von  Hartmannsweiler.  Dieselbe 
ist  häufig  und  liegt  mir  in  sehr  schönen,  grossen  und 
dickschaligen  Exemplaren  vor,  welche  gegen  13  cm 
Durchmesser  zeigen.  Hierher  dürfte  auch  die  Ostrea 
subgigantea  Raul,  et  Delbos  gehören,  welche  von 
Hartmannsweiler  (DsiiBos,  1.  c,  pg.  43)  erwähnt 
wird,  und  von  der  ich  mit  0.  caüifera  übereinstimmende 
Exemplare  in  Mülhausen  gesehen  habe. 

2.  JPecten  pictus  Goldf.  Nach  Angabe  von  Delbos  bei 
Hartmanns  weiler. 

3.  FectuncuZus  obovdtus  Lahk.  Nach  Delbos  bei  Hart- 
mannsweiler. 

4.  lAidna  annuUf^a  Sandb.  Nach  Delbos  bei  Hart- 
mannsweiler. 

5.  iMdna  divaricata  Lamk.  Nach  Delbos  bei  Hart- 
mannsweller. 

6.  Cardtti/m  Itavlini  Heb.  Nach  Delbos  bei  Hart- 
mannsweiler. 

7.  Cyrena  cofwexa  Bbong.  (=8eniistri(Ua  Desu.)  Nach 
Delbos  bei  Hartmannsweiler.  Die  Schicht,  in  welcher 
die  Art  vorkommt,  ist  nicht  bezeichnet;  auch  ist  nicht 
bemerkt,  ob  sie  sich  mit  den  anderen  Arten  zusammen- 
findet. Obwohl  die  Art  im  Mainzer  Becken  nur  in  den 
Cyrenenmergeln  vorkommt,  so  ist  zu  bedenken,  dass 
dieselbe  im  Pariser  Becken  und  in  England  schon  im 
Unteroligocän  auftritt  und  sich  am  Oberrhein  im  Mit- 
teloligocän  (Breisgauer  Blätterschichten)  nach  Sandbebgeb 
(Mainz.  Becken,  pg.  309)  findet.  Ferner  wurde  sie  schon 


■  «■MtflBMl 


230 


aus  den  wahrscheinlich  unteroligocänen  Steinmergeln  von 
Eff ringen  in  Ober-Baden  erwähnt. 
8.  Corbictda  donadna  A.  Braun.  Von  Delbos  ohne 
weitere  Angabe  von  Hartmannsweiler  erwähnt;  sie 
soll  sich  auch  in  den  Mergeln  von  Meroux  (Haut-Rhin) 
finden.  Diese  Art,  welche  der  vorigen  äusserlich  gleicht 
und  in  den  miocänen  Carbicula'&chichten  des  Mainzer 
Beckens  vorkommt,  ist  mir  noch  etwas  zweifelhaft.  Ihr 
Vorkommen  in  den  blauen  Mergeln  mit  Ost  cäUifera 
und  den  zahlreichen  Foraminiferen  wäre  sehr  merk- 
würdig. Dieselbe  wird  daher  wohl  aus  einer  höhern 
Schicht  stammen,  oder  es  dürfte  ein  Irrthum  bei  der 
Bestimmung  vorliegen. 

Fische. 

1.  lAi/mna  cuspidata  Ag.  Nach  Angabe  von  Delbos  in 
der  gelben  Kalksteinbank  von  Hartmannsweiler. 

2.  Carcharodon  sp.  Nach  Aussage  und  Beschreibung 
von  Herrn  Zelleb  muss  sich  ein  hierher  gehöriger  Zahn 
in  den  Mergeln  gefunden  haben. 


Foraminiferen. 

Agglutinantia. 

1 .  Atmnodiscus  pellvMdvs  n.  sp.  (cf.  pg.  147).  Findet 
sich  auch  in  den  unteroligocänen  Mergeln  von  Lam- 
pertsloch.  Selten  bei  Bodern.  Tf.  VI,  fig.  1. 

2.  Ha/plaphragniiu/m  placenta  Rss.  Hartmanns- 
weiler, Rodern  und  Aue. 

3.  Maplophrcigmiufn  a^euHdorsattmi  v.  Hamtk. 
Rodern. 


231 

4.  Haplaphrcigmi'u/m  laMdarsatum  Born.  sp.   (Z. 

d.  d.  g.  G.  1855,  pg.  339,    Tf.   XVI,    fig.    4.)   Sehr 
selten  bei  Ködern. 

5.  Haplophra>gmiv/m  deforme  n.  sp.  (cf.  pg.  197). 
Selten  bei  Hartmannsweiler,  etwas  häufiger  bei 
Rodern  und  Aue.  Tf.  VIII,  fig.  1. 

6.  Haplophrcigniiuifn  HumboldH  Rss.  Sehr  häufig 
bei  Hartmannsweiler  nebst  var.  latum.  Tf.  VII, fig.  1. 

7.  Maplophragm/tum  Lohsamnense  d.  sp.  (cf. 
pag.  198.)  Hartmannsweiler.  Tf.  VII,  fig.  3,  4. 

8.  JPleccmiv/m  carinatutn  d*Obb.  sp.  Sehr  häufig  bei 
Hartmannsweiler,  ferner  bei  Aue.  Tf.  VII,  fig.  10. 

9.  GiJMänryina  siplwneUa  Rss.  typ.  und  var.  asi- 
phonia  n.  v.  (cf.  pg.  200).  Häufig  bei  Hartmanns- 
weiler. Tf.  vn,  fig.  7. 

10.  Oaudryina  ehUostoma  Rss.  Der  Typus  sehr  häufig, 
seltener  die  var.  globulifera  Rss.  bei  Hartmanns- 
weiler und  Aue.  Tf.  VH,  fig.  8,  9. 

Perforata  oaloarea. 

11.  Lagena  hispida  Rss.  Selten  bei  Aue. 

12.  Ftssurina  glohoaa  Bo&n.  Aue  und  Hartmanns- 
weiler. 

13.  Nodosa/Ha  Ewaldi  Rss.  Rodern  und  Aue. 

14.  Nodosaria  exilia  Xeug.  Rodern,  Aue  und  Hart- 
mannsweiler. 

\b.  Nodoaanria  bacfriditmi  Rss.  Rodern,  Aue  und 
Hartmannsweiler. 

16.  Nodosaria  {DentaZina)  80ltUa  Rss.  Hartmanns- 
weiler und  Aue. 

17.  Nodosaria  {Dentalina)  cansobrtna  ttObb.  Ro- 
dern und  Hartmannsweiler. 


232 

18.  Nodasaria  (Denidlina)  äff.  approximata  Rss. 
Aue.  Weicht  vom  Typus  ab  und  ähnelt  auch  der  N, 
{Dent)  Suleensis  von  Sulz  und  Aue. 

19.  Nadosaria  (Denidlina)  VemeuiU  itOrb.  (For. 
foss.  du  B.  de  Vienne,  pg.  48,  Tf.  n,  fig.  7,  8.  — 
Z.  d.  d.  g.  G.  1855,  pg.  324,  Tf.  Xm,  fig,  8.)  Aue 
und  Rodern« 

20.  Nodosm  {DenUUina)  cf.  inomata  dObb.  Fragmente 
von  Hartmannsweiler. 

21.  Nodosaria  {DenidUnä)  pungens  Rss.  Aue  und 
Hartmannsweiler. 

22.  JTod.  (penialina)  capitata  Soll.  yar.  Buchi  Bss. 
Hartmannsweiler. 

23.  NodOM/Ha  Herrmanni  n.8p.  (cf.  pg.  205).  Hart- 
mannsweiler. Tl  X,  fig.  2. 

—  Ifodasaria  sp.  sp.  Bruchstücke  yerschiedener  an- 
derer Arten.  Hartmannsweiler,  Aue  und  Rodern. 

24.  Cflandulina  UieHgaia  dOsb.  Hartmannsweiler. 

25.  dandulina  gracUis  Rss.  Aue.  Nicht  so  spitz  wie 
auf  der  Abbildung  Yon  Reüss  (Septth.,  pg.  21,  TL  H, 
fig.  25—27). 

26.  BuUetiia  can^pressiuacula  Rss.  Aue,  Rodern  und 
Hartmannsweiler. 

27.  FtiUefiia  buUoides  dObb.  sp.  Aue,  Rodern  und 
Hartmannsweiler. 

28.  CritMiaria  spu  Aehnlich  der  Crist  degans  y.  Hantk. 
(Clayulina  Szaböi-Sch.),  jedoch  in  der  Totalgestalt  mehr 
gekrümmt.  Ein  Exemplar  yon  Hartmannsweiler. 

29.  CrisU  (Bobnlina)  tangenHalis  Rss.  Hartmanns- 
weiler. 

30.  CWM.  {Bobiilina)  cf.  ang^iMmargo  Rs&  (Z.  d.  d. 
g.  G.  1851.  pg.  67,  Tf.  IV.  fig.  22.)  Hartmannsweiler. 


233 

3 1 .  Cri^m  (jRobulina)  depav/perata  Rss.  Meist  Formen, 
die  zu  var.  callifera  Rbs.  hinneigen.  Hartmanns- 
weiler. 

32.  Crist.  (jRobiUinä)  condnna  Rss.  (Sitzungsber.  d. 
k.  Ak.  der  Wiss.,  Bd.  48,  pg.  52,  Tf.  V,  fig.  58.)  Aue. 

33.  Christ.  {BobuHna)  simplicissima  Rss.  Aue. 

34.  Cfrist.  (jRobiUina)  pHnceps  Rss.  Hartmanns- 
weiler. 

35.  Crlst.  (Bobulinä)  Alherti  n.  sp.  (cf.  pg.  209).  Hart- 
mannsweiler. Tf.  IX,  fig.  24. 

—  Andere  Cristellarien  und  Bobulinen  namentlich  von  Hart- 
mannsweiler. 

36.  JPolymorphina  (OlobtUinä)  gibba  d*Obb.  Hart- 
mannsweiler,  Bodern  und  Aue. 

37.  JPolymorphina  {ChJMulinä)  obtusa  Bobn.  Hart- 
mannsweiler. 

38.  Polymorphina  {CMtuUna)  prohlema  d'O&b. 
var.  deltoidea  Bss.  Hartmannsweiler  und  Aue. 

39.  Po^j/^ito^Aina ((Tulfi^ina)  toneeo2a^a Rss.  Hart- 
mannsweiler. 

40.  JPolymorphina  (Outtulina)  sororia  Rss.  (£xtr. 
des  Bull,  de  l'Acad.  roy.  de  Belg.,  U.  s6r.,  Tm.  XV,  1, 
pg.  17,  Tf.  n,  fig,  25—29.  —  Sitzungsber.  Bd.  48, 
pg.  57,  Tf.  Vn,  fig.  72.)  Aue. 

41.  JPolymorphina  (Cftittulina)  mai^cronata  Tebq. 
(M4m.  d.  la  Soc.  g^ol.  de  France,  IH,  1882,  pg.  133, 
Tf.  XHI,  fig.  37—39.)  Hartmannsweiler  und  Aue. 

42.  TJvigerina  gra^cüis  Rss.  Hartmannsweiler. 

43.  Thrlgerina  sp.  sp.  Aehnliche  Formen  wie  sie  von  Sulz 
erwähnt  wurden  (pg.  210).  Hartmannsweiler. 

44.  Sphaeroidina  varioMUs  Rss.  Aue,  Bodern  und 
Hartmannsweiler. 


234 

45.  BiMmina  inflata  Sb&  Aue,  Rodern  and  Hart- 
mannsweiler. 

46.  FMysUnneUa  HamÜeeni  n«  sp.  Stimmt  mit  der 
F^r  überein,  welche  tok  Habtkeh  (Foraminiferen- 
fiuina  der  Clav.  Szaböi-Sdu,  pg.  44,  TL  Xm,  fig.  17) 
gibt  and  als  P.  eocäna  GäxB.  bezeichnet  Letztere 
weicht  meines  Erachtens  dorch  ihre  Yid  hügligeren 
Kammern  and  tieferen  Nähte  von  der  HASTKxir^schen 
Art  betrachtlich  ab.  Diese  nähert  sich  noch  mehr  der 
P.  aUemans  Schwao.,  ist  aber  nicht  so  zugespitzt  wie 
diese.  Aue,  selten. 

47.  Turrilina  aUaUea  n.  sp.  (cL  re.  212).  Aue,  Bo- 
dern.  Tt  Vm,  fig.  18. 

48.  Batalia  Girardana  Rss.  ty]i.  H&ufig  bei  Hart- 
mannsweiler, Aue  und  Bodern.  Ausserdem  Yar. 
mamillata  n.  v.;  als  solche  bezeichne  ich  die  grossen 
Ezemphire  mit  stark  kugelig  eihobenem  Embryonaltheil, 
wie  sie  sich  bei  Aue  finden.  Tt  IX,  fig.  4. 

49.  £ola{<a9ra<aRss.(Septtii.pg.47,Tf.IV,fig.l7.)Aue. 

50.  Pubrinulina  p^gtnaea  y.  Hastk.  Aue,  Rodern. 
Tf.  vm,  fig.  13. 

51.  PulfHnulina  peirolei  iL  sp.  (d.  pg.  217).  Hart- 
mannsweiler. TL  vm,  fig.  15. 

52.  PulvinuUna  periaia  n.  sp.  (cf.  pg.  216).  Bodern, 
Hartmannsweiler,  Aue.  An  den  beiden  ersten  Orten 
ungemein  häufig.  Tl  YIH,  fig.  12,  a,  i,  c. 

—  JPiUvinMlina  sp.  sp.  Verschiedene  einzelne  Exemplare 
anderer  Arten. 

53.  Pseudotnineatulina  IhOetnpiei  dObb.  sp.  (cl 
pg.  213).  Hartmannsweiler,  Bodern  und  Aue. 

54.  n'wneaiuiifu^WeifUkau/ßliss.UtLTtmsLnnsw eiler y 
Bodern  und  Aue. 


235 

—   Tnjmeatulina  sp.  sp.  Verschiedene  andere  Formen. 

55.  Olohigerina  hulloides  ivOrb.  Aue,  Bodern  und 
Hartmannsweiler. 

56.  Teoctilaria  gra^Mlima  sp.  Tf.  VIII,  fig.  9.  Das 
zierliche  kleine  Gehäuse  zeigt  jederseits  7 — 8  Kammern 
mit  sehr  deutlichen,  tiefen  Nähten  und  ist  nicht  compri- 
mirt.  Die  vier  jüngsten  Kammern  jederseits  sind  bauchig, 
kugelig  und  untereinander  an  Grösse  wenig  verschieden. 
Das  Gehäuse  ist  dreimal  so  lang  als  breit,  endet  unten  in 

einer  feinen  Spitze  und  misst  0,3  mm.  Die  Schale  ist  glatt, 

• 

glänzend  und  sehr  fein  punktirt.  In  der  Gesammtform 
ähnelt  unsere  Art  der  T.  elongaia  y.  Hantk.,  hat  jedoch 
viel  bauchigere  Kammern.  Sie  ist  sehr  selten  bei  Aue. 

57.  Teoctüaria  n.  sp.  ined.  Verwandt  mit  der  T.  sub- 
flabeüiformis  v.  Haktk.  aus  den  Glavulina  Szaböi- 
Schichten,  von  welcher  sie  sich  namentlich  durch  ihren 
mehr  viereckigen Umriss  unterscheidet.  Sehr  selten,  Aue. 

68.  TexMaria  globiger a  Sohwao.  (Foss.  For.  von  Kar 
Nicobar,  pg.  252,  Tf.  VII,  fig.  100).  Sehr  selten.  Rodern. 

59.  TextOarta  aisoHca  n.  sp.  (cf.  pg.  306).  Die  gleiche 
Art  wie  von  Bufach.  Rodern. 

60.  Bolivina  BeyrieM  Rss.  Aue,  Hartmannsweiler 
und  Rodern. 

61.  Bolivina  aff.noMUsy.RxtmK.  Hartmanns weiler. 

62.  CtMsiäulina  oblonga  Ras.  Hartmannsweiler,  Ro- 
dern und  Aue.  An  dem  letzteren  Orte  ungemein  häufig. 
Tf.  X,  fig.  31,  32. 

63.  AllomorpMna  mctetostoma  Karb.  (Sitzungsber. 
d.  k.  k.  Ak.  d.  Wiss.,  Bd.  44,  Abth.  1,  1861,  pg.  448, 
Tf.  n,  fig,  4.)  Aue. 

64.  Allomorphina  trigona  Rss.  var.  obtusa  n.  v. 
(cf.  pg:  225).  Aue.  Tf.  VII,  fig.  11. 


236 


Imperforata  oaloarea. 

65.  Corwuspira  polygyra  Rss.    Hartmannsweiler, 
Rodern  und  Aue. 

66.  Comuspira  itwolvens   Rjss.    Hartmannsweiler 
und  Rodern. 

67.  QuinquelociUina  impressa  Rjss.  Aue. 

Ausser  den  angeführten  Mollusken  und  Foraminiferen  fanden 
sich  noch  bei  Hartmannsweiler  einige  wenige  Ostracoden 
(Cyiherella  sp.  etc.)  und  zuweilen  grössere  Parthien  von  ver- 
kohltem, sehr  schwefelkiesreichem  Holz. 

Aus  der  vorstehenden  Liste  erhellt,  dass  die  Foraminiferen 
der  ober-elsässer  Mergel  im  Wesentlichen  die  gleichen  sind  wie 
im  Septarienthone  des  Unter-Elsass.  Alle  wichtigen  und  häu- 
figen Formen  stimmen  überein,  während  nur  wenige  von  den 
seltneren  Arten  fehlen  oder  durch  andere  Species  ersetzt  werden. 
Die  Uebereinstimmung  mit  dem  Septarienthontypus  von  Lobsann 
ist  eine  viel  grössere  als  mit  demjenigen  von  Heiligenstein, 
nur  dass  im  Ober-EIsass  die  agglutinirten  Formen  vielleicht 
eine  noch  grössere  Rolle  spielen,  und  die  Textilaroideen  mannig- 
faltiger sind.  Chilostomeüa  cylindroides ,  welche  für  Lobsann 
bezeichnend  ist,  habe  ich  im  Ober-Elsass  nicht  beobachtet,  wäh- 
rend daselbst  zwei  Allomorphinen  vorkommen.  In  diesem  einen 
Punkte  ist  also  eine  grössere  Aehnlichkeit  mit  der  Fauna  von 
Heiligenstein  vorhanden.  Die  grosse  Häufigkeit  der  Cassp- 
dulina  oblonga^  welche  im  Unter-Elsass  recht  selten  war,  deutet 
auf  die  Verwandtschaft  der  ober-elsässer  Mergel  zu  den  Meletta- 
Schichten  hin. 

Blicken  wir  am  Schlüsse  auf  die  gesanmite  mitteloligocäne 
Foraminiferenfiauna  des  Elsass  zurück,  soweit  sie  in  den  zwei 
vorhergehenden   Gapiteln   behandelt  wurde,  und   versuchen  wir 


1 


237 

ihre  Verwandtschaft  und  ihre  Beziehungen  zu  andern  tertiären 
Foraminiferenfaunen  hervorzuheben. 

Es  wurden  im  ganzen  von  den  7  besprochenen  Fundorten 
91  sicher  bestimmte  Arten  aufgeführt  S  welche  sich  folgender- 
massen  vertheilen. 

Bei  Lobsann 65  Arten. 

„    Drachenbronn 38      „ 

n    Sulz  unter  dem  Wald.     52      „ 

„    Heiligenstein 21       „ 

„    Hartmannsweiler  ...     38      „ 

„    ßodern 28      „ 

»    Aue 38      „ 

Diese  91  Species  gehören  zu  31  Gattungen.  Mit  Hinzu- 
nahme der  Clavulina  sp.  ined.,  der  Frondicularia  sp.  ined.  und 
der  Spiroloculina  sp.  ined.  sind  34  Foraminiferengattungen  im 
Elsass  vertreten  ^  Die  Arten  vertheilen  sich  auf  die  3  grossen 
Hauptordnungen  so,  dass  wir  11  Agglutinantia^  74  Perforata 
ccUcarea  und  nur  6  Imperforata  calcarea  haben.  Die  zweite  Ord- 
nung überwiegt  also  bei  weitem,  während  die  überhaupt  an 
Formenmannigfaltigkeit  ärmeren  Aggluiinantia  immerhin  noch 
reichlich  vertreten  sind,  und  die  Imperforata^  d.  h.  Comuspiridae 
Und  MiUiolidae  sehr  zurücktreten.  Die  Biloculinen,  von  welchen 
4  Arten  im  Septarienthon  des  Mainzer  Beckens  und  3  im  nord- 
deutschen Septarienthon  vorkommen,  fehlen  auffallender  Weise 
bisher  ganz  im  Elsass'.  Hingegen  zeigt  der  elsässer  Septarienthon 


t.  Alle  mit  cf.  oder  alT.  bezeichneten  Formen,  sowie  die  sp.  ined.  ond  die 
Varietäten  sind  nicht  mitgezählt. 

2.  Nach  dem  Vorgang  von  Rsuss  sind  die  Nodosarien  und  Dentalinen,  Cristel- 
iarien  and  Robulinen,  sowie  die  Polymorphinen  (Guttulina  ^  GlolnUina  etc.)  nicht 
getrennt. 

3.  Neuerdings  erwähnt  Dsecke  {Foraminiferenfauna  der  Zone  des  St.  Hum- 
phriesianum  im  Unter-Elsass.  Abh.  z.  g.  Sp.  v.  Els.-Lothr.  1884,  lY,  1,  pg.  4;  eine  Bilo- 
culina  sp.,  die  aus  dem  Tertiär  stammen  und  durch  einen  Zufall  in  die  jurassischen 


238 

Elemente  wie  IVandicularia,  PleurostameUa,  Cassidulina  und  Vtr" 
gulina,  die  sonst  in  demselben  za  den  nngewöhnüchen  Eischei- 
nnngen  gehörend  Die  Hauptmasse  fast  aUer  elsasser  Schlemm- 
proben besteht  ans  Aggluimantia  ^  während  sich,  wie  auch 
anderwärts,  im  Septarientbon  die  Cristellarien,  Nodosarien,  wie 
auch  IhinccUulina,  FulvinuUna  und  BoiciUa  durch  Formenfulle 
auszeichnen. 

Die  beiden  wichtigsten  Septarienthoniauneny  die  bisher 
genauer  erforscht  wurden,  sind  diejenigen  des  Mainzer  Beckens 
(Offenbach,  Kreuznach,  Eckardroth  etc.)  und  Norddeutsch- 
lands (Hermsdorf,  Freienwalde,  Pietzpuhl,  Stettin, Söllin- 
gen,  Salzgitter  etc.). 

Im  Mainzer  Becken  fanden  sich  112  Arten  S  darunter 
5  AggluHnanUay  1 9  Imperfarata  und  88  Perfaraia.  44  von  diesen 
Formen  stimmen  vollständig  mit  elsasser  Formen  nberein,  wäh- 
rend manche  andere  sich  denselben  nahe  anschliessen.  Bei  dieser 
relativ  geringen  Zahl,  welche  nur  48,4  %  von  den  im  Elsass 
vorkommenden  Arten  beträgt,  ist  jedoch  zu  bemerken,  dass 
grade  die  häufigsten  und  charakteristischesten  Formen  Ueber- 
einstimmung  zeigen ,  und  dass  sich  sogar  die  gleichen  Varietäten 


Mergel  Ton  Heil  igen  stein  gerathen  sein  soll.  Ich  habe  die  Irt  leider  nicht  ge- 
sehen. Immerhin  macht  es  die  obige  Notiz  wahrsdieiolich,  dass  man  im  Oligocän  des 
Elsass  noch  mit  der  Zeit  Biloculinen  auffinden  wird. 

1.  Die  einzige  Frondicularie  des  Septarienthons  ist  Fr.  seminMda  Rss.,  die 
nar  bei  Rermsdorf  vorkommt,  wo  sie  häufig  ist.  CasMuihui,  VirguUna  und  Pteu- 
rostonieüa  waren  meines  Wissens  bisher  aus  demselben  nicht  bekannt  Ich  fand 
jedoeh  CassiäuUna  obUmga  Rss.  auch  im  Septarientbon  (resp.  Fischschiefer)  too 
Flörsheim  bei  Frankfort,  während  in  der  Sammlung  des  Herrn  Dr.  Steinmann 
sich  ein  Eiemplar  von  VirguNna  aus  dem  Mitteloligocän  von  Ratingen  befindet, 
das  der  F.  MtrMersi  Cz.  offenbar  sehr  nahe  steht  Ferner  war  in  der  gleichen 
Sammlung  von  demselben  interessanten  Fundort  Ratingen  ein  Stock  von  Pleu- 
rosiomeUa  BatUkeni  m.,  welches  mit  demjenigen  von  Aue  ident  ist 

2.  Mit  Hinzunahme  der  Cass,  obUmga  Rss.  und  der  Rot,  aUaUea  m.,  die 
ich  bei  Flörsheim  fand. 


239 

wie  im  Septarienthon  des  Mainzer  Beckens  und  Norddeutsch- 
lands wiederfinden.  So  z.  B.  die  var.  globuUfera  Rss.  von  der 
Gaudryina  chüostoma  Rss.,  die  var.  eüipüca  Rss.  und  die  var. 
inflata  Bobn.  von  der  Olandulina  laevigata  d'Obb.,  die  var, 
Ermani  (Bobn.)  von  der  Quingueloculina  triangularis  d'Obb. 
und  andere.  Im  norddeutschen  Septarienthon  kommen  an  190 
Arten  vor,  wovon  62  sich  im  Elsass  wiederfinden,  also  68,i  Vo 
der  elsässer  Gesammtfauna.  Es  ist  hierbei  zu  bedenken,  dass 
wir  das  gleiche  Verhältniss  wie  im  Mainzer  Becken  haben,  und 
dass  die  nicht  übereinstimmenden  Arten  zumeist  die  seltenen, 
nur  in  wenigen  Exemplaren  beobachteten  Formen  sind.  Im 
ganzen  befinden  sich  unter  den  9 1  Arten  des  elsasser  Septarien- ' 
thones  68  Arten,  die  auch  anderwärts  im  Septarienthon  ange- 
trofien  werden,  also  immerhin  74,?  Vo*  Hierzukommen  16  neue 
für  das  Elsass  eigenthümliche   Arten  und   7  Formen,   die  fflr 

verschiedene  andere  Schichten  bezeichnend  sind.  So  finden  sich  1 

TruncaiuUna  pygmaea  v.  Hantk.  und  Haplophragmium  acutp- 
dorsatum  v.  Hakte,  in  den  unteroligocänen  Glavulina  Szaböi- 
Schichten,  Robulina  principes  Rss.  im  Oberoligocän,  Polymorphina 
(Guttulina)  mucronata  Tebq.  im  Eocän  des  Pariser  Beckens 
bei  Vaudancourty  Äüomorphina  macrostoma  Kabb.  im  Tegel 
von  Vöslau,  Möllersdorf  etc.,  BüHmina  inflataSKQ.  im  Neogen, 
ebenso  wie  die  TextUaria  globigera  Sohwag. 

Eine  Verwandtschaft  zu  anderen  grossen  Foraminiferen- 
faunen,  wie  z.  B.  deijenigen  des  Pariser  Beckens,  welche  neuer- 
dings durch  die  Arbeit  von  Tebquem^  genauer  bekannt  wurde, 
ist  kaum  vorhanden.  Es  sind  nur  ganz  wenige  Formen  denselben 
gemeinsam.  Grösser  sind  die  verwandtschaftlichen  Beziehungen 
zu  der  miocänen  Fauna  des  Wiener  Beckens,  ganz  wie  es  auch 


t.  Les  Foraminiföres  de  Töocöne  des  environs  de  Paris.  1882.  M^m.  Soc.  gtol. 
de  France. 


240 

bei  der  Fauna  anderer  Septarienthonfiindpunkte  der  Fall  ist. 
SchliessUch  tritt  eine  nicht  zu  leugnende  Aehnlichkeit  mit  der 
Fauna  der  unteroligocänen  Clavulina  Szaböi-Schichten  von 
Ungarn  hervor. 

Die  geringe  Uebereinstimmung  mit  der  französischen  Fauna 
und  die  grössere  Hinneigung  zu  den  älteren  und  jüngeren  Faunen 
des  südöstlichen  Europa  scheint  keine  ganz  zufällige  zu  sein, 
zumal  da  sie  noch  durch  einen  anderen  Umstand  unterstützt 
wird,  nämlich  durch  die  Identität  gewisser  mitteloligocäner 
Fischformen  des  Elsass  mit  solchen  der  nördlichen  Karpathen. 
Wir  werden  somit  zu  der  Annahme  gedrängt,  dass  wenigstens 
zur  Zeit  des  späteren  Mitteloligocäns  (Rup^lien)  der  elsässer 
Meeresarm  einerseits  frei  mit  den  Meeren  des  Mainzer  Beckens 
und  der  grossen  norddeutschen  See  communicirte,  andererseits 
dass  im  Süden  und  Südosten  möglicherweise  durch  die  Schweiz 
über  Oberbayern  (Fischschiefer  von  Traun  stein)  und  über 
Wien  ein  Zusammenhang  mit  dem  Pannonischen  Meere  stattfand. 


241 


VL  Die  Amphisyle-Schicliten  im  Elsass 

und  am  Oberrhein. 


Wichtigste  Litteratnr 
über  die  Amphisyle-Scliieliten  im  Allgemeinen. 

1839.  ScHiMPER,  W.  P.  Poissons  fossiles  dans  la  molasse  du  Haut-Rhin. 

Llastitut,  pg.  294. 
1841.  Desgleichen.  L'Instilut,  pg.  262. 
1849.  Hegkel.  Beiträge  zur  Kenntaiss  der  fossilen  Fische  Oesterreichs. 

Denkschr.  d.  k.  k.  Ak.  d.  Wiss.,  1,  210—242,  Tf.    13—17. 

Amphisyle  Heinrichi  abgebildet,  Tf.  20,  üg.  1,  Tf.  25,  fig.  1—2, 

pg.  233. 

1858.  Daubr^e,  A.  Note  sur  la  pr^sence  de  poissons  fossiles  dans  le 

terrain  tertiaire  de  Mulhouse.  —  M6m.  d.  1.  Soc.  d'hist.  nat. 
d.  Strasbourg. 

1859.  KoECHLiN-ScHLUMBERGER,  J.  Notice  sur  Amphisyle  de  BouxNviller. 

BulL  d.  1.  Soc.  g6ol.  d.  Fr.  (2),  XVI,  436. 
1859.  Merian,  P.  Fischabdrücke  von  Pfirt.  Verhandl.  d.  naturf.  Ges.  in 

Basel,  II,  3,  345. 
1859.  ScHiMPER,  W.  P.  Poissons  fossiles  des  schistes  bitumineux  de  Ferrette. 

L'Institut,   30.  Mftrz  1859,  Nr.  1317,  pg.  193  und  15.  Juni 

1859,  Nr.  1328,  pg.  193. 

1861.  GtlMBEL.  Geog.  Beschreibung  des  bayr.  Alpengebirges,  pg.  700. 

1862.  MusTON  et  Parisot.  Notice  sur  le  döpöt  des  schistes  bitumineux 

ä  poissons  de  Froide-Fonlaine.  Actes  de  la  Soc.  jurassienne 
d*6mulation.  Porrentruy,  pg.  155 — 159. 

1863.  Meyer,  H.  von.  Notiz  über  die  Fischschiefer  von  Hammerstein  in 

Ober-Baden.  Jahrbuch  1863,  pg.  449. 
1863.  Sandberger,  F.  Mainzer  Tertiärbecken,  pg.  431. 

in.  16 


242 

1864.  Ludwig,  R.  Palaeonlograptaica  XL  (Teutaculites  maximus  von  Nier- 

stein.) 

1865.  Meyer,  H.  von.  Meletta*Schichten  am  Hipping  bei  Nierstein.  Jahr- 

buch für  Min.  etc.  1865,  pg.  215. 

1866.  Sandberger,  F.  Meletta-Schichten   und  Septarienthon.  Jahrb.  d. 

k.  k.  geolog.  ReichsanstalL  Verhandlungen,  pg.  23. 

1866.  Suess.   Charakteristik   der    Osterreichischen   Terliärablagerungen. 

Silzungsber.  d.  k.  k.  Ak.  d.  Wiss.  Wien,  LIX,  enthält  Stein- 
dachner,  Fische  des  elsässischen  Tertiär. 

1867.  Delbos,  J.  und  Koeghlin-Sghlumberger.  Description  geoL  et  min. 

du  d6part.  du  Haut-Rhin,  11,  pg.  68—72. 

1869.  ßöTTGER,  0.  Beitrag  zur  palaeontolog.  und   geol.  Kenntniss  der 

TertiärformatioQ  in  Hessen.  (Thon  von  Nierstein,  pg.  13.) 

1870.  OuSTALET,  E.  Notice  but  les  couches  ä  Meletta  situöes  ä  Froide- 

Fontaine.  Bull.  d.  1.  Soc.  göol.  de  Fr.  (2),  XXYII,  pg.  380—397. 

1870.  Sauvage,  H.  Notice  sur  les  poissons  de  Froide-Pontaine.  Bull.  d. 

la  Soc.  g6oL  de  Fr.  (2),  XXVII,  397—410. 

1871.  Fritsch,  K.  von.  üeber  einige  neuere  Funde  in  den  ältesten  ma- 

rinen Tertiärschichten  der  Frankfurter  Gegend.  Ber.  d.  Senk, 
natr.  Ges.  1871,  pg.  39. 
1875.  Geyler,Th.  Tertiärflora  von  Stadecken-Elsheim.  Anmerkung,  pg.  11. 
Jahresbericht  der  Senkenberg,  naturf.  Ges.  zu  Frankfurt  a.  M. 
1873/74. 

1879.  Kramberger,  D.  Beiträge  zur  Kenntniss  der  fossilen  Fische  der 

Karpathen.  Palaeontographica.  B.  26,  1879/80. 

1880.  Koch,  G,  Erläuterungen  zur  geol.  Spezialkarte  von  Preussen,  Blatt 

Hochheim,  pg.  10—15. 

1880.  Parisot.  Description  göologique  du  territoire  de  Beifort. 

1881.  MusTON.  Notices  g^ologiques.  Schistes  ä  poissons  de  Froide-Fontaine, 

pg.  77—89. 

1882.  RzEHAK,  A.  Die  Amphisylen-Schichten  der  Umgegend  von  Beifort. 

Verhandlungen  der  geol.  Reichsanstalt  1882,  pg.  151. 


243 


Die  mitteloligooänen  Fisohschiefer  im  Elsass 

und  am  Oberrhein. 

Synonyme:  Amphisyle-Schichten  von  Schimpeb  gleich  Me- 
letta-Scbichten  von  H.  v.  Meybb,  wahrscheinlich  gleich  den 
östreichischen  Smilno-Schiefern  von  Haueb  und  den  Menilith- 
Schiebten  von  UoHENEaoEB. 

Da  die  Amphisyle-Schichten  in  dem  Oberrheingebiete  eine 
wichtige  Rolle  spielen,  so  erschien  es  geboten,  bei  der  Be- 
sprechung des  elsässer  Tertiärs  etwas  ausführlicher  auf  dieselben 
einzugehen,  trotzdem  ich  nicht  viel  neues  zu  dem  bekannten 
hinzuzufügen  vermag.  Die  Litteratur  über  diese  Schichten  ist 
bereits  eine  relativ  grosse,  in  verschiedenen  Zeitschriften  zum  Theil 
in  Form  von  kurzen  Notizen  und  Mittheilungen  zerstreute,  so 
dass  eine  einheitliche  Zusammenfassung  der  bekannten  That- 
sachen  hier  wünschenswerth  erscheinen  dürfte. 

Gegen  die  Mitte  dieses  Jahrhunderts  erregte  die  Ent- 
deckung von  marinen  Fischen  in  der  Molasse  des  oberen 
Rheingebietes,  welche  man  bisher  meist  für  limnisch  gehalten 
hatte,  einiges  Aufsehen  unter  den  rheinischen  Geologen.  Die 
gleichen  Fischformen  waren  etwa  um  dieselbe  Zeit  von  Heckel 
aus  den  galizischen  bituminösen  Fischschiefern  beschrieben  und 
abgebildet  worden,  und  es  war  namentlich  die  Uebereinstim- 
mung  eines  sehr  auffallenden  kleinen  Fisches  aus  der  Fis- 
tulariden-Gattung  der  Amphisyle  Heinricht,  welche  das  Interesse 
in  Anspruch  nahm.  Es  gelang  bald  die  Fischschiefer  an  ver- 
schiedenen anderen  Stellen  des  Rheingebietes  nachzuweisen!  So 
entdeckte  Schill  dieselben  in  Ober-Baden  bei  Hamm  er  st  ein 
und  sandte  die  gefundenen  Fiscbreste  an  H.  v.  Meyeb  zur  Be- 
schreibung  ein.   Mebian   in  Basel    wies   auf  das  Vorkommen 


244 

bei  Brislach  hin.  Mustok,  Pabisot  und  Steindachneb,  sowie 
Saüyage  und  Oubtalst  studierteu  die  Lagerstätte  und  die 
Fischreste  bei  Froide-Fontaine.  Schimpeb  lehrte  die  Fisch- 
reste von  Buchsweiler  in  der  Pfirt  kennen,  welche  er  von 
Herrn  Ch.  ScHLUMSEBaEB  erhalten  hatte.  Zur  Eenntniss  der 
Fischschiefer  im  Mainzer  Becken  trugen  namentlich  Sandbebgeb, 
Ludwig,  H.  v.  Meyeb,  Th.  Geyleb,  von  Fbitsch,  Koch,  Böttgeb 
und  andere  bei.  Eine  für  die  Aufifassung  der  Fischschiefer  be- 
sonders wichtige  Notiz  wurde  von  Sandbebgeb  1866  publicirt, 
in  welcher  er  die  Gleichalterigkeit  der  Fischschiefer  oder  Me- 
letta-Schichten  mit  dem  Septarienthon  nachwies.  Er  betont  in 
dieser  Notiz  die  Uebereinstimmung  der  fossilen  Fische  des  Sep- 
tarienthones  von  Nier stein  mit  denen  der  elsässer  Amphisjle- 
Schichten,  welche  von  H.  v.  Meteb  nachgewiesen  worden  sei. 
Er  gibt  ferner  an,  dass  die  von  Schill  bei  Hamm  er  stein 
gefundenen  Fischschiefer  unzweifelhaft  über  den  Repräsentanten 
des  Meeressandes  von  Alzey  liegen,  und  dass  nach  einer  Mit- 
theilung von  Gümbel  an  der  blauen  Wand  bei  Traunstein 
in  Ober-Bayern  die  Fischschiefer  zwischen  Meeressand  und  Cy- 
rcnenmergel  eingeschaltet  sind.  Es  ist  also  hiermit  das  mitteloli- 
gocäne  Alter  sowie  die  Aequivalenz  der  Fischschiefer  mit  dem 
Septarienthon  dargethan.  Diese  Ansicht  bestätigt  sich  auch  bei 
näherer  Betrachtung  der  anderen  Fischschieferfundpunkte ,  und  zu 
derselben  gelangten  im  grossen  und  ganzen  auch  J.  Kcechlin- 
ScHLUMBEBGEB  uud  Delbos,  indem  sie  die  Fischschiefer  in  ihr 
unterstes  Miocän  unmittelbar  über  das  Tongrien  verlegten. 

Die  Verbreitung  der  Amphisyle-Schichten  ist  eine  unge- 
wöhnlich grosse.  Dieselben  erstrecken  sich  mit  gleich  bleibender 
petrographischer  Beschafifenheit  von  den  Karpathen  über  Ober- 
Bayern  bis  in  das  Bheingebiet,  wo  sie  sich  an  zahlreichen 
Punkten  des  Oberrheines  und  an  zwei  Punkten  des  Mittelrheines 
wiederfinden.   Im   Süden   ist  die   ächte  Fischschieferfacies  ent- 


245 

wickelt,  während  mehr  nördlich  im  Mainzer  Becken,  bei  Nier- 
stein und  Flörsheim,  schon  durch  das  Vorkommen  von  Leda 
Dehayesiana  und  zahlreichen  anderen  Conchylien  der  voll- 
ständige Uebergang  zum  Septarienthon  bewirkt  wird.  Die  Am- 
phisyle-Schichten  sind  bisher  nachgewiesen: 

In  Oestreich-Üngarn  an  verschiedenen  Punkten  in 
Galizien,  Mähren,  Schlesien  sowie  in  Steiermark,  auf  die  ich 
hier  nicht  näher  eingehen  will.  Es  soll  nur  erwähnt  werden, 
dass  das  einzige  Exemplar  von  Ämphisyle  Heinrichiy  welches 
Heckel  abbildete,  von  Krakowiza  in  Galizien  stammt. 

In  Ober-Bayern  an  der  Wernleithen  bei  Siegsdorf 
unfern  Traunstein. 

In  Ober-Baden  bei  Hammerstein  nördlich  von  Lör- 
rach. 

Im    Ober-Elsass    bei    Buchsweiler  in   der   Pfirt,   bei 

Unter-Magstatt,  Ober-Steinbrunn,  Landser,  Altkirch  im 

Sundgau  und  bei  Aue  und  Guewenheim  unweit  Sentheira. 

In  Frankreich  bei  Froide-Fontaine    zwischen  Mont- 

b^liard  und  Delle. 

In  der  Schweiz  bei  Brislach,  Canton  Solothurn. 
In  Bheinhessen  bei  Nierstein. 
In  der  Prov.  Hessen-Nassau  bei  Flörsheim. 
Der  petrographische  Charakter  der  Schichten  ist  ein  ganz 
gleich  bleibender  am  Oberrhein,  im  Mainzer  Becken  und  in  Ober- 
Bayern;  nur  die  östreichischen  Vorkommnisse  weichen  nament- 
lich durch  das  Auftreten  von  Kieselsäure  als  Menilith  etwas  ab. 
Man  kann  die  Amphisyle-Schichten  als  einen  mehr  oder  weniger 
dünnschieferigen,  bituminösen   Mergelschiefer  bezeichnen.    Der- 
selbe hat  eine  graue,  graubraune  oder  beinahe  schwarze  Farbe. 
Er  ist  im  frischen  Zustande  ganz  weich  und  biegsam  und  lässt 
sich   in   ungemein   dünne    Blättchen   spalten;    nach   dem  Aus- 
trocknen wird  er  ziemlich  hart  und  nimmt   eine  hellere  Farbe 


246 

an.  Beim  Erhitzen  verbreitet  derselbe  einen  starken  bituminösen 
Geruch.  Es  liegt  eine  quafa'tative  Analyse  des  Fiscbschiefers  von 
Froide-Fontaine  vor,  welche  von  Herrn  Chb.  Mook  auf 
Veranlassung  von  Herrn  Muston  gemacht  wurde*.  Es  fanden 
sich  namentlich  Calcium  und  Aluminium,  eine  nicht  unerheb- 
liehe  Menge  von  Eisen,  sowie  Spuren  von  Kalium  und  Natrium. 
Von  Säuren  wurden  neben  Kohlensaure  und  Kieselsäure  Spuren 
von  Schwefelsäure  und  Salzsäure  nachgewiesen.  Ausserdem  fand 
sich  in  nicht  erheblicher  Menge  Bitumen. 


Oestreichische  Fischschiefer. 

Es  ist  hier  nicht  geeignet,  auf  die  östreichischen  Fisch- 
schiefer näher  einzugehen,  zumal  da  ich  dieselben  nicht  aus 
eigener  Anschauung  kenne.  Ich  will  nur  erwähnen,  dass  man 
in  Oestreich  2  verschiedene  Horizonte  mit  Meletta  unterscheidet, 
von  welchen  der  ältere  durch  Meletta  crenata  und  Amphisyle 
gekennzeichnet  ist,  wähi*end  sich  in  dem  anderen  jüngeren 
neogenen  Fischschiefer  namentlich  die  Meletta  sardinites  findet. 
Nur  die  ersteren  können  hier  zum  Vergleich  herangezogen 
werden.  Man  hat  dieselben  auch  Smilno-Schiefer  oder  Menilith- 
Schichten  nach  dem  darin  vorkommenden  Menilith  genannt.  Ihre 
Schichten  sind  im  Gegensatze  zu  den  jungtertiären  Fischschiefern 
meist  aufgerichtet  und  zeigen  nicht  mehr  ihre  ursprüngliche 
Lagerung.  Der  Verbreitung  in  Schlesien,  Mähren  und  Galizien 
wurde  schon  gedacht,  und  ebenso  das  mehr  isolirte  Vorkommen, 
welches  Stub  in  Steiermark  bei  Wurzenegg  und  Prasberg 
nachwies,  erwähnt.  Die  Smilno-Schiefer  bilden  das  zweite  pe- 
troleumführende Niveau  der  Nord-Karpathen  (Ropianka,  etc.), 
während  im  Elsass  die  Petroleumflötze  tiefer  liegen  und  noch 


1.  MosTON.  Notices  g^ol.,  pg.  79,  188i.  Montb^üard. 


247 

nicht  in  den,  wie  es  scheint,  nicht  sehr  mächtigen  Amphisyle- 
Schiefern  beobachtet  wurden.  In  den  tiefsten  Schichten  des 
gleichalterigen  Septarienthons  hingegen  fand  ich  im  Unter-Elsass 
bei  Drachenbronn  noch  kleine  Bitumensandflötze. 

Die  Fauna  der  östreichischen  Amphisyle-Schichten  war 
früher  schon  zum  Theil  durch  Heckel  bekannt  geworden  und  ist 
neuerdings  von  Ebambebgeb  eingehender  studiert  und  vervoll- 
ständigt worden.  Derselbe  gelangte  zu  dem  Besultat,  dass  die 
Fauna  der  Earpathen-Fischschiefer  (namentlich  von  Baschka) 
noch  am  meisten  Aehnlichkeit  mit  der  obereocänen  Fischfauna 
von  Glarus  besitzt,  dass  aber  der  Totalcharakter  der  ersteren 
jedenfalls  ein  etwas  jugendlicherer  ist.  Ob  die  östreichischen 
Fischschiefer  absolut  gleichalterig  mit  denjenigen  des  Elsass 
sind,  lässt  sich  wohl  noch  nicht  mit  voller  Sicherheit  entscheiden; 
es  wäre  möglich,  dass  dieselben  eine  grössere  Zeitspanne  um- 
fassen und  noch  tiefer,  etwa  bis  in  den  Meeressand  (Tongrien) 
hinabreichen. 

Zum  Vergleich  mit  den  rheinischen  Amphisyle-Schichten 
gebe  ich  nachstehende  Liste  von  Karpathen-Fischen,  wie  sie 
Ebambebgeb  (Palaeontographica,  Bd.  26  [1879  —  1880],  pg.  67) 
anführt  ^ : 

K  Lepidopus  leptospondylus  Heck.  sp.  (Baschka,  Kra- 
kowiza,  Neuhof,  Nicolschitz.) 

2.  Lepidopus  brevispondylus  Heck.  sp.  (Baschka,  Ofen 
in  Ungarn.) 

3.  Lepidopus  dubius  Heck.  sp.  (Baschka,  Maunitz.) 

4.  Lepidopus  (?)  carpaticus  Ebamb.  (Baschka.) 

5.  Hemirhynchus  Zitteli  Ebahb.  (Baycza  bei  Saybusch.) 

6.  Palaeorhynchum  sp.  Schwanzflosse.  (Erakowiza.) 


1.  Ebenfalls  za  vergleichen  ist  bier  Dr.  D.  Krambergeb,  Bemerkungen 
zur  fossilen  Fischfauna  der  Karpathen.  Verhandlungen  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt 
1882,  Nr.  7,  pg.  111—114. 


248 

7.  Gohius  leptosomus  Ebamb.  (Baschka.) 

8.  Gohius  macroactus  Ebamb.  (Wola  radiziszowska.) 

9.  Amphisyle  Heinrichi  Heck.  (Krakowiza.) 

10.  Merliicius  elongaitis  Kb,amb.  (Baschka,  Krakowiza.) 

11.  Merlucius  latus  Ebamb.  (Baschka.) 

12.  Meletta    longimana    Heck.   (Krakowiza,  Maunitz, 
Nikolsburg.) 

13.  Meletta  crenata  Ei^ck.  (Baschka,  Na  Bykowca,  Za- 
kliczyn.) 

14.  Meletta  sardinites  (?)  Heck.  (Wola  radiziszowska.) 

15.  Leuciscus  polysarcus  Ebamb.  (Baschka.) 

Fischschiefer  in  Bayern. 

Ueber  die  Fischschiefer  an  der  Wernleitben  bei  Siegs- 
dorf unfern  Traunstein  ist  mir  wenig  bekannt.  Sie  lagern 
nach  Gümbel  zwischen  dem  Meeressand  und  den  Cyrenen- 
Mergeln,  und  es  sollen  die  schwarzen  Schiefer  von  diesem  Orte 
petrographisch  ganz  mit  denen  des  rheinischen  Beckens  nach 
Angabe  von  Sandbebgeb  übereinstimmen.  H.  y.  Meyeb  fand  in 
denselben  Meletta-Schufipen  (wohl  M.  crenata  Heck.)  und  cha- 
rakteristische ungetheilte  Flossenstrahlen,  wie  sie  auch  bei  Ham- 
merstein und  Ni  er  stein  vorkommen*.  Gümbel  erwähnt  Pa- 
laeorhynchum  sp.  nov.  (Bayr.  Alpengeb.  1861,  p.  700.) 

Fischschiefer  am  Oberrhein. 

Die  oberrheinischen  Fundstellen  von  Amphisyle -Schichten 
sind  zahlreich;  ich  kenne  deren  10,  die  zumeist  dem  Elsass 
angehören.  Die  Fischschiefer  überlagern  im  Sundgau  die  Aequi- 
valente   des  Meeressandes,    d.   h.   die    blaugrauen  Mergel   des 


1.  Wohl  die  gleichen  Flossenstrahlen  finden  sich  auch  bei  Bnchsweiler 
im  Ober-Elsass  und  bei  Flörsheim;  es  sind  vielleicht  die  radii  branchiostegi  Ton 
Palaeorhynchum?  nach  Rzehak. 


249 

Tongriens,  wie  dies  namentlich  bei  den  erst  neuerdings  auf^ 
gefundenen  Fischschiefern  von  Altkirch  keinem  Zweifel  unter- 
liegt. Die  Fischschiefer  finden  sich  jedoch  auch  auf  dem  Me- 
lanienkalk südlich  von  Mälhausen,  den  sie  direkt  bei  Unter- 
Magstatt,  Landser  und  Ober-Steinbrunn  zu  überlagern 
scheinend  Auf  dem  obereocänen  Melanienkalk  wurde  bisher 
keine  Spur  von  Meeressand  bemerkt'.  Andere  als  diluviale 
Schichten  fanden  sich  nur  bei  Ober-Steinbrunn  über  den  Fisch - 
schiefern,  indem  nach  Angabe  von  Delbos  die  Blättersandsteine 
von  Habsheim  —  Bixheim  hier  an  ihrer  Basis  in  Schichten 
übergehen,  welche  petrographisch  mit  den  Amphisyle-Schichten 
stimmen,  jedoch  keine  Fossilien  geliefert  haben. 

Das  nördlichste  Vorkommen  ist  dasjenige  von  Aue,  welches 
schon  auf  pg.  103  und  228  besprochen  wurde.  Es  scheint,  dass  an 
dieser  Stelle  die  Fischschiefer  mit  Mergeln,  welche  dem  Septarien- 
thon  ähneln,  wechsellagern  und  nicht  scharf  davon  zu  trennen  sind, 
wie  im  Mainzer  Becken.  Aus  einer  der  kleinen  Gruben,  in  welcher 
Fischschiefer  gewonnen  wurden,  konnte  ich  auch  etwas  mehr 
plastische,  graue  Mergel  entnehmen.  Dieselben  enthielten  eine 
viel  reichere  Foraminiferenfauna,  welche  ganz  an  diejenige  der 
schon  besprochenen,  aus  anderen  naheliegenden  Gruben  ge- 
wonnenen Mergel  von  Aue  erinnerte.  Es  scheint  also^  als  ob 
der  Beichthum  an  Foraminiferen  hier  sehr  von  der  petrogra- 
phischen  Beschaffenheit  der  Mergel  abhängt,  und  während  die 
bituminösen  Mergelschiefer  mit  Fischresten  in  ihrer  typischen 
Ausbildung  nur  eine  spärliche  Fauna  aufweisen,  so  beherbergen 
die  gleichen  Schichten,  wenn  sie  eine  weniger  schieferige,  mehr 


1.  Die  genauere  Beschreibung  dieser  Fundstellen  findet  sich  in  Delbos  und 
K(ECRLiN-ScHLiiMBERG£R,  DescHption  göol.  du  d^p.  du  Haut-Rhin,  B.  II,  pg.  70—71. 

2.  Die  Blättersandsteine  von  Habsheim— Rixhe im  dürfen  wir  nicht  als 
Aequivalent  des  Meeressandes  ansehen,  da  sie  nach  Delbos  über  den  Fischschiefern 
liegen  sollen.  Sonst  wäre  man  versucht,  sie  mit  den  badischen  Blattersandsteinen 
vom  Alter  des  Meeressandes  zu  parallelisiren. 


250 

plastische  Beschaffenheit  annehmeu ,  sogleich  eine  abweichende 
und  reichere  Fauna.  Die  grauen  schieferigen  Mergel  von  Gue- 
wenheim  sind  zwar  nicht  ganz  typisch  entwickelt  und  haben 
nicht  in  der  Menge,  wie  diejenigen  von  Aue,  Meletta-Schuppen 
und  Pflanzenreste  geliefert,  schliessen  sich  aber  durch  ihre  Fo- 
raminiferenfauna ,  die  allerdings  ungewöhnlich  reich  ist,  doch 
noch  so  nahe  an  die  Fischschiefer  an,  dass  ich  dieselben  einst- 
weilen hierher  steUe. 

Ihre  westliche  Grenze  erreichen  die  Fischschiefer  bei 
Froide-Fontaine.  Sie  stehen  dort  auf  einem  ganz  kleinen  Fleck 
nahe  an  dem  genannten  Dorfe  zu  Tage  an,  konnten  aber  unter 
dem  Diluvium  im  ganzen  Thal  der  Allaine  (vall^e  de  St.  Nico- 
las) verfolgt  werden,  wo  sie  Muston  bei  Charmois,  Eschene 
und  Bourogne  nachwies.  Nach  der  Angabe  dieses  Autors  lagern 
die  Fischschiefer  auf  tongrischer  Molasse  auf,  welche  wir,  wo 
dies  der  Fall  ist,  als  Aequivalent  des  Meeressandes  ansehen 
können.  Ferner  scheint  es,  dass  sich  in  der  Gegend  von  Mont- 
b^liard  ächte  Gyrenenmergel  finden,  welche  Gustalet  als  sandig- 
mergelige Facies  der  Fischschiefer  mit  Cyrenen  und  Ceriihium 
plicatum  betrachtet.  Es  wäre  nach  Analogie  des  Mainzer  Beckens 
anzunehmen,  dass  diese  Schichten  fiber  dem  Fischschiefer  folgen, 
wäre  aber  auch  möglich,  dass  an  dieser  Stelle  keine  scharfe 
Trennung  zwischen  Mittel-  und  Oberoligocän  stattfindet,  und  dass 
die  Cyrenen  in  tiefere  Horizonte  hinabreichen. 

Der  von  dem  vorigen  am  weitesten  entfernte  östlichste  Fund- 
punkt für  Fischschiefer  am  Oberrhein  ist  Hammerstein  unweit 
Lörrach  im  Badischen.  Nach  Sandbeboeb  liegen  die  dortigen  Fisch- 
schiefer über  den  Aequivalenten  des  Meeressandes,  was  mit  den  La- 
gerungsverhältnissen im  äbrigen  Gebiete  in  vollem  Einklang  steht'. 


I.  Nach  Schill   sollen   die   Fischscbiefer   von  Hammerstein   unmittelbar 
über  Bohnerzthonen  (Ob.  Eoc.)  liegen;  cf.  Jahrbuch  1863,  pg.  449. 


251 

Die  am  meisten  nach  Süden  gelegenen  oberrheinischen 
Fischschiefer  finden  sich  bei  Brislach  im  Canton  Solothurn, 
ein  Vorkommen,  auf  welches  schon  von  Mebian  kurz  hinge- 
wiesen wurde.  Gbeppin  gibt  keinen  weiteren  Aufschluss  über 
die  Lagerungsverhältnisse  von  Brislach  und  trennt  die  Am- 
phisyle-Schichten  ofifenbar  nicht  von  seinem  Tongrien.  Einerseits 
liegen  mir  in  der  GBUPPiN'schen  Sammlung  in  Strassburg 
gelbe  Kalksandsteine  mit  Panopaea  Eeberti  Bosq.  von  Bris- 
lach vor,  welche  mit  Sicherheit  zum  Meeressand  gehören;  an- 
dererseits verdanke  ich  der  Güte  des  Herrn  Dr.  Kilian  in  Paris 
Proben  von  typischem  Fischschiefer  von  demselben  Orte,  welche 
Schuppen  der  Meleita  crenata  Heck,  enthielten.  Da  also  bei 
Brislach  einerseits  Meeressand  (Tongrien),  andererseits  Am- 
phisyle-Schiefer  (Rup^lien)  vorkommen ,  so  möchte  ich  vermuthen, 
dass  auch  hier  die  gleichen  Verhältnisse  der  Ueberlagerung  wie 
anderwärts  statthaben. 

In  der  folgenden  Liste  sind  die  bisher  am  Oberrhein 
beobachteten  Fossilien  der  Fischschiefer  zusammengestellt.  Die 
Fische  sind  meist  von  H.  v.  Meyeb,  Saxjyage,  Schimpeb  und 
Steikdachneb  bestimmt  und  beschrieben  worden.  Die  wenigen 
Foraminiferen ,  mit  Ausnahme  der  Clavulina  carrugata  Desh., 
füge  ich  als  neu  hinzu. 

1.  Hypaodon  sp.  Nach  Angabe  von  Schimpeb  bei  Buchs- 
weiler Ob.-Els.  Von  dieser  Gattung,  die  nach  Agassis 
namentlich  in  der  Kreide  von  Lewes  und  im  London- 
thon  von  Sheppy  vorkommt,  fand  ich  nichts  unter  dem 
mir  vorliegenden  Material  von  Buchsweiler. 

2.  Cfybiwm  sp.  Nach  Angabe  von  Schimpeb  bei  Buchs- 
weiler Ob.-Els.  Die  Gattung  findet  sich  nach  Agassis 
auch  im  Obereocän  von  Monte  Bolca  und  im  London-clay 
von  Sheppy.  Ich  habe  in  der  Strassburger  Sammlung 
nichts  dergleichen  gefunden. 


252 

3.  Pcdaeorhynchum  latum  Ag.  Nach  Angabe  von 
Steindachneb  bei  Froi  de -Fontaine.  Die  Art  gehört 
dem  obereocänen  Fiscbschiefer  von  Glarus  an. 

4.  Amphisyle  Seinrichi  Heck.  Nach  der  Bestimmung 
von  Steindaghneb.  Bei  Froide-Fontaine,  Bachs- 
weiler Ob.-Els.,  Hammerstein.  Die  Art  ist  an  den 
beiden  ersten  Orten  recht  häufig  gewesen,  während 
sie  sich  im  Mainzer  Becken  seltener  findet,  und  von 
Krakowiza  in  Galizien  nur  das  eine  HECKEL'sche 
Originalexemplar  (welches  sich  in  Brfinn  befindet)  be- 
kannt geworden  ist.  Die  Amphisylen  von  Buchsweiler 
und  Froi  de- Fontaine  erreichen  eine  viel  bedeutendere 
(fast  die  doppelte)  Grösse  wie  das  östreichische  Exem- 
plar. Die  Stücke  von  Flörsheim*  hingegen,  welche 
ich  mit  denjenigen  von  Buchsweiler  vergleichen 
konnte,  stimmen  ganz  mit  denselben  überein  und  sind 
nur  ein  wenig  kleiner.  Amphisyle  Heinrichi  ist  mit 
Ausnahme  der  A.  longirostris  Blainv.  (Ittiologia  Ve- 
ronese,  Taf.  63,  fig.  2)  die  einzige  fossile  Art  der 
Gattung.  Lebend  existiren  noch  3  Arten,  welche  die  süd- 
asiatischen  Meere  bewohnen  :  A.  scutata  L.  (Ost-Indien, 
China),  A.  punctata  (Mozambique),  A,  strigata  (?  Ost- 
Asien). 

5.  MhineUtis  SchiUi  H.  v.  Meyeb«  Von  Hammerstein. 
(Jahrb.  1863,  pg.  449.) 

6.  Meletta  crenata  Heck.  Froide-Fontaine,  Buchs- 
weiler Ob.-Els.,Nieder-Magstatt;  vereinzelte  Schup- 
pen (?)  Brislach,  Altkirch,   Hammerstein,  Aue. 


1.  Zwei  Exemplare  von  Amphisyle  von  Flörsheim  wurden  mir  gütigst  durch 
Herrn  von  Malzan  in  Frankfurt  zum  Vergleich  überlassen;  andere  befinden  sich  in  der 
Sammlung  des  Senken  bergischen  Institutes. 


253 

7.  MeleUa  langimana  Heok.  {=  M.  Eeckeli  Rzehak.) 
Froide-Fontaine. 

8.  MeleUa  PwtisoU  Sauv.  (Wird  von  Rzehak  nicht  als 
artberechtigt  angesehen.)  Sie  ist  wohl  nur  eine  Varietät 
der  vorigen.  Froide-Fontaine. 

9.  Meleüina  Sahleri  Sauv.  sp.  (Wird  von  Rzehak  zu 
Mekitina  gestellt.)  Froide-Fontaine. 

10.  Melettlna  sp.  Nach  Rzbhak  bei  Nieder-Magstatt. 

11.  Lam^ia  contordUens  Ag.  Froide-Fontaine.  Nach 
Steindaohneb. 

12.  Oxyrhina  hoMalis  Ag.  Froide-Fontaine.   Nach 
Steindaohneb  \ 


13.  Cyftierea  splendida  Meb.    Bei   Froide-Fontaine 
nach  Muston. 

14.  Cyrena  aemisttiata  Desh.   Bei  Froide-Fontaine 
nach  Muston. 


15.  Clavulina  conragata  Desh.  Dieselbe  wurde  nach 
Muston  früher  bei  Froide-Fontaine  in  grosser  Menge 
gefunden*. 

16.  Zagena  catenvlataVfnA^  (Williams  on  the  rec.  brit. 
spec.  of  the  gen.  Lagena  in  an.  and  mag.  of  nat.  hist.,  II. 
ser.,  Vol.  I,  pg.  19,  Taf.  II,  fig.  20.  —  Reuss,  Mo- 
nograph.  d.  Lagenideen.  Sitzungsber.  1862,  pg.  332, 
Taf.  VI,  fig.  75—76.)  Die  Brislacher  Form  stimmt 


1.  Rzehak  (I.  c.)  sah  ferner  noch  in  der  KcscHLiN'schen  Sammlung  grosse 
Pereoidenschuppen,  ferner  Schuppen  eines  Barbus,  ähnlich  denen,  die  er  von  mäh- 
rischen Fundorten  besitzt.  Sehr  grosse  vereinzelte  Schuppen,  die  vielleicht  auch  zu 
Perca  gehören,  finden  sich  im  Fischschiefer  von  Flörsheim  bei  Mainz. 

2.  Ich  habe  die  Art  nicht  erhalten  liOnnen,  und  als  ich  Herrn  Huston  in 
Montb^liard  besuchte,  war  derselbe  leider  so  krank,  dass  er  mir  seine  Sammlung 
nicht  zeigen  konnte.  Im  Museum  von  Montböliard  sah  ich  die  Species  nicht. 


254 

mit  der  Abbildung  fig.  75  bei  Rbübs  und  zeigt 
ebenfalls  nur  72  Längsrippen,  so  dass  sie  zu  den 
grobgenetzten  Formen  der  obigen  Art  gehört,  welche 
noch  jetzt  an  den  Küsten  von  England  und  Norwegen 
lebt.  Brislach,  selten. 

17.  Fisstirina  globosa  Rss.  Brislach,  selten. 

18.  JüTonionina  BuxotyUlana  n.  sp.  Tf.  XI,  fig.  3,  a,  h. 
Das  spiraleingerollte  gleichseitige  Gehäuse  ist  ziemlich 
stark  comprimirt  und  zeigt  meist  an  1 0  schmale,  durch 
bogige  und  tiefe  Nähte  getrennte  Kammern.  Der  Rücken 
ist  ziemlich  spitzwinkelig,  aber  nicht  gekielt.  Auf  bei- 
den Seiten  befindet  sich  eine  schwache  mediane,  nabel- 
artige Vertiefung.  Die  Mündung  war  nicht  zu  sehen. 
Die  Schale  ist  glatt,  glänzend  und  ungemein  fein 
punktirt.  Die  Grösse  beträgt  meist  0,25  mm.  Ziemlich 
selten  bei  Buchsweiler.  Sehr  selten  bei  Brislach, 
Guewenheim  und  Aue. 

19.  Poly^norphina  sp.  Sehr  ähnlich  der  Abbildung, 
welche  Tebquem  (For.  de  l'^oc^ne  de  Paris,  M6m.  Soc. 
g^ol.  de  Fr.  1882),  PI.  XXII,  fig.  38,  von  der  P.  prae- 
longa  Tebq.  gibt.  Da  mir  jedoch  nur  ein  Exemplar 
von  Brislach  vorliegt,  so  ist  die  Identification  mit  der 
sehr  variablen  Form  des  Pariser  Beckens  unzulässig. 

20.  Uvigerina  sp«  Ein  einziges  nicht  sehr  gut  erhaltenes 
Exemplar  von  Aue. 

21.  Virgulina  Mustoni  n,  sp.  Tf.  XI,  fig.  4,  a,  6.  Das 
Gehäuse  ist  spitzkäulenförmig,  nicht  zusammengedrückt 
und  misst  0,6  mm.  Es  besteht  aus  zwei  Kammer- 
reihen, die  spiralig  umeinander  gedreht  erscheinen, 
während  die  Kammern  durch  flache,  aber  deutliche 
Nähte  getrennt  sind.  Die  Schale  ist  glatt,  glänzend 
und  äusserst  fein  punktirt.  Die  Mündung  besteht  aus 


255 

einer  senkrechten  Spalte,  wie  bei  den  Virgulinen  und 
Bolivinen.  Die  Art  unterscheidet  sich  leicht  von  der 
F.  Schreihersi  Cz.  schon  durch  ihre  nicht  comprimirte 
Form,  ihre  flacheren  Nähte  und  ihre  kürzeren  breiteren 
Kammern.  Sehr  selten,  Froide-Fontaine. 

22.  Sphaeratdina  variaiMis  Rss.   Froide-Fontaine. 

2 3 .  Globigerina bidloides d'Obb.  Guewenbeim (häufig), 
Froide-Fontaine,  Brislach. 

24.  Tmncatulina  Wetnkmiffi  Ras.  Brislach,  selten. 

25.  Tim/ncattUina  a/mphisyliensis  n.  sp.Tf.  X,  fig.  30, 
a,  6,  c.  Die  kleine  Art  zeigt  Verwandtschaft  zur  2V.  subloba- 
iula  GuMB.  von  Kressenberg.  Das  Gehäuse  ist  höchstens 
0,2  mm  gross,  auf  der  Nabelseite  stark  gewölbt,  auf 
der  anderen  Seite  flach  oder  sogar  concav  eingesenkt. 
Es  sind  lYt  Umgänge  vorhanden,  die  sehr  schnell  an 
Breite  zunehmen.  Es  sind  auf  der  Nabelseite  8  Um- 
gänge sichtbar,  und  der  Nabel  wird  meist  von  einer 
kleinen,  blasigen  Schalenverdickung  bedeckt.  Die  Kam- 
mern sind  auf  der  flachen  Seite  gerandet  und  lassen 
sich  in  der  Mitte  nicht  mehr  deutlich  von  einander 
unterscheiden.  Die  Schale  ist  glatt  und  glänzend  und 
zeigt  namentlich  auf  der  flachen  Seite  eine  grobe 
Punktirung.  Die  Mündungsspalte  ist  ziemlich  breit  und 
sehr  kurz,  sie  liegt  nahe  an  der  peripherischen  Kante. 
Unsere  Art  unterscheidet  sich  von  T.  sublobatula  Gühb. 
schon  durch  ihre  breiteren  und  in  grösserer  Zahl  vor- 
handenen Kammern.  Sie  findet  sich  bei  Guewen- 
beim, Aue,  Buchsweiler,  Froide-Fontaine. 

26.  JPidvinulina  Kiliani  m  sp.  Tf.  XI,  fig.  1,  a,  b,  c. 
Die  in  den  Fischschiefern  von  Brislach  häufige  Form 
erinnert  in  ihrer  Gestalt  ein  wenig  an  P.  pygmaea 
y.  Hantk.,  welche  sich  im  elsässer  Septarienthon  fand, 


256 

weicht  jedoch  schon   allein  durch  ihre  breite  Nabel- 
ausfüllung ab.   Das    Gehäuse    ist    auf    beiden    Seiten 
massig  gewölbt,  auf  der  Nabelseite  etwas  stärker  als 
auf  der   anderen  und   ermangelt  eines  scharfen  peri« 
pherischen  Kiels.  Es  sind  3  Umgänge  vorhanden,  die 
an  Breite  wenig  zunehmen;  sie  lassen  eine  grosse  An- 
zahl von    Kammern  erkennen,    welche  durch   schiefe 
und  sehr  deutliche  Nähte  getrennt  werden,  und  welche 
an  der   Peripherie   etwas   bogig  gerundet    sind.    Die 
Seite    mit    der   breiten   öfters    undeutlich    körneligen 
Nabelausfüllung  zeigt  8 — 10  Kammern.  Die  Mündung 
bildet  einen  ungemein  feinen  Spalt  an  der  Innenseite 
der  letzten   Kammer.   Die   Schalenoberfläche  ist  fein, 
aber  gut  kenntlich  und  deutlicher  als  bei  P.pygmaea 
punktirt.    Der    Durchmesser    beträgt    0,s — 0,s5    mm. 
Brislach,  Buchsweiler. 
27.  JPulvinvlina  nonioninoides  n.  sp.  Tf.  XI,  fig.  2, 
a,  h.  Das  in  einer  Ebene   Spiral  aufgerollte   Gehäuse 
ist  beiderseits  fast    gleich   ausgebildet,   wie   bei    den 
Nonioninen.   Es  zeigt   8 — 9   Kammern,  welche  durch 
tiefe   Nähte  von  einander  getrennt  werden.  Dasselbe 
ist   etwas   zusammengedrückt   und   auf  beiden  Seiten 
wird  die   Nabelvertiefung  von  kleinen  Körnchen  aus- 
gefüllt. Die  Mündungsspalte  war  in  den  meisten  Fällen 
an  dem   sehr  kleinen   0,2   mm   messenden   Schälchen 
nicht   wahrzunehmen;  bei   einzelnen    Exemplaren    be- 
obachtete ich  jedoch,  dass  dieselbe  nicht  genau  central, 
sondern  etwas  seitlich  gelegen  ist.  Trotz   der  grossen 
Aehnlichkeit  mit  den  Nonioninen,  speciell  mit  N.  gra- 
nosa  d'Obb.,   glaube   ich  die    Art    doch    wegen   der 
schwachen   Ungleichseitigkeit,   die  in    der    Lage    der 
Mündung  hervortritt,  zu  den  Pulvinulinen  stellen  zu 


257 

müssen*,  mit  welchen  sie  auch  in  der  sehr  feinen 
Punktirung  übereinkommt.  Buchsweiler,  Brislach, 
Guewenheim,  an  dem  letzteren  Orte  selten. 

28.  Botalia  sp.  ined.  Eine  sehr  kleine  unscheinbare  Art 
von  meist  0,i  mm  Durchmesser.  Altkirch. 

29.  2%erriZinaafoaffcain. Guewenheim, Buchsweiler. 

30.  JRotaZia  Soldanii  d'Orb.  Ich  bin  genöthigt,  die  bei 
Brislach  vorkommenden  Formen  wegen  ihrer  kurzen 
und  hoch  gelegenen  Mundspalte  und  ihrer  flachen 
Gestalt  zu  der  obigen  Art  zu  stellen.  Sie  scheint  die 
JS.  Girardana  Rss.  des  Septarienthones  in  der  Meletta- 
Facies  zu  vertreten.  Brislach,  Buchsweiler  Ob.-Els. 

31.  JBolivina  Beyrichi  Rss.  Guewenheim. 

32.  Bolivina  meleUica  n.  sp.  Tf.  XI,  fig.  6.  Die  Bo- 
livinen,  welche  sich  relativ  häufig  in  den  Schlemm- 
proben der  Meletta- Schichten  finden,  gehören  zur 
Gruppe  der  B.  Beyrichi  Rss.  und  nähern  sich  einiger- 
massen  den  Formen ,  welche  Eggeb  aus  dem  Miocän 
von  Ortenburg  als  B.  antiqua  d'Obb.  abbildete, 
sind  jedoch  stärker  comprimirt  Das  Gehäuse  hat  eine 
sehr  verlängerte  ovale  Gestalt,  ist  unten  mehr  oder 
weniger  zugespitzt,  seitlich  zusammengedrückt,  aber 
nicht  scharf  gekielt.  Die  Nähte  sind  meistens,  und 
zwar  namentlich  in  der  Mitte,  nicht  sehr  deutlich 
und  werden  öfters  erst  bei  dem  Aufhellen  durch  Gly- 
cerin  besser  kenntlich.  Es  sind  jederseits  an  12  Kam- 
mern vorhanden,  welche  eine  sehr  schiefe  Stellung 
zeigen.  Seitlich  gezackte  Formen,  wie  diese  durch 
eine    mehr    horizontale    Stellung    der    Kammern   bei 


1.  Das  vereinzelte  Auftreten  sehr  ähnlicher  aber  stärker  angleichseitiger  Formen 
im  elsässer  Septarienthon  ^arnt  ebenfalls  vor  der  Vereinigung  der  obigen  Form  mit 
Nonionina, 

m.  17 


258 

B.  Beyrichi  zustande  kommen,  habe  ich  hier  nie  be- 
obachtet. Die   Schale  ist  ziemlich  grob  und  unregel- 
mässig puuktirt.   Die  Länge  beträgt  0,4 — 0,5  mm.  Es 
scheint  als  ob   diese  Species  die  B.  Beyrichi  in  den 
Fischschiefern  fast  ganz   vertritt.   Sie  findet  sich  bei 
Buchsweiler,  Froide-Fontaine,  Brislach,   Aue, 
Altkirch  und  Guewenheim. 
33.  Casaidulina  oblonga  Rss.  Guewenheim,  Buchs- 
weiler. 
Die  Zwischenlagen  von  plastischem  Mergel  in  den  Fisch- 
schiefern von  Aue  zeichnen  sich  durch  eine  reichere  Foramini- 
ferenfauna  aus.  Ich  habe  dieselben  in  der  obigen  Liste  nicht  mit 
berücksichtigt  und   habe  absichtlich  nur  die  Foraminiferen  aus 
den  Schlemmrückständen,  welche  petrographisch  den  Fischschiefer- 
habitus besitzen,  aufgenommen.  Die  Fauna  der  genannten  Mergel 
schliesst  sich  viel  inniger  an  diejenige  von  Rodern,  Aue  und 
Hartmannsweiler    an,   welche    schon,  eingehend    besprochen 
wurde.  Ich  beschi*änke  mich  daher  auf  die  Angabe,  dass  sie  im 
Wesentlichen  übereinstimmen,    dass    jedoch   die   Agglutinantia, 
Nodosarien   und  Cristellarien  nur  sehr  sparsam  vorhanden  sind, 
und   dass  die  Milioliden  und  Cornuspiriden  zu  fehlen  scheinen. 


34.  Sabal  oayyrachis  Stebnb.  sp.     Froide-Fontaine. 
Nach  MüSTON. 

35.  Bfuc€Uyptus   oceanica   üng.     Froide-Fontaine. 
Nach  Muston. 

36.  Sphaerococcüides  nmltlfidus  Brono.  sp.  Nieder- 
Magstatt.  Nach  Delbos.  (=  Zonarites  multifidus,) 

37.  Ceramites  KoecIUini  Heer.     Nieder-Magstadt. 
Nach  Dslbob. 

38.  Hini€mth€UiaaniphiaylaruniScmKP,Buch8Yi eiler 
Ob. -Eis.  Nach  Schimpeb.  (T.  d.  pal.  v^g.  I,  190.) 


269 

39.  Ohara  sp«  Ich  fand  eine  nicht  sehr  gut  erhaltene 
grosse  Gharafrucht  im  Schlemmräckstand  von  Brislach. 

Nach  MuBTON  (1.  c.  pg.  82)  fanden  sich  bei  Bourogne 
und  Eschene  in  einer  Tiefe  von  10  m  Baumstämme  im  Fisch- 
schiefer. Unbestimmbare  kohlige  Pflanzenreste  beobachtet  man 
ferner  an  den  meisten  Fischschieferfundpunkten. 

Fischschiefer  im  Mainzer  Becken. 

Am  Mittelrhein  wurde  die  Ämphisyle  Heinrichi  an  2  Stellen 
gefunden,  bei  Nierstein  in  Rheinhessen  und  bei  Flörsheim 
unweit  Mainz.  Die  Versteinerungen  von  dem  ersten  Funkte 
stammen  aus  einem  Schacht,  der  am  Hipping  abgeteuft  wurde. 
Das  ausgebrachte  Gesteinsmaterial  soll  ganz  das  Aussehen  der 
Fischschiefer  gehabt  haben  und  zeichnete  sich  namentlich 
durch  das  Vorkommen  eigenthümlicher  feinschaUger  Pteropoden- 
formen  aus,  die  in  Menge  plattgedrückt  auf  den  Schichtflächen 
beisammen  lagen  und  von  Ludwig  als  Teniaculites  maximus  ab- 
gebildet und  beschrieben  wurden. 

Der  AufiBchluss  bei  Flörsheim  ist  schon  seit  längerer 
Zeit  ausgebeutet  worden  und  ist  noch  jetzt  zugänglich;  in  Folge 
dessen  ist  eine  grosse  Zahl  von  Fossilien  aus  demselben  be- 
kannt geworden,  nach  welchen  man  ihn  mit  gleichem  Rechte 
zum  Septarienthon  wie  zum  Fischschiefer  stellen  kann.  Ich  habe' 
mich  vergeblich  bemüht,  in  den  grossen  und  tiefen  Lettengruben 
irgend  eine  Grenze  zwischen  den  schiefrigen  und  weniger 
schiefrigen  Mergeln  mit  den  Gjrpskrystallen  zu  finden.  Auch 
habe  ich  mich  davon  überzeugt,  dass  in  beiden  die  Leda  De- 
hayesiana  und  in  beiden  Fischreste  vorkommen;  letztere  sind 
allerdings  an  der  Basis  der  tiefsten,  westlichen  Grube  am 
häufigsten.  Die  an  dieser  Stelle  entnommenen  Proben  gleichen 
vollständig  denen  von  Buchsweiler  im  Ober-Elsass  und  zeigen 


260 

in  ihrem  Schleminrückstaiide  die  qiirliche  Ueine  FonnunifereiH 
fauna  der  Meletta-Schichten. 

Nachstehend  ist  die  Faana  and  Flora  der  Kschschiefer 
des  Mainzer  Beckens,  soweit  sie  bisher  bekannt  ist,  angefahrt, 
and  zwar  Tomehmlich  nach  den  Angaben  yon  Bottges, 
y.  Fbitsch,  Gktleb,  H.  y.  Metxb,  Lübwio,  Koch  and  Sajtd- 


1.  AmphisyU  Heifmchi  Hkck.  Zaerst  Ton  Th.  Gktlss 
bei  Flörsheim  nachgewiesen.  Flörsheim,  Xierstein. 

2.  Meletta  cf.  crenaia  Heck.*  Nierstein. 

3.  Mdeüa  cl  longimana  Heck.  Nierstein. 

4.  Lamna  euspidaia  Ao.  Flörsheim. 

5.  Lamna  contorüdens  Ao.  Flörsheim. 

6.  Lamna  deniictdaia  Ag.  Flörsheim. 

7.  Noiidanus  primigetäHS  Ao.  Flörsheim. 

8.  Notidanus  recurrus  Ao.  Flörsheim.  Nach  gütiger 
Mittheilang  des  Herrn  Dr.  KixKKLni  in  Frankfurt  nfM. 
Eine  Art  ans  der  Molasse  von  Baltringen. 

9.  Spkyraenodus  sp.  Flörsheim.  (Nach  Lepsius)'. 


10.  Croeodilus  sp.  Zähne  and  Platten.  Flörsheim. 

11.  Trionyz  (?)  sp.  Flörsheim. 

12.  HaUtherium  Schimi  Kaüp.  Flörsheim  nach  Angabe  Ton 
Lepsius  (Mainzer  Becken  1883,  pg.  72). 


1.  Meletta  s)i.  ludet  sidi  nacb  ILoci  (L  c  pg.  14)  iQck  im  Sphaerosiderit 
TOD  B recken  heim  im  TaoDUS. 

2.  Ausserdem  noch  Reste  Ton  versdiiedenen  KoocfaenisdieB,  z.  Th.  sehr 
grosser  Arten,  welche  in  letzterer  Zeit  nicht  selten  gefonden  wordeB.  Das  llaterial, 
welches  kh  sammelte,  ist  leider  sehr  nDgenogend;  ich  legte  dasselbe  dem  nerra 
Dr.  DoDEiLEiN  in  Strassburg  iw,  welcher  der  Ansicht  war,  dass  wahrscheinlich 
Trichioriden  und  Seomberoiden  daninter  seien.  Einzelne  Reste  (Fragment  eines 
Kdrperstückes  und  Kiemenhaatstrahlen  |f|)  scheinen  mir  auf  Palaeorhffnckum  hin- 
zudeuten. 


261 

13.  Coeloma  taunicum  H.  v.  Mbteb.  Flörsheim  (Lefsius, 
pg.  72).  Koch  führt  nur  Coeloma  sp.  an.  (K.  v.  Fbitsch, 
Zeitschrift  der  d.  d.  g.  G.,  Bd.  XXIII,  pg.  690—691). 

14.  Ccdianassa  Michelotü  Milne-£dw.  Flörsheim. 

15.  Entomostraceen  bei  Flörsheim  und  Nierstein  nach 

BÖTTGEB. 


16.  Chenopus  speciosus  Schlth.  sp.  Flörsheim. 

17 .  Pleurotoma  turbida  Sol.  Flörsheim. 

18.  Pleurotoma  Selyim  de  Eon.  Flörsheim. 


19.  Leda  Dehayesiana  Duch.  Nierstein,  Flörsheim. 

20.  Nucula  Chasteli  Nyst.  Flörsheim. 

21.  Nucula  aS.piligera  Sandb.  Flörsheim  (nach  Böttgeb). 

22.  Lucina  ienuistriata  Heb.  Flörsheim,  Nierstein. 

23.  Biplodonta    fragilis    A.    Bbaun.     Ni  er  st  ein     (nach 
Ludwig). 

24.  Corbula  gibha  Oliv.  Flörsheim. 


25.  Tentaculites  (?)  maximus  var.  laxeannulatus  Ludw. 
und  var.  dense-annulatus  Ludw.  Nierstein.  (Pal.  XI, 
pg.  318,  Tf.  50,  fig.  21—22.) 


26.  Oaudryina  siphoneUa  Rss*.  Flörsheim^ 

27.  Plecamum  carinatum  d'Obb.  sp.  Ni  er  st  ein. 

28.  Nodosaria  (Dentalina)  soluia  Rss.  Flörsheim. 

29.  Nodosaria  {Dentalina)  dispar  Rss.  Flörsheim. 

30.  Nodosaria  {Dentalina)  2  spp.  Nierstein. 

31.  Glandulina    laevigaia    d'Obb.    var.    inflata    Bobn. 
Flörsheim. 

32.  Frondicularia  sp.  Nierstein. 


1.  Die  mit  *  versehenen  Arten  sind  neu  hinzugefügt. 


262 

33.  CrisUUma  Bötiffoi  Bn.  Flörsheis. 

34.  Pulkmia    c^m^essnuaüa    Bai.    {gamqmdeitmim  BSl) 

Flörsheim. 

35.  PolymorpÜma  (Glo^imd)  sp.  Kiersteia. 

36.  TurrJ'ha  ahaiica  m*  Flörsheim. 
ST.  Eola^ii  Girardina  Bss.  XiersteiB. 

35.  Boiilia  SolJjni  d'Osb.^  Flörsheim.  Fiitrrif  Eiern- 
p!are  nihem  ach  schon  etv»  der  JB.  Girariamm, 
zeigen  ^ber  coch  ei::e  reliliT  knrze  MnndtKSE^ilte. 

39.  i\fJrtW^7/«3  moKk'ommoidss  m.^  Flörsheim. 

40.  Pitirfh^ti'na  dot.  ^.  ined.^  Flörsheim.  Tervnadt 
der  P.  iro^.hformis  m.  Ton  Lobsann,  jedoch  iifhrr 
ncd  mit  einer  grösseren  Kammenahl  «12)  aaf  der 
Xabclseite. 

41.  Tntmcatmli'ßij  amjJii^Hfli^nsis  m.^  Flörsheim. 

42.  Tntncjaluuh'i   U^k^triiha  d'Obb.  sp.  Xierstein. 

43.  TrviK3fw4Vii.j  ireüivjvfi  Bss.*  Flörsheim. 

44.  JBo^'tA/i  m^liTTicj  BL*  Flörsheim. 

45.  B&uri^a  Bf  «mrii  Bss.*  Flörsheim. 

46.  02spij)ä^r%a  o^^om^j  Ess.*  Flörsheim. 

47.  C-yrKityjirj  mroh'TWtS  Bss.  Flörsheim. 
45.  Tn^'>c^?J9iH2  t-miHK^tywfa  BsB.  Flörsheim. 
49.  ^**^ik7.>^iuV*.a  sp.  Xierstein. 


XachsiebezJe  Fä&nzen  sir-d  bisher  Ton  Flörsheim,  Dank 
den  ULteiscchTirzen  Ton  Th.  Gx:ti.sx  l-ekannt  grvorden*: 

50.  Dil^^ssfr\U^   sj^2/iri^:c^:C'i-      52.  Xy^'jtmiUs  sp. 
d^s  Ett.  53.  Z^y&inoi  ^. 

51.  £riM7«kri-'7-j  ««»j^rf  »7..2rsrfK      54.  Xfr^^^^intf      aoSr^ruMnld!» 

SCHIMP.  EVT-L, 


263 


55.  Sequoia  Stemhergi  Ung. 

56.  Finus  sp. 

57.  P.  palaeostrohus  Ett. 

58.  ChamaecyjparisHardtiEjSBij. 

59.  Podocarpus  eocaenica  Ung. 

60.  Ephedrites  Sotzhianus  Ung. 

61.  Casuarina  Haidingeri  Ett. 

62.  Myrica  acuminata  Ukg. 

63.  Populus  sp. 

64.  P.  Heliadum  Ung. 

65.  Carpinus  producta  \]^G. 

66.  Quercus  sp. 

67.  Q.  lonchiiis  Ukg. 

68.  JFVcu5  sp. 

69.  Artocarpidium   olmediaefo^ 
lium  Ung. 

70.  (7mnam(7mtim^o7^m(7i27£uii] 
Al.  Bb. 

11.  C.  Scheuchieri  Ung. 

12.  C.  lanceolatum  Ung. 

73.  (7.  Bossmaessleri  Hbeb. 

74.  Laurus  Ldlages  Ung. 
Ib.  L.  primigenia  Ung. 
76.  Hakea  sp. 

H.H.  plurinervia  Ett.  ? 

78.  DryandraBrongniarti  Ett. 

79.  Df'yandroides     hdkeaefolia 
Ung. 

80.  Z).  angusiifolia  Ung. 

81.  Banksia  Ungeri  Ett. 

82.  JS.  longifolia  Ung. 

83.  Persoonia  Daphnes  Ett. 


84.  ^nc&'om^da  sp. 

85.  Ä.protogaea  Ung. 

86.  Vaccinium     acheronticum 
Ung.  ?  [Bb. 

87.  DiospyrosbrachysepälaAij, 

88.  TTmwanwwi    microphyUa 
Ett. 

89.  Nytnphaea  sp. 

90.  Nelumbium    Casperianum 
Heeb. 

91.  Tetrapterys      harpyiarum 
Ung. 

92.  Banisteria      Haeringiana 
Ett. 

93.  Domheyopsis    grandifolia 
Ung. 

94.  StercuUa  lahrusca  Ung. 

95.  Ceanoihus      zizyphioides 
Ung.' 

96.  (7.  lanceolaius  Ett. 

97.  PerwÄ  Euphemes  Ung.  ? 

98.  P.  troglodytarum  Ung. 

99.  Eugenia  HaeringianaV^Q. 

100.  Eucalyptus     Haeringiana 
Ett. 

101.  £.  oceanica  Ung. 

102.  Phaseolites     ertosemaefo- 
lium  Ung. 

103.  Cassia  hyperborea  Ung. 

104.  C.  phaseolites  Ung. 

105.  Acacia  sp. 

106.  ^.  SoUfkiana  Ung. 


1 


264 

# 

Blättersandstein  von  Habsheim  mit  Meletta-SohnppeiL 

Der  Blättersandstein  von  Habsheim,  ,,gr^s  ä  feuiUes'  von 
Delbos  und  E(EOhlin-Sghlümb£BGeb,  ist  eine  Bildung  von 
ganz  localer  Verbreitung  und  findet  sich  nur  auf  dem  Melanien- 
kalkmassiv  südlich  von  Mülhausen,  welches  von  demselben  im 
Süden  und  Osten  bedeckt  wird  (cf.  pg.  67).  Ich  war  nicht  so 
glücklich,  bei  meinen  Excursionen  um  Mülhausen  irgend  welche 
neue  Beobachtungen  in  Bezug  auf  den  Blättersandstein  machen 
zu  können  und  gebe  daher  der  Vollständigkeit  halber  nur  einen 
kurzen  Ueberblick  seiner  geologischen  Verhältnisse  nach  Delbos 
und  EcEGHLiK-ScHLUMBSBGEB  (Dosc.  du  d^p.  du  Haut-Rhin, 
n,  pg.  73—78). 

Der  Blättersandstein  besteht  gewöhnlich  aus  einem  weichen, 
gelben  Kalksandstein  mit  vielen  Muscovitschuppen  und  besitzt 
ein  ziemlich  feines  Korn.  Es  finden  sich  in  demselben  öfters 
Lagen  von  schiefrigem  Mergel  eingeschaltet,  welche  in  seltenen 
Fällen  Mektta  -  Schuf  ^en  enthalten,  so  bei  Habsheim, 
Eschenzweiler  etc.  Der  Blättersandstein  überlagert  den  Me- 
lanienkalk an  einer  Stelle  bei  Nieder-Steinbrunn  direct  und 
zeigt  hier  namentlich  in  seinen  oberen  Lagen  schiefrige  Mergel, 
die  jedoch  eine  hellere  Farbe  als  die  JfeZe//a-Schichten  haben 
und  in  geringerem  Maasse  schiefrig  sind.  An  einer  anderen  Stelle^ 
zwischen  Ober-Steinbrunn  und  Walbach,  geht  der  Blätter- 
sandstein hingegen  an  der  Basis,  wie  schon  .erwähnt  wurde 
(pg.  248),  in  dunkle  Mergelschiefer  über,  die  wohl  mit  den 
Fischschiefern  identificirt  werden  müssen.  Aus  alle  dem  geht 
hervor,  dass  wir  den  Blättersandstein  als  eine  ungefähr  mit  den 
Jlfe2e//a-Schichten  gleichalterige  Bildung  anzusehen  habend  Wir 


1.  Delbos  vergleicht  den  BUttersandstein  von  Habsheim  mit  demjenigen 
von  Delömont  (Oberoligocün).  Auch  Bleicher  spricht  denselben  als  Oberoligocän 
an.  Bull.  80C.  g^ol.  4.  Fr.  1880. 


265 

dürfen  denselben  daher  wohl  noch  nicht  in  das  Oberoligocän  ver- 
weisen, zu  welchem  ich  die  allerdings  sehr  mangelhaft  bekannten 
Blättersandsteine  der  Strassburger  Gegend  (Truchtersheim) 
rechnen  möchte. 

Der  petrographische  Charakter  aller  tertiären  Blättersand- 
steine im  Elsass  ist  natürlich  ein  sehr  constanter,  da  dieselben 
wohl  sämmtlich  ihr  Material  aus  dem  Yogesensandstein  ent- 
nommen haben,  und  die  Grösse  des  Kornes  wohl  lediglich  von 
der  Länge  des  Transportes  abhängig  war.  Es  können  daher  nur 
die  organischen  Einschlüsse  —  falls  sie  hinreichend  sind  —  oder 
die  Lagerungsverhältnisse  Au&chluss  über  das  Alter  geben.  Ich 
zähle  nachfolgend  die  verschiedenen  Blättersandsteine  des  Elsass 
auf,  um  zu  zeigen,  dass  fast  in  allen  geologischen  Niveau's  des 
elsässer  Tertiärs  diese  petrographisch  sehr  ähnlichen  Bildungen 
auftreten : 

1.  Blättersandstein  von  Spechbach.  Obereocän.  Ohne 
Cinnamomum.  (Bildet  höchst  wahrscheinlich  das  tiefste 
Niveau  des  Melanienkalkes.) 

2.  Blättersandstein  von  Schwabweiler  Ut-Els.  und 
Hirzbach  Ob.-Els.  Unteroligocän.  Mit  schmalen  Cinna- 
fitomum-Blattformen.  (Liegt  an  der  Grenze  der  Petrol- 
sandmergel  und  mariner  tongrischer  Mergel  [Meeres- 
sand] mit  vereinzelten  Foraminiferen.) 

3.  [Blättersandstein  im  Breisgau.  Mitteloligocän.  (Vom 

« 

Alter  des  Meeressandes  nach  Sandbebgeb.)] 

4.  Blättersandstein  von  Habsheim.  Mitteloligocän.  Mit 
Meleiia-Schu^^en  und  schmalen  Cinnamomum-Bl&ttern. 
(Steht  in  Beziehung  zu  den  Meleiia-Scldchten.) 

5.  [Blättersändsteinvon  Del^mont(Develier  dessus) 
im  Berner  Jura.  Oberoligocän.  (Enthält  vorwiegend  grös- 
sere und  breite  Cinnafnomum-BlaXÜormen.)]. 

6.  Blättersandstein  von  Truchtersheim  Ut.-Els.  Ober- 


266 

oligocäiL  Mit  breiten  Citmamammm^BbdÜotmem.  (Steht 
in  Beziehong  m  den  Mergeln  mit  Osina  cyaAmla 
Lajol  im  Ünter-Elsass.) 

Der  Blattersaodstein  Ton  Habsheim  wurde  bisher  an 
folgenden  Orten  im  Elsass  beobachtet:  Habsheim,  Rixheim, 
Eschenzweiler,  Schlierbach,  Uffheim,  Nieder-Stein- 
brnnn,  zwischen  Nieder-Steinbrnnn  nnd  Bantzweiler, 
zwischen  Ober-Steinbrnnn  nnd  Walbach  nnd  bei  Walbach. 

Man  kennt  folgende  Fossilien  ans  dem  Blittersandstein 
Ton  Habsheim: 

1.  Mdetia  langimana  Heck.  Xach  Delbos. 

2.  Cinnamamum  Scheuchzeri  Heer.  Xach  Delbos. 

3.  Cinnamomum  poljfmorphum  A.  Brk.  Nach  Delbos. 
Diese  Art  liegt  mir  in  schmalen  Blattformen  in  mehreren 
Exemplaren  Ton  Bixheim  vor.  TL  V,  fig.  3. 

4.  Cinnamomum  lanceolatum  Heer.  Liegt  mir  von  Bix- 
heim  Tor. 

5.  CinnamoMum  sp.  Terwandt  dem  C.  lanceokUum^  aber  un- 
gemein lang  und  schmal  wie  ein  Weidenblatt  Bixheim. 

6.  Banksia  sp.  nnd  andere  Bkttfragmente  von  Bixheim. 


267 


Vn.  Das  Oberoligocän  im  Elsass 
nnd  in  der  Oberrheinebena 


Bei  der  Behandlung  des  elsasser  Oberoligocäns  können 
wir  uns  sehr  kurz  fassen,  indem  die  hierhergehörigen  Schichten, 
welche  in  Bheinhessen  und  im  Mainzer  Becken  in  der  Gjrenen- 
mergel-Gruppe  eine  so  grosse  Verbreitung  und  reiche  Gliederung 
erlangen,  im  Elsass  sehr  zurücktreten.  An  einigen  wenigen 
Orten  im  Unter-Elsass,  wie  bei  Kolbsheim  und  Truchters- 
heim  unweit  Strassburg  waren  früher  fossilreiche  Cyrenen- 
mergel  aufgeschlossen;  es  ist  jedoch  jetzt  an  beiden  Lokalitäten 
so  gut  wie  nichts  mehr  von  den  Tertiärschichten  zu  sehen,  und 
wir  sind  wesentlich  auf  die  Angaben  Daubbeb's  über  diese 
Punkte  sowie  auf  das  sparsame  Material  angewiesen,  welches 
uns  in  der  Strassburger  Sammlung  vorliegt. 

Bei  dem  Orte  Kolbsheim,  am  linken  Gehänge  desBreusch- 
thales,  bilden  die  Oligocänschichten  einen  Sattel,  so  dass  sie  an 
dieser  Stelle  verhältnissmässig  nicht  tief  unter  der  sonst  sehr 
mächtigen  diluvialen  Decke  liegen.  Man  hatte  daher  hier  in 
früherer  Zeit  die  tertiären  Mergel  in  einer  Grube  biosgelegt, 
welche  jetzt  allerdings,  wieder  eingeebnet  und  mit  Löss  bedeckt, 
einen  Weinberg  bildet.  Daubbee  hat  uns  folgendes  Profil  (Descr. 
pg.  191)  des  Kolbsheimer  Tertiärs  aufbewahrt: 

1.  Löss,  von  wechselnder  Mächtigkeit. 

2.  Grünliche  und  blaue  Thone  mit  Kalk  und  Mer- 
geln wechselnd 10,oo  m. 

3.  Sand   und  mürber   Sandstein   mit  kalkigem 


268 

Cement.  Derselbe  enthält  Mergelpartbien  und 

führt  marine  Conchylien 4,oo  m. 

4.  Gelbe  Mergel  und  mergeliger  Kalk,  in  dünnen 

(etwas  gebogenen)  Schichten  wechselnd  ...       l,oo  m. 

5.  Mergelige,  blaugrüne  Thone  im  Liegenden. 

In  einer  Tiefe  von  22  m  wurden  in  einer  0,&  m  mäch- 
tigen Schicht  von  bläulichem  Thon  im  Hangenden  des  Sandes 
nachfolgende  Fossilien  gefunden.  Dieselben  wurden  von  Alexak- 
BEB  Bbaun  bestimmt  und  sind  in  Daubbee's  Description  etc., 
pg.  192,  aufgeführt: 

1.  Cerithium  plicatum  BsoNa.  Es  liegt  mir  var.  papilla- 
tum  Sandb.  von  Eolbsheim  vor. 

2.  Cer.  Lamarchi  Bbonq.  Liegt  mir  ebenfalls  in  Menge 
vor.  Hierher  gehört  auch  das  von  Daubbee  angeführte 
Ger.  incrustatum  Schloth. 

3.  Ger.  margarüaceum  Bbocc.  Die  Art  liegt  mir  in  der 
var.  calcaratum  Gbat.  vor. 

4.  Cer.  abhreviatum  A.  Bbaun.  * 

6.  Ostrea  cyafhida  Lamk.  Die  zahlreichen  typischen  Schalen, 
welche  mir  vorliegen,  zeigen  z.  Th.  aufgewachsene  Ba- 
lauen,  und  einige  derselben  sind  von  Mempranipora 
hipunctata  Schafh.  überrindet*. 

6.  Cyihera  cf.  incrassata  Sow.  Ein  nicht  sehr  schöner 
Steinkem,  der  wohl  zur  obigen  Art  gehört,  befindet  sich 
in  der  Strassburger  Sammlung. 


\,  Obwohl  ich  auch  der  Ansicht  beipflichten  muss,  dass  Cer,  abbreviatum 
A;«.  Brn.  nur  die  durchschnittlich  jQngere  Brackwasserform  des  älteren  Cer.  JBoblc^ei 
Desh.  ist,  und  wir  es  daher  wohl  nur  mit  einer  VarieUt  oder  Mutation  zu  thao 
haben,  so  hielt  ich  es  doch  für  zweckmässig,  einstweilen  noch  die  alte  Benennung 
für  die  so  charakteristische  Gyrenenmergelform  beizubehalten. 

2.  Die  Membranipora  aus  den  Gyrenenmergeln  des  Mainzer  Beckens,  welche 
zuweilen  mit  der  M.  düatata  Rss.  aus  dem  Senon  identificirt  wird,  dOrfte  zu  der 
gleichen  Art  gehören  wie  die  obige. 


269 

7.  Cyrena  convexa  BsoNa.  (^  semisiriataD^^R.^  nach  Ang. 
von  Sandbebgeb.  L.  und  Sw.  C.  der  Yorw.,  pg.  310). 

Generisch  werden  ferner  von  Daubbee  angeführt:  Lucina, 
Cardium,  Teüina,  Pßnopaea  und  Litorineüa.  Der  Schlemmrück- 
stand  einer  Mcrgelprobe  von  Kolbsheim  lieferte  einige  Ostra- 
coden-Schälcben  nebst  den  zahlreichen  Bruchstucken  von  Cer. 
Lamarcki,  jedoch  keine  Foraminiferen. 

Von  pflanzlichen  Ueberresten  sind  nur  kleine  Braunkohlen- 
schmitzen  und  durch  Eisenoxyd  ersetzte  Blatt-  und  Stengelfrag- 
mente bekannt.  In  einem  sehr  zarten,  hellen,  gelblichgrauen  Mergel- 
stück der  Sammlung  fanden  sich  ausserdem  kohlige  Algenreste. 

Durch  das  zahlreiche  Vorkommen  von  Gerithien  und  durch 
den  gänzlichen  Mangel  an  Foraminiferen  documentiren  die  Kolbs- 
heimer  Schichten  ihren  brackischen  Gharakter.  Ihre  Fauna, 
sowohl  wie  ihre  Lage  mehr  nach  der  Mitte  des  Bheinthales 
lassen  keinen  Zweifel  darüber  bestehen,  dass  sie  jünger  als  der 
Septarienthon  und  den  Gyrenenmergeln  des  Mainzer  Beckens 
gleichzustellen  sind. 

Das  Vorkommen  bei  dem  Orte  Truchtersheim,  nicht 
sehr  weit  von  dem  vorigen  entfernt,  muss  nach  Daubb^b's  An- 
gabe viel  Analogie  mit  dem  eben  besprochenen  haben.  300  m 
südlich  vom  genannten  Orte  fanden  sich  tertiäre  Sandsteine  und 
Mergel,  in  welchen  Voltz  Gerithien  beobachtete.  Als  ich  die 
Lokalität  besuchte,  konnte  ich  noch  Spuren  von  einem  sehr 
mürben  tertiären  Sandstein  mit  kalkigem  Gement  constatiren, 
welcher  unmittelbar  unter  dem  Löss  anzustehen  scheint,  und 
dessen  Blöcke  oft  in  den  Weinbergen  umherliegen.  Dieser  gleiche 
Sandstein,  welcher  demjenigen  von  Kolbsheim  entsprechen  dürfte, 
steht  ferner  unter  dem  Löss*  des  Glöckelsberges  bei  Bläsheim 


1 .  Es  ist  ferner  bemerkenswert),  dass  der  Löss  zuweilen  in  seiner  unteren 
Parthie  unregelinässig  verUieilte,  eckige  und  stark  verwitterte  Blöcke  des  obigen  Sand- 
steins enthalt. 


270 

an,  wo  er  ebenfalls  jetzt  nicht  mehr  aulgeschlossene  blaugraue 
Mergel  überlagert. 

Von  Fossilien  ist  mir  nur  Weniges  aus  der  Gegend  von 
Truchtersheim  bekannt.  Ich  habe  nachfolgende  Arten  in 
der  Strassburger  Sammlung  gefunden: 

1.  CerithiumtnargaritaceumBuocc.ytLT.  calcaratumGaAT. 
Ittelnheim. 

2.  Cer.  plieatum  Bbong.,  var.  papillatum  Sandb.  Itteln- 
heim. 

3.  Ostrea  cyaihula  Lamk.  Truchtersheim. 

4.  Serpula  sp.  auf  einer  Ansternschale.  Truchtersheim. 

5.  Cinnamomum  polymorphum  Heeb.,  ziemlich  grosse  und 
breite  Blätter  im  Sandstein. 

Die  Cerithien  stammen  aus  dem  Alluvium  von  Ittelnheim 
dicht  bei  Truchtersheim  und  sind  offenbar  aus  den  Cyrenen- 
mergeln  der.  dortigen  Gegend  eingeschwemmt  Die  Blattreste 
sind  in  einem  Stücke  des  schon  erwähnten  (pg.  265)  groben 
und  bröckligen  Sandsteins  enthalten,  welcher  sehr  kalkig  ist, 
Muscovitschüppchen  enthält  und  eine  gelbe  Farbe  hat'. 

Obwohl  die  Oberoligocänschichten  jetzt  fast  nirgends  mehr 
anstehend  zu  beobachten  sind,  so  ist  doch  aus  dem  Vorher- 
gehenden zu  ersehen,  dass  sie  unter  der  meist  sehr  dicken 
Diluvialdecke  in  der  Kegel  nicht  fehlen  und  in  ihrem  unteren 
Niveau  wesentlich  aus  blaugrauen,  an  Cerithien  reichen  Mergeln 
bestehen,  während  kalkige  Sandsteine  oft  das  Hangende  bilden. 

Das  Vorkommen  von  Cerithien  auf  sekundärer  Lagerstätte 
im  diluvialen  Sandlöss  bei  Hönheim,  unweit  Strassburg,  ist 
wiederum  hierfür  eine  Bestätigung.  Es  wurden  mir  von  Herrn 


1.  Die  übrigen  Ton  Dacbb^e  im  Anschluss  an  die  Mergel  von  Kolbsheim 
genannten  Vorlcommnisse  sind  zweifelhaft,  so  die  Mergel  von  Eichhofen  und  Dam- 
bach, welche  absolut  fossilfrei  sind  und  ebensowohl  zum  Unterollgocdn  gehören 
könnten.  Di0  Thone  von  Niederbetschdorf  und  Surburg  hingegen  gehören  nicht 
zum  Tertiftr  und  sind  diluvialen  oder  sogar  alluvialen  Altera. 


271 

Dr.  ScHiTMACHSB  iü  Strassburg  Fragmente  von  folgenden  Arten 
mitgetheilt : 

L  Cerithium  plicatum  Bbong.,  var.  papillatum  Sandb. 

2.  Cer.  Lamarcki  Bbong. 

3.  Cer.  margaritaceum  Bbocc.  Nur  ein  sehr  mangelhaftes 
Fragment. 

4.  Cer,  abhreviaium  A.  Bbaun.  Sehr  grosses  Exemplar. 
In  der  Strassburger  Sammlung  befanden  sich  femer  mehrere 

Stücke  eines  blaugrauen  Mergels,  erfüllt  von  Cerithien  und 
Cyrenenfragmenten ,  welche  bei  den  anderen  elsasser  Tertiär- 
fossilien, jedoch  leider  ohne  nähere  Fundortsangabe  eingeordnet 
waren.  Eines  der  Stücke  trug  die  Bezeichnung  Molasse  Bas- 
Rhin.  Die  Mergel  stammen  unzweifelhaft  aus  dem  Unter-Elsass, 
vielleicht  sogar  von  Kolbsheim,  indem  sie  einem  Mergelstück- 
chen von  diesem  Fundort  sehr  ähnlich  sehen;  nur  ist  die  Fauna 
eine  viel  reichere  und  etwas  abweichende  von  der  Eolbsheimer 
Fauna.  Beim  Schlemmen  und  genauen  Untersuchen  der  Stücke 
ergab  sich  ein  solcher  Fossilreichthum ,  dass  ich  nicht  umhin 
kann  hier  wenigstens  etwas  darauf  einzugehen: 

L  Fische. 

1 .  Sparoiäea  cf •  apha^rlcus  Pbobst.  Pflasterzähnchen 
und  Kieferfragmente;  er  entspricht  wohl  dem  früheren 
Sphaerodus  Uns  Aa.,  der  sich  auch  in  den  Cyrenen- 
mergeln  des  Mainzer  Beckens  findet. 

2.  Otolithen  eines  Percoidfisches.  Von  den  Süsswasser- 
percoiden  durch  die  starke  Zähnelung  am  unteren 
Bande  des  Gehörsteines  ausgezeichnet. 

n.  Cnistaceen. 

1.  Balcmus  sp. 

2.  Ostracoden,  mehrere  meist  ziemlich  grosse  und  sehr 
schöne  Arten. 


272 


III.  Glossophoren. 

1.  Chiton  nov.  sp.  ined.  Ein  Mondsegment  einer  kleinen 
Art  (2^  mm).  Die  halbkonische  Schale  ist  am  Band 
mit  8  feinen,  ziemlich  weit  von  einander  abstehenden, 
fransenartigen  Ausschnitten  versehen.  Sie  zeigt  schwache, 
wellenartige,  von  der  Spitze  radial  verlaufende  Er* 
hebungen  und  ist  dicht  mit  flachen  Papillen  besetzt, 
welche  von  der  Spitze  nach  dem  Rande  hin  beträcht- 
lich an  Grösse  zunehmen. 

2.  l}rach^is  cf«  Blie»ianvs  Mer.  Jhv.  selten. 

3.  Nattca  Nygli  dOrb.  selten. 

4.  Valvata  cyrenophila  nov.  sp.  (Tf.  XII,  fig.  1  a,  6,  c.) 
Das  völlig  flachgedrückte,  planorbenartige  Gehäuse  misst 
im  grössten  Durchmesser  gewöhnlich  an  1,5  mm,  hat 
eine  Breite  von  0,5  mm  und  zeigt  4  durch  flache 
Nähte  getrennte  Umgänge.  Die  Oberseite  ist  beinahe 
flach  und  nur  wenig  in  der  Mitte  eingesenkt,  während 
die  Unterseite  ziemlich  tief  und  ganz  ofien  genabelt 
ist.  Die  Mundung  ist  beinahe  kreisrund  und  hat  ringsum 
zusammenhängende,  scharfe  Ränder.  Die  Skulptur  be- 
steht aus  ziemlich  variabelen  SpiraUeisten;  in  der  Regel 
liegt  eine  solche  sehr  kräftige  auf  der  Oberseite  und 
eine  zweite  beinahe  ebenso  starke  auf  der  Unterseite. 
Beide  Spiralleisten  verschwinden  gegen  die  Mündung 
hin  vollständig.  2^ischen  dieser  oberen  und  unteren 
Spiralleiste  liegt  nun  gewöhnlich  noch  eine  wechselnde 
Zahl  von  schwächeren  Leisten,  welche  längs  dem  sehr 
stumpf  gerundeten  Rücken  verlaufen.  Diese  Beschrei- 
bung entspricht  denjenigen  Formen,  welche  am  häu- 
figsten sind  und  in  der  Mitte  zwischen  den  Extremen 
stehen;  von  ihnen  aus  gelangt  man  durch  allmähliche 


273 

Uebergänge  einerseits  zu  solchen  Formen,  bei  welchen 
die  Spiralstreifen  fast  ganz  verschwinden,  und  anderer- 
seits zu  solchen,  bei  welchen  2  —  3  scharfe  Spiral- 
streifen auf  der  Oberseite  stehen.  Ausserdem  sind 
scharfe  und  sehr  feine  Anwachslinien  vorhanden,  welche 
mit  äusserst  zarten,  dicht  stehenden  Spirallinien  eine 
mikroskopische  Gitterung  bilden,  die  am  schärfsten 
auf  den  mittleren  Windungen  hervortritt. 

Unsere  Art  steht  der  Valvaia  hicincta  Fuchs  (Jahrb. 
d.  k.  k.  geol  Reichsanst.,  B.  XX,  1870)  aus  den 
Congerienschichten  von  Tihany  am  Plattensee  (Unter- 
plioc.)  sehr  nahe  und  dürfte  mit  derselben  genetisch 
verwandt  sein.  Sie  unterscheidet  sich  namentlich  da- 
durch, dass  sie  einen  stumpferen  Bücken  und  eine 
etwas  anders  geformte  Mündung  besitzt.  Die  Spiral- 
leisten reichen  nicht  bis  an  die  Mündung.  Femer  liegt 
auf  der  Unterseite  keine  so  scharfe  Kante,  und  die 
feine  Gitterung,  welche  unsere  Art  zeigt,  wird  bei  der 
ungarischen  Form  nicht  erwähnt. 
6.  Nematnra  compressittsctsla  Al.  Br.  sp.  häufig. 

6.  Nem.  lubriceUa  Al.  Br.  sp.  selten. 

7.  Byd/roMa  nov.  sp.  a.  Verwandt  mit  der  H.  aqui- 
tanica  Met.,  jedoch  durchschnittlich  kleiner,  in  der 
Gestalt  etwas  mehr  oval-conisch  und  mit  kleinerer 
Mündung,  die  zuweilen  einen  etwas  ^emaft^ra-artigen 
Charakter  annimmt.  Ferner  ist  die  Verdickung  im 
rechten  Mundrand  kräftiger  ausgebildet.  Die  sehr  häufige 
Form  ist  namentlich  in  der  Grösse  ungemein  variabel. 

Var.  elongata  n.  v.  Weicht  vom  Typus  durch  die 

verlängerte  Form,   die   etwas   mehr   eingeschnittenen 

Nähte  und  die  relativ  bauchigere  letzte  Windung  ab. 

Diese  Varietät  sah  ich  in  vollständig  identischen  Exem- 

m.  18 


274 


plaren  in  der  Sammlung  des  Herrn  Dr.  0.  Bottoeb 
zu  Frankfurt;  sie  entstammten  dem  Oberoligocän  von 
Larriey  bei  Saucats  (Gironde).  Auch  in  den  marnes 
fluvio-lacustres  (Untermioc.)  von  Saucats  finden  sich 
dem  Typus  von  sp.  a.  genäherte  Formen. 

8.  Hydrobia  sp.  b«  ined.  Breiter-conisch  und  meist 
grösser  als  sp.  a.  Die  Nähte  sind  etwas  flacher;  der 
rechte  Mundrand  ebenfalls  innen  stark  verdickt.  Sie 
ist  viel  seltener  als  die  erstere. 

9.  AlsixHa  turbiniformis  n.  sp.  (Tat  XII,  fig.  3  a,  b.) 
Eine  neue,  sehr  auffallende  Brackwassergattung,  die 
mich  einerseits  durch  Form  und  Skulptur  an  Fossarus 
Phil,  und  Fossarulus  Bbus.,  andererseits  durch  die 
Spindelfalte  an  Odosiomia  Flem.  erinnert  Ferner 
gleicht  ihr  die  eigenthümliche  Gattung  Polyiropis 
aus  den  Congerien-Schichten  Ungarns,  wenigstens  in 
einer  ihrer  Formen  der  P.  balatonica  Bolle  sp.  äusser- 
lich  sehr,  nur  dass  ihr  die  Falte  der  Innenlippe  fehlt. 
Alsatia  nov.   gen.    Gehäuse  dickschalig,    Ttir^o-artig, 

zeigt  mit  Ausnahme  des  oberen  Gewindes  Gitter- 
skulptur. Die  Mündung  besitzt  dicke,  etwas  umge- 
bogene Bänder,  ist  am  oberen  Ende  etwas  in  die 
Höhe  gezogen,  ein  Charakter,  der  namentlich  auch 
in  der  Skulptur  durch  das  Aufwärtssteigen  der 
obersten  Spiralleiste  hervortritt.  Es  ist  eine  starke, 
ziemlich  tief  in  der  Mündung  gelegene  Spindelfalte 
vorhanden. 
AI.  iurhiniformis  n.  sp.  Zur  Gattungsdiagnose  ist 
nur  noch  hinzuzufügen,  dass  diese  Art  6  gewölbte 
Umgänge  hat,  6  mm  lang  und  4  mm  breit  ist.  Die 
obersten  2y,  Umgänge  sind  beinahe  glatt;  dann 
stellt  sich  eine  schöne  Skulptur  ein,  die  aus  kräf- 


275 

tigen  Spiralleisten  besteht,  welche  durch  ziemlich 
unregelmässige  Querrippen  gitterartig  verbunden 
sind.  Ausserdem  sind  noch  Anwachslinien  sichtbar, 
welche  gegen  die  Mündung  hin,  wo  die  Querleisten 
verschwinden,  sehr  deutlich  hervortreten.  Der  oberste 
Spiralstreifen  bildet  eine  Kante  und  erscheint  an 
den  Kreuzungspunkten  der  Querleisten  etwas  höckerig. 
Die  Mündung  mit  breitem  rechten  Mundrand  ist 
ziemlich  gross,  eiförmig,  oben  zugespitzt  und  besitzt 
eine  starke  weit  rückwärts  gelegene  Falte  auf  der 
Spindelseite.  Ein  Nabelritz  ist  vorhanden.  Sehr  selten. 

10.  Odostamia  subtUa  Sandb.  ziemlich  häufig. 

11.  Tvrb<mUla  {ßymola)  alsaUca  n.  sp.*  (Tf.  XII, 
fig.  2  a,  6,  c.)  Die  sehr  elegante  kleine  Schnecke  ist  3  mm 
lang,  hat  8  durchaus  flache  Umgänge  und  ein  aus 
ly,  Windungen  bestehendes,  linksgewundenes  und  auf 
der  Axe  der  späteren  Windungen  senkrecht  stehendes 
Embryonalende.  Die  Naht  ist  deutlich  und  scharf,  und 
die  Umgänge  neigen  dazu,  an  derselben  etwas  über- 
zuhängen. Die  Schale  ist  bei  guter  Erhaltung  ganz 
glatt,  ohne  wahrnehmbare  Anwachslinien.  Die  Mündung 
hat  einen  einfachen  scharfen  Mundrand  und  eine  Falte 
auf  der  Spindel,  unter  welcher  eine  Nabelandeutung 
liegt.  Eine  nahe  verwandte  Form  dürfte  die  Syrnola 
praelonga  Desh.  sp.  aus  dem  Pariser  Grobkalk  sein, 
ebenso  wie  die  allerdings  grössere  8yr.  suhulata  Mer. 


I.  Wollten  wir  das  Genus  Turbonilla  im  Sinne  von  Adams  auffassen,  so 
müssten  wir  die  obige  Untergattung  Syrnola^  die  durcli  ihre  glatte  Schalenoberfläche 
ausgezeichnet  ist,  wegen  der  Spindelfalte  zu  Odostomia  stellen  (Adams  Oen.  of  Moll., 
I,  pg-  230).  Die  Spindelfalte  Ist  jedoch  gerade  hier  bei  den  Turbonillen  von  geringerer 
Wichtigkeit,  da  sie  in  sehr  verschiedenem  Grade  der  Ausbildung  auftreten  kann,  und 
vollständige  Uebergdnge  zu  den  Formen  ohne  Spindelfalte  existiren. 


276 

sp.  aus  dem   Ober-  und  Mitteloligocän  Deutschlands 
und  anderer  Lander. 

12.  MoUessieria  acieula  Al.  Bb.  sp.  Sehr  selten. 

13.  CerÜhiufnpUciUiifnBBOve.  var.papillatumSAjiBB. 
Sehr  häufig. 

14.  Cer»  Ziifnarcki  Bbovq.  Häufig. 

15.  Cer.  margaritaceum  Brooc.  Meist  solche  Formen, 
die  zur  var.  calcaratum  Gbat.  hinneigen.  Es  be- 
finden  sich  sehr  grosse  Exemplare  darunter,  welche 
eine  grösste  Breite  von  32  mm  haben,  was  bei  toU- 
ständiger  Erhaltung  einer  totalen  Länge  von  beinahe 
70  mm  entsprechen  würde.  Häufig. 

16.  Cerm  aibbreviatum  Al.  Bb.  Häufig. 

17.  PleuTOtoma  (JSaphitama)  sp. 

18.  BtMa  {Cyliehna)  sp. 

lY.  Lamellibranchiaten. 

1.  Ostrea  eyathvla  Lamk.  jav.  Meist  auf  Cer.  pUcatum 
aufgewachsen. 

2.  CreneUa  {Modiolarid)  sp.  jav. 

3.  Cardiwm  cf.  scobinula  Meb. 

4.  Cardium  sp. 

5.  Cyrena  cativexa  Bbono.  Wenigstens  in  Bruchstäcken 
häufig. 

6.  Cytherea  {CaUista)  nov.  sp.  ined.  Eine  kleine,  stark 
concentrisch  gerippte  Form,  welche  der  grosseren 
CaUista  concentrica  aus  dem  OberoUgocän  von  Larriey 
wohl  noch  am  nächsten  steht. 

7.  Tellina  Nysti  Desh. 

V.  Bryozoen. 
1.  VinctUaria  sp. 


277 

VI-  Würmer. 
1.  SpirorbU  sp. 

YII.  Echinodermen« 

1.  Kleine  Stacheln  und  Asseln  von  Seeigeln. 

YIII.  Foraminiferen. 

Es  findet  sich  im  Schlemmrückstand  eine  grössere  Anzahl 
von  Arten,  meist  Pulvinnlinen,  Truncatulinen,  Buliminen,  Denta- 
linen, Quinqueloculinen  etc.  Ich  will  hier  nur  2  ganz  besonders 
häufige  und  charakteristische  Arten  hervorheben. 

1.  BtUimina  twiciUa  n.  sp.  (Taf.  XII,  fig.  13  a,  b.)  Die 
recht  häufige  kleine  Art  gehört  zum  Formenkreis  der- 
jenigen Buliminen,  die  einen  ganz  regelmässig  spiralen 
Aufbau  der  Kammern  zeigen,  und  von  welchen  ich  hier 
die  lebende  SuUmina  elegantissima  d^Obb.  von  Peru 
erwähne,  sowie  verschiedene  Formen  des  Pariser  Eocäns, 
die  sich  an  B.pülchra  Tebq.  von  Septeuil,  ferner  an  B, 
scalariformis  Tebq.  und  B.  flexa  Tebq.  vom  gleichen 
Fundorte  anschliessen.  Keine  dieser  Arten  steht  jedoch 
so  nahe,  dass  eine  Verwechselung  möglich  wäre. 

Das  lang-kegelförmige  Gehäuse  besteht  aus  sehr  zahl- 
reichen, durch  deutliche  Nähte  getrennten  Kammern, 
welche  eine  regelmässige,  rechts  oder  links  gewundene 
Spirale  bilden.  Die  Länge  des  Gehäuses  beträgt  meist 
0,45 — 0,5  mm,  und  es  sind  gewöhnlich  6  Umgänge  vor- 
handen, welche  durch  eine  tiefe  Naht  getrennt  sind.  Die 
Mündung  besteht  aus  einem  kurzen,  breiten,  verticalen 
Schlitz,  der  in  einer  Einsenkung  am  proximalen  Ende 
der  letzten  Kammer  liegt.  Die  Schale  ist  glasig  durch- 
scheinend und  äussert  fein  punktirt.  Die  Variabilität  ist 
verhältnissmässig  gering  und  findet  ihren  Ausdruck  in 


278 

der  mehr  oder  weniger  spitz  kegelförmigen  Gestalt 
des  Gehäuses ;  auch  finden  sich  zuweilen  leicht  gekrümmte 
und  krüppelhaft  verdrehte  Individuen. 
2.  QuinqvslocuUna  grega/Ha  n«  sp.  (Tf.  XII,  fig.  10 
— 12.)  Diese  grosse  und  überaus  häufige  Art  erreicht  in 
der  Regel  1  mm  Länge,  während  vereinzelte  Exemplare  es 
sogar  auf  1,5  mm  bringen.  Die  Form  ist  länglich  elliptisch 
oder  oval,  das  Gehäuse  ist  im  Querschnitt  dreieckig 
gerundet  und  an  den  Seiten  nicht  kantig.  Die  Schale 
ist  mehr  oder  weniger  von  feinen,  scharfen  und  meist 
etwas  unregelmässigen  Längsialtchen  bedeckt,  welche 
auf  dem  untersten  Theile  der  jüngsten  Kammer  am 
kräftigsten  hervortreten.  Die  Mündung  ist  schmal,  huf- 
eisenförmig und  hat  einen  einfachen  Zahn ;  selten  beob- 
achtete ich  bei  grossen  Exemplaren,  die  im  übrigen 
ganz  mit  unserer  Art  übereinstimmen,  eine  breitere 
Mündung  mit  gespaltenem  Zahn  (cf.  Tf.  XII,  fig.  12). 
Die  nächste  Verwandte  unserer  Art  ist  Q,  striolata  Rss., 
sie  unterscheidet  sich  namentlich  durch  ihren  kantigen 
Rücken.  Ich  habe  diese  so  ausserordentlich  häufige 
Quinqueloculina,  welche  sich  neben  anderen  selteneren 
Arten  findet,  hier  deshalb  hervorgehoben,  weil  sie  mit 
dazu  dienen  mag,  den  genauen  Fundort  unserer  Gyrenen- 
mergel  einstmals  wieder  zu  erkennen. 

IX.  Pflanzen. 

LActctOaria  sp.  ined.  (Tf.  XII,  fig.  4—9.)  Die 
Gattung  Acicularia  b'Abghiao  hat  in  ihrer  systema- 
tischen Stellung  mannigfache  Schicksale  erlebt.  Die- 
selbe wurde  von  b'Abghiag  und  Michelin  zu  den 
Bryozoen  gestellt.  Reubs  (Sitzungsber.  d.  k.  k.  Ak.  d.  W. 
math.  nat.   Gl.,   Bd.  XLIII,   Abth.  1,   1861)   definirte 


279 

ihren  Platz  in  dieser  Familie  schärfer,  indem  er  ihre 
Zugehörigkeit  zu  den  £schariden  betonte  und  auf  ihre 
Beziehungen  zu  Lancepora  aufmerksam  machte.  b'Ob- 
BiGNY  hingegen  brachte  sie  zu  Ovulites,  Pabkeb  und 
Jones  stellten  sie  in  die  Nähe  von  Bactylopora^  ebenso 
Cabpenteb  (Int.  to  the  stud.  of  the  Foraminifera  1862). 
ZiTTBL  schliesslich  ordnet  sie  neben  Uteria  und  Petras- 
cula  ein. 

Herr  Münieb  Ghalmas  in  Paris  hat  sich  in  neuster 
Zeit  eingehender  mit  den  Acicularien  des  Pariser  Be- 
ckens beschäftigt;  er  hat  jedoch  leider  seine  Arbeit 
darüber  noch  nicht  veröffentlicht.  Aus  den  Präparaten, 
welche  er  die  Güte  hatte  mir  zu  zeigen,  geht  zur  Evi- 
denz hervor,  dass  wir  es  mit  den  Fructificationen  einer 
Kalkalge  zu  thun  haben.  —  Die  einzigen  bisher  be- 
schriebenen Arten  sind  Acicnlaria  Pavantina  d'Abch. 
aus  dem  Grobkalk  von  Paris  und  Acicularia  miocaenica 
Beuss  aus  dem  Wiener  Becken.  Unsere  Form  stimmt 
nicht  genau  mit  einer  von  diesen  beiden  Arten  überein. 
Die  Oberflächenbeschaffenheit  gleicht  noch  am  meisten 
der  von  Cabpenteb  (Int.  to  the  stud.  of  the  Fora- 
minifera 1862,  PI.  XI,  fig.  28,  32)  gegebenen  Abbildung, 
welche  ebenfalls  die  undeutliche,  sechsseitige  Umran- 
dung der  Oeffnungen  zeigt.  Als  Hauptunterschiede  von 
Acicularia  Pavantina  d'Abch.  sind  hervorzuheben,  dass 
die  Endfläche  der  ebenfalls  lang  kegelförmigen  Kalk- 
körperchen  nicht  so  stark  ausgebuchtet  ist,  und  dass  die 
Kammern  mehr  kugelig  sind  und  bei  guter  Erhaltung 
nicht  mit  ihrer  ganzen  Weite  ausmünden.  Adcülaria 
miocaenica  Bss.  ist  namentlich  durch  die  abweichende 
Art  der  Umrandung  der  Oeffnungen  und  ihre  noch 
schlankere  Gestalt  unterschieden.  Die  Oeffnungen  stehen 


280 

bei  unserer  Art  auf  der  ganzen   Oberfläche   unregel- 
mässig zerstreut  und  bedecken  auch  die  Seiten  sowie 
die  obere  gerundete   Parthie.    Sucht  man  irgend  ein 
System  in  der  Anordnung   der   Oeffnungen,    so   kann 
man  noch  am  besten  eine  ziemlich  unregelmässige  spi- 
ralige Anordnung  wahrnehmen.    Der  Durchschnitt  ist 
gewöhnlich  ein  elliptischer,  seltener  ein  runder.  Zuweilen 
ist  eine  flache,  der  Länge  na^ch  verlaufende  Einsenkung 
auf  der  einen  Seite  vorhanden.  Die  Länge  beträgt  meist 
gegen  1,5  mm.  Wenn  ich  es  auch  noch  nicht  wage,  auf 
die  immerhin  mangelhaften  Beste  eine  neue  Art  auf- 
zustellen, so  möchte  ich  hier  doch  wenigstens  auf  das 
Vorkommen    der    interessanten    Gattung    aufmerksam 
machen,  die  in  den  mir  vorliegenden   Cyrenenmergel- 
Schlemmproben  häufig  ist. 
Die  oben  aufgezählte  Fauna  ist,  wie  wir  gesehen  haben, 
eine  sehr  reiche,  aus  brackischen  und  marinen  Elementen  ge- 
mischte; die  letzteren  treten  jedoch  zurück,  während  die  ersteren, 
wie  die  Cerithien,  Hydrobien,  Nematuren,  Valvaten  und  Cyrenen- 
bruchstückc  bei  weitem  an  Individuenzahl  überwiegen.  Die  sehr 
sparsamen  rein  marinen  Elemente  können  wir  als  eingeschwemmt 
betrachten.  Die  Analogie   mit  den   ächten  Cyrenenmergeln   ist 
eine  so  grosse,   dass  wir  geneigt  sind,  unsere  Schichten  trotz 
dem  Vorkommen  einiger  neuer  sehr   eigenthümlicher  Elemente 
als  solche  zu  betrachten. 

Es  ist  von  grossem  Interesse,   dass  sich  auf  der  anderen 
Seite  des  Rheines  im  Badischen  die  gleichen  Schichten,  wie  die 

soeben  aus  dem  Elsass   beschriebenen,    wiederfinden.   2   Bohr- 

« 

löcher  bei  Oos  unweit*  Baden  trafen  unter  dem  Diluvium 
den  Cyrenenmergel  in  bedeutender  Mächtigkeit  an.  Wir  geben 
hier  einen  kurzen  Auszug  des  Bohrprofiles,  welches  von  Sams- 
BEBOEB   (Beiträge    sur  Statistik    der  inneren   Verwaltung  von 


281 

Baden,  Heft  11,  Geol.  Beschreibung  der  Umg.  von  Baden  1861, 
pg.  11)  ausführlicher  behandelt  worden  ist. 

1.  Alluvium 16,75  m. 

2.  Diluvium^  meist  Eies  und  Sand .     33,3o  m. 

3.  Blaue,  graue,  grünliche  und  bräunliche  Thone 
in  Sand  und  dünne  Sandsteinschi<;hten  über- 
gehend       51,82  m. 

4.  Sand  und  Sandstein  mit  Thon  und  Letten- 
bänkchen  wechselnd 20,i3  m. 

5.  Schwarzer,  schiefriger  Thon  mit  Braunkohle       l,oo  m. 

6.  Thon  und  Sandstein  mit  eingelagerten  Braun- 
kohlenschmitzen 19,so  m. 

7.  Wechselnde  Schichten  von  sehr  hartem  Sand- 
stein in  Bänken  und  grünem,  grauen  und 
braunem  Thon 86,oo  m. 

8.  Braunkohlenschicht  mit  schwärzlichem  Sand.       l,io  m. 

9.  Wie  7 6,16  m. 

10.  Braunkohle  mit  schwärzlichem  Thon   ....  0,9o  m. 

11.  Blaue,  meist  sandige  Thone 14,42  m. 

12.  Braunkohle,  im  bläulichen  Sande,  mit  vielen 
Trümmern  von  Conchylien 1,2?  m. 

13.  Sandstein,   grüne,  graue  und  gelbe  Thone 
wechselnd 4,82  m. 

256,87  m. 

Die  in  der  Schicht  1 2  gefundenen  Conchylien  sind  folgende 
nach  Sandbebgeb: 

1.  Ostrea  cyaihula  Lamk. 

2.  Cyrena  subarata  Schlth.  sp. 

3.  Certth.  margaritaceum  Bbocci. 

4.  Cer.  plicaium  Lamk.  var.  Galeotti  Ntst. 


\ 


282 

Der  Gyrenenmergel  zeigt  also  in  Baden,  selbst  wenn  man 
annimmt,  dass  die  Schichten  nicht  horizontal  liegen,  sondern 
bei  der  nahen  Lage  an  der  Rheinthalspalte  dislocirt  sind,  immerhin 
eine  ansehnliche  Mächtigkeit.  Ueber  den  fossilreichen  Schichten 
liegen  sterile  Sandsteine,  Sande  und  Letten,  welche  zuweilen 
etwas  Braunkohlen  enthalten.  Diese  obere  Parthie  scheint  im 
Elsass  nicht  entwickelt  zu  sein  oder  ist  durch  die  Denudation 
entfernt  worden.  Die  Gyrenenmergel  zeigen  überhaupt  im  Elsass 
eine  etwas  abweichende  Lagerung,  und  während  sie  in  Baden, 
wie  es  scheint,  durch  die  Rheinthalspalte  verworfen  werden, 
fehlen  sie  hier  in  der  Nähe  derselben  gänzlich  und  sind  mehr 
nach  der  Mitte  des  Rheinthaies  zu  gelegen.  Dieser  Umstand 
hängt  mit  der  Verschiedenheit  zusammen,  welche  zwischen  den 
2  Rheinthalspalten  gerade  in  der  Gegend  von  Strassburg  und 
nördlich  von  Strassburg  besteht.  Die  östliche  Schwarzwald- 
spalte ist  hier  eine  durchaus  einheitliche,  geschlossene.  Das 
Gebirge  schneidet  gleich  einer  geraden  Mauer  gegen  das  Thal 
ab,  die  älteren  Gesteine  berühren  sich  direkt  mit  den  jüngsten 
Bildungen,  dem  Diluvium,  und  unter  diesem  liegt,  wie  es  scheint, 
in  grosser  Vollständigkeit  der  Gyrenenmergel,  das  jüngste  Glied 
des  Tertiärs  dieser  Gegend.  Ganz  anders  erscheint  die  Rhein- 
thalspalte in  dem  entsprechenden  gegenüberliegenden  Theile 
des  Elsass;  dieselbe  ist  hier  durchaus  nicht  so  einheitlich, 
sondern  wird  wie  bekannt^  zunächst  aus  2  Hauptspalten  gebildet, 
von  welchen  die  eine  äussere  über  Zabern  verläuft,  die  andere 
über  Sulzbad  verlaufende  sich  nachher  unter  dem  Diluvium 
weniger  gut  verfolgen  lässt,  bis  sich  beide  schliesslich  in 
der  Gegend  von  Weissenburg  wieder  einander  nähern.  Diese 
Spalten  nun  und  namentlich  die  innere  sind  durchaus  nicht  so 
einheitlich    gebildet,   wie  die  Seh warz waldspalte ,   sondern   zer- 


1.  Bleicher.  Essai  de  göol.  compar^e  des  Pyr^n^es,  du  Plateau  central  et  des 
Vosges,  1870. 


283 

splittern  sieb  oft  in  kleine  Parallelspalten.  Sie  bilden  auf  diese 
Art  terrassenartige  Scbollen,  welcbe  nacb  dem  Rheintbale  zu 
tiefer  eingesunken  sind  und  so  ibre  jiihgeren  Scbicbtenglieder 
vor  der  Denudation  bewabrt  baben;  auf  ibnen  ist  nocb  der 
Cyrenenmergel  anzutreffen.  Die  anderen  mebr  nacb  dem  Ge- 
birge gelegenen  Partbien  sind  in  grossartigstem  Maasse  denudirt 
worden,  so  dass  zuweilen  das  ganze  Tertiär  entfernt  worden 
ist,  oder  nur  Reste  von  Eocän  und  älterem  Oligocän  übrig  blieben : 
bis  dann  im  Norden  die  Scholle  des  Hocbwaldes,  die  den  Be- 
ginn der  mehr  einheitlichen  Pfälzer- Verwerfungsspalte  bildet, 
uns  das  Oligocän  wiederum  in  einer  vollständigeren  Reihen- 
folge erhalten  hat.  Auch  in  der  orographischen  Bodenbeschaffen- 
heit findet  dieser  Unterschied  der  beiden  Verwerfungsspalten, 
wie  man  sich  durch  einen  Blick  auf  die  Karte  überzeugen  kann, 
ihren  Ausdruck. 

Das  Vorkommen  von  Cerithien,  welche  den  Cyrenenmergel 
charakterisiren,  in  der  Gegend  von  Egisbeim  etc.  im  Ober- 
Elsass  haben  wir  schon  an  anderem  Orte  besprochen  (pg.  185), 
und  wir  müssen  jetzt  noch  etwas  auf  diejenigen  Gyrenen-Schichten 
im  Ober-EIsass  eingehen,  welche  durchaus  einen,  anderen  Cha- 
rakter wie  die  ächten  Cyrenenmergel  tragen,  und  die  ich  eher 
für  etwas  jünger  halten  möchte;  den  Typus  dieser  Schichten, 
die  sich,  scheint  es,  bis  in  die  Gegend  von  Montb^liard  ver- 
folgen lassen,  bilden  die  Ablagerungen  auf  der  Spitze  des  Vogesen- 
vorberges  bei  Rufach.  Bleioheb  hat  dieselben  zuletzt  aus- 
führlicher behandelt  (Bull,  de  la  soc.  giol.  de  Fr.  1879—80, 
pg.  222),  und  wir  werden  im  Wesentlichen  diesem  Autor,  sowie 
den  Angaben  von  Delbos  und  Ecechlin-Sghlumbebgeb  folgen. 

Oestlich  von  dem  Orte  Rufach  erhebt  sich  ein  150  m 
hober  Hügel,  der  aus  oligocänen  Conglomeraten,  die  mit  Sand- 
stein und  Mergelschichten  wechseln,  zusammengesetzt  ist.  Der 
untere  Theil   der  Conglomerate   wurde  bisher   immer  als  ganz 


284 

fossilleer  angesehen.  Nur  eine  der  zwischen  den  Conglomeraten 
eingelagerten  Mergelschichten  ergab  beim  Schlemmen  Forami- 
niferen  und  erwies  sicfi  noch  somit  als  eine  marine  Bildung. 
Es  sind  nur  einige  wenige  Arten,  die  jedoch  zu  häufig  sind  und 
zu  constant  auftreten,  als  dass  man  dem  Gedanken  an  eine 
Einschwemmung  aus  älteren  Schichten  Raum  geben  möchte.  Ich 
fand  folgende  3  Arten,  die  später  bei  der  Besprechung  der 
Gonglomerate  und  Küstenbildungen  beschrieben  werden  sollen: 

1.  Bulimina  coproliihoides  m. 

2.  Textilaria  alsatica  m. 

3.  Textilaria  inflata  m. 

Ferner  deutet  das  ziemlich  häufige  Vorkommen  eines  nicht 
sehr  gut  erhaltenen  glatten  Ostracoden  (wohl  Ctfpris  sp.?)  auf 
eine  etwas  brackische  Beschafifenheit  des  Wassers  hin  oder  lässt 
die  Nähe  von  in  das  Meer  einmündenden  Flüssen  vermuthen, 
die  bei  der  Conglomeratbildung  mitwirkten  und  später  die  schon 
sehr  stark  ausgesüssten  Schichten  auf  dem   Berggipfel  bildeten. 

Während  die  eben  besprochenen  Tertiärschichten ,  welche 
man  bei  dem  AufiBtieg  auf  den  Hügel  beobachtet,  sehr  mangel- 
haft aufgeschlossen  sind,  finden  wir  auf  der  Höhe  in  den 
jüngeren  Schichten  beträchtliche  Steinbrüche.  Die  fossilfuhrende 
Schicht  ist,  wie  Bleicher  hervorhebt,  nur  15 — 20  cm  dick, 
besteht  aus  einem  gelben,  in's  weinrothe  („rouge  lie  de  vin**) 
übergehenden  Mergelband,  das  in  einem  rothen,  mehr  sandigen 
Mergel  eingelagert  ist  und  von  Gonglomeraten  und  Kalksandstein 
überlagert  wird*. 


1.  Sehr  grosse  Analogie  mit  diesen  Mergeln  zeigt  eine  Probe,  welche  mir 
Herr  Dkecke  von  Boncourt  (unweit  Porrentray)  mitbrachte;  dieser  Mergel  ist 
gleichfalls  mit  oligocänen  Gonglomeraten  vergesellschaftet,  zeigt  die  nämliche  rothe 
Farbe  und  enthielt  einige  kleine  unbestimmbare  Steinlierne  von  Gastropoden  und 
CyprU'Seh^ltu.  Die  feine  Kalkmolasse  der  Gonglomerate  hingegen  enthält  Cfpr. 
convexa. 


285 

Die  bisher  bekannten  Fossilien  sind  nach  Angabe  von 
Bleicheb  : 

L  Fische. 

Paralates  Bleichen  Saüv.  (Bull.  d.  1.  s.  g^ol.  d.  Fr.  1883, 
pg.  485).  Die  neue  Gattung  Paralates^  welche  Sauyage  für 
die  bei  Rufach  häufigen  Fische  aufstellt,  gehört  zur  Familie 
der  Percidae  und  steht  der  lebenden  Gattung  Lates  am  nächsten, 
einer  Gattung,  deren  Vertreter  im  Brackwasser  an  den  Mün- 
dungen grosser  Flüsse  leben,  wie  L.  niloticus  Gm.  und  L.  cah 
carifer  Bl.  (China,  Indien).  Von  Bleichee  wurde  der  Rufacher 
Fisch  als  Lebias  sp.  angeführt.  Ausserdem  noch  eine  grosse 
Ctenoid-Schuppe. 

U.  Conchylien. 

1.  Ostrea  caUifera  Lamk.  nach  Angabe  von  Miegf  (Feuille 
des  j.  nat.  1881,  pg.  15). 

2.  Myiilus  Faujasi  Bbong. 

3.  Dreissena  sp. 

4.  Neritina  fulminifera  Sandb.  nach  Ang.  von  Mieg.  (1.  c.) 

5.  Hydrohia  sp. 

6.  Planorhia  sp. 

7.  Melania?  Alle  schlecht  erhaltend 

ni.  Artropoden. 

1.  Larve  eines  Insects  mit  unvollständiger  Metamorphose 
aus  der  Ordnung  der  Gicaden. 


1.  Drei  weitere  Fossilien,  ^Ostrea  Mppopodium  Nils.,  Cylherea  splendida 
Mer.  xxik^  Escharina  sp.»,  welche  Delbos  noch  von  Rufach  anführt,  muss  ich  fort- 
lassen, da  man  absolut  nicht  weiss,  in  welchem  Niveau  des  Berges  sie  gefunden 
worden  sind. 


286 

2.  Reste  eines  Hymenopteren. 

3.  Ziemlich  mangelhafte  Reste  eines  Land-Isopoden,  welcher 
einige  Analogie  mit  den  Blattiden  haben  soll. 

IV.  Pflanzen. 

1.  CdUitris  Brongniarfi  Endl. 

2.  Callitris  Heeri  Sap. 

3.  Widdringtonia? 

4.  Cinnamomum  polymorphum  Heeb. 

5.  C.  Scheucheeri  Hekb.? 

6.  Myrsine  sp. 

7.  Myrica  sp. 

8.  Andromeda  sp. 

9.  Salix  sp, 

10.  Bhamnus  sp. 

11.  Ficus  sp. 

12.  Lastrea  sp. 

Ich  habe  nur  wenige  Bemerkungen  zur  obigen  Liste  hinzu- 
zufügen; zunächst  was  den  Mytilus  betrifft,  so  liegt  mir  der- 
selbe auch  vor,  und  ich  glaube,  ebenso  wie  Dblbos  und  Bleiches, 
denselben  zu  M.  Fatyasi  Bbong.  stellen  zu  müssen  und  gebe 
eine  Skizze  davon  auf  Tf.  XII,  fig.  14.  Femer  führe  ich  noch 
das  Vorkommen  von  Cyrena  convexa  Bboi^g.  aus  der  Myiüus- 
Schicht  von  Rufach  an.  Interessant  ist  das  Zusammenvor- 
kommen dieser  beiden  Fossilien.  Der.  Mytilus  ist  kein  oligo- 
cänes  Fossil  und  findet  sich  im  Mainzer  Becken  erst  im 
Cerithienkalk  (Untermiocän) ;  er  wird  im  oligocänen  Cyrenen- 
mergel  durch  den  M.  acutirostris  Sandb.  ersetzt.  Die  Cyrena 
convexa  hingegen  ist  ein  acht  oligocänes  Fossil,  beginnt  an 
der  Basis  dieser  Abtheilung  und  reicht  hinauf  in  das  Ober- 
oligocän,  wo  sie  ihren  Gulminationspunkt  erreicht  und  dann 
erlischt.  Die  von  Bleiches  erwähnte  Isopodengattung  stelle  ich 


287 

zu  Eosphaeroma,  da  sie  der  im  unteren  Pariser  Oligocän  (Buttes 
de  Chaumont)  vorkommenden  Eosph.  margarum  Desm.  sp.  sehr 
nahe  steht.  Das  einzige  leidlich  erhaltene  Exemplar  von 
Rufach,  welches  mir  vorliegt,  misst  13  mm  in  der  Länge  und 
etwa  9  in  der  Breite  und  besitzt  eine  elliptische  Gestalt.  Die 
Pariser  Exemplare,  welche  ich  untersuchte,  sind  etwas  kleiner, 
messen  meist  nur  10  zu  7  mm  und  sind  am  hinteren  Ende 
etwas  schmäler.  Die  Rufacher  Art  ist  nicht  hinreichend  gut 
erhalten,  um  über  die  Form  und  Zahl  der  Segmente  genaues 
auszusagen.  Im  äussern  Umriss  gleichen  ihr  auch  noch  Eosph. 
obtusum  H.  V.  Met.  sp.  aus  dem  Mitteloligocän  (Palaeontog.  V, 
Tf.  23),  der  sie  wegen  der  obtusen  Form,  dem  breiten  Schwanz- 
schilde und  der  ungefähr  gleichen  Grösse  ähnelt. 

Bleiches  stellt  die  Schichten  von  Ruf  ach  in  das  oberste 
Tongrien  \  und  indem  er  sie  mit  den  anderen  Cyrenen  führenden 
Horizonten  des  Elsass  und  namentlich  auch  mit  denen  von 
Kolbsheim  zusammen  wirft,  erklärt  er  dieselben  also  für  ober- 
oligocän.  Wenn  wir  unsere  Ansicht  über  die  etwas  heikele  Frage 
aussprechen  sollen,  so  möchten  wir  sie  dahin  formuliren,  dass 
wir  die  Schichten  zwar  noch  zum  Oberoligocän  stellen ,  sie  jedoch 
nicht  mit  den  ächten  Gyrenenmergeln  (Kolbsheim  etc.)  ver- 
einigen, sondern  für  jünger  halten.  Das  Vorkommen  von  Myiilus 
Faujasi,  von  Lehias^  sowie  der  beinahe  ganz  limnische  Cha- 
rakter würden  sogar  für  ein  miocänes  Alter  sprechen.  Cyrena 
semistriata  hingegen  ist  oligocän,  und  da  diese  Art  relativ  im 
Ober-Elsass  und  überhaupt  im  Oberrheingebiete  verbreiteter  ist 
als  der  Mytilus,  und  wir  im  Uebrigen  den  limnischen  Charakter 
durch  die  nicht  unwahrscheinliche  Annahme  einer  benachbarten 
Flussmündung    erklären   können,  so  haben  wir   uns  bei  dieser 


1.  Das  Tongrien  ist  in  der  Bleicher' sehen  Arbeit  entschieden  in  einem  wei- 
teren Sinne  aufgefasst  als  üblich,  indem  er  auch  noch  die  Fischschiefer  (Rup^lien) 
und  sogar  Oberoligocänbildungen  dazu  rechnet. 


288 

Frage,  die  sich  überhaupt  dahin  zuspitzt,  ob  wir  die  Schichten 
Untermiocän  oder  Oberoligocän  nennen  sollen,  einstweilen  für 
das  letztere  entscliieden,  umsomehr  als  uns  hierin  ja  auch  schon 
andere  vorangegangen  sind. 

Als  gleichalterig  mit  den  Ru  fach  er  Schichten  haben  wir 
die  entsprechenden  Ablagerungen  des  unmittelbar  südlich  davon 
gelegenen  Bollenberges,  sowie  diejenigen  des  Letzenberges  bei 
Türkheim  anzusehen.  Von  letzteren  ist  in  Delbob  und 
Ecechlin-Sghlumbebgeb  (Descr.  d.  H.  R.  etc.,  pg.  66,  Tf.  4, 
fig.  73)  ein  ausführliches  Profil  gegeben,  welches  von  Herrn 
Faudbl  in  Colmar  herrührt.  Der  Hügel  besteht  gleichfalls  aus 
Conglomeraten,  und  auf  der  Höhe  desselben  fanden  sich  Cyrena 
convexa  Bbong.  (nach  Delbos),  Cytherea  incrassata  Desh. 
(Delbos),  Mytilus  Faujasi  Bbokg.  (Bleiches)  und  Pflanzen- 
reste. Ganz  ähnliche  Bildungen  finden  sich  dann  ferner  in  der 
Gegend  von  Montb^liard  wieder,  auf  die  wir  schon  kurz  in 
einigen  Anmerkungen  hingewiesen  haben  (cf.  pg.  284),  und 
welche  ausführlicher  zu  behandeln  hier  nicht  unsere  Sache 
ist.  Somit  haben  wir  erkannt,  dass  die  eben  besprochenen 
Schichten  mit  Cyrena  convexa  etc.  im  Ober-EIsass  nicht  mit 
den  Cyrenenmergeln  des  Unter-Elsass  und  des  Mainzer  Beckens 
übereinkommen,  sondern  abweichend  ausgebildet  sind  und  in 
Beziehung  zu  ähnlichen  Bildungen  der  Gegend  von  Mont- 
661iard  stehen. 

Die  eigentlichen  „Marnes  k  Gyrfenes'^  von  Delbos,  die  sich 
nur  südlich  von  Mülhausen  finden,  wie  bei  Zillisheim,  Brue- 
bach  etc.,  wurden  schon  auf  pag.  67  und  89  bei  Gelegenheit 
der  schiefrigen  Kalkmergel  Oberbadens  erwähnt.  Es  werden  aus 
denselben  nachfolgende  Fossilien  namhaft  gemacht,  die  jedoch 
alle  sehr  schlecht  erhalten  sind  (Delbos,  Kcechlin-Schlumbebger, 
Descr.  H,  pag.  82.) : 


289 

1.  Hydrolia  venirosa  Monf.  (=  Litortnella  acuta  Dbp.) 

2.  Cerith.  plicaium  Lamk. 

3.  Cyrena  Koechliniana  Delb. 

4.  Modiola  angusta?  Al.  Bb. 

5.  Dreissena  Brardi  Fauj.  sp. 

6.  Äraucarites  (Sequoia)  Siernbergi  Göpp. 

Sind  die  Fossilien  alle  richtig  bestimmt,  so  würde  die 
Uebereinstimmung  mit  dem  Geritbienkalk  (Untermioc),  in  welchem 
sich  die  obigen  Fossilien  1,  2,  4,  5  auch  finden,  vielleicht  noch 
die  grösste  sein.  Die  einzige  Cyrena  ist  eine  neue  Art,  und  der 
Äraucarites  kommt  fast  in  allen  Tertiäretagen  vor.  Andere 
Gründe  jedoch  sprechen  dagegen,  vor  allem  die  innigen  Be- 
ziehungen, die  zwischen  diesen  Steinmergeln  und  dem  ober- 
eocänen  Melanienkalk  obwalten.  Die  Steinmergel  überlagern 
immer  den  Melanienkalk,  werden  ihm  öfters  bis  zu  einem  ge- 
wissen Grade  ähnlich  und  sind  noch  nie  über  den  jüngeren 
Tertiärschichten  der  Mülhauser  Gegend  gefunden  worden.  Den 
sehr  benachbarten  badischen  Steinmergeln  mit  Cyrena  convexa 
Bbong.  (=  semistriata  Desh.)  und  Mytilus  socidlis  (cf.  pag.  89, 
Anm.)  hingegen  gleichen  sie  mehr,  und  Gbeppin  sieht  diese  als 
tie&tes  Oligocän  an  (cf.  Gbeppin.  Jura-Bernois  etc.,  pag.  207). 
Ferner  finden  sich  nach  Angabe  von  Sandbebgeb  (Land.  Sw. 
1.  d.  Vorw.,  pag.  306)  im  Oberrheinthal  „dunkelgraue,  harte, 
brackische  Mergel  mit  vielen  Pflanzenresten,  Cyrena  convexa 
Bbong.,  SepHfer  denticulatus  Laülk.  sp.,  Cerithium  plicatum  Bbug.^ 
bei  Laufen,  nahe  Sulz  bürg;  diese  Mergel  sollen  dem  Eeuper- 
gyps  auflagern  und  von  Meeressand  bedeckt  werden.  Mit  unseren 
oberoligocänen  Gyrenenmergeln  haben  sie  also  gar  nichts  zu  thun. 
Sandbebgeb  hält  sie  für  Aequivalente  der  „Marnes  vertes'^, 
welche  über  dem  Pariser  Gyps  liegen,  und  die  er  noch  zum 
Mitteloh'gocän  rechnet;  ich  wäre  geneigt,  sie  zum  Unteroligocän 
zu   stellen.    Wir  müssen   also   die   Frage   über  das  Alter  der 

111.  19 


290 

„Marnes  k  Gyr^nes"  von  Delbos  hier  noch  offen  lassen.  Ich 
kann  zu  deren  Lösung  gar  keinen  Beitrag  liefern,  da  die  Schichten 
eben  nicht  mehr  aufgeschlossen  sind,  und  mir  das  DELBOs'sche 
Material  nicht  zugänglich  war*. 


1.  Der  «Calcaire  d'eau  douce  de  Chätenoist  (bei  Montbölitrd),  welchen 
Delbos  (Descr.  pg.  80)  beschreibt,  gehört  wohl  in  das  Untermioc&n.  Das  einzige 
Fossil,  welches  man  aus  demselben  kennt,  ist  ffelix  osculum  Thom,  welche  im  Mainzer 
Becken  mit  dem  Gyrenenmergel  beginnt  und  bis  in  den  Litorineüenthon  hinaufreicht ; 
sie  ist  am  häufigsten  im  Landschneckenkalk.  Die  Lagerungsverhaltnisse  geben  hier 
bisher  gar  keinen  Aufschluss. 


291 


VIII.  Oligocäne  Conglomerate 
und  Eüstenbildangen  im  Elsass. 

Auf  die  oligocänen  Googlomerate,  welche  an  zahlreichen 
Punkten  längs  der  Vogesen  im  Elsass,  am  Rande  des  Schwarz- 
waldes in  Oberbaden,  sowie  in  der  Gegend  von  Basel  auf- 
treten, wurde  schon  mehrfach,  besonders  bei  der  Besprechung 
des  mitteloligocänen  Meeressandes  und  des  Oberoligocäns  hin- 
gewiesen. Das  genaue  Alter  dieser  Gonglomerate  ist  nicht  immer 
mit  Sicherheit  festzustellen,  zumal  wenn  in  denselben  Fossilien 
fehlen,  was  in  der  Regel  der  Fall  ist;  soviel  steht  aber  fest, 
dass  dieselben  nicht  einem  einzigen,  ganz  bestimmten  Niveau 
des  Oligocäns  zukommen,  sondern  vielmehr  —  als  eine  Eüsten- 
facies  mit  dem  tieferen  Oligocän  beginnend  —  bis  in  das  Ober- 
oligocän  hinaufreichen. 

Die  am  Abhänge  der  Hardt  unweit  Landau  vorkom- 
menden Muschelkalkmolassen  gehören  jedenfalls  zum  Meeressand, 
wie  dies  die  dort  gefundenen  Fossilien  darthun  (cf.  pg.  174). 
In  das  gleiche  Niveau  müssen  wir  wohl  auch  die  sehr  ähnlichen 
Gonglomerate  des  Schlossberges  von  Weissenburg,  sowie  die 
äusserst  harte  Nagelfluh  stellen,  welche  bei  der  „Walkmühle** 
nördlich  von  Lobsann  gebrochen  wird.  Letztere  nähert  sich 
örtlich  schon  sehr  den  ebenfalls  zum  tiefsten  Mitteloligocän  ge- 
hörigen Asphaltkalken  und  enthält  stellenweise  Spuren  von 
Bitumen  oder  sogar  in  der  unteren  Parthie  kleinere  Einlagerungen 
von  Bitumensand.  Im  Asphaltkalk  von  Lobsann  selbst  finden 
sich  schliesslich  die  Conglomerate  wieder,  allerdings  mit  sehr 


292 

reducirter    Mächtigkeit,    und    die    Muschelkalkrollsteine    sind, 
wie   schon   erwähnt   wurde,   öfters   durch   einen   groben  Pech- 
sand verkittet.   —   Die  Gonglomerate  südlich  von  Lobsann  in 
der  Gegend  von  Wörth  zeigen   den   gleichen  Charakter.    Sie 
finden   sich    namentlich    zwischen   Preuschdorf,   Wörth    und 
Gunstett,   sowie  bei  MorsbronnS  bestehen    vorwiegend  aus 
Muschelkalkgeröllen,  besitzen  keine  sehr  grosse  Mächtigkeit  und 
sind  nicht,  wie  bei  den  vorher  genannten  Orten,  zu  einer  festen 
Muschelkalknagelfluh  verbunden,   sondern  bilden,  namentlich  in 
den  oberen  Lagen,   ein  ziemlich  loses   GeröUe,   das  aus  sehr 
wohl   gerundeten    und   ungewöhnlich    grossen   Steinen   besteht, 
welche  mit    dem   Lokalnamen   „Wacken**    bezeichnet  werden*. 
In  diesen  Gonglomeraten,  namentlich  oberhalb  Diffenbach,  be- 
obachtete   ich  femer   nur  mangelhaft  gerundete   Stacke    eines 
dunklen,    etwas  bituminösen   Sandsteines',    dem    ich  auch    bei 
Gunstett  in  den  unterobgocänen  Mergeln  unterhalb  der  Con- 
glomerate  wieder  begegnete.  Wie  gesagt,  haben  wir  im  Liegenden 
dieser  Gonglomerate,  sowie  derjenigen  von  Morsbronn  sterile, 
graue  und  grünliche  Mergel,   den  unteroligocänen  Mergeln  von 
Pechelbronn    und  Weissenburg   entsprechend,   weshalb   wir 
dieselben  in  das  Niveau  des  Meeressandes  verweisen  möchten. 
Eine  Ueberlagerung  des  Septarienthones  über  den  Gonglomeraten 
wurde   mit  Ausnahme    des  von    Lobsann    erwähnten    Profiles 
nicht  direkt  beobachtet.  Es  unterliegt  jedoch  wohl  kaum  einem 


1.  Ein  abgerolltes  StQck  verkieseltes  Goniferenholz  wurde  Yon  Herrn  Hacg 
aus  Niederbronn  in  den  Conglomeraten  bei  Forstheim  gefanden  und  mir  g&Ugst 
mitgetheilt  Im  Dünnschliff  zeigte  es  deutliche  Markstrahlen,  die  Spiraltüpfel  hingegen 
waren  meistens  zerstört.  Dasselbe  verkieselte  Holz  findet  sich  auch  im  DUu?ium. 
Ich  glaube  nicht,  dass.es  einer  tertiären  Gonifere  angehört. 

2.  Daubb^e  gibt  (1.  c.  PI.  3,  fig.  60)  ein  kleines  Profil,  welches  die  Ueber- 
lagerung der  harten  Nagelfluh  durch  mehr  locker  verbundene  und  grössere  Gerolle 
zeigt. 

3.  DaubbiSc,  1.  c,  pg.  207. 


293 

Zweifel,  dass  der  Septarieuthon  im  Walde  von  Drachenbronn 
ein  höheres  Niveau  einnimmt,  als  die  benachbarten  Walkmühl- 
conglomerate. 

Die  bisher  namhaft  gemachten  Gonglomerate  haben  einen 
Umstand  gemeinsam,  nämlich,  dass  sie  alle  vorwiegend  aus 
Muschelkalkgeröllen  bestehen,  dass  ältere  krystalline  Gesteine, 
Grauwacken  und  DoggergeröIIe  in  denselben  sozusagen  fehlen  S 
Sie  lagern  entweder  dem  Muschelkalk,  dem  Yoltziensandstein, 
dem  Lias  oder  unteroligocänen  Mergeln  auf.  Der  Muschelkalk 
findet  sich  überall  in  ihrer  Nähe  und  zieht  sich  in  einem  fast 
ununterbrochenen  Streifen  von  Niederbronn  bis  Weissenburg 
hin;  er  bildete  ehemals,  wie  dies  auch  noch  die  kleinen  ge- 
sunkenen Muschelkalkschollen  bei  Kleeburg  und  Weissenburg 
zeigen,  vornehmlich  die  Uferfelsen  des  Oligocänmeeres. 

Die  Conglomerate  des  grossen  Bastberges  (329  m  hoch)  bei 
Buchsweiler,  welche  nach  Süden  hin  zunächst  auf  die  eben 
besprochenen  folgen,  unterscheiden  sich  von  denselben  dadurch, 
dass  sie  fast  ganz  aus  jurassischen  Gerollen  bestehen,  unter 
welchen  wiederum  die  Bollsteine  aus  dem  Hauptoolith  überwiegen; 
sie  stimmen  hierin  überein  mit  den  noch  weiter  südlich  gelegenen 
Vorkommnissen,  von  welchen  namentlich  diejenigen  des  Scharrach- 
berges bei  Wolxheim,  des  Bischenberges  bei  Oberehnheim, 
des  Hügels  westlich  von  Bernhardsweiler  und  der  Gloriette 
bei  Barr  hervorzuheben  sind.  Bei  Buchsweiler  überlagern  die 
meist  nur  locker  -verbundenen,  vorwiegend  aus  Hauptoolith  be- 
stehenden, sehr  vollkommen  gerundeten  GeröUe  mit  zahlreichen 


1.  Sehr  häufig  und  charakteristisch  sind  die  aus  dem  mittferen  MuschellLallL 
stammenden  Hornsteingeröile ;  auch  finden  sich  namentlich  an  der  Walkmühle 
die  schon  von  anderwärts  erwähnten  Kieseloolithe  aus  dem  Trochitenkalk.  Keuper- 
sandsteine,  Voltziensandstein  und  Buntsandstein  wirkten  auch  bei  der  Bildung  der 
Coflglomerate  mit,  was  die  weissen  Quarzkörner  in  den  Gonglomeraten  selbst  und 
die  zuweilen  eingelagerten  Sandsteinschiebten  (Walkmühle,  Weissenburg)  be- 
weisen. 


294 

eingelagerten  Mergelschichten  den  nutteleocänen  Sfisswasser- 
kalk  (cf.  pg.  12,  fig.  1).  Die  schmutzig-gelben  bis  grauen  Mergel 
sind  in  hohem  Grade  kalkig,  enthalten  oft  kleine  weisse  Con- 
cretionen  und  zeigen  einen  kalkig -sandigen  Schlemmrückstand; 
ab  und  zu  finden  sich  sehr  schlecht  erhaltene,  abgerollte  Fora- 
miniferen  in  denselben,  die  ich  für  eingeschwemmte  jurassische 
Formen  halte.  Der  Reichthum  an  jurassischen  Fossilien  in  den 
Bastberg-Conglomeraten  ist  überhaupt  bedeutend ;  dieselben  sind, 
wenn  sie  isolirt  gefunden  werden,  stark  abgerollt,  oft  kaum  mehr 
kenntlich,  so  z.  B.  die  Gryphiten  {Gryph,  arcuata  Lamk.).  Die- 
jenigen Fossilien  hingegen,  welche  man  beim  Zerschlagen  der 
Gerolle  findet,  sind  sehr  schön  erhalten,  und  das  eingehende 
Studium  derselben  ist  insofern  von  Interesse,  als  es  uns  noch 
Aufschluss  über  solche  Juraschichten  gewähren  kann,  die  einst 
in  dieser  Gegend  vorhanden  waren,  aber  jetzt  durch  die  Erosion 
entfernt  sind.  So  deutet  z.  B.  ein  Block  von  dichtem,  homogenem, 
rosa  geübtem  Kalk  mit  Eorallenresten  (?  Thamnastreen)  auf 
ein  bis  jetzt  in  der  Gegend  unbekanntes  Vorkommen  hin.  Ge- 
rolle von  dem  mitteleocanen  Süsswasserkalk  sollen  auch  im 
Conglomerat  vom  Bastberg  vorkommen;  femer  beweisen  zahl- 
reiche Bohnerzkömer  im  Conglomerat,  dass  auch  die  unter  den 
eoc&nen  Süsswasserkalken  und  Meißeln  der  Umgegend  liegenden 
Bohnerzbildungen  hier  z.  Th.  regenerirt  worden  sind. 

Am  Scharrachberg  (316  m  hoch)  nördlich  von  Wolxheim 
bedecken  ganz  ähnliche  jurassische  Conglomerate,  wie  am  Bast- 
berg, die  Gipfel  eines  bedeutenden  Yogesenvorberges.  Der  Ha'upt- 
oolith*   wiegt,  vor,   neben  ihm  findet  sich  Muschelkalk,   selten 


1.  Bemerkenswerth  dürfte  Tielleicbt  das  Vorkommen  von  Am,  {Stephamocera$) 
ßlagdeni  Sow.  in  den  GeröUen  sein,  eine  im  lothringer  Korallenkalk  bäoüge  Art, 
während  in  den  BumphriesittHus^hkhien  des  Elsass  sich  noch  eher  neben  dem 
Leitammoniten  der  Steph.  Braikenridgi  Sow.  sp.  findet,  den  ich  auch  aus  den 
GeröUen  des  BasQ>erges  kenne. 


^  295 

Voltziensandstein  und  YogesensandsteiD,  und,  wie  Daubbee  angibt, 
sehr  selten  auch  granitische  Rollstücke,  welch  letztere  ich  nicht 
beobachtet  habe.  An  drei  Stellen  bemerkte  ich  an  der  Basis  der 
Gonglomerate  Mergel,  die  petrographisch  den  unteroligocänen 
grünen  Mergeln  der  Gegend  von  Pechelbronn  gleichen.  Sie 
fanden  sich  in  einem  umgegrabenen  Weinberge  auf  dem  Hügel 
von  Wolxheim  sowie  an  zwei  anderen  Stellen  auf  der  Seite  nach 
Scharrachbergheim  zu  und  bestehen  aus  einem  grau-grünen, 
nicht  sehr  plastischen  Mergel  von  beträchtlichem  Ealkgehalt, 
zuweilen  mit  weissen  Ealkconcretionen.  Der  Schlemmrückstand 
besteht  der  Hauptmasse  nach  aus  gerundeten  weissen  und  gelb- 
lichen Ealkstückchen,  ausserdem  enthält  er  Quarztrümmerchen, 
Brauneisen  und  selten  etwas  Pyrit.  Es  fand  sich  in  demselben 
eine  Anzahl  von  Foraminiferen,  welche  sich  dadurch  auszeichnen, 
dass  sie  sehr  klein  sind,  nicht  mit  bekannten  Arten  überein- 
stimmen und  öfters  eine  rauhe  Schalenbeschaffenheit  zeigen. 
Ausser  den  Foraminiferen,  die  vielleicht  z.  Th.  eingeschwemmte 
Formen  sein  dürften,  fanden  sich  schlechte  Bryozoen  und  Zwei- 
schalerreste  (erstere  wahrscheinlich  aus  Juraschichten  einge- 
schwemmt) und  wenige  Ostracoden.  Diejenigen  Foraminiferen, 
welche  entweder  durch  ihre  Häufigkeit  oder  ihre  Gestalt  auf- 
fallen, sind  nachstehend  beschrieben: 


1.  Haplophrcbgmium  sp.  ined. 

Ein  winzig  kleines  (Länge  0,25  mm),  bischofstabförmiges, 
grob  agglutinirtes  Haplophragmium  mit  etwa  7  Kammern,  die 
durch  tiefe  Nähte  getrennt  sind,  liegt  mir  vor.  Es  erinnert 
einigermassen  an  H.  veiusium  T.  &  B.  aus  dem  Lias,  ist  jedoch 
nicht  identisch  mit  ihm.  Unter  den  tertiären  Formen  gleicht 
ihm  das  allerdings  viel  grössere  und  breitere  H.  Lobsannense  m. 
aus  dem  Septarienthon  des  Elsass  noch  am  meisten.    Ob  diese 


296  % 

sehr  seltene  Form  eingeschwemmt  oder  autochton  ist,  lässt  sich 
nicht  sicher  entscheiden. 

2.  Fiecamiufn  Scharrachbergense  nov.  sp. 

Taf.  VI,  fig.  16  a,  6. 

Diese  am  Scharrachberg  häufige  Art  gehört  zu  deiyenigen 
Plecanien,  welche  eine  vertical  gestellte  Mündspalte  besitzen,  also 
das  agglutinirende  Aequivalent  der  Bolivinen  bilden,  während  die 
meisten  anderen  Plecanien  mit  feiner  horizontaler  Mundspalte 
(z.  B.  PI.  lacerum  d'Obb.  sp.)  agglutinirende  Textilarien  sind. 
Unsere  Art  erreicht  durchschnittlich  eine  Grösse  von  0,s — 0,4  mm; 
die  Schale  ist  grob  und  zwar  kieselig-agglutinirt,  so  dass  sie  von 
Salzsäure  nicht  angegriffen  wird.  Die  Form  ist  spitz  kegelförmig,  die 
Anzahl  der  zweizeiligen  Kammern  beträgt  meist  7.  P.  Scharrach- 
hergense  ist  ziemlich  variabel,  sowohl  in  Form  und  Grösse;  zuweilen 
finden  sich  gebogene  und  gedrehte  Exemplare,  oder  auch  solche, 
die  in  der  unteren  Hälfte  eine  Einschnürung  zeigen.  Ziemlich  nahe 
verwandte  Formen,  die  sich  jedoch  ohne  Schwierigkeit  von 
unserer  Art  unterscheiden  lassen,  sind  Plec.  depravatum  Schwag. 
aus  dem  Impressathon  Schwabens  und  Plec.  agglutinans  Seg.  sp. 
aus  dem  Pliocän  von  Catania.  Wegen  des  häufigen  Vorkommens 
möchte  ich  unsere  Art  nicht  als  eingeschwemmte  Form  ansehen. 

3.    VemeuUina  sp.  ined. 

Taf.  VI,  fig.  15  a,  6. 

Eine  eigenthämliche,  kleine  Art,  welche  in  den  Thonen 
vom  Scharrachberg  sehr  selten  ist,  mochte  ich  wegen  ihrer 
auffallenden  Form  nicht  ganz  bei  Seite  lassen.  Dieselbe  zeigt 
ein  ganz  deutlich  dreizeilig  angeordnetes,  0,2  mm  langes  Gehäuse, 
und  jede  einzelne  Reihe  enthält  6 — 7  gerundete  Kammern.  Die 
Schalenbeschaffenheit  ist  feinkörnig,  agglutinirend.  Da  die  Gau- 
dryinen  in  ihrer  Jugend  dreizeilig  und  im  Alter  zweizeilig  wachsen. 


297 

da  es  ferner  vorkommt,  dass  Gaudrylnen  an  gewissen  Lokalitäten 
in  der  Regel  klein  und  dreizeilig  bleiben,  so  wäre  es  immerhin 
möglich,  dass  wir  es  hier  bei  der  geringen  Grösse  von  0,8  mm 
mit  einer  jugendlichen  Oaudryina  zu  thun  hätten;  mir  scheinen 
jedoch  folgende  Factoren  dagegen  zu  sprechen:  erstens,  dass 
unsere  Form  zu  schlank  ist  und  zweitens,  dass  dieselbe  schon 
eine  zu  beträchtliche  Anzahl  von  Kammern  besitzt,  um  mit  einem 
Gau dryinen -Embryonalende  verglichen  zu  werden.  Ich  kenne 
keine  Form,  die  der  obigen  Art  sehr  nahe  steht. 

4.  Oaudryina  ct.  globtUifera  Rss.  jav. 

Neben  der  vorhin  genannten  Vemeuilina  kommen  am 
Scharrachberg  gleichfalls  sehr  selten  solche  Formen  vor,  welche 
kürzer  und  viel  breiter  sind  sowie  gleichfalls  einen  dreizeiligen 
Aufbau  der  weniger  stark  gerundeten  Kammern  zeigen.  Sie  sind 
mit  der  vorigen  Form  nicht  zu  verwechseln  und  dürften  wohl  Em- 
bryonalenden der  im  elsässer  Septarienthon  häufigen  G.  chüostoma 
Rss.  var.  globulifera  Rss.  sein. 

6.  Lagena  vtUgaris  Will. 
Taf.  VI,  fig.  13. 

Kleine  Lagenen  von  0,i5  mm  Länge  finden  sich  nicht  selten 
im  Schlemmrückstand;  sie  gehören  zum  Formenkreis  des  Z.  vul- 
garis, die  eine  ausserordentlich  grosse,  verticale  Verbreitung 
besitzt  (Lias?  bis  recent).  Sie  sind  auffallend  klein  und  ganz 
glatt.  Das  abgebildete  Stück  ist  ein  ziemlich  schmales  Exemplar. 

6.  Lingulina  sp. 

Taf.  VI,  fig.  7  a,  b. 

Eine  sehr  kleine  0,2  mm  messende  Form,  welche  sehr 
selten  ist,  liegt  mir  vor.  Dieselbe  hat  4  Kammern  und  zeigt 
4  breite  Längswülste.  Sie  soll  hier  nur  beiläufig  erwähnt  werden. 


298 


7.  Nodoaai^ia  Wetzeli  n.  sp. 

Taf.  VI,  fig.   12  a,  6. 

•Das  kleine  Gehäuse  (0,22  mm)  ist  bauchig,  spindelförmig, 
unten  etwas  breiter  als  oben,  im  Durchschnitt  kreisförmig.  Die 
Mündung  steht  central  und  ist  einfach  rund;  der  entgegengesetzte 
Pol  ist  mit  einer  kurzen,  geraden  Spitze  versehen.  Etwa  13 
Längsrippen  sind  vorhanden.  Die  Schale  ist  glasig  und  lässt 
deutlich  5  innere  opake,  ausgefällte  Kammern  durchscheinen, 
welche  einander  nicht  umfassen.  Diese  sehr  zierliche  Art  gehört 
zu  denjenigen  Nodosarien,  welche  sich  mit  gewissen  Marginulinen- 
formen  nahe  berühren,  die  namentlich  im  Lias  verbreitet  sind, 
wie  Marg,  aequalis  Tsbq.,  M.  cuneata  Tebq.,  M.  omata  Tsbq. 
und  andere;  auch  in  der  Kreide  finden  sich  ähnliche  Formen 
wieder,  von  denen  ich  hier  nur  M.  dispar.  Rss.  aus  dem  braun- 
schweiger  Hils  hervorheben  will.  Andere  Formen,  die  gleichfalls 
in  die  Verwandtschaft  der  obigen  Art  gehören,  sind  als  Denialina 
beschrieben,  so  D.  Fontannesi  Bebth.  aus  dem  Albien  von 
Montcley  (Doubs),  oder  als  OlanduUna  wie  Ol,  cosiata  Tebq. 
aus  dem  Lias.  Unsere  Form  kann  jedoch  mit  keiner  von 
diesen  Arten  verwechselt  werden,  und  der  ausgezeichnete  Er- 
haltungszustand der  allerdings  sehr  seltenen  Art  lässt  zweifeln, 
ob  wir  es  mit  einer  eingeschwemmten  oder  autochtonen  Form 
zu  thun  haben. 

8.  MargintUina  alsatica  n.  sp. 

Taf.  VI,  fig.  11  a,  6. 

Der  Evolubilität  und  dem  elliptischen  Durchschnitte  nach 
gehört  diese  Form  in  die  Verwandtschaft  der  Marg.  tumida  Rss.; 
sie  weicht  jedoch  dadurch  von  den  mitteloligocänen  Formen 
dieser  Art  ab,  dass  sie  viel  kleiner  (nur  0,55  mm  lang),  zier- 
licher  und  am   unteren  Ende   etwas   dicker  ist.   Unsere  Form 


299 

zeigt  ferner  einen  kurzen  Sipho  an  der  Mündung,  was  ebenfalls 
bei  den  eocänen  Formen  der  M,  tumida  der  Fall  ist.  Die  Anzahl 
der  Kammern  beträgt  8,  die  Nähte  stehen  in  dem  unteren  Theil 
des  Gehäuses  weniger  schräg  als  oben,  das  Embryonalende  ist 
etwas  umgebogen  und  ziemlich  dick.  M.  Parkeri  Rss.  aus  dem 
Hils  steht  unserer  Form  offenbar  auch  sehr  nahe  und  unter- 
scheidet sich  wesentlich  durch  ihre  kleinere  Mündungskammer. 
Die  Art  ist  selten  und  meist  nur  in  Bruchstücken  bekannt;  es 
wäre  wohl  möglich,  dass  wir  es  mit  einer  eingeschwemmten 
Form  zu  thun  haben. 

9.  CrtsteUaria  sp.  ined. 

Taf.  VI,  fig.  8  a,  h. 

Das  Gehäuse  ist  breit,  gleichmässig  flach,  sehr  evolut,  am 
Rücken  comprimirt,  jedoch  ohne  Kiel.  Die  Grösse  beträgt  0,s  mm, 
und  es  sind  gewöhnlich  8  Kammern  vorhanden.  Aehnliche  Gristel- 
larien  sind  ziemlich  weit  verbreitet,  ohne  dass  ich  eine  wirklich 
sehr  nahe  stehende  Form  nennen  kann^  Die  Art  ist  selten, 
zeigt  gewöhnlich  eine  etwas  matte  Schale  und  dürfte  wohl  zu 
den  eingeschwemmten  Formen  gehören. 

10.  CristeUa/Ha  conglomeratica  n.  sp. 

Taf.  VI,  fig.  9  a,  h. 

Das  Gehäuse  ist  0,3  mm  lang,  sehr  evolut,  schmal,  überall 
ziemlich  gleichbreit  und  besteht  aus  6  Kammern,  von  welchen 
die  jüngste  lang  und  schmal  ist  und  an  der  Stirnseite  eine 
schwache  Ausbuchtung  zeigt.  Am  Rücken  ist  das  Gehäuse  ver- 
schmälert, gerundet  und  ungekielt.  Die  Nähte,  namentlich  die, 
welche   die   oberen  Kammern  trennen,   sind   ziemlich  tief.    Die 


1.  Aehnlich  unserer  Art  ist  eine  Varietät  der  Crist.  semiinvoluta  Teeq.,  welche 
auf  PI.  XIII,  fig.  7  in  dem  Werke  von  Terqoem,  Foram.  du  Syst.  oolith.  (Z.  de 
rim.  Parkinson!)  1883,  abgebildet  ist. 


300 

« 

Mündung  ist  in  eine  Spitze  ausgezogen.  Unsere  Art  nähert  sich 
auffallender  Weise  gewissen  Cristellarien,  welche  Schwagbb  aus 
dem  Impressathon  beschrieben  hat,  so  z.  B.  der  Cr.  supror 
jurassica,  Cr.  pauperata  und  Cr.  ATberti,  l&sst  sich  jedoch  mit 
keiner  derselben  vereinigen.  Ich  halte  die  sehr  seltene  Form 
für  eine  aus  den  Jura-Schichten  eingeschwemmte  Art. 

1 1.  Mobulina  Bhenana  nov.  sp. 

Taf.  VI,  fig.  10. 

Eine  schöne,  grosse  Form,  die  jedoch  oft  zerbrochen 
oder  mit  corrodirter  Schale  gefunden  wird  und  nicht  häufig 
ist.  Das  involute  Gehäuse  misst  gewöhnlich  I  mm,  zeigt  an 
16  durch  ganz  flache  Nähte  getrennte  Kammern,  ist  massig 
bauchig,  scharf  gekielt  und  hat  keine  Nabelscheibe.  Die  Mündung 
ist  länglich  oval,  gestrahlt.  Die  letzte  Kammer  zeigt  unterhalb 
der  Mündung  eine  Einbuchtung.  Ich  konnte  sie:  mit  keiner  der 
zahlreichen  abgebildeten  Robulinen  identificiren.  Da  ich  aus 
jurassischen  Mergeln  ^es  Elsass  ähnliche,  wenn  auch  nicht 
ganz  übereinstinflnende  Formen  kenne,  so  halte  ich  die  Art  für 
eingeschwemmt  und  erwähne  sie  nur,  da  die  sorgfiltig  ge- 
zeichnete Abbildung  einmal  angefertigt  war. 

12.  TrunccOulina  Weinkauf fi  Bss. 

Diese  typische  Art  des  elsässer  SeptArienthones  fand  sich 
sehr  selten  am  Scharrachberg. 

13.  Ccrwu9pira  pygmaea  n.  gp. 

Taf.  VI,  fig.  14. 

Die  Art  hat  eine  dichte,  rauhe  Kalkschale  und  ist  eng 
au^ewunden.  Die  Dicke  der  Windungen  kommt  etwa  der  Breite 
gleich,  der  Durchschnitt  derselben  ist  vierseitig  gerundet.  Zu- 
weilen sind  die  Exemplare  auf  der  einen  Seite  gewölbt,  auf  der 


301 

anderen  trichterartig  eingesenkt.  Die  5 — 6  äusseren  Umgänge 
sind  sehr  deutlich  zu  sehen,  die  inneren  sind  nicht  mehr  genau 
erkennbar.  Die  Grösse  beträgt  nur  0,2  mm.  Aehnliche  Formen 
finden  sich  schon  in  vortertiären  Schichten,  so  C.  fiUformis  Bss. 
von  St.  Gassian,  C.  numismalis  Tebq.  sp.  im  Lias,  C,  lenuissima 
GuE.  sp.  im  unteren  Malm.  Von  den  grösseren  Arten  des  Sep- 
tarienthones,  namentlich  von  C.  angigyra  Rss.,  unterscheidet  sich 
C.  pygmaea  durch  ihre  geringe  Dicke  und  ausserordentliche 
Kleinheit.  Ich  wage  hier  noch  nicht  darüber  zu  entscheiden,  ob 
diese  nicht  gerade  häufige  Form  eingeschwemmt  oder  autochton  ist. 

Ausser  den  erwähnten  Foraminiferen  finden  sich  noch  0,i  mm 
grosse,  dreikammerige  Eörperchen,  von  welchen  ich  (Taf.  VI, 
fig.  17  a--c)  eine  Abbildung  gebe.  Selbst  bei  der  Aufhellung 
mit  Glycerin  war  nichts  von  Ineinanderschachtelung  der  Kam- 
mern zu  bemerken,  da  die  beiden  inneren  Kammern  stets  opak 
blieben.  Die  Schale  ist  glatt,  glänzend  und  bei  sehr  starker 
Vergrösserung  fein  punktirt.  Man  möchte  unwillkürlich  daran 
denken,  dass  man  es  mit  Embryonalenden  irgend  welcher  Fora- 
miniferen zu  thun  hätte;  auffallend  ist  jedoch  ^abei,  dass  diese 
Körperchen ,  wenn  sie  auch  nicht  gerade  häufig  vorkommen,  doch 
immer  die  constante  Zahl  von  3  Kammern  zeigten.  Ich  möchte  hier 
nur  die  Aufmerksamkeit  auf  diese  problematischen  Gebilde  lenken. 

Ganz  ähnliche  Verhältnisse  wie  am  Scharrachberg  zeigen 
sich  auf  dem  unmittelbar  nördlich  davon  gelegenen  Hügel  von 
Odratzheim,  nur  dass  wir  hier  unter  den  Gonglomeraten  noch 
Bänke  eines  groben  Sandsteines  finden. 

Folgen  wir  dem  Abhang  der  Vogesen  noch  weiter  nach 
Süden,  so  treffen  wir  zwischen  Bischofsheim  und  Oberehn- 
heim  abermals  einen  hohen  Vogesenvorberg  an,  den  Bischenberg 
oder  Nationalberg  (363  m  hoch),  der  ebenfalls  in  seinem  oberen 
Theil  aus  Gonglomeraten  besteht.  Das  Liegeude  der  Gonglome- 
rate bildet  ein  eocäner  Süsswasserkalk,  ungefähr  vom  Alter  des 


302 

Bachsweiler  Kalkes,  und  über  demselben  folgen  YOrwiegend  aus 
Hanptoolith  bestehende  Conglomerate  von  bedeutender  Mächtig- 
keit, welche  mit  Ealksandsteinbänken  and  graa-gelben  Mergeln' 
wechseln.  Die  einzelnen  im  Conglomerat  wechsehiden  Schichten 
besitzen  keine  grosse  horizontale  Erstreckung,  sondern  keilen 
sich  sehr  schnell  aas,  ein  Umstand^  aof  welchen  schon  Dau- 
bbse (L  c.  pg.  203)  hingewiesen  hat.  Das  Conglomerat  besteht 
ans  Haaptoolith  und  enthalt,  namentlich  auf  der  Höhe  des 
Berges,  sehr  grosse,  oft  nur  locker  verbundene  und  Yollstandig 
gerundete  Blöcke.  Erwähnt  sei  hier  noch  das  Vorkommen  von 
Rollstücken  des  liegenden  Sässwasserkalkes  im  Conglomerat. 
Ganz  vereinzelt  sah  ich  auch  einige  kleinere  Stacke  von  Bunt- 
sandstein  im  jurassischen  Conglomerate  neben  anderen  schon  bei 
dem  Scharrachberg  erwähnten  Gesteinsrollstücken  eingebacken'. 
Die  oligocänen  Conglomerate  des  Bischenberges  werden  auf  der 
östlichen  Seite,  am  Fusse  des  Berges,  von  typischem  Löss  (mit 
Hx.  hispida  L.,  Pup.  muscorum  L.,  Cl.  parvtda  Stud.  und  Suc, 
oblonga  Db.)  bedeckt. 

Der  Hügel  von  Bernhards  weiler  (248  m  hoch),  welcher  viel 
unbedeutender  ist  als  der  Bischenberg,  zeigt  wiederum  oligocäne 
Conglomerate,  welche  direkt  den  Doggerschichten  auflagern.  Die 
Mannigfaltigkeit  der  jurassischen  Gesteine  ist  hier  eine  relativ 


1.  Dieselben  enthalten  hin  und  wieder  Tereinzelte  Foraminiferen,  die  meist 
abgerieben,  zerbrochen  und  jedenfalls  aus  jurassischen  Schichten  eingeschwemmt  sind. 

2.  Die  Oberfläche  des  Bischenberges  ist  mit  gewaltigen,  eckigen  Blöcken  Ton 
Vogesensandstein  meist  aas  dem  Hauptconglomerat  übersäet;  ähnliche  Blöcke  finden 
sich  ziemlich  häufig  nahe  am  Vogesenabhang  dieser  Gegend.  Dieselben  werden  von 
Dacbri^e  als  «blocs  erratiques»  angesprochen,  während  Bleichei  (Essai  de  gtol. 
comp,  des  Pyrin^es  et  des  Vosges,  1870,  pg.  $1)  Ton  ihnen  sagt  .  .  .  «Ces  €]&- 
ments  d^tritiques  sont  superpos^  ou  adoss^s  aox  couches  r^gulidres  de  ces  forma- 
tions  marines,  ...  et  correspondent  ä  une  phase  de  d^nudation  plus  rtonte,  peut- 
6tre  pliocöne.»  Ich  bin  eher  geneigt,  der  DAiBRSE'scben  Ansicht  folgend,  sie  f&r 
diluvial  anzusehen. 


303 

grössere  wie  in  den  yorhergenannten  Gonglomeraten,  auch  sind 
Stücke  des  eocänen  Sfisswasserkalkes  nicht  selten.  Die  einge- 
schalteten Mergel  und  Thonschichten  enthielten  keine  Fossilien. 

Auf  der  Gloriette  (an  350  m  hoch)  nördlich  von  der  Stadt 
Barr  treffen  wir  wieder  dieselben  oligocänen  Gonglomerate  an;  es 
sind  zum  Theil  recht  grosse  und  wohl  gerundete,  glatte  Boll- 
blöcke,  aus  ziemlich  mannigfaltigen,  jurassischen  Gesteinen  be- 
stehend. Häufig  sind  eisenschüssige  Sandsteine  der  Murchison- 
schichten  (mit  Pecten  pumilus  Lamk.  und  Fleurotomaria  armaia 
MüNST.,  Harpoc.  Murchisonae  Sow.  sp.,  etc.).  Unter  dem  Conglo- 
merat  soll  nach  Daubbee  ein  grünlicher  Mergel  liegen,  den  ich 
leider  nicht  aufgeschlossen  fand,  der  aber  offenbar  ein  Aequi- 
valent  der  Mergel  des  Scharrachberges  sein  dürfte. 

Im  Anschluss  an  die  besprochenen  oligocänen  Conglome- 
rate,  die  vorwiegend  aus  jurassischen  und  zwar  zumeist  aus 
Hauptoolithgeröllen  bestanden,  will  ich  nur  noch  den  Hügel 
zwischen  Ittersweiler  und  Blienschweiler  nennen,  wo  sich 
ebenfalls  jurassische  RoUsteine  finden. 

Versuchen  wir  das  genauere  Alter  der  eben  genannten 
oligocänen  Conglomerate  zu  ermitteln,  so  treffen  wir  auf  grössere 
Schwierigkeiten.  Dieselben  haben  als  einzige  Fossilien  wenige 
Foraminiferen  geliefert,  die  entweder  aus  Juraschichten  einge- 
schwemmt sind  oder,  soweit  sie  von  tertiärem  Alter  zu  sein 
scheinen,  keinen  bestimmten  Horizont  kennzeichnen.  Sie  über- 
lagern entweder  eocäne  Süsswasserkalke  oder  grünliche  Mergel, 
die  wohl  zum  Unteroligocän-  gehören  dürften.  Bedeckt  werden 
sie  ausschliesslich  nur  vom  Diluvium.  Die  wahrscheinlichste  An- 
nahme dürfte  noch  sein,  dass  diese  Gonglomerate  mit  dem  tiefsten 
Mitteloligocän  beginnen,  der  Hauptmasse  nach  noch  zum  Meeres- 
sand  gehören,  an  einigen  Stellen  (?  Bischenberg)  jedoch  bis  in 
höhere  Niveaus  des  Oligocäns  hinaufreichen.  Sie  sind  ebenso 
wie  die  Muschelkalkconglomerate  des  nördlich  davon  gelegenen 


304 

Gebietes  unzweifelhafte  Küstenbildungen ,  lagern  immer  auf  den 
mesozoischen  Gesteinen  auf,  aus  dessen  Trümmern  sie  vor- 
wiegend gebildet  werden,  und  bestehen  meist  in  den  tieferen 
Lagen  aus  feineren,  fest  cementirten,  in  den  höheren  aus  groben, 
mehr  oder  weniger  locker  verbundenen  Elementen. 

Im  Ober-EIsass  finden  sich  ganz  in  der  gleichen  Weise 
oligocäne  Gonglomerathügel  am  Fusse  der  Yogesenkette.  Der 
Hügel,  auf  welchem  Beblenheim  liegt,  besteht  aus  Kalksand- 
steinbänken und  Gonglomeraten,  die  nach  Delbos  und  Kcechlin- 
ScHLüMBEBGEB  (1.  c.  pg.  68)  aus  Muschclkalk,  Vogesensandstein 
und  Hauptoolith  bestehen. 

Viel  mächtiger  und  interessanter  sind  jedoch  die  Conglo- 
merate,  welche  wir  weiter  südlich  an  der  Mündung  des  Münster- 
thaies in  die  Bheinebene,  bei  Türkheim  auf  dem  Letzenberg 
begegnen  (ungef.  350  m  hoch).  Zwischen  Wettolsheim  und  Pfaf- 
fenheim zeigen  sich  dann  wiederum  mehrfach  Spuren  von  oli- 
gocänen  Sandsteinen  und  Conglomeraten,  bis  wir  schliesslich  zu  den 
sehr  mächtigen  Molassen  des  Hügels  von  Rufach  (ungef.  390  m 
hoch)  und  des  Bollenberges  (416m  hoch)  gelangen.  —  Sowohl  die 
Gonglomerate  der  beiden  letztgenannten  Lokalitäten,  sowie  die  des 
Letzenberges  bestehen  wieder  vorwiegend  aus  jurassischen  Ge- 
steinen, welchen  sie  auch  direkt  aufgelagert  sind.  Rollsteine  aus 
dem  unteren  und  oberen  Dogger  überwiegen,  während  triadische 
GeröUe  seltener  sind,  und  die  alten  krystallinen  Gesteine,  sowie 
die  Grauwacken  der  Vogesen  fehlen.  Der  wichtigste  Umstand 
ist  jedoch  derjenige,  dass  während  im  unteren  Theile  noch  ächte 
Meeressandfossilien  vorkommen  S  im  oberen  Theile  der  Conglo- 
merate  und  Sandsteine  des  Letzenberges  und  des  Hügels  von 


1.  Am  FlorimoDt  unweit  Colmar  fand  Claddon  Panopaea  Beberti  Bosq.  im 
Kalksandstein  nnter  den  Gonglomeraten ;  er  erwähnt  sie  ferner  vom  Letzenberg.  Feuille 
des  jeunes  nat.  1882,  pg.  101.  La  colline  d'Ingersheim  comme  Station  giologique,  bo- 
tanique  etc. 


305 

fiufach  in  eingeschalteten  Mergelschichten  Fossilien  (von  Blei- 
ches, Delbos,  Egqghlik-Sohlümbebgeb  und  Faüdel)  aufgefun- 
den wurden,  die  einem  höhereu  Niveau  angehören.  Diese  Fossilien 
zeigen  uns,  dass  die  Conglomerate  in  dieser  Gegend  jedenfalls 
noch  bis  in  die  Oberoligocänzeit  hineinreichen.  Dieselben  wurden 
bei  Behandlung  dieser  Formation  schon  ausführlich  besprochen 
(pg.  284 — 286)  und  können  hier  füglich  übergangen  werden. 

Der  tiefere  Theil  dieser  Gonglomerathügel  ist  ähnlich  wie 
der  obere  Theil  zusammengesetzt.  Während  in  dem  letzteren 
neben  den  Conglomeraten  Kalksandsteine  und  öfters  eigenthüm- 
lich  weinroth  gefärbte  Mergel  vorkommen,  so  finden  wir  in  dem 
ersteren  zwischen  den  Gonglomeraten  graue  bis  gelbe  Mergel 
eingeschaltet,  und  die  Sandsteine  treten  zurück.  Die  unteren 
Gonglomerate  und  Mergel  sind  gewöhnlich  ganz  steril,  und  ich 
bemerkte  nur  an  einer  Stelle,  etwa  in  der  halben  Höhe  des 
Berges  von  Rufach,  eine  kleine  aber  interessante  Foramini- 
ferenfauna,  die  zwar  an  Arten  sehr  arm,  aber  relativ  reich  an 
Individuen  ist.  Neben  einem  ziemlich  häufigen  glatten  Ostra- 
coden  fanden  sich  folgende  Foraminiferen : 

1.  JBtUimina  coproUthoides  n.  sp. 

Taf.  VI,  fig.  4  a,  6,  c,  d. 

Das  Gehäuse  misst  gewöhnlich  gegen  3  mm,  ist  verlängert- 
oval,  deutlich  spiralig  aufgebaut  und  zeigt  meist  4  Umgänge.  Von 
der  Oberseite  betrachtet,  erblickt  man  bei  erwachsenen  Exem- 
plaren nur  3  Kammern.  Die  Mündung  besteht  aus  einer  breiten, 
verticalen  Spalte.  Die  Nähte  sind  ziemlich  tief.  Die  Schale  ist  fein 
perforirt,  was  am  deutlichsten  zu  erkennen  ist,  wenn  ein  Braun- 
eisensteinkern das  Innere  der  Kammern  erfüllt.  Bei  ziemlich  vielen 
Exemplaren  ist  die  Schalenoberfläche  etwas  corrodirt.  Keine  mir 
bekannte  Buliminenform  zeigt  eine  besonders  nahe  Verwandtschaft 
zu  unserer  Art.  Ziemlich  häufig  in  den  Mergeln  von  Rufach. 

III.  20 


306 


2.  Textilarta  alsoHca  n.  sp. 

Taf.  VI,  fig.  5  a,  6. 

Das  lange,  schmale,  seitlich  zusammengedrückte  aber  uu- 
gekielte  Gehäuse  zeigt  meistens  10 — 11  Kammern  in  jeder 
Reihe  und  erreicht  eine  Länge  von  0,4  mm.  Die  Seitenränder 
des  Gehäuses  sind  öfters  annähernd  parallel  oder  laufen  in  einem 
sehr  spitzen,  am  Ende  gerundeten  Dreiecke  zusammen.  Die 
Stellung  der  Kammern  zu  einander  ist  ähnlich  wie  bei  Bolkina 
elongaia  Hahtk.,  von  der  sie  jedoch  durch  ihre  viel  breitere 
und  kürzere  Mündung  abweicht,  weshalb  ich  unsere  Art  noch 
zu  Teuü'Iaria  stelle.  Sie  ist  häufig  im  Mergel  von  Bufach. 

3.  Texitlaria  inflaia  n.  sp. 

Taf.  VI,  fig.  6  a,  h. 

Diese  Art  ist  verwandt  mit  der  vorigen  und  gleicht  ihr 
namentlich  in  Bezug  auf  die  Mündung,  welche  vollständig  ebenso 
hoch  wie  breit  ist,  so  dass  man  im  Zweifel  bleibt,  ob  man  die 
Art  nicht  zu  den  Bolivinen  stellen  soIL  Sie  unterscheidet  sich 
von  der  vorigen  durch  ihre  dickeren  Kammern,  tiefem  Nähte 
und  ihre  breitere,  dreieckige  Form.  Sie  zeigt  bei  einer  durch- 
schnittlichen Grösse  von  0,15  mm  jederseits  nur  ungefähr  6  Kam- 
mern, die  nach  oben  hin  recht  gross  und  bauchig  werden.  Diese 
Form  ist  sehr  veränderlich;  auch  findet  man  oft  gekrümmte  und 
gedrehte  Exemplare.  Sie  ist  seltener  als  die  vorige  und  findet 
sich  mit  ihr  zusammen. 

Dem  Abhänge  der  Vogesen  folgend,  treffen  vrir  auch  noch 
weiter  südlich  an  verschiedenen  Stellen  die  oUgocänen  Con- 
glomerate  an,  so  bei  Sulz  unweit  Gebweiler,  östlich  von 
Thann,  dann  in  der  Gegend  von  Bodern  und  Leimbach  und 
bei  Sentheim;  neben  dem  Muschelkalke,  jurassischen  Gerollen 
und  dem  Voltziensandsteine  sind  hier  der  Vogesensandstein.  sowie 


307 

Quarzgerölle  namentlich  vertreten.  Grauwacke  und  krystalline 
Gesteine  fehlen  und  bilden  so  einen  Anhaltspunkt  zur  Unter- 
scheidung von  jüngeren,  quartären  Geröllablagerungen,  auf  welchen 
schon  von  yerschiedenen  Seiten  aufmerksam  gemacht  worden  ist. 

Die  Conglomerate  erstrecken  sich  noch  weit  nach  Süden 
und  reichen  in  einzelnen  Vorkommnissen  bis  in  die  Gegend  von 
Beifort,  Montb^liard  und  bis  in  den  Berner  Jura  hinein;  sie 
bestehen  alsdann  vorwiegend  aus  Gerollen  von  jüngeren  Jura- 
gesteinen und  reichen  oft  bis  in  das  Oberoligocän  hinauf.  Ich 
erwähne  nur  als  Beispiele  einige  Vorkommnisse  von  Conglome- 
raten,  wie  Bourogne,  M^zir^  und  Boncourt  in  der  Gegend 
von  Montb61iard. 

Am  Fusse  der  Pfirter  Berge  und  in  der  Gegend  von 
Basel  finden  wir  vorwiegend  eine  sandige  Entwicklung  des 
unteren  Mitteloligocäns  (Meeressandes),  über  welcher  sich  dann 
später  die  Fischschiefer  absetzten.  In  der  geologischen  Departe- 
ments-Beschreibung von  Dblbos  und  Kceghlin-Schlümbeboeb 
werden  beim  Tongrien  eine  ganze  Anzahl  von  Fundstellen  er- 
wähnt, die  hierher  gehören  dürften,  wie  Besingen,  Hegen- 
heim, Neuweiler,  Ober-  und  Unter-Hagenthal,  Liebents- 
weiler,  Bettlach,  Roppentzweiler  und  andere.  Eigentliche 
Küstenconglomerate  finden  sich  jedoch  nur  in  beträchtlicherer 
Entwicklung  in  der  Gegend  von  Bädersdorf  und  Oltingen, 
und  auch  diese  bestehen  vorwiegend  aus  Gerollen  des  oberen 
Jura  (und  zwar  Astartien). 

Verfolgen  wir  noch  in  einem  kurzen  Ueberblick  die  Küsten- 
bildungen längs  des  Schwarz waldes ,  so  ist  zu  bemerken,  dass 
sich  dieselben  ausschliesslich  in  Oberbaden  finden  und  nur  bis 
in  die   Gegend   von    Lahr   (Schutterlindenberg)*    reichen.    Sie 

1.  Genauere  Auskunft  Ober  dieses  Vorkommen  gibt  das  neuerdings  erschienene 
Werk  von  H.  Eck  «Geognoslische  Karte  der  Umgegend  von  Lahr  mit  Profilen  und 
Erläuterungent.  Lahr,  1884,  pg.  100  and  tOt. 


308 

zeigen  ganz  die  gleiche  Entwicklung  wie  im  Elsass  und  bestehen 
aus  Kalksandsteinen,  Conglomeraten  und  einzelnen  Mergellagen. 
Der  grösste  Theil  dieser  Bildungen  gehört  offenbar  zum  Meeres- 
sand, wie  dies  die  bei  Rötteln  und  Lörrach  gefundenen  Fos- 
silien anzeigend 

In  besonderer  Weise  hervorzuheben  sind  noch  die  Con- 
glomerate  auf  der  Spitze  des  646  m  hohen  Schönberges  bei 
Freiburg,  welche  so  vollständig  mit  depjenigen  des  Elsass 
übereinstimmen,  dass  schon  von  Daubbee  (1.  c.  pg.  215  und  398) 
auf  ihre  Aehnlichkeit  hingewiesen  wurde. 

Es  bleibt  uns  noch  übrig,  einige  Eigenthümlichkeiten  zu 
erwähnen,  welche  die  Gerolle  der  oligocänen  Conglomerate  auf- 
weisen. Namentlich  Daubbee  hat  schon  in  früherer  Zeit  die 
Aufmerksamkeit  auf  diese  Erscheinungen  gelenkt. 

Was  die  Grösse  der  einzelnen  Gerolle  betrifft,  so  haben 
wir  schon  gesehen,  dass  dieselbe  sehr  wechselnd  ist;  sie  sind 
zuweilen  nicht  viel  grösser  als  eine  Nuss,  oder  noch  kleiner; 
sehr  oft  erreichen  sie  Faustgrösse  oder  beinahe  Eopfgrösse,  indem 
sie  einen  Durchmesser  zwischen  10  und  20  cm  haben,  ja  sie 
erreichen  sogar  30 — 40  und  selbst  50  cm.  (Oltingen,  Bast- 
berg, Gloriette,  Görsdorf,  etc.).  Die  ganz  grossen  Blöcke, 
welche  60 — 70  cm  messen,  finden  sich  nur  in  den  obersten 
Lagen  der  Gonglomerathügel,  sind  nicht  durch  Gement  verkittet 
und  öfters  mit  Diluvium  gemischt,  so   dass   man  nicht  immer 


1.  Nach  Schill's  Angabe  fand  sich  Cyrena  convexa  Brong.  (=  semistriata  Desh.) 
bei  Uffhaosen,  ein  Fossil,  aus  dessen  Vorkommen  wir  hier  keine  veitern  Schlüsse 
ziehen  dürfen,  indem  es  sowohl  im  Unter-  wie  im  OberoHgocän  vorkommt.  Das  Vorkom- 
men von  Palaeotheriutn  magnum  Guv.  (Schill.  g««k  Besch.  der  Umg.  der  Bäder  Qlotter- 
thal  und  Suggenthal.  Abb.  zur  See.  Freiburg  der  top.  Karte  von  Baden,  1862,  pg.  20) 
im  Sandstein  von  Pfaffenweiler  hingegen  ist  sehr  auffallend  und  erweckt  Zweifel, 
ob  dieser  Sandstein  nicht  vielleicht  eher  ein  Aequivalent  der  Blattersandsteine  von 
Spechbach  auf  der  rechten  Rheinseite  ist  und  nicht  zum  Complex  der  jüngeren 
oligocänen  Conglomerate  und  Kalksandsteine  gehört.  Ein  jüngeres  als  höchstens 
unteroligocsnes  Vorkommen  von  Palaeolherium  ist  wenigstens  nicht  wahrscheinlich. 


309 

ganz  sicher  sein  kann,  ob  sie  bei  der  Verwitterung  der  ofigo- 
cänen  Gonglomerate  übrig  geblieben  sind  oder  aus  jüngerer  Zeit 
stammen  (Delbos,  I.e.,  Bd.  II,  pg.  61).  Gewöhnlich  zeigen  die  Ge- 
rolle ein  und  derselben  Schicht  nicht  alhsu  yerschiedene  Grössen. 

Die  Gestalt  der  GeröUe  ist  in  der  Regel  eine  unregel- 
mässig ellipsoidische;  ihre  Oberfläche  ist  stark  gerundet,  öfters 
sogar  geglättet. 

Die  Gerolle  zeigen  zuweilen  Schürfungen  und  Reibungs- 
erscheinungen, „Traces  d'arrachement  ou  d'^tirement",  wie  Dau- 
BBEE  dieselben  nennt ;  er  erwähnt  sie  vom  Scharrachberg  und  Hörn 
bei  Wolxheim.  Dieselben  deuten  darauf  hin,  dass  die  GeröUe  (viel- 
leicht in  einem  theilweise  erweichten  Zustande)  zusammengepresst 
und  gegeneinander  verschoben  worden  sind;  sie  sind  in  ausgezeich- 
neter Weise  auch  am  Letzenberg  bei  Türkheim  zu  beobachten. 
An  demselben  Orte  fanden  sich  auch  HauptoolithgeröUe ,  die 
gegenseitig  sehr  vollkommene  Eindrücke  ineinander  bewirkt 
hatten,  so  dass  es  den  Anschein  gewinnt,  als  ob  das  eine  Ge- 
röUe hart,  das  andere  mehr  oder  weniger  weich  gewesen  wäre. 
Delbos  und  Kcechlin-Sohlümbebgeb  erwähnen  ähnUche  GeröUe 
„galets  impressionn^s"  von  M^zir^  und  Bourogne. 

In  den  Rollsteinen,  namentUch  den  grösseren,  finden  sich 
verschiedenartige  Löcher  und  Höhlungen ;  ja  einzelne  sind  sogar 
im  Inneren  vollständig  ausgehöhlt.  Solche  hohle  GeröUe  von 
Muschelkalk  beobachtete  Daübeee  bei  Görsdorf;  sie  finden 
sich  auch  anderwärts,  z.  B.  an  der  Walkmühle  (bei  Lobsann), 
und  hohle  GeröUe  von  HauptooUth  sah  ich  bei  Bernhards- 
weiler. Ueberhaupt  sind  die  hohlen  GeröUe  keine  so  seltene 
Erscheinung  in  Conglomeraten  und  fanden  sich  auch  im  Leitha- 
kalk des  Wiener  Beckens;  merkwürdigerweise  gibt  es  sogar  hohle 
QuarzgeröUe  im   Vogesensandstein   der    Gegend  von   EpinaP. 


1.  Daubbkb,  rinstitut,  28.  Mftrz  n«  1369,  1860. 


310 

Ferner  beschreibt  Daubeee  (1.  c.  pg.  206,  Taf.  III,  fig.  59) 
solche  Höhlungen,  in  welchen  sich  kleinere  Gerolle  finden,  die 
nach  seiner  Ansicht  diese  Löcher  ausgehöhlt  haben. 

Neben  den  unregelmässigen  Löchern,  die  bei  der  Ver- 
witterung vielleicht  aus  einer  ungleichmässigen  Härte  und  Wider- 
standsfähigkeit namentlich  der  oolithischen  Gesteine  hervorgingen, 
haben  wir  solche  zu  unterscheiden,  welche  regelmässiger,  öfters 
lang  und  ziemlich  gebogen  sind.  Daubree  deutete  dieselben 
schon  als  Bohrmuschellöcher  (teredo)  und  erwähnt  sie  von  Barr* 
und  von  Blienschweiler;  man  könnte  noch  andere  Orte  nam- 
haft machen,  jedoch  ist  oft  schwer  zu  entscheiden,  ob  sie  wirk- 
lich von  Bohrmuscheln  herstammen,  oder  ob  sie  durch  Wurzeln 
von  darüber  wachsenden  Pflanzen  erzeugt  wurden.  Immerhin  ist 
festzuhalten,  dass  die  Bohrmuscheln  keinenfalis  die  Rollblöcke 
selbst  angebohrt  haben,  sondern  dass  Uferfelsen,  in  welchen 
Bohrmuscheln  lebten,  zuweilen  das  Material  zu  den  Gerollen 
lieferten.  Derartige  Uferfelsen  gab  es  nun  in  der  Jhat  zur  Oli- 
gocänzeit  im^  Elsass,  und  sie  sind  uns  in  einzelnen  Fällen  sogar 
erhalten  worden.  Daubbee  beschreibt  solche  angebohrte  Muschel- 
kalkfelsen von  Görsdorf  unweit  Wörth.  Eine  ähnliche  Er- 
scheinung beobachtete  ich  am  Hauptoolith  des  Scharrachberges, 
ganz  in  der  Nähe  der  oligocänen  Conglomerate.  Sie  finden  sich 
auch  am  Dreispitz  unweit  Molsheim,  und  aller  Wahrschein- 
lichkeit nach  waren  sie  früher  am  kleinen  Bastberg  bei  Buchs- 
weiler ebenfalls  zu  sehen. 

Diese  wahrscheinlich  als  Bohrmuschellöcher  anzusehenden 
Gebilde  (B  Eartensk.  Nr.  2),  sowie  die  Eüstenconglomerate  (o) 
ermöglichen  es  uns,  mit  einiger  Wahrscheinlichkeit  die  alte 
Strandlinie  des  OUgocänmeeres  im  Elsass  wiederherzustellen,  wie 


1 .  Abgerollte  jurassische  Korallenstöcke,  welche  auf  der  Gloriette  vorkommen 
und  von  jurassischen  LiUiodomen  angebohrt  sind,  deren  Schalen  sich  noch  darin 
finden,  sind  nicht  damit  zu  verwechseln. 


311 

dies  versuchsweise  auf  der  Kartenskizze  (Nr.  2  Atlas)  durch  den 
blauen  Ueberdruck  geschehen  ist.  Im  Badischen  sind  uns  nur 
im  Süden  durch  die  Conglomerate  einige  Anhaltspunkte  gegeben. 
Nördlich  von  Lahr  kennen  wir  nichts  mehr  derart,  und  es  ist 
möglich,  dass  das  Meer  hier  eine  grössere  Ausdehnung  hatte, 
als  wir  sie  eingezeichnet  haben. 

Das  ungefähre  Zusammenfallen  der  Verwerfungsspalten  mit 
den  Eüstenconglomeraten  ist  jedenfalls  ein  bemerkenswerther 
Umstand,  welcher  zeigt,  dass  die  Grenzen  des  Meeres  nicht 
sehr  weit  über  die  jetzige  Verwerfungsspalte  hinausreichten.  Ob- 
wohl es  feststeht,  dass  die  Verwerfungsspalte  in  der  Form,  wie 
sie  jetzt  vorliegt,  erst  eine  weit  jüngere  Bildung  ist,  dass  sie 
die  mittel-  und  oberoligocänen  Schichten  im  Elsass  noch  ver- 
worfen hat  und  an  anderen  Orten  sogar  ihre  Thätigkeit  bis  in 
noch  jüngere  Schichten  hinauf  fortsetzt,  so  müssen  wir  doch 
wohl  annehmen,  dass  schon  zu  Beginn  der  Oligocänzeit  eine 
Bruchlinie  vorhanden  war,  welche  die  tiefere  Lage  der  Rhein- 
ebene gegenüber  den  seitlichen  Gebirgen,  namentlich  des  Süd- 
schwarzwaldes und  der  Südvogesen,  bewirkte. 

Becapituliren  wir  nochmals  in  kurzen  Zügen  die  Geschichte 
des  Oberrheiuthales  zur  Oligocänzeit.  Wir  haben  im  Anfang  eine 
flache  Meeresbucht,  die  sich  von  Süden  her  bis  in  die  Gegend 
von  Colmar  erstreckte  und  die  über  dem  Melanienkalk  (Ober- 
eocän)  und  unter  dem  Meeressand  (Mitteloligocän)  liegenden 
Gypse  (cf.  Atlas  Nr.  2.  V  Zimmersheim,  Wasenweiler,etc.) 
bildete ;  zur  gleichen  Zeit  ungefähr  mögen  auch  die  noch  z.  Th. 
fraglichen  Steinmergel  mit  Cyrenen,  die  sich  an  verschiedenen 
Orten  des  Oberrheinthaies  finden,  entstanden  sein.  Diese  Bucht 
verlängert  und  erweitert  sich  gegen  Norden;  es  werden  die 
grünen  und  grauen  brackischen  Mergel  (Y)  niedergeschlagen,  in 
welchen  sich  bei  Hirzbach  und  namentlich  bei  Pechelbronn 


312    . 

Petrolsandflötze  bildeten  (wahrscheinlich  als  Lagunen  und  Fluss- 
deltabiidungen). 

Alsdann  erfolgt  eine  Periode  stärkerer  Senkung;  das  Meer 
dringt  weiter  nach  Norden  vor  und  eine  Verbindung  mit  dem 
Mainzer  Becken  wird  hergestellt,  welches  in  dieser  Zeit  sich 
zum  ersten  Male  mit  einem  tertiären  Meere  bedeckte.  Die 
Oberrheinebene  bildet  jetzt  einen  ziemlich  schmalen  Meeresarm 
(ungefähr  von  dem  Umriss,  wie  ihn  der  blaue  Ueberdruck  un- 
serer Kartenskizze  darstellt).  An  den  sich  senkenden  Strand- 
linien, die  z.  Th.  aus  Steilküsten  vorwiegend  von  Muschelkalk 
und  Jurafelsen  bestanden,  bilden  sich  die  Gonglomerate  (ähnlich 
wie  die  quarzitischen  Conglomerate  am  Taunusgehänge  im  Mainzer 
Becken).  An  den  ruhigeren  Stellen  des  Meeres,  so  in  der  Gegend 
von  Basel  und  im  Mainzer  Becken,  bildeten  sich  statt  der  Con- 
glomerate fossilreiche  Kalksandsteine  und  Sande.  Diese  Senkung, 
verbunden  mit  einer  stellenweisen  Erweiterung  des  Meeres', 
mag  fortgedauert  haben  bis  zu  der  Zeit,  wo  sich  der  Rupelthon 
bei  Sulz-unterm-Wald  und  Lobsann  bildete,  wo  die  fora- 
miniferenreichen  Mergel  bei  Hartmannsweiler  niedergeschlagen 
wurden,  und  wo  Schwärme  von  Amphisylen  das  inselreiche 
tropische  Meer,  welches  südlich  davon  lag,  bevölkerten  (Blätter- 
sandsteine von  Habsheim,  Palmenreste  etc.  in  den  anscheinen- 
den Tiefseebildungen  der  Fischschiefer). 

Schliesslich  beginnt  dann  der  Rückzug  des  Meeres  und  die 
allmähliche  Aussüssung  mit  den  Cyrenenmergeln  im  Oberoligocän. 


1.  Der  Rnpelthon  von  Drachenbronn  zeigt  entschieden  eine  Transgression 
an  gegenüber  den  Meeressand-Conglomeraten  der  Walkmühje. 


Tabellarische  üebersicht  der  Tertiärschichten  im  filsassJ 


(Stork  brackitch.) 


Oberes. 


(BtwM  brackiacb.) 


Uittlerei.  (Marin.) 


Oligooän.^ 


UnteTei.  (Brackiacb.) 


Ober-Elsas8. 


Schiebten  von  Rnfacb  mit 
Mytilu*  Pat^jcui  und  Cyr. 
eonvexa  (=  temutriata)  etc. 


Cyrenenmergel  ? 


Bl&ttersandstelne  m.  Meleita. 

Fisohaehiefer  (B  n  c  b  BW  e  i  I  e  r 
Ob.-B.,  Aue  etc.);  Mergel 
mit  Ostr,  eaüifera  yon  011- 
weiter,  Rodern  etc. 


MeeresBandmergel  v.  Dam- 
merkirob  und  Alt> 
kirob;  Mefrataand  (Rae- 
deradorf,  Oltingen, 
S  t  e  1 1  e  n  in  Ob.-Bad.  etc.). 


Orane  patreUunfthrtadt  Mer- 
gel und  Bl&ttaraaaditeiiie 
yon  Hiribacb. 


0 jps  (Zimmerabeim, 
Hattatatt,  Waaen- 
w  e  i  1  e  r  in  Ob.-Bad.  etc.) 
[Steinmergel  mit  Cyrenen 
£ffringen,  Istein, 
I/aufen  in  Ob. -Bad. , 
?ZilliBheim  i.Ela.etc.j. 


Ünter-Elssss. 


Blätteraandsteine  ▼.  T  r  n  c  b- 
t  e  r  a  b  e  i  m ,  yom  Glöckela- 
berg  etc.  Oyranauntrgal  von 
Kolbsbeim,  Truob- 
terabeim  und  Ooa  in 
Baden. 


Hnpeltben 

oder 

BeptariantboB. 


Anhaltkalk  yon  Lobaann; 
Conglomerate  der  Walk- 
mühle ▼.  L  a  n  d  a  u  ( Rhein- 
pfalz) etc.  [Vielleicht  anch 
die  oberaten  foraminife- 
renfUhrenden  Mergel  von 
Schwabweiler.] 


Oraae  patrelanrnfSbraBde  Mer- 
gel und  Blitteraaadateiiie 
von  Scbwabweiler ; 
grünliehe  Mergel  n.  Petrel- 
aaade  ▼.  Pecbelbronn; 
Peehiaade  und  Mergel  yon 
Lobaann;  dunkle  Mer- 
gel aua  dem  Bohrloch  von 
Oberatritien  etc. 


S  a 

a^ 

a  9 

ff*- 

•2  fl 

9  -* 


^    Oberes.  (Limnlaeb.) 


Eooän.  i 


Mlttleree.  (Limniacb.) 


Melanienkalk  (Brnnnatatt, 
E 1.  •  K  e m  b  a  in  Ob.-Bad., 
Altkirch,  Lfimacb- 
w  eil  er  etc.)  Bl&ttenand- 
ateia  yon  Speohbach, 
aowie  die  Mergel  im  Lie- 
genden dea  Melanien- 
kalkea. 


[Kalk  mit  Plan.  p$eudamtno- 
nitu  ScHLOTH.  yon  Hobel 
Ct.  Solothum.] 


Kalk  Toa  Biieheaberg  (Nie- 
dermorachweiler, 
Bernharde  Weiler). 

Baehaweiler-Kalk.  (Danen- 
dorf,  Ubatatt  in  Ba- 
den etc.). 


a 

9 


a 

o 
► 

9 

<  a 
90H 


a 

o 
pq 


1.  Vergleicht  man  die  obigen  Schichten  dea  Elaaaa  mit  denen  dea  Pariaer  Beckena,  wie  diea  auch 
achon  an  betreffender  Stelle  im  Texte  geachehen  ist,  ao  ergiebt  eich :  Daaa  der  Bncbaweiler-Kalk  äquivalent 
dem  Kalke  von  Longpont  etc.  iat,  also  dem  cbano  yerti  im  Qrobkalk  entapricht.  Der  Melanienkalk  dflrfle 
zum  grdaaten  Theil  dem  calcairo  de  St.-Ouen  namentlich  den  oberaten  Parthien  deaaelben  entsprechen.  Der 
Qypa  entapricht  dem  Parlier  Oypa.  Die  mächtigen  petroleumftthrenden  Mergel  dea  Elaaaa  liegen  im 
gleichen  Niveau,  wie  die  viel  unbedeutenderen  imarnea  verteai  über  dem  Oypa.  Der  Meereaaand  tat  gleich 
den  aables  de  Fontainebleau.  Rupelthon  und  Fischschiefer  haben  kein  beatimmtes  Aequivalent  bei  Paria, 
während  die  Cyrenenmergel,  die  Schichten  von  Rufach  und  auch  der  Cerithienkalk  im  groaaen  Garnen 
dem  Compleze  dea  calcalre  de  Beauce  mit  den  darunter  liegenden  Mergelachichten   entaprechen  dOrften. 


IV. 


DIE  MIOGÄNSCHIGHTEN 


IM  OBERRHEINTHALE. 


817 


Abgesehen  Ton  den  fraglichen  „marnes  ä  cyrenes''  bei 
Mülhausen  und  den  sehr  stark  ausgesüssten  BrackwasseV- 
schichten  von  Rufach  (pg.  284),  die  noch  zum  Oberoligocän 
gezogen  wurden,  kennt  man  aus  dem  Elsass  keine  Schichten, 
die  eventuell  ein  miocänes  Älter  beanspruchen  könnten,  während 
man  in  angrenzenden  Ländern,  in  der  Rheinpfalz,  in  Baden,  in 
der  Schweiz  und  möglicherweise  auch  noch  in  der  Gegend  von 
Montb^liard  — im  „calcairevonChätenois"  —  typische  Miocän- 
bildungen  findet. 

Auf  die  Cyrenenmergel  folgt  im  Mainzer  Becken  als  tiefstes 
Glied  des  Miocäns  der  Cerithienkalk,  welcher  zuweilen  durch 
zahlreiche  eingeschwemmte  Landschnecken  auch  als  Landschnecken- 
kalk entwickelt  ist.  Derselbe  lässt  sich  in  der  Rheinebeue  über 
Neustadt*  hinaus  bis  in  die  Gegend  von  Landau  verfolgen, 
wo  er  bei  Ilbesheim,  seinem  südlichsten  Vorkommen,  nochmals 
fossilreich  auftritt. 

Erst  ganz  im  Süden  der  Rheinebene,  in  Ober-Baden,  finden 
wir  wieder  Bildungen,  die  einige,  wenn  auch  keine  sehr  grosse 
Analogie  mit  dem  Landschneckenkalk  zeigen.  Lichtgelb  gefärbte 
Süsswasserkalke,  in  ihrer  oberen  Partie  weisse  Eieselkalke,  graue 
Mergel  und  HornsteinknoUen  enthaltend,  bedecken  den  Höhen- 
zug der  nördlich  von  Weil  das  Wiesethal  von  dem  Rheinthale 
scheidet  und  gewöhnlich  als  Tüllinger  Berg  bezeichnet  wird. 
Sandbebgeb  (L.  Sw.  Conch  d.  Vorw.,  1875,  p.  449  u.  450)  stellt 
diese  Kalke  zusammen  mit  den  Schichten  des  St.  Albansthales 
in  Basel  und  deigenigen  der  Delsberger  Gegend  in  das  Niveau 


1.  Typische  Stücke  von  Cerithienkalk,   welche  von  Neustadt  an  der  Hardt 
stammen,  befinden  sich  in  der  Strassburger  Sammlung. 


318 

des  Land8chneckenkalke8  von  Hochheim  im  Mainzer  Becken 
und  rechnet  sie  zum  Untermiocän.  Immerhin  ist  der  unter- 
schied, den  die  Kalke  von  Tüll  in  gen  mit  denen  von  Hoch- 
beim  aufweisen,  sehr  beträchtlich.  Bei  Tüllingen  fehlen  die 
Cerithien  vollständig;  im  Gegensatz  zu  Ho  ebbe  im  überwiegen 
nicht  die  Landschnecken,  sondern  die  Süsswasserschnecken ;  auch 
ist  Hx.  rugtdoaa  v.  Mabt.  verhältnissmässig  häufiger.  Bei  Ge- 
legenheit einer  Excursion  nach  dem  Tüllinger  Berg  fand  ich 
folgende  wenige  Arten  in  ziemlicher  Anzahl,  jedoch  mangel- 
haftem Erhaltungszustande  (Steinkeme  nebst  Abdrücken);  die- 
selben sind  wohl  der  Mehrzahl  nach  schon  von  dem  Fundpunkte 
bekannt:  Hx.  rugulosa  v.  Mabt.,  Limnea  pachygaster  Thom., 
Planorbis  comu  Bbono.  sp. ,  PL  declivis  Al.  Bb.  und  Ohara 
Meriani  Al.  Bb.  ,  letztere  im  Mergel*.  Man  kann  sich  nach 
den  wenigen  Arten  kein  sicheres  Urtheil  über  das  Alter 
bilden;  jedoch  hat  es  für  mich  den  Anschein,  als  ob  die 
Tüllinger  Kalke  jünger  wären,  als  der  Landschneckenkalk 
im  Mainzer  Becken  und  vielleicht  sogar  zum  Mittelmiocän  ge- 
hören könnten.  Die  Corbiculakalke  des  Mainzer  Beckens  reichen 
ebenfalls  ziemlich  weit  nach  Süden  bis  in  die  Rheinpfalz,  wo  sie 
sich,  ausser  bei  Dürkheim  und  Neustadt',  bei  Ottersheim 
unweit  Göllheim  finden,  an  welchem  Orte  die  Kalkbänke  von  den 
Schalen  der   Corhicula  Faujasi  Desh.  sp.   erfüllt  sind.  Andere 


1.  Gbbppin  (Jura  Bemois  et  districts  adjacents;  Beitr.  zar  geol.  Karte  der 
Schweiz  1870,  pg.  175)  erwähnt  folgende  Arten  von  TQllingen:  JZr.  Ramondi 
Brg.,  Planorbis  depressus  Grepp.,  Pi,  torquaNa  Grepp.,  Pupa  quadtigranata  Al.  Bb., 
Chara  Meriani  Al.  Br.  —  Der  Namen  PI,  depressus  Grepp.  (M^m.  d.  1.  soc.  helv. 
d.  sc.  nat.  1856;  Ter.  mod.  quat  et  tert  du  val  de  Del^mont,  Tf.  111,  flg.  6)  kann  nicht 
beibehalten  werden,  da  er  von  Nyst  schon  fr&her  für  einen  anderen  Planorbis  verwendet 
worden  ist.  —  Bemerkenswerth  ist  ferner,  dass  sich  in  der  Strassburger  Sammlong  ein 
typisches  Exemplar  von  Bx>  Bamondi  Brg.  befindet,  welches  den  Fundort  «Env.  de 
Largue  Ht.-Rbin»  trägt,  also  aus  der  Gegend  von  Oberlarg  im  Ober^Elsass  stammt 

2.  S^KfDRERGER.  Land-  und  Süssw.-Conch.  d.  V.  1870—75.  pg.  481. 


319 

Stücke  enthalten  Hydrobia  inflata  Fauj.  sp. ,  Hydrobia  ventrosa 
Monte,  sp.  und  Dreissena  Brardi  Fauj.  sp.  Sehr  bemerkenswerth 
ist  ferner  das  noch  weiter  südlich,  dicht  an  der  elsässer  Grenze 
gelegene  Vorkommen  am  Büchelberg  bei  Lauterburg^  Dieses 
isolirte  Vorkommen  zeichnet  sich   noch   dadurch   aus,   dass   es 
verhältnissmässig  weit   von   der  Rheinthalspalte   und   dem   Ge- 
birgsabhange  entfernt  ist.  Etwa  eine  Stunde  nördlich  von  Lau- 
terburg erhebt  sich  inmitten  des  Bienwaldes  ein  flacher,  läng- 
lich geformter  Höhenzug,  der  Büchelberg,  auf  welchem  das  gleich- 
namige  Dorf   gelegen   ist.   Dieser  isolirte   Hügel,   welcher  aus 
dem  Diluvium  (regenerirter  Vogesensand)  hervorragt,  ist  unbe- 
waldet  und  besteht  aus   Corbiculakalk,   welcher  in   zahlreichen 
kleinen  Steinbrüchen  hier  aufgeschlossen  ist.  Die  unteren,  harten 
Kalkbänke  enthalten  hauptsächlich  Schichten,  die  von  Corbicula 
Faujasi  Desh.  sp.  erfüllt  sind.  Darüber  liegen  mehr  mergelige 
Kalke,  wechselnd  mit  dünnen  Mergelschichten   und  ganz  inho- 
mogenen,  von  Kalksinter    durchzogenen    Parthien;    schliesslich 
liegen  zu  ober^t  meist  dünne,  plattige  Kalkbänke.  Hydrobia  in- 
flata Fauj.  sp.  ist  ungemein  häufig  und  erfüllt  zu  Tausenden  fast 
alle  Schichten  des  Gomplexes;   viel  seltener  findet   sich   neben 
ihr  Hydrobia  ventrosa  Montf.  sp.  Von  Heliceen  fanden  sich  Hx. 
girondica  Noül.  und  Hx,  crebripunctata  Sandb.  in  den  höheren 
Schichten  mit  Hydrob.  inflata  zusammen,  ferner   ein  stark  ge- 
rippter Abdruck   einer   nicht  gekielten  Helix-Axi  (?  Hx,  rugu- 
losa  V.  Mabt.).  Ein  Block  mit  Heliceen   war  ganz  erfüllt  von 
den  Samen  der  Celtis  hyperionis  ÜNa.  sp.'  und  enthielt  den  Stein- 


1.  Ich  konnte  bisher  in  der  Litteratar  keine  genaueren  Angaben  über  das  Vor- 
kommen von  Corbicuiakalk  unweit  Lauterburg  finden. 

2.  Die  Samen  dieses  fossilen  Baumes,  der  mit  unserer  Linde  Verwandtschaft 
zeigt,  fanden  sich,  wenn  auch  selten»  im  Corbicuiakalk  des  Mainzer  Beckens,  so  bei 
St.  Johann  unweit  Sprendlingen  in  Rheinhessen.  (Büttgkk,  Fauna  der  Corbicula- 
schichten  im  Mainzer  Becken    Palaeontogr.  XXIV  N.  F.  IV,  IS^G— 77.) 


320 

kern  und  Abdruck  einer  kleinen  Patula^  die  der  Fat  muUicoS' 
iaia  Thom.  am  meisten  gleicht.  Von  Cerithien  fehlt  jede  Spur. 
Mytilus  Faujast  Bbong.  fand  ich  nur  in  sehr  mangelhaften 
Resten,  und  l)reissena  Brardi  Faüj.  sp.,  die  noch  bei  Otterß- 
heim  unweit  Gö  11  heim  häufig  ist,  wurde  nicht  beobachtet. 
Bemerkenswerth  ist  auch  das  Vorkommen  von  Phryganiden  (Indu- 
sien),  deren  Röhren  ganz  aus  den  Gehäusen  von  Hydrohia  inflata 
aufgebaut  sind  und  die  einzelne  Schichten  vollständig  erfüllen. 
Weiter  südlich  von  diesem  Vorkommen  kenne  ich  mit  Sicherheit 
keinen  Corbiculakalk  in  der  Rheinebene  mehr,  und  noch  weiter 
im  Süden,  in  der  Schweiz,  haben  wir  eine  ganz  andere  marine 
Entwicklung  des  Miocäns  (Helv6tien). 

Die  Dinotheriensande  schliesslich,  welche  im  Mainzer 
Becken  die  obersten  Tertiärschichten  bilden,  sind  bisher  noch 
nicht  im  Elsass  nachgewiesen  worden.  Die  badischen  Bohnerze 
von  Mösskirch,  nördlich  von  Constanz,  welche  Dinotherium 
geliefert  haben,  fallen  nicht  in  unser  Gebiet  hinein ,  und  so  viel 
ich  weiss,  ist  in  den  Bohnerzen  der  Oberrheinebene  bisher  nichts 
dergleichen  beobachtet  worden.  Man  kennt  jedoch  Dinotherien- 
reste  aus  Gebieten,  die  an  das  Elsass  angrenzen,  so  z.  B.  aus 
dem  Berner  Jura,  und  es  wäre  durchaus  nicht  zu  verwundern, 
wenn  die  Reste  dieses  gewaltigen  Proboscidiers  auch  gelegent- 
lich einmal  im  Elsass  aufgefunden  würden. 

Bei  dem  Dorfe  Riedselz,  südlich  von  Weissenburg,  sind 
eigenthümliche  weisse  Quarzsande  aufgeschlossen,  die  überhaupt 
in  dieser  Gegend  eine  grössere  Verbreitung  besitzen.  Diese 
Sande  zeichnen  sich  dadurch  vor  allen  diluvialen  Sauden  und  vor 
dem  Rheinsande  aus,  dass  sie  keinen  kohlensaueren  Kalk  enthalten 
und  des  Glimmers  fast  gänzlich  ermangeln.  Die  einzelnen  Sand- 
körner, namentlich  die  grösseren,  sind  sehr  vollkommen  gerundet 
und  bestehen  aus  wasserhellem  Quarz  oder  aus  Milchquarz.  Die 
Korngrösse  der  Sande  ist  je  nach  der  Schicht  eine  wechselnde; 


J 


321 

die  gröberen  Schichten  bestehen  aus  lockerem  Sande;  einzelne 
Schichten  von  feinerem  Sand  sind  durch  ein  thoniges  Cement 
schwach  verkittet;  auch  finden  sich  Bänke  von  grossen,  weissen, 
vollkommen  gerundeten  Quarzkieseln.  Die  Farbe  des  Sandes  ist 
gewöhnlich  eine  rein  weisse,  zuweilen  wird  sie  blass  rosa  und 
zeigt  von  da  alle  Uebergänge  zum  ockergelben.  Ab  und  zu 
kommen  Schichten  mit  schwarzem  Brauneisenerz  und  Manganflecken 
vor.  In  den  Sauden  finden  sich  Thonschichten  zuweilen  von 
heller,  röthlich-weisser  Farbe,  zuweilen  dunkler,  mehr  braun 
gefärbt;  diese  Thonschichten  sind  manchmal  ungemein  zart  und 
enthalten  Abdrücke  von  Gräsern  und  Fragmente  von  dicotyle- 
donen  Blättern.  Ausserdem  fanden  sich  keine  Fossilien  im  Thon 
oder  Sand,  und  es  muss  einstweilen  noch  dahingestellt  bleiben,  ob 
diese  Schichten  wirklich  zum  Dinotheriensand  gehören,  mit  welchen 
sie  am  meisten  Aehnlichkeit  haben,  oder  ob  wir  sie  zum  tiefsten 
Diluvium  stellen  müssen.  Die  Lagerungsverhältnisse  gewähren 
wenigstens  bei  Riedselz  keinen  Aufschluss.  Die  Sande  mit  den 
eingeschalteten  Thonen  haben  wahrscheinlich  die  OUgocänschichten 
zum  Liegenden  und  werden  von  Löss  bedeckt. 

Reste,  welche  ebenfalls  der  jüngeren  Tertiärzeit  entstam- 
men, wurden  bei  Lahr,  und  zwar,  wie  es  scheint,  in  einer 
Spalte  aufgefunden.  So  erwähnt  Eck*  einen  Zahn  von  Masiodon 
arvernensis  Cboiz.  und  Job.  In  der  Strassburger  Sammlung 
befindet  sich  ebenfalls  ein  zerbrochener  Mastodon-Zahn  mit  der 
Fundortsbezeichnung  Lahr. 


1.  H.  Eck.  6eog.  Karte  der  Umg.  v.  Lahr,  1884,  pg.  101. 


UL  21 


322 


NACHTRAG. 


Zu  den  Lophiodonzähnen  aus  dem  Mitteleocän  von  Buchs- 
weiler, die  auf  Tafel  XII  abgebildet  sind,  müssen  noch  einige 
Bemerkungen  hinzugefügt  werden.  Die  Unterkieferzähne  der 
kleineren  Lophtodon-Art  (fig.  1 5)  gehören  der  städtischen  zoolo- 
gischen Sammlung  von  Strassburg  und  wurden  mir  von  dem 
Director  Herrn  Dr.  Dödeelein  gütigst  zum  Abbilden  anvertraut. 
Die  anderen  Zähne  (fig.  16 — 19)  sind  Oberkieferzähne,  welche 
der  grossen  Lophiodonart  angehören  und  sich  beim  Zerschlagen 
eines  Blockes  des  Süsswasserkalkes  von  Buchsweiler  in  der 
geologischen  Sammlung  noch  nachträglich  vorfanden. 


liophiodon  SuxoviUanum  Guv. 
Taf.  XII,  fig.   15  a,  6. 

Die  Abbildung  zeigt  i?'  und  2?%  die  beiden  hintersten  ünter- 
kieferpraemolaren.  Diese  Zähne  messen  in  der  Länge  j?*  =  17  mm, 
p^  =^  18  mm.  Hinter  denselben  sind  noch  Reste  von  den  beiden 
vordersten  Molaren  erhalten;  ihre  Länge  beträgt  bei  m^  22,5  mm, 
bei  m*  ungefähr  26  mm  (leider  ist  hier  der  Zahn  am  hinteren 
Ende  ganz  zerstört).  Die  Breite  von  p^  ist  =  10,5  mm,  von 
p^  =  13  mm;  die  Breite  der  Molaren  lässt  sich  nicht  angeben* 
da  die  Zähne  vorn  abgebrochen  sind.  Die  Praemolaren  sind  nur 
sehr  wenig  an  den  Spitzen  abgenutzt;  sie  besitzen  eine  hohe  Zahn- 
krone (p'  =16  mm;  p^  =  17,5  mm)  und  lange  (bis  zu  27  mm 


323 

messende),  kräftige  Wurzeln.  Die  Höhe  des  ganzen  Unterkiefers 
zwischen  den  Molaren  und  Praemolaren  beträgt  4,2  mm. 

Zophiodon  tapiroides  Cuv. 
Taf.  XII,  fig.  17  —  19. 

Auf  Tf.  XII,  fig.  17,  18,  19  sind  die  Praemolaren  aus 
dem  linken  Oberkiefer  von  dieser  Art  abgebildet;  dieselben  sind 
wie  alle  ZopÄ/örföw-Praemolaren  dadurch  leicht  von  den  Molaren 
zu  unterscheiden,  dass  sie  nur  ein  Querjoch  besitzen.  Die  Zähne 
stammen  alle  aus  demselben  Kiefer,  obwohl  sie  nicht  ganz  und 
gar  in  der  ursprünglichen  Lage  gefunden  wurden.  Der  Grad 
der  Abkauung  ist  bei  allen  der  gleiche,  die  einzelnen  Details 
sind  genau  in  der  Zeichnung  wiedergegeben  und  können  daher 
hier  übergangen  werden.  Die  Maasse  sind  folgende:  der  hinterste 
Praemolar  p^  misst  in  der  Länge  =  30  mm,  in  der  grössten 
Breite  =  38,5  mm;  p*  l  =  27  mm,  b  =  34,5  mm;  p^l  =  27,5  mm, 
6  =  28  mm;  jp*  ist  fig.  196  nochmals  von  der  Seite  abgebildet, 
um  die  ungemein  kräftige  Wurzel  dieses  Zahnes  zu  zeigen.  Ich 
glaubte,  diese  Zähne  hier  abbilden  zu  müssen,  da  in  Cuyiebs 
Ossm.  foss.  (Tf.  II,  PI.  VI,  fig.  2  und  5)  nur  eine  Abbildung 
von  jp*  und  jp"  der  kleineren  Lophiodon-Art  von  Buchsweiler 
(L.  Buxovillanum)  gegeben  ist,  und  die  gleichen  Zähne  von 
L.  tapiroides  in  einigen  Punkten  abweichen. 

Aus  dem  gleichen  Oberkiefer,  ebenfalls  von  der  linken 
Seite,  stammt  auch  der  gewaltige  £ckzahn,  den  wir  fig.  16  ab- 
bilden; er  war,  wie  es  scheint,  nur  wenig  aus  seiner  ursprüng- 
lichen Lage  verschoben.  Der  Zahn  hat  eine  sehr  grosse,  flach 
gedrückte  Wurzel,  die  bei  völliger  Erhaltung  jedenfalls  an 
85  mm  lang  war.  Die  Breite  der  Zahnwurzel  bei  x  y,  welche 
auf  der  Tf.  XII,  fig.  16  durch  einen  Umriss  im  Inneren  des 
Zahnes  angedeutet  ist,  betrug  43  mm,  niie  entsprechende  Dicke 
25  mm.  Die  Höhlung  im  Inneren  der  Zahnwurzel  war  am  unteren 


324 

Theile  derselben  etwa  28  mm  laug  und  nur  5  mm  breit.  Die 
kurze,  kräftige  Eckzahnkrone,  welche  vorn  abgebrochen  ist,  war 
wohl  an  45  mm  lang,  hatte  vorn-innen  eine  sehr  kräftig  markirte 
und  hinten-innen  eine  viel  schwächere  Kante;  der  Basalwulst 
ist  ziemlich  stark  entwickelt.  —  Aus  der  rechten  Oberkiefer- 
hälfte fand  sich  in  demselben  Blocke  der  vorderste  Praemolar 
jp'  und  der  Abdruck  des  Eckzahnes. 

Aus  den  auf  Tf.  XII  abgebildeten  Zähnen  von  L.  iapiroides 
Guy.  folgt  zunächst,  dass  diese  Art  wegen  der  ungemein  starken 
Ausbildung  der  Wurzel  bei  dem  Caninen  und  dem  davorstehenden 
Praemolaren  p^  nothwendiger  Weise  ein  grösseres  Blastem  zwi- 
schen diesen  beiden  Zähnen  im  Oberkiefer  gehabt  haben  muss. 
Es  ist  dies  um  so  interessanter,  als  es  uns  ein  neues  und 
wichtiges  Unterscheidungsmerkmal  von  der  anderen  Lophiodonart 
(£.  Biixovillanum)  des  gleichen  Fundortes  darbietet,  von  welcher 
wir  auf  pag.  23  nachgewiesen  haben,  dass  ein  Diastem  zwischen 
p^  und  c  im  Oberkiefer  fehlte.  Aus  den  CuviEs'schen  Abbil- 
dungen geht  ferner  hervor,  dass  Lop.  iapiroides  im  Unterkiefer 
ebenfalls  ein  Diastem  zwischen  c  und  p^  hatte  (Cuv.,  Oss.  foss., 
1822,  Tf.  II,  PL  VII,  fig.  1*).  L.  Buxovittanum  hingegen  hatte, 
nach  der  Abbildung  von  Cüvieb  (Tf.  II,  PL  VI,  fig.  1)  zu 
urtheilen,  im  Unterkiefer  ebenfalls  kein  Diastem. 

Zweitens  folgt,  dass  wir  den  auf  Tf.  IV,  fig.  10 — 13  ab- 
gebildeten Caninen  von  Dauendorf  zu  L.  cf.  BuxoviUanum 
rechnen  müssen,  welchen  wir  wegen  der  Aehnlichkeit  mit  einem 


1.  Es  heisst  daselbst  im  Text,  pg.  204:  •  Intervalle  entre  !a  canine  et  U 
molaire  qui  se  trou^e  la  premiöre,  mais  qul  pourrait  bien  n'ötre  que  la  deaxiöme 
=  0,045  m.»  Ist  die  zuletzt  hier  geäusserte  Ansicht  die  richtige,  so  würde  das  Diastem 
zwischen  c  und  />*  im  Unterkiefer  hier  statt  45  mm  nur  etwa  15  mm  betragen. 
Jedenfalls  hätte  aber  dann  jp'  im  Unterkiefer  sehr  kleine  Wurzeln  gehabt  und  würde 
dann  sehr  verschieden  von  den  mit  kräftigen  Wurzeln  versebenen  anderen  Praemo- 
laren gewesen  sein. 


325 

von  RüTiMEYRK  erwähnten  Zahne  als  Lophiodon  cf.  tapiroides 
bezeichneten  (cf.  pag.  23).  Dieser  Eckzahn  weicht  nämlich  sehr 
beträchtlich  von  dem  eben  beschriebenen  Cauinen  ab,  wie  dies 
ein  Blick  auf  die  Abbildungen  Tf.  XH,  fig.  16  und  Tf.  IV, 
fig.  10 — 13  lehrt.  Der  letztere  gehörte  zwar  dem  Unterkiefer 
an,  ist  jedoch  beträchtlich  kleiner  als  der  von  Guyieb  abge- 
bildete, noch  im  Unterkiefer  steckende  Zahn  von  L,  tapiroides 
(Cüv.,  Oss.  foss.,  II,  PI.  VII,  fig.  1),  weshalb  ich  ihn  jetzt  auch 
als  L,  cf.  Buxovillanum  bezeichnen  will.  Wir  hätten  somit  von 
Dauendorf  im  Unter-Elsass  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  die 
beiden  elsässer  Lophiodonarten  zu  verzeichnen. 


III.  21. 


327 


INHALTSVERZEICHNISS. 


Seite. 

Vorwort l 

I.  Der  Buchsweiler-Kalk  und  gleichalterige 

Bildungen  am  Oberrhein 3 

Wichtigste  Litteratnr 5 

4.  Geologische  Verhältnisse 5 

äl.  Palaeontologische  Verhältnisse : 

A.  Sfiugethiere 18 

B.  Mollusken 32 

Hydrobia  Dauendorfensis  7i.  sp 34 

Oleacina  (Glandina)  Rhenana  n,  sp 44 

Oleacjna  (Glandina)  Deecke!  n.  sp 45 

Azeca  Böttgeri  n.  sp 46 

Papa  Baxovillana  n.  sp 47 

Palaeostoa  n.  g,  (P.  Fontenayi  Rouis  sp.) 48 

Patala  oligogyra  n.  sp 52 

Garychiopsis  quadridens  n.  sp 55 

Allgemeiner  Charakter  der  Buchsweiler  Fauna  und  Schluss- 

belrachlungen 57 

Tabellarische  Uebersicht  der  Buchsweiler  Conchylien-Fauna  62 

IL  Der  Melanienkalk  oder  Brunnstatter-Kalk  63 

Wichtigste  Litteratnr 66 

Allgemeiner  geologischer  Ueberbiick 6G 

Flora  von  Nieder-Spechbach 71 

\,  Wirbelthiere  des  Melanienkalkes 73 

2.  Conchylien  des  Melanienkalkes 74 

Limnea  polita  Mer.  ined 7U 

Limnea  subpolita  n.  sp 79 

Nanina  Köchlini  n,  sp 81 

Alexia  sundgovieosis  n.  sp 85 


328 

Seite. 

Allgemeine  Bemerkungen  über  den  Melanienkalk 87 

Tabelle:  Vergleichende  Uebersicbt  der  Genera  des  Melanlen- 

•  kalkes  und  des  Buchsweiler-Kalkes 92 

IIL  Das  Oligocän  im  Elsass.  Brackische  und 

Marine  Oligocän-Bildungen  im  Elsass 93 

Wichtigste  Litteratur 95 

Allgemeines  über  die  Oligocänschichten  im  Elsass 99 

L  Das  oligooäne  Petrolgebiet  im  Ünter-Elsass  in  der 

Gegend  von,  Snl«  n.  d.  Wald los 

A.  Bitumenführende  Schichten  von  Lobsann  (z.  Th.  Mittel-, 

z,  Th.  ünteroligocän) 106 

Allgemeines  Profil  von  Lobsann 106 

Specielle  Profile  von  Lobsann HO 

Der  Asphallkalkcomplex,  seine  Gesteine  und  Versteinerungen  1 12 

Flora  des  Asphaltkalkcomplexes 117 

Conchylien  desselben 118 

Säugethiere  desselben 118 

B.  Bitumenführende  Schichten  von  Pechelbronn  (UnteroligocAn)  1 26 

Profile  und  geologische  Verhältnisse 126 

Beschafienheit  der  Petroleumfiötze 137 

Conchylienfauna 143 

Anodonta  Daubnieana  Schimp.  ined 144 

Chara  variabilis  n.  sp 145 

Foraminlferen  aus  dem  Mergel  von  Lampertsloch 147 

Animodiscus  pellacidus  n.  sp * 147 

Haplopbragmiam  pasillom  n.  sp 148 

Gristellaria  Lamperti  n,  sp 148 

Lingullna  Le-Belli  n,  sp 149 

C.  Petrolenmsandführende    Oligocänschichten    von    Schwah- 

weiler  (Tiefstes  Mitteloligocän  bis  ünteroligocän).  .  .  150 

Allgemeine  geologische  Verhältnisse  und  Profile 150 

Foraminiferenfauna  der  oberen  Schichten 155 

Flora  der  in  die  Mergel  eingeschalteten  Sandsteinbänke ...  158 

Smilax  Steinmanni  n.  sp 160 

Das  Bitumen  von  Schwab  weiter 16t 

Mergel  von  Oberstritten i6l 

Chara  petrolci  n.  sp 162 

Profil  durch  die  Pelroleumlagerstätten  im  Unter-Elsass  ...  162 


329 

Seite. 

II.  Das  Petrolenmgebiet  von  Hirzbaoh  im  Ober-Elsass  i65 

Foraminiferen  der  Mergel  von  Altkircli 166 

Theorien  Ober  die  Enteteliung  des  ErdSla  im  Elsaee.  .  169 

m  Meeressand  im  Elsass  und  in  der  Oberrheinebene  ns 

Fauna  von  Rädersdorf 178 

Fauna  von  DammeriLircb 180 

Psammobia  Meyeri  it.  5p 182 

IV.  Der  Septarienthon  im  Ünter-Elsass ist 

Geologische  Verhältnisse 187 

Der  Septarienthon  von  Lobsann,  Sulz  u/W.  and  Drachen- 

bronn T 188 

Gastropoden 192 

Lamellibranchier 193 

Brachiopoden ' 194 

Megerlea?  Haasi  n,  sp 194 

Wurmer 196 

Ecbinodermen ,  Crustaceen,  Fische 196 

Foraminiferen 197 

Haplophragmium  deforme  n.  sp 197 

Haploph.  Lobsannense  n.  sp 198 

Verneuilina  compressa  n.  sp 199 

Dentalina  granulosa  n.  sp 202 

Dentalina  Sulzensis  n.  sp 203 

Nodosaria  Herrmanni  n.  sp 205 

Robulina  Gerlandl  n,  sp 208 

Robulina  Alberti  n.  sp 209 

Turrilina  n.  g.  (T.  alsatica  ».  sp.) 212 

Pseudotruncatalina  n,  g,  (P.  Datempiei  d'Oib.  Jp.) 213 

Pulvinulina  troehiformis  n»  sp 216 

Polvinulina  perlata  n,  sp 216 

Pulvinulina  petrolei  n.  sp 217 

Pulvinulina  Lobsannensis  n.  sp 218 

Der  Septarienthon  von  Heiligenstein 221 

Foraminiferen 222 

Pulvinulina  St.  Odiliae 224 

V.  Mergel  mit  Ostrea  oallifera  und  reicher  Forami- 

niferenfanna  im  Ober-Elsass 226 

Foraminiferen  (von  Hartmannsweiler,  Rodern  und  Aue).  .  .  229 

Polystomella  Hantkeni  ».  sp 234 


330 

Seite. 

Textilaria  gracillima  n,  sp 235 

Allgemeine  Bemerkungen  Ober  die  Septarientbon-Foramini- 

feren  des  Elsass 236 

VI.  Die  Amphisyle-Sohiohten  im  BIsasB  n.  am  Oberrhein  241 

Wicbtigste  Litteratur  Aber  die  Ampbisyle-Scbichten   im 

Allgemeinen 241 

Geologiscbe  Verhältnisse  und  geographische  Verbreitung 

der  Fischscbiefer 243 

Fische 251 

Zweiscbaler 253 

Foraminiferet)  der  Fiscbscbiefer 253 

Nonionina  Buxovillana  n.  sp 254 

Virgulina  Mustoni  n.  sp 254 

Truncatulina  amphisyliensis  n.  sp 255 

Pulvinulina  Riliani  n,  sp 255 

Polvinulina  nonioninoides  n.  sp 256 

Bolivina  roelettica  n,  sp 257 

Flora  der  Fischschiefer 258 

Fischscbiefer  im  Mainzer  Becken 259 

Blältersandstein  von  Habsbeim  mit  Meletta-Scbuppen  ....  264 

711.  Das  Oberoligooän  im  Elsass 267 

Aechte  Gyrenenmergel  von  Kolbsbeim 267 

Die  Fauna  eines  Cyrenenmergelstückes  aus  dem  Unter- 
Elsass,  welches  ohne  nähere  Fundortsbezeichnung 

sich  in  der  Strassburger  Sammlung  vorfand 27  t 

VaKata  cyrenophila  n.  sp 272 

Alsatia  n.  g,  (A.  turbioiformis  n.  sp.) 274 

Syrnola  alsatica  n,  sp 275 

Buljmina  acicula  n.  sp 277 

Qüinquelocülioa  gregaria  n,  sp 278 

Gyrenenmergel  in  Baden 280 

Schichten  von  Rufach 283 

Die  «Marnes  ä  Gyrönes»  von  Dklbos 288 

Vin.  Oligooäne  Conglomerate  nnd  Eüstenbildangeii  im 

Elsass 291 

Foraminiferen   vom   Scharrachberg   wohl   z.   Th.   einge- 
schwemmte jurassische  Formen 294 

Plecanium  Scharrachbergense  n,  sp 296 

Nodosaria  Wetzeli  n.  sp 298 


331 

Seite. 

Marginnlina  alsatica  n.  sp 298 

Cristellaria  conglomeratica  n.  sp 299 

Robulina  Rhenana  n.  sp 300 

Gornuspira  pygnaea  n,  sp 300 

Foraminiferen  aus  den  Congloraeraten  von  Rufach 304 

Bulimina  coprolitboldes  n,  sp 305 

Textilaria  alsatica  n,  sp 306 

Textilaria  inüata  n.  sp 306 

Besondere  Eigenthümlicbkeiten  der  Gerolle 307 

Kurze  Recapitulation  der  Geschichte  des  Oberrheinlhales 

zur  Oligocänzeit \ 310 

Tabellarische  Uebersicht  der  Tertiärschichten  im  CIsass  .  .  313 

IV.  Die  Miocänschichten  im  Oberrheinthale  315 

Landscbneckenkalk  in  der  Pfalz 317 

Sflsswasserkalk  von  Tüllingen  In  Ober-Baden 317 

Corbiculakalk  in  der  Pfalz,  bei  Lanterburg  dicht  an  der 

elsässer  Grenze 319 

Vermuthllcbe  Dinotheriensande  im  Unter-Elsass  (Riedselz)  .  320 

Nachtrag : 

Lophiodon  Buxovillarum  Cuv 322 

Lophiodon  tapiroides  Cuv 323 


ERRATA. 


Seite    21  V.  0.  Zeile  16  lies  Tf.  IV  anstatt  Tf.  III. 
»      44  r.  0.      »     11     »    Tf.  I  flg.  2  d  anstatt  flg.  6. 
»     107  V.  0.      0      1     0    Ghasteli  anstatt  Ghastelli. 
»     125  V.  u.      0      3  vor  pg.  27  einzufügen :  Abtheilung  I. 
»     155  V.  0.      »15  die  Parenthese  am  Ende  dieser  Zeile  ist   an 

den  Schluss  der  Zeile  16  m  setzen. 
0     164  y.  u.      »    14  lies  pg.  15  anstatt  131. 
B     172  V.  u.      0       1  zu  streichen  Cf.  pg.  189. 
»     174  V.  0.      n       1  lies  Hardt  anstatt  Haardt. 
n     185  V.  u.      »      6     »    CyrenaconvexahnoiiQ^{=sefnistriataDESH.) 

anstatt  Cyrena  semistriata  Desh. 
»     186  V.  u.      »)      4     »>     Cyrena  convexa    Brong.    anstatt  jCyrena 

semistriata  Desh. 
»>    Tf.  VIll  2  a,  6,  3  anstatt  23. 
»    Tf.  X  anstatt  Tf.  V. 
»    Seite  215  anstatt  Seite  216. 
»      0      219      »         »      218. 


»    199  T.  0. 

»     12 

»     220  V.  u. 

•      4 

»     331  V.  0. 

»      9 

Ebendaselbst 

»     11 

4 

« 

I 

w 


-".■.ccin 


■■inpi 


DATE  DUE 


AUG  1  2  2001^« 


STANFORD  UNIVERSTTY  UBRARIES 
STANFORD,  GVUFORNIA 

94505